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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 01.09.2015 20:47 
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Interessante Filmauswahl und wieder mal sehr unterhaltsam geschrieben! :)

Auch wenn ich von den Filmen nur OCEAN'S ELEVEN und SERPICO kenne, wobei ich ersteren als Mainstream der angenehmeren Art und zweiteren als ziemlich cool und mitreißend in Erinnerung habe. Sichtungen liegt allerdings in beiden Fällen schon eine Weile zurück.

Ach ja, der Franco liegt bei mir auch schon eine ganze Weile ungesehen rum - hatte ich aber erstmal keine Lust drauf, nachdem ich bei Franco ein paar mal heftig ins Klo gegriffen hab. :lol:

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 02.09.2015 18:05 
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Chet hat geschrieben:
Interessante Filmauswahl und wieder mal sehr unterhaltsam geschrieben! :)

Vielen lieben Dank für das schöne Kompliment!! *Rot werd* Und interessant? Nun ja, ich versuche halt schon recht offen zu sein. Den Monat hatte ich irgendwie mehr Lust auf US-Filme, und dass die düsteren Sachen diesmal die Nase vorne hatten ist ... Zufall? Ich mag es halt düster, das spricht mich einfach mehr an, und diese Art Film bekommt von mir fast automatisch eine bessere Bewertung.
 

Chet hat geschrieben:
Ach ja, der Franco liegt bei mir auch schon eine ganze Weile ungesehen rum - hatte ich aber erstmal keine Lust drauf, nachdem ich bei Franco ein paar mal heftig ins Klo gegriffen hab. :lol:

Ja ja, Onkel Jess macht es einem wahrlich nicht immer leicht. Aber der SINNER ist wirklich gut. Die Geschichte ist gut erzählt, und der Part, in dem Linda frisch in der Stadt ist und ein traumatisches Erlebnis hat, der Part ist ausgesprochen eindrücklich umgesetzt. Man leidet mit Linda mit, und Franco macht ihren Schmerz zum Schmerz des Zuschauers. Nicht schön im Sinne von "Wohlfühlen", aber beeindruckend.
Darf ich fragen welche Klogriffe das zuletzt waren? Mein letzter richtiger dämlicher Franco war DIE RACHE DES HAUSES USHER, mit dem konnte ich einfach gar nichts anfangen. Seither sind u.a. DARK MISSION und DIE TEUFLISCHEN SCHWESTERN über meinen Bildschirm geflimmert, und die waren beide in Ordnung. Letzterer etwas mehr, aber der hatte auch außerordentlich viel Sex zu bieten. Und solchen Dingen stehe ich nun halt alles andere als ablehnend gegenüber ... :mrgreen:

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Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 03.09.2015 20:33 
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Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
Darf ich fragen welche Klogriffe das zuletzt waren? Mein letzter richtiger dämlicher Franco war DIE RACHE DES HAUSES USHER, mit dem konnte ich einfach gar nichts anfangen. Seither sind u.a. DARK MISSION und DIE TEUFLISCHEN SCHWESTERN über meinen Bildschirm geflimmert, und die waren beide in Ordnung. Letzterer etwas mehr, aber der hatte auch außerordentlich viel Sex zu bieten. Und solchen Dingen stehe ich nun halt alles andere als ablehnend gegenüber ... :mrgreen:


Spontan fallen mir da LORNA, THE EXORCIST und DAS BILDNIS DER DORIANA GRAY ein. Zwei Filme, die unter Franco-Fans eigentlich recht hoch gehandelt werden, was ich aber nicht wirklich nachvollziehen konnte. Sehr zäh und leer wirkten die auf mich. Vielleicht kommt es darauf an, in welcher Stimmung ich gerade bin, oder es variiert halt wirklich von Film zu Film. Ich würde mich nicht gerade als ausgesprochenen Franco-Fan bezeichnen. Einige seiner Filme hasse ich, ein paar liebe ich, und vieles liegt halt irgendwo dazwischen. Ich komme da mit italienischen Regisseuren wie Andrea Bianchi oder Mario Siciliano, die ja oft ähnliche Genres bedienten, meist besser klar.

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 04.09.2015 06:54 
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LORNA habe ich noch nicht gesehen, allerdings haut mir Stephen Thrower den Namen ständig um die Ohren, ich glaube der muss jetzt langsam mal her.
Tja, und die DORIANA GRAY ist, filmisch gesehen, tatsächlich eher unter der Rubrik "dröge" einzusortieren. Wenn da nicht Lina wäre :P Lina stemmt den Film praktisch ganz alleine, unterstützt von einer rettungslos verliebten Kamera. Wer Lina anbetet, so wie etwa Blap oder auch ich, der kann sich in diesem Film mit großen glänzenden Augen verlieren. Wer Lina mag, aber in ihr nichts besonderes sieht, der hat glaube ich ein Problem mit dem Wachbleiben.

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Die Gegensätze zwischen dem aristokratisch-unterkühltem Verhalten der einen Schwester und der hemmungslosen Geilheit der anderen Schwester fand ich stark herausgearbeitet. Gerade dieser deutliche Unterschied ist ein gutes Stück Spannung (mir fällt grad kein anderes Wort dazu ein) des Films. Dazu eine herausragende Kameraführung, in der ein gerüttelt Maß Urlaubsflair erzeugt wurde, aber immer mit einer etwas sinistren und drückenden Grundstimmung. Als ob am Horizont eines schönen Sommertages immer dunkle Wolken zu sehen sind, die aber nie näher kommen. Genau so eine Stimmung - Der Zuschauer kann sich nie ganz der Wollust hingeben, irgendwas ist da immer im Hintergrund ...

Aber wie gesagt, ich denke dazu muss man Lina-Anbeter sein :schilder_hschild:

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 01.10.2015 18:37 
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Viel habe ich diesen Monat nicht gesehen, deutlich unter 30 Filmen, aber was für Filme da dabei waren. Holla die Waldfee, ich glaube so viel hochwertige Film in einem Monat, das war irgendwann in den 80-ern im Programmkino das letzte Mal so.

Als Ersatz für die Masse gab es im September neben der Klasse endlich mal wieder mehr Bücher. Neben dem Franco-Buch von Stephen Thrower, das ich häppchenweise zu mir nehme wie eine leichte Droge, habe ich unter anderem einen Roman von Fred Vargas gelesen: Der verbotene Ort. Eine Art Grusel-Thriller, ein Krimi mit übernatürlichem Einschlag. Längere Zeit habe ich mich gefragt was ich mir da antue, zu künstlich die Figuren, zu artifiziell die Handlung. Aber irgendwann hat es geschnackelt und ich konnte nicht mehr aufhören. Sehr spannend und düster das, mit einer hervorragenden Recherche zu den Ursprüngen des Vampirglaubens in Europa, und aufgehängt eben als Krimi im modernen Paris mit Abstechern nach Serbien und zum Highgate Cemetry nach London. Es beginnt damit, dass an ebendiesem Highgate Cemetery 35 Schuhe gefunden werden, säuberlich nebeneinander aufgereiht – mit Füßen darin. Weiter geht es dann in Paris, wo ein älterer reicher Mann in seinem Haus gefunden wird. Es wird zumindest angenommen dass es sich um den Hauseigentümer handelt, ist doch der Körper dieses Mannes zermalmt und zerstückelt worden, genauso wie es in alten Schriften über die Vernichtung von Vampiren empfohlen wird. Klingt jetzt blutrünstiger als es ist, und hebt sich deutlich vom üblichen Serienkillergschmarri ab (ist nämlich kein Serienkillergschmarri …).

Empfehlenswerte Filme gab es wie gesagt so viele wie schon lange nicht mehr. So habe ich diesen Monat den Neo-Realismus für mich entdeckt. Ehrlich, ich habe noch nie vorher einen solchen Film gesehen. Und ich hab ganz schön was verpasst:

  • IL GENERALE DELLA ROVERE – Roberto Rossellinis großes Werk über einen kleinen Gauner, der von der Wehrmacht dazu gebracht wird ins Gefängnis zu gehen und sich dort als ein General des Widerstandes auszugeben um Informationen über Partisanen zu beschaffen. Vittorio de Sica (hatte ich vorher auch noch nie gesehen) und Hannes Messemer spielen großartig auf und liefern sich einen Tanz auf einem Vulkan, wobei die Regie das ihre tut und diesen Tanz federleicht inszeniert, und trotz aller Tragik immer Sympathie für die Figuren zeigt. Vor allem Messemer, der den Nazi-Oberst relativ menschlich gibt und durchaus mit Wärme ausstattet hat mich beeindruckt, aber genauso das punktgenaue Spiel de Sicas, der dem kleinen Gauner so unglaublich viel Tiefe gibt.
    Der Film hat mich dermaßen überrollt, dass ich mir hinterher gleich die Rossellini-Box von Koch besorgt habe. Der erste Film war:
     
  • PAISÀ – Rossellinis Meisterwerk über die Befreiung Italiens von den Faschisten durch die Alliierten Streitkräfte zwischen Juli 1943 und Anfang 1944. Sechs bittere und düstere Episoden über die Begegnungen von Menschen die nicht miteinander kommunizieren (können), und die zum Teil entsetzlichen Folgen. Ein MP der mit dem Elend einer ausgebombten Kriegswaise konfrontiert wird. Ein junges Mädchen das sich an Männer verkauft, und dabei doch eigentlich nur Liebe sucht. Der grauenhafte Kampf der Partisanen gegen die deutsche Wehrmacht, der mit Krieg überhaupt nichts mehr zu tun hat, sondern nur noch mit dem Wort “Abschlachten“ beschrieben werden kann.
    Der Film ist semi-dokumentarisch gedreht und zeigt eine Wirklichkeit die ich in meinem Leben niemals erleben möchte, und die ich auch niemandem wünsche. In diesen 120 Minuten wird so viel Schmerz und so viel Verzweiflung gezeigt dass es physisch wehtut. Trotzdem und gerade deshalb ein Film, der viel öfters gezeigt werden sollte! Wer wissen will wie Krieg wirklich ist, hier kann er es sehen.
     
  • Nach all dem Grauen gab es den Monat natürlich auch Unterhaltung. Düstere Unterhaltung: DIE SCHRECKEN DER MEDUSA, mit Richard Burton und Lino Ventura: Der Schriftsteller John Morlar ist davon überzeugt, dass er Katastrophen herbeiführt. Nachdem ihm jemand den Schädel fast eingeschlagen hat liegt er im Koma und sein Körper hat keinerlei Funktionen mehr, nur sein Gehirn sendet Signale wie wild. Inspektor Brunel versucht den Fast-Mörder zu finden und findet heraus, dass die erwähnte Theorie Morlars mehr als nur einen wahren Kern hat.
    MEDUSA ist eine extrem gelungene Mischung aus Krimi, Science Fiction und Katastrophenfilm, vergleichbar vielleicht ein wenig mit de Palmas TEUFELSKREIS ALPHA. Lino Ventura ermittelt ruhig und relativ entspannt als französischer Austauschkommissar in London, und kommt dieser Katastrophensache auf die Spur, über die jeder erstmal lacht, bis dann so allmählich die Wahrheit durchdringt. Und nicht nur den Charakteren bleibt das Lachen irgendwann im Halse stecken, auch der Zuschauer spürt die Schlinge um den Hals immer deutlicher. Inszeniert mit vielen Rückblenden, plätschert der Film niemals ruhig dahin, der Zuschauer muss sich fortwährend konzentrieren und hat dadurch nie die Möglichkeit über die eigentliche Abstrusität der Handlung nachzudenken. Umso stärker dann das Entsetzen und der ziemlich heftige Schluss. Tolle Schauspieler, gekonnte Regie, eindringliche Atmosphäre, spannende Geschichte – besser geht kaum noch!
     
  • Nicht besser, sondern genauso gut, nur halt ein anderes Genre: BANK JOB, die wahre Geschichte eines Bankraubes im Jahre 1970, in dem eine Gruppe kleiner Gauner durch den MI5 dazu verleitet werden ein Ding zu drehen dass eigentlich viel zu groß für sie ist, damit Sexbilder von Prinzessin Margret nicht an die Öffentlichkeit kommen. BANK JOB ist spannend, lustig, skurril, das Flair des Jahres 1970 passt perfekt, und Jason Statham ist sowieso eine Wucht. Außer ganz zum Schluss gibt er hier nicht den üblichen Supermann, sondern einen windigen Gebrauchtwagenhändler mit Familie, der einfach endlich an die große Kohle will. Und glaubt es oder nicht, das macht er richtig gut! BANK JOB ist schwierig zu beschreiben. Er ist eine einfach geniale Krimikomödie mit einer einzigartigen Stimmung. Wer was für die frühen 70-er übrig hat sollte sich den Film auf jeden Fall mal zu Gemüte führen, wer Krimis mag ebenfalls, Fans von Krimikomödien dürfen hier auf keinen Fall zurückstehen, und wer Jason Statham mag ist hier ebenfalls richtig. Highly recommended!
     
  • Dann war der Monat fast vorbei, ich habe mit diesem Text angefangen, und wurde von DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE geradezu überrollt. Selbst in der dritten Sichtung noch ein absolutes Highlight, und einer der eindrucksvollsten Gialli meines jungen Italo-Lebens. Musik, Kamera, Schauspieler, Aufbau der Handlung, Schnitt – alles so ziemlich perfekt. Kennt ihr den Augenblick, wenn Sam den Mörder aus der Wohnung heraus verfolgt, die Tür öffnet, und in einem dunklen Raum steht? Zu sehen ist nur ein schwarzer Bildschirm, mit den Umrissen Sams und der Tür in gelb gehalten und sonst nichts. Nur Stille. Bedrückende Stille Und tödliche Schwärze. Was für ein Bild …
    Nachdem ich PROFONDO ROSSO immer noch nicht gesehen habe nenne ich die HANDSCHUHE jetzt mal als meinen zweitliebsten Argento, der in meiner Favoritenliste ganz ganz knapp nach dem STENDHAL-SYNDROM kommt. Und die Kochs haben meines Erachtens einen dicken Kandidaten für die Veröffentlichung des Jahres geliefert (nachdem DON’T TORTURE A DUCKLING ja in die Geschenkpapierabteilung verschoben wurde).

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Hui, und das waren nur die absoluten Highlights. Daneben gab es ja dann auch noch ein paar Filme die “nur“ ordentlich gerockt haben:
  • INFERNO – Meine Erstsichtung :o Ich glaube da muss ich jetzt nichts zu schreiben, oder? Mich hat es auf jeden Fall ordentlich weggeblasen, und ich bin gespannt auf den Audiokommentar der mir dann sagen wird was ich alles nicht gesehen habe. Was für ein Film …
     
  • DIE CITY COBRA – Sylvester Stallone ist die Medizin gegen die Krankheit des Bösen. Ebenfalls meine Erstsichtung, und ich freu mich schon auf die Zweitsichtung in ein paar Wochen im Kino. Der Film ist purer Style over Substance, und er ist so typisch 80-er Action-Vehikel dass er fast als Parodie durchgehen könnte, (Hey, LAST ACTION HERO hab ich auch schon lang nicht mehr gesehen, der ist glaube ich mal wieder fällig), aber er macht unglaublich Laune. Stallone ist obermegacool, Brian Thompson obermegafies und die Musik obermegaschlecht. Ein Party-Film par excellence, und dass die Botschaft stockreaktionär ist, das ist zwar schade, aber verschmerzbar.
     
  • ASTERIX – OPERATION HINKELSTEIN – Das war der Film mit der Mischung aus Der Seher und Kampf der Häuptlinge. Was der arme Legionär da mit den Zaubertränken erleben muss, das ist mindestens genauso abgefahren und lustig wie FEAR AND LOATHING IN LAS VEGAS. Und genauso bunt. Die Animation ist gut, die Gags zünden praktisch alle, und der Film macht einfach Spaß. Hey, es kann nicht immer nur Argento sein, oder?
     
  • DER STOFF, AUS DEM DIE TRÄUME SIND – Ein Schmierenjournalist und ein Nacktfotograf stoßen gemeinsam zufällig auf eine ganz heiße Story im Spannungsfeld zwischen CIA, KGB und BND. Erst spät begreifen sie, dass Geheimdienste so heißen weil sie es auch bleiben wollen (nämlich geheim). Und dass auch die Presse da verdammt wenig Spielraum hat, im Gegensatz zu dem Männern mit den Knarren, die plötzlich hinter ihnen her sind. Nach dem enttäuschenderen LIEBE IST AUCH NUR EIN WORT ist das hier wieder ein Simmel wie ich ihn liebe: eine harte Story im Agentenmilieu die bislang normale Leben ziemlich heftig durcheinander wirbelt, eine gigantische Besetzung mit vielen Schauspielern die man immer gerne sieht (Herbert Fleischmann, Hannelore Elsner, Arno Assmann, …), viel Action und ein bisschen Nuditäten. Die Story ist zwar zugegebenermaßen wild, und alles andere als einfach, aber das macht ja schließlich auch einen Teil des Reizes aus, dass man als Zuschauer mitdenken muss. Und jetzt muss wieder mehr Simmel her …

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Und dann war da noch CHAIN OF FOOLS. Sowas leihe ich mir immer recht gerne, dann verliere ich im Zweifelsfall wenig Geld und keinen kostbaren Regalplatz, und wenn der Film zündet kann ich ihn mir ja immer noch kaufen. Aber so ein Dummkopf mir CHAIN OF FOOLS zu kaufen bin ich dann doch nicht. Was für ein erbärmlicher Rohrkrepierer! Im Prinzip ist das einer der damals gängigen Guy Ritchie-Epigonen, aber da hab ich mit Sachen wie LUCKY NUMBER SLEVIN auch schon erheblich intelligenteres und vor allem unterhaltsameres gesehen. Hauptdarsteller Steve Zahn wirkt wie eine talentfreie Mischung aus Robin Williams und Woody Allen, Selma Hayek wird völlig sinnlos verheizt, und der Rest des an sich recht guten Casts (u.a. Michael Rapaport, Jeff Goldblum und Elijah Wood) kann sich mangels Screentime wenig bis gar nicht entfalten. Worum geht es? Ein Looser tötet aus Versehen einen Gangster, der im Auftrag eines reichen Mannes 3 seltene Goldmünzen gestohlen hat, verknallt sich in die ermittelnde Polizistin und bekommt die Goldmünzen in die Hände. Allerdings werden die Münzen von seinem nervigen Neffen verschluckt. Außerdem sind hinter ihm und seinem Buddy, einem Erwachsenen im Pfadfinderoutfit, 2 Auftragskiller her, die aber eigentlich gar keine richtigen Killer sind. Ihr merkt schon, waaaahnsinnig lustig das …

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Dann doch lieber Deppenschiffe als Deppenketten ...

www.youtube.com Video From : www.youtube.com

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 01.11.2015 12:32 
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Der Oktober war ganz klar ein Kino-Monat. So oft wie diesen Monat war ich schon lange nicht mehr im Kino. Begonnen hat es mit dem 70mm-Festival in Karlsruhe:

  • VERTIGO von Alfred Hitchcock, der selber zu dem Film gesagt hat: “Ein Mann versucht mit einer Frau zu schlafen die eigentlich schon tot ist. Also mehr oder weniger ein Fall von Nekrophilie.“ VERTIGO habe ich nun zweimal gesehen, beide Male im Kino, und er ist und bleibt überwältigend, auch wenn hinter den schönen Bildern eigentlich nicht viel Handlung steckt. Aber Jimmy Stewart auf der großen Leinwand ist schon verdammt beeindruckend. Und Kim Novak fegt auch im Jahr 2015 immer noch fast alle weiblichen Schauspieler fort die danach kamen. Was für ein Unterschied zu den heutigen Filmen …
     
  • Zum Beispiel zu INHERENT VICE, der auch lief. Die Schauspieler waren ohne Frage gut, sehr gut sogar. Und dass ich keine durchgehende Handlung zu erwarten hatte wusste ich vorher schon. Aber trotzdem war der Film irgendwie nicht mal richtige heiße Luft. Vielleicht hat es daran gelegen, dass VICE im Original ohne Untertitel lief, und ich war nicht der einzige im Kino der nach 2 Sätzen bereits aufgegeben hat (weiß ich aus Gesprächen mit anderen Zuschauern). Wo in VERTIGO gutes und sauberes ENGLISCH GESPROCHEN wurde, da wurde in VICE nur ein NUSCHELNDER SLANG geboten. Irgendwas ist in den letzten 60 Jahren Filmgeschichte verloren gegangen – saubere Sprache, spannende Geschichten (die diese Bezeichnung auch verdienen), große, wirklich große Schauspieler. Joaquin Phoenix ist verdammt gut, aber gegen einen Jimmy Stewart wirkt er wie ein Fernseher neben einer Kinoleinwand. Und die Frauen in VICE waren durch die Bank nichtssagend und farblos. Ich glaube, da bleibe ich doch lieber bei alten Filmen …
     
  • Zum Beispiel bei CAMELOT, dem Musical rund um die Artus-Sage, mit Richard Harris, Vanessa Redgrave, Franco Nero und David Hemmings. Ein buntes Plastikmonster mit vielen Liedern im 40-er-Jahre-Stil, und ehrlich: CAMELOT funktioniert richtig gut. Der Film ist spannend, lustig, fesselnd, die Musik ist gut und begeistert auch heute noch, die Bilder sind überwältigend, die schauspielerischen Leistungen hervorragend, und Vanessa Redgrave kann in 70mm Kim Novak fast das Wasser reichen. Ich hätte nie gedacht dass dieser Film mich so mitreißt, wobei ich realistisch genug bin um zu wissen, dass die DVD bei weitem nicht den gleichen Effekt hat wie das Kino. Filme sind halt doch für die große Leinwand gemacht ;o) Ausschnitte gibt es weiter unten.
    Eigentlich wollte ich mir noch THE GREAT RACE anschauen, mit Tony Curtis und Jack Lemmon, aber nach CAMELOT war ich satt wie nach einem guten Essen, und da wollte ich mir die Eindrücke nicht verderben. Höhepunkt der 3 in Karlsruhe gesehenen Filme war ganz klar CAMELOT, den ich mir im Kino jederzeit wieder anschauen würde. Aber auch nur dort …
     
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  • Weiter ging es dann eine Woche später mit DER STAAT GEGEN FRITZ BAUER. Die Geschichte des hessischen Staatsanwaltes, der Ende der 50-er Jahre versucht hat Adolf Eichmann, den Organisator und Verwalter des Holocausts, vor Gericht zu bringen. Leider ist der Film eine Fernsehproduktion, was man ihm auch ansieht. Burghart Klaußner ist grandios (wie eigentlich alle Schauspieler im Film), aber Dramaturgie und Inszenierung sind bieder und haben keinen Mut zur Größe, zum – Kino. Es plätschert ein wenig dahin, und die wenigen Höhepunkte sind eher unauffällig inszeniert. Nein, ich erwarte nicht dass alle paar Minuten ein Auto explodiert, aber ein wenig mehr Spannung wäre auch nicht verkehrt gewesen. Nachdem klar wird, dass auch die Staatsanwaltschaft von alten Nazi-Seilschaften infiltriert ist, hätte problemlos eine Atmosphäre der ständigen Beobachtung und einer permanenten Bedrohung aufgebaut werden können, aber dafür braucht es halt Drehbuchautoren mit Sinn zum Geschichtenerzählen und Regisseure mit Liebe zum Film. FRITZ BAUER ist nicht beileibe nicht schlecht, aber im Kino muss man den nicht sehen. Der reicht im Fernsehen völlig aus, da passt er auch hin.
    Was mir bei FRITZ BAUER sehr stark aufgefallen ist, das ist die Musik. Wie aus einem Baukasten für den kleinen Mainstream-Komponisten, ohne Bezug zu Handlung oder Zeit. Dummes Gedudel, das den Hintergrund verschmutzt und irgendwann nur noch nervt. Ich hatte das als Einzelfall aufgefasst, wurde aber eine Woche später eines besseren belehrt, nämlich im:
     
  • SCHELLEN-URSLI, der grandiosen Neuverfilmung des Schweizer Kinderbuchklassikers. Der Urs will beim Winterausläuten unbedingt die größte Glocke haben, aber der neidische und intrigante Sohn des Krämers verhindert das und sorgt dafür, dass er selber die größte Glocke hat und Urs nur die kleinste und lächerlichste - Keine Glocke, sondern eine Schelle. Damit wird er der Schellen-Ursli und zum Gespött des ganzen Dorfes. Aber droben, auf der Sommerweide, da hängt noch eine viel größere Glocke, und die will der Urs sich jetzt holen. Allerdings sind Berge im Winter nicht so ganz ohne, und schon gar nicht für kleine Buben …
    Tolle Bilder, gigantische Schauspieler, eine etwas dramatisierte aber spannend und stringent erzählte Geschichte – und Musik, die klingt wie eine dümmliche Mischung aus HARRY POTTER und HERR DER RINGE. Ehrlich, das Gedudel hat mir tatsächlich einen Teil des Films versaut. Nochmal, der Film ist ganz stark, und mir ist in den knapp 2 Stunden die Zeit überhaupt nicht lang geworden, aber ich behaupte jetzt einfach mal, dass HARRY POTTER-Musik nicht zu Schweizer Kinderbüchern passt!
    Wer hier Kinder im Alter von etwa 10 bis 12 hat, für den ist der URSLI auf jeden Fall eine gute Empfehlung, mit der Einschränkung dass ich nicht weiß ob eine hochdeutsche Sprachfassung wirklich funktionieren wird. Ich hab den Film auf Schwyzerdütsch gesehen, mit gelegentlichen Einschüben von Rätoromanisch (SCHELLEN-URSLI wurde gedreht und spielt im Engadin), und das hat einfach perfekt gepasst. Aber trotzdem, in der Liste starker Kinderfilme spielt der auf jeden Fall ganz oben mit.
     
