Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 25.01.2015 11:38 
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Frauen für Zellenblock 9
Frauen für Zellenblock 9
Schweiz 1977
Regie: Jess Franco
Karine Gambier, Howard Vernon, Susan Hemingway, Esther Studer, Aida Gouveia, Cesar Anahory, Dora Doll


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Irgendwo im südamerikanischen Dschungel werden Frauen, die gegen das Regime kämpfen (oder die auch einfach nur das Land verlassen möchten), brutal gefoltert. Besonders schlimm erwischt es die Agentin Karine (Karine Gambier), die Studentin Maria (Susan Hemingway) und Barbara (Esther Studer). Aber die drei können in den Dschungel flüchten. Werden die Frauen die Flucht schaffen und ihre Kameraden vor der bevorstehenden Verhaftung warnen können?

Ein merkwürdiger Hybrid von Film, besteht er doch aus 2 völlig unterschiedlichen Teilen, die auch unterschiedlich gefallen. Die erste Hälfte ist ein eher ekelerregender Foltertrip nach dem Guantanamo für schöne Frauen. Howard Vernon darf die miese Foltersau rauslassen, eine unbekannte Kampflesbe gibt die sadistische Lagerherrin, und dem ersten Anschein nach geht Franco hier ganz offensichtlich einen Schritt zu weit. Trotzdem, wem SIEBEN inszenatorisch gefallen hat, der sollte hier auch zuschauen können. Eine gefesselte Frau schreit, und hinterher sieht man das blutverschmierte Horn. Aber von der Folter selber ist nichts zu sehen, die Scheußlichkeiten finden ausschließlich im Kopf des Zuschauers statt. Von daher ist die Ambivalenz zwischen der gefesselten und eingeölten Karine Gambier einerseits und der offensichtlich stattgefundenen Folter andererseits gar nicht uninteressant. Als Zuschauer muss mich fragen, ob mich das Gesehene jetzt anmacht oder abstösst. Oder beides gleichzeitig. Ich gebe aber gerne zu, dass mein Finger mit der Vorspultaste geliebäugelt hat ...

Der zweite Teil, ab dem Abschluss der Folterszenen, ist dann wieder klassischer Franco, mit allen Wohlfühlfaktoren die man so sympathisch findet. Nackte Frauen rennen durch den Dschungel (Ich darf mal den Rezensenten GhostShit aus der OFDB zitieren: "... könnt ihr euch überhaupt vorstellen, was da alles in Bewegung gerät, wenn eine nackte Frau das Laufen anfängt!?", und hinzufügen "gutgebaute Frau" :P ), ruhen sich lasziv an Urwaldteichen aus, verarzten sich gegenseitig (man beachte die Kameraeinstellung wenn die Kugel aus Esther Studers Schulter entfernt wird, wo sich die Wundertitte von Karine Gambier da befindet - jeder halbwegs normale Mann würde sich für diese Optik eine Kugel in die Schulter schießen lassen) - Ein Potpurri erotischer Nichtig- und Dämlichkeiten, die wirklich Spaß machen.
Die Kameraführung ist bei weitem nicht so amateurhaft wie sonst in Francos Urwaldfilmen, und die Musik von Walter Baumgartner passt ausnahmsweise mal wirklich. Außer, dass bei der Lesbenszene im Karzer das Jazzstück aus Rolf Edens Jazzclub in ICH - EIN GROUPIE ertönt, das ist vielleicht ein wenig grenzwertig. Aber nur ein bißchen ... ;)

Wie gesagt, der Streifen ist ein Hybrid aus einem im Kopf stattfindenden unappetittlichem ersten und einem Franco-typischen sleazigem zweiten Teil. Jeder Franco ist anders, jeder neue Franco ist eine Überraschung. So auch hier, halt eine etwas unangenehmere Überraschung. Nur mit Vorsicht zu genießen! Deswegen gibt es auch "nur" 5 von 10 Grashalme ...

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Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 27.01.2015 17:30 
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Gemidos de placer
Spanien 1983
Regie: Jess Franco
Lina Romay, Antonio Mayans, Elisa Vela, Rocío Freixas, Juan Soler


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Ein Proll mit seiner Freundin fährt in ein Haus an der Costa Sexo. Dort wird er von einer Angestellten begrüsst, und seine Frau kommt auch noch nach. Die nächsten 60 Minuten lang wird Sex simuliert, es gibt ein paar unaufregende Tote, und ansonsten passiert nichts.

Abgang Filmliebhaber der mit Jess Franco nichts anfangen kann. Auftritt Jess Franco-Fan.

Antonio und seine Freundin Julia fahren gemeinsam in Antonios Haus. Dort begrüßt sie Marta, eine Bedienstete, der Antonio schnell seine unerschütterliche Liebe gesteht bevor er Julia vernascht. Dann kommt Martina, Antonios Frau, die erstmal schaut wie Julia denn untendrunter so gebaut ist. Schlussendlich treibt es so ziemlich jede Frau mit allen anderen, Antonio sowieso mit allen Frauen, und wo soviel Eros zuhause ist, da ist auch Thanatos nicht weit.

Gemidos de placer kann man etwa übersetzen mit „Stöhnen der Lust“ oder „Seufzer der Lust“, und diese Dinge sind auch das, was hier in erster Linie zu hören und zu erfahren ist. Dialoge hat es nicht viele, Sex dafür umso mehr. Die Handlung spielt sich im Wesentlichen zwischen Sonnenuntergang und –aufgang in einer einzigen Nacht ab, und zeigt 5 Menschen in ihrer Beziehung zueinander. Diese Menschen lieben sich, sie hassen sich, und morgens hat sich eine Menge verändert.

Jess Franco bebildert diese einfache Geschichte auf grandiose Weise. Der Film mit seinen 82 Minuten Laufzeit besteht aus 20 Einstellungen, was rein rechnerisch zu etwa 4-minütigen Szenen führt. Tatsächlich sind einige Szenen erheblich länger: Die sexuelle Hybris Julias bei Sonnenaufgang wird 8 Minuten lang ohne Schnitt gezeigt, die mehrfache Liebeszene zwischen Antonio und Martina mit der onanierenden Julia im Vordergrund besteht aus einer 11-minütigen Sequenz ohne Schnitt. Die Leistungen der Schauspieler, aber auch des Teams hinter der Kamera, sind damit absolut herausragend und können gar nicht hoch genug gewürdigt werden. Und trotzdem bleibt die Sprache Francos dabei sehr einfach und poetisch, die Bilder sind schlicht und wunderschön gefilmt. Kein Sleaze oder Schmodder, aber auch kein Weichzeichner á la Hamilton. Bestrickende, von spanischer Gitarrenmusik untermalte erotische Bilder, die einfach nur dahinfliessen und den geneigten Zuschauer sanft entführen.

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Hier liegt auch das Manko des Films, außer simuliertem Sex passiert nämlich tatsächlich gar nichts weiteres. OK, 2 mehr oder weniger unspektakuläre Morde, aber so ab und zu würde vielleicht ein wenig Pep doch helfen das Interesse wach zu halten. Ungefähr nach einer Stunde wird der Blick auf die Uhr langsam penetrant, stimmungsvolle Erotik hin oder her. Die entspannte und erotisch flirrende Atmosphäre hält Franco dabei mühelos durch, aber hätte er ein paar deutlichere Akzente gesetzt würde ich GEMIDOS DE PLACER glatt als eines seiner absoluten Meisterwerke preisen.

Lina Romay begeistert als reife Frau, die nicht mehr die kindliche Sexpuppe der 70-er Jahre ist, sondern hier auf dem Höhepunkt ihres Aussehens und ihrer Schauspielkunst ist (mein Gott, diese Reihenfolge der Argumente …). Die Kameraführung Juan Solers ist hervorragend und lässt einerseits dem Voyeurismus Francos viel Spielraum, wenn Aufnahmen durch Vorhänge oder Raumteiler hindurch gefilmt werden, spielt aber auch mal mit dem Angelpunkt und der Architektur. Überhaupt ist das Haus eigentlich der sechste Protagonist des Films. Viele verschachtelte Zimmer, geschmackvoll und nicht überladen eingerichtet, sehr einladend, gemütlich, entspannt wirkend. Alle Komponenten zusammen ergeben diese ganz besondere, schwer zu beschreibende Stimmung, die den Zuschauer ab dem ersten Augenblick in seinen Bann zieht.

GEMIDOS kann man auf einem bekannten Videoportal in der spanischen Originalversion mit englischen Untertiteln anschauen. Eine Veröffentlichung bei einem Label wie etwa Donau Film könnte ich mir ohne weiteres vorstellen, aber vermutlich ist das Originalmaterial so gut wie nicht aufzutreiben. Was ich als großen Verlust für die Filmwelt betrachte, da GEMIDOS sich (zumindest für Franco-phile) wirklich lohnt.

7 von 10 Plansequenzen für eine fast vergessene Perle …

Edit: Nachtrag - Gerade stelle ich fest, dass es wohl tatsächlich eine spanische DVD gibt. Ob das nun ein Bootleg sein mag kann ich nicht beurteilen, aber zumindest lohnt sich die weitere Suche nach einem vernünftigen Datenträger. Als Komplettist hat man es schon ncht leicht ... :cry: ;)

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 01.02.2015 10:12 
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Vengeance
Vengeance / Fu chou / Fuk sau
Frankreich / Hongkong 2009
Regie: Johnnie To
Johnny Hallyday, Anthony Wong, Simon Yam, Lam Suet, Sylvie Testud, Gordon Lam, Felix Wong, Vincent Sze, James Chalke, Michelle Ye


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In Macao löschen Auftragskiller eine Familie aus, nur die Frau (Sylvie Testud) überlebt schwer verletzt. Aus Frankreich reist ihr Vater (Johnny Hallyday), an, der frühere Gangster Costello (sic!), der seine Familie rächen will. Seine Probleme: Er kann die Sprache nicht und kennt dort niemanden. Und er hat eine Kugel im Kopf, die über kurz oder lang sein Gedächtnis zerstören wird.

Was bringt eine Rache, wenn man nicht weiss warum man sie ausübt?

Männer, die immer Sonnenbrillen tragen. Die einen leicht federnden Gang haben und sich beim Gehen ständig umschauen. Die sich nicht gegenseitig erklären müssen, sondern die über Blicke und unauffällige Bewegungen kommunizieren.
Männer die Ehre haben, die ihre Feinde nicht vor den Augen ihrer Kinder töten. Und die für Geld bereit sind für die Ehre eines Fremden zu sterben. Und die ihre Wertigkeit beweisen indem sie mit verbundenen Augen Waffen zusammensetzen.
Städte, bestehend aus Hochhausschluchten, Mietskasernen, Casinos, anonymen Straßen, Müllkippen, Hotels. Wo es Nacht ist und wo es regnet, und wo eine Schießerei auf einem belebten Platz nicht einmal die Polizei alarmiert.
Gangster, die mit einem Fingerzeig vermeintliche Untreue mit dem Tod bestrafen. Und Gangster, die bereit sind auf diesen Fingerzeig ohne Fragen zu stellen zu reagieren. Oder auch nicht …
Männer, die mit Sonnenbrillen und großen Wummen bewaffnet sind, und umzingelt von Feinden in Zeitlupe unter zig blutigen Einschüssen sterben.
Und keine aufgesetzte „Sin City-ach-ich-zeig-euch-mal-was-für-coole-Filme-ich-machen-kann-und-hau-euch-das-in-jeder-Sekunde-um-die-Ohren“-Attitüde, sondern eine ganz natürliche und aus dem Gang der Dinge herauskommende Coolness. Figuren wie in einem Film von Melville – Kunstfiguren die alltäglich agieren und in keiner Sekunde aufgesetzt wirken, sondern immer ihre Natürlichkeit in den Vordergrund stellen, obwohl sie doch ganz offensichtlich aus einem Roman von Mickey Spillane stammen.

www.youtube.com Video From : www.youtube.com


Wer Sergio Corbucci mag, Sam Peckinpah, Jean-Pierre Melville, Quentin Tarantino und den John Woo der 80-er Jahre, der wird hier gebannt vor dem Bildschirm sitzen. Ehrenwort. Und wenn To bei den Shoot-Outs ein klein wenig mehr Style over Substance hätte einfließen lassen, dann hätte ich mich vielleicht sogar zu 10 von 10 Pfadfinderabzeichen bereit erklärt.

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Vier im grauen Kreis

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 09.02.2015 23:01 
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Nails
Nails
USA 1992
Regie: John Flynn
Dennis Hopper, Anne Archer, Tomas Milian, Keith David, Carlos Carrasco, Charles Hallahan, Jay Acovone, Earl Billings, Cliff de Young, Luis Ramos, Raymond Cruz


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Aus US-amerikanischen Mülltonnen direkt auf den TV-Schirm: Der Partner des rüden Cops Harry(!) Nails (Dennis Hopper) wird vor dessen Augen von bösen Buben abgemurkst, Nails macht darauf hin die Blutwurst und mischt halb Los Angeles auf. Welch Überraschung für den Zuschauer, dass er dabei auch bis in korrupte Politikerkreise vorstößt.

Der Plot und seine Umsetzung sind definitiv nur was für harte 80-er-Jahre-Copfilm-Freaks. Der LAST ACTION HERO als Parodie und somit Endpunkt dieses Genres kam erst ein Jahr später, also ist das bei NAILS alles noch ernst gemeint. Au weia …

OK, der Beginn ist Plattitüde pur. Die heulenden 80er-Jahre-Gitarren im Soundtrack, die schmierigen Latino-Gangster, der Mordauftrag für die Cops, die offensichtliche Falle, Dennis Hopper kommen die Tränen wenn er den Lieblingsfusel seines toten Buddys trinkt, der Vorgesetzte ist ein unfähiges Arschloch usw. usw. Der neue (Kurzzeit-) Partner für ungefähr 50 Sekunden ist ein Sesselfurzer, und seit Dirty Harry hat sich an den Stereotypen und den Abläufen irgendwie nichts geändert. Aber irgendeine Vorhersehung hat eben Dennis Hopper als Clint Eastwood des Tages besetzt, und das ist ein wahrer Glücksfall, weil der das ganz große Kino rauslässt. Was Hopper hier flucht geht auf keine Kuhhaut* und dürfte wohl auch der Grund für die 18-er Freigabe sein, weil die paar verirrten Titten wären kein Grund, und die ein oder zwei kurzen und nicht allzu blutigen Shoot-Outs noch viel weniger - John Woo-Ballett hatte sich 1992 wohl noch nicht bis nach Hollywood durchgesprochen.

Hopper also. Chef:"Sie müssen sich auch mal beugen." Hopper: "Damit ich mich in den Arsch ficken lassen kann?" Und dabei glitzern seine Augen als ob er zu den Produzenten spricht, die seine Karriere unter dem Tisch halten wollten. "Sie müssen vorsichtig sein. Kluge Frauen geilen mich auf." Hah, den muss ich zur Teamassistenz mal sagen, vielleicht klappt es. "Der Herr Kongressabgeordnete braucht noch einen der ihm den Schwanz hält wenn er auf die Wähler pisst." Muhaha …! .
Hopper hat sichtlich Spaß daran den wilden Max zu machen, und den Zuschauer freut es. Seine One-Man-Show rettet den ganzen Film. Wenn er das Wahlkampfbüro aufmischt oder im Luxusrestaurant den bösen Cop rauslässt ist die Stimmung garantiert. Neben ihm verblasst der eh schon blasse Rest völlig, nur der interessierte Genre-Fan bemerkt noch Tomas Milian. Der wiederum hat die Rolle des Sidekicks, was ihm zumindest einige Screentime beschert. (Die Pizzalieferaktion während der Observation hat auf jeden Fall Stil, da kommt der Superbulle bei ihm durch). Und sein Lachen und seine Gestik sind stellenweise wie in den guten alten Zeiten in Rom, nur ein bisschen fülliger.

