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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Re: THE KILLER RESERVED NINE SEATS - Giuseppe Bennati
PostPosted: 13.06.2014 13:28 
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Danke für die blitzschnelle Besprechung. Das liest sich toll und steigert die Vorfreude auf den Film!
Leider habe ich mir diesen Monat erst 9 Gäste für den Tod gekauft und muss nun noch ein paar Tage warten bis ich mir die neue CO leisten kann. :lol:

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 Post subject: Re: THE KILLER RESERVED NINE SEATS - Giuseppe Bennati
PostPosted: 13.06.2014 21:31 
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Ich habe zu danken! ;)
Für die Überbrückung ist "9 Gäste für den Tod" allerdings auch hervorragend geeignet, der macht ebenfalls Laune.
Aber wie gesagt, "The Killer Reserved Nine Seats" hat mich richtig begeistert und ich bin sehr froh, den endlich gesehen zu haben!
Ich hielt es noch nicht einmal mehr für nötig, nach der berüchtigten Logik herumzusuchen! Ist das nun logisch? :lol:


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 Post subject: Re: THE KILLER RESERVED NINE SEATS - Giuseppe Bennati
PostPosted: 20.12.2014 19:56 
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Sehr schöner Film, der uns auf einer hervorragend Disc präsentiert wird. Optisch weiß L’assassino ha riservato nove poltrone wirklich zu gefallen, einige Szenen sind sogar ganz ausgezeichnet. Sehr gut gefallen hat mir beispielsweise jene Szene als Janet Agren die Szene aus Romeo und Julia (war das glaub ich) auf der Bühne gespielt hat und die Verbindung zwischen gespielten und echten Tod. Richtig toll. Das wunderschöne Theater ist eine großartige Kulisse obwohl es dafür, dass es seit 100 Jahren nicht mehr bespielt wurde ziemlich gut und relativ sauber aussieht. Aber wen kümmern schon solche Kleinigkeiten. Ich hab mir auch öfter gedacht, aus diesem Theater rauszukommen kann doch nicht so schwer sein, das EXIT-Schild ist dabei aber ein toller Gag ;) . Die Geschichte ist, wenn man es genau nimmt, eigentlich ziemlich unspektakulär trotzdem aber zu keiner Sekunde langweilig, vielleicht liegt das an den unzähligen optischen Reizen, die der Streifen zu bieten hat. Die Darsteller sind durch die Bank vorzüglich und die Senatore hat wirklich einen unglaublichen Body, da hat der gute Renato absolut recht. Lucretia Love fand ich aber auch zum Anbeißen. Drehbuchautor Proietti fand ich in dem informativen Interview auch ziemlich sympathisch ebenso wie Howard Ross. Wie gesagt, sehr schöner Film und eine tolle Neuentdeckung präsentiert auf einer ausgezeichneten Disc, bitte weiter so und nach den ganzen positiven Meldungen über Come cane arrabbiati freu ich mich jetzt schon riesig auf den Film. Ist wohl genau das richtige für Weihnachten :D .


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 Post subject: Re: THE KILLER RESERVED NINE SEATS - Giuseppe Bennati
PostPosted: 30.12.2014 20:47 
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Alternativer Titel: L'Assassino ha riservato nove poltrone
Produktionsland: Italien
Produktion: Dario Rossini
Erscheinungsjahr: 1974
Regie: Giuseppe Bennati
Drehbuch: Giuseppe Bennati, Paolo Levi, Biagio Proietti
Kamera: Giuseppe Aquari
Schnitt: Luciano Anconetani
Musik: Carlo Savina
Länge: ca. 100 Min.
Freigabe: Ungeprüft
Darsteller: Rossana Schiaffino, Lucretia Love, Chris Avram, Janet Agren, Paola Senatore, Howard Ross, Eva Czemerys





Patrick Davenant und acht seiner Freunde, fahren zu einem stillgelegten Theater um dort Patricks Geburtstag zu verbringen. Als der Gastgeber und Initiator fast von einem Balken erschlagen wird, hat man den Verdacht, dass jemand im Theater sein Unwesen treibt. Dieser Verdacht erhärtet sich, als die Gruppe feststellt…

„L'Assassino ha riservato nove poltrone“ ist ein eher unbekannter Genrevertreter, welcher 1974 von dem ebenfalls eher unbekannten: Giuseppe Bennati, inszeniert wurde. Dank einer deutschen Veröffentlichung, kann der Film nun seinen Bekanntheitsgrad erweitern. Ein Grund zur Freude, denn „The Killer reserved nine Seats“ ist ein Film, dessen Bekanntschaft ich nicht missen möchte.