  • Und dazwischen gab es noch B-MOVIE, die wahre Geschichte eines jungen Mannes aus Manchester, der 1979 nach West-Berlin ging um Edgar Froese zu treffen und stattdessen Blixa Bargeld kennenlernte. B-MOVIE ist eine erzählte Collage aus Spiel- und Dokumentarfilmen sowie Fernsehaufnahmen der Jahre 1979 – 1989, mit viel Musik aus der Zeit und völlig ungekünstelt. Wenn ich es nicht besser wüsste hätte ich gesagt dass der Film von 1985 ist. Wer die Zeit miterlebt hat kommt an B-MOVIE nicht vorbei und darf schwer nostalgisch werden, und die jüngeren dürfen mal neidisch werden wie wir alten Säcke unsere Jugend verfeiert haben. Schwerstens empfohlen!

Neben VERTIGO und CAMELOT war der Höhepunkt des Monats de Palmas FEMME FATALE. Die Geschichte eines Heists in Cannes, der fast problemlos über die Bühne geht – Nur mit der Einschränkung, dass eine der Teilnehmerinnen sich mit der Beute absetzt und dafür einer der beiden beteiligten Männer in den Knast kommt. Die Frau lernt auf ihrer Flucht einen Amerikaner kennen, geht mit ihm in die USA und gut. Ihr Mann wird viele Jahre später US-Botschafter in Frankreich, und plötzlich ist das alte Leben wieder ganz nah. Und ihr Foto in den Gazetten. Und die alten Freunde wollen jetzt die Beute …
Jetzt hat er es geschafft, jetzt, nach 30 Jahren Distanz zum ihm, will ich mehr de Palma sehen. Ich mag ja so Filme die mit dem Medium an sich spielen: Split-Screen, Zeitlupe, Spiel mit Farben und Formen, Bilder die sich als etwas ganz anderes herausstellen, den Zuschauer an der Nase herumführen, und all dies war in FEMME FATALE enthalten. Unglaublich, wie de Palma mit meiner Wahrnehmung spielt und damit macht was er will. Er lässt mich sehen was er will, und ich folge ihm blindlings tief in sein Labyrinth, wo er dann mein Denken auseinander nimmt und neu zusammensetzt. Große Filmkunst, die mit hypnotischen Bildern und Kamerafahrten, spannender Geschichte und guten Schauspielern in Top Locations keine einzige Sekunde langweilig wird. Tät ich gerne mal in groß sehen. Und am liebsten als Blow Up auf 70 mm … ;o)

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Weiter beeindruckend waren diesen Monat:
  • IL DEMONIO von Brunello Rondi – Die Geschichte der jungen Purí, irgendwo tief in der italienischen Provinz. Heute würde man sagen dass sie schizophren ist, aber in dieser Umgebung heißt es dass sie von einem Dämon besessen sei. Was sie über sich selber ja auch sagt. Ihr Dämon heißt Liebe, sie ist in den Bauern Antonio verliebt, der aber will lieber eine “normale“ Frau, keine die am Rad dreht. Antonio ist genervt dass Purí ihm nachstellt und wiegelt nach und nach das ganze Dorf gegen sie auf.
    Eine zerrissene Story über eine zerrissene Seele. Ich arbeite seit mittlerweile 4 Wochen an einer Besprechung, aber ich bekomme den Film einfach nicht zu fassen. Zu komplex, zu umfassend, zu vielschichtig. Aber leider auch kein Film den man sich alle paar Wochen anschaut, dafür geht er zu sehr in die Eingeweide. Das Schicksal Purís ist bitter und intensiv inszeniert, und zieht den Zuschauer tief in eine archaische und harte Welt, in der jegliche Sozialromantik definitiv vorbei ist. Ah, da ist es wieder, mir fehlen die Worte … So oder so, extrem lohnenswert!!
     
  • BODY PUZZLE – MIT BLUTIGEN GRÜSSEN von Lamberto Bava. Im entsetzlich heißen Sommer werden in der Stadt Menschen ermordet und teilweise ihrer Körperteile und ihrer Innereien beraubt. Zumindest die Körperteile tauchen wieder auf, und zwar bei der attraktiven Witwe Tracy im Kühlschrank.
    Was mir bei BODY PUZZLE unter anderem gefällt ist, dass der Mörder hier von Beginn an bekannt ist. Wir wissen aber nicht WER er ist. Kein Whodunit also, sondern ein Whoisit. Die Geschichte ist ziemlich spannend, die Settings sind exquisit und die Darsteller gefallen und machen Laune. Für einen Giallo ist der Film gut, und für einen Spät-Giallo aus dem Jahr 1991 verflucht gut.
     
  • IN THE FOLDS OF THE FLESH von Sergio Bergonzelli. Es ist selten, dass ich anderthalb Stunden mit offenem Mund da sitze. Aber was zur Hölle war das hier? So eine abgefahrene, schräge, wilde, krude, interessante, idiotische, spannende Achterbahnfahrt habe ich seit langem nicht mehr gesehen. Fernando Sancho ist auf der Flucht vor der Polizei und versucht sich im Garten einer Villa zu verstecken. Bevor er dann doch noch geschnappt bekommt er aber noch mit, wie die Dame des Hauses eine Leiche im Garten verbuddelt. 13 Jahre später kommt er wieder um die Dame zu erpressen. Was er allerdings nicht weiß ist, dass die Familie ziemlich gut darauf eingerichtet ist, Störenfriede spurlos verschwinden zu lassen.
    Ich würde mal grob behaupten, dass FOLDS OF THE FLESH das filmische Gegenstück zu Jimi Hendrix’ Are you experienced? ist. Ein Film wie ein Drogenrausch, der sich irgendwo hin entwickelt wo man ihn überhaupt nicht erwartet, und der bunt und betäubend und zuckrig und süß und sauer und alles gleichzeitig ist. Zu diesem Film fällt mir nur ein einziges Wort ein: Unfassbar!
     
  • YOUR VICE IS A LOCKED ROOM AND ONLY I HAVE THE KEY – Endlich der letzte fehlende Giallo der frühen Sergio Martinos. Die Geschichte eines Ehepaares das sich irgendwie ein wenig auseinander gelebt hat: Er säuft, feiert wilde Parties mit Fremden und erniedrigt sie wo er nur kann, sie leidet und versucht einfach am Leben zu bleiben. Bis eines Tages die Nichte des Mannes kommt, die mit Männlein und Weiblein schläft und allenthalben versucht das kaputte Eheleben wieder zu richten. Oder könnte es sein, dass die süße Nichte ihre eigenen, ganz anders gelagerten, Pläne hat?
    Elegante Bilder, umwerfende Schauspieler, schöne Musik und eine Mörder-Story. Ich persönlich finde zwar von den Martinos die SIGNORA WARDH immer noch am Stärksten, aber YOUR VICE kommt auf jeden Fall gleich danach. Vielleicht ist mir alles ein klein bisschen zu artifiziell, ein wenig zu gekünstelt, aber dieses kleine Manko geht im Rausch der Bilder und in dieser unglaublich wendungs- und abwechslungsreichen Geschichte einfach unter und kann getrost ignoriert werden. Zu Recht einer der Klassiker des Genres, und ich bin schon gespannt auf die kommenden Sichtungen, wo er sich ziemlich sicher noch steigern wird.
     
  • ZODIAC – Die wahre Geschichte des Serienkillers Zodiac, der in Kalifornien zwischen 1968 und 1969 5 Menschen ermordet hat, aber nie gefasst wurde. Die wahre Geschichte des Detectives Dave Toschi, der einen guten Teil Arbeits- und Lebenszeit mit diesem Fall verbrachte, ihn aber nie lösen konnte. Die wahre Geschichte des Cartoonisten Robert Graysmith, der dieser Thematik geradezu obsessiv verfiel und 2 Bücher über den Zodiac-Killer schrieb, in denen er unter anderem Zusammenhänge aufdeckte die der Polizei entgangen waren.
    Ein Film, der zweieinhalb Stunden lang ist und sein vorgebliches Sujet des Serienmörders bereits nach einer Dreiviertelstunde verlässt um sich den Jägern zu widmen – ohne dabei die Spannung zu verlieren! Kann das wirklich funktionieren? Ja es kann, der Zuschauer muss allerdings bereit sein gewohnte Pfade zu verlassen, und vor allem muss er seine Erwartungshaltung eines Serienmörderfilms von vornherein in die Tonne klopfen. So werden beispielsweise nur die Morde gezeigt, die Zodiac auch wirklich zugeordnet werden können und die von Überlebenden oder Zeugen beschrieben werden konnte. Auch verweigert sich Fincher der klassischen Thriller-Methode mit Verdächtigen-Hatz und aufregendem Finale in dem sich alles löst und der wahre Mörder gefasst wird. Stattdessen werden Menschen gezeigt, ganz normale Menschen, und wie sie sich in komplexen oder bedrohlichen Situationen verhalten. Zudem ist ZODIAC zutiefst realistisch, was bedeutet, dass manche Dinge einfach nicht geklärt werden können, und ein Mörder eben auch mal nicht gefasst werden kann.
    Was David Fincher hier gelingt ist nichts anderes als eine Analyse (obsessiver) Menschen und ihrem Verhalten im Zusammenhang mit der Gesellschaft – und das als wie erwähnt sauspannender Thriller. Wer intelligente und spannende Filme mag sollte ZODIAC unbedingt eine Chance geben!!
    Vielen Dank an Italo, ohne den ich dem Film nach der schlechten SI-Kritik niemals eine Chance gegeben hätte.

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Hinreißend: Der König erklärt, dass das Wetter in Camelot per Dekret geregelt ist

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Frühlings Erwachen

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Django meets Miss Piggy: C'est moi!!

Und jetzt bin ich mal gespannt, was das Karacho-Festival nächstes Wochenende bringen wird ...

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Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 01.08.2016 18:33 
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Seit Ende letzten Jahres habe ich eine Freundin, was man unter anderem auch daran erkennen kann, dass ich kaum mehr zum Filme schauen komme, geschweige denn zum darüber schreiben. Ernsthaft, 44 Filme in einem Monat? Puh, ich bin froh wenn ich 20 Filme „schaffe“. Und die Berge mit den ungesehenen werden immer höher und höher. Dazu kommt, und das kennt der ein oder andere bestimmt auch, dass man natürlich die neue Flamme nicht verschrecken möchte. CANNIBAL HOLOCAUST ist ein toller Film, aber nichts für das erste Rendezvous. Und für das zweite genauso wenig. Da sie aber durchaus interessiert ist gab es bislang unter anderem DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE (gefiel ihr sehr gut, den Mörder konnte sie nicht erraten) und DER SCHWANZ DES SKORPIONS (gefiel ihr nicht so gut, aber dem Mörderraten war wieder kein Erfolg beschieden). Und halt so einige Lieblingsfilme (EINS, ZWEI, DREI von Billy Wilder etwa, oder LUCIA UND DER SEX von Julio Medem, den ich abgöttisch liebe. Den Film, nicht den Julio …) sowie Action-Highlights der letzten 20 Jahre.

  • Wie zum Beispiel John Woos IM KÖRPER DES FEINDES. Nicolas Travolta und John Cage tauschen Gesichter und Geschosse aus und versuchen dabei halb L.A. in Schutt und Asche zu legen. Ein ganz klein wenig hat er im Lauf der letzten Jahre ja schon verloren, aber verdammt noch mal, der Film rockt immer noch auf verdammt hohem Niveau. Die Action ist fulminant inszeniert, und die Story um die Gesichtsoperationen ist so irrwitzig abgedreht wie eh und je. Ganz ehrlich, ich bin bei der x-ten Sichtung immer noch begeistert. Weil ich älter werde, und mein Geschmack sich ändert, bin ich von meiner früheren 10/10- auf eine 9/10-Wertung runtergegangen. Aber das Niveau erreichen andere Filme lange nicht.
     
  • FRENCH CONNECTION 2 erreicht dieses Niveau hingegen mühelos! Der New Yorker Drogenfahnder ’Popeye’ Doyle wird nach Marseille geholt um dort den Drogendealer Charnier zu identifizieren und zu überführen. Aber in Frankreich will ihn keiner, er führt sich auf wie ein Arsch und wird auch behandelt wie ein Arsch. Also stromert Doyle durch Marseille und hofft auf einen Zufall. Der dann auch kommt, aber nicht so wie gedacht: Als Charnier mitbekommt dass Doyle in Marseille ist, lässt er ihn entführen und setzt ihn unter Drogen. Popeye Doyle ist hart, aber jetzt ist er dem Teufel begegnet …
    Der erste Teil ist ein guter und harter Drogenkrimi mit einem starken Gene Hackman in der Hauptrolle. Aber der zweite Teil ist ein ausgewachsener Alptraum mit einem Gene Hackman der alle Grenzen überschreitet, sowohl in seiner Rolle wie auch als Schauspieler. Ich behaupte jetzt einfach mal, dass FRENCH CONNECTION 2 mit Abstand zu seinen stärksten Filmen gehört. So sind sowohl der Drogenrausch wie auch der Entzug künstlerische Meisterleistungen auf allerhöchstem Niveau. Der Mann ist von Kopf bis Fuß unsympathisch, und trotzdem schafft man es sich mit ihm zu identifizieren, seine Isolation und Hilflosigkeit genauso zu spüren wie seine unbändige Wut. Und dann auch noch Fernando Rey und Bernard Fresson, sowie ein Marseille, das sich anfühlt wie von der Hölle ausgespuckt. In jeder Beziehung gigantisch!
     
  • Genauso wie WER ERSCHOSS SALVATORE G.? von Francesco Rosi, der das Leben des sizilianischen Bandenführers und Freiheitskämpfers Salvatore Giuliano in den Jahren 1947 bis 1950 zeigt. In mehreren ineinander verschachtelten Zeitebenen wird die Geschichte aufgerollt, wieso Giuliano mit einer Waffe in die Berge ging, was ihn dort hielt, und warum er starb. Rosi orientiert sich ausschließlich an der damals bekannten Wahrheit (der Film ist von 1962, inzwischen ist mehr bekannt), und während die Kamera an einem fast dokumentarisch orientierten Stil beeindruckende Bilder zeigt, wird der Zuschauer durch die verzwirbelten Zeitebenen auf eine Tour de Force durch das unruhige Nachkriegssizilien geschickt. Mit dem Ergebnis, dass er hinterher ziemlich geplättet auf dem Sofa hängt. Gerade diese Mischung aus Realismus und geschickter Erzählweise reißt es raus und mach SALVATORE G. zu einem riesigen Filmerlebnis. Außerdem stehe ich auf Frank Wolff …

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Das waren die Highlights, aber andere tolle Filme gab es schon auch:
  • KILLER’S GOLD von Sergio Garrone, mit einem außerordentlich gut aufgelegtem Alberto dell’Acqua in der Hauptrolle. Der Zigeuner Joe ist ein bekannter Tresorknacker. Bei einem Job für den Gangsterboss Morgan will dieser Joe ausschalten. Das geht aber schief, und Joe verschwindet mit der gesamten Sore. Das geht aber ebenfalls schief, Morgan findet Joe und foltert ihn um an die Beute zu kommen. Doch Joe ist ein gewitztes und vor allem ein knallhartes Kerlchen: Er schafft es, die Folterknechte sowie die Hure Morgans (superlecker: Daniela Giordano) auf seine Seite zu ziehen. Gemeinsam kann man flüchten, das Syndikat immer auf den Fersen, und eine große Beute vor Augen. Geteilt durch 4 …
    Definitiv ein Action-Kracher der gehobenen Gangart. Ein ordentlicher Härtegrad, gelungene Actionszenen, Schnitt, Mucke, Daniela Giordano nuckelt zwischen Victor Israels beunterhosten Beinen – hier ist einfach alles drin was Spaß macht. Dazu tolle Darsteller (Dan Forrest und Max H. Boulois als Joes Folterbuddies sind da besonders herauszuheben) und wunderschöne Landschaften irgendwo in Spanien. Wer den mal irgendwo sieht sollte ihn unbedingt mitnehmen, da kann man einfach nix verkehrt machen mit.
     
  • RANG DE BASANTI – mein erster Bollywood-Streifen!!!! Die englische Journalistin Sue will das Leben einiger indischer Revolutionäre aus den 20er-Jahren vor Ort verfilmen. Zusammen mit Freunden macht sie sich an die Arbeit, aber für die Kumpels ist Party wichtiger als Filmarbeit, und so gestaltet sich das alles etwas schwierig. Doch allmählich wachsen die Darsteller in ihre Rollen hinein, was zu einem sehr starken Film im Film führt. Als durch ein Unglück einer aus der Clique stirbt, und das Unglück seitens korrupter Politiker unter den Tisch gekehrt werden soll, vermischen sich Film und Realität: Die Freunde identifizieren sich mit ihren Filmrollen und beginnen Politik zu machen. Mit der Waffe in der Hand …
    Bollywood. Er liebt sie, sie liebt ihn, sie brauchen mindestens 3 Stunden um das rauszubekommen, es gibt entsetzlich viel Tanzerei und Singsang, und das Ganze ist dann auch noch furchtbar gefühlsduselig. In RANG DE BASANTI wird auch getanzt und gesungen, aber es ist größtenteils gut in die Handlung integriert und passt eigentlich recht gut. Zumindest nervt es so gut wie gar nicht. Gefühlsdusel gibt es jede Menge, zusammen mit unglaublich viel Pathos, aber auch das ist erträglich (meine Tränendrüsen protestieren hier allerdings, die haben das Pathos vor allem gegen Ende anders empfunden). Was es aber auch gibt ist einiges an Politik, an Kritik aktueller Zustände (wie etwa der allgegenwärtigen Korruption oder der Polizeigewalt), an Rebellion - und über allem ein unendlich gelöstes und angenehmes Flair. Der Film ist, zumindest bis zur Intermission, wie ein langer Urlaubstrip: Leicht und schokoflockig, und doch können die Bilder des safran-eingefärbten Film-im-Films immer wieder Akzente setzen, können immer wieder beeindrucken und für Spannung sorgen. Der zweite Teil kommt dann schon ernster und trauriger rüber, und die Bilder des Spielfilms zeigen Bilder aus der indischen Kolonialvergangenheit: Grausame Folter, Erschießungen, brutale Wilkür, der Versuch Menschen zu zerbrechen, Hinrichtungen, aber auch viel Pathos und eine gehörige Portion Liebe zum eigenen Land. Was zwar bei deutschen Kritikern halt meistens nicht so gut ankommt, aber für mein Empfinden sehr glaubhaft und vernünftig vermittelt wird. Wem das nicht gefällt, der soll erstmal in einem Land unter der Diktatur einer fremden Militärmacht leben … Die Schauspieler sind absolut umwerfend, und im Nachhinein stelle ich fest, dass RANG DE BASANTI sich tiefer in den Kopf gesetzt hat als ich ursprünglich dachte. Trotz einiger Vereinfachungen ein schöner Film, der tatsächlich Spaß macht und dabei das Hirn nicht vergisst. Und Soha Ali Khan ist wirklich umwerfend schön …!
     
  • AGENTS SECRETS – IM FADENKREUZ DES TODES hat auch beim mittlerweile dritten Ansehen nichts verloren: Georges und Lisa sind Agenten des französischen Geheimdienstes. Ihr Auftrag lautet, in Marokko am Schiff eines Waffenhändlers Minen anzubringen und dieses in die Luft zu sprengen. Der Job verläuft relativ glatt, aber einige Mitglieder des Teams haben noch andere, geheimere, Aufträge, und so wird Lisa auf der Rückreise nach Frankreich wegen Rauschgiftbesitzes urplötzlich verhaftet. Als Georges auf eigene Faust versucht herauszubekommen warum Lisa im Gefängnis ist, stellt er fest, dass ein Mitglied seines Teams eiskalt ermordet wurde. Sein Chef nicht erreichbar ist. Und er selber offensichtlich zum Abschuss freigegeben wurde …
    Eine gute und nicht unspannende Mischung aus realistisch-einsamen Agentenleben und einer Räuberpistole in sehr kalten Bildern. Vincent Cassel und Monica Bellucci sind erstklassig wie immer und retten die manchmal etwas abenteuerliche „Story“ um zum Abschuss freigegebene Agenten in sicheres Fahrwasser. Der Fairness halber muss man sagen, dass es ohne vor allem Cassel eine ganze Ecke billiger geworden wäre. Aber so passt das ganze eigentlich. Für alle, die mit Triple X nichts anfangen können …
     
  • Last but not least FREEZE FRAME von John Simpson, die Überraschung des Monats: Vor 10 Jahren stand Sean Veil wegen Mordes vor Gericht. Unschuldig und knapp nicht verurteilt, aber traumatisiert. Seitdem ist der Mann paranoid geworden, filmt jeden seiner Schritte und archiviert diese Filme. Und zwar wirklich JEDEN Schritt! Auch wenn er schläft läuft die Kamera. Es kommt was kommen muss: Die Polizei will ihn wegen Mordes verhaften, und genau die Bänder der Tatzeit sind verschwunden …
    Eine böse und kranke Mischung aus BRAZIL und DARK CITY, abgeschmeckt mit einer Messerspitze SAW, so empfand ich diesen bösen Paranoia-Thriller. Sean Veil ist gefangen in seiner kleinen und dunklen Welt, und wer ihm dorthin folgt muss schon einiges an Obsessionen auf dem Kerbholz haben. Durch den häufigen Wechsel zwischen dem eigentlichen Film und den Veil’schen Videoaufnahmen entsteht sehr viel Dichte und Abwechslung, wobei irgendwann unweigerlich der Moment kommt, in dem Realität und Videos auseinanderlaufen und Zweifel an Veils Unschuld auftauchen. Ganz allmählich nur, aber stetig. Denn dass Veil unter Umständen (sic!) nicht alle Kühe auf der Weide hat zeigt sich relativ schnell. Oder gibt es vielleicht noch eine zweite Wirklichkeit? Sind die Bänder gefälscht? Oder zeigen die Bänder die Wahrheit und etwas anderes läuft gefährlich falsch? Ihr merkt worauf ich hinaus will, der Film spielt mit dem Teppich auf dem der Zuschauer steht und rutscht ihn schnell hin und her, und mal abgesehen von ein paar sehr hässlichen kleinen Fehlern ist der Film ein absoluter Tipp für Fans von Mindfuck-Filmen à la MOMENTO. Oder eben von SAW …

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Der unschöne Film des Monats kommt diesmal, wie öfters einmal, von Onkel Jess. Tut mir ja leid, aber so richtig knorke ist EL OJETE DE LULÚ wirklich nicht. Die Geschichte des redenden Arschlochs von Lina Romay, das sich traurig darüber beschwert dass es nicht gefickt wird, ist, sagen wir mal, eigen. Das Gerede ist meist lustig, und ich musste wirklich oft lachen. Aber die Fickszenen sind halt typisch 80er und seeeeeeehr langgezogen, und Erotik kommt dabei halt leider wenig auf. Man muss den 1986 entstanden Streifen wohl unter zeitgenössischen Aspekten sehen: In Spanien wurde in den 80ern halt immer noch viel experimentiert und künstlerische Freiheit ausgetestet, während anderswo die Pornowelt gerade begann gelackt und durchgestylt zu werden. Da prallen Vorstellungswelten aufeinander, und während wir heute die schönen oder, je nach Geschmack, gonzo-artigen Rammelpornos gewohnt sind, wurden damals halt einfach noch andere Ansprüche gestellt. Was zu unter heutigen Gesichtspunkten langweiligen und unerotischen Bumsszenen mit haarigen Geschlechtsteilen in Großaufnahme führt.
So oder so, der Film bietet sehr viel nackte Lina in sehr vielen Großaufnahmen, mit lustigen Begleitkommentaren ihres Arschlochs und wunderschöner Musik von Pablo Villa, und ich hab von Jess Franco beileibe schon Schlechteres gesehen. Ich tät mal sagen, dass EL OJETE DE LULÚ irgendwo im unteren Mittelfeld anzusiedeln ist, insofern man sich als Lina-Fan auch der etwas späteren Phase outet. Den wahrscheinlich Back-to-back gedrehten EL CHUPETE DE LULÚ werde ich mir auch irgendwann aus Komplettierungsgründen geben (müssen), aber der ist gottseidank recht selten, so dass das noch etwas Zeit hat.

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Und ab jetzt wieder regelmäßig. Versprochen!

Zum Reinschnuppern: Bollywood scheint nach Shah Rukh Khan überhaupt erst anzufangen. Das sind jedenfalls keine Bilder die ich in einem vermuteten Tanz- und Singfilm verortet hätte:

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 01.09.2016 18:28 
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Im August bin ich mal vorsichtig daran gegangen, meine neue Freundin und meinen alteingesessenen Filmgeschmack etwas ernsthafter miteinander bekannt zu machen. Die Klassiker des italienischen Genrekinos wie MÄDCHEN IN DEN KRALLEN TEUFLISCHER BESTIEN … Na ja, ich glaube so weit ist sie noch nicht. Ich fange mal vorsichtiger an, ich möchte ja schließlich dass sie nach „Mehr“ schreit.

Und was wäre ein besserer Start als JULIA’S EYES von Guillem Morales? Julia und ihre Schwester Sara haben beide ein genetisches Augenleiden, dass sie allmählich erblinden lässt. Als Sara stirbt erfährt Julia, dass diese wohl offensichtlich einen Freund hatte, den aber niemand kennt oder jemals gesehen hat. Auf der Suche nach dem Freund muss Julia, die zunehmend in Dunkelheit versinkt, erkennen, dass dieser Freund sehr wohl existiert, und dass er bei Saras Tod ein gewalt-iges Wörtchen mitzureden hatte.
Klingt jetzt relativ unaufregend, aber ganz ehrlich Freunde: Das ist einer der verdammt besten Gialli den ich jemals gesehen habe! Bei der Erstsichtung vor einigen Jahren habe ich nach dem Prolog einen Schnaps gebraucht, so heftig hatte es mich geschüttelt. Spannung, Bilder, Stimmung, alles wie aus einem Klassiker von, sagen wir, Sergio Martino. Inklusive des visuellen Tricks, dass die Kamera nach der Erblindung Julias keine Gesichter mehr zeigt. Wir können, genauso wie Julia, die anderen Personen nur noch anhand ihrer Stimmen erkennen (und natürlich ihrer Kleidung, das haben wir Julia voraus). Die Frage, wer sich also tatsächlich hinter der zu sehenden Person versteckt, birgt ein enormes Spannungspotential. Meine Freundin war auf jeden Fall reichlich geflasht und wollte: „Mehr“.

