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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: GHOSTHOUSE - Umberto Lenzi
PostPosted: 05.12.2010 19:08 
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OT: La casa 3 (1988)

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Ein Computerexperte empfängt übers Radio seltsame Hilferufe. Als er sich daraufhin mit seiner Freundin auf den Weg macht, um den Ursprung der Signale zu finden, gelangen sie zu einem Haus, in dem sich vor Jahren schreckliche Todesfälle ereignet haben und auf dem immer noch ein Fluch lastet...

Trotz meines in letzter Zeit entwickelten Faibles für Late-80s-Horror fand ich das diesmal nicht sonderlich überzeugend. Dass die Schauspielleistungen und überhaupt die gesamte Aufmachung desöfteren nah an der Grenze zur unfreiwilligen Komik liegen, zähle ich eher zu den erheiternden Qualitäten solcher Filme, daher würde ich an dieser Stelle nicht die Kritik ansetzen. Jedoch ist die typische Mixtur aus Holzhammer-Dramaturgie, grob gestrickten Spannungseinlagen, derben Effekten und gelegentlichen stimmungsvollen Momenten in dem Fall einfach nicht atmosphärisch genug und ein wenig zu vorhersehbar.

Kann man über sich ergehen lassen, aber den gewissen Schuss Kreativität, der sich z.B. in Fulcis Spätwerken noch findet, den sucht man hier vergeblich.


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 Post subject: Re: GHOSTHOUSE - Umberto Lenzi
PostPosted: 05.12.2010 19:57 
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Als ich den vor ca. 15 Jahren das erstemal sah, war ich begeistert. Ich hatte teilweise echt eine Gänsehaut. Jahre später beim 2. mal gucken, war ich entsetzt. Ich fand ihn stinklangweilig und es stellte sich kein Horrorfeeling ein. Ich weiß nicht woran es lag, aber es zündete einfach nichtmehr.

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Eric Carr 1950 - 1991

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 Post subject: Re: GHOSTHOUSE - Umberto Lenzi
PostPosted: 06.12.2010 08:35 
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Macht mich jetzt trotzdem irgendwie neugierig auf den Streifen. Kann man sicher günstig abgreifen, die DVD. Hab bei den Spätwerken Lenzis nach 1986 sowieso noch kräftigen Aufholbedarf, da kenne ich eigentlich nur "Black Zombies" und "Gates of Hell".
Na ja, vielleicht fall ich da jetzt nur mal wieder auf die bunten Bildchen rein, aber bei Gelegenheit versuch ichs.

Gruß, G.


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 Post subject: Re: GHOSTHOUSE - Umberto Lenzi
PostPosted: 06.12.2010 10:28 
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Kann jemand auch was über die anderen Teile sagen?
Hab auch nur den und fand ihn recht unterhaltsam.

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 Post subject: Re: GHOSTHOUSE - Umberto Lenzi
PostPosted: 06.12.2010 17:06 
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G. Rossi Stuart wrote:
Macht mich jetzt trotzdem irgendwie neugierig auf den Streifen. Kann man sicher günstig abgreifen, die DVD. Hab bei den Spätwerken Lenzis nach 1986 sowieso noch kräftigen Aufholbedarf, da kenne ich eigentlich nur "Black Zombies" und "Gates of Hell".
Na ja, vielleicht fall ich da jetzt nur mal wieder auf die bunten Bildchen rein, aber bei Gelegenheit versuch ichs.

Gruß, G.

:lol: Geht mir übrigens oft genauso, wenn ich auf Review-Seiten unterwegs bin, dass dann gerade Screenshots den letzten Ausschlag in Richtung "muss ich sehen" oder zumindest "sieht interessant aus" geben. Deswegen versuche ich ja auch, euch auf diese Weise meine filmischen Entdeckungen schmackhaft zu machen. :mrgreen:

Mit günstig abgreifen ist da allerdings nicht so viel - ich sag nur: X-Rated und Hartbox. Wenn du auf den dt. Ton verzichten kannst, empfehle ich dir dieses Angebot ( uncut und gutes Bild!).