Also: Die Handlung ist schrottig. Die Bösen sind furchtbar böse, die Dummen furchtbar dumm, und Tomas Milian ist furchtbar verfressen. Die Musikuntermalung ist grauenerregend (und dass Chi Mai in einer 80-er-Synthie-Weichspül-Version dabei verhackstückt wird macht es nicht besser). Die Synchro ist für einige Schenkelklopfer gut, inwieweit der O-Ton da schon was vorlegt lässt sich mangels englischer Tonspur nicht sagen. Hopper ist genial, Milian ist ein etwas farbloser Milian, Anne Archer lässt sich nackich doubeln, und die Locations sind so austauschbar wie nur was. Aber dank Hopper und der launigen Synchro langt es für 6 von 10 Burritos.

Als Betthupferl noch die Szene, in der sich der schmierige Politiker zusammen mit den Live-Kameras der Fernsehsender bei den beiden Cops bedanken will die ihm gerade den Arsch gerettet haben, und die auf seiner Wahlkampftribüne sitzen und Pizza mampfen.
Politiker: "Meine Herren, vielen herzlichen Dank. Gute Arbeit."
Milian schüttelt die dargereichte Hand: "Oh, vielen Dank. Danke, Sir"
Politiker zu Hopper: "Darf ich Ihnen danken? Gute Arbeit."
Hopper hält seine Pizza fest: "Geh und fick Dich selbst."
Wer träumt da nicht davon Angela Merkel einmal das Leben zu retten, wenn er hinterher so etwas sagen dürfte …

*Die Bösen übrigens genauso. Wenn in einem normalen US-Krimi eine weibliche Geisel begutachtet wird heißt es normalerweise sowas wie "Dich würde ich ja auch mal gerne näher kennenlernen, häh Puppe?". Hier sagt der Schmierlappen stattdessen "Ich finde trotzdem dass wir sie ficken sollten." Was a) näher an der Realität liegen dürfte, b) das Sackgesicht ziemlich gut charakterisiert, und c) dem Film einen gewissen sleazigen Charme gibt.

6/10

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"Dirty" Harry in voller AktionHarry Nails möchte den Wahlkampf spannender gestaltenTomas Milian und Dennis Hopper im Einsatz


Und einen Trailer hat's auch:
www.youtube.com Video From : www.youtube.com

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 16.02.2015 21:40 
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Balduin, der Sonntagsfahrer
Sur un arbre perché
Frankreich 1971
Regie: Serge Korber
Louis de Funès, Geraldine Chaplin, Olivier de Funès, Alice Sapritch, Paul Préboist, Roland Armontel, Franco Volpi, Hans Meyer, Jean Panisse, Daniel Bellus


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Henri Roubier baut Autobahnen, das ist sein Geschäft. Dieses Geschäft beherrscht er mit allen sauberen und unsauberen Tricks. Alles was er als Großindustrieller darstellt hat er sich selber erarbeitet - „Aus eigener Kraft alles geschafft“, das ist sein Motto, ja er hat sogar ein Buch mit diesem Titel veröffentlicht. Das nutzt ihm aber alles nichts, denn im Moment sitzt er in seinem Auto, zusammen mit einem jugendlichen Tramper (Olivier de Funès) und einer jungen Frau (Geraldine Chaplin), und dieses Auto steht auf der Spitze einer Pinie inmitten einer Steilwand über dem Meer.
Durst. Hunger. Wie herunterkommen? Oder sich bemerkbar machen um gerettet zu werden? Und um Himmels Willen nicht zu heftig bewegen, sonst bekommt das Auto Übergewicht oder der Baum reißt aus der Wand.

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Ein fauler Sonntag Nachmittag, der geneigte Zuschauer möchte etwas zum Lachen und greift zu einem Louis de Funès-Streifen. Und auch noch ein ihm unbekannter Film, das wird bestimmt eine feine Sause.
Weit gefehlt! Der Zuschauer ist vollkommen irritiert ob der weitgehend fehlenden typischen de Funès-Komik, die Synchro lässt die Mundwinkel ein paar Mal leicht zucken, und ansonsten sind die Personen unsympathisch und die Handlung ist zäh. Was ist hier los?

Sur un abre perché, übersetzt etwa „Fest an einem Baum hängend“ teilt sich in 3 Teile auf: Das erste Drittel stellt die eher unangenehmen Zeitgenossen vor und macht klar, dass hier jedwede Identifikationsfigur fehlt. De Funès gibt den üblichen Stinkstiefel, sein Sohn Olivier spielt einen überheblichen Jungspund und Geraldine Chaplin die flippig-nervende Mme Muller. Nachdem aber Vater de Funès bekanntlich mit einer recht starken Ausstrahlung gesegnet ist bleiben de Funès jr. und Fr. Chaplin sehr blass, und haben keine Möglichkeiten aus ihren sowieso recht beschränkt angelegten Rollen viel herauszuholen.
Im zweiten Drittel hängt das Auto dann auf dem Baum und es werden so ziemlich alle Möglichkeiten durchgespielt die vorstellbar sind. De Funès bescheisst die anderen beiden mit den verfügbaren Nahrungsmitteln, Mme Muller flippt aus und fängt das Tanzen an, und die aufgesetzte Liebesgeschichte zwischen den beiden jungen Leuten ist so überflüssig wie nur was. Immerhin ist kurzzeitig ein wenig Spannung angesagt (beim Rettungsversuch über die Kleiderkette wird unweigerlich der Atem angehalten) und die Bilder der französischen Küste sind wirklich wunderschön geworden. Aber insgesamt gesehen ist dieser zweite Teil eher lässig und sorgt nicht für den Aufbau einer durchgehenden Spannungskurve oder für wachsendes Interesse an den Figuren.
Im letzten Drittel wird dann die Rettung organisiert, und hier fängt der Film tatsächlich an interessant und abwechslungsreich zu werden. Wo andere einen Seitenhieb auf den Klerus und die Presse loslassen, verteilt Korber entsprechende Tritte in die Fresse. Auch sind die Hauptdarsteller mit einem Schlag an den Rand des Geschehens gerückt, stattdessen wird jede Aktion von einem Reporter (Paul Préboist) mehr oder weniger sinnvoll kommentiert, der Fokus liegt komplett auf den Rettern. Zudem ist auch der Mann von Mme Muller vor Ort, der Eisenfresser Colonel Muller (Hans Meyer), der bei der offensichtlichen Untreue seiner Frau auch noch ein Wörtchen mitreden möchte. Szenen wie die Abseilaktion des Priesters oder die pointierten Sabotageakte des Colonels sind schräg und angenehm humorig und machen ordentlich Laune.

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Dieses letzte Drittel rettet den Film dann auch vor der Unerträglichkeit beziehungsweise Seichtigkeit. Zumindest, und das ist ganz wichtig, wenn man mit der Erwartung eines „normalen“ de Funès-Streifens an die Sache herangeht. In Frankreich wurden zwischen etwa 1968 und 1975 viele schräge und satirische Filme gedreht, die das typische Verhalten der verschiedenen Gesellschaftsschichten aufs Korn nahmen. Der SONNTAGSFAHRER ist einer davon, bloß wenn man das nicht weiß tut man sich sehr schwer mit dem Film.
Somit dürfte dieser BALDUIN mit der Zweitsichtung um Welten besser werden, da die Erwartungshaltung eine andere ist. Da ich allerdings nun die Erstsichtung hatte bleibt es bei mageren 5 von 10 Flaschenpostsendungen. Vorerst, aber das ist bestimmt noch ausbaufähig.

Fazit: Als (typische) de Funès-Komödie ungenügend, aber als Satire zumindest im letzten Drittel wirklich ordentlich. Update folgt …

Als Trailer habe ich nur den französischen gefunden. Hier wurden die irrwitzigen Szenen geschickt zusammengefügt, dem Leerlauf der ersten zwei Drittel wird dieser Trailer entschieden nicht gerecht.

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 04.03.2015 20:44 
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Willkommen in der Hölle
Mátalo
Italien / Spanien 1970
Regie: Cesare Canevari
Lou Castel, Corrado Pani, Antonio Salines, Luis Dávila, Claudia Gravy, Miguel del Castillo, Ana María Noé, Bruno Boschetti, Ana María Mendoza


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Mexikanische Banditen schießen Burt (Corrado Pani) vom Galgen los. Als Dank legt er seine Befreier um und trifft sich mit seinen Kumpels (Luis Dávila, Antonio Salines, Claudia Gravy) in einer verlassenen Wüstenstadt. Von dort aus überfallen sie einen Goldtransport bei dem Burt ums Leben kommt. Phil versteckt das Gold vor seinen Kumpanen, und als eine Witwe (Mirella Pamphili) und ein fast verdursteter Australier (Lou Castel) in den Ort kommen bricht die Hölle los …

Wow, wie abgefahren ist denn dieser Film? Kein 08/15-Reiten-Schießen-Tot umfallen-Western, sondern eine Genre-Erweiterung der drogengeschwängerten Extraklasse. Eine vollkommen entfesselte Kamera, die sich auch mal während eines langen Shoot-Outs gefühlt minutenlang um sich selber dreht, oder die Flugbahn von geworfenen Bumerangs mitfliegt. Die als Hauptdarsteller eingeführte Figur überlebt den ersten Überfall nicht und verlässt die Bühne. Die Charaktere sind abgrundtief böse, unmoralisch, und vor allem egoistisch bis zum Umfallen. Eine Allegorie auf unsere moderne Welt im Westerngewand, dagegen scheint LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG stellenweise geradezu fröhlich.
Und dann noch dieser Soundtrack. Das leere Dorf wird mit Heulen, Seufzen, Stöhnen, düsteren Klängen und Soundcollagen gefüllt, wie sie bei einem Argento nicht ungewöhnlich wären. Ein großer Teil der Musik ist recht harter und dynamischer Psychedelic Rock, der wider Erwarten sehr gut passt, und das dritte große Thema ist eine Art klassischer Filmmusik, aber teilweise stark übersteuert und verfremdet – Insgesamt ein Soundtrack wie eben zu einem harten Gruselfilm, aber nicht zu einem Western.

Narrativ und inszenatorisch werden Grenzen überschritten, was bei einem Film aus dem Jahr 1970 nun eigentlich nicht so ungewöhnlich ist. Ungewöhnlich ist nur, dass dies bei einem Western genauso gemacht werden kann wie bei anderen Genrebeiträgen dieser Zeit. Von daher sehe ich MATALO in einer Reihe mit einem Film wie DELIRIO CALDO, weil hier einfach nichts mehr so ist wie es der (konservative) Genrefan gerne hätte. Und ich sehe MATALO als würdigen Nachfolger von TÖTE, DJANGO, weil er genauso wie dieser die moderne Welt darstellt und den aktuellen Stand der Zivilisation statuiert: Die einen wollen auf Biegen und Brechen den Zustand von früher wiederherstellen, die nächsten wollen das althergebrachte Zerstören und stellen ihre eigenen Bedürfnisse über alles und jeden anderen. Geld ist das einzige was zählt. Wer waffenlos ist (und sich also nicht wehrt oder wehren kann oder mag) wird ausgebeutet und untergebuttert, Frauen haben dann gute Chancen zu überleben wenn sie sich an jeden Verfügbaren hingeben, und die mit den Waffen machen zum Schluss dann alles nieder. Und mitten im Chaos der Vernichtung und des Untergangs rennt der Pfaffe (also die Kirche) wie blind umher und segnet die Verstorbenen, eine sehr zynische Szene, die mich persönlich in hohem Maße beeindruckt hat. Willkommen in der Hölle …

Gigantisches Kino für aufgeschlossene Genrefans und alle die gerne über Grenzen hinwegschauen.

8,5/10

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 19.03.2015 10:26 
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Mit dem neuen Jahr möchte ich mal versuchen das Filmtagebuch ein wenig umzugestalten. Ich schreibe ja doch nicht zu jedem gesehenen Film was, aber als recht strukturierter Mensch sind Dinge wie Monate für mich wie Leitplanken, an denen ich mich entlangtasten kann. Anders ausgedrückt: Ein Filmmonat hat für mich einen definierten Zeitraum, und was ich innert dieses Zeitraums sehe ist für mich auch irgendwo eine Einheit. Im zeitlichen Sinne. Dazu mache ich mir oft Gedanken, und diese Gedanken möchte ich versuchen auch mal irgendwo niederzubringen. Auf dass sie in möglichst vielen Covertexten auftauchen …

Der Januar hatte bedingt durch 2 Wochen Urlaub die unglaubliche Menge von 44 gesehenen Filmen! Die absoluten Highlights waren:
  • Johnnie To’s VENGEANCE mit Johnny Hallyday, Anthony Wong und einigen anderen HK-Allstars, der jedem Melville oder Peckinpah mühelos Konkurrenz macht. Ein harter und cooler Thriller für Männer die nachts Sonnenbrillen tragen.
  • HALBER MENSCH von Sôgo Ishii, ein Musikfilm mit den Einstürzenden Neubauten, entstanden Mitte der 80-er zum Album Halber Mensch. Die Neubauten spielen inmitten eines Schrottplatzes, eingeschnitten werden Konzertauftritte und eine Performance auf einer Straßenkreuzung. Auch geschickt integriert ist das erste offizielle Neubauten-Video zu ZNS. Ein sehr beeindruckendes Werk mit einer genialen Performance einer genialen Band.
  • DER GEHETZTE DER SIERRA MADRE – das erste Mal komplett und in 1A-Qualität gesehen. Einer der verdammt besten Western überhaupt …
  • KILL BILL VOL. 1 – Begeistert mich beim x-ten Anschauen immer noch wie beim ersten Mal. Der letzte Tarantino, in dem Story und Action und Zitate noch gleichberechtigt sind.

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Die Gurken des Monats waren
  • SILVER SLIME von Christophe Gans – Sorry, war überhaupt nicht meines, aber vielleicht ist die Qualität meiner Grafikkarte auch einfach zu schlecht um hier die Feinheiten wiedergeben zu können …
  • DER GORILLA VON SOHO – Oh mein Gott, was war das? Ein mieses und lustloses Remake eines der besten Wallace-Filme. Verschwendete Lebenszeit …

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Die Besonderheiten im Januar:
  • BLOW UP im Kino, zwar nur von DVD, aber immerhin. Auf der großen Leinwand kommt der noch mal so gut. Die unheimliche Spannung wenn David Hemmings Bild für Bild dem Mord auf die Spur kommt, wenn er im Park steht und der Wind durch die Bäume streicht und die Kamera suggeriert dass da noch jemand ist … Wahnsinn!
  • EMIL UND DIE DETEKTIVE von Gerhard Lamprecht aus dem Jahr 1931. Ich mag diese alten Filme sehr gerne, die zeigen nicht nur spannende Unterhaltung sondern auch ein Bild einer untergegangen Zeit. Mit Emil und Fritz Rasp durch das sommerliche Berlin des Jahres 1931 zu schlendern ist eine wundervolle Zeitreise.
  • DIE WEBER von Friedrich Zelnik, 1927, im Kino mit Livemusik. Nicht nur einfach Musik, sondern der Künstler hat auch Soundcollagen eingebaut. So verwendete er oft das Geräusch einer sich drehenden Webspindel, was ungeheuer Spannung erzeugt. Auch ist ihm nicht der Fehler unterlaufen abwechslungsreiche Musik unter einen abwechslungsreichen Film zu legen, sondern die Musik war oft repetitiv, was für Filmmusik natürlich die bessere Variante ist. Der Künstler hat auf einfache Weise Stimmungen erzeugt und den Film tatsächlich hervorragend untermalt. Ein sehr spannender Abend in einem vollen(!) Kino. Dass der Film, der den Weberaufstand in Schlesien 1850 behandelt, erstklassig ist, muss hier nicht erwähnt werden, oder?