Was zu SIEBEN führte. Ja, genau der SIEBEN. Den kannte sie noch nicht, und ich hatte ihn lange nicht mehr gesehen. Und was soll ich sagen? 21 Jahre nach seiner Entstehung funktioniert der Film immer noch! Die Geschichte um den Serienmörder mit dem Todsünden-Tick, der in einer namenlosen, verregneten grauen(haften) Stadt die Detectives Brad Pitt und Morgan Freeman an der Nase herumführt, hat nichts von seiner Faszination verloren. Diese unglaublichen düsteren und verkommen wirkenden Bilder, der Schmutz und die abstoßenden Phantasien des Zuschauers, das wirkt heute immer noch so wie damals. Und auf dem kleinen Bildschirm auch immer noch so wie auf der großen Leinwand. Manche Filme altern schlecht, SIEBEN altert gar nicht. Aber wem sag ich das, diesen Film dürfte hier ja nun jeder kennen. Die Freundin jedenfalls war vollkommen von den Socken. Demnächst will ich dann mal den FIGHT CLUB austesten. Ich werde berichten …

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Ebenfalls saustark war DAS PARFÜM DER DAME IN SCHWARZ. Es geht um … Gerade merke ich, dass ich, obwohl die Sichtung erst 2 oder 3 Wochen her ist, den Inhalt nicht mehr wiedergeben kann. Ich weiß dass er sehr bilderstark war, und mich mit der Mischung aus diesen überflutenden Eindrücken, der schönen Musik, der mysteriösen Geschichte und den Schauspielern unglaublich beeindruckt hat. Aber wo ist er jetzt? Warum habe ich nur die Bilder im Kopf, nicht aber die Handlung? War sie wirklich dermaßen abgedreht? Empfand ich beim Sehen eigentlich nicht so, aber jetzt im Nachhinein … Auf jeden Fall interessant, dass man einen Film in so kurzer Zeit so völlig vergessen kann, und nur in Erinnerung behält, dass er … eindrucksvoll war. Wo sind die Eindrücke? Dieser merkwürdige Umstand passt eigentlich hervorragend zu PARFÜM, denn Mimsy Farmer weiß ja auch nicht mehr wo die verschiedenen Realitäten anfangen und wo sie aufhören. Und der Zuschauer genauso wenig … Starker Film mit Potential für viele viele Sichtungen!

Die Überraschung des Monats (und ebenfalls ein Spiel mit den Realitäten, nur auf einem ganz anderen Level) war Jess Francos DR. M SCHLÄGT ZU. Dr. Farkas will die Welt beherrschen, und aus diesem Grunde eine Waffe aus einem wissenschaftlichen Institut stehlen, mit dem er den größten Teil der Menschheit vernichten kann. Klingt soweit ja erstmal überzeugend, also muss eine Mitarbeiterin des Instituts entführt werden, damit Farkas’ Schergen wissen wo die Unterlagen zur Waffe zu finden sind. Die Entführung wird beobachtet von der Striptease-Tänzerin Jenny Hering (jau!), die das auch der Polizei meldet, was denen aber relativ wurscht ist. Die schlussendlich gestohlenen Unterlagen wiederum sind verschlüsselt, was Farkas zu neuen Höchstleistungen antreibt, unter anderem lässt er einen Wissenschaftler töten, dessen Tochter zufällig mit dem Inspektor Fred Williams liiert ist, der mittlerweile die Striptease-Tänzerin observiert. Oder so ähnlich …
Da kann man sehen was passiert, wenn Künstler bewusstseinserweiternde Drogen nehmen. Dieser Irrsinn lässt sich einfach nicht mehr beschreiben! Eine irrwitzige Szene jagt die andere, die deutsche Synchro lässt sich nicht lumpen und fährt mit den besten Sprechern der damaligen Zeit auf, und unglaubliche Dialoge nehmen ihren unfassbaren Lauf. Hier verlässt Franco tatsächlich die Realität, noch viel mehr als in HEISSE BERÜHRUNGEN, und schafft eine Metaebene, eine Welt im Film, in der logische oder physikalische Gesetzmäßigkeiten einfach nichts mehr zu bedeuten haben. Hier ist nichts so wie es scheint, Namen sind vollkommen bedeutungslos, und möglicherweise ist das auch alles nur ein Traum des Zuschauers. Fakt ist, dass DR. M der erste Franco-Film ist dem ich eine 9 von 10 gebe. Franco’sche Höchstnote! So sprachlos wie nach diesem Film bin ich schon ganz lange nicht mehr gewesen. Dagegen ist FEAR AND LOATHING IN LAS VEGAS so aufregend wie eine Folge LASSIE …

Das Gegenstück zu DR. M war UNE CAGE DORÉE. Offiziell von Jess Franco, schreibt Stephen Thrower den Film Marius Lesoeur zu. Und insofern es hier um irgendwas geht: Ein Bandenchef in Hong Kong schickt einen Kurier nach Paris, und weil er in Hong Kong sich nicht mehr wohl fühlt reist er gleich hinterher. Der Kurier landet aber zuerst bei der Polizei und dann bei einer Pariser Gangstergruppe, weswegen man anschließend dem Zuschauer und sich gegenseitig nun das Leben versucht etwas schwerer macht.
Die ersten rund 20 Minuten sind der Hammer! Wild werden Szenen aus irgendwelchen europäischen und chinesischen Gangsterfilmen hintereinander geschnitten um einen Bandenkrieg zu simulieren, und dazu röhrt ein Off-Sprecher Sätze in die Welt wie „Hong Gon! Hong Gon! Das Getümmel, die Parties! Hong Gon! In Hong Gon hat Mr. Winter das Gefühl dass sein Imperium bedroht ist!“ Es fließt einiges an Blut und es herrscht düster-gewalttätige Stimmung, denn „Ein Krieg zwischen den Gangs wird ein außergewöhnliches Massaker sein! Systematisch! Gna-den-los!“ Auch ein seeeeeeeehr langsamer Strip hat durchaus seinen Reiz, genauso wie die hübschen Dokumentaraufnahmen aus dem chinesischen Straßenleben. Wir sehen Opiumrauchern beim Rauchen und einer eingesperrten Frau beim eingesperrt sein zu, und wenn der Film so weitergehen würde hätte er absolut das Zeug zum Oberklassiker gehabt. Aber mit der Ankunft in Paris ist *plupp* die Stimmung draußen, das Tempo ist weg, der tolle Off-Sprecher hat sich still und heimlich verabschiedet – und es passiert einfach nichts mehr. Man redet, man streitet, man wird eingesperrt, man versucht zu flüchten, man vögelt, und das alles ohne erkennbaren Grund. Zumindest sind die Damen recht oft recht nackt und auch durchaus recht ansehlich, aber irgendwann fragt man sich, was das eigentlich alles darstellen soll. Das Ende ist ein Schnittgewitter vor dem Herren, aber ob da eine Komplettfassung noch was retten könnte? Gut möglich: Im Internet kursiert wahrscheinlich die spanische Bieder-Fassung, während die französische Fassung mutmaßlich zumindest beim Sex wilder zur Sache gehen dürfte. So ist das alles etwas sehr dialoglastig und, na ja, unaufregend. Wir raten ab …

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Aber gottseidank gab es im August noch ein paar mehr Highlights, denn diesen Monat hatte ich einen ausgesprochenen Western-Run:
  • DJANGO – DIE IM SCHLAMM VERRECKEN, und selten war ein Filmtitel so Programm. Steve, genannt Desperado, immer allein und immer auf der Flucht, erfährt durch einen sterbenden Soldaten von einem Geldversteck in einer Geisterstadt, in der nur der blinde Vater dieses Soldaten lebt. Kurzerhand gibt er sich als Sohn aus und versucht an das Geld zu gelangen. Dabei kommt er einer Gruppe eiskalter Banditen in die Quere, die auf einen Goldtransport der Konföderierten scharf sind. Da die Gruppe aber von einer Verflossenen Steves begleitet wird, wird er von den Typen aufgenommen. Allerdings hat er sich mittlerweile in die junge Begleiterin des Blinden verliebt, was die Sachlage erheblich kompliziert. Vor allem, als endlich das Gold geliefert wird. Das junge Mädchen als Geisel festgehalten wird. Und der alte blinde Mann mit einem Revolver rumfuchtelt …
    So muss ein IW sein! Hart, brutal, menschenverachtend, zynisch, ikonisch, … Das Lexikon des Internationalen Films schreibt „Eintöniger Italowestern, besonders brutal“, und die italienische Kritik urteilte „in monotoner Wiederholung der langweiligsten überstrapazierten Klischees des Italowesterns allein den Fokus auf den obsessiven Einsatz von Gewalt“. Jawoll!! Die Musik ist zum Niederknien schön, die Charaktere abgrundtief böse, die Settings so verkommen wie selten, und wenn nach rund 60 Minuten das vermeintliche Showdown anbricht und der Film tatsächlich noch 40 Minuten Laufzeit hat jubelt mein kleines Herzelein. Sicher nichts Besonderes, aber Western-Unterhaltung wie man sie sich nur wünschen kann. Anspruchslos und hart. Und geil …
     
  • FRIEDHOF OHNE KREUZE von Robert Hossein hat mich auch sehr mitgerissen: Die Gegend rund um das namenlose Kaff wird von der Familie Rogers beherrscht. Das Wort des alten Rogers ist Gesetz, und die drei Söhne setzen es, mit Hilfe des gekauften Sheriffs, rücksichtslos durch. Die Brüder Caine beharren auf ihrem Recht und stehlen den Rogers Geld das eigentlich ihnen gehört. Eine ziemliche Scheißidee, denn die Rogers verfolgen die Brüder und knüpfen Ben Caine vor den Augen seiner Frau Maria auf. Das ist der Tropfen der das Fass zum Überlaufen bringt: Maria wendet sich an den früheren Pistolero Manuel um Rache zu nehmen. Manuel schleicht sich bei den Rogers ein und entführt dessen Tochter Johanna. Eigentlich will Maria die Rogers nur erniedrigen und sie zwingen beim Begräbniszug ihres Mannes dabei zu sein, aber die Situation eskaliert als sich die Brüder des toten Ben in das Spiel einschalten und mehr wollen. Sie wollen Rache. Und diese Rache ist nicht schön, sie verschont niemanden, und am Ende ist die Welt ein Friedhof ohne Kreuze …
    Auch wieder superdüster, sehr hart und zynisch, und erheblich näher an LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG als ESCONDIDO. Aber im Kern genauso hart und gnadenlos, wenngleich auch mit einem philosophischem Unterbau. FRIEDHOF hat mich stark an einen Film von Melville erinnert: Vier Revolvermänner im roten Kreis treffen auf den eiskalten Engel, und das kann nur mit Leid und Tod für alle Beteiligten enden. Harte und einsame Männer, die schweigsam ihre Jobs erledigen, und die das tun wofür sie bezahlt wurden, auch wenn am Ende der Tod steht. Gerade dass keine Sonnenbrillen getragen werden.

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BLEIGERICHT war eher mau, doch TOTE WERFEN KEINE SCHATTEN fand ich wundersamerweise ziemlich gut. Vor allem Hunt Powers agierte sehr stark und blieb nachhaltig in Erinnerung. DIE LETZTE RECHNUNG ZAHLST DU SELBST sprach mich ebenfalls an, auch wenn der sich eher an den Frühwerken des Euro-Westerns orientierte, und REQUIEM FÜR DJANGO ist sowieso jenseits von gut und böse. Aber die oben genannten waren diesen Monat die Bringer.
Und wenn ich das Liedlein schon seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf bekomme, dann dürft ihr auch mitschunkeln:

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Mein Gott, ich stehe auf dieses Lied ... :88n:

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 01.10.2016 06:48 
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Urlaub, ich hatte Urlaub!! 3 Wochen am Stück!!! Und weil ich nicht fortgefahren bin, gab es endlich mal wieder eine vernünftige Anzahl Film zum Schauen. Und es waren erstaunlich viele Perlen dabei. Im Kino war ich, und dieser Film hat mich fast am meisten gerockt diesen Monat:

  • ONLY LOVERS LEFT ALIVE – Dunkle Bilder, getränkt in Musik und Literatur, durchdrungen von Liebe und Hunger nach Blut. Jim Jarmusch erzählt eine wunderschöne und traurige Geschichte eines Vampirehepaars in Detroit und Tanger. Die Menschen werden als Zombies bezeichnet, die mit allen Mitteln versuchen die Welt zu zerstören („Streiten sie immer noch um das Öl? Oder ist jetzt mittlerweile das Wasser dran?“), während die Vampire im Wesentlichen in der Welt der Kunst leben, sich der Musik hingeben, und schöne und alte Dinge sammeln. Vampir Adam macht Musik und sammelt alte Musikinstrumente, während seine Frau Eve Bücher nur in Originalsprache liest, und wenn sie auf Reisen geht packt sie ausschließlich Bücher in den Koffer. Ein sehr ruhiger und sinnlicher Film, der eine ganz eigene Atmosphäre hat und mich sehr berührt hat. Die Musik ist hinreißend und wurde umgehend bestellt, klingen tut sie ein wenig nach den ruhigeren Momenten von Bands wie Nadja oder Sqürl, der Band von Jim Jarmusch. Oder natürlich wie die unglaublich schöne Musik von Jozef van Wissem, der sich hier ebenfalls verewigen darf. Ein wunderbares Stück Kino!
     
  • Und dann war auch endlich mal die Gelegenheit da, sich DANCER IN THE DARK anzuschauen. Lars von Trier hängt ja immer irgendwie dieses „Schwerverdaulich“-Attribut an, dabei macht er wirklich sehenswerte Filme. DANCER IN THE DARK ist eine Art, festhalten, Dogma-Musical! Die tschechische Immigrantin Selma arbeitet in den 50er-Jahren in den USA in einer Fabrik. Ihre einzigen Lebensinhalte sind ihr Sohn – und ihre Liebe zu Musicals. Durch einen genetischen Fehler erblindet sie nach und nach, und auch ihr Sohn wird irgendwann dieses Schicksal erleiden. Darum arbeitet sie sich krumm und bucklig und spart jeden Dollar, um ihrem Sohne eine Operation zu ermöglichen. Als das Geld gestohlen wird kommt es zu einer Katastrophe.
    Was für ein wundervoller und anrührender Film. Die erste halbe Stunde ist mit den handelsüblichen Dogma-Merkmalen gespickt und eher etwas schwerer verdaulich. Aber nach diesem Einstieg sinkt der Zuschauer tief in Selmas Welt, staunt über die unglaublich schönen Musical-Einlagen im Stil der 50er-Jahre, und freut sich über die eindrückliche Schauspielkunst einerseits und Natürlichkeit andererseits der Hauptdarstellerin Björk. Dieses wahnsinnig berührende Lied von Björk und Peter Stormare, im Rhythmus des vorbeifahrenden Zuges, DAS ist ganz großes Kino der Gefühle.
     
  • KIRMES von Wolfgang Staudte – Wow, was für ein depressives Stückchen Zeitgeschichte! Unter http://dirtypictures.phpbb8.de/deutschtumelei-f30/kirmes-wolfgang-staudte-t10783.html? gibt es hier im Forum mehrere ganz hervorragende Inhaltsangaben und Besprechungen, deswegen möchte ich einfach nur festhalten dass ich dieses fast vergessene Stück Zelluloid für einen der ganz wichtigen und vor allem einen der besten deutschen Filme halte. Staudte hält den Finger genau auf die Wunde, dort wo es am meisten schmerzt. Wie er den nahtlosen Übergang zwischen Altnazi und modernem Staatsbedienstetem einerseits, und zwischen verängstigtem und verdrängendem Normalbürger andererseits darstellt, das ist Weltklasse. Dabei verurteilt er nie, und niemals lässt er seine Charaktere alleine. Immer weckt er Verständnis, wenn einer mit Todesangst das eigene Leben über das der anderen stellt, wie es nur allzu menschlich ist. Die Entlarvung der perfiden Maschinerie, dass unter Androhung des eigenes Todes jeder zum Verräter wird, diese Entlarvung gelingt ihm mit ganz einfachen Mitteln, und doch zeigt er gleichzeitig auf, dass deswegen der Begriff „Schuld“ nicht so ohne weiteres vergeben werden kann. Durch die Identifizierung mit den ganz normalen Menschen (um einen Begriff aus der entsprechenden Literatur zu verwenden) fragt sich der Zuschauer immer wie er selber handeln würde, und kommt doch nie auf eine andere Antwort als die, welche der Film gibt. KIRMES hätte sowohl als Film wie auch als Zeitdokument längst eine würdige Veröffentlichung verdient …
     
  • Und zu SPUREN AUF DEM MOND kann ich im Moment noch nicht viel sagen. Für Italo-Cinema versuche ich eine Besprechung zu schreiben, aber zu komplex und zu schwer fassbar ist der Film, als dass ich da mal eben ein paar Zeilen aus dem Ärmel schütteln kann. Auf jeden Fall hat mich LE ORME schwer beeindruckt, und beim Erstellen der Screenshots bin ich auf viele Hinweise auf den Zustand der Protagonistin gestolpert, ähnlich wie bei FIGHT CLUB die Hinweise auf Tyler Durden eingestreut sind. Die Bilder sind gigantisch, und den Film tät ich wirklich gerne mal im Kino sehen! An dem Tag habe ich jedenfalls keinen weiteren Film mehr gesehen, da haben die Bilder von LE ORME einfach zu viel Eindruck hinterlassen.
     
  • Das Gegenstück zu diesen umwerfenden Filmerlebnissen war dann PATE DER BRONX, mein erster Nicht-Western-Fidani. Eine verdammt langwierige und –weilige Geschichte um einen Bandenkrieg und einen Leibwächter der seinen Boss verehrt, und nach dessen Tod die Bodenhaftung verliert und Rache an allem und jedem nimmt. Vollkommen sinnlos hintereinander gemetzelte Szenen, unterlegt mit partout überhaupt nicht passendem Jazz, und Schauspielern die vollkommen überflüssig verheizt werden. So schlecht macht der türkische Hauptdarsteller Reza Beyk Imanverdi seine Sache wirklich nicht, und mit der Statur und der Hackfresse hätte er im italienische Genrekino wahrscheinlich einiges reißen können. Stattdessen schaut er der Tochter des Bosses beim Rollschuhlaufen zu, begutachtet gefühlt minutenlang den ersten Kartoffelchip seines Lebens und gibt den guten Vater, der alle 8 Monate seine Tochter für 5 Sekunden besucht. Überhaupt sind auch die anderen Darsteller gar nicht so schlecht, aber wer mit Jazz nichts anfangen kann (ich hasse Jazz) sollte um den Streifen einen gaaaaaaaaaanz weiten Bogen machen, denn Lallo Gori haut uns hier fast permanent ein aufdringliches Jazz-Stakkato um die Ohren, und die Synchro zieht den Film zusätzlich um einiges runter. Diese Inszenierung, dieser Schnitt, diese Kulissen, Gott der Gerechten …

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Auch die Sache mit der Freundin ging weiter, wenngleich auch nicht in Richtung „klassischer“ Genrefilm. Stattdessen gab es den von mir sehr geschätzten BUTTERFLY EFFECT von Eric Bress: Als Jugendlicher hängt Evan mit einigen ziemlich … schwierigen Typen ab und baut in Folge verdammt große Scheiße, die das Leben aller Beteiligten grundlegend prägt. Jetzt, als abgeschlossener Student, entdeckt er eine Möglichkeit in die Zeit zurückzureisen und manche Dinge zu … begradigen. Was er erst lernen muss ist, dass wenn man wohlwollend an einem Schräubchen dreht, alle anderen Elemente des Räderwerks ebenfalls verändert werden. Und nicht zwangsläufig zum Guten.
Ganz ehrlich, ich liebe diesen Film! Wer immer denkt er kann zurück reisen und Gott spielen, indem er Adolf Hitler umbringt, oder seinen eigenen Großvater oder wenauchimmer, hier bekommt er die Antwort als verschachtelten und intelligenten Thriller um die Ohren gehauen. Zurückgehen und den pädophilen Vater der Geliebten erschrecken und alles ist gut? Scheissndreck, da spielen noch andere Variablen mit, und alle wollen bedacht werden, und manche Variablen (Sprich: Charaktere) geraten bei einer unbedachten Veränderung verdammt übel aus dem Lot. Klar, der Plot ist hinten und vorn löchrig wie ein Wurmloch, aber das ist bei Zeitreisegeschichten meistens so. Scheiß drauf, BUTTERFLY EFFECT unterhält erstklassig und lässt so manche vergangene Entscheidung im eigenen Leben in einem neuen Licht erscheinen. Ashton Kutcher macht seine Sache wirklich richtig gut, und der Film hat bei der mittlerweile vierten Sichtung noch kein bisschen verloren. Der Freundin gefiel es auch sehr gut!
 
Und nachdem besagte Freundin neulich von SIEBEN so gerockt wurde, gab es dieses Mal FIGHT CLUB, David Finchers grandiose Abrechnung mit dem Selbstbild des (amerikanischen) Mannes und seiner daraus folgenden Flucht in den schmutzigen Käfig. Für mich war es die Zweitsichtung (tatsächlich erst), und der Film ist wie BUTTERFLY EFFECT kein bisschen gealtert. Inzwischen sehe ich die Hinweise auf die Existenz Tyler Durdens natürlich schon genauer als beim ersten Mal, aber sowohl filmisch wie auch inhaltlich ist FIGHT CLUB nach wie vor eine Tour de Force allererster Kajüte. Ein paar sehr unangenehme Wahrheiten, gigantische schauspielerische Leistungen, cineastisch ziemlich Over-the-Top, und fertig ist der Klassiker. Der Freundin hast es leider nicht so gefallen, ihr war es etwa zu holprig, aber ich für meinen Teil bin froh den Streifen endlich mal wieder gesehen zu haben.

Und genauso wie der FIGHT CLUB ist STIRB LANGSAM 2 kaum gealtert und rockt die Hütte immer noch so wie damals. Eigentlich ist der Film sogar noch besser geworden: Bruce Willis’ Frisur ist der Brüller, verglichen mit heute … Nein im Ernst, im hab mir den Flick im Zuge eines VHS-Upgrades angeschaut und habe keine Sekunde bereut. Die Action ist immer noch geil, die Schauspieler sind immer noch gerne gesehen, und Manfred Lehmanns Sprüche sind immer noch wundervoll. Und wie gehabt ist alles ein klein wenig schwächer als im ersten Teil. Trotzdem hochgradig spaßig!

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Und sonst?

  • Sergio Corbuccis FAHRT ZUR HÖLLE, IHR HALUNKEN kannte ich bislang nur auf VHS, um 18 Minuten gekürzt. Sprich, ich hab diesmal einen ganz neuen Film gesehen! Die Story selber ist dabei nicht unbedingt neu: Loner Hud will Rache nehmen für seinen gelynchten Bruder und stößt dabei in Spießertown in ein Wespennest. Aber was für eine Umsetzung, meine Herren. Die Welt ist ein Dreckloch, und nur der persönliche Vorteil und das Geld zählen. Vor allem die letzte halbe Stunde, die Abrechnung in Arschlochhausen, wenn Corbucci die nackten Städter durch den Dreck kriechen lässt, Geld verbrennt, einem weiblichen Charakter ganz schrecklich mitgespielt wird und die Hippies die Sau raus lassen, diese halbe Stunde hat es so richtig in sich und Corbucci kotzt sich die Zivilisationskritik so richtig raus. Ansonsten ist der Film einfach ein saustarker Italo-Western mit vielen Lieblingsschauspielern (Hallyday, Moschin, Adorf, Fabian) und mauer Musik. Riesig!!
     
  • Nick Love hat uns FOOTBALL FACTORY geschenkt, er hat uns THE BUSINESS geschenkt, und mir hat er nun auch OUTLAW geschenkt. Die Kritiken im Netz sind äußerst verhalten, aber mir persönlich hat er sehr gut gefallen: Der Kriegsveteran Bryant kommt aus dem Irak wieder und erkennt England nicht wieder. Überall nur Verbrechen und Verzweiflung. Er lernt den frustrierten Wachmann Hillier kennen und über ihn ein paar andere arme Schweine, denen übel mitgespielt wurde und die bisher nicht die Traute hatten sich zu wehren. Aber damit soll jetzt Schluss sein! Ab sofort wird zurückgeschlagen!!
    Düster, wahnsinnig düster das Teil. Und sehr realistisch. Die Wackelkamera und der Videolook erweckten den Anschein der direkten und schmutzigen Realität, und dadurch konnte zumindest ich sehr tief in den Film sinken. Außerdem ist er 100%-ig humorlos! Und gerade der Vorwurf, dass OUTLAW kein durchinszenierter Selbstjustizthriller ist, sondern sich in den unentschlossenen Charakteren verzettelt, gerade das ist die Stärke des Films. Nämlich nicht Durchschnittsbürger zu zeigen die sich von heute auf morgen zu kleinen Paul Kerseys wandeln, sondern die erst in ihre neue Rolle hineinwachsen müssen, und die damit lange Zeit nicht klarkommen sich mittels Gewalt zu äußern, ähnlich wie Kevin Bacon in dem starken DEATH SENTENCE von James Wan. Punktabzug gibt es für das Wildwest-Ende, dafür ist im Gegenzug der Score sehr stark. Als ob Moby und Raison d’Être gemeinsam einen draufmachen würden. Mir als jemandem, der sich auch nicht wehren kann, hat der Film verdammt gut gefallen. Gerade weil er realistisch, humorlos und düster ist …
     
  • SPIEL MIT DEM TODE – Ray Milland als Kriminalredakteur muss einen Verdächtigen suchen für einen Mord, den sein Chef begangen hat. Das heißt, der Zeuge wird vom Mörder beauftragt, Beweismittel für die eigene Schuld zu sammeln. Letzten Endes muss er also sich selbst suchen, stattdessen ist er bemüht Beweise für seine Unschuld zu sammeln. Ein Klassiker der schwarzen Serie, auch wenn er letzten Endes eigentlich gar nicht richtig „schwarz“ ist. Aber spannend ist er, sauspannend. Ein Kriminalfilm der altmodischen (im Sinne von: erstklassig inszenierten) Sorte. Allein was die Hauptdarsteller Ray Milland und Charles Laughton abliefern ist erstklassig, und die Geschichte steigert sich von Minute zu Minute. Spannungskino par excellence!
     
