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 Betreff des Beitrags: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 22.04.2016 18:30 
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Phantastische Filme in Deutschland
und Österreich der 30er Jahre


Dies hier soll ein ganz spezielles Thema sein, wo es nur um die Phantastischen Filme gehen soll, die damals auch gezeigt wurden. Es gab eine Menge Phantastischer Filme in den 30er Jahren, aber welche hatten damals ihre tatsächliche Erstaufführung in Deutschland und Österreich? Waren welche dabei, die damals und nur damals gezeigt wurden und seitdem offenbar verschollen sind, da diese in der Versenkung verschwunden sind? Und welche damaligen Titel hatten all diese Filme? Gerade in Österreich hatten viele Filme früher häufig andere Titel, welche mir bei einem Großteil der Filme eh bekannt waren. Ferner, welche Filme waren/sind phantastisch?, denn hinter so manch einem Film mit seinem Titel würde man es zuerst echt nicht vermuten.

Um diesen ganzen Fragen nach zugehen, die ich mir z.T. selbst stellte und auch keine mir bekannte deutsche Publikation hierzu existiert, begann ich mit Nachforschungen. Sicherlich gab und gibt so einiges an deutschsprachigen Büchern zu Phantastischen Filmen, aber keines, das sich speziell mit den damals gezeigten phantastischen Filmen befasst hätte. Ganz zu schweigen von den Filmen, die selbst im Lexikon des internationalen Films erst gar nicht drin stehen und solche, die häufig nur Nachkriegstitel und somit andere Titel haben. Unter diesen sogenannten Nachkriegs-Titeln werden die meisten phantastischen Filme der 30er Jahre in Deutschland lexikalisch aufgeführt inkl. der vermeintlichen Erstaufführungsdaten. Vermeintlich deshalb, weil so etliche Filme ihre Premiere schon längstens vorher in Österreich und sogar in Deutschland hatten. Und es sind einige dabei die nur in den 30er Jahren im Kino liefen und danach offenbar nie wieder. Diese Filme sind im Grunde verständlicherweise erst recht nirgends vermerkt.

Da Horror, Science Fiction und Fantasy auch bei mir beliebte Subgenres sind, machten mir meine Nachforschungen noch zusätzlichen Spaß. Und spannend war es ebenfalls, weil ich echte Überraschungen an Filmen entdeckte, die definitiv phantastisch sind. Die Sache war aber nicht so einfach und das Internet/Google, (was ich meistens eh kaum nutze, wenn ich was über Filme wissen will), war hierbei erst recht keine Hilfe, denn man muß definitiv deutsch/österreichische Titel wissen, wo so manches davon keinesfalls im Internet steht, weil diese in den bekannten Filmdatenbanken nicht vermerkt sind.

Als Hilfe für meine Recherchen diente mir in erster Linie mein bescheidenes Film-Sammelsurium, wie z.B. alte Filmprogramme und sonstige Unterlagen. Es sind mehr Filme zusammen gekommen, als ich angenommen hatte. In Österreich liefen deutlich mehr Horror- und Science Fiction Filme, als in Deutschland, aber dennoch war Deutschland in der Beziehung doch nicht so ganz unbeteiligt. Es hieß ja häufig, das später nach der Premiere des Films KING KONG im Dezember 1933, die damalige deutsche Regierung diesen Film bzw. den Phantastischen Film im allgemeinen aus Deutschland irgendwann in der ersten Hälfte Jahres 1934 verbannt hatte. Das kann ich nun nicht so bestätigen, denn anscheinend war man wohl doch nicht so konsequent, wie im allgemeinen angenommen. Auch diesen Aspekt innerhalb der 30er Jahre finde ich sehr interessant, zumal Deutschland widerum in den 20er Jahren im Phantastischen Filmgenre mal führend gewesen ist. In der Stummfilmzeit gab es recht viele Phantastische Filme und aufgrund der Erfindung des Tonfilms bzw. dessen offizielle Einführung im Oktober des Jahres 1927 wurden so einige Filme in den 30er Jahren wieder verfilmt und sogar einige Stummfilme vertont, die dann im Kino als Tonfilmfassung ihre Wiederaufführung hatten.