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Die Überraschung des Monats war GHETTOGANGZ 2 – ULTIMATUM. Ich hatte eine doof-moderne Actiongurke erwartet, die sich durch ein Übermaß an Kampfszenen und extrem schnelle Schnitte definiert, und war angenehm überrascht wie altmodisch der Film gemacht ist. Toll choreographierte Fights ohne Overkill, sympathische Darsteller, gute Stimmung – hat mir wirklich gefallen!

Ebenfalls herausragend war Joe Amatos FOLTERGARTEN DER SINNLICHKEIT, der so genial abstrus/abgedreht/sexy/spannend war, dass er sich einfach in mein Herz gespielt hat. Der wird öfters gesehen werden! George Eastman rockt, aber das ist ja nichts Neues …
ICH – EIN GROUPIE, der auch bei der Zweitsichtung immer noch so aufregend ist wie beim ersten Mal. Auch hier eine Zeitreise in eine untergegangene Welt, und DER Reiseführerin würde ich überall hin folgen …
JACK REACHER hatte mir auch gut gefallen, weil er nicht alles und jedes erklärt sondern sich stattdessen lieber auf die Personen und die Story konzentriert. Nicht muss der Hintergrund der Hauptfigur mühsam erklärt werden, sondern Reacher ist einfach da und er ist so wie er ist. Punkt. OK, ein paar Erklärungen kommen schon noch, und die Auflösung ist auch recht früh abzusehen, aber insgesamt ist JACK REACHER angenehmes Spannungskino mit vernünftiger Story, schönen Bildern und ordentlich inszenierter Action.
DO YOU LIKE HITCHCOCK? hat mir beim Anschauen zwar ganz arg gut gefallen, aber hinterher habe ich mich schon gefragt wo jetzt da die Handlung war. Eine Zweitsichtung wird sicher noch sehr lange dauern, aber besser als der CARD PLAYER ist HITCHCOCK allemal.

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Enttäuscht war ich vom Directors Cut von JFK – die Kinoversion gehört seit Jahren zu meinen absoluten Lieblingsfilmen, aber der DC bekommt leider die Spannungskurve nicht so recht hin. Schön, dass Oliver Stone 4 Stunden Zeit hat zu onanieren, aber der Film an sich bleibt dabei auf der Strecke. Meine Empfehlung: Lieber bei der Kinoversion bleiben – der DC bietet nichts überwältigend neues, dafür aber lange Strecken gepflegten Nichts.

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 19.03.2015 13:33 
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Im Februar 2015 musste ich ab und zu wieder was arbeiten, deswegen wurden es auch deutlich weniger als 44 Filme, aber ein paar Besondere waren auf jeden Fall dabei:

  • DAS SUPERHIRN von Gérard Oury, mit Jean-Paul Belmondo, David Niven, Bourvil und Eli Wallach. Großes Kino, richtig großes Kino. Bébel und Bourvil wollen einen Zug mit viel Geld überfallen, Niven als NATO-Offizier will den gleichen Zug überfallen, und Wallach als stockeifersüchtiger Mafioso hat meistens dann seine Finger im Spiel wenn es gerade nicht passt. Urkomisch, spannend, genial inszeniert, und eine Synchro zum Fingerschlecken. Nach langer Zeit mal wieder ein neuer 10-von-10 Plastikschwimmsessel-Film.
  • DAS GEHEIMNIS DER GRÜNEN STECKNADEL endlich auch mal in vernünftiger Qualität gesehen (in der deutschen Schnittfassung). Das Zusammenwerfen alter deutscher und neuer italienischer Stars funktioniert einwandfrei, London ist als Setting in dieser Zeit immer groovy, und der Film ist einer der besten Gialli die ich bislang gesehen habe (OK, viel waren es noch nicht).
  • SIE NANNTEN IHN MÜCKE – da muss man nichts zu sagen, oder? Als Kind durfte ich ihn mit meinem Vater im Kino sehen, und an dem Spaß den ich hier habe hat sich in den knapp 40 Jahren aber auch gar nichts geändert. Buddy’s bester Solofilm, behaupte ich mal …

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Auch Gurken gab es natürlich:
  • Die Obergurke war ganz klar HEISSER SEX IN BANGKOK von Onkel Erwin. Das war das allererste Mal in meinem Leben, dass ich einen Film zu mindestens einem Drittel mit der Vorspultaste gesehen habe. Nichts gegen Dietrich-Filme, aber der war nur noch peinlich. Ich glaube die Pseudo-Dialekte haben mich am meisten genervt, und die in-den-Mund gelegten Dialoge der Thai-Darsteller kamen gleich danach. Ich vergebe sehr sehr selten nur einen Punkt, dieser Film hat einen bekommen.
  • Auch nicht wirklich prickelnd war STORMY MONDAY von Mike Higgis, mit Sting, Melanie Griffith und Tommy Lee Jones, ein Liebesdrama in einem Pseudo-Gangster-Setting. Ich liebe britische Gangsterfilme, aber der war erheblich mehr Liebesdrama als Gangsterflick, und die Liebesgeschichte zwischen einem sehr jungen Sean Bean und Melanie Griffith hat irgendwie auch nicht so recht ins Laufen kommen wollen. Sting ist hier wirklich cool, aber der Rest ist eher uncool …

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Außerdem habe ich mir den Monat die ersten 3 Arne Dahl-Verfilmungen angeschaut: MISTERIOSO, BÖSES BLUT und FALSCHE OPFER. Die Romane habe ich verschlungen, aber die Filme kommen zum Teil schon sehr spröde daher. Der Witz, den Dahl bei aller Dramatik und Spannung immer noch einbauen kann (was auch seine schriftstellerische Klasse ausmacht), fehlt hier weitgehend. Auch das Team ist nicht so TEAM wie es im Buch ist, sondern eher eine Zusammenstellung von Individuen. Klar, ist im Buch genauso, aber da wächst die Gruppe durch einige schlimme Erlebnisse schnell zusammen, während die Filme bei den Individuen stehen bleiben. Die 2. Box werde ich mir bestimmt noch hinstellen, aber nicht für den Neupreis von 35 € für die BUs, so gut sind die Folgen einfach nicht.

Was war sonst noch herausragend? Natürlich DAS GEHEIMNIS DES SILBERNEN HALBMONDS, der Abschluss meines Wallace-Updates das seit einem Jahr lief. Muss man nichts zu sagen – ist nicht so stark wie die STECKNADEL, aber immer noch um Längen stärker als so manch anderes. Allein der Titeltrack …
Umberto Lenzis DIE VIPER hat mir mal wieder gezeigt was für ein großartiger Schauspieler Tomas Milian war. Viel Screentime hat er nicht, aber wenn er agiert, dann beherrscht er die Szene. Nicht durch Lärm und Trara (manchmal schon auch), sondern durch seine Blicke, seine Ausstrahlung, seine abgrundtiefe Bosheit. Dazu die spannende Rahmenhandlung – passt!
Und auch RACKET war ein Film so ganz nach meinem Geschmack. Fabio Testi, den ich immer gerne sehe, räumt blutigst in der Unterwelt auf. Links und rechts sinken die Toten Gangster und Cops hin, und dem rechtschaffenen Zuschauer geht das Herz auf. Bitte mehr davon!!
DAS SCHLITZOHR UND DER BULLE kann da zwar nicht so ganz mithalten, ist aber meines Erachtens der beste Monnezza-Film, weil er hier ziemlich ernst rüberkommt und nicht so komödiantisch wie in den anderen beiden. Da die Action hier auch sehr ernsthaft zur Sache geht, und die anderen Darsteller absolut passen, ist das ohne weiteres ein Film zum öfter schauen.
Öfter schauen tut man auch DIE RECHTE UND DIE LINKE HAND DES TEUFELS. Ein Aus-Versehen-Kauf auf BU, und wenn das Teil schon mal dasteht schaut man sich es sich auch mal wieder an. Immer wieder schön, und der Film nutzt sich auch beim x-ten Ansehen nicht ab.
Noch nicht x-mal gesehen habe ich DIE FÜNF GEFÜRCHTETEN, aber das wird sicher noch kommen. Ein Heist-Movie im Westerngewand, oder wie ich immer sage: Kobra übernehmen Sie als IW. Funktioniert als Western und als Krimi, und sowas ist schon relativ selten, zumal im IW.

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 31.03.2015 09:46 
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Das ist eine gelungene Umsetzung des neuen Tagebuchs! 44 Filme in einem Monat ist aber eine unfassbare Zahl! :mrgreen:


Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
[*]HALBER MENSCH von Sôgo Ishii, ein Musikfilm mit den Einstürzenden Neubauten, entstanden Mitte der 80-er zum Album Halber Mensch. Die Neubauten spielen inmitten eines Schrottplatzes, eingeschnitten werden Konzertauftritte und eine Performance auf einer Straßenkreuzung. Auch geschickt integriert ist das erste offizielle Neubauten-Video zu ZNS. Ein sehr beeindruckendes Werk mit einer genialen Performance einer genialen Band.
[/img]

Das Stück ist tatsächlich sehr gelungen. Habe den noch auf VHS in Deutschland, glaube ich. :mrgreen:
Wie kamst du darauf? Wegen des neuen Oskar Roehler Films über die Neubauten? Hast du den schon gesehen? Bin sehr gespannt, da ich Silvester Countdown und Die Unberhührbare von ihm für sehr gut halte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 01.04.2015 18:45 
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Ich bin doch alter Neubauten Fan ... Zur Halber Mensch-Tour hab ich sie in Nürnberg live gesehen, im Goldenen Saal unter der Reichstagstribüne, dem früheren SS-Aufmarschsaal. Und die Liebe ist in all den Jahren vielleicht mal ein wenig in den Hintergrund getreten, aber wirklich erkaltet ist sie nie. Vor ein paar Wochen habe ich NIHIL ODER ALLE ZEIT DER WELT gesehen, einen Experimentalfilm von Uli M. Schüppel mit Blixa Bargeld in einer kleinen Rolle und der Musik der Neubauten, sowie SEELE BRENNT, eine gute Doku über die Karriere der Neubauten. Eine sehr empfehlenswerte DVD übrigens, die auch noch Teile der Silence is sexy-Aufnahmen im Conny Plank-Studio dokumentiert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 01.04.2015 19:02 
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DAS Highlight des Monats März war natürlich das wundervolle Terza Visione-Festival in Nürnberg. Und auch wenn ich dort nur 4 Filme gesehen habe, diese 4 Filme waren herausragend. Zum einen weil natürlich Filme im Kino immer etwas Besonderes sind, zum andern aber weil gerade diese 4 wirklich herausragend sind:

  • NON SI SEVIZIA UN PAPERINO – Ich kannte den Film tatsächlich noch nicht, und war direkt nach dem Film durchaus angetan. Einen Film später war ich schon reichlich erfreut. Und nachdem ich nachts noch über PAPERINO nachgedacht habe, war ich am nächsten Morgen schwer begeistert. Was hier alles drin steckt, wie viel Lucio Fulci hier an Inhalt, an Anspielungen, an Ideen hineingesteckt hat … Wahnsinn. Ich freue mich sehr auf die kommende Veröffentlichung, weil hier gibt es bei weiteren Sichtungen noch vieles zu entdecken.
  • ESCALATION – Ein ziemlich abgefahrenes Popart- und Hippieteil von Roberto Faenza, das leider durch die rotstichige Kopie etwas an Wirkung verloren hat. Wer Filme wie FEMINA RIDENS oder DAS ZEHNTE OPFER mag ist bei ESCALATION sicher auch begeistert – diese wilde Ansammlung an Skurrilitäten, an schrägen und unglaublichen Ideen, sowas sieht man selten. Bitte mehr davon!
  • RINGO KOMMT ZURÜCK – ein guter Film, auf DVD. Aber im Kino ein Meisterwerk. Ich war nicht der Einzige der nach dem Film feststellen musste, dass dieser Film auf der Leinwand erheblich stärker ist als auf dem Fernseher. Filme sind für das Kino gemacht, aber Western ganz besonders. RINGO ist um so vieles düsterer und packender als im Kleinformat, dass ich ihn als persönliches Highlight des Festivals bezeichnen möchte.
  • BORA BORA – Was war das? Und vor allem: Was möchte uns der Regisseur mit dem Film sagen? Corrado Pani ätzt und prügelt sich durch ein extrem schön fotografiertes Tahiti um seine Frau zurückzubekommen, die in den Armen eines Insulaners ziemlich glücklich ist. Bösartigkeit, Aggressivität, Rassismus, ein völlig überflüssiger Tiersnuff, und Bilder wie aus einem Reisekatalog. Der andere Höhepunkt des Festivals, weil einen Film der so ambivalent ist wie BORA BORA muss man erstmal finden. Definitiv ein Film zum drüber nachdenken und diskutieren. Und den Soundtrack habe ich mir heute glatt bestellt …

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Abseits des Kinos, auf dem vertrauten Sofa, gab es auch ein paar wenige Höhepunkte:
  • So hat mich die Zweitsichtung von OLDBOY (nach dem Kinobesuch in etwa 2005) sprachlos zurückgelassen. Park Chan-wooks Bildersturm ist überwältigend, die Schauspieler sind grandios, die Musik ist ein Traum. OLDBOY kann problemlos in einem Atemzug mit den Meisterwerken von Sergio Leone oder Jean-Pierre Melville genannt werden. Oder Johnnie To. Vor allem wurde mir beim Anschauen schlagartig klar warum die Musik zu STOKER so bekannt klang – Park verwendet Variationen seiner ganz persönlichen Filmmusik immer und immer wieder, was dazu führt, dass sich eine bestimmte Grundstimmung aufbaut, die irgendwo zwischen Düsternis und Leichtigkeit pendelt. Ein ziemlich guter Trick um ein ganz persönliches Filmuniversum zu kreieren. Auch wenn mir von Park nicht immer alles gefällt, aber ich glaube da muss langsam mehr her.
  • HARRY POTTER UND DIE HEILIGTÜMER DES TODES – TEIL 1. Wer lacht da? Der 2. Teil war mir zu hollywood’sch bombastisch, kitschig und überladen, aber dieser erste Teil ist sehr sehr düster und oft karg und trist in seinen Bildern. Man sieht eine Welt zusammenbrechen unter der Wucht des Bösen, was im Zuschauer Emotionen weckt, und Peter Yates kann diese Emotionen auch bedienen. Anstatt im Pathos zu schwelgen und den Film in süßlicher Musik zu ersäufen, zeigt der Regisseur hier graue Landschaften und traurig wirkende Settings, die den Zuschauer in sehr hohem Maße herunterziehen und ihn die Einsamkeit der Protagonisten deutlich spüren lässt. Auch die politischen Anspielungen haben gepasst, und insgesamt kam der Film sehr nah an den Roman heran. Der beste Teil der Reihe nach dem dritten Teil.

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Völlig daneben war DÄMON von Yoshitaro Nomura. Eine Frau liefert ihre 3 beim Seitensprung gezeugten Kleinkinder beim Erzeuger ab, dessen Ehefrau davon naturgemäß nicht so begeistert ist. Und nachdem die eigene Druckerei nicht gut läuft und die Ehefrau immer mehr Druck macht müssen die Kinder halt wieder weg. Und sei es mit Gewalt. DÄMON war trist und traurig, aber leider auch völlig langgezogen und ereignisarm gefilmt. Einzig das letzte Drittel hatte eine Spannungskurve, vorher war da eher Flachland. Ich habe 2 Abende gebraucht, und sowas ist nie ein gutes Zeichen.

Und was mich geärgert hat war NYMPHOMANIAC – TEIL 1 von Lars von Trier. Nicht der Film, der war in Ordnung, aber ich habe mir diesen Film via Videobuster ausgeliehen, und tät nun gerne den zweiten Teil sehen. Den bekomme ich aber nicht, weil Filme über 18 nicht in die Schweiz geliefert werden (der erste Teil hat eine 16-er Freigabe). Unbedingt kaufen muss ich mir das Teil aber auch nicht. Bloß, solange der erste Teil noch relativ frisch ist würde ich natürlich schon gerne … Grrrr. Trotzdem, wem ANTICHRIST gefallen hat der darf auch hier hinschauen. Charlotte Gainsbourg geht sowieso immer, und der Film ist so dermaßen herrlich morbid-erotisch, wie sonst nur manche der früheren Werke von Jess Franco (nur besser gefilmt).