Giuseppe Bennatis Film „nur“ als Giallo abzustempeln, halte ich für zu einfach und falsch. Der Film bietet zwar bekannte Genre-Eigenschaften, hat allerdings noch weiteres im Petto. Somit wird sehr schnell klar, dass „L'Assassino ha riservato nove poltrone“ mit zahlreichen Genre-Ingredienzien spielt.

Die Grundzüge des gotischen Horrorkinos kommen gezielt zum Tragen. Atmosphärische Räumlichkeiten, Schatten und das plötzliche Erscheinen eines Fremden im Spiegel. Dazu gesellt sich etwas Übersinnliches, welches dem Film zusätzlichen Spielraum ermöglicht. Die Kamera von Giuseppe Aquari trumpft dabei tüchtig auf. Bereits die anfänglichen Kamerafahrten um - und in dem Theater, machen einen starken Eindruck.

Die Handlung ist spärlich und direkt. Eine Gruppe von neun Personen macht sich umgehend auf den Weg zum „Todesspielplatz“ und wird nach und nach dezimiert. Währenddessen werden die einzelnen Darsteller/ innen, dem Zuschauer näher gebracht und dieser kann auf der Suche nach dem Unbekannten versuchen, sein Urteil zusammenzureimen. Ob die Fährte denn die richtige ist,…

„The Killer reserved nine Seats“ erinnert zum einen an das britische Horrorkino mit den Vertretern: „Im Rampenlicht des Bösen“, und „Theater des Grauens“. Ferner erkennt man Parallelen zu Mario Bavas „Lisa and the Devil“ sowie Terence Fishers „Rätsel der unheimlichen Maske“.

Fazit: Kein übermäßig spannender, aber ein sehr atmosphärischer Film, den man Genrefans -schon fast - ans Herz legen muss.

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 Post subject: Re: THE KILLER RESERVED NINE SEATS - Giuseppe Bennati
PostPosted: 05.01.2015 11:28 
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L'Assassino Ha Riservato Nove Poltrone - Carlo Savina - soundtrack (CD)

Quartet Records QR171 | Format CD | Jahr 1974


Alternative Titel:
El asesino ha reservado nueve butacas (Spain)
The Killer Reserved Nine Seats (USA) (dubbed version) / (World-wide) (English title)

Limited edition of 500 copies.


Quartet Records and Gruppo Sugar presents the world premiere release of a Carlo Savina giallo classic!

L'assassino ha riservato nove poltrone (1974) is an Italian adaptation of Agatha Christie's Ten Little Indians, the classic story of ten unsuspecting strangers stuck on a deadly island where they die one by one. The screenplay co-written by director Giuseppe Bennati changes a few details: there are only nine people who are related to each other and have every reason to kill anybody in the group. While this dysfunctional circle of gets stranded in a cursed Baroque theater of an old family mansion, a mysterious masked figure appears to kill everyone with imaginative death scenes…

Italian composer Carlo Savina needs no further introduction to fans of Italian film music – his credits range from conducting the Ben-Hur LP and The Godfather to scoring hundreds of Italian movies from all genres. Following our release of Malenka and I Diabolici Convegni, we're proud to present one more horror score from the great composer. Savina reveals another funky main theme for this crime thriller (foreshadowing Indagine su un delitto perfetto) and he also conjures great suspense set pieces for each memorable slaying of the victims.

This is a premiere presentation of the score, which hasn't been released in any form until now. Mastered by Claudio Fuiano from first generation stereo master tapes, the richly illustrated 8-page booklet features liner notes by Gergely Hubai who discusses this rarely seen film and shares his insights about the music.