Ansonsten und auch als Tipp für SickO, hab ich Lenzis GHOSTHOUSE 3 - HAUS DER VERLORENEN SEELEN noch nen Tacken besser in Erinnerung - alleine dieses abgefahrene Berghotel macht als Setting schon mehr her. 8-) Ach ja, und den GHOSTHOUSE 4 - HAUS DER HEXEN fand ich auch nicht so übel und den gibt's (z.B. im Marketplace) wirklich spottbillig und uncut von CCI unter dem Titel TOTENTANZ DER HEXEN 2

Zu den beiden hab ich auch schonmal Threads eröffnet... ;)

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 Post subject: Re: GHOSTHOUSE - Umberto Lenzi
PostPosted: 06.12.2010 21:30 
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Danke für den/die Tipp(s), Chet.
Bei mir kann ein Film ruhig auch mal etwas schnarchig daherkommen und gepflegte Langeweile verbreiten.

Der Zausel mit der Totenkopfmaske, sowie die etwas lustlos umherstehenden Darsteller beim PKW finde ich irgendwie interessant - ich kanns nicht genauer erklären - werde aber, wenn ich die Scheibe mal ranhole, auch noch ein paar Sätze hier dazu posten. Vielleicht lässt sich dann ja das Rätsel um mein (übersteigertes?) Interesse lösen... :)
Ich vermute vom Ensemble her eine ähnlich amateurhafte Erscheinungsform wie bei "Gates of Hell", und der hat mich dann und wann absolut zum Schmunzeln gebracht.

Gruß, G.


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 Post subject: Re: GHOSTHOUSE - Umberto Lenzi
PostPosted: 14.02.2016 11:53 
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GHOSTHOUSE

Originaltitel: La Casa 3 - Ghosthouse
Produktionsland: Italien, USA
Produktion: Tony Hood, Joe D'Amato
Erscheinungsjahr: 1988
Regie: Umberto Lenzi
Drehbuch: Umberto Lenzi, Cinthia McGavin
Kamera: Franco Delli Colli
Schnitt: Kathleen Stratton
Spezialeffekte: Robert Gould, Dan Maklansky, Roland Park
Musik: Piero Montanari
Länge: ca. 91 Minuten
Freigabe: FSK 18
Darsteller: Lara Wendel, Greg Scott, Mary Sellers, Ron Houck, Martin Jay, Kate Silver, Donald O'Brien, Kristen Fougerousse, Willy M. Moon, Susan Muller, Alain Smith, William J. Devany, Ralph Morse, Robert Champagne, Hernest Mc. Kimnoro


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Der Amateurfunker Paul empfängt ein Signal welches (möglicherweise) auf einen Mord hinweist. Seine Recherchen führen ihn - und seine Freundin Martha - zu einem alten Haus. Dort trifft das Paar vier weitere Jugendliche. Der Terror beginnt, denn ein unheimlicher Irrer scheint sein Unwesen zu treiben.

GHOSTHOUSE ist eines der späteren (kostengünstig) inszenierten Werke des italienischen Genrekinos. Der klassische Spukhaus-Film, Marke BIS DAS BLUT GEFRIERT, zeigt sich für Umberto Lenzi als weniger inspirierend. Das Unheimliche, die Macht von Geräuschen (wie knarrende Türen und heulender Wind) kann man bei GHOSTHOUSE nicht finden. Trotzdem gelingt es dem Film einen, recht ordentlichen, Spannungsbogen aufzubauen. Im Vergleich zu anderen „Haunted House-Filmen“, verlegt GHOSTHOUSE seinen Schauplatz auch außerhalb des verfluchten Gebildes. Ferner kommt – was innerhalb dieses Genres selten der Fall ist – auch die Polizei zum Einsatz.

Der Auftakt gestaltet sich ansprechend. Ein billiger Synthesizer-Score begleitet die Geschichte um das verfluchte Haus. Ein kleines Mädchen ist in einen Spielzeugclown vernarrt - und schlitzt ganz gern mal die Hauskatze auf. Ihr Vater ist alles andere als begeistert. Der Terror möge beginnen. Die dabei (und im weiteren Verlauf des Films) gebotenen Effekte haben es durchaus in sich. Gorebauern kommen demnach auf ihre Kosten. Ein ordentlicher Auftakt der (anschließend) die Zeit um 25 Jahre nach vorn verlegt. Die Zeit von geschmacklosen Poppern… oder wie nennt man die Spezies Mensch, die sich mit übergroßen Jeansjacken und Mokassins durch die Welt bewegt? Üble Typen mit Fönfrisuren und ihre hysterischen Schnepfen, die eigentlich jeden Geist in die Flucht schlagen sollten. Ingeheim hoffte ich allerdings das der liebe Geist – die Nervensäge Tina (gespielt von Kate Silver) asap vernichtet.