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Ansonsten gab es diesen Monat die erste Emma Peel-Staffel von MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE mit den ersten 8 Folgen. Nun muss ich aufpassen dass ich nicht zuviel auf einmal schaue, damit kein Overkill einsetzt. Die AVENGERS sind wie richtig guter Whisky, den man auch nur bei besonderen Gelegenheiten genießt. Kleine Höhepunkte im Filmleben eines Maulwurfs …

Vielen Dank an dieser Stelle an Ultrastruktur für die lieben Worte und das positive Feedback! Zwischenrufe sind ausdrücklich erwünscht :mrgreen:

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 01.04.2015 20:05 
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Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
Ich bin doch alter Neubauten Fan ... Zur Halber Mensch-Tour hab ich sie in Nürnberg live gesehen, im Goldenen Saal unter der Reichstagstribüne, dem früheren SS-Aufmarschsaal. .


Iat das da, wo heute der Burger King drin ist? :lol:
Neubauten habe ich mittlerweile auch ein paar Mal live gesehen. Sie werden früher sicher eine ganz andere Energie gehabt haben aber ich muss ehrlich sagen, dass ich die aktuellen sehr mag mit dieser ruhigeren Musik. Von Blixa als Japanrestaurantkritiker halte ich Nullkommanix aber das macht ja nichts.
Hatte sie u.a. mal in...Frankfurt gesehen, da war Otto von Schirach Vorband. Da haben Leute um mich herum geraunt, dass das ja gar keine Musik sei, was doch etwas überraschend war. Und als Blixa "Weil Weil Weil" intonierte und das Publikum das militärisch im Takt mitgrunzte, fühlte ich mich auch etwas unwohl.

Nympomaniac ist kein Film den ich sehen will. Ich weiß nicht woran es liegt. Ich mag von Trier, dessen Melancholia, Dogville und Geister sind brillant. Medea ist toll. Und ehrlich, ich liebe Jamie Bell und würde ihn gerne beim Sex sehen. Aber irgendwie sträubt es mich total den Film zu sehen. Der lief hier gefühlt ein halbes Jahr in Prag und mich versuchten viele leute ins Kino zu schleppen aber ich wurde immer rigider. Glaube, den werde ich mir nie anschauen. :?

Und bei Ringo kommt zurück gehe ich nicht mit dir d`accord. Da möchte ich, völlig unpassend auch, Lew Schestow zitieren bei seinen Gedanken zu Tschechow. Schestow schreibt über den Menschen ohne Hoffnung, der ja nun auch der dortige Held zweifelsohne war, glauben wir der Kartenlegerin und Wüstensexmaus: " der Mensch ohne Hoffnung. Zu tun gibt es für einen solchen Menschen im Leben absolut nichts, außer vielleicht mit dem Kopf auf einen Stein einschlagen, Nicht verwunderlich also, dass ein solcher Mensch der Umgebung unerträglich ist. Er bringt stets nur Tod und Zerstörung mit sich. Er weiß es selbst, hat aber nicht die Kraft, sich von den Menschen fernzuhalten. -...Das zögern ist ein integrales Element des Abwägens, wenn der Mensch vom Schicksal vor letzte Entscheidungen gestellt wird..."
Der Staubheld war auch mir völlig unerträglich.

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 03.04.2015 20:05 
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Ich traue der Nürnberger Stadtverwaltung so einiges zu, aber dass sie einen Burger King in den Standartensaal der SS bauen? Nein, da machen die Bürger nicht mit. Das Reichsparteitagsgelände ist ziemlich sakrosankt, mal abgesehen von nächtlichen illegalen Autorennen ...
Und die Neubauten sind seit ihrer Gründung im Hohlraum einer Autobahnbrücke immer anders, immer neu, und immer gegen den Strich. Dass sie sich ständig neu erfinden macht einen Teil ihrer Faszination aus, und dass sie sich als Künstler auch weiterentwickeln, unabhängig vom gewünschten Stil, das macht sie zu einer Ausnahme im Kunstbetrieb. Ein Grund mehr nochmal auf die hervorragende DVD SEELE BRENNT hinzuweisen. Wenn man die Neubauten mag lohnt sich das Teil wirklich.

Von von Trier kannte ich bislang nur ANTICHRIST, und der ist mir ziemlich in die Gedärme gefahren. Einige Bilder habe ich nie wieder vergessen, die begleiten mich sogar im Alltag, und damit meine ich NICHT die Kastration. Der Film hatte einiges unangenehmeres zu bieten. Subtileres *schauder* Na ja, und die Aussicht auf Charlotte Gainsbourg hat mich dann irgendwann überzeugt den Streifen auszuleihen. Wie gesagt, der Film ist spröde und auf eine morbide Art erotisch. Ob Jamie Bell in dem Film Sex hat weiss ich nicht mehr, aber wenn dann nur sehr kurz. Sollte ich irgendwann Teil 2 sehen sage ich Dir Bescheid.

Und das Ringo der Mann ohne Hoffnung ist, da widerspreche ich Dir. Ringo HAT Hoffnung, sonst würde er nicht in diesen aussichtslos scheinenden Kampf ziehen. Er hat die Hoffnung seine Frau wiederzubekommen, die Hoffnung sein Kind wieder in die Arme nehmen zu können, die Hoffnung wieder ein geachteter Bürger von Mimbres zu werden. Dafür kämpft er, und ohne Hoffnung kämpft kein Mensch, außer er wird dazu gezwungen (zu diesem Thema siehe WEGE ZUM RUHM von Stanley Kubrick). Dass Kampf mit Tod und Vernichtung einhergeht ist immanent, denn Kampf bedeutet einen Mißstand abzuschaffen (und mit einem anderen zu ersetzen *muhaha*), und dazu muss im Normalfall immer Gewalt angewendet werden. Wird das im Übermaß und mit dem richtigen Setting getan nennt man das Italo-Western, und ich liebe Italo-Western seit über 30 Jahren :mrgreen:

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 01.05.2015 13:54 
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April April, der macht was er will … Mir hat er ein für mich neues Genre nahegebracht, den italienischen Gotik-Gruselfilm der 60er-Jahre. Wurde ich beim Terza Visione noch gefragt ob ich mit Horror denn gar nichts anfangen kann (konnte ich bislang auch tatsächlich nicht), so habe ich diesen Monat die Welt der verfallenen Friedhöfe und opulent eingerichteten (und vor allem verstaubten) Schlösser entdeckt.

  • Begonnen hat es mit LO SPETTRO von Riccardo Freda, u.a. mit Barbara Steele. Eine böse und kalte Studie über verzweifelte Menschen die in einem düsteren Schloss leben und sich das Leben und den Tod gegenseitig schwer machen. Polanski hätte den Film möglicherweise ähnlich gedreht, von daher ist dies eigentlich kein Gotik-Grusler im klassischen Sinne, aber mich hat er schwer begeistert und in Stimmung gebracht für …
  • ... IL MOSTRO DELL’OPERA von Renato Polselli. Eine Tanzgruppe übt in einem verlassenen Theater in dem auch ein Vampir umhergeht, der sich vorzugsweise von Primaballerinas ernährt. Hier regiert der Wahnsinn, und Polselli zeigt wieder einmal dass, er der wahre Meister des fortgeschritten-absurden Kinos ist. Ein stimmungsvoller und als Gruselfilm tatsächlich funktionierender Tanzfilm, das bekommt nicht jeder hin. Und wenn ich dann noch erwähne, dass hier nackte Frauen im Keller angekettet sind, dabei im Bodennebel stehen und sich wollüstig räkeln, dann sollte dem geneigten Genrefan DAS GRAUEN KOMMT NACHTS einfallen. Polsellis Obessionen wären sicher einer eingehenden Untersuchung wert. Ich bleibe dran (und eine ausführliche Kritik folgt)…
  • SCHREIE DURCH DIE NACHT von Jess Franco ist zwar nun nichts italienisches, passt aber perfekt hierher, denn er ist vor allem stimmungsmäßig auf der gleichen Schiene. Dr. Orloff entführt und tötet schöne junge Frauen um ihnen die Haut zu transplantieren und damit das Leben seiner Tochter zu retten. In sehr stimmungsvollem schwarz-weiß gefilmt, mit viel Schatten und Nebel und einer tollen Kameraführung einerseits, sowie wirklich guten Schauspielern und einer fast atonalen und modern wirkenden Industrial-Musik andererseits, ist das ein Film den ich gerne mal im Kino sehen möchte. Da dürfte er sehr verstörend wirken, viel mehr noch als auf der kleinen Glotze. Ein spannender und unheimlich inszenierter Gruselthriller!
  • Außerdem gab es noch Antonio Margheritis DRACULA IM SCHLOSS DES SCHRECKENS, der zwar gegenüber den anderen etwas abfiel, aber trotzdem für gute Stimmung gesorgt hat. Michele Mercier, Karin Field und ein etwas blass wirkender Peter Carsten lieben und töten sich durch ein schwer verspinnwebtes Spukschloß, bei dieser Sause kann kaum noch etwas schief gehen. Auf der IMDB habe ich eine Liste mit 35 Filmen dieser Art gefunden, da bleibe ich mal dran und versuche diese Liste zu komplettieren. 70$ für das Doppelpack LONG HAIR OF DEATH / AN ANGEL FOR SATAN sind mir im Moment noch zu viel, aber sowas kann sich von einem Tag auf den anderen schnell ändern …

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Dabei war die filmische Klammer rund um den Monat eigentlich eine ganz andere. Begonnen hat der April mit THE YARDS – IM HINTERHOF DER MACHT. Ein extrem spannender und dabei ruhiger Thriller um Korruption und Mord im Milieu der New Yorker U-Bahnbetriebe. Mark Wahlberg, James Caan, Faye Dunaway, Ellen Burstyn, Joaquin Phoenix und Charlize Theron zeigen hier was für unglaublich gute Schauspieler sie sind. Vor allem James Caan und Joaquin Phoenix beeindrucken ganz schwer damit dass sie leise sind, ihre Emotionen sehr fein ausdrücken, und dabei so unglaublich eindrücklich rüberkommen dass es Gänsehaut erzeugt. Und der Zusammenbruch Faye Dunaways bei der Anhörung war einer der intensivsten Momente meines Filmlebens …
Geendet hat der Monat gestern mit KILLER JOE von William Friedkin. Kennt den hier jemand? Chris schuldet dem Drogensyndikat einen Haufen Geld. Da erfährt er, dass seine Mutter eine Lebensversicherung auf seine Schwester abgeschlossen hat. Die ganze Familie zieht mit und engagiert Joe, im Hauptberuf Detective und nebenberuflich Killer. Joe allerdings besteht auf Vorkasse, wie Killer halt so sind. Die Familie hat aber kein Geld, und Joe weigert sich den Auftrag anzunehmen – bis er Chris Schwester Dottie sieht. Er verliebt sich und nimmt Dottie als Pfand, was Chris nicht wirklich gut gefällt.
KILLER JOE macht keine Gefangenen. Sowohl in der Darstellung von Gewalt wie auch von Nacktheit gibt es hier keine Kompromisse. Und in der Kombination der beiden schon gar nicht – wer die Hühnchenszene einmal gesehen hat vergisst sie so schnell sicher nicht mehr. Die Schauspieler geben absolut alles, und Matthew McConaughey als Joe ist gigantisch gut. Böse, nett, höflich, garstig, und das alles gleichzeitig. Seine durchgehende ruhige und intellektuelle Art kontrastiert mit dem White Trash-Milieu der Familie, was seine Bosheit noch viel mehr betont. Wem der Dunkle Mann in LAST STAND gefallen hat (dem Roman, nicht den Verfilmungen), der wird auch Joe lieben.

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Zwischen dieser Klammer und neben den Gothikgruslern gab es im April merkwürdig viele Highlights. Tatsächlich ein Monat, der mir auf meinem Sofa viele glückliche Momente beschert hat.
  • SASORI 3 – DEN OF THE BEAST – Bislang für mich der stärkste Teil der Reihe, auch wenn ich 2 Anläufe benötigt habe. Meiko Kaji, die mit einem blutigen abgeschnittenen Arm an der Handschelle durch eine Stadt rennt, das verankert sich tief im Gedächtnis, genauso wie die Jagd durch die Kanalisation. Wenn Godard und Walter Hill jemals einen Film zusammen machen würden, dann würde er wahrscheinlich so aussehen.
  • IM WESTEN NICHTS NEUES, natürlich das Original von 1930 von Lewis Milestone. Der Roman ging mir schon sehr unter die Haut, und der Film war eine erstklassige und makellose Umsetzung. Im Jahr 1914 meldet sich eine ganze Klasse deutscher Oberschüler begeistert zum Kriegsdienst – „Jetzt zeigen wir den Franzmännern wie toll wir sind.“ Nach ernüchterndem Drill auf dem Kasernenhof schlägt die Realität den Fast-noch-Kindern im ersten Gefecht erbarmungslos um die Ohren. Die Hauptfigur Paul Bäumer, der eigentlich Dichter werden wollte, wird zum abgehärteten und desillusionierten Veteran, weit entfernt vom ursprünglichen sozialen Umfeld und der Familie. Das Ende erinnert an Bölls Wo warst Du, Adam?, der sich sicher an Remarques Roman orientiert haben mag. Auf jeden Fall ein Film, der in einer Reihe mit Dalton Trumbos JOHNNY ZIEHT IN DEN KRIEG und Stanley Kubricks WEGE ZUM RUHM steht. Nicht wirklich schön, aber verdammt gut.

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Und das waren, gemeinsam mit IL MOSTRO DELL’OPERA, nur die absoluten Highlights. Richtig gut waren auch noch:
  • PAULA-PAULA von Jess Franco. Wenn mich mal jemand nach einem richtig erotischen Film ohne Schmuddel und ohne Peinlichkeiten fragen sollte, dann nenne ich diesen hier. Keinerlei Handlung und ohne Spannungsbogen, stattdessen das Abfilmen vollkommen normal aussehender Frauen beim Tanzen und Lieben, und mit der natürlichen Erotik und Schönheit von Paula Davis und Carmen Montes jedem Andrew Blake-Flick haushoch überlegen.
  • DENN DAS WEIB IST SCHWACH von Wolfgang Glück, ein ruhiges Krimi-Drama aus dem Jahr 1961 um eine alleinerziehende Mutter, einen verschuldeten Anwalt, eine enttäuschte Nachtclubbesitzerin und einen verzweifelten Gangster. Ein Film, der vermutlich deutlich näher an der Realität des Jahres 1961 ist als die meisten anderen aus dieser Zeit, und auch deutlich mehr Emotionen beim Zuschauer weckt. Für alle, die zu ihren Gefühlen stehen und gute Geschichten schätzen.
  • LÈVRE DU SANG von Jean Rollin – nach 2 nicht so dollen Versuchen war dies der Film wo es Rollin-technisch bei mir geschnackelt hat. Intensiv, düster, erotisch – davon will ich mehr!!
  • GRETA – HAUS OHNE MÄNNER – Ich hatte mich auf einen für die Dietrich-Phase typischen WIP-Film mit Dschungel und nackten Frauen und ein wenig blutigen Effekten eingerichtet, aber auf das was dann tatsächlich kam war ich nicht vorbereitet. Jess Franco hat mich mit diesem sehr düsteren und einigermaßen brutalen Film ziemlich überrascht, und nach der Schlussszene saß ich erstmal da und hab geschluckt. Die erstklassige Kameraführung, die ausnahmsweise mal passende Musik von Walter Baumgartner, und vor allem das nicht(!) übertriebene Spiel der Darsteller (von Dyanne Throne mal abgesehen, aber die wurde ja dafür bezahlt zu übertreiben) generieren einen bitterbösen Schocker mit einigen wirklich heftigen Szenen. Franco hat mich wieder einmal überrascht, und wieder einmal bin ich froh ihn für mich entdeckt zu haben, weil er einfach immer wieder anders ist. Trotzdem, so fies hatte ich Franco bislang noch nicht erlebt …
  • HEART – JEDER KANN SEIN HERZ VERLIEREN – Ein englischer Thriller von 1999, bei dem ich mir erstmal nichts Aufregendes erwartet habe. Gary ist nach einem Herzanfall halb gelähmt, sein Herz ist stark geschwächt und darf nicht belastet werden. Als er ein neues Spenderherz bekommen kann, das Herz eines hirntoten jungen Boxers, willigt er in die Operation ein. Alles verläuft gut, und er kann Bäume ausreissen, seine Frau Tess befriedigen, und genießt das Leben in vollen Zügen. Allerdings nimmt er Kontakt zu der Mutter des Boxers auf, Maria, und Maria fängt an sich in das Leben Garys und Tess’ hineinzudrängen. Maria will den Kontakt zu ihrem Sohn nicht verlieren, beziehungsweise zu dessen Herz, und geht dafür auch über Leichen.
    Ein kleiner, unauffälliger, sauspannender Thriller. Irgendwo zwischen Home Invasion und einem Krankenhausflick gehen hier Dinge ab die ziemlich heftig sind, und die den Zuschauer sehr schnell mitziehen und nicht mehr wegschauen lassen. Klasse Film, völlig unterbewertet!