Die bekanntesten Phantastik-Filme der 30er Jahre dürften zweifellos Klassiker wie Frankenstein, King Kong, Dracula (damals nicht gelaufen) sein. Darsteller wie z.B. Boris Karloff und Bela Lugosi wurden über Nacht zu Stars des Phantastischen Films und waren in Horrorfilmen öfters zusehen. Aber dieses Jahrzehnt hatte nicht nur US-Stars in Filmen zu bieten. Auch deutsche Filmstars, die damals Rang und Namen hatten fanden sich in Science Fiction- und Fantasyfilmen ein. Die beiden hübschen Sybille Schmitz und Brigitte Helm, ferner beispielsweise Hans Albers, Heinrich George und Paul Wegener. Letzterer war eh ein Urgestein im Phantastischen Film, denn gerade Paul Wegener hatte im Genre in den 20er Jahren viel geleistet, nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Regisseur. Der Phantastische Film war in Österreich/Deutschland der 30er Jahre umtriebiger und stärker vertreten, als viele denken mögen. In Österreich waren im Vergleich zu Deutschland deutlich mehr Horror- und Science Fiction Filme vertreten. Horrorfilme aus den USA waren in Deutschland kaum zu sehen. Dafür widerum einige Filme, die eher dem Science Fiction und Fantasy Genre zu zuordnen sind, wobei auch deutsche Filmemacher in Deutschland selbst welche produzierten. Heutzutage kann man diese Filme dem Fantasy, Horror oder Science Fiction Genre zuordnen, aber damals existierten solche Filme zumindest in Europa vor dem 2. Weltkrieg nicht als Genre. Das hatte seinen Grund. Europa bzw. jedes europäische Land hat seine Mythen, Geschichten, Sagen und Legenden. Und für den Mitteleuropäer lag das phantastische und das Reale viel näher beieinander, als beispielsweise für den damaligen eher puritanisch geprägten Amerikaner. Und was den Begriff Science Fiction angeht, so bezeichnete man es damals als Utopisch oder als Utopien.

Aus dieser Zeit, der 30er Jahre, von den Anfängen dieses Jahrzehnts bis zum Ende des Jahres 1939, will ich nun chronologisch über diese Zeit der Phantastischen Filme berichten, die damals in Österreich und Deutschland in den Kinos liefen. Wie schon erwähnt, befinden sich Filme darunter, die nach dem 2. Weltkrieg offenbar nirgendwo mehr gezeigt worden sind. Speziell diese deutsch synchronisierten oder im Original mit deutschen Untertiteln damals gezeigten Filme haben somit einen extrem hohen Seltenheitswert, da anscheinend verschollen.

Die folgende Chronologie richtet sich nicht nach dem ABC-Prinzip, sondern nach folgenden Faktoren:
1. Generell das Herstellungsjahr / 2. das Erstaufführungsdatum, sofern ermittelbar
/ 3. Die Nr. der Filmprogramme


Jeder Film wird hier mit Vor- und Nachkriegstiteln inkl. späterer alternativer TV-Titel erwähnt. Ferner werden diese mit Kurzinhalten und möglichen diversen Zusatzinformationen vorgestellt werden. Natürlich auch solche, die mir nicht bekannt sind, da verständlicherweise nie gesehen. Dieses kleine spezielle Thema wird anhand der aufgeführten Filme inkl. diverser Bilder beweisen, das der Phantastische Film in Österreich/Deutschland der 30er Jahre sehr gut präsent war.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 22.04.2016 18:33 
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Film Nr. 01

DIE ARCHE NOAH
(At: Das Drama der Sintflut)
(Ot: Noah's Ark)
(USA 1928/29)


EA: Deutschland 1929

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Altes Filmprogramm aus Deutschland BFK 1179