„Ich solltet lieber an Geister glauben, ihr Dummköpfe.“ (Pepe der Tramper)

Die Highlights im GHOSTHOUSE sind Donald O'Brien (der jedem Freund des italienischen Genrekinos bekannt sein muss) und ein Spielzeugclown. Diese Clowsfigur ist der Auslöser des Bösen. Für mich keine Überraschung, da ich Clowns schon seit meiner Kindheit als böse empfinde. Diese Typen sind alles andere als lustig, sie sind diabolisch. Schlag nach bei King…Als begleitende Hymne - für Clown und Psycho-Kind - bietet der Film eine Art Jahrmarktsmusik, von der deutschen Synchronisation als Wiegenlied bezeichnet. Die Melodie und deren Einsätze sind absolut okay.

Unter dem Strich ein recht ordentlicher Film, der in Italien (ach wie dreist) als LA CASA 3 vermarktet wurde. Die Masken, wie Special Effects, zeigen sich als gelungen. Kann man sich anschauen.

Wer das Genre mag und Besseres (aus Italia) sichten möchte: dem empfehle ich Claudio Fragassos HORROR HOUSE 2 aka BEYOND DARKNESS aka LA CASA 5.

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 Post subject: Re: GHOSTHOUSE - Umberto Lenzi
PostPosted: 15.02.2016 01:23 
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Ich finde "Ghosthouse" wirklich sehr unterhaltsam. Obwohl ich überhaupt nicht weiß, warum eigentlich! :) Ich kann ihn mir jedenfalls immer wieder anschauen, ohne mich auch nur eine einzige Sekunde zu langweilen ...

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 Post subject: Re: GHOSTHOUSE - Umberto Lenzi
PostPosted: 15.02.2016 08:09 
Danke für die Erinnerung, der Film steht noch unangesehen bei mir rum.


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 Post subject: Re: GHOSTHOUSE - Umberto Lenzi
PostPosted: 17.02.2016 01:22 
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italo wrote:
Danke für die Erinnerung, der Film steht noch unangesehen bei mir rum.


Bin echt gespannt, wie du diesen Trash-Knaller findest! :yes4:

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 Post subject: Re: GHOSTHOUSE - Umberto Lenzi
PostPosted: 17.02.2016 07:35 
Alaric_de_Marnac wrote:
italo wrote:
Danke für die Erinnerung, der Film steht noch unangesehen bei mir rum.


Bin echt gespannt, wie du diesen Trash-Knaller findest! :yes4:


Liegt immer noch rum bei mir. Ich melde mich sobald ich ihn gesehen habe.


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 Post subject: Re: GHOSTHOUSE - Umberto Lenzi
PostPosted: 18.02.2016 19:57 
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italo wrote:
Alaric_de_Marnac wrote:
italo wrote:
Danke für die Erinnerung, der Film steht noch unangesehen bei mir rum.


Bin echt gespannt, wie du diesen Trash-Knaller findest! :yes4:


Liegt immer noch rum bei mir. Ich melde mich sobald ich ihn gesehen habe.


Ok, aber erwarte nicht zu viel! :) Gefällt bestimmt nicht allen. Ich mag diese Spukhaus-Atmosphäre (plus ein paar Splattereinlagen) aber wirklich sehr gerne ...

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 Post subject: Re: GHOSTHOUSE - Umberto Lenzi
PostPosted: 09.04.2020 19:59 
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"Ghosthouse" (Original: "La casa 3") (Italien / USA 1988)
mit: Lara Wendel, Greg Scott, Mary Sellers, Ron Houck, Kate Silver, Martin Jay, Kristen Fougerousse, Donald O'Brian, Willy M. Moon, Alain Smith, Susan Muller, William Jay Devaney, Robert Champagne, Ralph Morse, Hernest McKimnoro u.a. | Drehbuch: Cinthia McGavin | Regie: Umberto Lenzi (unter dem Pseudonym Humphrey Humbert)

