Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
It is currently 05.07.2020 08:35

All times are UTC + 1 hour [ DST ]




Post new topic Reply to topic  [ 409 posts ] Go to page  Previous  1 ... 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10 ... 14  Next
AuthorMessage
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 15.02.2019 08:44 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 1978
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
Jimmy Stewart wrote:
Nu ja, dass dem Maulwurf die britischen Großstadtbarden der CLASH in puncto "Lebensrealität" näher liegen als der US-Rocker Springsteen, der sich doch vorrangig mit dem Rock 'n Roll an sich und dem Lebensgefühl der US-Amerikaner beschäftigt hat, ist nun nicht so ungewöhnlich, finde ich.

Das Elternhaus heranzuziehen, finde ich nicht gerade fair - dafür können die Jungs doch nichts. Allerdings kann ich deinen Gedankengang in geweisserweise auch nachvollziehen, da es sich damals bei Beatles vs. Stones etwas ähnlich verhielt. Die Rolling Stones galten lange als 'dirty Streetrocker', kamen aber zumeist aus gutem Hause; während die Beatles Working Class waren, im Vergleich aber als die "lieben Schweigersöhne" galten. Das ist aber Quatsch - und sollte keine Rolle bei der Rezeption spielen. ;)

Du hast das was ich eigentlich schreiben wollte, meine Gedanken, geradezu perfekt ausgedrückt. Vielen Dank dafür!! :hutheben:

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 16.02.2019 09:54 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 1978
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
Ich war Jack Mortimer (Carl Froelich, 1935) 7/10
2 Paare: Auf der einen Seite der gelangweilte Taxichauffeur Ferdinand Sponer und seine Verlobte Marie, die unter seiner ewig schlechten Laune leidet, ihm aber treu ergeben ist. Und auf der anderen Seite der berühmte Dirigent Pedro Montemayor und seine schöne Frau Winifred, bei denen Misstrauen und krankhafte Eifersucht längst ein gemeinsames Zusammenleben ersetzt haben. Bei einem Konzert in Budapest will sich Winifred mit ihrem Freund? Liebhaber? Jack Mortimer treffen, doch Pedro passt ihn ab, tötet ihn, und lässt die Leiche im Taxi von Sponer liegen. Der bekommt Panik, lässt die Leiche verschwinden, und checkt im Hotel als ebendieser Jack Mortimer ein. Sehnlichst erwartet von Winifred, die über den fremden Mann in keinster Weise erfreut ist …

Friedemann Bayer hat Recht wenn er schreibt, dass der Film weniger vom Taxifahrer handelt (obgleich dieser die Hauptfigur ist), als vielmehr von der zerrütteten Ehe der Montemayors, und von der Leere zwischen den Ehepartnern, die mit Misstrauen und Abneigung gefüllt wird. Ein Psychogramm einer gescheiterten Beziehung, das in Form von Dialogen gezeigt wird, gefüllt mit langen Pausen. Und in denen ein Satz wie “Bevor ich bei Dir bleibe bringe ich mich lieber um.“ eine ganz private Hölle treffend und schmerzlich charakterisiert. Die dazugehörige Krimihandlung ist daneben nicht ganz so überzeugend, zu kurz abgehandelt ist der eigentliche Höhepunkt, wenn Sponer sich als Mortimer ausgibt und auf Winifred trifft, die natürlich wissen will wo ihr Geliebter ist. Spannend aber ist die Handlung allemal, wenngleich Adolf Wohlbrück selten sympathisch ist, und sein Schicksal oft egal scheint, bedingt durch seine brüske Art vor allem Marie gegenüber.

Die Bilder allerdings sind aufregend. Collagen, die oft an Walter Ruttmanns BERLIN – DIE SINFONIE DER GROSSSTADT erinnern, und die teilweise wie im Rausch wirken und das moderne Großstadtleben auf hektische Art illustrieren. Wie eine grafische Unterstützung der Ehe der Pedromayors, denen wiederum das gemütliche Gasthaus von Maries Eltern entgegensteht wird, wo die Mama noch selber am Kochtopf steht und Gulaschsuppe rührt. In der Mordszene zitiert sich Drehbuchautorin Thea von Harbou aus DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE selber, und auch hier ist der Verweis auf das anonyme Stadtleben, in dem völlig unbemerkt ein Mord geschehen kann, überdeutlich, während in dem Wirtshaus, also in der überschaubaren altmodischen Welt, selbst bei einer Diskussion zwischen zwei Chauffeuren alle anderen Gäste teilhaben.
Ein interessantes Zeit- und Sittenbild mit Krimihandlung, und ich würde mich wirklich gerne mal mit Thea von Harbou über ihre Intentionen unterhalten …

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 16.02.2019 16:52 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 1978
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
Vera Cruz (Robert Aldrich, 1954) 8/10
Der Abenteurer Ben Trane, seines Zeichens Ex-Südstaatenoffizier und Gemütsmensch, trifft in Mexiko auf den Abenteurer Joe Erin, seines Zeichens Strauchdieb und Anführer einer Bande von Halsabschneidern. Zusammen mit Joes Männern werden sie von Kaiser Maximilian persönlich angeheuert, die Gräfin Duvarre in einer Kutsche nach Vera Cruz zu befördern. Schnell bekommen die beiden heraus, dass die Gräfin nicht der einzige Schatz in der Kutsche ist – Sie sitzt quasi auf 3 Millionen Dollar, die dafür bestimmt sind, in Europa neue Waffen und Soldaten für Maximilian zu besorgen. Oder die für die Juaristen bestimmt sind, um ebenfalls Waffen zu besorgen und eine Revolution zu gewinnen. Oder in den Taschen von Ben und Joe zu landen. Oder in den Taschen von Joe und der Gräfin. Oder in den Taschen von Joe …

Viel ist über diesen Klassiker geschrieben worden, und oft von klügeren Menschen als ich es bin. Zu Vera Cruz fällt mir eigentlich auch nur ein Wort ein: Geil!! Ein richtig starker Western, von vorne bis hinten vollgepackt mit Action, mit tollen und überzeugenden Schauspielern (allein das wölfische Grinsen von Burt Lancaster im Zusammenspiel mit den eiskalten Augen ist das Anschauen wert), mit einer guten Geschichte, hinreißenden Kulissen und ordentlicher Musik.

Viel könnte man schreiben über die Zusammensetzung der Personen, die historischen Hintergründe, die Psychologie, die unverblümte Erotik, den alternden Gary Cooper und den vor Leben geradezu berstenden Burt Lancaster … Ich schreibe nur eines: Toller Film!!

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 17.02.2019 16:45 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 1978
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
Death Sentence - Todesurteil (James Wan, 2007) 9/10
Falsche Zeit, falscher Ort. Als Familienvater Nick Hume mit seinem Sohn in einer Nicht-Middle-oder-Upper-Class-Gegend zum Tanken halten muss, überfällt genau in diesem Augenblick eine Gang die Tanke und erschießt den Sohn. Ein Einstiegsmord - Damit ist der Schütze als Mitglied in die Gang aufgenommen. Zwar wird der Mörder gefasst, aber Nick sagt vor Gericht aus ihn nicht erkannt zu haben, denn sein Gemüt sinnt auf Rache. Diese führt er auch aus, aber allerspätestens beim zweiten toten Gangmitglied wird den Bad Boys klar wer da meuchelnderweise hinter ihnen her ist. Und Nick ist verdammt verwundbar, denn er hat eine Frau und noch einen Sohn. Und seine Adresse ist bekannt ...

Was hier so schoko-flockig klingt hat mich in Wirklichkeit verdammt sprachlos zurückgelassen. Der Film besteht aus einer Aneinanderreihung von Schockmomenten und Actionszenen die sich gewaschen haben. Schon allein die Verfolgungsjagd im Parkhaus, inszeniert als gefühlt stundenlange Plansequenz, treibt das Adrenalin des Zuschauers in die Höhe, von der Home Invasion bei der Familie Hume oder der abschließenden Home Invasion bei der Gang mal ganz zu schweigen. Die Bilder sind oft unglaublich, und gerade der überragende Kevin Bacon wirkt oft wie direkt aus der Hölle kommend.
Mittlerweile ist es einige Tage her, dass ich DEATH SENTENCE gesehen habe, aber die Sprachlosigkeit bleibt. Ein Film wie eine Reihe von Hammerschlägen auf den Kopf. Kein selbstzweckhafter Selbstjustizthriller, sondern dank Kevin Bacon mit einer vernünftigen Psychologie ausgestattet und dadurch umso tiefgehender. Und realistischer: Ich liebe die Szene, wenn Nick Patronen in die Waffe lädt, diese umdreht – und alle Patronen wieder rausfallen. Mir ginge es nicht anders. Nick ist kein Arnie, der zigarrerauchend und sardonisch grinsend die Blutwurst macht, sondern er ist (diese Formulierung verwende ich jetzt bewusst) ein ganz normaler Mann, der Ordnung liebt. Ordnung und seine Familie. Und der beim Versuch, diese Ordnung wieder herzustellen, erkennen muss, dass man Ordnung nicht herstellen kann indem man Chaos erzeugt. Denn das Chaos ist schneller …
"Jetzt siehst Du aus wie einer von uns. Und das ist alles mein Werk." Gänsehaut pur!