Inhalt:
Ende Juli 1914
Bei einem Zugunglück kann der Amerikaner Bill die junge Französin Mary retten. Später in einem Wirtshaus bekommen beide mit, das der 1. Weltkrieg ausgebrochen ist. Dort begegnen sie auch dem Russen Nikoloff. Der hat Interesse an Mary und so kommt es zum Kampf zwischen Bill und Nikoloff, bei dem der Russe unterliegt. Als später die USA sich am Weltkrieg beteiligen, wird auch Bill eingezogen. Mary begegnet Nikoloff erneut und als sie ihn wieder abweist, läßt er sie durch Dokumente als deutsche Spionin verhaften. Sie soll später erschossen werden, aber Bill trifft ein und kann es verhindern. Ferner schlägt nun eine Granate im Gefängnishof ein und beide werden zusammen mit einem Priester durch Geröll unterirdisch eingeschlossen. Bill hat Mary gerettet. Für den Priester ist der Weltkrieg eine Katastrophe und er beginnt damit, Mary und Bill eine Geschichte zu erzählen.

An dieser Stelle schwenkt der Film um und man befindet sich in frühhistorischer Zeit. Der Film stellt mit seinem Inhalt ein Gleichnis von zwei Menschheitskatastrophen da, nämlich 1. Weltkrieg = Sintflut. Gott befiehlt Noah eine Arche zu bauen und warnt davor dies nicht zu tun. Noahs Sohn Japhet ist mit Miriam verlobt. Diese soll aber auf Anordnung des Königs Nephilim durch den Hohepriester geopfert werden. Japhet will dies verhindern, aber von Gott gesandte Blitze schlagen ein und es beginnt die Katastrophe.

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Altes Filmprogramm aus Österreich FIB/WFK 6

Der Film wurde anscheinend noch als Stummfilm begonnen, aber während dessen zum Tonfilm umgestaltet. In Österreich lief wohl die Tonfassung, während in Deutschland angeblich die Stummversion gezeigt wurde. Ob dem tatsächlich so war, konnte meinerseits nicht geklärt werden. Der Film wurde sehr wahrscheinlich im Original mit deutschen Untertiteln gezeigt. Aus welcher Zeit der deutsche Alternativtitel
stammt (siehe oben), konnte ich nicht feststellen. Möglicherweise lief der Film damals nochmal oder Jahrzehnte später im TV.

Wiederaufführung in der BR Deutschland 11. November 1960

Regie führte ein gewisser Michael Kertész, der sich später Michael Curtiz nannte. Die Hauptdarsteller sind alle in Doppelrollen zu sehen. Dolores Costello als Mary/Miriam, George O'Brien ist Bill/Japhet und Noah Beery ist Nikoloff/König Nephilim. Der Film hat(te) eine Länge von ca. 135 min. Ob der damals in dieser langen Fassung im Kino lief, konnte nicht ermittelt werden. Bei seiner Wiederaufführung in Amerika 1957 und in Deutschland 1960 war der Film nur noch ca. 70 - 75 min lang.

Filmhistorisches:
Die Erfindung des Tonfilms bzw. auch dessen Einführung im Jahre 1927 ging nicht so schnell von statten. Die Studios und Filmtechniker hatten echte Anfangsschwierigkeiten. Viele Studios und Kinos konnten sich die dazu gehörigen Gerätschaften einfach nicht leisten. Ferner wurde die Filmkunst durch die neue Tontechnik behindert. Mit Mikrophonen wurden Tonaufnahmen gemacht und diese auf Schallplatten synchron zum Film abgespielt. Dadurch konnten einmal gedrehte Szenen nicht geschnitten oder umgeschnitten werden, weil man den einmal dafür aufgenommenen Ton auf Schallplatte nicht mehr verändern konnte. Der Tonfilm brachte auch das Ende der Stummfilmstars mitsich. Viele Schauspielerinnen und Schauspieler stiessen auf einmal an ihre Grenzen, was Sprechrollen anbelangte. Viele wurden arbeitslos und wieder andere konnten beispielsweise nicht mehr in Amerika tätig sein, weil widerum ihr englisch doch zu schlecht für den Tonfilm war. Desweiteren verloren auch viele Orchestermusiker, die für die musikalische Untermalung von Stummfilmen zuständig waren, ihre Arbeit. Es sollten 5-6 Jahre vergehen, bis der Tonfilm sich allgemein durchsetzte und zum Standart der Filmschaffenden wurde.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 23.04.2016 12:01 
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Film Nr. 02