Der Amateurfunker Paul empfängt eines Nachts eine unheimliche Botschaft von einem Mann, der sich in Todesangst befindet. Zusammen mit seiner Freundin Martha versucht Paul den Sender zu orten, was ihnen auch gelingt. Die Funkanlage, von welcher der Notruf abgesendet wurde, befindet sich auf dem Speicher eines seit vielen Jahren leerstehenden Hauses. Der Mann, dessen Stimme zu hören war, steht jedoch plötzlich vor Paul und leugnet, einen Hilferuf abgesetzt zu haben, obwohl er zugeben muss, dass auf dem Tonband seine Stimme zu hören ist. Er verbringt zusammen mit ein paar Freunden einen Urlaub im Wohnmobil und der Garten des verlassenen Hauses schien ihm ein geeigneter Rastplatz zu sein. Als die Gruppe das Haus erkundet, sieht sie sich bald mit unerklärlichen Phänomenen konfrontiert, die von einer sonderbaren Melodie und der Erscheinung eines weißgekleideten Mädchens begleitet werden. Doch das Mädchen ist seit zwanzig Jahren tot....

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Die Faszination, welche Horrorfilme auf das Publikum ausüben, vor allem, wenn parapsychologische Elemente im Spiel sind, erklärt sich nicht nur aus den Schockeffekten, die den brutalen und abrupten Tod eines Menschen zeigen, sondern auch aus den beunruhigenden Ängsten, die sich aus der Frage nach dem tieferen Sinn ergeben. Die Existenz des Übernatürlichen, die im Genrefilm nach Gewaltverbrechen traditionell sichtbar wird, erschüttert das Sicherheitsgefühl des Zuschauers und lässt ihn hilflos zurück, weil Geistern und Dämonen nicht mit den üblichen kriminalistischen Polizeimethoden beizukommen ist. Neben physischen Attacken, die auf die Protagonisten des Films verübt werden, ist es der emotionale Stress, der den Beteiligten zusetzt und sie zunehmend empfänglich macht für kalkulierte Schocks, welche die geistige Stabilität der Personen ins Wanken bringen sollen. Oftmals wurde das Drehbuch so konzipiert, dass der Zuschauer keine Gelegenheit erhält, über die Logik der Vorgänge nachzudenken. Die Furcht hält ihn ebenso gefangen wie die Leinwandfiguren und verhindert dadurch, dass Abläufe hinterfragt werden. Eine Reihe von wiederkehrenden Elementen dient der Identifikation mit dem Ambiente, wobei sich das Unheil aus diesem Gesetz der Serie speist und rechtfertigt. Bereits die Ankündigung eines neuen Todesfalls löst dadurch im Publikum den gewünschten Schrecken aus, dem es machtlos und dennoch wider besseren Wissens auf einen Ausweg hoffend, beiwohnt. Das Stilmittel der abnehmenden Gewalt im Laufe der Spielzeit resultiert aus einem Vorsprung, den das erste, zumeist detailliert gezeigte Verbrechen, liefert. Ist die Phantasie des Zusehers erst einmal aktiviert, nimmt sie dem Regisseur einen Teil der Arbeit ab.

Ein beliebtes Sujet des Geisterhaus-Films ist die Verkörperung des Bösen durch ein unschuldig aussehendes Kind, wobei dem Zuschauer vor Augen geführt wird, wie unberechenbar eine Unmündige bzw. ein Unmündiger ist, verkörpert sie oder er doch Verletzlichkeit, was das Kind im moralischen Sinn unantastbar macht. Die Vernichtung eines solchen Abgesandten des Bösen ist daher mit ungleich mehr Skrupeln verbunden als es die Tötung eines ebenbürtigen Gegners darstellen würde. Das Dämonische mischt sich bei den "Marionetten des Teufels" stets mit einer Aura der Schutzbedürftigkeit, was es schwer macht, ihnen mit der angemessenen Entschlossenheit entgegen zu treten. Die Frage nach der Ursache des Spuks erhält durch die Beteiligung eines Kindes eine tragische Komponente. Die Bedrohung wird durch den Umstand, dass ein junges Leben frühzeitig ausgelöscht wurde, noch gnadenloser und lässt sich mit den üblichen Mitteln nicht abstellen. Henrietta Bakers anklagende Präsenz leitet jeden Todesfall ein und wohnt der grausamen Tat als stumme Beobachterin bei. Der Clown fungiert dabei als Katalysator ihrer Aggressionen und erledigt das, was einem braven Mädchen im puritanischen Umfeld des amerikanischen Kleinstadt-Milieus untersagt war. Der unerschütterliche Glaube an die Heiligkeit der Familie führt zu einem Tunnelblick, der blind für menschliche Fehler und Unvollkommenheiten macht und den Blick für die Schwachstellen dieser gesellschaftlichen Keimzelle so lange verschließt, bis es dann zu einer - für die Außenwelt unverständlichen - Tragödie kommt. Deshalb wirken die beiden ersten Morde besonders brutal, weil hier ein Gefüge auseinander bricht, das eigentlich Schutz und Geborgenheit dienen sollte.

