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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: VOODOO CHILD - Daniel Haller
PostPosted: 16.12.2018 18:01 
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VOODOO CHILD
deutscher Videotitel
Originaltitel: THE DUNWICH HORROR
USA 1969

Regie: Daniel Haller
Darsteller:
Sandra Dee,
Dean Stockwell,
Ed Begley,
Sam Jaffe

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Wilbur Whateley (Stockwell) interessiert sich für das NECRONOMICON, ein uraltes Buch mit rituellen Anweisungen, welches in der Miskatonic University in Arkham aufbewahrt wird. Dabei lernt der Dandy-hafte Sonderling die Studentin Nancy Wagner (Dee) kennen, die er mittels Gedankenbeeinflussung dazu bringt, dass sie ihn nach Hause fährt; wobei Whateley es durch seine hypnotische Fähigkeit dann sogar schafft, Nancy zu einem Aufenthalt über das Wochenende zu überreden. Nancys Freundin und ein älterer Gelehrter der Universität machen sich unterdes Sorgen, warum die Studentin ohne ein Wort verschwunden ist. Sie suchen das heruntergekommene Haus, wo Whateley zusammen mit seinem ebenso seltsamen Großvater (Jaffe) lebt, auf, und wollen Nancy zum Zurückkommen bewegen. Doch dies hat keinen Erfolg – zu sehr ist Nancy bereits in Wilburs Fänge geraten, der die junge Frau mit einer ganz bestimmten Absicht in sein Haus gelockt hat; aber um diese Absicht praktisch umzusetzen, dazu braucht er nicht nur Nancy, sondern auch das legendäre NECRONOMICON…

Neben dem Poe-Zyklus hatte es bei AIP auch einen vierteiligen um den Namen „H. P. Lovecraft“ gegeben. Der 1963 gedrehte THE HAUNTED PALACE beruft sich in seinem Titel zwar auf das Werk Poes, doch inszeniert Roger Corman hier Lovecrafts THE CASE OF CHARLES DEXTER WARD. Die Vermischung der beiden Autoren, Poe / Lovecraft, ins AIP-Konzept kann man in THE HAUNTED PALACE bereits erahnen; zumal Daniel Haller „art director“ bei THE HAUNTED PALACE war und 1965 mit DIE, MONSTER, DIE! sodann als Regisseur die zweite AIP-Produktion nach einem Lovecraft-Text umgesetzt hat – diesmal beruhend auf der Erzählung THE COLOUR OUT OF SPACE. Schon vorher allerdings, vor DIE, MONSTER, DIE!, ist eigentlich das DUNWICH-HORROR-Projekt geplant gewesen, bei dem Mario Bava Regie führen sollte. Da sich dieser AIP-Plan jedoch zerschlug, folgte 1968 die filmische Umsetzung von Lovecrafts DREAM IN THE WITCH HOUSE, dies eine Co-Produktion von Tigon mit AIP unter der Regie von Vernon Sewell – und schließlich dann 1969, wiederum von Haller gedreht, THE DUNWICH HORROR…

Wie bei den Poe-Filmen von AIP, so zeigen auch deren Lovecraft-Adaptionen nur wenig Genauigkeit in der erzählerischen Umsetzung der Primärstoffe. Diesbezüglich werden aus den betreffenden Vorlagen zahlreiche Motive entnommen und daraus dann etwas Eigenes konstruiert – heißt: ein Mix aus unterschiedlichen Einflüssen, der möglichst viele Zuschauer im Kino ansprechen sollte. In THE DUNWICH HORROR kommt es Lovecrafts Intention wohl aber sehr nahe, dass das Monströse – jenes Unsagbare beim Autor – nie direkt gezeigt wird. Optische Effekte generieren eine Atmosphäre der Bedrohung, oder es werden Naturphänomene genutzt, um das todbringende Kommen der „Alten“ darzustellen. Und hatte Hallers DIE, MONSTER, DIE! zumindest ästhetisch eine sehr starke Verbindung zu den Poe-Filmen gezeigt, so verdeutlicht sein späterer THE DUNWICH HORROR durchaus einen neuartigeren Ansatz, das Horrorszenarium stilistisch umzusetzen: Denn während nach einem „realistischen“ Einführungs-Teil DIE, MONSTER, DIE! fast ausschließlich auf dem englischen Landsitz spielt und durch eine primärfarbliche Raumausleuchtung den Effekt des bedrohlichen Andersartigen bietet, spielt THE DUNWICH HORROR oftmals im hellen Tageslicht und zeigt darüber hinaus zahlreiche Spielorte. Der Plot verengt sich nicht mehr nur auf wenige Protagonisten, sondern führt mehrere Sub-Plots ein, die die Erzählperspektive erweitern (was eigentlich völlig Lovecrafts typischer Ichperspektive entgegensteht). Insofern bringt es der zeitliche Abstand zu DIE, MONSTER, DIE! mit sich, dass THE DUNWICH HORROR eine psychedelische Ebene besitzt, die sich nur noch wenig nach den inszenatorischen Mustern der vorhergehenden Poe-Verfilmungen Cormans richtet. Statt des altertümlich gewordenen gotischen Stils von AIP, wie er in den frühen 60er Jahren entwickelt wurde, findet in THE DUNWICH HORROR jetzt eher eine Hinwendung zur damals aufkommenden Pop-Art statt. Man bemerkt diesen Pop-Art-Einfluss schon in der Titelsequenz des Films, wo eine Comic-artige Animation in der graphischen Art vieler Italo-Western dargeboten ist. Wobei dann aber auch Zwischenschnitte (manchmal stark farblich abstrahiert), die quasi nur unterbewusst wahrzunehmen sind, auf die zeitgenössische Hippiekultur mit ihrem Drogengebrauch anspielen. Und in der Handlung wird das Drogenmotiv denn ebenso Thema, wenn Whateley Nancy ein halluzinierendes Rauschgift in ihrem Tee verabreicht und sie darauf einen ähnlichen Traum wie die Rosemary-Figur in ROSEMARY’S BABY (1968) erfährt. So möchte ich THE DUNWICH HORROR als eine okkulte LSD-„Lovecraft“-Verfilmung bezeichnen, die stilistisch vielmehr mit THE TRIP (1967) Gemeinsamkeiten aufweist, als dass der Film in seiner Umsetzung an seine gotischen Vorgänger anschließt…


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 Post subject: Re: VOODOO CHILD - Daniel Haller
PostPosted: 17.12.2018 11:17 
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Danke für die Vorstellung. Großartiger Film, schon der Vorspann ist ein kleines Kunstwerk. Auch die Scheibe von Wicked Vision ist gelungen, sehr angenehm!

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Blap V 3.0 regaining paradise

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 Post subject: Re: VOODOO CHILD - Daniel Haller
PostPosted: 17.12.2018 14:15 
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Blap wrote:
Großartiger Film, schon der Vorspann ist ein kleines Kunstwerk.


Das finde ich auch - der ganze Vorspann ist wie ein kleiner, eigener "Comic" als animiertes "Set piece" inszeniert...


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