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Auf der anderen Seite der Skala stand im April DIE AUSGEBUFFTEN. Oui, richtig gelesen, DIE AUSGEBUFFTEN haben von mir 2 von 10 Strohhüte bekommen. Ich fand das Teil einfach nur schlecht. Ja, 1974 war der Film skandalös. Ja, 1974 hat der Film den Zeitgeist der jungen Franzosen getroffen. Ja, die Schauspieler sind über alles erhaben und verdienen tatsächlich das Prädikat „göttergleich“. Und ja, mein französischer Kollege hat absolut Recht mit der Aussage, dass der Film gut war und schlecht gealtert ist.
Ganz ehrlich, die Geschichte um 2 vollkommen idiotische Typen die nicht weiter denken können als bis zum Ende ihres Schwanzes, und sich mit Raub und (versuchter) Vergewaltigung durch Frankreich schlagen, diese Geschichte ist weder lustig noch spannend noch irgendwas. Nennt mich reaktionär, aber über versuchte Vergewaltigung kann ich nun mal nicht lachen. Ich kann auch nicht darüber lachen, wenn eine Frau, die allein in einem Eisenbahnabteil sitzt, sexuell genötigt wird. Und ich kann genauso wenig darüber lachen wenn jemand in die Wohnung einer Frau eindringt und erklärt dass jetzt erstmal ordentlich gefickt wird.
Jeanne Moreau ist wundervoll, und entsprechend sind auch ihre Szenen wundervoll. Es gibt einen Moment, wo sie an einer Bushaltestelle sitzt und hinter ihr lauter alte Häuser und Wiesen zu sehen sind. Das alte Frankreich. Schnitt auf Gerard Depardieu, und hinter ihm sind lauter Hochhäuser und Baustellen zu sehen. Das neue Frankreich. Aber ganz ehrlich, an dieser Stelle bin ich gerne reaktionär.
Ich gebe aber auch zu, dass mir die deutsche Fassung übel aufgestoßen ist. Ich habe den Film OmU gesehen, und gesprochener und gelesener Text waren inhaltlich meilenweit auseinander. Da wurde getextet ohne dass gesprochen wurde, und da wurde gesprochen ohne dass getextet wurde. Die Untertitel waren ach so komisch, und haben zu der, mit Melancholie durchsetzten, Geschichte gepasst wie Charles de Gaulle zu den Grünen. Sprich, mit einer ordentlichen Vertonung (bzw. Untertitelung) wäre ich bereit dem Film noch mal eine Chance zu geben, wegen Dewaere, wegen Depardieu, wegen Moreau, und wegen der schönen Bilder. Aber so? Niemals!

Und im Kino war ich den Monat auch: WINNA – WEG DER SEELEN. Ein Dokumentarfilm über Begegnungen zwischen Lebenden und Toten in den Walliser Bergen. Interviewt wurden ältere Menschen auf Dörfern, die noch einen anderen, intensiveren Bezug zu ihrer Umwelt haben, ein Medium sowie verschiedene Dorfhonoratioren, und dazwischen wurden gewaltige Bilder der Walliser Bergwelt geschnitten. Sehr sehr beeindruckend, genauso übrigens wie das ziemlich gut gefüllte Kino. Ein Film zum Nach-Denken. Ich für meinen Teil habe mir danach einige Gedanken gemacht, und WINNA hat meinem Denken in Bezug auf Dinge wie Spiritualität tatsächlich eine neue Richtung gegeben.

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 31.05.2015 21:22 
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Die filmische Klammer um diesen Monat ist seltsamerweise pornographisch geraten. Vielleicht weil im Mai die Säfte sprießen? Keine Ahnung, auf jeden Fall begann der Monat mit EXZESSE in der FRAUENKLINIK von Gérard Kikoïne und endete mit SCHULMÄDCHEN PORNO, einem deutschen HC im 1976 eigentlich nicht mehr so angesagten Report-Stil. Bei ersterem riss es die launige Synchro raus ("Ich muss los, meine anderen Patientinnen brauchen meine Dienste auch noch. Macht’s gut ihr geilen Ficker."), bei letzterem Nadia Henkowa aus dem FLUCH DER SCHWARZEN SCHWESTERN. Aber wahrscheinlich passt diese „Rahmenhandlung“ zu meiner psychischen Verfassung (zusammen mit der seit Tagen laufenden Joy Division-Dauerschleife) …

Speaking of seltsame Filme: Der Klogriff des Monats war ja wohl ganz klar WATCHMEN, die Mini-Serie von Jake Strider Hughes. Weia, was für ein Mist! 3 Episoden habe ich geschafft, aber bei der dritten habe ich dann schon angefangen zunehmend Zeit in anderen Zimmern meiner Wohnung zu verbringen. Mit den abgefilmten Comics kann ich gut leben, das ist zumindest mal was anderes. Aber dass sowohl alle(!) Rollen als auch die Erzählung von Tom Stechschulte gelesen werden, und dass Stechschulte dabei den Tonfall nur minimal nuanciert, dass hat dann irgendwann reichlich genervt. Und als in der dritten Episode ein weiteres Comic vorgelesen und parallel dazu eine Unterhaltung geführt wird, alles im selben teilnahmslosen Overvoice, da war der Ofen aus. (Ja, ich habe die Episoden im O-Ton gesehen – die deutsche „Synchro“ übte durch ihr unglaublich gelangweiltes Geleiere einen unwiderstehlichen Reiz auf meinen Mageninhalt aus. Nach gefühlten 20 Sekunden MUSSTE ich auf O-Ton umschalten.) Die Machart in einem zwanghaft zu nennenden Noir-Stil, der darauf zurückzuführen sein dürfte dass Noir-Graphic Novels damals durch Frank Miller gerade schwer in Mode kamen, empfand ich auch nur als peinlich weil schwerstens misslungen. NIE WIEDER!!!!

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Ein Gegenstück zu den WATCHMEN gab es auch: ASTERIX BEI DEN BRITEN. Hey, der Film ist wirklich stark! Die wahrscheinlich beste Umsetzung eines Asterix-Comics (SIEG ÜBER ROM ist ja keine Comicverfilmung) mit Chris Howland auf Teefax. Gute Güte, ich sage dies ist schockierend, ist es nicht? Ich liebe diesen Film! Die anderen Asterix-Zeichentrickfilme kommen auch noch dran, die Box liegt hier und will in kleinen Häppchen genossen werden, damit sie länger hält.
Genauso stark war ZWEI SÄRGE AUF BESTELLUNG, der letzte Film aus der Elio Petri-Box. Ein Film, der mich fast sprachlos zurückgelassen hat. Schon dieser unglaublich schöne Beginn mit dem Flug über La Rocca, mit der elegischen Musik von Bacalov, und dann kommt der Ort ins Bild, dazu das Meer, und man schmilzt bei dieser Musik einfach nur dahin und sieht ein Paradies, obwohl man weiß dass die Menschen dort unten sich das Leben gegenseitig zur Hölle machen und man dort niemals leben möchte. Dann kommen Luigi Pistilli, Gabrielle Ferzetti, Gian Maria Volonté und Irene Papas ins Bild, und was zwischen diesen Menschen in Folge alles passiert, wie sie sich gegenseitig umgarnen, belauern, verlocken, abstoßen und wieder anziehen, von Bacalov immer perfekt illustriert, das kann man bei einer einzigen Sichtung kaum alles erfassen. Den Soundtrack habe ich mir gleich danach gekauft, und der lief mehrere Tage auf Rotation, so schön ist der. 2 SÄRGE … setze ich von seiner Vielschichtigkeit und Intensität auf eine Stufe mit DON’T TORTURE A DUCKLING. Einer dieser Filme, die einen Eindruck auf der Seele hinterlassen. Davon gibt es nicht viele.

Ein anderer Film der einen Eindruck hinterlässt ist DIE DINGE DES LEBENS von Claude Sautet, mit Michel Piccoli und Romy Schneider. Ein Mann hat einen Autounfall, und der Zuschauer sieht in einer Parallelmontage sowohl den Unfall als auch seine letzten Tage im Kreise seiner Lieben, sowie zusätzlich noch weitere Szenen aus seinem Leben. Ein Film der nachdenklich macht, und der den Zuschauer in seinem Verhalten zu anderen Menschen verändert. Ich habe schon lange den Vorsatz, mich von Menschen an denen mir was liegt niemals im Streit zu trennen, es muss vor dem Gehen immer eine Versöhnung oder zumindest eine Aussprache geben. DIE DINGE DES LEBENS zeigt warum das so ist. Seitdem ich den Film gesehen habe teile ich mein Umfeld etwas deutlicher auf in „Mag ich, zeige ich auch“ (meine Kollegin, meinen Bergpartner) und „Brauche ich nicht, ist Zeitverschwendung“ (z.B. meinen Vorgesetzten). Und ich verbringe eher Zeit mit Menschen die mir am Herzen liegen als mit den anderen.

Und dann war die noch die Maria. AMERICAN MARY. Ein sehr cooler und stylisher Horrorfilm mit wenig Blut und sehr viel Stimmung und Atmosphäre. Klar werden hier billigste Gothic-Klischees gestreift, wenn Mary in roter OP-Kleidung und schwarzer Lederschürze dasteht, mit eiskaltem Blick und der Knochensäge in der Hand. Aber verdammt noch mal, der Film ist COOL und macht SPASS. Wenn Refn den gedreht hätte wären alle begeistert und der Streifen wäre bekannt und in aller Munde. Weil aber die Soska-Sisters den gedreht haben kennt ihn kaum jemand. Selber schuld! Ich seh schon, zu Weihnachten kaufe ich 20 Exemplare und verschenke die an DP-User, damit der Film mal ein wenig promotet wird. Bis dahin gilt KAUFEN KAUFEN KAUFEN!!!!!

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Erwähnenswert waren im Mai auch noch:
  • THE CREW von Adrian Vitoria – ein britischer Gangsterfilm über einen Bandenchef der noch einen letzten großen Überfall begehen will bevor er sich mit Frau und Kind nach Spanien absetzt. Seine Probleme dabei sind, dass zum einen der Boss des Liverpooler Undergrounds gerade ermordet wurde, was für gewaltig Unruhe und blutige Machtkämpfe sorgt, und zum anderen er selber von einem … Selber schauen macht fett! Der Film ist hart und geil und blutig und ein Muss für alle die britische Gangsterfilme mögen.
  • LÉON – DER PROFI – Der DC ist vielleicht ein klein wenig zu lang geraten, aber die Bildgewalt ist immer noch fulminant, und das Schauspiel von Jean Reno ist so fein und so sensibel wie selten danach. Den tät ich gerne mal auf der großen Leinwand sehen …
  • JONNY MADOC – Auch wenn ich öfters den Eindruck hatte dass Robert Woods hier den Anthony Steffen gibt (ein Gesichtsausdruck für alle Lebenslagen), kommt das doch ziemlich knorke rüber. Pier Paolo Capponi war nie wieder SO widerwärtig (und vor allem nie wieder so gegenwärtig, er hatte ja fast nur Nebenrollen, oder irre ich mich da?), Robert Woods ist obercool, die Nebenrollen sind vom Feinsten besetzt, und Stimmung und Action sind klasse. Danke Koch Media, dass der Film endlich eine VÖ bekommen hat!! Definitiv ein Italo-Western gehobener Klasse.
  • DIE FALLE von Giulio Questi beweist, dass spannende Krimihandlung und anspruchsvolle Nouvelle Vague mit politisch-sozialem Anspruch sich nicht ausschließen müssen. Ein ganz großer Film, der sicher ebenfalls mehrere Sichtung benötigt damit alles erfasst werden kann. Auch hier sind so viele Schichten im Spiel, so viele Handlungen finden parallel statt, die Doppelbödigkeit findet auf so vielen Ebenen statt, dieser Film wird so schnell nicht langweilig.
  • DIE STRICKMÜTZE – Ich war überrascht wie ernst der Film ist. Dieser erste Nico Giraldi-Streifen war mitnichten eine Komödie, sondern ein ziemlich harter Poliziottescho, der halt einfach das Problemchen hatte dass er 1976 schon zum Abgesang des Genres gehörte. Aber der Film hat alles was man von einem guten Polizeifilm erwartet: Schlägereien, Verfolgungsjagden, einen Bullen der sich seinen Weg durch Rom notfalls mit Gewalt bahnt, tolle Schauspieler (Jack Palance, Benito Stefanelli, …), und eine italienische DVD-VÖ mit deutscher und gut verständlicher Tonspur sowie spitzenmäßigem Bild.
  • DER VERNICHTER – Und gleich noch mal Tomas Milian. Wenn man die beiden Filme kurz hintereinander sieht wird deutlich, in welchem Maße die Hauptfigur des Vernichters als Vorbild für Nico Giraldi gedient hat. Milian trägt hier zum wahrscheinlich ersten Mal seine Strickmützensammlung, und auch die restlichen Klamotten sowie das Motorrad sind später 1:1 übernommen worden. Aber auch Monnezza, der im selben Jahr seine Leinwandpremiere feierte, ist hier zu einem guten Stück enthalten – der außerhalb des Gesetzes stehende Einzelkämpfer mit Herz, der immer zu den Kleinen hält und von Dingen wie Geld oder Ruhm gar nichts hält, für den aber Gerechtigkeit das höchste Gut ist. Nichtsdestotrotz ist DER VERNICHTER ein harter und rassig abgehender Actionfilm im Polizottescho-Fahrwasser, der ordentlich Laune macht.
  • 12 MONKEYS – Nach langer Zeit mal wieder gesehen, und immer noch genial. Ein visuelles Meisterwerk, ein schauspielerischer Genuss (definitiv Brad Pitts bester Film!!), eine fordernde und dennoch packende Handlung. Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und behaupte einfach, dass dies neben DIE RITTER DER KOKOSNUSS Gilliams bester Film ist. Irgendwelche Einwände?

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 31.05.2015 21:36 
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Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
SCHULMÄDCHEN PORNO, einem deutschen HC im 1976 eigentlich nicht mehr so angesagten Report-Stil.

Ach, den hast du dir tatsächlich angeschaut? :mrgreen:
Dann hoffe ich mal, dass das Ansehen von Nadia Henkowa keinen größeren Schaden genommen hat. :lol:
Aber ich finde sie ja nach wie vor toll, den "Schulmädchen Porno" allerdings eher weniger.