DER MODERNE FAUST
(Ot: Midstream)
(USA 1929)

EA: Österreich April 1930

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Altes Filmprogramm aus Österreich WFK 30

Kurzinhalt:
James ist seit vielen Jahren in der Hochfinanz tätig, hat ein großes Vermögen und ist einer der angesehensten Bürger der Stadt New York. Aber er ist alt, sehnt sich danach wieder jung zu sein und nach Liebe und Glück. James heimliche Liebe ist die junge Nachbarsfrau Helene. Heimlich liebt ihn aber auch seine Sekretärin Mary, die seit 20 Jahren für ihn tätig ist. James ist unglücklich und sein Freund und Arzt Dr. Nelson rät ihm, sich in Deutschland/Berlin einer Verjüngungs-Behandlung zu unterziehen. Dies tut Jim inkl. diverser Nachbehandlungen, mit dem Ergebnis, das er wieder jung und frisch aussieht, so wie früher. Um nun das zu behalten, was er sich in all den vorigen Jahrzehnten aufgebaut hat, täuscht er seinen eigenen Tod vor und gibt sich stattdessen als Neffe und Universalerben seines Vermögens aus. Im weiteren Verlauf kann er nun auch die von ihm begehrte Helene für sich gewinnen. Mary, seine Sekretärin ist die einzige die Verdacht schöpft, weil sie Jim ganz genau kennt.

Nach einem Drehbuch von BERNICE BOONE entstand unter der Regie von JAMES FLOOD dieser phantastische Film. Ich kenne ihn nicht, aber wenn man den Inhalt so betrachtet scheint es eine im weitesten Sinne abgewandelte Mischung aus "Bildnis des Dorian Gray" von Oscar Wilde (Wunsch nach ewiger Jugend etc.) und "Faust" von Goethe zu sein. Mit Faust hat der Film laut Inhalt u.a. nur soviel gemein, weil James und Helene in eine Oper gehen, in der Faust aufgeführt wird. Dadurch wird James, der sich als sein eigener junger Neffe ausgegeben hat irgendwie bewußt, was er getan hat.

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Altes Motiv aus Spanien

Ricardo Cortez ist James, Claire Windsor ist Helene, Montagu Love ist Dr. Nelson und Helen Jerome Eddy ist Mary. Der Film dürfte der erste richtig reine Phantastische Film sein, der in Österreich mit Ton gezeigt wurde. Ob der Film seinerzeit auch in Deutschland lief, war nicht zu ermitteln. War Film Nr. 1 (siehe obigen Threadabschnitt) noch halb Phantastisch, so hat dieser hier eine durchgehende Phantastische Grundbasis, was das Streben nach ewiger Jugend und den Verjüngungsprozess anbelangt. Einen früheren Phantastik-Tonfilm, der damals in den 30er Jahren im Kino gezeigt worden ist, konnte ich nicht ausfindig machen. Ob der im Original mit deutschen Untertiteln oder synchronisiert gezeigt worden ist, ließ sich nicht feststellen. Da der Tonfilm sich im Grunde noch in der Weiterentwicklung befand und man die Synchronisierungs-Techniken noch nicht richtig beherrschte, wird der Film eher im OmDU gelaufen sein.

