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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Re: MY DEAR KILLER - Tonino Valerii
PostPosted: 20.02.2017 13:35 
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Jimmy Stewart wrote:
Schockierend die Szene, in der das kleine nackte Mädchen aus dem Atelier des "Künstlers" hervortritt und jener - wenig überzeugend - beteuert, dass es nur um die Kunst geht. Hilton nimmt das Augenbrauehebend auf, hält es aber nicht für nötig, dies der Polizia zu melden. :roll:


Andere Zeiten, andere Sitten :(
Empfinde den Film aber ansonsten als sehr gelungen und werde 7,5/10 geben.


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 Post subject: Re: MY DEAR KILLER - Tonino Valerii
PostPosted: 20.02.2017 20:13 
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Noch schlimmer geht's in Visconti's LA ORCA sequel zu... :x

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 Post subject: Re: MY DEAR KILLER - Tonino Valerii
PostPosted: 01.04.2020 11:01 
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"Mio caro assassino" (My dear killer / Sumario sangriento de la pequena Stefania) (Italien / Spanien 1972)

mit: George Hilton, Salvo Randone, William Berger, Manolo Zarzo, Patty Shepard, Piero Lulli, Helga Liné, Tullio Valli, Dante Maggio, Dana Ghia, Monica Randall, Alfredo Mayo, Daniela Rachele Barnes, Corrado Gaipa, Marilù Tolo, Francesco di Federico, Elisa Mainardi, Enzo Fiermonte, Lola Gaos, Luigi Antonio Guerra, Sofia Dionisio u.a. | Drehbuch: Franco Bucceri, José G. Maesso, Roberto Leoni, Tonino Valerii | Regie: Tonino Valerii

Der ehemalige Versicherungsdetektiv Paradisi wird in einer Baugrube von einem Bagger geköpft. Anfangs geht die Firma von einem tragischen Unfall aus, doch der Fahrer wird kurz darauf ebenfalls ermordet. Inspektor Luca Peretti stellt bald einen Zusammenhang zwischen den zwei Morden und der Entführung der kleinen Stefania Moroni her, die in einem Bunker nahe der Baugrube tot aufgefunden wurde. Wer steckt hinter diesen Verbrechen? Was wissen die Angehörigen des Kindes? Und wie viele Zeugen werden noch beseitigt werden?

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Die prominente Besetzung der Inspektoren-Rolle verleiht dem Film Seriosität und verhindert eine gewisse Willkür, wie sie in anderen Vertretern des Genres oft zu sehen ist. Statt die Ermittlungen von einem Privatier anstoßen zu lassen, ist es diesmal die offizielle Polizei, die den Nachforschungen ihren Stempel aufdrückt. George Hilton meistert seinen Part als Repräsentant des Gesetzes mit stoischer Gelassenheit, was ihn umso glaubwürdiger macht, weil er trotz intensiven Engagements nicht der panischen Verzweiflung das Wort redet. Zeugen sterben und Beweismittel werden vernichtet, doch sein strukturiertes Vorgehen lässt sich davon nicht beirren. Er untermauert seine Rolle mit dem Tragen einer Lesebrille und arbeitet eng mit seinen Kollegen zusammen, was ebenfalls für die Ernsthaftigkeit des Stoffes spricht. Die Repräsentanten der Exekutive begegnen sich höflich und delegieren alle Aufgaben präzise, was unterstreicht, dass der Ermittlungserfolg immer ein Gemeinschaftsprodukt und selten das Ergebnis von Alleingängen ist. Trotz der drastischen Wahl der Mordmethoden spielt die Produktion nicht in der Liga der Sleaze- oder Splatterfilme, sondern erzählt die Geschichte der Entführung und Ermordung von Vater und Tochter Moroni, die aus ihrem paradiesischen Umfeld gerissen wurden und in einem abgelegenen Versteck ein trauriges Ende fanden. Das melancholische Musikthema von Ennio Morricone unterstreicht die Tiefe, welche der Stoff durch die Trauer über den Verlust der beiden Familienmitglieder erhält. Es liegt wie der Duft eines vertrauten Parfüms über der Szenerie und weckt wehmütige Erinnerungen an bessere Zeiten und intakte Verhältnisse. Andererseits weist das Kinderlied aber auch subtil auf die Fragilität von Sicherheit und Unversehrtheit hin, die gefährdeter sind als allgemein angenommen. Die sparsam eingesetzten Klänge erschüttern den Zuschauer dort, wo auf die Vergangenheit verwiesen und die Agonie eines langsam sterbenden Kindes spürbar gemacht werden soll. Um die aktuellen Morde aufklären zu können, muss Inspektor Luca Peretti zunächst die Spuren in die Vergangenheit verfolgen. Und wie immer, wenn trübes Wasser aufgewühlt wird, kommen auch unerfreuliche Tatsachen an die Oberfläche. Die Personen sehen sich gezwungen, sich unangenehmen Erinnerungen zu stellen und ihre Beziehungen werden auf eine starke Probe gestellt, weil Hass, Unzufriedenheit und Ansprüche lange zurückgestellt worden waren. Die Luft vibriert förmlich vor kompromittierenden Geheimnissen und schmutzigen Begierden kranker Gehirne.