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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 01.06.2015 10:09 
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Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
[*]12 MONKEYS – Nach langer Zeit mal wieder gesehen, und immer noch genial. Ein visuelles Meisterwerk, ein schauspielerischer Genuss (definitiv Brad Pitts bester Film!!), eine fordernde und dennoch packende Handlung. Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und behaupte einfach, dass dies neben DIE RITTER DER KOKOSNUSS Gilliams bester Film ist. Irgendwelche Einwände? [/list]

Den würde ich auch gern mal wieder schauen. Habe den das letzte Mal als Teenager gesehen und war so begeistert wie es nur Italos und Teenager sein können. Das Ding kann es wirklich aufnehmen mit La Jetee. Wusste gar nicht, dass der von Terry Gilliams ist. Aber es dürfte auch einer der ganz wenigen Filme mit Brad Pitt sein, die mir gefallen. Finde ihn ja eher....grässlich.... :lol:
Aber nimm noch Fear and Loathing mit dazu, zu den besten Filmen, und ich gehe dàccord. Den Rest seiner Filme finde ich über weite Strecken auch nicht soo prickelnd. :lol:
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BeitragVerfasst: 01.06.2015 19:42 
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Prisma hat geschrieben:
Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
SCHULMÄDCHEN PORNO, einem deutschen HC im 1976 eigentlich nicht mehr so angesagten Report-Stil.

Ach, den hast du dir tatsächlich angeschaut? :mrgreen:
Dann hoffe ich mal, dass das Ansehen von Nadia Henkowa keinen größeren Schaden genommen hat. :lol:
Aber ich finde sie ja nach wie vor toll, den "Schulmädchen Porno" allerdings eher weniger.

Die Henkowa ist prima, und was sie in diesem Film zeigt macht sie nur noch umso begehrenswerter. Schade dass zwischen ihrer und meiner Zeit 40 Jahre liegen ... :|
Der Film selber ist solala. Die zweite Episoden ist recht witzig und sexy (auch dank ebendieser Henkowa), die dritte mit dem Bauerntheater hat mich tatsächlich zum Lachen gebracht, und die letzte mit dem Priester und dem Gastauftritt des TV-Schauspielers Wolfgang Jansen fand ich ebenfalls einigermaßen sexy. Seit dem SEX IN BANGKOK-Fehlkauf vor ein paar Wochen schockt mich so schnell nichts mehr. DER ist grottig, Heimatland ... Dagegen ist SCHULMÄDCHEN oscarreif ...

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 01.06.2015 19:56 
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ultrastruktur hat geschrieben:
Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
[*]12 MONKEYS – Nach langer Zeit mal wieder gesehen, und immer noch genial. Ein visuelles Meisterwerk, ein schauspielerischer Genuss (definitiv Brad Pitts bester Film!!), eine fordernde und dennoch packende Handlung. Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und behaupte einfach, dass dies neben DIE RITTER DER KOKOSNUSS Gilliams bester Film ist. Irgendwelche Einwände? [/list]

Den würde ich auch gern mal wieder schauen. Habe den das letzte Mal als Teenager gesehen und war so begeistert wie es nur Italos und Teenager sein können. Das Ding kann es wirklich aufnehmen mit La Jetee. Wusste gar nicht, dass der von Terry Gilliams ist. Aber es dürfte auch einer der ganz wenigen Filme mit Brad Pitt sein, die mir gefallen. Finde ihn ja eher....grässlich.... :lol:
Aber nimm noch Fear and Loathing mit dazu, zu den besten Filmen, und ich gehe dàccord. Den Rest seiner Filme finde ich über weite Strecken auch nicht soo prickelnd. :lol:
[Aus zwergophilen Gründen natürlich noch Time Bandits und aus Always look on the bright side of life Gründen auch das Leben des Brian]

Gleich mal auf das Backcover der DVD geschaut, aber BRIAN ist dort von Pythons Terry Jones angegeben. Gilliam hat wohl das Buch mitgeschrieben und war für das Produktionsdesign zuständig. Und für die Gefangenen ...
FEAR AND LOATHING hatte mich beim zweiten Mal bei weitem nicht mehr so gepackt wie beim ersten Mal, und wegen der Länge wird die dritte Sichtung noch eine ganze Zeit dauern. Die Affen waren die Zweitsichtung nach etwa 10 Jahren, und ein wenig hat er schon nachgelassen. Der ganz große Flash blieb aus, aber allein diese Settings, diese durchgeknallten Ideen, diese morbide Grundstimmung ... Und natürlich die Reminiszenzen an BRAZIL ... Warum gibt es keine Edition zusammen mit LA JETÉE? Der tät mich schon mal interessieren.
TIME BANDITS mag ich auch. Könnte ich bitte noch etwas Eis in meinen Whisky haben? Abgedreht, und dabei stringent und spannend erzählt. Vor ein paar Wochen hab ich den PARNASSUS gesehen, und der hatte schon gute Ideen, wäre aber mit einem Drittel weniger Laufzeit besser geworden. Packender und dichter. Schade drum.

Brad Pitt sehe ich eigentlich gerne. Leider hat er inzwischen einen solchen Starstatus, dass es ihm reicht mit 2 oder 3 Gesichtausdrücken rudimentär durch einen Film zu chargieren um das nächste Jahr Faulheit zu genießen. (Wer meint da dass ich neidisch wäre???) Umso mehr liebe ich ihn in SNATCH und natürlich in BURN AFTER READING. Zusammen mit den MONKEYS seine besten weil andersartigsten Filme, TRUE ROMANCE zum Trotz.

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 02.06.2015 10:00 
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Stimme euch zu, "12 Monkeys" ist ein toller Film mit schöner düsterer Endzeit-Atmosphäre. Hab ich damals mit zwei Schulfreundinnen im Kino gesehen. Ich war total fasziniert und die beiden Kolleginnen fanden ihn gar nicht gut und haben zudem die Handlung nicht verstanden. Dafür hatten wir ausreichend Diskussions-Stoff. ;)
Habe ihn über die Jahre immer wieder mal angeschaut. Brad Pitt fand ich eigentlich auch grässlich, aber in dieser Rolle hat er mir total imponiert. Ähnlich wie als Floyd in "True Romance". :mrgreen:
Nach diesem Film habe ich ihn mit anderen Augen gesehen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 02.06.2015 19:30 
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Asa Vajda hat geschrieben:
Brad Pitt fand ich eigentlich auch grässlich, aber in dieser Rolle hat er mir total imponiert. Ähnlich wie als Floyd in "True Romance". :mrgreen:
Nach diesem Film habe ich ihn mit anderen Augen gesehen.


Lustig, so ähnlich ging es mir mit Herrn Pitt auch und genau die oben genannten Filme brachten dann das Eis zum Schmelzen :P
Seine absolute Psychopathen-Rolle in "Kalifornia" sollte hierbei aber auch noch Erwähnung finden ;)


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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 03.07.2015 19:57 
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Richie Pistilli hat geschrieben:
Seine absolute Psychopathen-Rolle in "Kalifornia" sollte hierbei aber auch noch Erwähnung finden ;)

Wobei ich da ja mehr auf Michelle Forbes stehe, auch mit ohne bajoranischen Ohrringen ... :schilder_hschild:

Im Juni war das KultKino-Festival in Dillingen. Ist das wirklich erst im Juni gewesen? Es kommt mir viel länger her, in wirklich angenehmer und lustiger Runde knuffige Filme gesehen zu haben. Asa hat in ihrem hervorragendem Blog eine erstklassige Beschreibung des Tages geliefert, und Mater Videorum steht dem in nichts nach, somit kann ich mich hier kurz fassen:
  • QUINTERO - DAS AS DER UNTERWELT mit Klaus Kinski und Franco Citti war ein guter und spannender Gangsterflick, der sich erzählerisch leider selber etwas im Wege stand. Aber gute Unterhaltung war auf jeden Fall geboten, und eine digitale und ungeschnittene (sic!) Veröffentlichung täte dringend not!
  • Das Highlight des Abends war natürlich Mario Mancinis FRANKENSTEIN ’80 mit John Richardson, Gordon Mitchell und der von mir sehr angehimmelten Dalida di Lazzaro. Eine abgedrehte Nonsens-Sause, die im Kino (wie meist) doppelt so viel Spaß macht wie auf der Glotze. Was für Idioten kommen eigentlich auf die Idee diesen Film zu indizieren? Aber so ein Fascho-Scheiß wie LONE SURVIVOR hat eine 16-er Freigabe, damit die Jugend besser indoktriniert werden kann, oder was? Ja ja, ich schweife ab …
  • Zwischen diesen beiden Kleinodien bester italienischer Unterhaltung lief SADOMONA – INSEL DER TEUFLISCHEN FRAUEN, ein US-amerikanischer Grindhouse-Knaller von Lee Frost. War auf jeden Fall in Ordnung, auch wenn er ein wenig gewirkt hatte wie 2 aneinandergehängte Folgen einer US-Fernsehserie. Aber Spaß hat er gemacht, und das ist schließlich die Hauptsache. Merkwürdig nur, dass seitdem der Wunsch immer mehr Gestalt annimmt mal wieder einen Film von Andy Sidaris zu sehen. Seltsam das. Mmh, HARD TICKET TO HAWAII hätte ich da …
War ein toller Tag, und ich freue mich schon auf das nächste Mal in den wahrscheinlich bequemsten Kinosesseln Deutschlands.

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Wobei ich nicht vergessen möchte zu erwähnen, dass ich 2 Tage vorher bereits im Kino war, nämlich bei THE MAN WITH THE MOVIE CAMERA von Dziga Vertov aus dem Jahr 1929. Leider nicht mit der Musik von In The Nursery sondern mit der von Michael Nyman, die aber auch ganz außerordentlich ist, und außerdem ist das Jammern auf ganz hohem Niveau. Ein Tag im Leben einer russischen Großstadt, und ein hochinteressantes und spannendes Experiment in Sachen Making-of. Außergewöhnliche Perspektiven, Einblicke in einen längst untergegangenen Alltag (gedreht wurde in Odessa), und immer wieder ist der Mann mit der Kamera selber im Bild und kurbelt seinen Film im Film. Interessant auch die Unterschiede zu BERLIN – DIE SINFONIE DER GROSSSTADT von 1927, den ich letztes Jahr im Kino gesehen habe. Ein ähnliches Sujet, und dabei eine ganz andere Herangehensweise. Wo Walter Ruttmann mit deutscher Gründlichkeit und Akkuratesse in relativ geradlinigen Wegen vorgeht, steht bei Dziga Vertov das Spiel und die Lust am Filmen im Vordergrund. Grafische Experimente im Stil der russischen Avantgarde sind zu sehen und insgesamt ist CAMERA erheblich abwechslungsreicher, BERLIN allerdings ist dokumentarischer und dürfte erheblich näher an der Realität gewesen sein. Somit haben beide Filme ihre Daseinsberechtigung und wirken auch heute noch frisch und lebendig. Ach Kino kann schon was Feines sein, selbst wenn es von DVD kommt …

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Was Feines sind aber auch Jungenderinnerungen. Der Monat Juni war bei mir nämlich in erster Linie von Fernsehserien geprägt. Zuerst habe ich mir den Dreiteiler JOKEHNEN ODER WIE LANGE FÄHRT MAN VON OSTPREUSSEN NACH DEUTSCHLAND? von 1987 angeschaut. Nachdem mich Arno Surminskis Roman schon unglaublich beeindruckt hatte war auch die Serie stark und nachdrücklich. Armin Müller-Stahl, Ursula Monn, Monica Bleibtreu und ein Schwung weiterer größerer und kleinerer Namen geben dem Ostpreußen der Jahre 1934 bis 1945 ein sehr menschliches und anrührendes Bild. Hier gibt es keine stereotyp-bösen Nazis versus gute Nicht-Nazis, sondern jeder versucht sich so durchzuschlagen wie er es für richtig hält, versucht weder zu verhungern noch im Gefängnis zu landen oder gar noch schlimmeres. Immer im Rahmen der Dorfgemeinschaft werden Leben gelebt, so wie vorher und nachher auch. Der eine möchte Karriere machen als Funktionär weil er Macht und ein wenig Wohlstand haben möchte, der andere steckt sein ganzes Geld in ein Auto, und der dritte versucht seinen Job als Bürgermeister einfach so gerecht wie möglich zu machen. Ganz so wie im richtigen Leben, denn Arno Surminski hat hier die Jahre seiner Kindheit beschrieben, und ich bin sicher, dass die wenigsten Erlebnisse erfunden waren. Vor allem der bittere Schluss nicht, das ist Surminskis tatsächliche Lebensgeschichte. Wer sich für die Jahre der NS-Diktatur interessiert, und für die Menschen hinter den bekannten Ereignissen, der ist hier goldrichtig.

Die andere Serie und gleichzeitig der Höhepunkt des Monats war EIN MANN WILL NACH OBEN. Kennt das hier jemand? Eine Verfilmung des Hans Fallada-Romans, lief 1978 in 13 Teilen, immer Sonntag Abend. Mathieu Carrière, Ursula Monn, Rainer Hunold, Harald Juhnke, Anita Kupsch, Gerd Haucke, Edith Hancke, Gerd Vespermann, Ulli Philip, Günter Strack, Ulli Kinalzik, Karl Michael Vogler, und das sind nur die ganz großen Namen. Karl Siebrecht (Carrière) kommt 1909 vom Land nach Berlin und will ganz einfach nicht untergehen. Er ist sehr ehrgeizig und zielorientiert und schafft es mit wahnsinnig viel Arbeit und Mühe einen Gepäckbeförderungsdienst zwischen den Berliner Bahnhöfen zu etablieren - und zwar im Frühjahr 1914. Nach dem Krieg ist das Geschäft natürlich zerstört, aber Karl ist immer noch ehrgeizig.
Ich sage euch, die Serie ist gigantisch. Die geht dermaßen unter die Haut und berührt so tief, das ist wirklich eine Sternstunde deutscher Fernsehunterhaltung gewesen. Kein Charakter wird lächerlich gemacht, alle sind sehr menschlich dargestellt, und fast alle Schicksale werden aufgelöst. Wer denkt da HBO hätte den langen Handlungsfaden erfunden? Bullshit, das gab es im kleinen Deutschland schon Ende der 70-er! Und in Punkto Spannung und große Gefühle steht die Serie den modernen in keinster Weise nach. Absolute Empfehlung für alle, die mit Fernsehproduktionen dieser Zeit etwas anfangen können. Und was Harald Juhnke hier abliefert, dass ist sowas von unbeschreiblich genial, mitreißend, lustig, traurig, … Mir fehlen die Adjektive. Er will in seine Wohnung, sie lässt ihn nicht: "Ach Elseken, nu gib mir doch das Schlüsselken." "Ach Fränzeken, nu leck mich doch am Ärscheken."

Da EIN MANN WILL NACH OBEN 13 Folgen hat, und ich mit den steigenden Temperaturen wieder mehr in die Berge gehe und das ganz große IMAX-Panorama von den Gipfeln aus live anschaue, war im Juni sonst nicht so viel geboten. Herausragend war sonst nur noch HEISSE BERÜHRUNGEN von Jess Franco. Was war denn das für ein abgedrehter Wahnsinn? "Hallo, mein Name ist Lina Romay, und der Regisseur dachte es wäre eine tolle Idee, wenn ich euch zu Beginn des Films begrüße." Dazu Lina in Positionen, die das Wort "Offenbarung" in allen Deutungen ausschöpft, lasziv räkelnd und ausgesprochen ... exhibitionistisch. Und spätestens wenn dann Jess Franco an einer Stelle völlig ernsthaft auch noch mit dem Publikum spricht und sich als Autor des Films vorstellt ist alles vorbei. Dieser Film hat mir richtig SPASS bereitet. Einer seiner besten, definitiv!
Witzig, dass der Tiefpunkt des Monats mit DIE RACHE DES HAUSES USHER ebenfalls von Jess Franco kam. Dieses Experiment konnte ich im Gegensatz zu HEISSE BERÜHRUNGEN irgendwie nicht so recht nachvollziehen. Ein Hauch von Expressionismus reicht halt meines Erachtens nicht um einen gruseligen Film zu drehen. Oder einen experimentellen. Oder einen unterhaltsamen. Alle drei Attribute gingen ziemlich in die Hose, und nur Howard Vernon blieb wirklich im Gedächtnis haften. Wobei ich die DVD von X-Rated gesehen habe, die müsste wahrscheinlich die spanische Version beinhalten. Vielleicht bietet die französische Version mehr? Ich weiß nicht, ich weiß nicht. Und auch kaum vorstellbar dass ich das jemals wirklich wissen möchte. Auf der anderen Seite fasziniert es mich ungemein, was Jess Franco in seinem langen Filmleben alles so gedreht hat, und wie nah Licht und Schatten da manchmal liegen. Ein Sammelgebiet das niemals langweilig wird, weil jeder Franco immer wieder anders ist.

