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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: SPASMO - Umberto Lenzi
PostPosted: 03.12.2009 16:51 
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Ein Giallo über den man wiklich geteilter Meinung sein kann ist Umberto Lenzis Spasmo.

Eine Inhaltsangabe zu diesem Film zu schreiben ist gar nicht so einfach - die Handlung ist doch sehr
wirr ( beabsichtigt !? ) ich versuche es trotzdem...

Inhalt :
Der Film beginnt mit im Wald erhängten Puppen (Schaufensterpuppen) - Danch finden ein junger Mann und seine Bekannte eine scheibar tote am Strand ( liegt mit dem Gesicht nach unten ).
Die Junge Frau, die lebt allerdings noch. Kurz nach ihrer Entdeckung verschwindet sich spuhrlos dabei hinterlässt sie einen Hinweis auf ein Schiff.
Auf jenem Schiff findet eine Party statt.
Christian trifft dort Babara wider und nimmt sie nach einem Streit mit ihrem Ex mit ins Hotel.
Im Badezimmer des Hotels erschießt er den Eifersüchtigen Freund der ihnen gefolgt war .

Anstatt nun die Polizei zu alarmieren oder die Leiche verschwinden zu lassen flüchtet man in ein Haus, welches einer Freundin von Babara gehört, die gerade verreist ist - unglücklicherweise hat sie das Haus für diese Zeit vermietet ...

Fazit:

Die Story läuft in dem Stiel weiter , alle Personen handeln gegen jede logik.
Später taucht noch Christians Bruder Fritz auf, der am geistigen Zustand seines Bruders zweifelt ...
Erst am Ende des Films versucht Lenzi alles ( einschließlich der Anfangssequenz zu erklären )

Einerseit ist die Handlung totaler Schwachsinn, andererseits ist sie irgendwie bizarr und faszinierend .

Die Schauspieler gefallen mir ausgesprochen gut. Robert Hoffman als Christian, Ivan Rassimov als Fritz , Suzy Kendall als Babara und die vielen Nebenrollen liefer ein gute Leistung ab

Das ganze ist schön gefilmt und mit einem guten Score von Ennio Morricone unterlegt.

Ein Film der sicher nicht jedem gefällt, aber doch einen Versuch wert ist.
Ich jedenfalls wurde bestens unterhalten 8,5/10 für Lenzis "Spezial" Giallo

Inzwische gibt ihn ja sogar auf DVD (auf deutsch, die US hatte ich schon länger...)

Peter

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 Post subject: Re: Spasmo - Umberto Lenzi
PostPosted: 03.12.2009 17:13 
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Den Film mochte ich beim ersten Sichten überhaupt nicht. Zum Glück hab ich ihm aber noch eine Chance gegeben und musste mein Urteil revidieren. Inzwischen finde ich, dass er mitunter einer der stärksten Lenzi-Gialli ist.
Mittlerweile hab ich den Film 3x (Greenwood VHS, US DVD, Eyecatcher DVD). Eigentlich schon komisch für einen Film den ich anfangs nicht mochte! :o

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Zensor, der - Beamter gewisser Regierungen, dessen Aufgabe es ist, geniale Werke zu unterdrücken. In Rom war der Zensor
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(Ambrose Bierce - Des Teufels Wörterbuch, 1911)


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 Post subject: Re: Spasmo - Umberto Lenzi
PostPosted: 03.12.2009 19:50 
Ich mochte den Film sofort, aber je öfter ich ihn angesehen habe, je weniger habe ich ihn verstanden. :roll:


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 Post subject: Re: Spasmo - Umberto Lenzi
PostPosted: 03.12.2009 20:03 
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Man muss ja nicht alles verstehen, um es gut finden zu können. Ganz starker Film.


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 Post subject: Re: SPASMO - Umberto Lenzi
PostPosted: 03.12.2009 21:42 
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ich drück mich jetzt seit einem jahr den anzusehen :lol:

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 Post subject: Re: SPASMO - Umberto Lenzi
PostPosted: 27.01.2010 15:17 
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Habe die DVD schon länger hier herumliegen, bin aber heute erst dazugekommen ihn mir anzuschauen. Ich bin immer noch schwer beeindruckt! Ganz, ganz starker Film.