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 18.02.2019 20:05 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 1978
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
Der Fuchs von Paris (Paul May, 1957) 6/10
Paris 1944: Der Stab der deutschen Offiziere versucht Hitler davon zu überzeugen, dass die Verteidigungspläne für die Normandie den Tod zehntausender deutscher Soldaten bedeuten, ohne dabei dem Angriff der Alliierten wirklich etwas entgegensetzen zu können. Hitler ist auf dem Ohr bekanntlich taub gewesen, deshalb ersinnt General Quade eine List: Er will die Pläne den Engländern in die Hand spielen und daraufhin erklären, dass der Feind die Pläne kennt und sie deshalb geändert werden müssten. Genau zu diesem Zeitpunkt kommt sein Neffe Hauptmann Fürstenwerth nach Paris, und lernt bei einem Spaziergang die hübsche Yvonne und deren Freunde kennen. Ohne zu ahnen freilich, dass diese aktive Widerständler sind. Quaden wittert die Chance und schickt Fürstenwerth mit den Plänen direkt in die Höhle des Löwen – allerdings denkt dieser, dass die Pläne falsch sind und den Gegner verwirren sollen. Die Engländer wiederum müssen sich von der Echtheit überzeugen und schicken einen Abwehrmann nach Frankreich, der Fürstenwerth auf den Zahn fühlen soll.

Dass man sich, wenn man als Agent in die Hände des Feindes fällt, besser wenig Hoffnungen machen sollte, das weiß jeder Fan von Spionagethrillern. Aber was passiert, wenn man in die Hände der eigenen Leute gerät? Vor allem im letzten Drittel, wenn Fürstenwerth langsam aufgeht dass er nur eine Spielfigur war, realisiert er auch, dass er keinerlei Chance hat aus der verfahrenen Situation herauszukommen. Die Franzosen sehen in ihm einen deutschen Offizier, einen Besatzer, und die Deutschen sehen in ihm nichts als einen Verräter. Yvonne weiss es besser, General Quade weiss es besser, und keiner der beiden kann etwas ausrichten. Dann, in diesem letzten Drittel, wird der Film ungeheuer dicht und intensiv, die Dunkelheit umschleicht Fürstenwerth genauso wie den Zuschauer, und jegliche Romantik, welche die ersten zwei Drittel öfters durchkommt, geht zum Teufel.

Gerade noch rechtzeitig, denn diese ersten beiden Drittel sind leider oft etwas behäbig inszeniert. Viel Liebe zwischen Hardy Krüger und Marianne Koch, viel elegantes Gerede zwischen Feinden, die sich gegenseitig widerwillig Respekt zollen, und wenig entschiedener Vorwärtsdrang. Reinhard Kolldehoff als SD-Mann Biener ist erstklassig böse, hat aber zuwenig Screentime um das auch zu zeigen, und Wolfgang Völz als sein Assi hat zuwenig Ausstrahlung um Kolldehoff zu unterstützen. Es wird nicht langweilig dabei, nein nein, die Handlung schreitet stetig voran, und es macht Spaß, der zunehmenden Verstrickung der Protagonisten in ein unüberschaubares und unzerreissbares Netz zuzusehen, aber ein wenig mehr Schmackes hätte es halt doch gerne sein dürfen. Stattdessen schauen wir zu, wie 12 Jahre nach Kriegsende die Ehrenrettung der Wehrmachtsoffiziere in vollem Gange ist: Selbst dem überzeugten Endsieg-General Toller ist anzusehen, dass ihm das Ende nicht wirklich passt. Mir schon, rettet es den Film doch in realistisches, überzeugendes und mitreissendes Fahrwasser. Ich musste des Öfteren an Rossellinis DER FALSCHE GENERAL denken, der allerdings mit den stärkeren Schauspielern und der dramatischeren Handlung aufwarten kann. Trotzdem: Insgesamt passt alles.

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 23.02.2019 10:50 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 1978
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
Verfluchtes Amsterdam (Dick Maas, 1988) 7/10
Ein Mörder geht um in den Grachten von Amsterdam, und er mordet schnell, blutig, und hinterlässt keine Spuren. Kommissar Visser hat eine Menge Probleme am Hals: Seinen Chef, der wiederum Druck vom Bürgermeister bekommt, seine Tochter, die zusammen mit ihrem medial veranlagtem (nicht) Schulfreund auf Mörderjagd geht, die wunderschöne Laura die ihm gewaltig den Kopf verdreht mit ihrem süßen Lächeln - sowie eine stetig wachsende Anzahl Leichen und Verdächtiger ...

Eigentlich ist AMSTERDAMNED ein reinrassiger Giallo: Der Mörder ganz in schwarzem Gummi, blutige Morde, schöne Frauen (die Assistentin des Kommissars läuft völlig unter dem Radar, ist dabei aber mindestens genauso aufregend wie Monique van de Ven), eine spannende und natürlich ergebnislose Verfolgungsjagd durch die Grachten, unendlich viele rote Heringe, eine merkwürdige Auflösung ... Oft musste ich in der Bildsprache an die gelben Vorbilder aus Italien denken, und eine Szene kam mir vor wie direkt in einem Argento-Thriller. Jetzt noch Musik von Stelvio Cipriani, und das Teil könnte ohne weiteres italienischer Herkunft sein. Osvaldo Civiranis TEUFEL MIT DEN 7 GESICHTERN spielt schliesslich auch in Amsterdam, und der hatte mir um einiges weniger gefallen.
Dass Huub Stapel dabei oft ein wenig wie der letzte Bulle von Holland wirkt stört schlussendlich nicht, entscheidend ist was hinten rauskommt, und das ist einfach ein guter und spannender Thriller. Punkt. Feine Actionware mit viel 80er-Flair und mit Monique van de Ven im sexy Taucheranzug ...

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 26.02.2019 22:36 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 1978
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
Keller – Teenage Wasteland (Eva Urthaler, 2005) 7/10 (wegen ein paar formaler Fehler, sonst 8/10)
Wie alt werden die beiden Jungen sein? 16, vielleicht 17. Sebastian kommt aus der besseren Schicht. Er ist immer alleine weil sein Vater immer beruflich unterwegs ist. Paul wohnt da "wo die Asozialen wohnen". Sagt Sebastian. Doch die beiden freunden sich an, ziehen durch die Vorstädte, und klauen Wodka, den sie in einer stillgelegten Fabrik saufen, immer mit den Augen auf den Centerfolds an der Wand. Die Kassiererin im Supermarkt erwischt sie beim Klauen und wirft sie raus – Mächtig böser Fehler, denn Sebastian und Paul entführen das Mädchen, nur geringfügig älter als die beiden, und fesseln sie in der Fabrik an einen Stuhl. Vor allem Sebastian dreht gewaltig auf, ist jetzt doch er der Boss, und alle hören auf ihn. Dabei möchte er in Wirklichkeit eigentlich nur eines: Paul in den Arm nehmen und dessen Nähe spüren. Pauls warmen Körper, und nicht die knochige Sonja. Die soll doch verrecken in ihrem Scheiß Stuhl …