Diese österreichisch/deutsche (Untertitel)-Fassung wurde nur damals gezeigt und seitdem nie wieder. Sie ist offenbar verschollen und anscheinend völlig in Vergessenheit geraten. Der Film wird auch in keiner deutschen Publikation zu Phantastischen Filmen (Horror, Science Fiction usw.) erwähnt. Somit haben wir hier eine extrem seltene Rarität, dessen Wiederentdeckung im deutschsprachigen Raum einer kleinen Sensation gleichkommen würde.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 23.04.2016 21:26 
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Film Nr. 03

DER MYSTERIÖSE DR. FU MANCHU
(OT: The Mysterious Dr. Fu Manchu)
(USA 1929)

EA: Österreich Mai 1930

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Kurzinhalt:
Diese Geschichte beginnt in China zur Zeit des Boxeraufstandes. Ein Chinese aus vornehmen Hause rettet die Tochter eines Engländers, während sein eigenes Töchterchen umkommt und der Chinese schwört Rache. Einige Jahre später setzt er seinen Schwur um, indem er ehemalige britische Offiziere ermordet bzw. auch umbringen läßt. Die weiße Kolonialmacht ist ihm verhaßt. Fu Manchu beherrscht die Kraft der Hypnose, mit denen er andere Menschen zwingt Dinge zu tun. Auch seine Adoptivtochter muß sich an seinen Racheaktionen beteiligen, die er damals als kleines Mädchen rettete. Die Polizei steht aufgrund der vielen Morde vor einem Rätsel und scheint machtlos.

Den meisten wird Dr. Fu Manchu am ehesten durch die Kino-Filmserie (1965-1969) mit Christopher Lee ein Begriff sein. Dieser alte Film hier dürfte meines erachtens weitaus unbekannter sein. Aber er lief damals in Österreich im Kino und nur dort, denn seitdem ist der Film leider verschollen. In Deutschland war er bis heute nie zusehen. Die damalige Aufführung war wohl die erste und letzte. Dabei kann sich dieser Film rühmen, der allererste vollständig deutsch synchronisierte phantastische Tonfilm zusein. Da der Tonfilm 1929 den Filmschaffenden noch Schwierigkeiten bereitete, wurde dieser Fu Manchu-Film noch als Stummfilm begonnen, der kurze Zeit später in eine Tonfassung umgewandelt bzw. dann auch für Österreich tongerecht synchronisiert wurde. Zu jenen Zeiten muß das echt sensationell gewesen sein. Umso trauriger, das auch dieser Film in der Versenkung verschwunden ist.

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Regie bei dem Ganzen führte Rowland V. Lee. Der Schauspieler und gebürtige Schwede WARNER OLAND stellte Fu Manchu da. Wenn es damals darum ging im Hollywoodfilm fernöstliche Figuren darzustellen, so wurde häufig dieser Darsteller eingesetzt. Bekannt wurde W. Oland auch durch seine Darstellung des chinesischen Detektivs Charlie Chan. Aber dies nur nebenbei. Ferner spielt JEAN ARTHUR Lisa Elham, die Tochter des Doktors und O.P. HEGGIE ist Nayland Smith, der Scotland Yard Inspektor.

Der geistige Vater von Fu Manchu war der Autor SAX ROHMER. Sein richtiger Name war Arthur Sarfsfiled Wade oder Ward. Der Sohn irischer Eltern kam in England/vermutlich Birmingham zwischen 1883 und 1886 zur Welt. Er selbst schwieg in der Öffentlichkeit über seine Geburtsdaten, weswegen z.B. sein Geburtstag nicht eindeutig geklärt ist. Als Schriftsteller nannte er sich später Sax Rohmer. Seine Geschichten um den Superverbrecher Dr. Fu Manchu und spätere Verfilmungen machten den Autor weltberühmt. Übrigens ist Sax Rohmer auch der geistige Vater einer gewissen skrupellosen Dame, einer Vorkämpferin für Frauenherrschaft auf diesen Planeten. Ihr Name: SUMURU!

Dieser alte Fu Manchu-Film dürfte in dieser alten deutschen Synchronfassung auch eine absolute Rarität sein. Ob dieser Fu Manchu-Filmschatz doch nochmal wiedergefunden wird?