9/10


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 Post subject: Re: SPASMO - Umberto Lenzi
PostPosted: 21.04.2010 10:09 
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Über SPASMO kann man wirklich geteilter Meinung sein. Ich fand das Drehbuch sehr wirr und die Figuren agierten sehr unnatürlich und fern jeder Logik. Vor allem zu Beginn nimmt sich Lenzi nicht genügend Zeit, um die Geschichte logisch aufzubauen und die Charaktere zu entfalten. Den Cast fand ich allgemein nicht sehr überzeugend. Zum Schluss versucht Lenzi den Kreis zu schließen, doch einige Fragen bleiben offen. Von mir gibts hierfür nur 4,5/10.


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 Post subject: Re: SPASMO - Umberto Lenzi
PostPosted: 21.04.2010 10:14 
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Also, ich fand BESONDERS das Drehbuch sehr super und schlüssig, im Gegensatz zu vielen anderen Gialli übrigens. Wie das jetzt alles genau war inhaltlich, kann ich aber leider nicht mehr sagen, weil die Sichtung schon so lange her ist. Kriegt einer (mit Spoilerschutz) den End-Twist nochmal zusammen?

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 Post subject: Re: SPASMO - Umberto Lenzi
PostPosted: 21.04.2010 11:29 
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Thomas Morus wrote:
Kriegt einer (mit Spoilerschutz) den End-Twist nochmal zusammen?

Kennt hier jemand den Monty-Python-Sketch, wo es darum geht Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" in 15 Sekunden zusammenzufassen? :D Aber im Ernst, ich finde den Film trotz seiner realitätsfernen Charaktere ganz ok, nur ist es zu lange her, als dass ich das hinkriegen würde.
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 Post subject: Re: SPASMO - Umberto Lenzi
PostPosted: 21.04.2010 15:04 
Logisch ist der Film sicher nicht, eher auf eine Weise wie die David Lynch Filme zu interpretieren.
Ich mag SPASMO aber so oder so!


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 Post subject: Re: SPASMO - Umberto Lenzi
PostPosted: 22.04.2010 23:51 
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beast with a gun wrote:
@schwarze handschuhe: lol bin fast immer anderer meinung bei deinen kommentaren! :D

zum ende:

habe ich in erinnerung: das BEIDE bauman brüder (hoffmann und rassimov) das killergen geerbt haben! der eine lebt es unterbewusst aus (hoffmann) der andere reagiert sich an schaufensterpuppen ab (rassimov)... siehe dazu, das ende mit dem raum voller schaufensterpuppen. also machen auch die über den gesamten film verteilten, gemeuchelten puppen wieder sinn. eigentlich sehr schlüssig das ganze und nicht so verwirrend...


:mrgreen: Jepp, da kann ich nur sagen, schön, dass die Geschmäcker so vielfältig sind. 8-)


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 Post subject: Re: SPASMO - Umberto Lenzi
PostPosted: 19.06.2010 19:35 
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Im Covertext der Eyecatcher-DVD wird ja gleich mal großzügig gespoilert. :roll: Oder ist das doch noch nicht die komplette Auflösung? Darüber wäre ich ja froh, denn dann hätte ich wenigstens noch ein paar Überraschungen, wenn ich ihn mir demnächst ansehe. Ansonsten, vielen Dank Eyecatcher, dass ihr euren Kunden so den Filmgenuss verderbt. :roll:

Sorry, aber sowas ist doch echt bescheuert!

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 Post subject: Re: SPASMO - Umberto Lenzi
PostPosted: 19.06.2010 19:48 
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ist nicht die komplette auflösung, aber nimmt dennoch viel vorweg.


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 Post subject: Re: SPASMO - Umberto Lenzi
PostPosted: 19.06.2010 19:51 
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darum lese ich generell nie Covertexte!

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 Post subject: Re: SPASMO - Umberto Lenzi
PostPosted: 20.06.2010 20:16 
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So, nun hab ich den auch mal gesehen.

Vor allem zu Beginn schon ein regelrechtes Verwirrspiel, das mit all seinen Merkwürdigkeiten dann doch mein Interesse wecken konnte. Angefangen bei den undurchschaubaren Charakteren, dann diese bizarr anmutenden Puppen im Wald, die verschwundene Leiche, der Einbruch in das Haus, die seltsamen Bewohner, und und und. Auch inszenierungstechnisch alles im grünen Bereich, auch wenn Lenzi sicher nicht zu den ganz großen Künstlern im Genre zählt. Dazu liefert Morricone einen soliden Score und an den Darsteller/innen habe ich auch nichts auszusetzen. Robert Hoffmann bringt den Wahnsinn recht überzeugend rüber, Ivan Rassimov und Guido Alberti sind immer gern gesehen und Suzy Kendall finde ich ja auch irgendwie sehr attraktiv.