  • DER EWIGE GÄRTNER von dem von mir sehr verehrten Fernando Meirelles hat mich auch in der zweiten Sichtung gefesselt, erschüttert, fasziniert. Der Film beginnt damit, dass sich der untergeordnete Diplomat Justin Quayle in Kenia von seiner Frau Tessa verabschiedet. Als nächstes sieht man ein einer sehr ruhigen Sequenz einen auf der Seite liegenden Jeep, ein Rad das sich dreht, und der Zuschauer weiß genau was passiert ist. Ganz ohne Action, ganz ohne Explosionen … In einer langen Rückblende erfahren wir wie Justin und Tessa sich kennengelernt haben, und dann gleitet der Film langsam zu dem unpolitischen und pflanzenliebenden Justin, der nun versucht herauszufinden was seine Frau eigentlich gemacht hat. Was er dabei erfährt ist ziemlich schockierend, und für ihn vor allem auch lebensgefährlich. Dabei verändert sich der Charakter Justins, und gleichzeitig ändert sich auch der Stil des Films, werden die zunehmende Lebensgefahr und die wachsende Ernsthaftigkeit Justins auch in hektischem Schnitt und kühleren Bildern dargestellt. Aber dabei bleibt der Film immer ruhig, und unter dieser Oberfläche verbirgt sich geschickt ein hochexplosiver und spannender Thriller, der sich nicht scheut die Praktiken des menschenverachtenden Kapitalismus deutlich zu zeigen. Ralph Fiennes spielt hinreißend, und dann ist das ganze auch noch in wunderschöne Naturbilder aus Kenia eingebettet. Ein herausragender Film für alle, die intelligente und gleichzeitig spannende Unterhaltung zu schätzen wissen.

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Und weil das Lied einfach nur wunderschön ist. Und weil Björk so eine tolle Sängerin ist. Und weil Peter Stormare sich trotzdem traut zu singen. Und weil ich jedesmal, wenn sie singt „… to be honest I really don’t care“ einen Kloß im Hals habe:

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Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 02.10.2016 19:37 
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Sehr interessant, was Du da über den mir noch unbekannten Film Only Lovers Left Alive berichtet hast.
Ich denke, der ist somit auch was für mich und werde ihn dann später beizeiten sehen.

Und Dancer In The Dark ist auch kein einfacher Film. Lars von Trier wurde erst ab diesen Film für mich von größeren Interesse, denn seine vorigen reinen Dogmafilme sind nicht mein Fall, da mußte ich passen. Dancer... sehe ich schon gar nicht mehr als Dogmafilm an, weil der im Grunde schon anders ist. Du erwähntest, das es zur Katastrophe kommt, weil das ersparte Geld von Selma weg ist. Für Selma in der Tat eine Katastrophe/auch menschliche Katastrophe, in dessen Verlauf es zu Handlungen kommt, die dann zum Ende des Films hin, zusätzlich psychologisch brutal wird. Je nach Zuschauer, können dessen Empfindungen, Gefühle etc. hier ganz schön in den Abgrund geworfen werden, weil man hilflos Zeuge dieses Geschehens wird. Die Musik hat es auch insich und Björk hat hier einige wunderbare Stücke beigesteuert :) , so auch das, was Du von YouTube reingesetzt hast.

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 03.10.2016 18:13 
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Aber gib acht bei ONLY LOVERS LEFT ALIVE: Der ist von Jim Jarmusch, und man sollte mit seinen Filmen auch was anfangen können. Für mich war STRANGER THAN PARADISE vor 30 Jahren eine Offenbarung, und so etwas ähnliches sollte auch bei OLLA erwartet werden. Schweigsame und coole Charaktere, die für schweigsame Coolness und die Musik leben und für nichts anderes. Na, OK, und für Blut ...
Du wirst bestimmt berichten ;) Einstweilen ein außerordentliches Stück aus dem genialen Soundtrack, der bei mir mittlerweile wirklich fast jeden Tag läuft:

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Tja, und der Lars macht es einem wirklich nicht leicht. Aber gerade die von Dir angesprochene Gefühlstiefe ist es bei DANCER IN THE DARK, die den Film zu so einem Erlebnis werden lässt. Die Inszenierung Selmas als unglaublich liebenswerter Kerl ist perfekt, und umso mehr wirft der Diebstahl des Geldes und die darauf folgenden Ereignisse dann den Zuschauer aus der Bahn. Alle Charaktere wirken ... echt, zum Anfassen nah, und fast könnte man meinen Peter Stormare zu sehen wenn man aus dem Fenster schaut. Und dann wieder diese herrlichen künstlichen Tanzszenen, die so wunderbar verrückt sind und gerade zum Ende hin den Zuschauer in eine Achterbahn aus tiefer Verzweiflung und überschäumender Freude werfen. Was für ein Film! Und ich hab mich so lange davor gedrückt den anzuschauen, weil ich Angst hatte dass er zu kopflastig ist ...

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 02.11.2016 19:46 
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Im Oktober war das große und spannende Event natürlich das Italo-Cinema-Festival in Nürnberg. Wie ich an anderer Stelle schon geschrieben hatte war es ein sehr schönes und entspanntes Festival, dem das Ausbleiben der großen Besucherströme auf jeden Fall gut getan hat. Die Atmosphäre war angenehm und geradezu familiär, und man konnte sich prima mit alten und neuen Bekannten unterhalten. Vielen lieben Dank nochmals an dieser Stelle an Andreas und Konni von Italo-Cinema und an alle hilfreichen Heinzelmännchen, die dieses wunderbare und relaxte Wochenende ermöglichten!

Die Filmauswahl war jetzt vielleicht einen winzigen Ticken zu 80er-lastig, aber sie war gut, hat Spaß gemacht beim Zuschauen, und sie war abwechslungsreich. Und es gab zwei aufregende Entdeckungen:
  • DIE HEISSEN ENGEL von Tonino Cervi – Susy und Angela lernen sich bei einem improvisierten Schmuckdiebstahl kennen und sind sich auf Anhieb sympathisch. Gemeinsam lässt man sich dadurch die Nacht treiben, versucht zusammen mit dem Taxifahrer Vito den Ring zu verticken, hat zu viert(!) Sex im Taxi, lernt ruppige Transvestiten kennen, erlebt die Verkommenheit der Reichen am eigenen Leib, und ist trotz der ein oder anderen Differenz letzten Endes einfach ein Herz und eine Seele.
    Was für ein herrlicher Samstagnachmittag-Film. Zusammen mit zwei wunderschönen Frauen durch die Nacht von Mailand schweben und Abenteuer erleben. Kein besonderer Spannungsaufbau und keine irrwitzigen Eskapaden, keine Probleme und vor allem auch keine scheußlichen Situationen. Stattdessen einfaches Ent-Spannungskino der italienischen Art mit einem ungeheuren Flair. Nicht jede Szene hat ein perfektes Timing, und das Product Placement von Claudio Simonetti grenzt an Unverschämtheit, aber was soll’s? Ich war nicht der einzige, der mit einem sanften Lächeln aus dem Saal rausging und sich an einem sonnigen und kalten Samstagnachmittag plötzlich gefühlt hat wie in einer lauen Sommernacht in der Lombardei.
     
  • VENUS IM PELZ von Massimo Dallamano – Severin ist ein gut aussehender, eleganter und reicher Mann, der im Leben alles haben kann was er will. Theoretisch, denn eigentlich will er nur eines: Von der Frau seines Herzens gedemütigt werden. Allerdings nach seinen eigenen Vorstellungen, die Angebetete hat da etwas andere Vorstellungen …
    Als ob Franz Antel und Renato Polselli ROLLY ROYCE BABY verfilmen würden: VENUS IM PELZ beginnt so kitschig-verträumt wie DAS SCHLOSS AM WÖRTHERSEE, und wird mit wachsender Laufzeit immer düsterer und schwerer, ohne dabei aber den Witz und die Leichtigkeit zu verlieren. Severins Obsessionen werden immer mit dem gebührenden Humor präsentiert, und doch könnte man fast Mitleid mit ihm haben, wenn er von seiner Geliebten so schmählich verachtet wird. Dallamano hat einen perfekt ausbalancierten Film zwischen Humor und Ernst, zwischen Groteske und BDSM-Drama, zwischen Erotik und Kitsch geschaffen. Und eines kann ich euch nach dem Genuß(!) dieses Filmes versichern: Das Breitwandformat wurde einzig und allein für Laura Antonelli erfunden!
    Und dass mir die OFDB gestern mitgeteilt hat, dass VENUS IM PELZ auf DVD nicht mehr verfügbar ist, das ist ein bitterer Schlag …

Nicht auf dem Festival zu sehen war SINGAPORE SLING von Nikos Nikolaidis - Was zur Hölle war das? Mumie fickt Tochter. Tochter bläst Mutter. Mutter fickt Gefangenen. Gefangener kommuniziert mittels Kniechen-Näschen-Öhrchen-Spiel aus dem Laurel & Hardy-Film FRA DIAVOLO. Und wir reden hier definitiv nicht von einem Porno, ganz im Gegenteil. Das sind immer nur Momentaufnahmen, der Film hat noch erheblich mehr zu bieten. So versteht sich SINGAPORE SLING als Referenz auf Otto Premingers LAURA, weswegen auch die wunderschöne Musik aus diesem Film recht häufig zu hören ist. Außerdem ist Jess Francos EXORCISME dabei, DAS GROSSE FRESSEN, FOOD EXZESSE, WAY OUT WEST (erneut Laurel & Hardy), ein Film wie beispielsweise TAKE FIVE von Alex D, und zum Schluss werden auf gekonnte und elegante Weise auch noch klassische Gialli zitiert. Dabei regnet es permanent und es ist Nacht.
Das letzte Mal, dass ich fast 2 Stunden mit offenem Mund vor einem Film saß, war mutmaßlich bei Renato Polselli und bei Sergio Bergonzelli. Wer mit den beiden etwas anfangen kann sollte hier unbedingt mal genauer hinschauen, so einen abgedrehten Wahnsinn habe ich seit schätzungsweise IN THE FOLDS OF THE FLESH nicht mehr gesehen. Auf jeden Fall ist das seit langer langer Zeit mal wieder ein neuer 10/10-Film, der mich völlig geplättet zurückgelassen hat.

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Ähnlich grotesk wie SINGAPORE SLING, nur auf andere Art: DIE UNGLAUBLICHE REISE IN EINEM VERRÜCKTEN FLUGZEUG, die ultimative Parodie auf alle Flugzeug-Katastrophenfilme. Tja, was soll ich sagen? Dialoge wie „Der Mann ist krank, er muss sofort in ein Krankenhaus.“ „Was ist es?“ „Ein großes Gebäude mit vielen Patienten, aber das ist jetzt nicht wichtig.“ , oder „Meinen Sie das ernst?“ „Natürlich meine ich das. Und nennen Sie mich nie wieder Ernst.“ sind längst in meinen alltäglichen Wortschatz übergegangen, und mit Captain Over, dem Funker Clarence und dem Kopiloten Roger lache ich genauso Tränen wie vor 20 Jahren. Ein absoluter Klassiker, immer noch! Over. Häh?

ELEMENTARTEILCHEN von Oskar Roehler tut man wahrscheinlich lieben oder hassen – Ich für meinen Teil liebe ihn. Die Geschichte erzählt von den beiden Brüder Bruno und Michael: Der eine versucht verzweifelt mit dem Leben und seiner Sexsucht klarzukommen („Ich bin jetzt 40 Jahre alt und wichse immer noch.“) und trifft die Liebe seines Lebens, der andere ist Forscher, untersucht die Möglichkeiten der Fortpflanzung ohne Sex, und besucht das Mädchen das ihn in der Jugend vergöttert hat.
Mein Gott, wie sehr kann ich in diesen Film abtauchen. Gerade Bruno ist so nah bei mir, dass mir jedes Mal am Ende die Tränen aus den Augen schießen. Andere kritisieren wahrscheinlich die hohlen Charaktere und die künstlichen Dialoge, ich hingegen finde gerade die Figuren in ihrer vorgegebenen Flugbahn unglaublich lebensnah. Elementarteilchen war der zweite Roman von Michel Houellebecq der mich mitten ins Herz traf. Danach habe ich mir keinen mehr gekauft, mehr hätte ich nicht mehr ertragen. Aber wie gesagt, man kann diesen Film (und Houellebecqs Bücher) auch abgrundtief hassen, da hätte ich vollstes Verständnis für. Das ist wie bei HERR LEHMANN – Ich habe mich in dem Film wiedergefunden, andere stehen da wahrscheinlich verständnislos daneben. Kommt halt immer auf den eigenen Lebensentwurf an, gelle …

DEEP END zum Beispiel. Der Film von Jerzy Skolimowski war für mich die Enttäuschung des Monats. Nicht weil der Film schlecht war, auf keinen Fall, und wahrscheinlich bin ich einfach mit völlig falschen Erwartungen rangegangen bin, aber letzten Endes hat mich der Film halt schlicht und ergreifend nicht angesprochen. Die Geschichte um den jungen Michael, der in einem Schwimmbad arbeitet, von älteren Damen angebaggert wird, und der anhand seiner attraktiven Kollegin Susan Sexualität, Obsession und seinen Hang zum extremen Stalking entdeckt, die Geschichte ist sicher gut, und die Bilder sind sicher toll, und die Schauspieler sind sicher erstklassig, und die Musik von The Can und Cat Stevens groovt sicher ganz toll … Aber ich konnte mich in diesem Film einfach nicht wiederfinden. Da war praktisch nichts mit dem ich etwas anfangen konnte, und das anfängliche Unwohlsein schlug schnell um in weitgehendes Desinteresse. Erst der Schluss hat mir wieder mehr gefallen, da waren auch die grafischen Ideen sehr schön. Coming-of-Age-Dramen sind in den seltensten Fällen was für mich, was sich hier halt mal wieder bestätigt hat. Pech gehabt …

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Dafür in sehr hohem Maße angesprochen hat mich Massimo Dallamanos DER TOD TRÄGT SCHWARZES LEDER, der diesen Monat veröffentlicht wurde, und bei dem ich nach vielen Jahren endlich die Zweitsichtung durchgeführt habe. Was für ein Monster von Film! Ein Killer geht um und räumt unter den Teilnehmern eines Minderjährigen-Prostituiertenrings auf. Der Kommissar muss zum einen den Mörder finden, und zum anderen auch noch den Callgirlring ausheben. Ein düsterer und erschlagender Hybrid zwischen Giallo und Poliziottescho, der aufzeigt, dass das Leben in der norditalienischen Provinz auch ganz schön aus den Fugen gehen kann, da muss man gar nicht immer nach Mailand oder Neapel schielen. Auch in Brescia geht der Teufel um, und ihm bei der Ernte zuzusehen ist mehr als lohnend. Eine wunderbare Veröffentlichung von Camera Obscura, und einer der stärksten Filme die ich dieses Jahr gesehen habe.

Und a propos Teufel und Klassiker: Zu DIE STUNDE WENN DRACULA KOMMT muss ich jetzt nicht wirklich was sagen, oder? Mir persönlich ist die Koch Media-Ausgabe tatsächlich etwas zu dunkel, weswegen ich die e-m-s-DVD auf jeden Fall behalte, aber ein wunderschönes Rundum-Paket ist die Edition allemal, und sie macht auch verdammt Lust auf die nächsten Ausgaben. Der Film? Barbara Steele in ihrer wahrscheinlich schönsten und ikonischsten Rolle, und Bilder, die direkt von James Whale abgeschaut scheinen. Gotischer Horror wie er perfekter nicht machbar ist. Ein schwarzromantischer Traum …!

Teufel und Klassiker Teil 2: STEINER – DAS EISERNE KREUZ hatte ich vor ewigen Jahren mal im Fernsehen gesehen. Jetzt gab es die Zweitsichtung auf Blu-ray, und der Film hat bei mir ziemlich eingeschlagen. Die Geschichte um den Feldwebel Steiner, der während des Rückzugs an der Ostfront an den eingebildeten Feigling Stransky gerät und von diesem in die Hölle geschickt wird ist genau so düster und bildgewaltig wie ich es mag. OK, ein paar Mal hat Peckinpah nicht widerstehen können und hat etwas unschöne Krieg-ist-ein-Spiel-für-Buddies-Bilder eingebaut. Aber im Großen und Ganzen zielt er genau dahin wo es wehtut: Ein Film über das sinnentleerte und schmerzhafte Verrecken im Namen eines weit entfernten Oberidioten. Die Scheibe sollte man den derzeitigen Kriegstreibern in Osteuropa in ihre verfickten Schnauzen stecken und dann ganz kräftig zuschlagen (so wie in HOOLIGANS, wenn ihr wisst was ich meine).

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Zu Singapore Sling gibt es einen Trailer, der den Film perfekt beschreibt:

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Und seitdem ich den Film gesehen habe geht mir dieses Liedlein im Kopf herum. SINGAPORE SLING hat diese schwüle und lüsterne Ausstrahlung. Ein heißer und sündiger Film. Was von der Ausstrahlung her irgendwie perfekt zum Film passt …

www.youtube.com Video From : www.youtube.com

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 02.12.2016 16:26 
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Irgendwie zeigte sich der November gefühlt wie ein Monat des Mittelmaßes. Wenig wirkliche Highlights, wenig richtige Aussetzer, und die Masse war einfach durchschnittlich und so grau wie der Blick gerade aus dem Fenster. Mal etwas besser (Eckhart Schmidts DER FAN) mal etwas weniger besser (Frank Wisbars DIE UNBEKANNTE), aber eben wenig wirklich Herausragendes, gleich in welche Richtung. Zumindest vom Eindruck her …

Eher ein wenig unterhalb der Erwartung lief THE LEGEND OF GINGKO 2: THE GINKO BED. Die etwas … eigene Mischung aus Wuxia, Fantasy, Liebesdrama und irgendwas Undefinierbarem krankte bei mir wahrscheinlich schon an der schlechten Bildqualität (gesehen wurde die Normal-VÖ von e-m-s), und Wuxia ist ja auch nicht so wirklich mein Ding. Dabei ist die Grundidee um das Bett, in dem die Seele einer schönen Frau eingeschlossen ist, eigentlich recht nett. Aber die Umsetzung empfand ich oft als merkwürdig unentschieden, und die Settings, von denen ich viel Gutes gelesen hatte (im Sinne von gotisch und ausdruckstark und beeindruckend), gingen leider im miesen Bild unter, in dem viele Details und auch viel Stimmung verschluckt wurden. War halt einfach nicht meines, und trotzdem gab es von mir noch 4 von 10 Bettlaken, weil soooo schlecht war es dann ja nun auch wieder nicht. Ich weiß nicht, ist schwer zu beschreiben: Die Figuren waren so furchtbar platt, und der pöse pöse Zauberer war dermaßen beschränkt in seiner einseitigen „Ich-liebe-seit-35000-Jahren-nur-diese-eine-Frau-und-sonst-gar-keine“-Sicht, dass ich mehrmals den schweren Verdacht hatte dass die Zielgruppe des Films mindestens 30 Jahre jünger sein muss als ich es bin. Ein paar Mal hatte ich das Gefühl, dass er (der Zauberer) gleich mit dem Fuß aufstampft und Ich will ich willl ich will sagt. Vor allem die Liebesgeschichte(n) hat mich reichlich genervt, seitdem ich glücklich verliebt bin spricht mich sowas anscheinend gar nicht mehr an. Auf der anderen Seite dann diese herrlich abgedrehte Mischung aus Realfilm, Zeichentrick und CGIs, die schon Spaß macht und vernünftig unterhält. Wahrscheinlich fände ich den Streifen besser wenn das Bild besser wäre. Aber so bleibt es halt leicht unterdurchschnittlich.

Absolut überdurchschnittlich hingegen ist SLEEPERS von Barry Levinson – Ich weiß gar nicht wie oft ich den schon gesehen habe, es dürfte langsam in Richtung zweistellig gehen. Und mit meinem Hang zu düsteren und komplexen Filmen ist der natürlich genau richtig: Die Geschichte um einen aus dem Ruder laufenden Streich im heißen Sommer des Jahres 1967, bei dem sich das Leben von vier Freunden sehr nachdrücklich und sehr bitter ändert, diese Geschichte trifft mich immer noch mit voller Wucht und beschäftigt mich oft noch wochenlang nach dem Film. Häufig grüble ich über das tatsächliche Leben der Protagonisten nach, über die verpassten Möglichkeiten, über die Erlebnisse und die Schmerzen. Was sehen Sie, wenn Sie im Dunklen allein sind, und die Dämonen kommen?
SLEEPERS hat eine dunkle und spannende Geschichte, und SLEEPERS hat vor allem bis in die Nebenrollen gigantische Schauspieler. Dustin Hoffman als versoffener Rechtsanwalt, der erst nach und nach merkt was da eigentlich passiert und welche Rolle er spielt. Der Vater von Shanks, der bei einem Besuch des Sohns in erster Linie das Problem hat wo die Frau mit dem Hühnchen bleibt, dem Sohn überhaupt nicht zuhört und nur in seiner Selbstgerechtheit schwelgt. Und so viele andere. Der fette Shopbesitzer. Vittorio Gassmann als Herrscher des Viertels. Und und und … Vor allem die Kinderdarsteller sind extrem beeindruckend! Einer meiner 10 von 10-Filme. Kein schöner Film, aber ein guter Film. Einer von denen, die sich in das Gedächtnis einbrennen und einen verfolgen.

Ebenfalls ein potentieller Kandidat für das Thema „Ins Gedächtnis einbrennen“ ist auch DIE FRAUEN VON STEPFORD von Bryan Forbes, also die 1975er-Verfilmung. Drauf gekommen bin ich durch einen älteren Artikel in der SI, in dem es um Paranoia-Kino ging: In der kleinen Stadt Stepford ist alles so wie der Herr der Schöpfung es sich wünscht. Die Frauen sind putzwütig, kochen gerne, sind immer adrett gekleidet, und bezeichnen ihren langweiligen Gatten als erotisches Geschenk des Himmels. Joanna kommt frisch aus New York und kann gemeinsam mit ihrer ebenfalls frisch zugezogenen Freundin Bobby beim Aufbau eines Frauenclubs überhaupt keinen Erfolg einfahren. Irgendwann schwant den beiden dass hier etwas nicht stimmt, dass hier so etwas wie eine Art Gehirnwäsche abläuft. Als die Hippie-eske Bobby eines Tages adrett gekleidet die Küche putzt wird Joana klar, dass sie die nächste ist. Doch die Wahrheit ist noch schrecklicher …
Nein, ich kannte den tatsächlich noch nicht. Und ja, mit solchen Themen kann man mich fesseln. Eine geniale Mischung aus Science Fiction-Thriller, chauvinistischem Horror und Zeitgeistgefühl, oder bezweifelt irgendjemand ernsthaft, dass im Jahre 1975 die Emanzipation der Frauen weltweit wirklich immer gern gesehen war? Die schöne neue Welt in Stepford ist ein böses und grimmiges Spiel mit der möglichen Realität und fesselt wirklich. Ich befürchte halt nur, dass auf dieser Welt noch viel zu viele (männliche) Arschlöcher rumlaufen für die Stepford auch heute noch eine Traumwelt wäre.

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Was ich schon kannte, aber mit ganz neuen Augen gesehen habe, war Lucio Fulcis Spätwestern VERDAMMT ZU LEBEN – VERDAMMT ZU STERBEN, den ich diesen Monat das erste Mal in der ungeschnittenen Fassung gesehen habe. Wow, was für ein Monster von Film! Diese Bilder, diese Stimmung … Die Geschichte der vier sympathischen Looser, die einer apokalyptischen Mordnacht entkommen, nur um dem Teufel in die Finger zu fallen, ist gigantisch. Tomas Milian ist das personifizierte Böse, und Fabio Testi kann als Berufsspieler, der scheinbar das erste Mal mit dem wirklichen Leben in Kontakt kommt, mühelos mithalten. Am meisten liebe ich die Szene in Altaville, einer abgelegenen und tief verschneiten Stadt in der es nur Männer gibt, und in der Bunny ihr Kind zur Welt bringt. Ein Lichtblick in einer finsteren Welt, ein Hoffnungsschimmer in einer Umgebung die sich ausschließlich durch Gewalt definiert, und Leben in einer Welt die vom Tod regiert wird. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle, mitten in einem sehr harten Western.

Auch schon gekannt habe ich DEAD MAN RUNNING von Alex B. Rakoff, der bei der Zweitsichtung immer noch genauso war gut wie beim ersten Mal. Nick (Tamer Hassan) steht beim Kredithai Thigo (Curtis Jackson -> 50 Cent) arg in der Kreide. Und dieser entscheidet ein Exempel zu statuieren und gibt Nick 24 Stunden Zeit 100.000 Pfund zurückzuzahlen, sonst muss Nicks Mama dran glauben. Zusammen mit Kumpel Bing (Danny Dyer) versucht Nick das Unmögliche. Er ist ein Toter der gegen die Zeit rennt.
Klar ist da eine Menge Guy Ritchie drin, und klar ist das alles irgendwo schon mal durchgekaut worden. Aber hey, das Team Tamer Hassan/Danny Dyer war schon in FOOTBALL FACTORY klasse, und in THE BUSINESS mindestens obercool, wenn nicht sogar mehr. Als Shrekhead und Nuckybear rocken die beiden hier die Straßen von London und Manchester dass es nur so kracht. Allerdings nicht mit oberflächlicher und unaufhörlicher Action, sondern mit starken Dialogen, coolem Gehabe und der groovigsten Mutter seit Kathleen Turners SERIAL MOM. Im Ernst, der Film ist wirklich stark, und hält die Balance zwischen Humor und Gewalt überraschend leicht und perfekt. Kein megaharter Gangsterflick im FOOTSOLDIER-Stil, sondern eine verdammt unterhaltsame und immer hart am Irrsinn kratzende Tour de Force durch eine lange und kalte britische Nacht.