Die Erwartungshaltung des Zuschauers wird bereits in den ersten Minuten bedient und äußert sich in einem Präludium des Grauens, das die Atmosphäre des Hauses für immer vergiftet. Angesichts der deutlich gezeigten Morde wundert es nicht, dass die Produktion viele Jahre lang indiziert war und erst in jüngerer Zeit wieder für ein jugendliches Publikum freigegeben wurde. Die Handlung erhält durch die deutliche Sprache des Auftaktverbrechens einen Gruselbonus, der wie ein schwerer Schatten über dem Geschehen liegt und weitere Geschehnisse dieser Art geradezu zu rechtfertigen scheint. Der Ruf, der einem Mordschauplatz anhaftet, widerspricht jedem rationalen Denken, doch die unterbewusste Furcht, die sich durch die Aura der Örtlichkeit auf den Besucher überträgt, lässt sich durch Argumente nicht tilgen. Die Originalität der gewählten Vernichtung entspricht dem, was sich das Publikum von einem vielseitigen Regisseur wie Umberto Lenzi erwartet. Einen angenehmen Tod hat keines der Opfer zu erwarten, wobei in der Wahl der Methoden kreativ vorgegangen wird - vom blubbernden Milchbad bis zum Fallbeil ist alles dabei. Die Spannung kocht auf einem gleichbleibenden Niveau, weil in ruhigen Momenten investigativ hinter die Dinge geschaut wird und jene Informationen vermittelt werden, nach denen der kriminalistisch geschulte Zuschauer verlangt. In diesem Zusammenhang kann man durchaus von einer angestrebten Logik sprechen, die der Geschichte plausible Erklärungen liefert und Vorgänge begreifbar macht. Die Horroreffekte stellen die Schmerztoleranz des Publikums auf die Probe, weil sie deutlich und ungeschönt zeigen, was einfaches Handwerkszeug außerhalb seines Einsatzgebiets für Schäden anrichten kann.

Lara Wendel, die zum Entstehungszeitpunkt dieser italienisch-amerikanischen Co-Produktion bereits durch einige berüchtigte Film-Rollen Aufmerksamkeit erregt hatte, präsentiert sich hier nach "Midnight Ripper" erneut als gejagte Sympathieträgerin, deren Normalität und Ernsthaftigkeit sie aus dem typischen Achtziger-Jahre-Umfeld herausheben. Im Zusammenspiel mit Greg Scott erhält die Handlung jenen wichtigen deduktiven Ansatz, der dem Film Struktur verleiht und verhindert, dass er zur reinen blutigen Effekthascherei ausartet. Die beiden Darsteller schaffen es relativ schnell, Interesse für ihr Anliegen zu wecken und das Publikum um sie bangen zu lassen. Während Lara Wendel einen bodenständigen und handfesten Charakter entwirft, konzentriert sich ihre junge Kollegin Kristen Fougerousse auf die Vermittlung einer ätherischen Aura, deren bösartige Gedanken wie Donnerblitze einschlagen. Die Figur des geisteskranken Hausmeisters erscheint im Vergleich dazu plump und unnötig. Es scheint, als hätte sich Lenzi mit dem Holzhammer dagegen absichern wollen, dass die Momente zwischen den Morden zu sehr mit konstruktivem Dialog ausgefüllt werden. Das Haus stellt eine stimmige Kulisse für die verstörenden Ereignisse dar und vermag ein Unbehagen zu vermitteln, das sich aus der Weitläufigkeit der Räume und der Schlupfwinkel ergibt. Freilich repräsentiert die großzügige Bauweise vergangener Tage stets eine Dekadenz, die Hochmut und Eigensinn spiegelt, die auf die Gefahren eines autarken Lebens fernab der Gemeinschaft hinweisen. In dieser Hinsicht kann "Ghosthouse" allein durch die Kombination von Ursache und Wirkung profitieren, die mit genretypischen Zutaten angereichert, für (An-)Spannung sorgt.


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