"Ich hatte noch nie einen Freund wie Dich" sagt Sebastian. Zweimal sagt er es, einmal zu Paul, und einmal zu seinem Spiegelbild, nachdem er erkennen musste, dass Paul seine Neigungen nicht teilt. Insofern ist KELLER durchaus ein Coming-of-Age-Film, aber keiner der interessanten Gedankenanstöße und abwechslungsreichen Erlebnisse. Im Gegenteil, der Film ist so ungemütlich wie selten einer. Ich habe oft auf die Uhr geschaut, nicht weil der Film nicht gut war, sondern weil es oft widerwärtig war. Unangenehm. Wie ein pochender und kratzender Knorpel fühlt er sich an. Vor allem gegen Ende, wenn Sonjas Freund noch dazustößt (eine betäubende Performance von Georg Friedrich, die nachhaltig Eindruck hinterlässt) und ein Verhalten an den Tag legt, das man so nun wirklich nicht erwartet hätte. Dann möchte man als Zuschauer eigentlich nur noch abschalten, denn das, was sich Menschen da gegenseitig antun, das hat mit Film eigentlich nicht mehr viel zu tun. Das ist blanke, eiskalte Realität …
Menschen in einem abgeschlossenen Raum, einer davon gefesselt, da fällt mir THE 24TH DAY ein oder der erste SAW. Ersterer vor allem wegen der homoerotischen Komponente, letzterer wegen der Düsternis und der widerlichen Verkommenheit, die in KELLER genauso die Hauptrolle spielen. Beispiel gefällig? Bitte schön: Sonja ist schon recht lange an den Stuhl gefesselt. Sie: "Ich muss mal." Sebastians selbstverständlich klingende Antwort: "Dann geh doch." Er lacht dabei nicht einmal, sondern er meint das ernst, und sein leises Lächeln zeigt, was für eine Freude er an der Erniedrigung anderer hat. Die anderen sind schuld, an allem, und deswegen muss man ihnen zeigen wer hier der Klügere und Bessere ist. Wie gesagt, Realität pur …
Wer die Szenen in DAS STENDHAL-SYNDROM mochte, in denen Asia Argento an die Matratze im Bunker gefesselt ist und sich vor Angst kaum noch bewegen kann, wer diese Szenen mochte weil sie intensiv und finster und schmutzig sind, der wird auch KELLER mögen. Große Teile des Films sind wie diese Szenen: Sehr düster, ziemlich intensiv, reichlich dreckig. Schön ist der Film nicht. Aber gut!

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 01.03.2019 17:36 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 1978
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
Tough Boys – Zwei rechnen ab (Paddy Breathnach, 1997) 4/10
Innerhalb weniger Stunden schafft Git es, aus dem Knast entlassen zu werden, seinen Freund, der auch gleichzeitig sein Nachfolger bei seiner Frau ist, aus einer misslichen Situaltion zu befreien, zwei Gangster ziemlich ernsthaft zu lädieren, und deren Boss nachhaltig zu verärgern. Besagter Boss, Tom French, schickt Git darum los, einen verschwundenen Freund und Partner zurückzuholen, Frank Grogan. Es geht um Geld, was sonst: Frank hat eine Menge Schulden bei Tom French, und wenn Git sich weigert, wird er das gleiche Problem haben. Aber im Moment hat er ein noch viel größeres Problem: Tom French gibt ihm nämlich Bunny Kelly mit, und der ist großmäulig, arrogant, eingebildet, aufgeblasen, und vor allem reichlich unzuverlässig. Zusammen fährt man durch die irische Provinz auf der Suche nach Frank. Und als man ihn gefunden hat wünscht man sich ganz schnell, dass man ihn nie gefunden hätte …

Denn im Jahr des Herren 1997, drei Jahre nach der Entstehung von PULP FICTION, wollten auch die Iren ihr Stück vom Quentin Tarantino-Boom abhaben. Man nehme also zwei sympathische Gangster, eine extrem redselige Geisel, Kapitelüberschriften und coole Musik, schüttle das ganze einmal durch, und voilà, alle sind begeistert. Nun ja, die Helden sind leicht angetrottelt (zumindest der eine der beiden), was mir persönlich immer Probleme beim Ansehen bereitet (ich mag keine Filme mit Loosern in der Hauptrolle), die Geisel hat nicht mal ansatzweise die Ausstrahlung von Tarantinos Protagonisten, die Kapitelüberschriften sind sehr zwanghaft auf lustig getrimmt (was völlig in die Hose geht), die Musik ist schweinelangweilig, und Begeisterung schaut dann insgesamt irgendwie anders aus. Dazu kommen öde lange Gespräche über Männerintimitäten, noch ödere lange Gespräche über Familiengeheimnisse, und bis zum Schluss dann der Showdown im Wald ganz alte Geschichten aufwärmt, ist das Interesse an der mühsam erzählten Geschichte längst erlahmt. Schade, denn die alten aufgewärmten Geschichten klingen allemal spannender als die filmische Gegenwart.
Irisches Kino kann großartig sein: EIN IRE SIEHT SCHWARZ, INTERMEZZO, PERRIER’S BOUNTY, und so manches mehr. TOUGH BOYS gehört definitiv nicht zu diesen Sternstunden des gälischen Films.

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 09.03.2019 18:02 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 1978
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
Hell’s Angels 69 (Lee Madden, 1969) 6/10
Die beiden Halbbrüder Wes und Chuck wollen ein Spielkasino in Las Vegas ausrauben. Der Plan ist dabei auch gar nicht so schlecht ausgedacht, und zwar soll das mit Hilfe der Hells Angels durchgeführt werden – ohne deren Wissen freilich. Das einzige Problem dabei ist: Die Hells Angels zu instrumentalisieren heißt, mit dem Teufel persönlich zu spielen. Und bei diesem Spiel muss man schon höllisch aufpassen, klarofitzke …

Irgendwann wird es mit den Sprüchen von Arne Elsholtz und Rainer Brandt dann doch mal etwas zu viel, und man ist als Zuschauer ganz froh, dass während des Showdowns kaum noch gesprochen wird. Aber mal abgesehen davon, und auch abgesehen davon, dass die beiden Hauptdarsteller ziemliche Unsympathen sind, abgesehen also von solchen Nebensächlichkeiten zieht der Film gut durch. Die Rocker auf den Wüstenmotorrädern schauen etwas eigenartig aus, und spätestens die Wüstengretel Betsy hockt auf ihrem Hobel wie der Affe auf dem Schleifstein. Aber der Film hat Wumms, er treibt ständig nach vorne, der Plan der beiden Brüder wird nicht erklärt, was zu einigermaßen Spannung führt, und wenn die Männer um Sonny Barger herausbekommen um was es wirklich geht, und dass 600.000 Dollar auf dem Spiel stehen, dann ist auch ordentlich … Motorradfahren geboten. Die Wüste bebt, und der Zuschauer hat Spaß. Das einzige was mich wirklich gestört hat ist diese Beweihräucherung der Hells Angels. Sind ja eigentlich alles ganz patente Kerle. Saufen mal ganz gerne, und langen beim Prügeln auch ordentlich zu (vor allem dank Zeitraffer-Effekt), aber wenn es drauf ankommt kann man sich auf sie verlassen. Nun ja, wer’s braucht. Aber die Mitwirkung des echten Sonny Barger war sicher nicht anders zu erkaufen. Trotzdem, oder vielleicht auch gerade dadurch eine flotte Fahrt mit dröhnenden Motoren durch eine gut erzählte Geschichte. Passt.

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 12.03.2019 18:51 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 1978
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
Die letzten Wochen ist a bisserl was durchs Raster gefallen, wo mir entweder die Zeit oder die Worte gefehlt haben. Das war so nicht der Sinn der Sache, darum hier der Schnelldurchlauf durch die Dinge die vom Monat so übrig geblieben sind ...

Das Geheimnis der grünen Stecknadel (Massimo Dallamano, 1972) 9/10
Fabio Testi möchte sich gerne durch das London des Jahres 1972 vögeln, doch ein Serienkiller und die katholische Erziehung seiner Schülerinnen lassen ihn nicht. Ein wunderbarer Film, und einer der stärksten Gialli ever. Vor und hinter der Kamera halt ein Top-Team, Spannung, Atmosphäre, ... Aber hier zu schwärmen hieße Jungfrauen in eine Mädchenschule tragen ...

An einem Freitag in Las Vegas (Antonio Isasi-Isasmendi, 1968) 8/10
Unglaublich, mit wieviel Stilwillen Isasi diesen Film estellt hat. Die (manchmal etwas nervige) Musik, die Schnitte, der Erzählstil, die Settings ... Und natürlich die großartigen Schauspieler, die uns die spannende Geschichte von einem verdammt raffinierten Überfall auf einen Geldtransporter nahebringen. Einer der ganz großen Heists.

Man-Eater (Der Menschenfresser) (Joe D’Amato, 1980) 7/10
Meine Erstsichtung, und ich habe gestaunt wie gut der Film funktioniert. Ich dachte immer der wäre sterbenslangweilig, aber von wegen. Die Szenen in der Nekropole haben mich sehr beeindruckt, und das Showdown vor der Villa und in dem Brunnen werde ich so schnell nicht mehr vergessen. Großartig! Macht Lust auf mehr Italo-Horror.