Ihr kennt das sicher, ab und zu kommt dann der Gedanke hoch, dass man vielleicht noch nicht alles, aber schon verdammt vieles gesehen hat. Und manchmal flasht einen ein Film dann völlig unerwartet so richtig, und man fragt sich nur was man da all die Jahre verpasst hat. NUMBER 23 von Joel Schumacher hat mich ziemlich durchgerüttelt. Ja, ich habe schon vor 20 Jahren die Illuminati-Romane verschlungen, und ja, ich bin ein sogenannter Verschwörungstheoretiker (weswegen ich mir den Film auch ausgeliehen habe). Aber NUMBER 23 benutzt die Zahl nur als Aufhänger für einen Psychothriller der visuell überwältigenden Art. Ausgehend von der Echtzeit (Walter verfällt durch ein Buch der Magie der Numerologie) öffnet sich ein Fenster in eine literarische Welt (der harte Detective Fingerling in einem Hardboiled-Kosmos voll schöner und wilder Frauen) und von dort in die Vergangenheit des Buchhelden (Warum starb Witwe Dobkins?). Die Effekte, wenn die Kamera/der Computer durch die Kindheit des Helden fliegt und sich Geschichte um Geschichte und Erzählebene um Erzählebene öffnet, alles ineinander fließt, nur um am Ende wieder in der Realität(?) zu landen, das ist gigantisch gemacht, und muss im Kino eine unglaubliche Achterbahnfahrt sein. Wie eine Zusammenfassung der ersten 4 AKTE X-Staffeln im Unwahrscheinlichkeitsdrive, und der Zuschauer weiß manchmal nicht wo er sich gerade befindet: In der Wirklichkeit, im Buch oder in einem Traum. Leider entschließt sich Schumacher für ein Mainstream-Ende und eine schwache Auflösung. Mit dem Erfolg, dass die Mainstream-Zuschauer wahrscheinlich mit den ersten zwei Dritteln überfordert sind, und die Fans von abgefahrenem Zeug das letzte Drittel Scheiße finden. Na ja, was will man von einem Joel Schumacher schon groß erwarten. Ich tät gern ein Remake von Christopher Nolan sehen … Aber bis dahin hat der Film einige der verdammt geilsten Bilder zu bieten die ich dieses Jahr gesehen habe!
Allerdings muss ich im Nachhinein Bretzelburgers OFDB-Kritik Recht geben, in der er schreibt „technisch sauber, ordentlich gespielt, aber nichts für eine lange Erinnerung“. Tatsächlich bleiben die Bilder seltsamerweise nicht in Erinnerung, und ich muss, ein paar Tage nach der Sichtung, die obige Aussage etwas zurücknehmen. MEMENTO, an den NUMBER 23 des öfteren erinnert, ist definitiv stärker und bleibt länger haften. Aber Spaß gemacht hat er beim Sehen(!) trotzdem.

Wo ich mir noch nicht sicher bin ob er haften bleibt ist DER SCHLITZER von Ruggero Deodato. Den muss ich auf jeden Fall erstmal verdauen, zu zwiespältig sind die Eindrücke. Diese Mischung aus harten Gewaltbildern, unterlegt mit süßlich-romantischer Trällermusik, die hatte mich in NACKT UND ZERFLEISCHT schon so angesprochen. Die Zurschaustellung nackter und ansehlicher Frauenkörper spricht den Schmuddelfreund in mir an, Lorraine de Selle ist sowieso in sehr hohem Maße ansprechend, und David Hess beim Schauspiel zuzusehen ist ein Erlebnis wie man es selten hat.
Auf der anderen Seite ist da dieses unschöne Gefühl, welches etwa aufkommt wenn Cindy in Großaufnahme gefoltert wird, und durch die geniale Kameraführung der Zuschauer die Schmerzen quasi selbst erlebt. Oder das siebenminütige Martyrium eines der Protagonisten gegen Ende. Ein faszinierender Film, der den Zuschauer durch einfachste Mittel manipuliert und zwischen extremen Gefühlslagen hin- und herwirft. Ricky erscheint im Laufe des Films immer weniger als schlechter Kerl, und zeitweise empfindet man sogar für Alex etwas Sympathie – soweit bringt einen Deodato, dass man an Alex’ Gefühlen teilnimmt und seinen Schmerz und seine Erniedrigung spürt. Oder ist das jetzt übertrieben? Ich sag ja, ein zwiespältiger Film, der aber auf jeden Fall herausragend ist in seiner Umsetzung. Ein klaustrophobisches und abgründiges Kammerspiel, das an der Psyche des Zuschauers saugt und nagt wie eine Ratte an einem Stückchen Aas, und damit in jedem Fall ein herausragendes Stückchen Kino.

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Und sonst?
  • ZERO TOLERANCE – ZEUGEN IN ANGST – Ich mag Thriller und Krimis. Hab ich schon immer. Was für andere Horrorfilme sind, das sind für mich Polizei- und Gangsterfilme. Die klassischen Schemata, die man auch aus den italienischen Produktionen kennt, wie etwa „Verdächtiger muss seine eigene Unschuld beweisen“ oder „Polizist ermittelt trotz Suspendierung“, sind für mich beste Unterhaltung. Bei ZERO TOLERANCE werden diese beiden Topoi zusammengezogen: Unschuldiger Polizist türmt aus dem Knast um den wahren Täter zu überführen. Und Scheiße ist der Film spannend! Nach den ersten 12 Minuten hab ich erstmal eine Pause benötigt – selten einen Polizeieinsatz gesehen der so aus dem Ruder gelaufen ist. Und während ich noch Parallelen zu DIRTY HARRY gezogen habe, so von wegen Bulle der das Gesetz in die eigenen Hände nimmt und Gangster der so tut als ob er vom Bullen zusammengeschlagen wurde, läuft die Story in eine ganz eigene Richtung weiter und überrollt mich mit immer neuen Ideen. Natürlich ist da jetzt nichts wirklich Neues dabei, aber die Aufmachung, die hervorragenden Schauspieler (hier agierten diejenigen Schauspieler, die ich in den schwachen A-Team-Verfilmungen der Arne Dahl-Romane gerne gesehen hätte), das winterlich-kalte Setting … Ich bin begeistert! Mehr Johan Falk muss her!!
     
  • THE ESCAPIST von Gillies MacKinnon hat mich nach den eher verhaltenen Kritiken im Internet sehr überrascht. Dennis hat alles was man sich wünscht: Eine schöne und hochschwangere Frau, einen tollen Job, ein wunderschönes Haus. Doch eines Tages kommt Ricky und nimmt ihm in einem Akt der Gewalt alles fort. Zwar wird Ricky in ein Hochsicherheitsgefängnis eingewiesen, aber das ist Dennis nicht genug. Er täuscht daraufhin seinen Selbstmord vor, demoliert als Namenloser einen Polizeiwagen um ins Gefängnis zu kommen, und versucht durch fortlaufende Fluchtversuche aus ursprünglich sieben Tagen Knast irgendwann ein Insasse des Hochsicherheitsgefängnisses zu werden. Und sich an Ricky zu rächen.
    Düsterer, und für das Sujet oft überraschend leiser Rachthriller, der in einer bemerkenswerten Aussage resümiert: „Auge um Auge macht alle blind.“ Die Gewaltszenen sind recht zurückhaltend und spielen sich eher im Kopf des Zuschauers ab, und Jonny Lee Miller ist mit dem völlig zerrissenen und zerstörten Dennis fast überfordert. Aber die Inszenierung passt perfekt, Andy Serkis ist als mieses Schwein Ricky genial, und überhaupt ist der Film einfach ein dunkler Trip in die Abgründe zerstörter Menschen. Passt!

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Nicht so genial wie erwartet, aber auf jeden Fall ein Tipp für jeden der es etwas anders mag: A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT. Arash lebt in einer fast völlig entvölkerten Wüstenstadt. Er hat Probleme mit seinem drogenabhängigen Vater und mit dem Dealer Saeed, der ihm seinen Ford Thunderbird wegnimmt. Eines Nachts trifft er auf ein Mädchen – Eine Vampirin, die Nacht für Nacht in einen Tschador gewandet auf einem Skateboard durch die Straßen rollt. Er verliebt sich in das Mädchen und sie ist ihm auch nicht so ganz abgeneigt.
Wer die Filme von Jim Jarmusch mag sollte hier unbedingt mal hinschauen. Lakonische Schwarzweiss-Bilder, die von ihrer Stimmung und schweigsamen und coolen Menschen(?) leben und mit passender cooler Musik untermalt werden. Ein James Dean-Verschnitt, der vor dem nächtlich-dampfenden Elektrizitätswerk an einen Ford Thunderbird gelehnt auf ein Mädchen im Tschador wartet. Straßen aus Dunkelheit, in denen ein unheimliches Wesen urplötzlich vor oder hinter einem einsamen Spaziergänger materialisiert, gerade am äußersten Rand der Beleuchtung. Unglaublich stylische Bilder, die im Großformat an jede Wand gehören. Im Kino muss der Film eine Wucht sein, auf DVD offenbart er leider erzählerisch die ein oder andere Länge. Aber insgesamt ein lohnender Film der wenigen Worte, der vielsagenden Blicke und der (nochmal) coolen Pose. Eine lässige Mixtur aus Jim Jarmusch mit einem Spritzer David Lynch (und einer Prise Ennio Morricone!):

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Und passend zu obigem Zitat sowie zur düsteren Grundstimmung der Filme, ein Gassenhauer aus längst untergegangenen Zeiten:

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 02.01.2017 11:16 
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Weihnachten liegt mir nicht. Ich kann niemand leiden, und mich kann auch niemand leiden. Und weil Weihnachten doof ist, gab es dieses Jahr den ultimativen Weihnachtsfilm. Nein, nicht STIRB LANGSAM, sondern DAS LEBEN DES BRIAN. Ich hab den ewig nicht mehr gesehen gehabt, aber er funktioniert immer noch und ist immer noch saulustig. Wir hatten jedenfalls alle Spaß und konnten das Weihnachtsgschmarri recht gut hinter uns bringen. Und weil der Abend noch jung war gab es im Double Feature hintendran gleich noch DIE RITTER DER KOKOSNUSS. Der ist ganz leicht gealtert, vor allem in Bezug auf die gelegentlich etwas gezwungen lustige Synchro, aber ich schmeisse mich bei beiden Filmen immer noch genauso weg wie vor 30 Jahren. Und meine Freundin, die KOKOSNUSS noch nicht kannte, war auch voll dabei, und kennt jetzt den Unterschied zwischen afrikanischen und europäischen Schwalben.

Auch sehr schön zu Weihnachten gepasst hat DER GLÖCKNER VON NOTRE-DAME, natürlich die Verfilmung von 1939 von William Dieterle, mit Charles Laughton und Maureen O’Hara. Ich liebe diesen Film sehr, und bin da auch emotional meist sehr … mitgenommen. Diesmal nicht so, ich war über die Qualität meiner Uralt-DVD von Arthaus ziemlich entsetzt. Ich sehe gerade dass es eine Blu-ray gibt, die muss her!
Aber so oder so ist der Film grandios!! Ein Fest für Sinne und Gefühle, ein Film der das Herz anspricht und dabei nach über 75 Jahren immer noch packend ist. Da gibt es eine Szene, in der Quasimodo an den Schandpfahl angekettet ist und Esmeralda ihm Wasser gibt. Er schämt sich aber seiner früheren Nachstellung und versucht sich von ihr wegzudrehen. Sie aber ist hartnäckig und träufelt Wasser in seinen Mund. Daraufhin gibt er nach, schaut sie an, erkennt ihre innere und äußere Schönheit und verliebt sich in sie. Eine ziemlich lange Szene, kaum Schnitte, und ganz ohne Worte. Nur Blicke werden ausgetauscht. So intensiv, so gefühlvoll. Hach, ich liebe diesen Film. Erwähnte ich das schon? Einer meiner All-Time-Top-5 …

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Fast genauso berührt hat mich Vittorio de Sicas FAHRADDIEBE, den ich das erste Mal gesehen habe. Der Plakatkleber Antonio sucht sein gestohlenes Fahrrad, ohne welches er arbeitslos wäre. Was für eine schöne und anrührende Geschichte, die trotz aller Einfachheit so tief geht. Außerdem eine Zeitreise in eine untergegangene Zeit. Nun ja, fast. Die Armut, die im Film gezeigt wird, gibt es auch heute noch in rauhen Mengen, und die Verzweiflung ebenfalls. Das Verdienst des Films ist es, dies zu zeigen, ohne dabei jemals moralisch zu werden, und die hauchdünne Schneide zwischen Anspruch und Unterhaltung exakt zu treffen. Ganz ganz großes Kino!

Ebenfalls ein Maulwurfsblockbuster geworden, und zwar aus dem Stand heraus, ist der Film mit dem der Monat begonnen hatte: Tinto Brass’ CALIGULA. Was bin ich geplättet worden! Klar, CALIGULA polarisiert in ganz hohem Maße. Die einen vermissen tiefgreifende Charakterstudien und ausgefeilte politische Analysen, die andern bemängeln die Abwesenheit von Handlung, und die dritten stellen fest, dass dieser Film die absolute Quintessenz eines Films über das antike Rom ist. Ich persönlich stimme letzterem zu: Keine sauberen Menschen, die in blitzblanker Umgebung kluge Worte sprechen und höflich zueinander sind, sondern der Beginn des Untergangs in Form von Dekadenz, Blutrausch, hemmungslosem Sex und unbedingtem Egoismus. Wer sagt da unrealistisch? Na dann lest mal die aktuelle Tageszeitung, da sieht man genau das gleiche, nur nicht so schön verpackt. Die Bilder von CALIGULA fordern zum atemlosen Staunen auf und lassen den Zuschauer in ihrer gigantischen und pompösen Schönheit alles vergessen. Klar, so richtig viel passiert nicht, zumindest nicht im Sinne von Action und Rumstata. Aber diese Flut von atmosphärischen und eindrucksvollen Bildern fegt jegliche gelegentlich aufkommende Länge weg wie nichts. Gigantisch! In jeder Hinsicht!

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Viel war es sonst nicht, auch diesen Monat hat sich das meiste im Mittelmaß bewegt, außer THE NEON DEMON, den hab ich nach 48 Minuten ausgeschaltet weil es gar nimmer ging. Was für ein Unfug: Anämische Jungschauspielerinnen starren seelenlos entweder den Kameramann oder sich gegenseitig an, mordsmäßig symbolische Bilder werden mit Null Story verknüpft, und die einzigen interessanten Figuren innerhalb dieser Dreiviertelstunde waren Keanu Reeves und sein Buddy, um die herum ich viel lieber einen Film gesehen hätte. Wahrscheinlich soll die Künstlichkeit dieser Modewelt mit Hilfe eines künstlich wirkenden Films gezeigt werden, aber ich hab mich einfach nur gelangweilt. In Großbuchstaben. Was für eine Enttäuschung! Nur (großartiger) Style, null Substance, und da schaue ich mir lieber VALHALLA RISING nochmal an, der hat erheblich mehr zu bieten. Oder den ersten PUSHER ..

Auch sehr viel zu bieten hat OSCAR von Èdouard Molinaro. M. Martin möchte die Tochter seines Chefs M. Barnier heiraten. Aus diesem Grund bittet er zuerst um eine Gehaltserhöhung (für den Lebensstandard), dann um die Hand, und als Mitgift bietet er an, das von M. Barnier geklaute Geld in Form von Juwelen zurückzugeben. Problem No. 1: Die Tochter, Jacqueline, ist gar nicht Barniers Tochter, aber das weiß M. Martin natürlich nicht. Problem No 2: Die echte Tochter, Colette, tut so als ob sie schwanger ist, um heiraten und von Zuhause ausziehen zu können. Problem No. 3: M. Barnier ist erheblich gewiefter als M. Martin, durchschaut beide Schwindel bald, und versucht nun die Juwelen zu bekommen, seine echte Tochter standesgemäß zu verheiraten, die falsche Tochter ebenfalls (denn diese dauert ihn), und das von M. Martin heute früh(!) geklaute Bargeld ebenfalls in seine Hände zu bekommen. Und sich nebenbei auch noch massieren zu lassen …
Alles klar? de Funès’ bester und irrwitzigster, dabei aber nicht unbedingt hektischster Film. Gefilmt wie ein Theaterstück an einem einzigen Schauplatz mit unendlich vielen Nebenbühnen, drehen hier alle Beteiligten so richtig am Rad. Die Höhepunkte neben der grandiosen „Pickel, Pickel, Pickel“-Szene sind de Funès’ Spiel in der ersten halben Stunde, wo er sein schauspielerisches Talent zeigt, und Mario David als ausgesprochen begriffsstutziger Masseur, dessen Hauptaufgabe es zu sein scheint, Büstenhalter aus Koffern zu ziehen. Wer hier kein Hirnsausen kriegt, dem ist nicht zu helfen. Und dabei ist das alles nicht so hoffnungslos überdreht wie etwa HASCH MICH, ICH BIN DER MÖRDER, sondern man hat (gelegentlich) noch Zeit zum Verschnaufen. DAS Meisterwerk de Funès’schen Humors!

Und natürlich LORD OF WAR – HÄNDLER DES TODES von Andrew Niccol - Yuri Orlov will raus aus Little Odessa. Ein Zufall lässt ihn Waffenhändler werden. Der Film zeigt, wie Yuri zum mächtigsten Waffenhändler der Welt wird, seine Traumfrau, das russischstämmige Fotomodel aus der Nachbarschaft, heiratet, und zum Ende – nicht alles, aber zumindest seinen Reichtum und seine Macht (sic!) behält. Und weiterhin munter miteinander verfeindete Kriegsparteien mit Waffen beliefert.

„Waffenstillstand? Friedensverhandlungen? Was denn, die Waffen sind doch noch unterwegs. Schon gut, ich lasse die Lieferung auf den Balkan umleiten. Wenn die sagen sie machen Krieg, dann stehen die auch zu ihrem Wort.“
Oder auch: „Jeder zwölfte Mensch auf der Erde hat eine Waffe. Daraus resultiert die Frage: Wie bewaffnet man die anderen elf?“
Ein bitterer Film und oft bedrückender Film, der leider verdammt realistisch sein dürfte. Beginnend mit dem Weg einer Patrone aus deren Sicht, von der Herstellung bis hin zum Ende in einem afrikanischen Kinderkopf, bis hin zum bösen bösen Ende (man vergleiche diesbezüglich das Ende von Frédéric Schoendoerffers AGENTS SECRETS – IM FADENKREUZ DES TODES) bietet der Film keine schönen Bilder dieser Welt, eingepackt in ziemlich schöne Bilder des Grauens und des Todes. Ganz ehrlich, die Möglichkeit, widerliche Dinge wie Kindersoldaten in solch überragenden Aufnahmen zu zeigen, das ist verdammt großes Kino. Und auch wenn Yuris kleiner Bruder manchmal recht böse übertreibt, sorgt seine Figur doch immerhin dafür dass man ab und zu mal ein wenig Luft rauslassen kann, bevor man unter der Bosheit des Gesamtbildes zu zerbrechen droht. Hervorragendes Kino das zeigt, dass „intelligentes Blockbuster-Kino“ nicht zwingend ein Paradoxon sein muss.

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Begonnen hat das Filmjahr 2016 mit STRASSE ZUM JENSEITS von Barry Shear, der mir ganz außerordentlich gefiel, und geendet hat es mit dem guten GET THE GRINGO von Adrian Grunberg. In ersterem versuchen Anthony Quinn und Yaphet Kotto in den Straßen von New York in einem sich anbahnendem Krieg zwischen der Mafia und den Gangs aus Harlem nicht zerrieben zu werden, in letzterem hat Mel Gibson ein ähnliches Problem in einem Knast in Tijuana. Dazwischen lagen ein Haufen Filme aus unzähligen Genres:

  • Vom Porno (Brad Armstrongs MAKIN’ IT - CINDY WILL ES WISSEN, eher schwach, da hab ich von Armstrong schon besseres gesehen),
  • über Western (DREI PISTOLEN GEGEN CESARE ist ja wohl ein Überflieger, BLEIGERICHT hingegen war der nichtssagendste Western 2016),
  • bis zum Kriegsfilm (DIE BRÜCKE VON ARNHEIM - etwas lang, aber sehr beeindruckend und mit einem richtig bösen Ende).
  • Vom Samuraifilm (AM TOTENFLUSS, der zweite Teil der Lone Wolf and Cub-Serie, der mich aber nicht wirklich mitreißen konnte)
  • bis zum modernen Hongkong-Thriller (POLICE STORY: BACK FOR LAW hat außerordentlich Spaß gemacht und war genau so düster wie ich es mag).
  • Einige spannende (SIE TÖTETE IN EKSTASE), weniger spannende (OASE DER ZOMBIES) und obskure (EL HOTEL DE LOS LIGUES, eine recht lustige Sex-Komödie die stellenweise teilweise tatsächlich recht sexy ist) Sachen von Jess Franco,
  • und natürlich viel europäische Genreware aus den 60ern und 70ern (MALIZIA, EIN MANN AUF DEN KNIEN, LORELEY’S GRASP, und und und …).

Mit allem Drum und Dran waren es 289 Filme, davon 49 mit einer 9er- oder 10er-Bewertung, was ich als ordentliches Verhältnis betrachte. 3 absolut geile Neuentdeckungen waren dabei: SINGAPORE SLING von Nikos Nikolaidis, PRISONERS von Denis Villeneuve und CALIGULA von Tinto Brass waren diejenigen Filme, wo ich nach der Sichtung ein paar Tage Pause brauchte um das Gesehene zu verarbeiten. Und die schlimmsten Langweiler des Jahres waren PATE DER BRONX von Demofilo Fidani, HOLOCAUST 2 – THE MEMORIES, DELIRIUM AND THE VENDETTA, PART TWO von Angelo Pannaciò und UNLUCKY MONKEYS von Sabu. Aber ich denk mir halt immer, wenn man es nicht gesehen hat kann man es nicht wissen. SINGAPORE SLING war von der Wirkung her sowas ähnliches wie der erste LSD-Ausflug, aber auch das muss man eben austesten.

Nächstes Jahr wird es sicher etwas weniger, zum einen muss ich erheblich mehr auf die Finanzen achten, und zum anderen werde ich sicher nicht ganz so viel Zeit haben wie 2016. Aber gute Geschichten erzählt zu bekommen ist und bleibt wichtig für mich, egal in welcher Form. Allen hier einen guten Start ins Neue Jahr, und ich freue mich auf das Italowestern-Festival im März und das Kultkino im Juni. Und wer weiß, vielleicht erlebt ja auch das Italo-Cinema-Festival eine Neuauflage. Schön wär’s!!

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Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 02.02.2017 09:09 
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Ich habe schon vor Jahren meine Bewertungsskala mit Texten versehen, damit ich zum Beispiel zwischen einer 6/10 und einer 7/10 auch wirklich unterscheiden kann (das wäre in diesem Beispiel „Zwiespältig/Ganz gut“ bzw. „Gut“). Schließlich denkt man sich nach einem Film oft genug dass der gut war. Oder ganz nett. Oder richtig gut. 8/10 heißt bei mir „Richtig gut“, aber – Wann ist ein Film eigentlich richtig gut?
Ich erlebe es oft, dass ich den Film in der OFDB nach dem Sehen mit einer 7/10 bewerte, aber einen oder zwei Tage später eine 8/10 daraus mache. Oft beschäftigt mich der Film noch, ich denke darüber nach, oder die Bilder lassen mich einfach nicht los. Oder, was diesen Monat ein paar Mal vorgekommen ist, ich mag die Stimmung des Films, und verbringe mehrere Tage mit angenehmen Gedanken an ganz bestimmte Filmbilder.

ELIZABETH von Shakhar Kapur ist so ein Film. Damals hab ich ihn im Kino gesehen (und war schwer beeindruckt), und dank der Krake habe ich jetzt endlich von VHS auf Blu-ray geupgradet (schreibt man das so?). Die Geschichte der frühen Jahre der Königin Elisabeth I. von England ist in wunderschönen und rauschhaften Bildern umgesetzt und mit Schauspielern garniert, die diese Bezeichnung auch mehr als verdienen. Vor allem aber ist es diese besondere Stimmung die so reinknallt, diese Mischung aus sinnenfrohen Festen, ständiger Lebensbedrohung durch irgendwelche Intrigen, und bedingungsloser Unterwerfung unter Kirche und Herrscher. Kapur baut da ein Realo-Märchen zusammen, in welches man sich bei aller Grausamkeit gerne hineinträumt und darin umherwandert, mit Elisabeth eine schwungvolle Volta tanzt, hautnah der Folterung eines Verräters beiwohnt oder der erotischen Ausstrahlung einer französischen Milf erliegt. Kostümkino mit Anspruch und Sinnlichkeit, mit Niveau und hohem Unterhaltungswert. Dieser Film ist richtig gut.