Sicher liegt es zum Großteil auch einfach an meiner Vorliebe für den Giallo, aber ich bin immer noch der Meinung, dass Lenzis Arbeiten in dem Genre einfach noch einen Tick überzeugender sind als seine Poliziescos.

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Die Musik im Vorspann klingt ja furchtbar kratzig, zum Glück wurde es danach dann besser.

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 Post subject: Re: SPASMO - Umberto Lenzi
PostPosted: 20.06.2010 21:11 
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Eigentlich nach PARANOIA (aka A QUIET PLACE TO KILL) und KNIFE OF ICE der beste Lenzi Gialli! Wird mit jedem Schauen besser!

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 Post subject: Re: SPASMO - Umberto Lenzi
PostPosted: 20.06.2010 21:25 
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gestern gesehen und er hat mir deutlich besser gefallen als beim 1. mal. liegt vielleicht daran, das ich christian und fritz dieses mal auseinander halten konnte :mrgreen:

8/10


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 Post subject: Re: SPASMO - Umberto Lenzi
PostPosted: 21.06.2010 00:21 
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dr. feti wrote:
gestern gesehen und er hat mir deutlich besser gefallen als beim 1. mal. liegt vielleicht daran, das ich christian und fritz dieses mal auseinander halten konnte :mrgreen:

8/10

Ha, den hab ich gestern auch zum 2. mal gesehen...das ist ja gruselig... sind wir etwa auch Zwillinge... huch, ich bin ja Zwilling... creepy! :o

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 Post subject: Re: SPASMO - Umberto Lenzi
PostPosted: 21.06.2010 19:30 
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den leuten hier hab ich es zu verdanken, das ich mir den wieder reinziehen musste

wer weis, vielleicht haben wir den spasmo zum 1. mal auch am selben tag geguckt :shock:

www.youtube.com Video from : www.youtube.com


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 Post subject: Re: SPASMO - Umberto Lenzi
PostPosted: 25.07.2010 16:53 
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SPASMO (Italien, 1974) R: Umberto Lenzi

Der Millionenerbe und Großindustriellen-Spross Christian Baumann (Robert Hoffmann, erst mit Vollbart, dann ohne) findet bei einem Spaziergang am Strand die bewusstlose Barbara (Suzan Kendall), die ihn dermaßen fasziniert, daß er für sie seine Freundin Xenia (Maria Pia Conte) in den Wind schießt. Aus dem geplanten Schäferstündchen wird jedoch nichts, denn ein mysteriöser Einbrecher (Adolfo Lastretti) dringt in das Motelzimmer ein und wird von Christian – scheinbar – erschossen. Kurze Zeit später ist die Leiche spurlos verschwunden. Christian kriegt es mit den Nerven zu tun und flieht mit Barbara ans Meer zum Haus einer verreisten Freundin. Dort treffen sie auf einen Untermieter namens Malcolm (Guido Alberti) und seine schöne junge Frau Clothilde, die ihnen Unterschlupf gewähren. Was geht vor sich? Wer ist der Unbekannte mit der Sonnenbrille, der Christian zu beobachten scheint? Was hat es mit den Schaufensterpuppen auf sich, die überall auftauchen? Was ist das Geheimnis der blutigen Gartenschere? Und welches undurchsichtige Spiel treibt Christians Bruder Fritz (Ivan Rassimov)? Irritation, Misstrauen und Selbstzweifel regieren…