Topas (Alfred Hitchcock, 1969) 5/10
Da arbeite ich noch ein einem langen Text, aber ich kann schon mal sagen, dass er mir nicht sonderlich zugesagt hat. Zu unkonzentriert auf das Wesentliche, zu zerfahren. Beileibe nicht schlecht, aber deswegen auch noch lange nicht gut. Besprechung folgt, versprochen.

Bangkok Dangerous (Oxide Pang & Danny Pang, 2008) 7/10
An das Original kann ich mich kaum noch erinnern, und die Zweitsichtung des Remakes hat die letzten Bilder der Vorlage dann endgültig aus dem Kopf gefegt. Ein starker Film über einen Killer, der seine eigenen Gesetze überschreitet. Viel Noir, gute Action, tolle Stimmung - Empfehlenswert!

Die Banditen von Mailand (Carlo Lizzani, 1968) 7/10
Bei dem haben mir hinteher glatt die Worte gefehlt. Da steckt so viel drin, und der kam so unerwartet (deswegen auch nur 7 von 10 Bankfilialen - ich hatte mir etwas ganz anderes vorgestellt), da war ich hinterher ziemlich überfahren. Die zwischen Mockumentary und hartem Gangsterfilm erzählte Geschichte um drei und einen halben Bankräuber hat verdammt viel Drive und bordet vor Inhalt fast über. Ausserdem fühlte ich mich sehr stark an BEWAFFNET UND GEFÄHRLICH von Romolo Guerrieri erinnert, aber das Vergleichen hat meine Textsynapsen überfordert. Na vielleicht bei der nächsten Sichtung ...

The Cabinet of Jan Svankmajer (Keith Griffiths & Stephen Quay & Timothy Quay & Jan Svankmajer) Keine Wertung
Wenn man Svankmajer mag und viel von ihm gesehen hat, dann ist dieser Kurzfilm sicher ein mittlerer Orgasmus. Ich habe von ihm noch nichts gesehen, und konnte entsprechend auch nichts damit anfangen. Doch, FAUST habe ich gesehen, aber der hatte mir nicht gefallen. Drum entfällt eine Wertung, die könnte nur unfair sein ...

Stadt in Panik (Giuseppe Rosati, 1976) 7/10
Wieso die Stadt "in Panik" ist hat sich mir zwar nicht erschlossen, aber das macht nichts. Ein hinreissend fieser und starker Poliziotto. Merli in Hochstimmung, der Schnäuzer bebt, und die Schurken zittern. Ein Grund, warum ich Film so liebe :D

Adios Gringo (Giorgio Stegani, 1965) 7/10
Hat mir überraschend gut gefallen, nur an dem Text für Italo-Cinema sitze ich schon länger und finde und finde keinen Abschluss. Trotzdem, da kommt noch was. Und Gemma geht sowieso IMMER.

Plattfuß am Nil (Steno, 1980) 6/10
Hat mir ebenfalls überraschend gut gefallen, und hat mich vor allem mit der Plattfuß-Serie vollendes versöhnt. Ist auf jeden Fall besser als die Bewertung ahnen lässt, hier gibt es eine genauere Beschreibung. Jetzt habe ich alle 4 Filme durchgesehen, nun kann ich ja wieder von vorne anfangen. :mrgreen:

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 12.03.2019 19:30 
Offline
User avatar

Joined: 12.2013
Posts: 4594
Location: Provinzmetropole an Rhein und Mosel
Gender: Male
Schmutziger_Maulwurf wrote:
Die Banditen von Mailand (Carlo Lizzani, 1968) 7/10
Bei dem haben mir hinteher glatt die Worte gefehlt. Da steckt so viel drin, und der kam so unerwartet (deswegen auch nur 7 von 10 Bankfilialen - ich hatte mir etwas ganz anderes vorgestellt), da war ich hinterher ziemlich überfahren. Die zwischen Mockumentary und hartem Gangsterfilm erzählte Geschichte um drei und einen halben Bankräuber hat verdammt viel Drive und bordet vor Inhalt fast über. Ausserdem fühlte ich mich sehr stark an BEWAFFNET UND GEFÄHRLICH von Romolo Guerrieri erinnert, aber das Vergleichen hat meine Textsynapsen überfordert. Na vielleicht bei der nächsten Sichtung ...

Da bin ich doch schon schwer gespannt, wie Deine 'richtige' Wertung nach der Zweitsichtung ausfallen wird.
Lizzanis hervorragende Inszenierung ist einfach nur eine Bombe von Film!


Und Isasi-Isasmendis AN EINEM FREITAG IN LAS VEGAS mag ich übrigens auch sehr :)


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 12.03.2019 20:22 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 7767
Gender: None specified
Schmutziger_Maulwurf wrote:
Plattfuß am Nil (Steno, 1980) 6/10
Hat mir ebenfalls überraschend gut gefallen, und hat mich vor allem mit der Plattfuß-Serie vollendes versöhnt. Ist auf jeden Fall besser als die Bewertung ahnen lässt, hier gibt es eine genauere Beschreibung. Jetzt habe ich alle 4 Filme durchgesehen, nun kann ich ja wieder von vorne anfangen. :mrgreen:

Ei ei ei - am Ende nur besserer Durchschnitt, was ist denn da los?
Da kann ich nur sagen: "Du hast ein' Kopf wie'n Hauklotz, also muss ma' draufhauen!"


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 12.03.2019 23:07 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 1978
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
Richie Pistilli wrote:
Da bin ich doch schon schwer gespannt, wie Deine 'richtige' Wertung nach der Zweitsichtung ausfallen wird.
Lizzanis hervorragende Inszenierung ist einfach nur eine Bombe von Film.

Sbirro Di Ferro wrote:
Ei ei ei - am Ende nur besserer Durchschnitt, was ist denn da los?
Da kann ich nur sagen: "Du hast ein' Kopf wie'n Hauklotz, also muss ma' draufhauen!"

Ihr habt natürlich beide Recht. Das ist die Stelle, an der mir die Idee von Stantons Entertainometer gefällt: Wie gut hat mich ein Film unterhalten? Vor allem aber gehe ich noch einen Schritt weiter: Was ist am nächsten Tag noch im Kopf vorhanden? Manchmal gefällt mir ein Film sehr gut, aber am nächsten Tag stelle ich fest, dass einfach so gar keine Bilder mehr da sind. Uninteressante Erinnerungen an den Film vom Vorabend. Oder anders ausgedrückt: War da was?
Und manchmal ist es genau anders herum, da wird ein Film als nett bewertet, und ein oder zwei Tage stelle ich fest was für ein hammerartiges Teil das war. Kennt ihr bestimmt.

Sowohl bei den Banditen wie auch beim Plattfuß war es so wie beschrieben. Im Lauf der nächsten Tage wurden die Filme als immer besser befunden, als immer stärker und eindrucksvoller bewertet. Bloß das Filmtagebuch, das update ich dann nicht mehr. Da kommt in den allermeisten Fällen die Empfindung direkt nach Sicht rein. Und dann passiert halt sowas ...

Weswegen der Plattfuß inzwischen durchaus mit 7 von 10 Trenchcoats bewertet werden könnte, mit leichter Tendenz nach oben. Und der Lizzani? Ja, der käme ebenfalls besser weg. Da müsste ich mir wirklich die Vergleiche mit BEWAFFNET UND GEFÄHRLICH vor Augen schreiben, ich glaube das tät dem Teil gut tun und meine eigenen Gedanken klären.
Aber vorher kommen TOPAS und ADIOS GRINGO dran, die scharren beide unruhig mit den Hufen ...

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 12.03.2019 23:41 
Offline
User avatar

Joined: 09.2015
Posts: 896
Gender: None specified
Schmutziger_Maulwurf wrote:
Das Geheimnis der grünen Stecknadel (Massimo Dallamano, 1972) 9/10
Fabio Testi möchte sich gerne durch das London des Jahres 1972 vögeln, doch ein Serienkiller und die katholische Erziehung seiner Schülerinnen lassen ihn nicht. Ein wunderbarer Film, und einer der stärksten Gialli ever. Vor und hinter der Kamera halt ein Top-Team, Spannung, Atmosphäre, ... Aber hier zu schwärmen hieße Jungfrauen in eine Mädchenschule tragen ...

Wie unglaublich schmierig der Film eigentlich ist, fiel mir damals erst bei der zweiten Sichtung auf.
Danach hatte ich das Bedürfnis mich mit Sagrotan und Wurzelbürste zu bearbeiten.


Schmutziger_Maulwurf wrote:
Man-Eater (Der Menschenfresser) (Joe D’Amato, 1980) 7/10
Meine Erstsichtung, und ich habe gestaunt wie gut der Film funktioniert. Ich dachte immer der wäre sterbenslangweilig, aber von wegen. Die Szenen in der Nekropole haben mich sehr beeindruckt, und das Showdown vor der Villa und in dem Brunnen werde ich so schnell nicht mehr vergessen. Großartig! Macht Lust auf mehr Italo-Horror.