Pädophile Neigungen scheinen greifbar, werden jedoch trotz eindeutiger Hinweise nicht bestätigt. Während die Männer in perversen Phantasien gefangen bleiben, flüchten sich ihre Frauen in Traumbilder einer heilen Welt oder zeigen offen ihr Missfallen über nicht erfüllte Erwartungen. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt und hütet die eigenen Neurosen wie einen furchtbaren Schatz, den es zu verteidigen gilt. Mitleid erwecken jene Szenen, die Rückblenden vom fröhlichen Glück der fünfjährigen Stefania zeigen, aber auch die tapfere Verteidigung des entscheidenden Beweismittels durch die Lebensgefährtin des Schrottsammlers. Plakative Szenen wie der Sprühregen aus Blut im Badezimmer oder die Auffindung der verwesten Leichen im Bunker sind kurz, aber nachhaltig und verleihen dem Film neben dem erwünschten Grusel auch Betroffenheit. Sie dominieren die Handlung jedoch nicht, was eine Verschiebung vom Giallo zum Kriminalfall nachvollziehbar macht und gerade in Hinblick auf die Auflösung sehr deutliche Parallelen zu klassischen Stoffen nach Vorlagen etablierter Schreiber wie beispielsweise Agatha Christie aufweist. Im vorliegenden Fall sind mehrere Autoren für das Drehbuch verantwortlich, was diesmal aber nicht zu einem unausgewogenen Tauziehen der Ideen führte, sondern zum Beleuchten mehrerer Aspekte. Die Kontraste zwischen der stilvollen Ästhetik im Anwesen der Familie und der spartanischen Unterkunft des Altmetallhändlers, sowie der Eleganz des Halstuchmordes im Gegensatz zur Vernichtung durch die Schleifmaschine, betonen die Widersprüche des Ambientes. Beunruhigende Fingerzeige auf weitere schwelende Glutherde unter der Oberfläche der konservativen Prosperität liefern das Auftauchen eines nackten Kindes und Hinweise auf alte Rechnungen, die innerhalb der Familie noch offen sind. Es zeigt sich wieder einmal, dass der schöne Schein und die weiß getünchten Fassaden oftmals Abgründe verdecken. Die Anzahl der Verdächtigen ist großzügig bemessen und spielt damit erneut dem "Whodunit"-Faktor in die Hände, der hier sehr traditionell erarbeitet wird und durch klassische Verhöre betont wird. Der Zuschauer baut dabei eine Distanz zu den Figuren auf, was die Sympathie für Inspektor Luca Peretti nur erhöht. Seine einfühlsame und unaufdringliche Präsenz federt die Gefühlsausbrüche der Befragten ab und kanalisiert die erhaltenen Informationen zu einem großen Ganzen. Wie ein Archäologe macht sich auch der Polizist erst dann ein Bild, wenn er die einzelnen Fragmente zusammengefügt und in ihrer Gesamtheit betrachtet hat.

George Hilton meistert seinen Part mit geradliniger Vehemenz und stellt unter Beweis, dass er nicht nur im Giallo-Fach weitaus mehr kann als nur den mit allen Wassern gewaschenen Lebemann und Liebhaber zu spielen. Seine angenehme Zurückhaltung dominiert die Handlung auch ohne Faustkämpfe oder brillante Intrigen. Der uruguayische Schauspieler vermag es, bei jedem seiner Auftritte nachhaltige Akzente zu setzen, was nicht allein an seiner Physiognomie liegt, sondern an seiner sympathischen Ausstrahlung. Patty Shepard als Lehrerin Paola Rossi darf einige der markantesten Szenen des Films begleiten: die unheimliche Ausleuchtung der Gassen auf ihrem Nachhauseweg, die subjektive Kamera bei der Bedrohung durch einen Eindringling und der Schrecken, den sie zuerst im Hausflur und dann auf ihrer Etage erlebt, sichern ihr den Status einer glaubwürdigen Repräsentantin der Mitte, die eine Schlüsselfigur zur Aufklärung des Falles Stefania Moroni bildet und die volle Wucht jener Aggression abbekommt, die den Täter umtreibt und ihn eine blutige Schneise durch das Umfeld des Entführungsopfers markieren lässt. Das Gros der männlichen Darsteller verkörpert harte, emotional fehlgeleitete Charaktere, die sich auf abgebrühte Weise in der Mitte ihres Lebens eingerichtet haben und deren Fähigkeit zur Empathie schon lange abgestumpft ist - falls sie je vorhanden war. Alfredo Mayo, Tullio Valli und Dante Maggio zeichnen Porträts von zweifelhaften Männern jenseits von Gut und Böse, deren Interesse sich nur mehr auf die Behauptung der eigenen Persönlichkeit konzentriert und die einen Grat überschritten haben, der sie zur unberechenbaren Komponente in dem klassischen Detektivpuzzle macht, das am Ende so meisterhaft zusammengefügt wird. Die Balance zwischen der Berücksichtigung aller relevanter Figuren spielt dem Rätselfaktor dabei überzeugend in die Hände. Regisseur Valerii orientiert sich vor allem im Finale am klassischen Aufbau traditioneller Kriminalgeschichten, wenn Inspektor Peretti die tragische Familiengeschichte rückblickend aufrollt. Die Spannung bleibt auf diese Weise bis zu den letzten Minuten erhalten und sorgt dafür, dass der Film auch bei einer Zweitsichtung zu unterhalten weiß, weil er von seinem klaren Aufbau und den beunruhigenden Untertönen lebt, die sich eben nicht aus dem abstrakten Wahnsinn eines Monsters speisen, sondern weitgehend unbehelligt in so manchem Zeitgenossen schlummern. Sehenswert nicht nur für George-Hilton-Freunde, sondern auch für jene, die gepflegten Nervenkitzel mit punktgenau platzierten Schockmomenten suchen.


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