Ich kann mich noch gut an meine erste Begegnung mit der Greenwood-Videokassette von SPASMO erinnern: Es war Mitte der 80er, ich war gerade auf dem Slasher-Trip und lieh das Tape aus, weil das Cover (Hand mit Küchenmesser) einschlägige Kost versprach. Nach etwa 45 Minuten riss ich die Kassette entnervt aus dem VCR und pfefferte sie zornig gegen die Wand.
Heute bin ich gesetzter und geduldiger und habe darüber hinaus jahrelange Erfahrungen auf dem Giallo-Sektor zusammengetragen – es war also an der Zeit, dem Film eine zweite Chance zu geben.
Zwar habe ich SPASMO dieses Mal nicht durchs Wohnzimmer geschleudert, aber leider lässt der Film mich ratlos und zwiespältig zurück. Er hat durchaus seine Qualitäten, wenn man ihm sehr wohlwollend begegnet. Am Ende überwiegen aber doch die Defizite.
Diese äußern sich vor allem beim Drehbuch (co-geskriptet von Massimo Franciosa, der immerhin mit Pasquale Festa Campanile zahlreiche gelungene Drehbücher und Theaterstücke schrieb), das sich in seinem Dilettantismus kaum in Worte fassen lässt. Holprig, wirr, konfus, ungeschickt, zerfahren – das sind Begriffe, die mir während der Sichtung durch den Kopf spukten. Resümierend muss man sagen, daß dieses Skript nicht das leiseste Gespür für die Grundbegriffe der Dramaturgie aufbringt, was zur Folge hat, daß der Zuschauer sehr bald jegliches Interesse an den Vorgängen verliert. Der Anfang macht zwar neugierig und die „Auflösung“ (der bizarrste Plot-Twist, den ich je in einem Giallo gesehen habe!) am Ende ist gar nicht mal so übel gelungen, entschädigt aber nicht für die lähmenden Durchhänger im Mittelteil. Die Desorientierung, die Christian im Verlauf der Handlung befällt, überkommt auch den Zuschauer – aber auf ungute Weise.
Das Unglaublichste sind aber die Dialoge. Unter gewissen Voraussetzungen (Drogeneinfluss oder spastische Lähmung, zum Beispiel) mag das Ganze äußerst lustig sein, denn die Zwiegespräche der Protagonisten sind teilweise dermaßen hanebüchen und sinnentleert, daß beinahe surreale Qualitäten erreicht werden. Ich könnte seitenlange Ausführungen mit Schlagabtauschen füllen, die sich die Figuren liefern, aber das würde jeden Rahmen sprengen. Teilweise glaubte ich, nicht recht zu hören und musste zurück spulen…

Ich bin mir nicht sicher, ob die deutsche Synchronisation Schuld daran trägt, oder ob die Dialoge bereits in der Originalfassung ein derartiger Haufen durchgequirlter Humbug sind. In jedem Fall ist die deutschsprachige Vertonung nicht sonderlich gelungen, die Sprecher agieren lustlos oder überkandidelt, die Stimmen sind zum Großteil unpassend. Der Sprecher, der Ivan Rassimov synchronisiert, ist ein schlechter Witz.
Das Dilemma wird nicht besser durch die Leistungen der Schauspieler und die Regie. Speziell Robert Hoffmann und Suzy Kendall chargieren beide permanent am Rande der völligen Hysterie – nur kapiert man meistens gar nicht, warum sie das tun. Die Kendall ist obendrein alles andere als eine begabte Darstellerin. Sie beherrscht gerade mal zwei Gesichtsausdrücke und die setzt sie während der gesamten Handlung, je nach Gusto, abwechselnd auf. Immerhin hat sie Giallo-Erfahrung, sie trat nämlich außerdem in Argentos DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE und Sergio Martinos TORSO auf. Daß Hoffmann ein passabler Akteur ist, bewies er hinlänglich in Ernesto Gastaldis vorzüglichem Biker-Thriller ROCKER STERBEN NICHT SO LEICHT, hier wird er leider von der Regie im Stich gelassen und schwankt zwischen Farblosigkeit und Overacting. Ivan Rassimov bestreitet eine relativ kleine Rolle und bleibt dabei ungewohnt blass. Außerdem sehen wir noch den gestandenen Guido Alberti (u.a. DAS SYNDIKAT DES GRAUENS), der in über 50 italienischen Genre-Produktionen mitwirkte, in einer vollkommen wirr angelegten Rolle, über deren Sinn ich bis heute nachgrüble. Den besten Job erledigt noch Adolfo Lastretti (DIE KILLER-MEUTE) als mysteriöser Killer-der-gar-kein-Killer-ist, dessen morbide und schmierige Ausstrahlung das Ensemble vor der totalen Belanglosigkeit rettet.
Auch die streckenweise furchtbar öde Inszenierung lässt jeden Sinn für Spannungsaufbau schmerzlich vermissen. Ursprünglich sollte übrigens Lucio Fulci den Film inszenieren, er war aber unabkömmlich, weshalb man Lenzi unter Vertrag nahm. Man darf spekulieren, was Onkel Lucio wohl aus dem Stoff herausgekitzelt hätte…