Das gleiche gilt für Sean Penns DAS VERSPRECHEN, die US-amerikanische Umsetzung des Dürrenmatt-Klassikers. Ja, ich weiß, ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG hat Rühmann und Fröbe und ist auch wirklich gut. Aber die Penn-Verfilmung hat etwas, was der Film von 1958 nicht hat: Er trifft den Ton der Erzählung! Der Film ist von vorne bis hinten düster und hat einen verzweifelt-traurigen Unterton, der in den entsetzlich bedrückenden Schlussbildern kulminiert, die Ladislao Vajda vor knapp 60 Jahren halt einfach noch nicht umsetzen durfte. Jack Nicholson spielt fast somnambul und wirkt manchmal wie auf Valium, aber er lässt es als pensionierter Detective auf der Jagd nach einem Kindermörder einfach rollen und schaut wohin die Reise geht. DAS VERSPRECHEN ist ein völlig ein völlig unterbewertetes dunkles Drama, das den Zuschauer noch einige Zeit beschäftigen kann. Richtig gut, gewissermaßen …

Und nochmal ist mir das diesen Monat mit William Friedkins CRUSING passiert, der Geschichte um den ambitionierten jungen Cop, der undercover eine Mordserie im schwulen SM-Milieu New Yorks aufklären soll und dabei eine Transformation ungewissen Ausgangs durchläuft. Die gesehenen Bilder, die Stimmung der in jeder Hinsicht dunklen Stadt, die Entwicklung des Cops, das hat mich alles zutiefst beeindruckt. Ich kannte den Film vorher noch nicht, und auch wenn ich des Öfteren an SERPICO denken musste (wo Al Pacino genauso grandios spielt), war ich wie bei diesem völlig hin und weg. Auch jetzt, mit etwas Abstand, beschäftigt mich CRUISING von den drei genannten Filmen immer noch am meisten. Es gibt nicht mal etwas was ich hier herausheben könnte, der Film ist einfach perfekt komponiert. Eben richtig gut …

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Die drei oben angeführten Filme hab ich im Abstand weniger Tage hintereinander gesehen, und im Nachhinein stelle ich fest dass alle drei etwas gemeinsam haben: Sie sind düster, und sie haben keine Actionszenen. Ebenfalls düster, aber mit erstklassiger Action versehen, sind DIE PURPURNEN FLÜSSE. Alter Cop und junger Cop schießen eine Zwangsehe um einen psychopatischen Massenmörder an einer alpin gelegenen Elite-Uni zu entlarven. Der Film zieht mich heute immer noch so in seinen Bann wie zu seiner Entstehungszeit, und auch der Schluss ist immer noch so Scheiße wie früher. Aber die fulminante Schwarzmalerei, die eindrückliche Kameraarbeit und die Lieblingsschauspieler sind einfach genau das, was ich von einem modernen französischen Noir erwarte: Grandios!

Und düster zum fünften: Es war eine lange Woche, ein Scheißtag, und ich bin erst spät abends heimgekommen und wollte mich einfach nur noch unterhalten. Am Besten was mit Zombies, vielen Toten, und einer Menge Spaß. Die fast logische Konsequenz: ARMEE DER FINSTERNIS von Sam Raimi wurde diesen Monat ebenfalls von VHS auf BD geupgradet, und hat mir dann diesen Abend so richtig in trockene Tücher gerettet. Allein was da alles in den Bildern drinsteckt, wie viele Anspielungen auf andere Filmklassiker, Bruce Campbell rockt sowieso, und der Streifen ist einfach nur geil. Im Sinne von purer, nackter Unterhaltung.

Nackte Unterhaltung gab es in BANGKOK PORNO ebenfalls, allerdings vom anderen Ende der Bewertungsfahnenstange. Der soll von Alain Payet sein? Niemals, da ist mindestens so viel Erwin C. Dietrich drin wie in meiner Filmsammlung. Die Grundstory um den Trottel Aloysius Dunbar, der in Bangkok als Sexsymbol läuft und von absolut jeder Frau im Handumdrehen vernascht wird, wobei er selber aber eigentlich nur seinen Koffer sucht, die Story ist ja noch ganz nett, aber dass der Hauptdarsteller Gabriel Coez in einem Porno keine einzige HC-Szene selber gedreht hat, das hat zusammen mit dem Umstand, dass er ausschaut wie eine Mischung aus Thomas Gottschalk und Gerard Depardieu, den Unterhaltungswert ziemlich gedämpft. Gurke des Monats!
(Wenn es um eine HC-Komödie geht schau ich mir lieber PHALO CREST von Jess Franco an, in dem das Geheimnis gelüftet wird, warum der Wein von Phalo Crest so aphrodisierend wirkt. Sehr sexy, oft lustig, und mit ansprechenden Damen und Herren garniert taugt der auf jeden Fall mehr als dieser Bangkok-Quatsch …)

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Bleiben noch diejenigen Filme, die mich den Monat über alle Maßen gerockt haben:
  • Alan Parkers ANGEL HEART habe ich mit meiner Freundin zusammen angeschaut, und wir waren beide nachhaltig beeindruckt. Ich, weil der Film in der vierten Sichtung kein bisschen Spannung verloren hat, und die Freundin weil sie sowas noch nicht kannte. Der Privatdetektiv Harry Angel wird beauftragt einen früheren Schlagersänger zu suchen, und seine Reise führt ihn tief in die blutigen und schwarzen Abgründe der Menschen und seiner selbst. Grafisch und schauspielerisch immer noch eines der absoluten Highlights aus über 100 Jahre Filmgeschichte.
     
  • DIE WELLE von Dennis Gansel ist kein Genrefilm, und man könnte leicht dazu neigen ihm einen gewissen Hang zum erhobenen Zeigefinger zu unterstellen: Der Lehrer Rainer möchte seinen Schülern zeigen wie schnell und einfach eine Diktatur etabliert werden kann, und dass beim richtigen Vorgehen auch fast alle begeistert mitmachen. Das Experiment, im wirklichen Leben in Kalifornien 1967 durchgeführt, läuft allerdings viel eigenständiger als Rainer sich das vorgestellt hat. Jede Volksgruppe wird hier durch einen Schüler dargestellt: Der Opportunist, der Mitläufer, der Protestierer, derjenige der plötzlich einen Lebensinhalt gefunden hat, und auch eine Sophie Scholl wird gefunden. Das Typecasting ist phänomenal (nicht nur Jürgen Vogel ist wie immer gigantisch, auch die Darsteller der Schüler sind erschreckend lebensecht), und auch wenn ab und zu das Rad ein klein wenig überdreht wird ergibt das Zusammenspiel aller Komponenten einen bitterbösen und gruseligen Gegenwartsfilm. Nix zum Wohlfühlen, aber zum Nachdenken …
     
  • SAN BABILA hab ich nun auch endlich mal gesehen. Hier haben die Schüler aus DIE WELLE ihre Initiation hinter sich gelassen und sind quasi in der Ausbildung zum ordnungsgemäßen Neo-Faschisten. Der Film zeigt einen Tag im Leben dieser Typen, der mit der ganz alltäglichen Menschenverachtung, Arroganz und Dummheit angefüllt ist, der solchen Gestalten nun mal immanent ist. Ich kann gar nicht hervorheben was mich hier am Meisten geplättet hat: Die Charaktere, die Handlung, die Atmosphäre, der Schluss … Ein Meisterwerk des italienischen Polit-Kinos, das (genauso wie DIE WELLE) an den Schulen gezeigt und analysiert werden sollte.
     
  • A propos Charaktere, Handlung, Atmosphäre: ARSEN UND SPITZENHÄUBCHEN, einer meiner All-Time-Top-5, war nach längerer Zeit mal wieder dabei. Tja, was soll man dazu sagen? Der Heiratsmuffel der plötzlich heiratet und am gleichen Tag entdeckt dass seine lieben Tantchen Massenmörderinnen sind. Der eine Bruder der sich für Theodore Roosevelt hält, der andere Bruder der ausschaut wie der Schauspieler in dem Gruselfilm letzte Woche im Kino, und der mit dem Auslöschen von Menschenleben genauso sorgfältig vorgeht wie die süßen Tantchen. Der Cop der so gerne Theaterstücke schreiben möchte. Dr. Einstein als Meister der Gesichtsoperation. Und ein Cary Grant wie er nie wieder besser war. Unbedingt die Synchronisation von 1962 sehen, die ist frischer und lebendiger als die von 1957, und Ottokar Runze passt auf Cary Grant wie die klitzekleine Prise Zyankali in den Wein.
     
  • KOPFJAGD – PREIS DER ANGST von Yves Boisset ist ein Film, zu dem mir überhaupt nichts einfällt. Der mich leer und geplättet zurücklässt, ohne dass ich dazu etwas sagen könnte. Nicht weil er merkwürdig oder gar schlecht wäre, ganz im Gegenteil, sondern weil er mich völlig aussaugt, die leere Maulwurfshülle anschließend ausspuckt und sich dann seines zynischen und gemeinen Sieges freut. Richie Pistilli hat hier eine hervorragende Filmvorstellung verfasst auf die ich verweisen möchte. Flasche leer …
     
  • DIE HÖLLE - INFERNO von Stefan Ruzowitzky läuft derzeit (noch) im Kino: Özge schaut aus dem Fenster und sieht einen Mord. Der Mörder sieht sie. Die Polizei tut nichts für sie, also wartet sie ab. Und als eines Abends der Mörder in ihrem Taxi sitzt und sie umbringen will, muss sie um ihr bisschen Leben kämpfen. Der einzige der ihr helfen könnte ist der zuständige Kommissar Steiner, der sich nebenbei um seinen dementen Vater kümmern muss, und außerdem eigentlich nach ihr fahnden sollte.
    Mein Kollege hat mich gefragt wie der Film gestern war. Ob er gut, war. Ich sage Nein. Der war nicht gut. Der war scheiße geil.
    Fremdenfeindlichkeit. Vorurteile. Kinderschänder. Extremisten mit dem Horizont einer Obstfliege. Menschliche Kommunikation mit dem Habitus einer Stahlkassette. Verachtung und Abwertung von Frauen. Und das alles so nebenbei und trotzdem glaubwürdig (gerade weil nebenbei) in einem rasanten und sauspannendem Action-Thriller, der neben den exquisiten Darstellern (Violetta Schurawlow rules!!) vor allem von seiner Wucht lebt. Die Schläge tun weh, die müden Bilder von Wien fördern die Melancholie, das actionreiche Finale sorgt für 20-minütige Atemnot, und die tiefe innere Befriedigung, wenn der Mörder nach und nach beginnt zu Brei zu werden, ist schon fast peinlich. Plus: Der Film ist dann zu Ende wenn er zu Ende ist! Nicht 2 Minuten später!! Auf die paar Logiklöcher vor allem im Showdown scheiße ich, dafür ist hier einfach viel zu viel Schmackes drin. Geiles Genrekino, wie man es im heutigen Kino leider viel zu selten erleben darf. Unbedingt sehenswert!

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Als Buchtipp möchte ich die Robert Plant-Biographie von Paul Rees anbringen. Das Buch hab ich in 2 Tagen durchgelesen, was bei 350 Seiten zumindest für einen gewissen flüssigen Schreibstil spricht. Es wird der gesamte Werdegang Plants beleuchtet: Von den ersten Cover-Bands in Wolverhampton, über die Zeit als Profi ohne Engagement, die große Karriere mit Led Zeppelin bis zur kompletten Solokarriere. Seine Einflüsse, seine ewige Suche nach neuem Input, sein Hang zu Frauen, alles ist dabei. Auch wenn Rees manchmal sehr schwärmerisch schreibt, und sich vor allem in der Zeppelin-Zeit immer nur in Andeutungen ergeht, macht das Buch auf jeden Fall tierisch Lust sich wieder mit alter Rockmusik zu beschäftigen. Außerdem wird sehr anschaulich beleuchtet wie man in den 60er-Jahren zum Rockstar wurde. Nicht über Castingshows, sondern über Auftritte, Auftritte und Auftritte. Viel Spielen, viel rumkommen, viel üben, und irgendwann das nötige Quentchen Glück haben. Ich höre die Zep-Alben jetzt mit ganz anderen Ohren, und bin auch neugierig geworden auf das ein oder andere Soloalbum. Spannend!

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Und im Urlaub war ich im Bulle von Tölz-Museum in Bad Tölz!
Was es nicht alles gibt … So etwas wie ein (öffentlich bezuschusstes) Filmmuseum sollte man nun auf gar keinen Fall erwarten, aber auf jeden Fall ist es sehr witzig und interessant zu sehen, was zum Beispiel hinter den Kulissen so alles passiert ist. Dass etwa die Stadt Bad Tölz sich lange gewehrt hat gegen die Dreharbeiten, weil ja Korruption und Mord so gar nicht in das heile Image einer Bäderstadt gepasst haben. Es gibt viele Fotos zu sehen, Ausschnitte aus Folgen zu hören, und wenn man ein wenig Glück hat ganz viele zusätzliche Infos von dem sehr netten Menschen der das Museum leitet. Bei mir wurden es die ersten 2 Staffeln auf DVD, die ich mir mitgenommen habe. Wenn man mal in der Gegend ist auf jeden Fall ein netter Ausflug.

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 02.02.2017 12:50 
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Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
ELIZABETH von Shakhar Kapur ist so ein Film. Damals hab ich ihn im Kino gesehen (und war schwer beeindruckt), und dank der Krake habe ich jetzt endlich von VHS auf Blu-ray geupgradet (schreibt man das so?). Die Geschichte der frühen Jahre der Königin Elisabeth I. von England ist in wunderschönen und rauschhaften Bildern umgesetzt und mit Schauspielern garniert, die diese Bezeichnung auch mehr als verdienen. Vor allem aber ist es diese besondere Stimmung die so reinknallt, diese Mischung aus sinnenfrohen Festen, ständiger Lebensbedrohung durch irgendwelche Intrigen, und bedingungsloser Unterwerfung unter Kirche und Herrscher. Kapur baut da ein Realo-Märchen zusammen, in welches man sich bei aller Grausamkeit gerne hineinträumt und darin umherwandert, mit Elisabeth eine schwungvolle Volta tanzt, hautnah der Folterung eines Verräters beiwohnt oder der erotischen Ausstrahlung einer französischen Milf erliegt. Kostümkino mit Anspruch und Sinnlichkeit, mit Niveau und hohem Unterhaltungswert. Dieser Film ist richtig gut.

Einer meiner haushohen Historienfilm-Favoriten bzw. auch Lieblingsfilme, die im historischen England spielen. Man hat hier alles richtig gemacht und hielt sich an historische Begebenheiten. Ich hatte mir letztes Jahr die Bluray bei Saturn gekauft, aber als 2er Disk. Es gibt einen weiteren Film, den ich Dir nur empfehlen kann. Titel: ELIZABETH - DAS GOLDENE KÖNIGREICH. Wieder mit der wunderbaren Cate Blanchett, als Königin und ebenso sieht man Geoffrey Rush wiederholt als Sir Francis Walsingham. Der zweite Film ist dem ersten absolut ebenbürtig. Zwei Ereignisse sind hier von besonderer geschichtlicher Bedeutung. Die Festnahme und spätere Hinrichtung von Maria Stuart und die permanente Bedrohung durch Spanien unter der Regierungszeit von Philp II, der mit seiner Kriegsschiffsflotte (spanische Armada) im Jahre 1588 England erobern und die Königin vom Thron stürzen wollte. Hab den damals ebenso im Kino gesehen, wie Jahre vorher den ersten Film. Beide waren ganz starke Filmerlebnisse im Kino.
Falls Du den zweiten Film nicht kennst, unbedingt nachholen :)

Ich hatte eh vor mir beide Filme an zwei Abenden anzuschauen. Durch Deinen Kurzbericht, hab ich jetzt noch mehr Lust darauf.
Ach ja,... und Cate Blanchett spielt nicht nur Elizabeth, sie ist es einfach. Es kann somit nur eine geben :dh:

Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
Das gleiche gilt für Sean Penns DAS VERSPRECHEN, die US-amerikanische Umsetzung des Dürrenmatt-Klassikers. Ja, ich weiß, ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG hat Rühmann und Fröbe und ist auch wirklich gut. Aber die Penn-Verfilmung hat etwas, was der Film von 1958 nicht hat: Er trifft den Ton der Erzählung! Der Film ist von vorne bis hinten düster und hat einen verzweifelt-traurigen Unterton, der in den entsetzlich bedrückenden Schlussbildern kulminiert, die Ladislao Vajda vor knapp 60 Jahren halt einfach noch nicht umsetzen durfte. Jack Nicholson spielt fast somnambul und wirkt manchmal wie auf Valium, aber er lässt es als pensionierter Detective auf der Jagd nach einem Kindermörder einfach rollen und schaut wohin die Reise geht. DAS VERSPRECHEN ist ein völlig ein völlig unterbewertetes dunkles Drama, das den Zuschauer noch einige Zeit beschäftigen kann. Richtig gut, gewissermaßen …

Der hat mir leider weniger gefallen, trotz des Themas und dem Hauptdarsteller. An ihm lag es nicht, hab den Film auch nur einmal im TV gesehen. Mir fehlte da irgendwas, vermutlich etwas an Dramatik oder ähnlichem. So genau kann ich es nicht mehr definieren.

Mir gefiel hingegen ein anderes Remake besser. TOD IM KALTEN MORGENLICHT, so der Titel dieser niederländisch, britisch, deutschen Koproduktion aus dem Jahre 1995. Hier spielt Richard E. Grant den Inspektor Marek. Der Film ist in gewisser Weise dem alten in etwa ebenbürtig, obwohl ein Gert Fröbe eh nicht zu ersetzen ist, was aber für alle Remakes gilt. Dennoch besticht der Film durch seine durchgehende düstere Atmosphäre, seiner Dramatik und seiner sehr guten Umsetzung. Für mich persönlich, das beste Remake :) Nur zu empfehlen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 03.02.2017 09:04 
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DAS GOLDENE KÖNIGREICH hat mich seltsamerweise nie interessiert, ich hab den immer als Aus-finanziellen-Gründe-gedrehte-Fortsetzung gesehen und nie als wirklich eigenständigen Film angesehen. Aber wenn der ELIZABETH das Wasser reichen kann lasse ich mich gerne überraschen. Ist soeben auf meine Leihliste gewandert.
Genauso wie TOD IM KALTEN MORGENLICHT. Der kommt ja bei der OFDB nicht wirklich gut weg, aber das, sowie Deine Empfehlung, reicht schon um meine Neugierde zu wecken. Die Schauspieler sind mir vollkommen unbekannt, was ebenfalls für die Neugierde spricht. Die Konkurrenz ist halt hoch ;) Ich werde berichten. Auf jeden Fall vielen Dank für die Tipps!

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 02.03.2017 19:53 
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Also rein vom Gefühl her war der Monat Februar ein Alptraum. Filmtechnisch gesehen meine ich. So viel Scheiße auf einem Haufen hab ich schon lange nicht mehr im Player gehabt.

  • LEGEND von Brian Helgeland ist die Geschichte der Brüder Kray, die in den 60er-Jahren vom East End aus versucht haben London unter ihre Kontrolle zu bekommen. Tom Hardy spielt die beiden Brüder Ron und Reggie, und wohlige Erinnerungen an Refns BRONSON steigen auf. Aber ach, Helgeland ist kein Refn, Hardy kopiert seine Bronson'schen Manierismen als Ron und nuschelt ganz furchtbar als Reggie (was dann einen Cockney mit schlecht sitzendem Gebiss darstellen soll), und über ein paar gute Szenen kommt der Film leider gar nicht hinaus. Ein Gangsterfilm mit einer 16er-Freigabe, da sollte man schon vorsichtig drangehen, und richtig: Wenig (blutarme) Gewalt, viel Familienleben, sehr durchwachsenes Zeitkolorit … Fazit: Thema verfehlt!
     
  • Komisch, denn eigentlich weiß Brian Helgeland doch wie es geht: PAYBACK ist so ein richtig geiler Action-Film mit einem Mel Gibson wie er selten cooler war: Porter wird für tot gehalten, weil sein Ex-Partner ihm 70.000 Dollar abgezockt und ihm anschließend eine Menge Blei verpasst hat. Aber Porter lebt. Und er hat schlechte Laune. Und er will seine 70.000. Allerdings ist das so wenig Geld, dass jeder, der mit der Geschichte in Berührung kommt, denkt dass es um mehr geht, und Porter zu immer größeren Geschützen greifen muss um zu seinem Recht bzw. zu seinem Geld zu kommen.
    So funktioniert ein cooler Gangsterfilm! PAYBACK ist hart, schmutzig, düster, brutal, und macht Laune bis zum Anschlag. Dabei hab ich sogar die softere Kinoversion gesehen, den DC schiebe ich gerade noch ein wenig vor mehr. Für schlechtere Zeiten, gewissermaßen. Aber wie Porter in der Stadt abräumt, ohne Rücksicht auf eigene oder fremde Verluste, das muss man gesehen haben. So einen Amoklauf habe ich sehr sehr selten erlebt. Schade halt, dass Helgeland zwischen 1999 und 2014 irgendwie das Filmemachen verlernt zu haben scheint …
     
  • Auch jemand der irgendwann mal vergessen hat wie man Filme macht ist Harold Ramis. THE ICE HARVEST hab ich vor Jahren schon mal nach ein paar Minuten im Fernsehen ausgemacht, weil er schlicht und ergreifend langweilig war: Charlie und Vic erleichtern die Mafia um 2 Millionen, können aber wegen eines Eisregens nicht die Stadt verlassen und müssen sehr sehr vorsichtig auftreten. Die Kritiken im Internet sind ja alle ganz toll, also hab ich dem Streifen eine zweite Chance gegeben. Und was passierte: Der ist ja sowas von oberschweinemegalangweilig, aber hallo! Bis auf die Szene mit dem Mafiakiller im Koffer ist der Film öde öde öde. Kein Witz, kein Esprit, nervige Charaktere … Charlies Buddy kotzt ins Auto anstatt daneben, und das ist dann komisch oder was? Da ist jede Ohrfeigenszene mit Alvaro Vitali heiterer … Na gut, fast jede …
     
  • A propos tolle Kritiken im Internet: INFERNAL AFFAIRS 3 ist laut diverser Netzbesprechungen anscheinend der HK-Polizeifilm vor dem Herrn. Den ersten Teil liebe ich sehr, und den zweiten Teil habe ich letztes Jahr voller Begeisterung erstbejubelt. Dann muss der dritte Teil ja eigentlich die Steigerung sein, oder? Pff, Pustekuchen! Aufgesetzte Nebenhandlungen, künstliche Dramen die zur Geschichte nichts beitragen, angebliche Höhepunkte die in sich zusammenfallen weil die Prämissen, die zu Spannung führen sollen, ganz einfach nicht hinhauen ... Ich schätze mal dass ich den Film einfach nicht verstanden habe, aber ganz ehrlich: Der erste Teil legt dar wie ein guter Polizei- und Gangsterthriller auszusehen hat, der zweite Teil zeigt dass eine Fortsetzung nicht zwangsmäßig Scheiße sein muss sondern mit einem intelligentem Sujet sogar noch gewinnen kann, und der dritte Teil ist dann schlicht und ergreifend die Kapitulation vor der Ideenlosigkeit. Worum es geht? Nun ja, Ming verliert allmählich den Verstand weil er denkt dass Yan noch lebt, und Cops und andere böse Gestalten sind Ming auf der Spur und versuchen sein Doppelleben aufzudecken. Und damit es nicht so fade ist tauchen mit Yan, der sich in seine Psychiaterin verliebt (im ersten Teil, also nachträglich) und Sam längst gestorbene Charaktere auf, die diese Bezeichnung auch verdienen und den Zuschauer so bei der Stange halten. Wer die ersten Teile nicht kennt hat sowieso von vornherein verloren, und zumindest für mich gilt auch hier: Öde öde öde …

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Wie gesagt, vom Gefühl her ein gruseliger Filmmonat. Aber beim Zusammenstellen der Highlights stelle ich dann fest, dass da erheblich mehr war als gedacht. Ganz erheblich mehr!

Das Highlight im Februar war klar TOD IM KALTEN MORGENLICHT – Ein Tipp von Graf Karnstein, dem ich an dieser Stelle herzlich danken möchte für diese Perle! Die Story setze ich jetzt mal als bekannt voraus, immerhin handelt es sich um eine Neuverfilmung* von ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG. Aber die Umsetzung, meine Herrn, diese Umsetzung. Angesiedelt in der osteuropäischen Provinz (mit deutlichen Verweisen auf Serbien) ist der Film sehr düster und dicht, und vor allem eindringlicher als etwa Sean Penns DAS VERSPRECHEN, den ich letzten Monat gesehen hatte. Bereits das erste Drittel, in dem der falsche Verdächtige zur Rechenschaft gezogen werden soll, funktioniert in den Resten einer früheren Diktatur erheblich besser (weil gewalttätiger) als in westlicheren Staaten, und der Druck der dabei aufgebaut wird kann über längere Zeit gehalten werden. OK, der Schluss gefällt mir bei DAS VERSPRECHEN wesentlich besser und geht hier auch deutlich vom Buch weg. Aber in Summe ein finsteres Thrillerdrama mit Topbesetzung und eindrucksvollen Bildern. 9 von 10 sprechenden Hunden sind hier auf jeden Fall drin.

Und auch sonst gab es einiges für die Äuglein:
  • Von 88 Films kam kürzlich SEEDING OF A GHOST von Richard Yeung Kuen, und der hat ordentlich gerockt und war ein ausgesprochener Augenschmaus! Im Wesentlichen erstmal eine Art Rape and Revenge-Movie: Frau wird von mehreren Männern vergewaltigt und böse zugerichtet, überlebt, und nimmt blutig Rache an ihren Peinigern. Das ist der Standard, aber hier kommt die HK-chinesische Variante: Frau wird von mehreren Männern vergewaltigt und getötet, woraufhin der Ehemann einen Schwarzmagier konsultiert. Der holt den Geist der Frau zurück und dieser nimmt dann blutig Rache. Verdammt blutig! Der angeblich gorigste HK-Film aller Zeiten zeigt unter anderem einige geile Einstellungen die mich schwerstens an italienisches Kino erinnerten, eine sehr gekonnte Sexszene zwischen einer Toten und einem Geist, und dermaßen Over-the-Top-Effekte dass der Verdacht nahe liegt, dass die gesamte Crew während der Dreharbeiten permanent auf Speed gewesen sein muss. Ein Effekte- und Gedärmfest für (fast) jede Party und für definitiv alle Go-Turniere.
     
  • MÖRDERLAND von Alberto Rodríguez lag hier auch schon länger rum, und in Zukunft weiß ich wohin ich greifen muss, wenn ich eine stylischen und spannenden Krimi mit leichten Politanleihen sehen will. Im Jahr 1980 werden zwei Polizisten aus Sevilla aufs Land abkommandiert um ein verschwundenes Mädchen zu finden. Schon bald merken sie, dass sie auf der Fährte eines Serienkillers sind. In der ländlichen Umgebung allerdings können sie keinen Schritt machen ohne dass sie nicht irgendwo auffallen. Und die Mauer des Schweigens auf die sie stoßen ist auch nicht wirklich hilfreich. Aber die Zeit drängt, denn auf die beiden werden Anschläge verübt, und bald ist wieder ein junges Mädchen verschwunden …
    Und was jetzt klingt wie die Inhaltsangabe eines US-amerikanischen Fernsehfilms entpuppt sich als dunkler, langsamer und alles verschlingender Mahlstrom, der aus Misstrauen und Gewalt besteht, und der den Zuschauer langsam aber sicher verschlingt und in kleinen Stückchen wieder ausspuckt. Langsam und eindringlich inszeniert und mit sehr starken Landschaftsaufnahmen garniert, sind die wenigen Actionsequenzen umso heftiger in ihrer Wirkung und die Charaktere sehr glaubwürdig und überzeugend eingebunden. Allerhöchste Empfehlung meinerseits!!
     