- Quartet Records

L'Assassino Ha Riservato Nove Poltrone (Pre-Order!)
Grosses Bild anzeigen

Titelliste:

01 L'assassino ha riservato nove poltrone - seq. 1 – titoli (2:45)
02 L'assassino ha riservato nove poltrone - seq. 2 (1:55)
03 L'assassino ha riservato nove poltrone - seq. 3 (3:38)
04 L'assassino ha riservato nove poltrone - seq. 4 (2:07)
05 L'assassino ha riservato nove poltrone - seq. 5 (2:46)
06 L'assassino ha riservato nove poltrone - seq. 6 (2:53)
07 L'assassino ha riservato nove poltrone - seq. 7 (1:53)
08 L'assassino ha riservato nove poltrone - seq. 8 (4:09)
09 L'assassino ha riservato nove poltrone - seq. 9 (3:06)
10 L'assassino ha riservato nove poltrone - seq. 10 (2:03)
11 L'assassino ha riservato nove poltrone - seq. 11 (3:53)
12 L'assassino ha riservato nove poltrone - seq. 12 (3:58)
13 L'assassino ha riservato nove poltrone - seq. 13 (3:07)
14 L'assassino ha riservato nove poltrone - seq. 14 (1:39)
15 L'assassino ha riservato nove poltrone - seq. 15 – finale (3:27)


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 Post subject: Re: THE KILLER RESERVED NINE SEATS - Giuseppe Bennati
PostPosted: 31.01.2015 00:03 
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Ordentlicher Giallo mit Gothic-Einflüssen und gutem Cast, der gut unterhält, und dem ich nicht mal seinen übernatürlichen Touch (das geht im Giallo ja eigentlich gar nicht!) übelnehme.

Aber wieso verfügt ein 1874 geschlossenes Theater über elektrischen Strom und Telefone? :?


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 Post subject: Re: THE KILLER RESERVED NINE SEATS - Giuseppe Bennati
PostPosted: 31.01.2015 00:14 
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ugo-piazza wrote:
Aber wieso verfügt ein 1874 geschlossenes Theater über elektrischen Strom und Telefone? :?

Naja, um 100 Jahre später einen Film dort drehen zu können. :mrgreen:


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 Post subject: Re: THE KILLER RESERVED NINE SEATS - Giuseppe Bennati
PostPosted: 31.01.2015 01:18 
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ugo-piazza wrote:
Aber wieso verfügt ein 1874 geschlossenes Theater über elektrischen Strom und Telefone? :?

Du bist ja so viel schlauer, als dieser dumme kleine Film da!
Ich bin beeindruckt!

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 Post subject: Re: THE KILLER RESERVED NINE SEATS - Giuseppe Bennati
PostPosted: 20.05.2015 22:16 
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THE KILLER RESERVED NINE SEATS
[L'ASSASSINO HA RISERVATO NOVE POLTRONE][ITA][1974]

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Regie: Giuseppe Bennati
Darsteller: Rosanna Schiaffino, Janet Agren, Paola Senatore, Howard Ross, Chris Avram, Eva Czemerys, Lucretia Love, Gaetano Russo, Andrea Scotti, Eduardo Filipone, Tonino Guerra


Der wohlhabende Patrick Davenant [Chris Avram] kommt in der Nacht seines Geburtstags auf die Idee, mit seinen Gästen ein uraltes Theater aufzusuchen, das sich seit Ewigkeiten in Familienbesitz befindet. Doch als sie dort ankommen, wird die ausgelassene Feier schnell zum Alptraum: Erst taucht ein mysteriöser zehnter Gast auf, den niemand zu kennen scheint und der unverständliche Dinge sagt. Und als auf Patrick ein Mordanschlag verübt wird, stellt die nun gar nicht mehr so fröhliche Party-Gesellschaft fest, dass nicht nur die Türen des Gebäudes verriegelt sind, sondern auch die Telefonleitungen gekappt. Nun beginnt ein blutiges Spiel, denn der geheimnisvolle Mörder hat noch viel vor in dieser Nacht...