Was den Zuschauer dennoch bei der Stange hält, ist vor allem die sehr gelungene Kameraarbeit. Stellenweise hat man das Gefühl, Umberto sei während des Drehs eingeschlafen und Kameramann Guglielmo Mancori habe versucht zu retten, was noch zu retten ist. Sämtliche Szenen, in denen die gruseligen Schaufensterpuppen auftauchen, sind auch wirklich unheimlich und verbreiten einen Ansatz von Gänsehaut-Atmosphäre. Auch die sehr stimmigen Locations sind geschickt ausgewählt und werden ansprechend in Szene gesetzt – wenn das Gehirn schon Pause hat, darf wenigstens das Auge schwelgen. Und, wo wir schon bei den Pluspunkten sind, das Ohr: denn das mit Abstand beste an SPASMO ist der herausragende Score von Meister Ennio Morricone, der wunderschöne und einprägsame Melodien und Chöre mit äußerst schrägen, nervenaufreibenden Dissonanzen vermischt. Genial, ich habe mir umgehend den Soundtrack auf CD bestellt. (Darauf ist eines der musikalischen Hauptthemen, passenderweise als „Stress Infinito“ bezeichnet, in einer 18minütigen Folter-Version enthalten!)

Apropos: Die DVD von Eyecatcher hat eine Bildqualität, die so lala ist. Der Ton ist ziemlich verrauscht und stellenweise arg dumpf, der 5.1-Ton ist ein splitted upmix, den man in den Eimer treten kann. Unter den Extras befindet sich der erwähnte Soundtrack. Theoretisch eine wunderbare Sache, nur ist die Qualität miserabel – der Ton leiert, als habe man als Master eine Vinylscheibe verwendet, die zu lange in der Sonne gelegen hat.

Fazit: Ich denke, die einzige Möglichkeit SPASMO rundum zu genießen, ist es, den Film als unfreiwillige Komödie zu begreifen und sich über diese komplette Wirrnis und die herrlich schwachsinnigen Dialoge totzulachen. Oder man akzeptiert ihn als bizarren Traum und quasi-surreale Erfahrung, die auf jede nachvollziehbare Logik und Kohärenz pfeift. Ansonsten hilft nur: die gelungenen Bilder und die Musik auf sich wirken lassen.
Trotz den obenstehenden Ausführungen (oder gerade deswegen?) möchte ich SPASMO nicht in meiner Sammlung obskurer Filme missen. Seltsam, aber so steht es geschrieben…

Lieblingszitat:
"Es ist alles so absurd und sinnlos!"
"Ja, alles ist so banal!"


(Banal, anal, total egal…)

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PostPosted: 26.07.2010 23:25 
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Richard Harrison? :shock:


Lass das mal besser nicht Robert Hoffmann hören... :mrgreen:


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 Post subject: Re: SPASMO - Umberto Lenzi
PostPosted: 26.07.2010 23:57 
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ugo-piazza wrote:
Richard Harrison? :shock:


:shock: Allmächtiger Satan... und bisher ist es keinem aufgefallen!! Ich brech ab... :lol: :lol: :lol:


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Hab's korrigiert und geh mich jetzt schämen... :oops:

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 Post subject: Re: SPASMO - Umberto Lenzi
PostPosted: 14.11.2010 00:43 
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Habe ihn gerade erstmalig gesehen und bin sehr zwiegespalten. Die ersten 30 Minuten sind durch die wirren Handlungen der Protagonisten ziemlich dröge und ich hatte mich bereits dazu entschlossen ihn wieder zu verkaufen. Danach wird er langsam stärker und wird gegen Ende hin immer besser. Auch die Auflösung fand ich ganz interessant und durchaus gelungen. Trotzdem waren ein paar Sachen vorhanden die nerven. Die ersten Handlungen von allen Beteiligten gingen ja mal gar nicht. Das war einfach nur saudoof. Die "Leiche" liegen zu lassen um lieber wegzulaufen bzw. die Vertrautheit des frischen Paares ohne das mal zu hinterfragen. Dann war es ziemlich seltsam einem fremden Pärchen, direkt mal mitzuteilen das man jemanden ermordet hat. Fast als Begrüßungstalk, nach einem Einbruch in deren Wohnung :roll:
Warum die Puppen im Wald liegen bzw. hängen habe ich immer noch nicht verstanden.

Trotzdem gab es gute Szenen und wenn man die dämliche erste halbe Stunde hinter sich gebracht hat kommt richtig Freude auf. Ich sehe ihn allerdings auch nicht als Giallo an. Damit hatte er meines Erachtens sehr sehr wenig zu tun.

Achja, die Synchro war wirklich grottenschlecht. Beim nächsten mal lieber O-Ton mit Untertiteln.


