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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: SCHWESTERN TEILEN ALLES - Alberto Lattuada
PostPosted: 26.06.2013 22:10 
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Schwestern teilen alles (OT: Venga a prendere il caffè da noi; Italien; 1970; Alberto Lattuada)

Die drei Schwestern Tarsilla (Francesca Romana Coluzzi), Fortunata (Angela Goodwin) und Camilla (Milena Vukotic) leben alleine in dem Haus ihres Vaters, der vor einiger Zeit verstorben ist und ihnen ein stattliches Vermögen hinterlassen hat. Alle drei sind unverheiratet, trotz ihres gehobenen Alters noch jungfräulich, zudem etwas eigen und nicht wirklich als klassische Schönheiten zu bezeichnen. In ihrem kleinen Heimatstädtchen ernten sie daher von der Männerwelt meist nur misstrauische und belächelnde Blicke. Da tritt Emerenziano Paronzini (Ugo Tognazzi) auf den Plan. Der alleinstehende Steuerbeamte mittleren Alters ist auf der Suche nach einer Frau, die vielleicht auch nicht ganz arm sein sollte, mit der er den Rest seines Lebens verbringen möchte. Eine seltsame Faszination sowie auch deren gute finanzielle Situation zieht ihn zu den drei Schwestern hin. Und unter dem Vorwand, ihnen bei einigen steuerlichen Komplikationen unter die Arme zu greifen, wird er von ihnen zum Kaffee eingeladen...

Sehr sonderbare Geschichte, sehr sonderbare Charaktere und ein sehr sonderbarer Film. Aber Alberto Lattuada ist ein Regisseur, der mit solchen Stoffen umzugehen weiß! Im ersten Moment irritierend, aber ebenso interessant ist, wie sehr der Film der üblichen Ausrichtung der sexy Italo-Comedy dieser Zeit zuwider läuft. Kein halbnackten Damen, die hin und wieder für reizvolles Eyecandy sorgen, sondern ein Schwestern-Trio, an das man sich erstmal gewöhnen muss. Die drei würde man auf den ersten Blick sicher nicht als attraktiv einordnen, aber gleichzeitig sind sie natürlich auch nicht abstoßend hässlich. Diese Geegenüberstellung beschreibt auch schon ganz gut den Gegensatz, aus dem der Film sein Faszination bezieht. Das über allem schwebende skurille Element wird zwar ganz klar ausgekostet und zelebriert, aber gleichzeitig stellt der Film seine Figuren nie bloß oder gibt sie der Lächerlichkeit preis.
Sehr feinfühlig und detailverliebt geht Lattuada zu Werke. Für mich ist er so ein ähnlicher Regisseur wie Salvatore Samperi. Beide repräsentieren für mich intelligentes italienisches Kino, das es nicht nötig hat, aufgesetzt intellektuell zu sein. Beide hatten eine Vorliebe für psychologisch-vertrackte und fetischistisch-skurille Geschichten. Wie gesagt, auch in diesem Film gibt es sehr viele Feinheiten, die es lohnt zu beachten. Es gibt da eine interessante Sequenz, in der auf die Macken und Gebrechen der Schwestern eingegangen wird (eine humpelt z.B., so wie Emerenziano übrigens auch), währenddessen zerschneidet Emerenziano gerade einen Apfel, da er jedoch immer wieder schlechte Äpfel erwischt, hat er letztendlich aus drei Äpfeln nur drei unversehrte Stücke, die wiederum zusammen einen perfekten Apfel ergeben. Und auf ähnliche Weise pickt sich der charmante aber auch undurchschaubare Hausgast auch bei seinen drei Frauen die jeweilige Schokoladenseite raus. Denn nachdem er eine von den dreien geheiratet hat, fängt er auch bald mit den anderen beiden was an.
An anderer Stelle heißt es in Bezug auf die Naturforschungen des verstorbenen Hausherren, dass Schönheit und Hässlichkeit den gleichen Wert haben, da beides auf seine Weise gleichermaßen etwas Besonderes darstellt. Von solchen Sinnbildlichkeiten ist der Film durchzogen. Und auch im Hinblick auf die Inszenierung macht sich das Auge fürs Detail bemerkbar. Die Musik von Fred Bongusto ist wunderbar eingesetzt und vereint auf angenehme Weise klassische Gediegenheit und zeitgemäßen Chic. Die Kamera liefert stimmungsvoll romantische aber auch unwirkliche Bilder. Was die Darsteller betrifft, ist man mit Ugo Tognazzi natürlich immer an guter Adresse, und auch der restliche Cast füllt seine merkwürdig angelegten Rollen überaus gelungen mit Leben.

Ein bisschen fehlt mir der letzte Schliff, der einem Film so ein richtig fesselndes Element verleiht. Man bleibt aber gerne mit Interesse dran, um zu sehen, welchen Verlauf diese wirklich hochgradig ungewöhnliche Geschichte nehmen wird. Ein Film, in dem manchmal alles möglich zu sein scheint, gleichermaßen befremdlich und anziehend.

Die DVD von Raro-USA bietet aus meiner Sicht tadellose Qualität (auf dem Cover steht "HD transfer from 35 mm negative") und ordentlich gemachte englische Untertitel zum italienischen Ton. Sehr zu empfehlen!


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Score:

www.youtube.com Video from : www.youtube.com

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