Wenn einen die (schon von Anfang an) aufgebaute Atmosphäre des unausweichlichen gefangen nehmen kann, ist das wirklich ein toller Film mit sehr schönen Szenen. Ich mag den auch sehr.


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 20.03.2019 18:35 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 1978
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
Sex & fury (Noribumi Suzuki, 1973) 7/10
Bis ich die Handlung halbwegs verstanden hatte war die Hälfte vom Film um. Wiedergeben könnte eh nicht wirklich was da passierte, es geht um eine Rache, um einen Attentäter, um verzweifelte Liebe und um ganz viel Sex und Blut. Auf jeden Fall hat mich der Flick nach einem etwas langwierigen Einstieg zum Schluss unglaublich gefangen genommen. Da sagen Bilder mehr als viele Worte:

Image Image Image

 
Image Image Image

 
Image Image Image

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 20.03.2019 19:35 
Offline
User avatar

Joined: 03.2014
Posts: 1947
Gender: Male
Schmutziger_Maulwurf wrote:
Sex & fury (Noribumi Suzuki, 1973) 7/10
Bis ich die Handlung halbwegs verstanden hatte war die Hälfte vom Film um. Wiedergeben könnte eh nicht wirklich was da pssierte, es geht um eine Rache, um einen Attentäter, um verzweifelte Liebe und um ganz viel Sex und Blut. Auf jeden Fall hat mich der Flick nach einem langowerigen Einsteig zum Schluss unglaublich gefangen genommen. Da sagen Bilder mehr als viele Worte:

Lohnt sich der Film wirklich :boys_0137: Der Titel ist mir ja geläufig, nur hatte ich mich da nicht so recht
heran getraut, weil ich denke, das mir der Sex da zuviel erscheint. Zumal mir die japanischen Filmemacher
in der Beziehung mir teilweise zuschrill und verrückt erscheinen :mrgreen: . ;) Ich meine, ich will keine
komischen, seltsam erscheinenden Sexszenen sehen, die dann hier das Hauptaugenmerk bilden. Das wäre
und ist mir dann einfach zu langweilig und echt nicht mein Fall :jc_hmmm:
Aber Rache und verzweifelte Liebe klingen für mich zumindest (erst mal) gut.

_________________
ImageImageImage


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 21.03.2019 10:53 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 1978
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
Graf von Karnstein wrote:
Lohnt sich der Film wirklich :boys_0137: Der Titel ist mir ja geläufig, nur hatte ich mich da nicht so recht
heran getraut, weil ich denke, das mir der Sex da zuviel erscheint. Zumal mir die japanischen Filmemacher
in der Beziehung mir teilweise zuschrill und verrückt erscheinen :mrgreen: . ;) Ich meine, ich will keine
komischen, seltsam erscheinenden Sexszenen sehen, die dann hier das Hauptaugenmerk bilden. Das wäre
und ist mir dann einfach zu langweilig und echt nicht mein Fall :jc_hmmm:
Aber Rache und verzweifelte Liebe klingen für mich zumindest (erst mal) gut.

Nun ja, eine gewisse Affinität zu Pinky Violence sollte natürlich vorhanden sein. Die Kämpfe sind stilistisch oft herausragend, blutig, und nicht immer angezogen. Zu Beginn wird Ocho in der Badewanne überfallen. Sie kann einem Angreifer das Schwert entreissen und metzelt nach und nach alle nieder - Nackt, selbstverständlich. Der Kampf verlagert sich irgendwann nach draußen, in den schneebedeckten Hinterhof. Dort sieht man dann lange Zeit nur noch ihre nackten Füße und Beine, die einen Totentanz tanzen, während Blut und ab und zu ein Körperteil auf die Erde fallen. Wie gesagt, stilistisch herausragend.
Sex hat es weniger, immerhin ist der Film von 1973. Es wird des öfteren vergewaltigt, aber nie wirklich sichtbar. Nicht grafisch, wie man dazu sagt. Halbnackter Mann auf nackter Frau, sie schreit, er stöhnt ... Es hat deutlich mehr Gewalt als Sex, allerdings ist, bedingt durch die Ausstrahlung von Reiko Ike, die Atmosphäre sexuell oft sehr aufgeladen. Und spätestens, wenn Christina Lindberg im knappen Wildlederkostüm (Screenshot 7) die mit Ketten gefesselte Ocho auspeitscht, während von links Killernonnen und von hinten Jesus Christus zuschauen (Screenshot 8), spätestens dann weiß man in welche Richtung der Zug geht. Die FLOWER AND SNAKE-Filme werden da mehr als nur berührt.
Schrill? Verrückt? Der zweite Teil, FEMALE YAKUZA TALE, erschien mir abgedrehter, der erste ist noch relativ(!) bodenständig. Aber ganz ehrlich, wenn ich über Deinen Geschmack nachdenke, Graf Karnstein, kann ich mir nicht so ganz vorstellen, dass das was für Dich ist.

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Last edited by Schmutziger_Maulwurf on 21.03.2019 11:01, edited 2 times in total.

Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 21.03.2019 11:00 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 1978
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
Pestizide – Grapes of Death (Jean Rollin, 1978) 8/10
Auch auf die Gefahr hin, dass ich es mir zu einfach mache: Die ganz wunderbare Asa Vajda hat in ihrem genauso wunderbaren Schattenlichter-Blog einen Text über diesen Film geschrieben, dem einfach nichts hinzuzufügen ist. Sie drückt meine Gedanken geradezu perfekt aus.

Die einzige Frage die ich mir stelle ist: Wie zur Hölle kommt man auf die Idee, einen solch romantischen und düsteren Film FOLTERMÜHLE DER GEFANGENEN FRAUEN zu nennen? :o Mit dem Titel hätte ich mir das Teil nie angeschaut. Klar, dass der Film sich da nicht durchsetzen konnte. Die Zuschauer MUSSTEN ja enttäuscht sein ...

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 21.03.2019 17:32 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 7767
Gender: None specified
Die Antwort ist ganz einfach: Das Credo der damaligen Verleiher im Bezug auf solche Filme war "Je reißerischer, desto besser".
Für den Anfang, um das Publikum neugierig zu machen, war das sicher nicht schlecht.
Nur später dann blöd, wenn die Leute merken, dass sie verarscht wurden und sich das herumgesprochen hat.


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 21.03.2019 18:23 
Offline
User avatar

Joined: 03.2014
Posts: 1947
Gender: Male
Schmutziger_Maulwurf wrote:
Nun ja, eine gewisse Affinität zu Pinky Violence sollte natürlich vorhanden sein.
Sex hat es weniger, immerhin ist der Film von 1973. Aber ganz ehrlich, wenn ich über Deinen Geschmack nachdenke, Graf Karnstein, kann ich mir nicht so ganz vorstellen, dass das was für Dich ist.

Danke für Deine Einschätzung :)
So ganz bin ich solchen Filmen sicherlich nicht abgeneigt, denn es kommt mir immer auf die Geschichte, deren Umsetzung, Darsteller usw. an. Will nur keine Filme sehen, wo eine schrille bizarre praktizierte Sexszene oder Folterszene die andere jagt. Kann von mir aus vorkommen, aber es sollte irgendwie passend zum Rest sein und nicht nur ausschließlich auf solche Dinge ausgerichtet sein.

Beispiele von Filmen, die mir in der Vergangenheit zumindest zusagten:
Tokugawa I & II (wobei mir der zweite, als historisches (Erotik)-Drama ein wenig besser gefällt)
EXZESSE IM FOLTERKELLER (zugegeben, ein ziemlich krasser Film, aber hier stimmte die Mischung)
BLIND BEAST (ein Erotik-Drama der etwas anderen Art inkl. des ungewöhnlichen Schauplatzes)
oder meinetwegen die alten vier SASORI-FILME, wo Sex auch vorkommt, die ich aber sehr gut finde)


Negative Beispiele von Filmen, die mir gar nicht gefielen:
OXEN SPLIT TORTURING (der ging selbst mir zu weit, nicht unbedingt wegen seiner extremen Folter- und Gewaltszenerien, sondern der ganze Film war nur darauf ausgerichtet. Ferner war die Hauptfigur total unsympathisch, blöd und überhaupt war der ganze Film einfach nur doof.