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 Post subject: Re: SPASMO - Umberto Lenzi
PostPosted: 14.11.2010 21:07 
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deadlyfriend wrote:
Ich sehe ihn allerdings auch nicht als Giallo an. Damit hatte er meines Erachtens sehr sehr wenig zu tun.

Du excludierst aber sehr viel aus dem Genre, zuletzt DER TODESENGEL u. jetzt noch SPASMO. :D
Ich hab ja auch Probleme Filme wie, um bei Lenzi zu bleiben, NIGHTMARE BEACH als Giallo zu bezeichnen, aber die beiden o.g.? Naja! Also wenn das keine Gialli sind...

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 Post subject: Re: SPASMO - Umberto Lenzi
PostPosted: 15.11.2010 02:04 
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@deadlyfriend

ich find auch, dass du "Deinen" Giallobegriff etwas arg eng fasst (was natürlich Dein gutes Recht ist) ;-)

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 Post subject: Re: SPASMO - Umberto Lenzi
PostPosted: 15.11.2010 20:54 
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creepy-images wrote:
@deadlyfriend

ich find auch, dass du "Deinen" Giallobegriff etwas arg eng fasst (was natürlich Dein gutes Recht ist) ;-)



Naja, ich stelle mir bei einem Genre halt etwas vor. Der Giallo ist halt etwas sehr spezifisches, sonst könnte man ihn ja auch als Krimi bezeichnen, was er natürlich ja auch ist. Aber eben eine spezielle Form. Natürlich kann man da Spasmo irgendwie reinpacken, aber viele Dinge des Giallo hat er meines Erachtens erst rückblickend und nicht während drin. Schwierig zu erklären. Ich sehe auch "Blow up" nicht unbedingt als Giallo an, obwohl Elemente vorhanden sind. Aber nur wegen des Herkunftslandes würde ich ihn persönlich da nicht einordnen. Wenn ich jetzt jemandem filmisch erklären will was ein Giallo ist, würde ich ihm zumindest weder "Blow up" noch "Der Todesengel" oder "Spasmo" zeigen. Ich finde zwar die ersten genannten absolut überragend, aber sehe sie nicht unbedingt als Stellvertreter des Genres an. Ist wirklich schwierig zu erklären :?


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 Post subject: Re: SPASMO - Umberto Lenzi
PostPosted: 15.11.2010 23:48 
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Ob nun Giallo oder nicht... mich wundert viel mehr, dass hier so viele die erste halbe Stunde kritisieren. Fand ich gerade reizvoll, wie da diese wirren Handlungen auf den völlig ahnungslosen Zuschauer einprasseln ( :? ), während dieser Zauber dann ein wenig verfliegt, wenn es an die Erklärungen geht.

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 Post subject: Re: SPASMO - Umberto Lenzi
PostPosted: 16.11.2010 00:10 
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Chet wrote:
Ob nun Giallo oder nicht... mich wundert viel mehr, dass hier so viele die erste halbe Stunde kritisieren. Fand ich gerade reizvoll, wie da diese wirren Handlungen auf den völlig ahnungslosen Zuschauer einprasseln ( :? ), während dieser Zauber dann ein wenig verfliegt, wenn es an die Erklärungen geht.




Ich fand die wirren Handlungen aber nicht nur wirr, sondern auch dämlich ;)


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 Post subject: Re: SPASMO - Umberto Lenzi
PostPosted: 16.11.2010 09:45 
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Chet wrote:
... mich wundert viel mehr, dass hier so viele die erste halbe Stunde kritisieren. Fand ich gerade reizvoll, wie da diese wirren Handlungen auf den völlig ahnungslosen Zuschauer einprasseln ( :? ), während dieser Zauber dann ein wenig verfliegt, wenn es an die Erklärungen geht.

Das "Problem mit der ersten halben Stunde", bei mir eher locker eine Dreiviertelstunde, hatte ich bei Erstansicht zugegebenermaßen aber auch. Verflog dann beim zweiten oder dritten Mal, so genau weiß ich das nicht mehr. Man gewöhnt sich eben an jeden Stuss... (<- nicht böse gemeint, ich mag den Film)

Gruß, G.


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 Post subject: Re: SPASMO - Umberto Lenzi
PostPosted: 16.11.2010 11:53 
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deadlyfriend wrote:
Ich fand die wirren Handlungen aber nicht nur wirr, sondern auch dämlich ;)


Dann nenn mir einen Giallo ohne dämliche Passagen ;)

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