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 24.04.2016 15:11 
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Film Nr. 04

ALRAUNE
(Deutschland 1930)

EA: Deutschland 2. März 1930

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Altes Filmprogramm aus Deutschland

Kurzinhalt:
Der Professor und Wissenschaftler Ten Brinken entnimmt einem gehängten Verbrecher im Augenblick seiner Hinrichtung, seinen Samen. Diesen letzten Samen eines Mörders fügt er in eine Prostituierte ein und schwängert sie. Monate später ist das Ergebnis ein Mädchen. Der Professor gibt ihr den Namen Alraune und zieht sie wie sein eigenes Kind auf. Für den Professor ist das ganze ein Experiment. Er will damit seine Theorie beweisen, das der Charakter eines Menschen viel mehr von der Umwelt und Erziehung geprägt wird, als von seinen Erbanlagen oder Veranlagungen. Alraune entwickelt sich zu einer jungen schönen Frau. Alraune besitzt eine extrem erotische geheimnisvolle Ausstrahlungskraft und das unheimliche Erbgut tut sein übriges. Männer, die ihr hemmungslos verfallen, werden ruiniert und gnadenlos vernichtet. Sie ist Liebesrausch und Tod in einem. Jeder Mann, der sich in sie verliebt, ereilt Unglück. Als Alraune das Geheimnis ihrer Herkunft erfährt, wendet sie sich auch gegen ihren Schöfper.

Nach dem Roman ALRAUNE - DIE GESCHICHTE EINES LEBENDIGEN WESENS (erschienen 1911) von Hans Heinz Ewers entstanden bisher 6 Filme. 4 Stummfilme und zwei Tonfilme. In dieser 30er Jahre Tonverfilmung unter der Regie von Richard Oswald, wiederholte die Schauspielerin BRIGITTE HELM ihre Titelrolle, die sie schon im Stummfilm von 1928 (mit Paul Wegener als Professor) dargeboten hatte. Als Professor agierte hier der Darsteller ALBERT BASSERMANN. Diese Verfilmung hier, wird beispielsweise leider nicht im Lexikon des internationalen Films aufgeführt. Entweder vergas man den Film oder er ist nach dem Kriege bis heute nicht mehr in Deutschland gezeigt worden. Eine Stummfilmversion von 1919 trug den Titel ALRAUNE UND DER GOLEM. Offenbar vermischte man die Alraune-Thematik mit der altjüdischen Legende vom steinernen Golem. Der Film gilt als unauffindbar und existiert offenbar gar nicht mehr. Schade, denn das wäre auch für mich von Interesse. Dürfte eine echte Kuriosität unter den Alraunefilmen gewesen sein.

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Der 30er Jahre Alraune mag natürlich aus heutiger Sicht altmodisch und in technischer und medizinischer Hinsicht überholt sein. Heute gibt es Samenbanken, künstliche Befruchtung etc. und ist in der Science Fiction im Grunde kein Thema mehr. Aber damals galt der Film nun mal als utopisch und darf hier keinesfalls fehlen, zumal er nach wievor bei den Science Fiction Filmen mit aufgeführt wird und im Grunde hat man es hier mit einer Art Frankenstein-Variation zu tun. Ein Wissenschaftler erschafft aus den Körpern eines gehängten Verbrechers und einer Prostituierten einen (künstlichen) Menschen. Und für die Filmmusikfreunde dürfte es interessant sein zu wissen, das hier BRONISLAW KAPER die Musik zum Film komponierte. Jener Filmmusiker, der später in Amerika Musiken zu Filmen, wie z.B. Formicula und Meuterei auf der Bounty (1962) schrieb. Alraune wäre es wert, mal wieder entdeckt zu werden. Alraune ist auch der erste damalige deutsche utopisch phantastische Tonfilm!