HANZO (Ich hatte eher tatsächlich so etwas wie einen historischen japanischen "Dirty Harry" erwartet, was man im Vorfeld heraus zu lesen war, aber für mich versaute es sich der Film leider selber, durch seine übertriebenen in die Länge gezogenen blöden Sexszenerien dieses Staatsbeamten mit diversen Frauen. Ja , ne,.. nix für mich und war eine totale Enttäuschung. Den zweiten Hanzo-Film habe ich mir deswegen bis heute erspart)

Das sind nur wenige Beispiele, die in etwa das verdeutlichen können, wie ich was meine :)

_________________
ImageImageImage


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 21.03.2019 19:03 
Offline
User avatar

Joined: 01.2017
Posts: 1349
Gender: None specified
Graf von Karnstein wrote:

HANZO (Ich hatte eher tatsächlich so etwas wie einen historischen japanischen "Dirty Harry" erwartet, was man im Vorfeld heraus zu lesen war, aber für mich versaute es sich der Film leider selber, durch seine übertriebenen in die Länge gezogenen blöden Sexszenerien dieses Staatsbeamten mit diversen Frauen. Ja , ne,.. nix für mich und war eine totale Enttäuschung. Den zweiten Hanzo-Film habe ich mir deswegen bis heute erspart)


Man kann es natürlich nicht 1:1 vergleichen, aber aufgrund des Zeitstils (mit einer starken Dosis bunter Pop-Art) und der gewissen bizarren Handlungseinfälle (gerade was das Sexuelle betrifft) würde ich SEX & FURY dann doch am ehesten - von Deinen angeführten Beispielen - mit HANZO vergleichen, ist natürlich ein Pinky-Violence-Film, wo die Frau / Frauen die aktive /aktiven ist / sind, aber sadistische Gewalt findet man ja nicht gerade selten im japanischen Genre-Kino - allerdings: wenn Du die SASORI-FILME magst, dann könnte Dir SEX & FURY dann doch auch eigentlich gefallen...


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 22.03.2019 07:51 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 1978
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
HANZO kannte ich noch nicht, vielen Dank für den Tipp!
Mit den SASORI-Filmen würde ich SEX & FURY aber nur bedingt vergleichen. SASORI ist erheblich düsterer und ernster in seiner Grundstimmung, wenngleich die Ausrichtung natürlich schon in eine ähnliche Richtung geht: Frau nimmt Rache und geht dabei durch die Hölle. Die sexuell aufgeladene JP-Fassung von Django ... :mrgreen: Wobei SASORI in Bezug auf die Darstellung von Nacktheit und Sex deutlich zurückhaltender ist.

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 23.03.2019 10:05 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 1978
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
Who am I – Kein System ist sicher (Baran bo Odar, 2014) 8/10
Benjamin ist Zeit seines Lebens unsichtbar. Ein Freak. Der, der in der Schule in der hintersten Reihe sitzt und nicht beachtet wird. Der nicht einmal verprügelt wird, weil ihn keiner wahrnimmt. Als Benjamin mit Computern in Berührung kommt merkt er, dass er etwas kann: Er kann verdammt gut hacken. Aber nicht gut genug, denn er wird erwischt und muss gemeinnützige Arbeit leisten. Dabei lernt er Max und seine Clique kennen, die ebenfalls hacken, allerdings auf wesentlich höherem Niveau. Gemeinsam ist man stark, und gemeinsam werden die Angriffsziele immer größer, wenngleich nach wie vor der Spaß im Vordergrund steht. Doch nicht für Max, denn Max ist ehrgeizig, und dass der größte Hacker der Welt, MRX, die Gruppe als unwichtig ansieht, brennt in ihm ein tiefes Loch. Ein richtig großes Ziel muss her – Der BND wird gehackt. Doch ab diesem Augenblick ist der Spaß vorbei: Ein Hacker einer anderen Gruppe wird ermordet, MRX fordert von den Freunden, die europäische Polizei Europol in Den Haag zu hacken, und die russische Cyber-Mafia, die wohl anscheinend mit MRX in Verbindung steht, macht Jagd auf die Gruppe. Unsichtbarkeit? Das war einmal …

Dunkle Gestalten in Hoodies, meist mit Guy Fawkes-Masken, drängeln sich in einem räudigen S-Bahn-Wagen und unterhalten sich grafisch per Messenger Box. Plötzlich kommt eine Gruppe Warzenschweingesichter herein, drängelt und schubst sich rücksichtslos durch, bis eine Person erreicht wird, die über ihrer schwarzen Maske nur ein weißes X trägt. Wir befinden uns im Darknet, wo Anonymität eine Selbstverständlichkeit ist. Die Warzenschweine sind von der russischen Cyber-Mafia, und der Mann mit dem X ist MRX, der mächtige und unantastbare Hacker. Die Stimmung ist im positiven Sinne düster, solidarisch, und grundlegend kämpferisch. So wie die Stimmung unter den Freunden, die doch zusammen eigentlich nur Spaß haben wollen. Eine Veranstaltung von Neo-Nazis wird gehackt, genauso wie das Telefonquiz eines Radiosenders, und die Fenster eines Pharmakonzerns blinken in der Nacht im Schriftzug WE KILL ANIMALS. Nichts wirklich Böses also, keine landesverräterischen Szenarien, sondern Streiche die den Reichen, Mächtigen und Doofen gespielt werden. Erst der Angriff auf den BND, obwohl mit verspieltem Resultat, bringt die Gruppe in das Zielvisier der Fahnder – und der Russen.
Ist das erzählerische Tempo bis dahin flott und die Narration schoko-flockig, so geht ab diesem Zeitpunkt der Punk ab, und er ist dunkel und hart. Die Bilder sind ein Real-Traum-Comic-Rausch im Tempo der hinterlegten Techno-Mukke, und die Geschichte schlägt mit zunehmendem Tempo einige Haken. Das große Verdienst des Regisseurs ist es dabei, den Zuschauer nicht alleine zu lassen. Niemals fehlt die Orientierung, immer weiß man wo man sich gerade befindet. Im Gegensatz zu Benjamin, dessen Welt in einer unglaublichen Geschwindigkeit zerschlagen und wieder aufgebaut und wieder zerschlagen wird. Obwohl, die letzte Zerstörung, findet die nicht eigentlich nur in den Augen des Zuschauers statt? Und was passiert danach, mit diesem unerwarteten Schlusstwist?

Diese Schauspieler. Diese unglaublich starken Schauspieler, die den Zuschauer geradezu sogartig in die Story und in ihre Welt hineinziehen. Auch wenn ich persönlich des öfteren Probleme mit den Streichen hatte (ich alte Spießersau), stellt sich prinzipiell die Frage, wer nicht gerne an der Seite von Benjamin, Max, Paul und Stefan durch die Nacht ziehen und LEBEN spüren möchte. Vor allem Wotan Wilke Möhring (“Wenn Dir das Leben Zitronen reicht – frag nach Salz und Tequila“) lässt dermaßen die Sau raus - Ich glaube der Mann hatte richtig Spaß bei den Dreharbeiten. Aber auch der ungemein charismatische Elyas M’Barek und der oft etwas zurückhaltende Tom Schilling brillieren vor dem Hintergrund aus nächtlicher Großstadt, Emo-Rock und hartem Techno.

Letzten Endes ist während des Anschauens etwas passiert, was ich ursprünglich nicht erwartet hätte: Ich empfand den Film als unglaublich spannend! Spannend und mitreißend. Erwartet hatte ich eine Mischung aus GOONIES, MATRIX und DIE FETTEN JAHRE SIND VORBEI. Und was habe ich bekommen? Einen Rave mit einer Mischung aus DIE ÜBLICHEN VERDÄCHTIGEN und FIGHT CLUB sowie einem guten Schuss Guy Ritchie! Ein moderner europäischer Thriller mit erstklassigen Darstellern und erstklassiger Umsetzung. Stilistisch und erzählerisch wie einer dieser zeitgenössischen Thriller aus Frankreich, etwa wie der unten erwähnte SLEEPLESS NIGHT – NACHT DER VERGELTUNG. Und das ist als ganz großes Kompliment gemeint. Bitte mehr davon!

Und noch etwas ist mir aufgefallen: Nach DAS LETZTE SCHWEIGEN ist WHO AM I der zweite Film des Schweizers Barak bo Odar, der mich auf das Sofa gepresst und sprachlos gemacht hat. Und nachdem ich in den vergangenen Tagen den außerordentlichen französischen Film SLEEPLESS NIGHT mit 9/10 Mehlpäckchen bewertet habe, und Barak bo Odar das US-Remake SLEEPLESS – EINE TÖDLICHE NACHT gedreht hat, bin ich nun reichlich neugierig geworden, was der Mann denn wohl mit großem Budget abliefert. Ich werde berichten …

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 24.03.2019 12:04 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 1978
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
Okami – Die tätowierte Killerin (Buichi Saito, 1972) 7/10
Der einsame Wolf erhält den Auftrag, Oyuki zu töten, die tätowierte Killerin, die ihren toten Feinden den Haarknoten und damit die Ehre abschneidet.