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Die schließende Klammer des Monats (die öffnende Klammer war ja JOKEHNEN), falls es jemanden interessiert, war DER SUPERBULLE SCHLÄGT WIEDER ZU, der dritte Superbulle-Film mit Tomas Milian. Ich hatte mehr Klamauk erwartet und war durchaus angetan wie ernsthaft der Film oft ist, aber in Summe war SQUADRA ANTITRUFFO für einen Poliziotto zu klamaukig und für eine Komödie zu ernst. Ein seltsamer Zwitter, dem es vielleicht besser zu Gesicht gestanden hätte wenn er sich für eine Seite entschieden hätte, auch wenn er ordentliche Unterhaltung bietet, zweifelsohne. Nach dem sehr ernsthaften DIE STRICKMÜTZE (Superbulle 1) tät mich jetzt HIPPIE NICO VON DER KRIPO (Superbulle 2) mal interessieren, wie der so die Waage hält. Aber den gibt es ja auf deutsch leider nicht mal auf VHS, und die italienische DVD bietet keine Untertitel … :roll:

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So, die CD von Lalo Schifrin ist auch durch, mir ist warm und ich leg mich jetzt hin und träume von Lina …

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 04.07.2015 13:44 
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Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
Brad Pitt sehe ich eigentlich gerne. Leider hat er inzwischen einen solchen Starstatus, dass es ihm reicht mit 2 oder 3 Gesichtausdrücken rudimentär durch einen Film zu chargieren um das nächste Jahr Faulheit zu genießen. (Wer meint da dass ich neidisch wäre???) Umso mehr liebe ich ihn in SNATCH und natürlich in BURN AFTER READING. Zusammen mit den MONKEYS seine besten weil andersartigsten Filme, TRUE ROMANCE zum Trotz.


Den Superstar-Status hat Pitt aber schon seit fast zwanzig Jahren inne.
Ich halte ihn nicht für einen brillianten, wohl aber für einen sehr guten Darsteller.

Gerade in den letzten Jahren lieferte er ganz starke Leistungen ab. Man denke nur an DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD, INGLOURIOUS BASTERDS, THE TREE OF LIFE, KILLING THEM SOFTLY oder jüngst HERZ AUS STAHL.

Ein von Faulheit und wenig Flexibilität geprägtes Schauspiel in den letzten Jahren der Pitt'schen Karriere, ist für mich partout nicht zu entdecken.

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 04.07.2015 15:50 
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Ohja, stimmt. In "Inglourious Basterds" fand ich Pitt auch Klasse. Und obwohl ich den Till Sch. normalerweise schrecklich finde, aber als Hugo Stiglitz... :mrgreen:
Doch unübertroffen: der Bärenjude!

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SCHATTENLICHTER


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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 05.07.2015 08:40 
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Don Ricuzzo hat geschrieben:
Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
Brad Pitt sehe ich eigentlich gerne. Leider hat er inzwischen einen solchen Starstatus, dass es ihm reicht mit 2 oder 3 Gesichtausdrücken rudimentär durch einen Film zu chargieren um das nächste Jahr Faulheit zu genießen. (Wer meint da dass ich neidisch wäre???) Umso mehr liebe ich ihn in SNATCH und natürlich in BURN AFTER READING. Zusammen mit den MONKEYS seine besten weil andersartigsten Filme, TRUE ROMANCE zum Trotz.


Den Superstar-Status hat Pitt aber schon seit fast zwanzig Jahren inne.
Ich halte ihn nicht für einen brillianten, wohl aber für einen sehr guten Darsteller.

Gerade in den letzten Jahren lieferte er ganz starke Leistungen ab. Man denke nur an DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD, INGLOURIOUS BASTERDS, THE TREE OF LIFE, KILLING THEM SOFTLY oder jüngst HERZ AUS STAHL.

Ein von Faulheit und wenig Flexibilität geprägtes Schauspiel in den letzten Jahren der Pitt'schen Karriere, ist für mich partout nicht zu entdecken.

Brad Pitt hat eine Ausstrahlung bei der ich mich wohl fühle. Möglicherweise eines der Geheimnisse eines großen Filmstars, ähnlich wie bei (subjektiv gesehen) z.B. Fabio Testi. Und ja, in den BASTERDS spielt Pitt tatsächlich gut und abwechslungsreich, er gibt der Rolle viel Tiefe. Und dass ich ihn hier nicht sympathisch finde macht gerade sein schauspielerisches Können aus. Aber bei JESSE JAMES hätte ich mich jetzt schon gar nicht mehr erinnern können dass er da überhaupt mitspielt, so farblos erscheint er mir rückblickend. Ähnlich wie in BABEL, wo er nach meiner Meinung viel fassungslos gestarrt, sonst aber nicht viel gemacht hat. THE COUNSELOR war auch so ein Film in dem mir in erster Linie Javier Bardem in Erinnerung blieb. OK, Brad Pitt war cool, verdammt cool, und seine Ausstrahlung war ... kalt?
Möglicherweise verwechsle ich gerade Ausstrahlung und Overacting, denn Bardem hat dem Affen ganz klar Zucker gegeben (und sich so in Erinnerung gehalten), während Pitt sich zurückgezogen und gewissermaßen aus den Schatten heraus gewirkt hat, wenn Du weißt was ich meine. Damit aber natürlich etwas "blasser" blieb. Touché, Don Ricuzzo, ich bin der "Wer-mehr-auf-sich-aufmerksam-macht-den-merken-sich-die-Leute"-Masche gehörig auf den Leim gegangen. Danke für die Hilfestellung!

KILLING THEM SOFTLY habe ich gerade auf meine Leihliste gesetzt, der liest sich gut. Und Dein Post wäre auch eine gute Gelegenheit, in Verbindung mit den hohen Temperaturen sich mal wieder die OCEAN-Filme zu geben. Und dann schaue ich genauer hin, versprochen ;)

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Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 01.08.2015 09:51 
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Heimkinotechnisch betracht war der Juli hochinteressant. Spannend, und zwar wegen der Auswahl und vor allem der Reihenfolge der gesehenen Filme. Ein Auszug:


Okami - Das Schwert der Rache (Kenji Misumi, 1972)
Kesse Mary – Irrer Larry (John Hough, 1974)
Das Syndikat des Grauens (Lucio Fulci, 1980)
Black Emanuelle 2. Teil (Joe d’Amato, 1976)
Rossini oder Die mörderische Frage wer mit wem schlief (Helmut Dietl, 1996)
Zelig (Woody Allen, 1983)
Die teuflischen Schwestern (Jess Franco, 1976)
Und Jimmy ging zum Regenbogen (Alfred Vohrer, 1971)
Django tötet leise (Massimo Pupillo, 1967)


Im Ernst, wenn man jemanden zwänge sich diese Filme in dieser Reihenfolge anzuschauen, würde das zu Störungen führen? Und ich mag jetzt kein Wort über Jess Franco oder über Veronica Ferres und Gudrun Landgrebe hören, gerade DIE TEUFLISCHEN SCHWESTERN haben mir den Monat wirklich gut gefallen. Welche davon sag ich jetzt nicht … ;)

Dabei hatte alles so harmlos angefangen mit DON CAMILLO UND DAS SCHLITZOHR von Bruno Corbucci, einer ganz passablen Tomas Milian-Komödie die irgendwo als Crossover zwischen Nico Giraldi und Pater Brown läuft (mit Don Camillo hat das ganze nun gar nichts zu tun). Tomas Milian als früherer Profifußballer und jetziger Kleingauner, der einem Priester des Leben schwer macht. Nett, belanglos, harmlos. Geendet hat der Monat überhaupt nicht harmlos mit ZINKSÄRGE FÜR DIE GOLDJUNGEN, den Monat ist nämlich die komplette EDV geliefert worden, und mit dem hier habe ich angefangen. Die ZINKSÄRGE hab ich ewig nicht mehr gesehen gehabt, und irgendwie wächst der Film von Mal zu Mal und wird immer fetter und fetter. Ein harter und rasanter Actionfilm aus Deutschland anno 1973, sogar mit Explosionen und Special Effects rauf und runter - das glaubt einem kein Mainstream-Fan …

Das Highlight des Monats war allerdings Woody Allens ZELIG. Ein Mockumentary über ein menschliches Chamäleon – wenn man Leonard Zelig neben einen Schwarzen stellt wird er selber schwarz, stellt man ihn neben einen orthodoxen Juden wachsen ihm Löckchen, und stellt man ihn neben einen dicken Menschen wird er selber dick. Und er will doch nur geliebt werden … Die Machart ist es die ZELIG auszeichnet: Die Interviews, die Ausschnitte aus zeitgenössischen Wochenschauen, der dazu gesprochene Text, die Diktion dieser Sprache ... Wie ich den Film 1983 im Kino gesehen habe wusste ich etwa die erste Viertelstunde nicht dass dies bereits der Film ist, ich dachte es wäre ein Vorfilm, und einem damaligen Kollegen ging es genau so. Woody Allens bester, genau an der Grenze zwischen den Klamaukstreifen der 60-er und 70-er und den melancholischen Filmen der 80-er und später angesiedelt. Genial!!

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Auch begeistert haben:
  • DER GROSSE COUP DES KOMMISSARS – Georges Lautner 1971, mit Jean Yanne, Michel Constantine, Mireille Darc, Bernard Blier, Rufus, und einer absolut perfekten Gratwanderung zwischen hartem Gangsterfilm und abgedrehter Komödie. Diesen Film kann man nicht beschreiben, der ist randvoll mit Irrsinn, unglaublichen Ideen und vielen Toten. Je länger ich drüber nachdenke was ich zu dem Film schreiben könnte, desto mehr Wahnsinn fällt mir ein. Als ob Monty Python sich mit Melville zusammen getan hätten. Na gut, das ist ein bißchen übertrieben. Sagen wir Terry Gilliams und Melville …
  • ENEMY – Jake Gyllenhaal als müder Professor trifft Jake Gyllenhaal als taffen Schauspieler. Das jeweilige Leben des anderen schaut so verlockend aus. Und die Freundin des anderen erst. Aber können 2 identische Menschen in unterschiedlichen Leben wirklich gleichzeitig existieren? Ein spannender und erstklassig umgesetzter Thriller um die Frage, was die Identität eines Menschen eigentlich ausmacht. POLYTECHNIQUE hatte mich nicht ganz so überzeugt, zu tief haben sich die Bilder von Gus van Sants ELEPHANT eingebrannt, aber ENEMY ist ganz anders. In jeder Beziehung. Und eindrucksvoll, sehr sehr eindrucksvoll. Vor allem wenn man über Isabella Rossellinis Rolle und Texte nachdenkt …
  • FREQUENCY – Vater und Sohn klären einen Mordfall aus dem Jahr 1969, wobei der Vater 1969 lebt (und stirbt, oder auch nicht) und der Sohn 1999. Sauspannende Parallelwelt- (richtiger: Parallelzeit-) Geschichte, die wie alle Stories rund um dieses Thema mehr Logiklöcher hat als meine Strümpfe. Aber Dennis Quaid und Jim Caviezel sind hier echt gut, und die Geschichte ist spannend und flüssig erzählt und ignoriert einfach sämtliche sogenannten Logiklöcher. Schlicht und ergreifend verdammt gute Unterhaltung. Und überhaupt, wer Logik braucht soll sich Dokumentarfilme anschauen, keine Zeitreisegeschichten!
  • STRASSEN IN FLAMMEN – Muss man da was zu sagen? Die Sängerin (das Wort Rock ’n’ Roll möchte ich in dem Zusammenhang doch lieber vermeiden) wurde von der fiesen Gang der Bomber entführt. Cody kommt und räumt auf, mit Gewehr, Vorschlaghammer und coolen Sprüchen. Weder zeitlich noch örtlich genau definiert, spielt der Film in allen Jugendträumen die jemals um Autos, Mädchen und Bandenkämpfe gekreist haben. Walter Hill hat viele verdammt starke Filme gemacht, der hier spielt in der vordersten Liga seiner Highlights mit.
  • VIER FÄUSTE FÜR EIN HALLELUJA – Gesehen wurde die Spaß-Synchro, und ja, ich find den toll. Und noch mal ja, ich hab richtig abgelacht. Diesmal hat er mir sogar etwas besser gefallen als der Vorgänger, und ich bin neugierig geworden auf die ernste Fassung, die kenne ich überhaupt noch nicht. Auf jeden Fall ein Film den man immer wieder sehen kann, und der sich überhaupt nicht abnutzt. Allein schon deswegen, weil die Erinnerung, wie man sich als kleiner Bub die Nase am Kinoschaukasten für diesen Film plattgedrückt hat, weil diese Erinnerung sich genauso wenig abnutzt.
  • DAS SYNDIKAT DES GRAUENS – Fabio Testi als kleiner Schmuggler, der sich ganz plötzlich gegen einen brutalen Bandenboss wehren muss und vor der Entscheidung steht, ob er seinen Bruder rächen oder seine Frau am Leben lassen will. Den kannte ich auch noch nicht, und ich war ausgesprochen angetan von der Action und den klasse Schauspielern. Vor allem besagte Action war einige Male reichlich heftig. Lucio Fulci war ja zu der Zeit bereits goremäßig unterwegs, und das merkt man hier schon recht deutlich. Da aber die Effekte der Handlung untergeordnet sind kann ich damit sehr gut leben, im Ergebnis ist das SYNDIKAT einfach ein verdammt guter und verdammt harter Gangsterfilm. Und mit sowas kann man mich ja immer locken …

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Nicht so prall, oder ganz einfach der Flop des Monats, war KESSE MARY – IRRER LARRY. Peter Fonda und Susan George als Volltrottel, die es nicht schaffen erfolgreich vor genauso trotteligen Polizisten zu flüchten. Die Stilmittel des Roadmovies dieser Zeit sind zwar durchaus vorhanden (schnelle Autos, Landschaften die Freiheit vermitteln, juvenile Flucht vor der Polizei), werden aber nicht so eingesetzt dass dabei der Wunsch nach Freiheit und Abenteuer entsteht, und diesen Wunsch setze ich bei dieser Art Film eigentlich als substantiell voraus. Ich weiß, dass viele hier den Film mögen, ich fand ihn einigermaßen öde und belanglos. Dann doch lieber zum x-ten Male FLUCHTPUNKT SAN FRANCISCO. Oder CONVOY.

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Und jetzt fahre ich erstmal in Urlaub. Ohne '69er Dodge Charger, ohne endlose Landschaften, und leider auch ohne Susan George. Aber ein BMW Z3, der Aletschgletscher und allein sein ist auch ganz nett ...

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 01.08.2015 10:43 
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Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:

Und jetzt fahre ich erstmal in Urlaub. Ohne '69er Dodge Charger, ohne endlose Landschaften, und leider auch ohne Susan George. Aber ein BMW Z3, der Aletschgletscher und allein sein ist auch ganz nett ...


Na ja, nach erst genannten Film hätte das Reiseutensil auch ein Holzkinderwagen sein können.