  • Und wenn wir schon bei den anspruchsvollen Krimis sind: LA DONNA DEL LAGO von Luigi Bazzoni und Franco Rossellini ist definitiv schwere Kost, aber nicht minder gut: Bernard macht Erholungsurlaub in einem Hotel wo er früher schon einmal war, und würde gerne seine Liaison mit dem Zimmermädchen Tilde wiederaufleben lassen. Doch die ist tot: Selbstmord. Angeblich wurde sie mit durchschnittener Kehle gefunden. Bei dem Versuch dieses Rätsel zu lösen gräbt Bernard immer tiefer im Morast der kleinen Stadt und der reichen Familie …
    Giulio Questi hat am Drehbuch mitgearbeitet, und das ist immer ein Garant dafür dass es hier nicht um leichtverdauliche Sonntagnachmittagkost geht. Der Film ist schwer und düster, er schreitet langsam und doch unaufhörlich voran, und hat so gar nichts von der typisch italienischen Leichtigkeit, die man mit Gialli so gerne verbindet. Aber er ist ungemein fesselnd, und erinnert sicher nicht unabsichtlich bereits im Titel an einen Klassiker des Film Noir. Das Labyrinth, in das sich Bernard begibt, ist auf jeden Fall ein suggestives welches, in dem sich problemlos Chandler und Resnais vermischen. Wie gesagt anspruchsvoll, aber lohnend.

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Und ebenfalls lohnend war noch so einiges anderes:
  • Der SCHELLEN-URSLI von Xaver Koller ist eine moderne Verfilmung des Schweizer Kinderbuchklassikers, und nachdem mir der Film vor 2 Jahren im Kino schon so gut gefallen hat gab es jetzt die DVD: Alle Kinder haben eine Glocke, um im März den Winter auszutreiben, und der Ursin hätte eigentlich die größte haben sollen. Aber durch Intrigen des neidischen Krämersohns bleibt für den Ursin jetzt nur die kleinste Schelle übrig. Aber oben, auf der Alp, da hat es noch eine ganz große Glocke, die will der Ursin jetzt holen. Was mitten im Winter keine wirklich gute Idee ist … Freundschaft, Missgunst, ein Leben an der Natur und mit der Natur, und wie man trotz Armut ein wenig die Ehre behalten kann. Einfach nur schön, und für alle die Kinder haben ein absoluter Tipp!
     
  • Womit ein ähnliches Thema berührt wird wie bei Rob Reiners STAND BY ME: Im heißen Sommer des Jahres 1959 läuft das Gerücht um, dass weiter oben am Bahndamm die Leiche eines Jungen aus dem Ort liegen soll. Also machen sich 4 Freunde auf die Leiche zu finden und als Helden dazustehen. Ein leiser und berührender Film über wahre Freundschaft und wahren Mut. Genauso wie der SCHELLEN-URSLI ein Film für’s Herz!
     
  • Weniger für’s Herz als vielmehr für das Zwerchfell ist FRANKENSTEIN JUNIOR. Die wenigsten Filme von Mel Brooks sind gut gealtert, dieser allerdings funktioniert immer noch. Frederick Fronkensteen kommt zurück auf das Schloss seines Ahnherrn, wo er neben Igor (dem von der Nordwand) und der attraktiven Assistentin Inga auch die Unterlagen über die Erschaffung von Menschen findet. Das Blut kocht in ihm (vor allem wenn er Inga sieht) und der Wunsch Leben zu erschaffen (ohne Ingas Hilfe) wird übermächtig.
    Marty Feldman ist gigantisch, Fr. Blücher (wiiiieher) ebenfalls und die Liebesschwüre von Fronkensteens Verlobter Elizabeth gehören grundsätzlich in das Vokabular Frischverliebter. Mit viel Herz(!) und Liebe gemacht. Der Film, meine ich. Und wer das Original von James Whale mag, kann hier kaum etwas verkehrt machen.

 
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Und als Tipp möchte ich unbedingt Julian Temple’s Film THE FUTURE IS UNWRITTEN anbringen, die Dokumentation über den Ex-Clash-Frontmann Joe Strummer. Ein geniales Dokument aus einer wilden, kreativen und explosiven Zeit. Spielfilmfetzen (vieles aus der 1954’er Version von 1984 mit Peter Cushing), Liveaufnahmen, zeitgenössische Nachrichten, Stimmungsbilder, wahnsinnig viel Musik, Interviews am Lagerfeuer (einer der Lieblingsorte von Strummer) und das ganze als sehr schnell geschnittene Collage. Wie ein Punk-Fanzine, das aus vielen verschiedenen Bestandteilen etwas Ganzes und Neues ergibt. Sehr persönlich, viel seltenes Material, nicht immer stringent (ein wenig Ahnung von Musikgeschichte im Allgemeinen und Punk im Besonderen sollte vorhanden sein), aber immer fesselnd.
Ich wusste gar nicht, dass Strummer nach den Clash 10 Jahre gebraucht hat um überhaupt wieder Musik zu machen, und zwar als Joe Strummer & The Mescaleros:

www.youtube.com Video From : www.youtube.com



* Ist schon mal jemandem aufgefallen, das man, wenn einem eine Neuverfilmung nicht gefällt, dass man dann stattdessen immer von einem Remake redet? Remakes sind schlecht, Neuverfilmungen sind gut … :schilder_0214:

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Zuletzt geändert von Schmutziger_Maulwurf am 04.05.2017 19:40, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 04.03.2017 13:22 
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Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
[list][*]LEGEND von Brian Helgeland ist die Geschichte der Brüder Kray, die in den 60er-Jahren vom East End aus versucht haben London unter ihre Kontrolle zu bekommen. Tom Hardy spielt die beiden Brüder Ron und Reggie, und wohlige Erinnerungen an Refns BRONSON steigen auf. Aber ach, Helgeland ist kein Refn, Hardy kopiert seine Bronson'schen Manierismen als Ron und nuschelt ganz furchtbar als Reggie (was dann einen Cockney mit schlecht sitzendem Gebiss darstellen soll), und über ein paar gute Szenen kommt der Film leider gar nicht hinaus. Ein Gangsterfilm mit einer 16er-Freigabe, da sollte man schon vorsichtig drangehen, und richtig: Wenig (blutarme) Gewalt, viel Familienleben, sehr durchwachsenes Zeitkolorit … Fazit: Thema verfehlt!

Ja,.. den hab ich auch vor einigen Monaten gesehen und bin der gleichen Meinung, wie Du. Nur das mir Bronson von Refn auch nicht zusagte. Bin auch nicht so der große Fan/Freund von diversen Gefängnisfilmen, bis auf ganz wenige Ausnahmen, wie z.B. Der Gefangene von Alcatraz.

Aber zurück zu dieser Kray-Verfilmung:
Hier hatte ich auch den Eindruck, das der Film in seiner relativ "kurzen" Laufzeit auch viel zuviel erzählen wollte und somit so etliches nur oberflächlich daher kam. Auch wurde ich das Gefühl nicht los, das Mr. Hardy hier z.T. in einiges Szenerien zum Overacting neigte, wenn er als Reggie zu sehen war, was die Sache nicht besser machte. Als Ron ging er da noch. Auch kamen hier die Familienverhältnisse viel zu kurz daher, was den Brüdern Kray mehr Tiefe und Charakteristik gegeben hätte. Für mich ein eher oberflächliches Portrait der Gangsterbrüder Kray.

Mittlerweile existiert ja ein Zweiteiler aus England, der wohl in etwa zeitgleich parallel zu dieser Verfilmung entstand. Den hab ich noch nicht gesehen.

Falls Du die folgende ältere VVerfilmung noch nicht kennen solltest, so empfehle ich einfach mal DIE KRAYS (GROSSBRITANNIEN 1990) von Peter Medak. Der Film liefert mit den Darstellern Gary und Martin Kemp, als Ronald und Reginald Kray ein weitaus stärkeres Portrait ab. Hier legte man eindeutig mehr wert, auf die Charakterisierung und Psychologisierung der Hauptfiguren. Auch Billie Whitelaw, als Mutter Violet Kray punktet enorm in ihrem Part und macht den Film zusätzlich sehenswert. Im Grunde ist sie die schärfste hier drin :D Auch die Synchro ist klasse. Nur zu empfehlen!

Im übrigen freut es mich, das Dir TOD IM KALTEN MORGENLICHT so gut gefallen hat.
Den muß ich mir demnächst auch endlich mal zulegen. Sah den in Abständen bisher immer im TV, wenn der gezeigt wurde.

Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
* Ist schon mal jemandem aufgefallen, das man, wenn einem eine Neuverfilmung nicht gefällt, dass man dann stattdessen immer von einem Remake redet? Remakes sind schlecht, Neuverfilmungen sind gut … :schilder_0214:

:lol:
Naja,.. Bei Tod im kalten Morgenlicht, hatte ich ja auch von einem Remake gesprochen, aber so ist mir das noch gar nicht aufgefallen. Ist aber zumindest bei mir völlig unabhängig, wie ich eine Wiederverfilmung nenne. Entweder mir gefällts oder nicht.

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 05.04.2017 17:48 
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Ich weiss nicht was in letzter Zeit los ist. Irgendetwas muss passiert sein. Ende Februar flimmerte Jess Francos MONDO CANNIBALE 3 – DIE BLONDE GÖTTIN DER KANNIBALEN über meinen Bildschirm. Ihr wisst schon, der Film wo sich alle einig sind dass der nicht so doll ist. Ich für meinen Teil war hochentzückt und hatte so viel Spaß, dass es tatsächlich für eine 7/10 gereicht hat.
Anfang März kam dann THE RIFFS 3 – DIE RATTEN VON MANHATTAN, und wieder das gleiche Spiel: Alle Kritiken sind bestenfalls halbwegs erträglich, ganz allgemein wird der Film als Trash empfunden – und ich war anderthalb Stunden völlig weggebeamt ob der Dichte und Düsternis die da aus meinem Fernseher kam. Mir haben die RIFFS richtig gut gefallen und das Ende eines doofen und anstrengenden Tages mit Bravour gerettet. Allerdings frage ich mich was da jetzt noch kommen kann? Verschenke ich meine Herzog/Kinski-Sammlung und starte mit einer Werksschau von Gianni Crea? Kommen jetzt gehäuft nigerianische Horrorfilme? Ich habe Angst …

Nicht ganz das Niveau nigerianischer Horrorfilme, aber persönlich ähnlich angesprochen, hat mich LION – DER LANGE WEG NACH HAUSE. OK, ich musste mir das aus Familiengründen geben, und so ganz freiwillig war das nicht. Die Geschichte um den süßen, kleinen, indischen Jungen, der aus Versehen vom Land in die große Stadt kommt, von dort nach Tasmanien geschickt wird, und als junger (und selbstverständlich gutaussehender, so jemand hat niemals eine Hasenscharte oder angewachsene Ohrläppchen) Mann zurückkehrt nach Indien um seine Mama und seine Heimat zu finden, die Geschichte ist ja soweit ganz nett. Aber halt dermaßen kitschig und vorhersehbar und rührselig und Google-Werbespot-mäßig umgesetzt, dass mir die Zeit doch einigermaßen lang wurde. Die Bilder aus Indien waren riesig, und vor allem die Großstadt der ersten Dreiviertelstunde bestach durch exzellente Kameraarbeit, die im Kino wirklich geflasht hat. Aber zum Rest kann ich nur raten, wenn es mal wieder heißt „Mit Papa gemeinsam einen Film schauen …“ Und immerhin hat LION (3/10) tatsächlich die Gurke des Monats gewonnen gegenüber Filmen wie PUMA-MAN und JUNGFRAU UNTER KANNIBALEN (beide 4/10).

Schön, dass quasi als Ausgleich diesen Monat auch das Italo-Western-Festival in Nürnberg stattfand. Tolle Filme, nette Menschen, klasse Stimmung, super Organisation, und es waren einfach ein paar richtig schöne Tage mit richtig schönen Filmen. Meine persönlichen Highlights waren die bekannten SCHWEINEHUNDE BETEN NICHT, der mich auch in der kürzeren und monochromen Fassung mitgerissen hat, sowie VON MANN ZU MANN, der meine (man lese und staune) Zweitsichtung war. Die Erstsichtung war vor 25oderso Jahren im Fernsehen. Gut, John Philip Law ist zugegeben etwas gewöhnungsbedürftig, aber Lee van Cleef ist auf der großen Leinwand immer ein nachhaltiges Erlebnis. Und Gianni Garko ebenfalls. Inhaltsangaben schenke ich mir hier genauso wie irgendwelche Bewertungen, die ich für beide Filme mit einem Wort zusammenfassen kann: Geil!!

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Im Thrillerbereich gab es im März drei Highlights:
  • Hitchcocks DER UNSICHTBARE DRITTE hatte bei der x-ten Sichtung tatsächlich ein klein wenig nachgelassen und wirkte an der ein oder anderen Stelle vielleicht ein winziges bisschen veraltet. Aber Cary Grant geht absolut immer, und auch wenn ich DER ZERRISSENE VORHANG bevorzuge (und meine Hitchcock-No. 1 sowieso EINE DAME VERSCHWINDET ist), so ist die Story um den Werbefachmann und unfreiwilligen Agenten Roger Tornhill, der in eine wüste Räuberpistole um ausländische Agenten und eine geheimnisvolle und schöne Blondine gezogen wird, auch heute noch packend. Seltsam allerdings, wie sehr Eva Marie Saint bei mir nachgelassen hat! Bei der Erstsichtung Mitte der 80er im Kino war die Frau ein nasser Traum, vor zwei Wochen fand ich sie höchstens interessant. Aber umdrehen tät ich mich für sie auf der Straße nicht mehr. Da müsste schon Kim Novak kommen …
     
  • 72 STUNDEN – THE NEXT THREE DAY mit Russell Crowe hat mich hingegen auch bei der Zweitsichtung in den Sitz gepresst: Eines schönen Morgens klingt es an der Tür der Familie Brennan, die Polizei dringt ein, und Mama Laura wird wegen Mordverdacht verhaftet. Das mit dem Urteil Lebenslänglich ist schon ziemlich kacke, und als Laura nach der Untersuchungshaft in ein weit entferntes Gefängnis verlegt werden soll, hat Ehemann John 72 Stunden Zeit seine Frau zu befreien.
    Das französische Original OHNE SCHULD ist schon großartig, aber hier haben wir den seltenen Fall, dass das US-Remake tatsächlich einen Ticken besser ist. Es gibt einen Twist mehr, der mich auch diesmal wieder umgehauen hat, die Schauspieler sind erstklassig, und die Geschichte ist einfach grandios erzählt. Keine Sekunde Ruhe, keine Atempause für den Zuschauer, und doch immer wieder Momente der Stille in denen man fragt wie man sich selber verhalten würde. Hochspannung pur, eine perfekte Balance zwischen Kopf- und Bauchkino, sehr gut inszenierte Action, und insgesamt eine absolute Empfehlung für alle Thrillerfans die mehr wollen als nur Geballer!
     
  • Weniger Thriller als vielmehr Heist ist TOP JOB – DIAMANTENRAUB IN RIO von Giuliano Montaldo, den ich meiner Freundin als gelungenen Italo-Film zeigen wollte. Der Plan hat funktioniert, sie ist italienischem Zeugs gegenüber wieder aufgeschlossener. Und TOP JOB, hier wissen es wahrscheinlich alle, ist einer der besten Heists ever. Besetzung, Musik, Storyverlauf, Twists … Hier kann man nix verkehrt machen. Muss ich die Story wirklich beschreiben? Nun ja, eine Gruppe von Spezialisten wird zusammengestellt, um in Rio während des Karnevals einen Tresor mit Diamanten zu knacken. Das Team ist alles andere als homogen, der Auftraggeber, ein Gangsterboss, hat sowieso eigene Pläne, und der Mann im Hintergrund, ein Schulfreund des Gangsterbosses, kann das Wort „Twist“ ziemlich gut buchstabieren. Wer den Film noch nicht kennt sollte dies unverzüglich nachholen, und wer ihn schon lange nicht mehr gesehen hat ebenfalls …

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Viel war’s den Monat nicht. Und ich befürchte, dass das so bleiben wird. Ich sollte mal dringend meine Filmauswahl etwas genauer untersuchen, damit nicht soviel Durchschnitt dabei ist. Diesen Monat zum Beispiel waren schon 2 Filme mit 8/10 dabei. Der eine davon ist dieser hier:

www.youtube.com Video From : www.youtube.com


Und das ist keinesfalls nur ein Trailer! Nein nein, das sind die ersten viereinhalb Minuten des Films. SO lasse ich mir das gefallen … :jc_you_rock:

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 05.04.2017 18:31 
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Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
Ich habe Angst …

Diesen erstklassigen Paranoiathriller kann ich Dir aber nur wärmstens empfehlen.... :) ;)


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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 05.04.2017 21:57 
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Ich habe Deine Worte noch sehr wohl im Ohr, Freund, so von wegen Paranoia-Thriller und so. Aber von Deiner tollen Liste sind es bisher erst zwei Filme geworden: Besagter PUMA-MAN und AGENT 3S3 KENNT KEIN ERBARMEN. Und danach brauchte ich erstmal Pause. Aber ICH HABE ANGST steht bei den Kandidaten der nächsten Zeit ganz oben. Versprochen ...! ;)

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 06.04.2017 06:38 
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Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
Ich habe Deine Worte noch sehr wohl im Ohr, Freund

Fein, dann haben meine paranoiden Erläuterungen also doch gefruchtet.... :)

Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
Aber ICH HABE ANGST steht bei den Kandidaten der nächsten Zeit ganz oben

Bin schon schwer gespannt, wie Dir dieser vorzügliche Film munden wird...


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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 04.05.2017 19:38 
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Ostern war dieses Jahr cool! Nicht weil mir der Osterhase feine Geschenke gebracht hat, oder besonders bunte oder abgefahrene Eier. Nein, sondern weil ich rund um Ostern einen ganz merkwürdigen Run hatte beim Filmeschauen. 5 Filme hintereinander zwischen 8 und 10 von 10 - Ostereiern. Am Stück. Quasi das Gegenstück zu einem Royal Flush. Meine Filmsammlung für ein Pokerspiel? Nein, lieber nicht … Die fünf Filme waren:

  • VON ANGESICHT ZU ANGESICHT von Sergio Sollima kennt man natürlich. Ich hatte ihn das letzte Mal noch auf VHS gesehen, und nun endlich mal die DVD. Was für ein Meisterwerk, was für Schauspieler. Der Rollenwechsel zwischen dem wilden Banditen und dem gesitteten Professor hätte von keinem anderen Schauspielerpaar so intensiv und stimmig gezeigt werden können. Vor allem die feine Darstellung Volontés als Hochschulprofessor, der Spaß an Mord und Raub und Überfall bekommt ist hochgradig gänsehauterzeugend.
     
  • Als ebenfalls gänsehauterzeugend empfand ich DIE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE DES MR. C von Jack Arnold, den ich nach über 30 Jahren endlich mal wieder gesehen habe. Die Geschichte von Scott Carey, dem Mann der unaufhörlich schrumpft und zuerst ein Spielzeug für seine Katze wird und anschließend ein Appetithappen für eine Spinne, die Geschichte hat mich wirklich schwer begeistert. Spannend, atmosphärisch, ohne Hänger und auch heute noch tricktechnisch durchaus ansprechend inszeniert – Ausgesprochen spaßig!
     
  • Und nochmal Gänsehaut, aber diesmal aufgrund des erstklassig durchdachten Plans. Ich liebe ja Heist-Movies, und INSIDE MAN von Spike Lee ist einer der besten einer: Clive Owen überfällt mit seinen weißgekleideten Kumpels eine Bank in New York und nimmt die Kundschaft und die Angestellten als Geisel. Denzel Washington und seine blaugekleideten Kumpels riegeln die Straße ab, und es beginnt ein irrwitziges Katz-und-Maus-Spiel. Wer die Katze ist verrate ich nicht, aber ehrlich: Der Plan ist gigantisch, und der Zuschauer wird ziemlich an der Nase herumgeführt. Die letzten Minuten des Films haben es so richtig in sich, und der letzte Satz des Films ist einer der schönsten Filmsätze meines Lebens, gesprochen von einer erotischen Bettkatze zu ihrem Lover:
    Liebling kommst Du? Die Handschellen werden kalt …

     
  • Nix Gänsehaut, aber Lachfalten ohne Ende, hat mir Gérard Ourys DAS SUPERHIRN beschert. Bébel und Bourvil sind kleine Pariser Ganoven, die per Zufall an eine große Sache rankommen: 14 Mio. in gemischten Währungen werden in einem Zug von Paris nach Brüssel überführt. Eine todsichere Sache das. So todsicher, dass der NATO-Offizier David Niven, der den Zug begleiten soll, selber scharf ist auf das Geld, und zusammen mit dem Mafioso Eli Wallach den Raub ausführen will. Und beide Teams wollen den Coup auf die gleiche Weise durchführen, selbstverständlich ohne voneinander zu wissen.
    Da kann der Sbirro pfropfern wie er will, der Film ist einfach riesig. Vier außerordentliche Komödianten, und mit Sophia Monti eine außerordentlich schöne Frau. Da kann einfach nichts schief gehen. Am köstlichsten sind die Szenen im Pool und der Überfall an sich, wenn die verschiedenen Teams sich gegenseitig beklauen …
     
  • Eine ausgesprochene Überraschung war NEGRESCO von Klaus Lemke! Gekauft wegen der guten Besprechungen hier im Forum, dann doch wieder Angst bekommen von wegen deutscher kopflastiger Film blablabla, und jetzt endlich gesehen – und richtig viel Spaß gehabt. Geschrieben hatte ich hier schon was, deswegen an dieser Stelle nur noch einmal die Wiederholung was für ein wunderbar abgedrehter Film das ist, mit herrlicher End-60er-Stimmung, guten Schauspielern und wunderbaren nostalgischen Eindrücken.

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Seltsam, wie sich die eigene Argumentation manchmal gegen einen Selbst drehen kann. Bei NEGRESCO schrieb ich unter anderem folgendes: Wer Filme bevorzugt die logisch fortführend sind, bei denen eine Szene immer auf der vorhergehenden basiert, und in denen Charaktere einen praktischen Sinn haben, der ist hier falsch! Genau wie im richtigen Leben gibt es in NEGRESCO Personen, die sinnlos sind, aber zumindest hübsch anzuschauen. Das ganze, wie oben bereits erwähnt, im positiven Sinne, NEGRESCO hat von mir locker 8 von 10 Spielzeugpanzern bekommen.
Der gleiche Text passt aber genauso im negativen(!) Sinne auf Nicolas Winding Refns THE NEON DEMON, der für mich diesen Monat die absolute Oberenttäuschung war (noch deutlich hinter einem ziemlich langweiligen Porno von Michael Raven). Auch hier machen die Szenen manchmal wilde Sprünge, und die allermeisten Charaktere haben keinen praktischen Sinn. Nicht einmal hübsch anzuschauen sind sie, die Charaktere! Ab etwa der fünften Minute war der Film bis auf wenige Ausnahmen (Poolszene, die Erweckung des Neon-Dämons) für mich eine einzige Qual. Mir ist klar, dass ich zu dumm bin um die Eloquenz der Refn’schen Tabubrüche und den Sarkasmus seiner Kommentare auf die hohle und eitle Modewelt zu verstehen, aber ganz ehrlich: Ich fand den Film einfach nur Scheiße. Scheiße-langweilig, scheiße-überflüssig, scheiße-kopflastig und scheiße-künstlich. Es gab 2 von 10 Kalaschnikoffs (die ich gerne verwendet hätte um dem Spuk ein Ende zu bereiten), und den zweiten Punkt nur wegen der hübschen Bilder und der netten Reminiszenz an Dario Argento. Aber, lieber Nicolas, jetzt wird es langsam mal wieder Zeit für einen Stilwechsel, denn sonst hast Du mich nach den letzten zwei schwachen Filmen definitiv verloren …

Definitiv gewonnen hat mich Takashi Miike mit seinem DEAD OR ALIVE, dessen wahnsinniges Intro ich letzten Monat ja bereits eingestellt habe. Worum geht es? Die Gang um Ryuichi ist neu in der Stadt, und sie erledigt absolut alle Jobs: Banküberfälle, Auftragsmorde, Bandenkrieg, Kleinholz … In der unübersichtlichen Welt zwischen den alteingesessenen Yakuzafamilien einerseits und den aufstrebenden Neuankömmlingen aus China andererseits (sowie den ehrgeizigen Mafiosi aus Taiwan obendrauf) ist das Leben schnell und blutig, was ebenfalls zum Erfolg der Newcomer beiträgt. Nur der müde Cop Jojima fungiert noch als Sandkörnchen im Getriebe und ist Ryu schwer auf der Spur. Dem aber ist das scheißegal, Hauptsache das Geschäft läuft …
Ein ehrgeiziger Jung-Schurke und ein müder Alt-Cop, das ist sicher keine ganz neue Kombination. Aber wie es erzählt wird, das ist hier das Ding. Nach dem furiosen Start schaltet Miike erstmal ein paar Gänge runter und erzählt in sehr düsteren Farben eine phlegmatische Gangster-Cop-Ballade. Soweit ist ja auch alles im Lot, aber dann kommen halt so Einsprengsel wie etwa eine Nutte, die in ihrer eigenen Scheiße ertränkt wird, oder ein gigantisches Blutbad, bei dem neben 2 kompletten Mafiafamilien auch ein großer weißer Vogel ausgelöscht wird, der verdammte Ähnlichkeit hat mit Bibo aus der Sesamstraße. Und das Ende toppt absolut alles, das habe ich in geschätzt Tausenden von Filmen noch NIE gesehen. Takashi Miike rules, und die Black Society-Trilogy liegt hier und will gesehen werden ...