Als der Killer 1974 auf die Idee kam, neun Plätze zu reservieren, war er damit für die Hauptvorstellung im Prinzip ein paar Jährchen zu spät dran. Der Giallo, die große italienische Mordschau, hatte seine Hochphase bereits hinter sich und die wegweisenden Stücke längst auf den Weg gebracht. Was danach folgte, waren in erster Linie nur noch Abwandlungen der immergleichen Muster und Motive, die keine großartigen Innovationen mehr versprachen, im Idealfalle aber durch Schick und Geschick immer noch höchst gefällige Unterhaltung offerieren konnten. In diese Kategorie gehört auch THE KILLER RESERVED NINE SEATS, dessen Prämisse zwar altbekannt erscheint, dessen Mangel an inhaltlichem Genie jedoch durch gekonnte Modifikation, atmosphärische Dichte und vor allem seinen attraktiven Schauplatz spielend übertüncht wird. Immerhin drei Autoren verschliss sie dennoch, diese weitere Varitation des ZEHN KLEINE NEGERLEIN-Prinzips, das, seit Agatha Christie es 1939 erdachte, seinen Siegeszug durch das Krimi-Genre antrat und in zahllosen Adaptionen und Abarten immer wieder die Leinwand heimsuchte.

So wird auch hier eine Handvoll Leute (wie zufällig tatsächlich erneut zehn an der Zahl) erst von der Außenwelt abgeschlossen und dann zur Zielscheibe eines mysteriösen Meuchlers, der nach und nach, Mann für Mann, Frau für Frau, die Reihen lichtet und somit den Kreis der potentiell Verdächtigen immer weiter schrumpfen lässt. Ein jahrhundertealtes Theatergebäude wird den Opfern dieses Mal zum mondänen Luxus-Gefängnis, sein verwinkeltes Konstrukt aus Fluren und Räumen zum eleganten Todes-Labyrinth. Tatsächlich entpuppt sich dieser hermetisch abgeriegelte Dauer-Tatort bald als heimlicher Hauptdarsteller, lässt er THE KILLER RESERVED NINE SEATS doch dieses rustikale Bühnenflair atmen, das ihn so herrlich altmodisch wirken lässt und ihm diesen wunderbar-melancholischen Unterton der Vergänglichkeit verleiht, den alte Häuser oftmals versprühen: Einst illustrer Treffpunkt für die kulturell interessierte Gesellschaft, ist das prunkvoll ausstaffierte Bauwerk nun leerstehend und nutzlos und verkommt langsam zur Ruine. Und ebenso, wie der protzige Prachtbau sein Leben aushauchen muss, geht es nun auch seinen unfreiwilligen Insassen ans Leder.

Die Dinge entwickeln sich dabei altbekannt, doch auch altbekannt kurzweilig: Die reichlich versnobt gezeichnete Belegschaft entert in übermütiger Partylaune das historische Gemäuer und gibt sich wenig überraschend zuallererst diversen frivolen Spielchen hin. Schnell wird deutlich, dass die feinen Herr- und Damenschaften sich zwar elitär und erhaben geben, letztendlich aber doch nichts anderes sind als triebgesteuerte Tiere. Dem noch Harmonie suggerierenden, in die lässig-jazzigen Klänge Carlo Savinas [→ DER PATE] gehüllten Vorspann, bei welchem die in diskreter Distanz positionierte Kamera die anreisenden Protagonisten in ihren Autos bei friedlich anmutenden Zwiegesprächen beobachtet, stehen alsbald deren erotischen Eskapaden gegenüber, die keinen Halt vor unmoralischen oder gar inzestiösen Grenzen machen. Rasch schält sich die Erkenntnis heraus, dass die Figuren sich eigentlich spinnefeind sind und es unter der netten Oberfläche reichlich brodelt. Diese Konstallation erinnert stark an Fernando Baldis nicht nur im Titel ähnlichen NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD, welcher freilich erst drei Jahre später entstand, weshalb es natürlich eigentlich umgekehrt ist. Während dort eine einsame Insel für ein dekadentes, sich verbündet gebendes, doch innerlich verabscheuendes und äußerlich wild kopulierendes Kollektiv zur tödlichen Falle wird, übernimmt diese Rolle hier der verschlossene Gebäudekomplex, und ebenso wie in Bennatis Theater keimt schließlich auch auf Baldis Eiland der Verdacht einer übernatürlichen Ursache für die Ereignisse auf.