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 01.08.2015 13:40 
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sid.vicious hat geschrieben:
Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:

Und jetzt fahre ich erstmal in Urlaub. Ohne '69er Dodge Charger, ohne endlose Landschaften, und leider auch ohne Susan George. Aber ein BMW Z3, der Aletschgletscher und allein sein ist auch ganz nett ...


Na ja, nach erst genannten Film hätte das Reiseutensil auch ein Holzkinderwagen sein können.

Wenn mich einer schiebt gebe ich mir gerne Mühe so süß zu gucken :mrgreen:

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 02.08.2015 21:13 
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Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
sid.vicious hat geschrieben:
Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:

Und jetzt fahre ich erstmal in Urlaub. Ohne '69er Dodge Charger, ohne endlose Landschaften, und leider auch ohne Susan George. Aber ein BMW Z3, der Aletschgletscher und allein sein ist auch ganz nett ...


Na ja, nach erst genannten Film hätte das Reiseutensil auch ein Holzkinderwagen sein können.

Wenn mich einer schiebt gebe ich mir gerne Mühe so süß zu gucken :mrgreen:


Wir alten Panka sind schließlich zu allem bereit, wenn es darum geht Anstrengungen zu vermeiden. :)

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 01.09.2015 18:16 
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Ich habe es wieder getan! Ich habe mir einen Film von Erwin C. Dietrich angeschaut! Warum nur, warum …? Diesmal war es DIE SEX-SPELUNKE VON BANGKOK, welcher auf der Sex in Bangkok-Doppel-BU enthalten ist. Ein ganz klein wenig besser als HEISSER SEX IN BANGKOK ist er immerhin, gelingen doch gegen Ende hin ein paar relativ erotische Bilder. Aber im Großen und Ganzen ist das Teil genauso rassistisch, langweilig und unerotisch wie HEISSER SEX … Nun ja, die BU ist durch, weggesperrt und vergessen. Wenn ich nicht genau wüsste, dass da noch so ein Schmarrn rumliegt …

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Den Monat war ich in Urlaub, und zwar nicht in Bangkok. Das hat dann so ausgeschaut:

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Spitzenmäßiges Wetter, schöne Wanderungen, hervorragendes Essen, … Urlaub :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:

Das filmische Gegenstück zu den Walliser Alpen war OCEAN’S ELEVEN. Es war ein heißer Abend, ich hatte keine Lust zum Nachdenken oder auf einen deprimierenden Film, ich wollte einfach nur cool und lässig unterhalten werden. Mal ehrlich, wenn ein Film cool und lässig ist, dann ist es OCEAN’S ELEVEN, oder? Das cineastische Äquivalent zu Clint Eastwood von den Gorillaz. Der Film verliert auch beim x-ten Anschauen nicht. Schade, aber auch irgendwie logisch, dass die beiden Nachfolger dieses hohe Niveau nicht mehr halten konnten. ELEVEN kommt in jeder Sekunde wie aus der Hüfte geschossen, während die anderen beiden Teile verkrampft(!) versuchen dieses Feeling wieder einzuholen. Aber ELEVEN hat die Coolness einfach mit Löffeln gefressen.

Gar nicht cool, aber dafür ziemlich abgefahren (im positiven Sinne!) ist Christopher Nolans Mindfuck-Klassiker MEMENTO. Vor ewigen Jahren habe ich den mal in der Glotze gesehen und war damals dermaßen von den Socken, aber sowas von. Diesmal hat er mich nicht ganz so umgehauen, aber er bleibt immer noch ein absolutes Schaustück. Wie Nolan hier mit den Ebenen spielt, sowohl erzählerisch wie auch zeitlich, das ist verdammt gekonnt. Dazu die überzeugenden Schauspieler, die hervorragend gesetzte Musik, das Spiel mit den Farben … Und beim Schreiben merke ich gerade, dass der Film sich tatsächlich erstmal setzen muss, bevor die Zusammenhänge einem langsam aber gnadenlos sicher um die Ohren fliegen. Je länger man über MEMENTO nachdenkt, desto hinterfotziger wirkt er, und desto stärker wirkt das Ende (der Anfang?). Wahrscheinlich müsste man sich den mal zweimal direkt hintereinander geben, um alle (oder zumindest viele) Zusammenhänge zu verstehen. Ein Film zum lange drüber nachdenken, und sowas liebe ich ja immer …

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Ebenfalls nicht cool und lässig, aber unglaublich gute Filme:
  • TIME FOR KILLING (a.k.a. BLUTROTER MORGEN) mit Oliver Reed. Da ich ja sowieso eine starke Affinität zu britischen Gangsterfilmen habe muss der hier mir ja gefallen. Harry erfährt im Knast, dass seine Frau ihn wegen eines anderen verlässt. Also bricht er aus und geht auf einen Rachefeldzug, dessen einziges Ziel eben seine Frau ist. Sein Ausbruchskumpan Birdy hilft ihm nach Möglichkeit, aber auch der kapituliert irgendwann vor der Gewalteskalation die Harry da betreibt. Den (etwas vorhersehbaren) Twist verrate ich jetzt nicht, es muss reichen wenn ich sage, dass die Geschichte nicht ganz so gradlinig abläuft wie sie hier klingt. Düstere und energiegeladene Stimmung, starke Schauspieler, tolle Story - hier stimmt einfach alles. Tät ich gerne mal in guter Qualität im Originalton sehen …
     
  • DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN, und zwar die 70-er Jahre Verfilmung mit Donald Sutherland. Außerirdische Lebensformen übernehmen die Körper der Menschen auf der Erde und machen aus ihnen gefühlslose Robotniks, die ihr ganzes Dasein fortan nur noch der (sexfreien) Fortpflanzung der eigenen Rasse widmen. Und alles vernichten was anders ist als sie. Hallo was für ein Horrortrip. Paranoiakino vom Feinsten, locker in einer Liga mit Filmen wie AUGENZEUGE EINER VERSCHWÖRUNG oder DIE DREI TAGE DES CONDOR, und dabei auch noch als sauspannender Genrefilm angelegt. Die allgegenwärtige Stimmung würde ich mit einem Film wie DARK CITY vergleichen: Diese permanente Bedrohung, die Düsternis die aus jedem Bild zu sickern scheint, das Gefühl der Machtlosigkeit und des Ausgeliefertseins, das illustriert KÖRPERFRESSER wie wenige andere Filme. Hinterher weiß man wie sich eine Ameise unter einem Schuh fühlt. Ausweglosigkeit herrscht hier vor, und zieht den Zuschauer restlos mit. Absolut zu empfehlen! Wenn da nur nicht diese Ahnung wäre, dass dieser Film in der Realität schon längst passiert ist …
     
  • Genau das gleiche, aber noch ein paar Ecken härter und dreckiger, gilt für den koreanischen I SAW THE DEVIL. Der Film ist megahart, sehr sehr düster, verbreitet konstante Hoffnungslosigkeit in Bezug auf die Entwicklung der menschlichen Rasse, und ist glaube ich das depressivste was ich seit Olivier Marchals MR-73 gesehen habe (außerhalb des wirklichen Lebens). Deutlich über 2 Stunden lang, und dabei keine Sekunde zu lang. Hypnotische und verstörende Bilder und eine Geschichte wie eine wilde Nacht auf Koks fräsen sich tief in die Hirnrinde ein. Gigantisch. Wer wissen will worum es geht, Graf Karnstein hat eine ganz hervorragende Besprechung ins Forum gestellt.
     
  • SINNER – THE SECRET DIARY OF A NYMPHOMANIAC gehört meines Erachtens zu den besten Werken Jess Francos. Linda ist eine Prostituierte, die sich einen Freier anlacht, ihn stockbesoffen macht, mit aufs Zimmer nimmt wo er selig einschläft, sich dann die Halsschlagader durchschneidet und mit dem letzten Stückchen Leben ihm das Messer in die Hand drückt. Die Ehefrau des nun mordangeklagten Freiers versucht herauszufinden, wer Linda war und warum sie das getan hat. SINNER ist in Form mehrerer langer Rückblenden gedreht und enthüllt Stück für Stück eine Geschichte, die weder für den Zuschauer noch für die Ehefrau besonders angenehm ist. Einige recht erotische Sexszenen (ich stehe bedingungslos auf Kali Hansa!), eine bittere und böse Geschichte, ein genialer psychedelischer Soundtrack, und auch hier wieder diese düstere Stimmung die über allem hängt. Mann Mann, Franco hat in der ersten Hälfte der 70-er Jahre schon einige echte Perlen der Filmgeschichte gedreht. Durch seine Unabhängigkeit von den großen Produzenten hatte er damals zwar selten ein nennenswertes Budget zur Hand, aber die Stoffe und die Filme aus der Zeit sind pures und absolut sehenswertes Kino.

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  • SERPICO von Sidney Lumet mit Al Pacino. Hey, ich hatte den Film echt noch nie gesehen. Jetzt weiß ich endlich wo Nico Giraldi herkommt. Sogar diese Strickmütze hatte Serpico einmal auf, und nicht nur „Kleidung“ und Frisur wurden von Tomas Milian kopiert, sondern sogar die Art zu gehen und sich zu bewegen. Bis hin zur Maus Heroine, die in Bruno Corbuccis DIE STRICKMÜTZE wieder auftaucht. Milian muss von SERPICO wirklich beeindruckt gewesen sein.
    Worum geht es? Frank Serpico ist ein Bulle in New York, der anders als die meisten anderen Bullen nicht bestechlich ist. Während jeder Polizist auf der Polizeistation bis zu 800 Dollar im Monat abkassiert, ist Serpico sauber, sehr zum Missfallen seiner Kollegen. Er initiiert eine Untersuchung und verliert dadurch natürlich jeglichen Rückhalt innerhalb der Mannschaftsgrade, was seine tägliche Arbeit mitunter verdammt gefährlich macht.
    Frank Serpico hat wirklich gelebt und die Geschichte muss ziemlich genau so passiert sein; Serpico selber hat wohl auch Al Pacino längere Zeit auf den Film vorbereitet. Großes amerikanisches Erzählkino, das nie vergisst, dass auch anspruchsvolle Geschichten spannend erzählt werden können. Sidney Lumet hat eine ähnliche Geschichte ein paar Jahre später mit PRINCE OF THE CITY noch mal verfilmt, aber SERPICO ist packender und sehr nah an der schmutzigen Realität.
     
  • JEDNÉ NOCI V JEDNOM MESTE – Ein Jahr im Leben eines Baums: Im Frühjahr nisten die Vögel in seinem Kopf, im Sommer hat er Depressionen und bewirbt sich als Gitarre, im Herbst verliert er die Blätter und im Winter dekoriert sein Freund der Fisch ihn als Weihnachtsbaum und schenkt ihm ein Vogelhäuschen. Und dies ist nur eine Episode von dreien. Der Film ist ein unglaublich schöner, skurriler, liebevoll gemachter und anrührender Stop-Motion-Film aus Tschechien in der Tradition etwa von Jan Svankmaier. Alleine die Animation (sagt man das da?) ist herzallerliebst und voller kleiner und großer Details. Und dann diese Geschichten … In der ersten Episode werden die Bewohner eines Hauses aus der Sicht von Ameisen geschildert. Da ist z.B. der Mann, der sein Wohnzimmer als Wald eingerichtet hat. Die Waldgeräusche kommen vom Band, er sitzt auf einem Hochsitz und trinkt Tee, und der Hund der Nachbarin steckt in einem Bärenfell und macht Uuuaaah …
    Es gab wohl mal eine tschechische DVD die lange vergriffen zu sein scheint. Aber man kann sich das Teil auf einem tschechischen Videoportal anschauen. Sprachkenntnisse sind nicht notwendig, und die wundervolle und lustige Bewerbung des Baumes kann man auf einem zweiten Reiter via google.translate gleich übersetzen.
     
  • BRONSON – die Geschichte des gefährlichsten Häftlings Großbritanniens von Nicolas Winding Refn hat zwar in der Zweitsichtung ein wenig an Rasanz verloren, aber er ist immer noch verdammt gut. Mittlerweile sitzt Bronson seit 41 Jahren im Gefängnis – Und es würde mich interessieren, ob er inzwischen weiß was er sucht. So oder so ist der Film eine Achterbahnfahrt der Bilder und der Gefühle, mit einem grandiosen Tom Hardy, den ich mit dieser Performance in eine Reihe stellen möchte mit Schauspielern wie Klaus Kinski und Gian-Maria Volonté. Eines dieser Werke die mich sprachlos zurücklassen ob ihrer Wucht und ihres Bildersturms. Das einzige was sich entschieden Negatives über BRONSON sagen lässt ist, dass man hinterher noch tagelang dieses schreckliche Lied der Pet Shop Boys im Kopf hat …

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Und dann war da noch VIVA LA MUERTE von Fernando Arrabal: Der spanische Bürgerkrieg ist vorbei, und der kleine Fando wächst bei Mutter, Tante und Oma auf, denn die Mutter hat den Vater wegen seiner fortschrittlichen Einstellung an die Falangisten verraten. Die Oma hält Fando für ein Weichei, weil er seinen Schniedelwutz rechts trägt anstatt links, und die Tante quetscht beim Gedenkbeten an den Opa schmerzhaft Fandos Eier damit Opas Seele auch den Weg in den Himmel findet. Fando versucht die Geschichte seines Vaters nachzuvollziehen und sucht ihn, den verurteilten Roten, in einer Welt des wahnhaften Katholizismus und des frisch etablierten Faschismus.

“Der Krieg ist vorbei! Jetzt werden die Verräter bestraft. Auch wenn wir dabei das halbe Land hinrichten müssen. Es lebe der Tod!“

Eine Welt in der keiner von uns jemals leben möchte, dargestellt als Kaleidoskop von gegenwärtigen Gräueln und farblich und filmisch verfremdeten Inserts die Fandos Phantasien darstellen. Das heißt Fando sieht oder hört etwas, und sofort setzt seine Phantasie ein und spinnt die Geschichte weiter. Beispielsweise erzählt die Mutter, dass der Vater verhaftet wurde. Vor Fandos innerem Auge wird der Vater von den Faschisten verhaftet und später auch gefoltert. Die Szene wird immer wieder gezeigt, bis sich Phantasie und tatsächlich erlebte Realität nicht mehr auseinander halten lassen.
Was da auf den Zuschauer einstürmt, unterlegt mit Kinderliedern, klassischer spanischer Musik oder Chansons, ist nichts anderes als ein Vorgeschmack auf den innersten Kreis der Hölle. Ein Bilderrausch, der entweder abstößt oder fasziniert, aber auf gar keinen Fall kalt lässt. Zwischen den Spielszenen werden auch mal echte Bilder eines Stiers gezeigt dem die Kehle durchgeschnitten wird (und in dessen Blut sich Fandos Mutter aalt), und der Kontext mit dem “religiösen“ Verhalten der Menschen wird einem sehr schmerzvoll um die Ohren gehauen. Kein leichter Stoff, nichts zum eben mal Durchschauen, aber sehr gehaltvoll und nachhaltig.
Das einzige was man Arrabal vorwerfen könnte ist, dass zwar die Bilder sehr extrem und der Spott sehr beißend ist, dass dabei aber die Geschichte ein wenig auf der Strecke bleibt. Zwar existiert eine Storyline, aber der fehlende Spannungsbogen macht es nicht einfach den verschachtelten Schlaglichtern zu folgen. Trotzdem hat mir der Film Lust gemacht auf mehr, und ich werde mich mal nach THE TREE OF GUERNICA umsehen, der klingt ebenfalls hochinteressant.

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Endlich sind diese verfickten hohen Temperaturen vorbei! Eigentlich wollte ich mit Morricones Il deserto aus GBU abschliessen, aber nachdem das jetzt nicht mehr passt ziehe ich noch mal den Bogen zu BRONSON. Warum soll ich der einzige sein der leidet :mrgreen:

www.youtube.com Video From : www.youtube.com

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Zuletzt geändert von Schmutziger_Maulwurf am 02.09.2015 07:53, insgesamt 2-mal geändert.

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