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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: GROSSE TRICKS UND KLEINE FISCHE - Jonathan Teplitzky
PostPosted: 16.06.2019 13:49 
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Joined: 07.2013
Posts: 1656
Location: Das finstere Tal
Gender: Male
Große Tricks und kleine Fische
Gettin' squared
Australien/Großbritannien 2003
Regie: Jonahan Teplitzky
Sam Worthington, David Wenham, Timothy Spall, Freya Stafford, Gary Sweet, David Field, David Roberts, Luke Pegler, Richard Carter, Mitchell Butel, Garry Waddell, John Brumpton


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Nach 8 Jahren kommt Barry vorzeitig aus dem Knast, weil er auf seinen kleinen Bruder Joey aufpassen soll. Der Deal lautet: Baut Joey Mist, wandert Barry wieder ein. Dumm nur, dass Joey mit dem Gangster Chicka rumhängt, und Chicka ist maßgeblich dafür verantwortlich, das Barry überhaupt im Knast saß. Barry schafft es, beim schlank werdenden Gangster Dabba eine ehrliche Stelle zu bekommen, und gleichzeitig für seinen Bruder auch noch einen Job zu ergattern. Soweit so gut, aber in dem Moment, als der Steuerberater von Dabba auffliegt, schaltet sich das CIC ein, quasi eine Art Super-Cops, und die suchen das Geld, das vor zig Jahren bei einem Raubüberfall von Dabba erbeutet wurde. Und welches das ganze Konstrukt ins Wanken bringen kann. Der einzige, der die Verbindung zwischen dem Steuerberater und Dabba kennt ist der beste Freund Barrys: Johnny Spit, ein Junkie und hoffnungslos unterbelichteter Mini-Gangster, der jetzt von allen gejagt wird: Von der CIC, vom korrupten Cop DeViers, und von den Gangstern. Allen! Gangstern …

Wenn ich eines aus meiner Liebe zu britischen Gangsterfilmen gelernt habe, dann dies, dass es überall Gangster gibt. Wie ich jetzt weiß sogar an der australischen Sonnenküste von Queensland, dem Surfer’s Paradise. Hier sind sie halt braun gebrannt, tragen Goldkettchen und residieren auch mal auf einer Jacht, aber die Probleme sind immer noch die gleichen wie in Merry Old England: Früher geraubtes und gebunkertes Geld macht heute immer noch Ärger, die Frau von der Bewährungshilfe ist süß und nervt, und der korrupte Bulle ist ein dreckiges Schwein und leider ziemlich unantastbar. Das alte Verbrecherleben hinter sich lassen, also “ Getting square – Sauber werden“ ist da nicht so einfach, wenn einen die “Guten“ nicht lassen.

Und sauber werden möchten eigentlich recht viele. Barry zum Beispiel, der beileibe kein Unsympath ist, aber zum Unglück für den Zuschauer leider recht langweilig. Ein Typ ohne Ecken und Kanten, immer etwas vorhersehbar. Sein Bruder hingegen ist eine kleine Nullnummer, Dabba ist lustig und mit seinem Abnehmfimmel recht Tarantino-esk angelegt, Chicka hat einen Hang zu den richtigen und furchteinflößenden englischen Gangstern, und der korrupte Cop ist bei aller Bosheit aus hunderten ähnlich gelagerter Filme bekannt. In Summe ist die erste Stunde des Films sehr mühsam und umständlich erzählt, und das Schielen zur Vorspultaste beginnt irgendwann, beängstigende Züge anzunehmen. Sehr schicke Bilder im Miami Vice-Stil und mit toller Kameraführung reichen auf die Dauer einfach nicht aus.
Aber da ist noch Johnny Spit, mit hinreißend-fettiger Vokuhila-Frisur gespielt von David Wenham (Faramir aus DER HERR DER RINGE), und nach etwas einer Stunde bekommt Johnny endlich die Aufmerksamkeit die ihm gebührt, und der bis dahin eher unübersichtliche und langweilige Film fängt von einer Sekunde auf die andere an zu funkeln und zu blinken. Allein die Gerichtsverhandlung, in der Johnny Spit als Zeuge geladen ist, und dessen einziges Problem ist, wer denn nun das Busticket zahlt (neben der noch zu klärenden Frage nach seinem Namen), reizt zu heftigen Lachkrämpfen.

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Was bleibt? 60 Minuten mühsame und sonnenverwöhnte Langeweile, 40 Minuten grandiose David Wenham-One Man Show, eine Wohlfühlatmosphäre mit guten Schauspielern, sowie die Freude, Nick Caves “Into my arms“ in einer wunderschönen Szene fast komplett hören zu können. Wem das reicht, gut. Mir hat es nicht gereicht …

5/10

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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