Interessant, dass Sid.Vicious die Teile 2 und 3 als stärker bewertet, und diesen vierten Teil als schwächer. Mir geht es genau andersherum: In den beiden Vorgängern ist Ogami Itto unbesiegbar, unangreifbar, unzerstörbar. Der Superman aus Japanoid, der Über-Django, der mit einem Augenzwinkern alle Feinde im Handumdrehen erledigt. Ich habe Superman-Comics nie gemocht, ich habe immer die zweifelnde und verwundbare Spinne bevorzugt, und deswegen hat mir auch DIE TÄTOWIERTE KILLERIN gut gefallen - Okami ist hart im Nehmen und macht freilich alles platt, aber der Weg dahin ist diesmal sehr sehr steinig, und Okami ist alles andere als verwundbar. Vielleicht entwickelt sich auch einfach nur mein Geschmack weiter, aber KILLERIN war der erste Teil der Serie, der mir wirklich gut gefallen hat. Jetzt bin ich dann auch wieder auf den nächsten Teil gespannt ...

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 30.03.2019 14:00 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 1978
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
Sleepless Night - Nacht der Vergeltung
Nuit blanche
Belgien/Frankreich/Luxemburg 2011
Regie: Frédéric Jardin
Tomer Sisley, Serge Riaboukine, Julien Boissellier, JoeyStarr, Laurent Stocker, Birol Ünel, Lizzie Brocheré, Samy Seghir, Dominique Bettenfeld, Adel Bencherif, Catalina Denis, Pom Klementieff


Image

*** The link is only visible for members, go to login. ***

Der Bulle Vincent klaut zusammen mit seinem Partner 10 Kilo Koks, doch beim Überfall werden die beiden erkannt. Der eigentliche Eigentümer des Koks, Discothekenbesitzer José Marciano, kidnappt Vincents Sohn und schlägt einen Tausch vor: Sohn gegen Koks. Vincent geht natürlich auf den Deal ein, fährt mit der Sore in die Disco – und ab dem Zeitpunkt, etwa 12 Minuten nach Filmstart, geht der Punk gehörig ab. Vincent verliert den Stoff an den korrupten Bullen Lacombe, Marciano steht selbst unter Druck weil sein Abnehmer ein paar Killer geschickt hat, und die sind wiederum verflucht nervös weil sie an ihren Chef zu liefern haben. Und um diesen Feuertanz herum die vergnügungssüchtige Meute der Discothekenbesucher: Flucht bedeutet hier, sich im Zeitlupentempo durch Massen von stehenden Leibern zu quetschen. Doch die Zeit läuft verdammt schnell …

SLEEPLESS NIGHT drückt grundsätzlich ordentlich aufs Gaspedal. So sehr, dass ich nach dem Film erstmal tief durchschnaufen musste, zu lange wurde ich mit Schnappatmung auf das Sofa gepresst. Aber, und jetzt kommt’s, wir reden hier nicht von einem Nonstop-Actioner à la CRANK, sondern es gibt ruhige Momente, sogar Szenen mit wunderschöner und melancholischer Stimmung, und diese Szenen sind das erstklassige Kräutersalz in der Suppe. Wenn Vincent am Ende seiner Kräfte sich im Labyrinth des Clubs durch schwarze Gänge schleppt um seinen Sohn zu befreien, dann steht für einen Moment die Zeit still, und der Zuschauer – kann sich wieder nicht erholen, weil er gebannt zuschauen muss. Gefangen genommen wird von der perfekten Mischung aus Schnell und Langsam. Eingesperrt ist in dieser großartigen Atmosphäre aus Adrenalin, Angst und Entschlossenheit.

Image Image Image

Die Action: So etwas wie den Kampf in der Küche habe ich lange nicht mehr gesehen. 2 Todfeinde am Ende ihrer Kräfte, die einfach nur versuchen sich gegenseitig möglichst weh zu tun. Diese Qual in den Augen, diese Fassungslosigkeit dass der Typ immer noch steht oder sich irgendwie rühren kann. Das letzte Mobilisieren der eigenen Kraft, noch ein Tritt, noch ein Schlag – und die unbeteiligten Zuschauer außenrum sind genauso fassunglos ob dieses Todesballetts.
Die Schauspieler: Großartige und überwältigende Leistungen von erstklassigen Schauspielern, die Hackfressen haben wie zu besten Italo-Western-Zeiten.
Die Musik: Unerbittlich nach vorne treibend, ohne zu nerven oder hektisch zu sein, Ein gradliniger Rhythmus der das Tempo des Films mitleidlos vorgibt.
Die Location: Eine monströse Hölle aus Party und Feierlaune. Disco, Billardraum, Hinterzimmer, Café, und überall diese unglaublichen Massen von Menschen, die eine Observierung oder eine Verfolgung fast unmöglich machen.
Die Kamera: Ist oft bei den Darstellern. Im Irrgarten der Vergnügungsmeile verlieren Zuschauer und Charaktere schnell die Übersicht, zu überlaufen von Menschen ist das alles, zu gleichförmig gestylt. Doch: Der Schnitt passt sich nicht dem Tempo oder der Musik an, sondern bleibt immer ruhig und übersichtlich. Die Mischung aus Handkamera und ruhigem Schnitt wirkt geradezu hypnotisch.
Der Schluss: Perfekt. Nicht eine Sekunde zu früh oder zu spät abgeblendet.
Das Fazit: SLEEPLESS NIGHT gibt die Antwort auf die Frage, wie man jemanden mit einer Küche verprügelt … Gigantisch!

Image Image Image

9/10

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 30.03.2019 14:01 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 1978
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
The girl who knew too much (Mario Bava, 1963) 7/10
Nora Davis, jung, ledig, blond, abenteuerlustig, und krimibelesen, kommt nach Rom, eine alte Freundin der Familie besuchen. Doch gleich in der erste Nacht stirbt die alte Dame während eines Gewitters, und für Nora beginnt ein Alptraum: Handtasche geraubt, bewusstlos geschlagen, Mord beobachtet, und das alles wird für den Wahn einer Alkoholikerin gehalten. Auch der junge Arzt Marcello Bassi glaubt ihr nicht so richtig, ist aber verliebt genug um zumindest so zu tun als ob. Gemeinsam bekommen sie heraus, dass seit vielen Jahren eine unaufgeklärte Mordserie in Rom stattfindet, und zwar scheinen die Opfer offensichtlich nach Alphabet ermordet zu werden. Nora lernt Laura Craven kennen, welche die Schwester des letzten Mordopfers war. Nun ja, und nach C(raven) kommt halt nun mal D(avis). Als Laura für ein paar Tage verreist, und Nora in ihr Haus einziehen kann, das unangenehmerweise gleich neben dem Schauplatz des letzten Mordes liegt, kommt Bewegung in die Sache. Mysteriöse Telefonanrufe, ein abgeschlossenes Zimmer, Gegenstände die mit den Morden zusammenhängen und plötzlich verschwinden … Doch als alte Krimileserin lässt sich Nora nicht so schnell ins Bockshorn jagen. Sie will den Fall aufklären, koste was es wolle. Und sei es das Leben! Das allerdings könnte unter Umständen recht flott gehen …

Zusammen mit dem ein Jahr später entstandenen BLUTIGE SEIDE die Blaupause des Giallo, der dann am Ende des Jahrzehnts die Kinos rockte. Was hier nicht alles drin ist, was dann unter Dario Argento und Konsorten wieder auftauchte: Ein Ausländer, der einen Mord beobachtet. Niemand glaubt ihm, also muss er den Fall selber lösen. Ein Besuch in einem alten Haus, der mehr mit Terror als mit Hausbesuch zu tun hat. Mysteriöse Dinge gehen vor, die so gar keinen Sinn ergeben wollen. Merkwürdige Personen treiben sich herum und vernebeln die Sicht mehr als dass sie helfen …
Aber neben diesen typischen Giallo-Zutaten hat GIRL WHO KNEW TOO MUCH noch so viel mehr zu bieten. Da wären oftmals gotische Einschübe die durchaus ein wenig in Richtung altmodischen Horrors deuteln (die Stimmung im Haus, der Schatten am Fenster), viele Situationen werden komisch aufgelöst und funktionieren dann auch tatsächlich richtig gut, als Krimi ist der Film ausgesprochen spannend, und überhaupt ist der Film insgesamt einfach richtig rund und in sich stimmig. Eine Wundertüte früher Kriminalunterhaltung, voller feiner und liebevoll modellierter Momente.