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Und dann gab es noch ein paar weitere Filme die Überraschungen waren:
  • RAUSCH DER SINNE von Juan Logar ist hier ja schön öfters besprochen worden, ich verweise mal auf den entsprechenden Thread. Mir haben die Schauspieler gefallen, das abgeschlossene Setting war stark, die viele geklaute Musik war toll, der Aufbau mit den Rückblenden hat gefesselt, und insgesamt eine feine Entdeckung eines viel zu unbekannten Films. Einer der Gründe, warum ich Film liebe: Weil ich auch nach 35 Jahren Beschäftigung immer noch Neues entdecken kann :D
     
  • SALVADOR – KAMPF UM DIE FREIHEIT zum Beispiel ist auch so ein Film. Erzählt wird die Geschichte von Salvador Puig Antich. Häh, wer? Salvador Puig Antich war politischer Aktivist im Spanien Francos. Der Film beginnt mit seiner Verhaftung im September 1973, und zeigt als Rückblende seine Extremisierung unter der Diktatur. Sein Leben im Gefängnis wird dargestellt, genauso wie der Kampf seiner Angehörigen gegen das Todesurteil.
    Rein prinzipiell teilt sich SALVADOR in zwei Teile auf (nach denen man sogar die Uhr stellen könnte). Der erste Teil ist sehr schnell inszeniert und erinnert in der Machart oft an Filme wie etwa NATURAL BORN KILLERS, mit eingeblendeten Bildern, Texten, unterlegter zeitgenössischer Musik, und einem rasenden und irrwitzigen Schnitt. Die erste Stunde geht rum wie nichts, und der Zuschauer erhält tatsächlich einen guten Einblick in die Extremisierung eines politischen Aktivisten. Wo ich mich bei Ulrike Meinhof bis heute frage, an welcher Stelle der Griff zur Waffe bewusst war, und alle bisher gesehenen Dokus und Filme sich dieser Frage nicht nähern konnten, schafft Regisseur Huerga dieses Kunststück fast wie im Vorübergehen. Die alltägliche Gewalt der Franco-Polizei, der Wunsch eines Jugendlichen, diesem Missstand im Jahre 1968, als die halbe Welt brannte, entgegenzutreten, und irgendwie ist dann tatsächlich alles klar, und man möchte am Liebsten mitmachen (und den Deppen bei ihren Aktionen ein wenig unter die Arme greifen…).

    Der zweite Teil wird dann schwer und langsam, so wie die Zeit im Gefängnis eben vergeht. Die Farben sind monochrom, und die zwischenmenschlichen Beziehungen ebenfalls. Das anfangs komplizierte Verhältnis zwischen Salvador und seinem Anwalt Oriol wird durch die erzählte Geschichte (eben den ersten Teil) und Salvadors offene Art schnell herzlicher, und auch einen falangistischen Gefängniswärter macht sich Salvador irgendwann zu seinem Freund. Dieser Teil wirkt oft fast ein wenig peinlich weil so vorhersehbar, und irgendwie scheint immer der erhobene Zeigefinger durch. Durch die starken Schauspieler aber wird auch dieser Erzählstrang in sichere Gewässer gerettet. Na ja, und wer am Ende dann keinen Kloß im Hals hat, der sollte sich schon fragen ob er Gefühle hat.

    Insgesamt ein wunderbarer Film, der der Zuschauer mühelos gefangen nimmt und ihn auf eine dunkle und abgründige Reise mitnimmt, die er bestimmt nicht bereut. Und auch wenn das jetzt viel Text war (und ich eigentlich in diesem Thread versuchen wollte weniger zu schreiben), so ist es dieser Film absolut wert entdeckt zu werden. Da wird dann auch mal ein wenig mehr gelabert …
     
  • Auch eine Entdeckung, aber ich glaube da bekomme ich Haue für, war DER SPION, DER AUS DEM SPEISEEIS KAM von Mario Bava. Ich sehe den jetzt nicht so unter Bava-Gesichtspunkten, weswegen die meisten ja eher enttäuscht sind, sondern ich sehe den als total überdrehten, verrückten, irrwitzigen Slapstick- und Kalauerflick, der halt zufällig von Bava ist. Völlig weggeschmissen habe ich mich ab der Stelle, an der die Guten die Bösen auf einen Rummel verfolgen, und letztere auf ein Kinderkarussell springen, auf die Hoppepferdchen. Die Guten natürlich gleich hinterher, dann wird im Kreis gefahren und mit den Fingern aufeinander gezeigt, und auf der Tonspur werden Schüsse imitiert. Wahnsinn, sowas hab ich noch nie erlebt. Auch gigantisch ist die Ballonfahrt via Ventilatorantrieb. Und derartiges hatte ich tatsächlich schon mal gehabt, nämlich bei den Marx Brothers! Es müsste ANIMAL CRACKERS gewesen sein, wo Harpo die unmöglichsten Dinge aus seinem Mantel zieht, so wie Cicco es hier macht. Ich liebe die Marx Brothers, und Franco & Ciccio haben bei meinem ersten ernsthaften Versuch gleich gezündet. Jetzt muss ich wohl dringend mein Italienisch verbessern und die wunderbare Welt der italienischen Blödelkomiker entdecken ...
     
  • Vorhin habe ich vom besten Heist ever gesprochen, INSIDE MAN, hier kommt der geschätzt zweitbeste: BANK JOB, der beim dritten Mal immer noch genauso so funktioniert wie bisher. Die (wahre) Story: Ein Bankeinbruch in London im Jahre 1971, ausgeführt von ein paar Gelegenheitsgaunern im Auftrag des Geheimdienstes (natürlich ohne des entsprechende Wissen darüber), um Nacktfotos von Prinzessin Margaret aus einem Bankschließfach zu klauen. Es läuft nicht alles so wie es soll aber im Prinzip klappt alles ganz gut, und die Ganoven bekommen neben einer geradezu irrwitzigen Masse Geld und den Nacktfotos auch noch einen Schwung Actionshots von Politikern die gerade Lady Sonja besuchen, sowie ein kleines putziges Notizbüchlein, in dem der Pornokönig von Soho alle Schmiergeldzahlungen an die Londoner Polizei festgehalten hat. Mit Namen! Viel Feind, viel Ehr’ …
    Ich steh auf Jason Statham, und wie so oft in seinen englischen Produktionen zeigt er hier mehr als nur den Transporter mit Wumms. Der Film hat ein genial-nostalgisches Flair, super-sympathische Figuren, ist spannend und sehr abwechslungsreich erzählt, und rockt insgesamt einfach die Hütte mit seiner bescheidenen Art. Und dass Statham gegen Ende dann doch noch mal auf die Kacke hauen darf macht dann überhaupt nichts mehr, irgendwie hat man ja doch drauf gewartet. Bei der wie erwähnt dritten Sichtung sind es immer noch 9 von 10 Walkie-Talkies für einen der besten Heist-Zeitreisen ever …

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Und wer sich gewundert hat, warum ich im Text zu FACCIA A FACCIA eine merkwürdige Wortkombination verwendet habe, hier kommt die Auflösung:
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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 02.06.2017 21:56 
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Ich versuche ja immer noch, meiner Freundin (die inzwischen eigentlich gar nicht mehr meine Freundin ist, sondern vielmehr meine Verlobte) meinen Filmgeschmack näher zu bringen. Es ist interessant, wie ich auf Filme, die ich als hochgradig genial einstufe, reagiere wenn sie dabei ist und ich merke dass sie meinen Enthusiasmus nicht so recht teilen mag. So geschehen diesen Monat bei PULP FICTION, der in meiner persönlichen Hitliste das erste Mal seit 20 Jahren auf eine 9/10 heruntergerutscht ist. Im letzten Teil war zu viel Gerede, meinte sie, und ich empfand das dieses Mal genauso. Der dritte Teil ist ein fast reines Geplapper, und der Schluss im Diner ist dann gleich noch mal Geplapper. Ich weiß schon warum ich H8 nicht mehr sehen wollte (der erste QT um den ich einen Bogen gemacht habe), aber PULP FICTION ist auf jeden Fall immer noch ein verausragender Film, den man einfach mal gesehen haben sollte. Mit vielen guten Onelinern und Dialogen. Mit tollen Schauspielern. Und mit sehr viel Gerede …

Auch TIGER & DRAGON von Ang Lee hat dieses Schicksal erfahren. Wo ich nach wie vor begeistert bin über die schwerelosen Kämpfe auf den Dächern und zwischen den Bäumen, über die furiosen Kampftechniken und die romantische und tränentreibende Liebesgeschichte, da hat sie neben mir belustigt gegluckst und das alles nicht wirklich ernst nehmen können. Ich liebe diesen Film immer noch sehr, aber ein klein wenig hat er dadurch schon verloren. Schade, den muss ich mir in Zukunft wohl besser alleine anschauen. Und ich dachte, Filme mit traurigen Liebesgeschichten wären was für Frauen. Bei TITANIC sind doch auch alle immer ganz begeistert ... :?

CHILDREN OF MEN aus dem Jahr 2006 allerdings hat bei der Zweitsichtung sogar zugelegt. Die Dystopie um die Tatsache, dass die Menschheit seit mittlerweile 18 Jahren unfruchtbar ist und keine Kinder mehr geboren werden, und um Theo, der unversehen in die Rolle einer Begleitperson einer Schwangeren stolpert, diese Geschichte haut mich einfach um. Düster und dreckig, eine Welt in der das soziale Leben am ehesten mit dem Attribut brutal beschrieben werden kann, Flüchtlingsströme die an die Ufer Großbritanniens branden, und auf alle illegal im Land lebenden wird eine gnadenlose Hetzjagd veranstaltet die leicht antisemitische Grundzüge hat. Es gibt so viele Flüchtlinge, dass an der Südküste eine Stadt zum Lager umfunktioniert wurde. Und ich meine Lager – hier werden Flüchtlinge konzentriert
Ich mag den Film, ich mag die Schauspieler, und es gibt hier 2 oder 3 Plansequenzen die mir jedes Mal den Vogel raushauen. Bei dieser Zweitsichtung ist mir allerdings ein wenig schlecht geworden ob der Tatsache, wie nah an der Realität die Handlung mittlerweile ist. Und damit meine ich nicht nur die Flüchtlingsgeschichte, sondern zum Beispiel auch die kurze (Plan-) Sequenz, in der Theo in ein Café geht, sich was zu trinken holt, auf die Straße geht, nur ein paar Meter weiter, und hinter ihm das Café Ziel eines Bombenanschlags wird. Also wenn ein Film schon im Laufe der Jahre Realität wird, warum dann nicht MAULWÜRFE IM LIEBESLAGER?
Auf jeden Fall kann ich CHILDREN OF MEN wirklich jedem empfehlen, der was für düstere SF-Fantasien mit starkem Wirklichkeitsanspruch übrig hat …

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Auch entsetzlich nah an der Realität war ICH HABE ANGST von Damiano Damiani. Ich möchte auf meine Kritik bei italo-cinema.de verweisen, dort ist alles gesagt was es zu sagen gibt, das muss ich nicht widerkäuen. ICH HABE ANGST ist reine Paranoia mit einem Wirklichkeitsanspruch der Gänsehaut erzeugt. Pflicht für jeden Filmfreund. Nuff said!

Ganz weit weg von der Realität hingegen ist CHAOS von Tony Guglio, mit Jason Statham, Wesley Snipes und Ryan Phillipe. Gangster überfallen eine Bank, nehmen einen Haufen Geiseln, und wollen nur mit dem suspendierten Cop Conners reden. Der kommt und verhandelt, kann aber auch nicht verhindern dass der Überfall gelingt, die Bank ein Trümmerfeld ist und die Gangster entkommen können – ohne das Geld! Es wird ermittelt, man kommt allmählich auf die Spur der Räuber, und der kleine Nachwuchsbulle Dekker, der seinen ersten Tag als Detective hat, entdeckt Zusammenhänge die schier unglaublich sind.
So unglaublich wie das megageile Ende dieses Films. Ich liebe Heists. Ich steh auf Jason Statham. Und dieser Film ist einfach nur riesig! Wie sich allmählich die Fäden verbinden und Cops und Zuschauer merken wie sie an der Nase herumgeführt worden sind, und was dort in der Bank wirklich passiert ist, das ist actionreich, spannend, gut inszeniert, spielfreudig, … Mit einem Wort: Geil! :mrgreen:

Gar nicht geil war EMANUELLE – INSEL OHNE TABUS von Enzo D’Ambrosio, mit Laura Gemser, Paolo Giusti und Arthur Kennedy. Juan strandet an einer einsamen Insel, und nach ein paar Tagen lernt er Haydee und ihren Bruder Daniel kennen, die mit gemeinsam mit ihrem Vater in einer Strohhütte wohnen. Daniel und Haydee spielen manchmal ein lustiges Spiel, aber schon bald will Haydee nur noch mit Juan spielen, und der Vater will Juan sowieso von der Insel werfen, damit nicht rauskommt dass er ein entflohener Sträfling ist …
Nun ja, die Vertreibung aus dem Paradies, mit Laura Gemser in einer Doppelrolle als Eva und Schlange. Das ganze ist schon reichlich langatmig, und wenn Frau Gemser wenigstens ordentlich was zeigen würde wäre wenigstens Erotik geboten. Aber Pustekuchen, bis auf zwei kurze Momente trägt sie dieses Mal immer hochgeschlossen, und somit ist auch die Erotik futsch. Sid hat mal irgendwo geschrieben dass INSEL OHNE TABUS ein Drama sei, aber da kann ich leider nicht zustimmen. Ich fand ihn eher undramatisch, und zwar in jedweder Beziehung.

Auch nicht so richtig aufregend war BUCCAROO – GALGENVÖGEL ZWITSCHERN NICHT mit Dean Reed. Livio Lorenzon als Ich-besitze-hier-alles-im-Ort-Bösewicht Lash will unbedingt das Land von Johnny McKenzie haben, und zwar um jeden Preis. Da kommt ein unglaublich geheimnisvoller Fremder (Dean Reed) und stellt sich auf die Seite Johnnies.
So weit, so gut. Wer sagt denn, dass Handlungen im Italo-Western immer alles neu erfinden müssen. Es zählt die Umsetzung, und die … ääh, zündet nicht. Tut mir ja leid, und der Mensch Dean Reed ist mir auch wirklich sehr sympathisch, aber als Schauspieler ist er einfach nicht meine Welt. Spätestens wenn er dann am Lagerfeuer anfängt zu singen, dann ist sowieso der Ofen aus. Nee, sorry, ist nicht. Als Western funktioniert BUCCAROO durchaus, so mit Galoppel und Peng-Peng, aber ein Italo-Western ist das nicht! Nix Staub, nix Dreck, nix ein Schuss und zwei Tote, nix sinnlose Gewalt, betrunkene Mexen und Tote wohin man blickt. Stattdessen verrutscht die Haartolle auch bei der schlimmsten Schlägerei nicht, Ugo Sasso als Johnny McKenzie ist das Gegenstück zu Fuzzy aus den 40er-Jahren, und nur das Overaction von Livio Lorenzon ist ansehbar.
Ja, ich weiß, ich bin engstirnig. Beim Italo-Western steh ich auch dazu …

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A propos Italo-Western: Am letzten Tag des Monats gab es dann noch BRING MIR DEN KOPF VON ALFREDO GARCIA von Sam Peckinpah. Benny wittert die Chance Geld zu verdienen. Viel Geld. Er nimmt seine Freundin, eine Waffe, setzt sich in seinen abgewrackten Chevy Impala und fährt los, Alfredo Garcia zu suchen. Und jemandem dessen Kopf zu besorgen. Aber Mexiko ist ein gefährliches Pflaster, und wenn so viel Geld im Spiel ist, dann wird noch heißer.
Italo-Western, Road-Movie, Gangster-Ballade, böses Portrait der zeitgenössischen Gesellschaft, … ALFREDO GARCIA ist richtig feines Kino. Da ist einfach alles drin was Film ausmacht. Zärtliche Liebe, explosive Gewalt, coole Männer mit Waffen, schöne Frauen mit Brüsten – und was das Beste ist: ALFREDO GARCIA liefert auch eine richtig gute Geschichte. Ein perfektes Zusammenspiel aus Anspruch und Action, aus Kopf- und Bauchkino. Und eine wunderbare Einstiegsdroge für alle, die Peckinpah noch nicht oder nicht so gut kennen, wobei der Trailer dem Film überhaupt nicht gerecht wird. Diese Reduktion auf Schießereien und Action erweckt einen völlig falschen Eindruck, aber wenn es hilft dass sich mehr Leute dieses Juwel in der erstklassigen MB-Edition von Koch Media anschauen, bitte sehr:

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Und während ich dies schreibe läuft im Hintergrund das neue Album der Band Eisregen, Fleischfilm. Das erste Konzeptalbum der Band, das vom italienischen Genrefilm inspiriert wurde. Dank an dieser Stelle an 1000schweiner, ohne den dieses Album an mir vorübergegangen wäre. Die Musik lässt mein dunkles Herz freuen, sie lässt mein Metal-Herz grooven, und auch wenn der Bär hier nicht so steppt wie auf den ersten beiden Alben (das sind die einzigen beiden die ich bislang besaß), so zündet die Mukke allemal: Guter, harter, dunkler Metal. Und das Beste: Je öfter ich die Scheibe höre, desto besser gefällt sie mir. Gut gemacht, Jungs!

Meine Favorites sind der knackige Opener Drei Mütter

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… und Tiefrot, mit dem atmosphärischen Mittelteil:

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Das offizielle Video ist deutlich von einem Liebhaber italienischer Genreware gemacht. So viele schöne Bilder, so schnell fallen einem die ganzen zugehörigen Titel gar nicht ein. Macht aber nix, das Stück kann man sich auch mehrmals anhören …!
Meinen Lieblingstrack gibt es allerdings erst nächsten Monat, weil ich durch den Titel Lust bekommen habe den Film mal wieder zu sehen ...

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Zuletzt geändert von Schmutziger_Maulwurf am 03.06.2017 13:43, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 03.06.2017 12:23 
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Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
Ich versuche ja immer noch, meiner Freundin (die inzwischen eigentlich gar nicht mehr meine Freundin ist, sondern vielmehr meine Verlobte) meinen Filmgeschmack näher zu bringen. Es ist interessant, wie ich auf Filme, die ich als hochgradig genial einstufe, reagiere wenn sie dabei ist und ich merke dass sie meinen Enthusiasmus nicht so recht teilen mag. So geschehen diesen Monat bei PULP FICTION, der in meiner persönlichen Hitliste das erste Mal seit 20 Jahren auf eine 9/10 heruntergerutscht ist. Im letzten Teil war zu viel Gerede, meinte sie, und ich empfand das dieses Mal genauso. Der dritte Teil ist ein fast reines Geplapper, und der Schluss im Diner ist dann gleich noch mal Geplapper. Ich weiß schon warum ich H8 nicht mehr sehen wollte (der erste QT um den ich einen Bogen gemacht habe), aber PULP FICTION ist auf jeden Fall immer noch ein verausragender Film, den man einfach mal gesehen haben sollte. Mit vielen guten Onelinern und Dialogen. Mit tollen Schauspielern. Und mit sehr viel Gerede …



Ja. Und? Gerade die "Bonnie Situation" habe ich immer geschätzt (Vielleicht gerade weil es dort so überzogen wird, wenn Mr. Wolf schon fast messianisch als der große Problemlöser erwartet wird, er aber auch nur anordnet, was man auch schon längst selbst hätte erledigen können: Auto saubermachen, raus aus den blutbespritzten Anzügen, und sich selbst reinigen), und sitze auch gerade noch bei einem GourMET-Kaffee.

Die Szene im Diner, in der Jules Pumpkin erläutert, dass er etwas für sein Geld kaufe, nämlich Pumpkins Leben, ist für mich auch beim 30. Sehen noch so absolut grandios. Einfach nur toll!

Bezüglich H8 geht es mir ähnlich, ich habe den auch bis heute nicht gesehen. Nachdem Tarantion mit den Basterds ja wieder ein richtiges Meisterstück abgeliefert hatte, bin ich mit "Django unchained" nicht so wirklich warm geworden, zu lang, mit unnötigen Gewaltspitzen. Ich befürchte, das dies bei H8 nicht besser wird...


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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 03.06.2017 13:41 
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Selbst bei der x-ten Sichtung kam die Bonnie Situation bei mir immer ein ganz kleines Quentchen schlechter weg als die beiden anderen. Vielleicht, weil ich immer Mitleid hatte mit QT, dem an einem schönen sonnigen Morgen zwei Deppen ins Haus schneien und alles voller Blut schmieren, vielleicht weil mir als altem Action-Afficionado hier eben die Aktion gefehlt hatte.

Ich mag die Stelle nach wie vor, wenn die beiden im Diner sitzen und reden, und man im Hintergrund die Gespräche der andern Gäste mitbekommt und feststellt, dass soeben der Faden vom Beginn wieder aufgenommen wurde, und in welchem Diner Jules und JimVincent sich gerade befinden. Ich habe diesen Augenblick beim ersten Sehen genossen, und ich genieße ihn noch immer. Aber bei der letzten Sichtung hatte ich gewissermaßen eine persönliche Bonnie-Situation: Man möchte der Freundin ja etwas bieten woran sie Spaß hat, wo sie mitfiebern kann, und wo sie hinterher sagt dass sie mehr will (ich weiß nach wie vor nicht, wie ich sie mit Poliziotteschi bekannt machen soll - irgendwelche Vorschläge irgendjemand?). Und mein Schatz mag Psycho-Thriller und Actionfilme. In diesem Augenblick werde ich sehr sensibel und spüre geradezu, wie sich in ihr was sträubt. Nein, falscher Ausdruck - Wie sie beginnt sich zu lösen von der gespannten Aufmerksamkeit. Und als Folge merkte ich das erste Mal, dass die Endlosdialoge von QT auch damals bereits vorhanden waren. Und zumindest ich mich daran mittlerweile ein klein wenig überhört habe ...

Trotzdem: Was mir an der Szene ebenfalls extrem gut gefällt ist, dass QT sie eben nicht mit einem wilden Shootout auflöst, sondern nur durch Dialoge die Spannung aufbaut, hält und die Situation zu einem stimmigen Schluss bringt. Den Mut und die Meisterschaft, die Szene so zu drehen, muss man erstmal haben :jagenauso:

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 03.06.2017 14:00 
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Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
Man möchte der Freundin ja etwas bieten woran sie Spaß hat, wo sie mitfiebern kann, und wo sie hinterher sagt dass sie mehr will (ich weiß nach wie vor nicht, wie ich sie mit Poliziotteschi bekannt machen soll - irgendwelche Vorschläge irgendjemand?). Und mein Schatz mag Psycho-Thriller und Actionfilme.

Beginne doch bei ihr einfach mit Das Syndikat, der damals in Italien sozusagen voll angeschlagen hatte.
Vielleicht funktioniert das zufällig auch bei ihr :)
Da ist doch alles drin, Spannung pur, tolle Dialoge, und starke Darsteller, allen voran Enrico Maria Salerno.
Der müßte doch bei Deiner Herzensdame zünden, denn sowas hat sie doch bestimmt noch nicht gesehen :dh:

Und später Verdammte heilige Stadt, damit sie auch mal einen Maurizio Merli in Reinkultur kennen lernt.
Denn DER darf/sollte nicht fehlen, sonst hat sie definitiv eine filmische Bildungslücke :D

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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 03.06.2017 14:13 
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Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
CHILDREN OF MEN aus dem Jahr 2006 allerdings hat bei der Zweitsichtung sogar zugelegt.


CHILDREN OF MEN habe ich beim Kinostart gesehen und war absolut geplättet. Ich bin kein "Dystopist", aber das Szenario schien mir schon damals nicht wie aus einer vollkommen 'anderen Welt' hergeholt. Nicht wenige haben dem Film damals "unrealistische Übertriebenheit" und eine gewisse "Merkwürdigkeit" unterstellt. Aber wenn man heute auf die teilweise von Angst, Hass und Agression gespeiste Stimmung blickt, die zuhnemend um sich zu greifen scheint, könnte man dem Film schon eine gewisse 'prophetische Vorausschau' unterstellen.

Davon abgesehen, ist der Film auch wunderbar emotional sowie "körperlich" ergreifend gefilmt und mit tollen Schauspielern besetzt. Und bei dieser Szene, während des Raids der Spezialkräfte, als die Mutter mit dem Baby auf dem Arm durch die zurückweichenden Soldaten geht, hatte ich mehr als einen Klos im Hals - mir wurden die 'Augen dick' . . .


PS: Die kleinen Anekdoten zum Filmegucken mit deiner Verlobten - Gratulation ;) - sind sweet. :D


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 Betreff des Beitrags: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
BeitragVerfasst: 03.06.2017 14:33 
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Graf von Karnstein hat geschrieben:
Schmutziger_Maulwurf hat geschrieben:
Man möchte der Freundin ja etwas bieten woran sie Spaß hat, wo sie mitfiebern kann, und wo sie hinterher sagt dass sie mehr will (ich weiß nach wie vor nicht, wie ich sie mit Poliziotteschi bekannt machen soll - irgendwelche Vorschläge irgendjemand?). Und mein Schatz mag Psycho-Thriller und Actionfilme.

Beginne doch bei ihr einfach mit Das Syndikat, der damals in Italien sozusagen voll angeschlagen hatte.
Vielleicht funktioniert das zufällig auch bei ihr :)
Da ist doch alles drin, Spannung pur, tolle Dialoge, und starke Darsteller, allen voran Enrico Maria Salerno.
Der müßte doch bei Deiner Herzensdame zünden, denn sowas hat sie doch bestimmt noch nicht gesehen :dh:

Und später Verdammte heilige Stadt, damit sie auch mal einen Maurizio Merli in Reinkultur kennen lernt.
Denn DER darf/sollte nicht fehlen, sonst hat sie definitiv eine filmische Bildungslücke :D


Die Dame mag Actionfilme, dann würde ich gleich mit Kommissar Eisen loslegen - oder Deodatos "Eiskalten Typen"... :mrgreen:


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