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 26.04.2016 15:25 
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Film Nr. 05

DER ANDERE
(At: Staatsanwalt Dr. Hallers)
(Deutschland 1930)

EA: Deutschland 12. August 1930

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Altes Filmprogramm aus Österreich

"Infolge eines Sturzes, einer schweren Krankheit, infolge von Überanstrengung kann sich im Menschen ein Doppelwesen bilden, neben dem gesunden ein krankhaftes. Das eine weiß nichts vom anderen. Das krankhafte kann in einer Art Dämmerzustand Handlungen begehen, von denen das gesunde nicht das geringste Bewußtsein hat!"
(Hippolyte Taine, französischer Historiker und Philosoph 1828 - 1893)

Inhalt:
Bei einer Gesellschaft streiten Rechtsanwalt Arnoldy und Staatsanwalt Dr. Hallers genau über diese These, die Dr. Hallers als pure Scharlatanerie abtut. Schizophrenie lehnt er als mildernen Umstand während eines Gerichtsprozesses strickt ab. Als Dr. Hallers beim frühmorgendlichen Reitsport vom Pferd stürzt, erholt er sich zwar schnell von seinen äußeren Verletzungen, wird aber von diversen Ermüdungserscheinungen heimgesucht. Im tranceähnlichen Zustand begeht er zwanghafte Handlungen. Im kriminellen Milieu des nächtlichen Berlin, macht er die Bekanntschaft von Dikkert, einem Ganoven. Der sieht in ihm den idealen Komplizen. Das zweite Ich von Dr. Hallers macht nun gemeinsame Sache mit dem Verbrechen und ist vom Geist bzw. Bewußtsein eines Verbrechers besessen.

Nach einem Theaterstück von Paul Lindau entstand dieser Film. Er ist ein Remake des gleichnamigen Stummfilms von 1913. P. Lindaus Bühnenstück und die beiden Filme basieren widerum auf den Roman DER SELTSAME FALL DES DR. JEKYLL UND MR. HYDE von Robert Louis Stevenson, dessen Geschichte sie zum Vorbild nahmen und sie variierten. Somit haben wir hier im Grunde die erste Tonfilmversion von Dr. Jekyll und Mr. Hyde, auch wenn hier kein Wissenschaftler durch Experimente sein dämonisches zweites Ich herauf beschwört. Das Jekyll und Hyde-Thema ansich wurde von der Filmindustrie immer wieder aufgegriffen. Vor dieser ersten Tonversion wurden bereits 11 Stummfilme gedreht und nach diesem hier sollte es noch weitere Verfilmungen geben.

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Plakat aus Frankreich

Unter der Regie von ROBERT WIENE spielen FRITZ KORTNER (Dr. Hallers), KÄTHE VON NAGY (Amalie), HEINRICH GEORGE (Dikkert) usw. Da die Technik der Tonfilm-Synchronisationen damals noch schwierig und keinesfalls ausgereift war, tat man das, was damals sicherer war. Man drehte zeitgleich eine andere Sprachfassung mit u.a. anderen Darstellern, wie man beispielsweise am französischen Plakatmotiv sieht. Der gleiche Regisseur fertigte eine französische Fassung an, mit französischen Darstellern. Das machte man in Deutschland seit dem Jahre 1929 öfters, nachdem dies vorher schon in den USA erfolgreich angewendet worden war. In der Frankreich-Fassung ist JEAN MAX (Dr. Hallers), COLETTE DARFEUIL (Marion), GEORGES COLIN (Gangster) usw.

Aus welcher Zeit der deutsche Alternativtitel (siehe oben) stammt, war nicht 100%ig zu ermitteln.
Trotzdem vermute ich mal folgendes:
Dieser Alternativtitel stimmt widerum mit dem französischen überein. In Deutschland soll damals auch die Frankreich-Fassung ab dem 1. September 1930 gelaufen sein und möglicherweise war diese deutsch untertitelt. Daher rührt wahrscheinlich auch der alternative deutsche Titel. Ob DER ANDERE nach dem Kriege bzw. später mal im TV lief, war nicht zu ermitteln. Anscheinend ist der Film verschwunden.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 27.04.2016 14:44 
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Film Nr. 06

ENDE DER WELT
(Ot: La Fin Du Monde)
(Frankreich 1930)