Und dennoch sind beide Versionen trotz ihrer Gemeinsamkeiten am Ende doch völlig verschieden, wobei Bennatis Version der Geschichte die Nase eindeutig vorn hat - und das, obwohl er als Regisseur im Gegensatz zu Massenfabrikant Baldi ein eher unbeschriebenes Blatt war. Aber womöglich lag es ja auch gerade daran, dass er etwas mehr Mühe investierte und der Fließband-Routine eines alten Hasen eine konzentrierte Fingerübung mit Gespür für Atmosphäre und Ästhetik entgegensetzte. So wirkt auch die Zurschaustellung nackter weiblicher Reize hier weitaus weniger plump und selbstzweckhaft als bei seinem Kollegen, auch wenn einer der Hauptgründe dafür wohl dennoch eher der Appell an niedere Publikumsinstinkte gewesen sein dürfte. Auch die Präsentation der malträtierten Opfer geschieht nicht völlig frei von heischender Sensationslust, dafür jedoch in zum Teil morbider Schönheit, mit vom Nagel durchschlagener Hand in christlicher Symbolik skulpturell arrangiert oder mit von schwerer Schiebetür zerstrümmertem Torso.

Der relativ hohe Aufwand, den der Mörder betreibt, sowie die eigentlich unnötige Ritualisierung seiner Taten bleiben auch nach der Auflösung eher rätselhaft - überhaupt wand sich das Drehbuch durch einen zwar überraschenden, doch prinzipiell reichlich billigen Kniff aus allzu großer Erklärungsnot heraus. Doch Realitätsnähe war ohnehin noch nie das Steckenpferd, geschweige denn überhaupt die Intention des Genres. Wie so viele andere Vertreter seiner Zunft legt auch THE KILLER RESERVED NINE SEATS seinen Fokus auf den Weg und weniger auf das Ziel. Und dieser Weg, mit düsterer Märchenatmosphäre gepflastert und stets in manierlicher Nähe zur makabren Schauergeschichte, führt durch urige Kulissen, scheußlich-schöne Meucheleien und anarchisch gesetzte Winkel und streift schließlich, wenn er im Finale die endlosen Gänge des Theaters verlässt, um stattdessen durch unterirdische Gewölbe zu führen, auch den klassischen Gothik-Grusel.

Die Darsteller erfinden das Wort 'Schauspielkunst' gewiss nicht neu, nehmen ihren Job aber ausreichend ernst und geben keinen Anlass zur Beschwerde. Überragende Momente sind nicht auszumachen, was jedoch auch daran liegt, dass dieses gar nicht gefordert war und auf eine wirkliche Hauptperson verzichtet wurde. Jede Rolle bekam in etwa das gleiche Gewicht, eindeutige Sympathieträger existieren hier ebensowenig wie ausgemachte Hassobjekte. Das verhindert zwar etwaige Empathieerscheinungen seitens des Publikums, sorgt jedoch durch die damit verbundene Unterwanderung bekannter Dramaturgie- und Erwartungsschablonen auch für eine wohltuende Unvorhersehbarkeit: Wer das nächste Opfer wird, ist ebenso ungewiss, wie die Antwort auf die Frage, wer letztendlich als Täter in Frage käme.

THE KILLER RESERVED NINE SEATS, und das hat er nun wieder mit NEUN GÄSTE FÜR DEN TOD gemein, gelangte nie zu deutscher Kinoehre und musste damit auch auf eine hiesige Synchronfassung verzichten. Das ist zwar bedauerlich, aber echte Freunde des gepflegten italienischen Tötungs-Theaters schreckt eine fremdsprachige Vorstellung kaum ab. Krimi-Freunde, die ein Faible für Bühnenluft und Rampenlicht hegen, die Wert legen auf Stil und Stimmung und die bei etwas fließendem Blut und nackter Haut nicht gleich ohnmächtig aus dem Sessel gleiten, sollten sich eine Karte reservieren. Neun Plätze sind noch frei.

s. auch: THE KILLER RESERVED NINE SEATS

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