Gesehen wurde übrigens die italienische Originalfassung, die sich wohl anscheinend doch in einigen Punkten von der US-Fassung unterscheidet. Wenn da nicht nur noch so viel anderes Zeug liegen würde …

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 30.03.2019 22:20 
Offline
User avatar

Joined: 10.2013
Posts: 2375
Location: Berlin
Gender: Male
Noch schnell der Tippsi: heute um 22:00 läuft der fünfte Fall mit dem grummeligen Vice Questore Schiavone. Das ist ja leider die einzige Möglichkeit die Filme in HD zu sehen, da diese in der Mediathek nicht zu Verfügung stehen.


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 31.03.2019 13:51 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 1978
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
Jimmy Stewart wrote:
Noch schnell der Tippsi: heute um 22:00 läuft der fünfte Fall mit dem grummeligen Vice Questore Schiavone. Das ist ja leider die einzige Möglichkeit die Filme in HD zu sehen, da diese in der Mediathek nicht zu Verfügung stehen.

Leider fehlen mir die Teile 3 und 4. Entstehen da Löcher in den Nebenhandlungen? Oder kann man die Teile auch durcheinander sehen? Die Frage ist ernst gemeint, denn im im Zweifelsfall kann ich mir die gestrige Folge auch noch nachträglich aufnehmen.

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 31.03.2019 13:53 
Offline
User avatar

Joined: 07.2013
Posts: 1978
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
Fulltime Killer (Johnnie To & Wai Ka-Fai, 2001) 6/10
O ist die Nummer 1 der Killer Asiens. O ist smart, hat immer (fast) alles im Voraus geplant, und lebt ein perfekt organisiertes Leben in den Schatten. Tok ist jung, ehrgeizig und wagemutig – und er fordert O heraus, denn Tok will die Nummer 1 werden. Ein Spiel, quer über den ostasiatischen Raum beginnt, doch zwei Sandkörner sind im Getriebe dieses Räderwerks: Das eine Sandkorn ist Chin, die bei O die Tarnwohnung pflegt und in die sich O ein wenig verliebt hat. Und die sich selber in Tok verliebt hat, der so ganz anders ist. Meint sie jedenfalls. Das andere Sandkorn ist Inspektor Lee von Scotland Yard, der O jagt und dabei Tok auf die Spur kommt. Und sich plötzlich im Schusswechsel zwischen den beiden befindet. Und dabei lernen muss, dass der Feind meines Feindes – auch mein Feind sein kann …

Wie so oft die Sache mit der Erwartungshaltung. Johnnie To verdanken wir immerhin Filme wie EXILED oder den völlig unterbewerteten VENGEANCE. Dass To auch anders kann weiss ich seit ich SPARROWS gesehen habe. Wenn Sergio Leone jemals ein Musical gedreht hätte, dann wäre wahrscheinlich SPARROWS dabei herausgekommen. Aber bei dem Namen To erwarte ich halt von Grundauf erstmal stylische Action und coole Helden ...
FULLTIME KILLER vereint nun das To’sche Todesballet mit den anscheinend mainstreamigen Gefühlswelten von Wai Ka-Fai (zumindest sieht es für mich so aus, wenn ich in der OFDB die Einträge begutachte und schaudernd zurückschrecke). Und heraus kommt – ein etwas unentschiedener Hitman-Film mit einigen Gefühlsszenen zuviel. Interessant ist es allemal, wie immer wieder die Perspektive gewechselt wird, wie vor allem gegen Ende hin plötzlich Simon Yam im Mittelpunkt der Geschichte steht, nur um dann wieder den Killern Platz zu machen und auf die Erzählung von Chin zu wechseln. Es gibt keine klare Hauptfigur, und das ist einer der großen Pluspunkte des Films. Dass er seine Handlung auch mal in düstere Träume und quälende Erinnerungen verlegt, und dass O und Tok gleichberechtigte Protagonisten sind, das zieht in die Story hinein und lässt mitfiebern. Dagegen steht, dass es sich weder um einen obercoolen Gangsterfilm noch um eine düstere Ballade handelt, sondern dass FULLTIME KILLER sich nicht so recht entscheiden mag wo er denn nun hin möchte. Andy Lau kaspert zum Teil recht eigenwillig herum, Takashi Sorimachi fehlt stellenweise ein wenig das Flair um wirklich düster zu sein, Simon Yam hat zu wenig Screentime um den Film in trockene Tücher zu bringen, und Kelly Lin ist klasse, kommt aber erst viel zu spät wirklich zur Geltung. Dazu die durchwachsene Musik (was macht eigentlich die Hochzeit des Figaros bei manchen Szenen für einen Sinn?) und das Showdown in einer Feuerwerkfabrik, das ausschaut, als wenn POLICE STORY 2 von John Woo gedreht worden wäre. Leider muss ich auch zugeben, dass die Shootouts für meinen Geschmack zu sehr auf Coolness und Style getrimmt wurden, und die Zeitlupe einfach nicht das hergibt was sie verspricht. Weniger wäre da mehr gewesen, wie man am Beispiel der Schießerei im und am Hochhaus sehen kann. Allein der Abgang der Protagonisten von oben nach unten ist feinstes HK-Kino wie es sein soll.

Insgesamt also ein wenig zuviel Mischmasch für meinen Geschmack. Im Internet wird der Film oft mit ASSASSINS – DIE KILLER mit Sylvester Stallone und Antonio Banderas verglichen. Den kenne ich nicht, aber Michael Manns HEAT ist mir oft eingefallen, vor allem in Bezug auf Attitüde und Stimmung. Auch das spielerische Einbinden US-amerikanischer Vorbilder wie POINT BREAK - GEFÄHRLICHE BRANDUNG oder DESPERADO macht Laune, es wird gekonnt mit den ausgelutschten Klischees gearbeitet. Aber es ist einfach ein bisschen zu viel Zutat im Eintopf, was den Gesamtgeschmack etwas stört. Vielleicht hätte man das Gewürz namens Wai Ka-Fai nicht dazu tun sollen, um das Gericht strenger im Geschmack zu gestalten …

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 31.03.2019 17:06 
Offline
User avatar

Joined: 10.2013
Posts: 2375
Location: Berlin
Gender: Male
Schmutziger_Maulwurf wrote:
Jimmy Stewart wrote:
Noch schnell der Tippsi: heute um 22:00 läuft der fünfte Fall mit dem grummeligen Vice Questore Schiavone. Das ist ja leider die einzige Möglichkeit die Filme in HD zu sehen, da diese in der Mediathek nicht zu Verfügung stehen.

Leider fehlen mir die Teile 3 und 4. Entstehen da Löcher in den Nebenhandlungen? Oder kann man die Teile auch durcheinander sehen? Die Frage ist ernst gemeint, denn im im Zweifelsfall kann ich mir die gestrige Folge auch noch nachträglich aufnehmen.


Der dritte Teil "Sturz in den Tod" behandelt wie die ersten beiden Teile einen in sich abgeschlossenen Fall. Teil vier "Schnee am Dienstag" - das bisherige Highlight für mich - handelt von der Entführung einer Bauunternehmer-Tochter und mafiösen Verstrickungen. Daran knüpft der fünfte Teil "Gute Gesellschaft" an bzw. führt die Story fort. Zu Anfang gibts eine kurze Zusammenfassung, aber es ist natürlich schon von Vorteil "Schnee" gesehen zu haben, da auch mit diesem Teil die Geschichte nicht beendet scheint - und der richtig fiese Schluß Schiavone einen Tiefschlag verpasst, der ihn im nächsten Teil sicher zum "Mann ohne Gnade" werden läßt.

Es ist aber m. E. nicht so, dass man der Story von "Gesellschaft" ohne des Vorwissens aus "Schnee" nicht folgen kann. Du kommst da schon rein. ;)


Top
 Profile  
 
Display posts from previous:  Sort by  
Post new topic Reply to topic  [ 409 posts ] Go to page  Previous  1 ... 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10 ... 14  Next

All times are UTC + 1 hour [ DST ]


You cannot post new topics in this forum
You cannot reply to topics in this forum
You cannot edit your posts in this forum
You cannot delete your posts in this forum
You cannot post attachments in this forum

Search for:
© phpBB® Forum Software | phpBB3 free Forum by UserBoard.org | All Rights Reserved.
» Contact & Abuse Support-Forum Gooof Webdesign free forum Dein Forumo Forum web tracker