EA: Deutschland 14. April 1931

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Altes Filmprogramm aus Deutschland

Inhalt:
Der Dichter Jean Novalic und sein Bruder, der Astronom Martial Novalic und der Bankier Schomburg wollen gerne mit Geniviéve zusammen sein, die jeder auf seine Art umwirbt. Als Jean ein Kind in Schutz nehmen will und sich mit einer aufgebrachten Menge anlegt, bekommt er eine Flasche an den Kopf geworfen. Verletzt landet er im Krankenhaus. Währendessen entdeckt sein Bruder einen Kometen, der unaufhaltsam auf die Erde zusteuert. Der Astronom ist fest davon überzeugt, das der Komet mit der Erde kollidieren wird und teilt dies seinem Bruder mit. Der will aufgrund der bevorstehenden Katastrophe die Menschen davor warnen und sie wachrütteln. Man glaubt ihm jedoch nicht und steckt ihn in eine Nervenklinik. Martial gründet einen Sender mit dem er sich an die breite Öffentlichkeit wendet und schon bald ist die Nachricht vom Kometen weltweit verbreitet. Martial propagiert ferner, das die Nationen endlich aufhören sollen Kriege gegeneinander zuführen und anstatt sich umzubringen, lieber als eine einzige Nation von Menschen zusammen zustehen. Martial verkündet die "Universelle Republik"! Die Bevölkerung gerät so nach und nach in Panik, die Regierung verharmlost alles und spielt es herunter. Wirtschafts- und Finanzkrisen werden ausgelöst und Schomburg und andere Kapitalisten wollen nur Profit machen, bzw. auch noch weiteres Kapital aus der Sache schlagen. Ferner wird der Sender durch einen Anschlag sabotiert, aber der Komet rast weiterhin auf die Erde zu und kommt immer näher. Die Reichen beginnen ausgiebige Partys zu veranstalten, um das Kommende zu verdrängen. Andere Leute beten jeweils zu ihrem Gott, aber der Komet läßt sich nicht aufhalten.

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Geplant war der Film als Stummfilm, der dann sehr schnell auf ein Tonfilmverfahren umgestellt wurde. Die Franzosen schufen einen ihrer ersten Tonfilme und gleichzeitig ihren ersten utopisch phantastischen Tonfilm. Regie führte kein geringerer als ABEL GANCE, der hier auch gleichzeitig eine der Hauptrollen übernahm, nämlich die des Dichters Jean Novalic. Abel Gance hatte sich vorher schon unsterblich mit seinem aufwendigen auf drei Leinwänden projizierten monumentalen Mammut-Breitwandwerk NAPOLEON (1925-1927) gemacht, das bis heute als ein Meisterwerk des Stummfilms gilt. Gance galt/gilt als Vorreiter neuer filmtechnischer Ideen und des französischen Ästhetizismus. Monsieur Gance distanzierte sich später nach der Premiere in Frankreich leider von diesem Film hier. Ende der Welt wurde nach seiner Premierenfassung von 105 min auf ca. 86 min gekürzt und soll nach einer Woche Kinoeinsatz in Frankreich abgesetzt worden sein. Verständlich, das Abel Gance darüber sehr verärgert gewesen sein muß, hatte er doch viel Zeit und Geld für seinen Film investiert. In Deutschland lief damals demnach auch nur die gekürzte Version.

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WA: BR Deutschland 6. Januar 1977 im TV WDR

Laut Kritiken wurde auch die für damalige Verhältnisse perfekte Tricktechnik gelobt und soll späteren Produktionen durchaus standhalten. Kann ich nun nicht so bestätigen, denn mir lag der Film zumindest als französische Originalfassung von ca. knapp 90 min auf DVD vor. Somit ist er ein wenig länger, als die deutsche Fassung. Die Tricks sind natürlich ein Kind der damaligen Zeit und können dementsprechend mit späteren Standarts nicht mithalten. Man hätte die Tricks damals schon ein wenig besser gestalten können, aber dennoch verstand es Monsieur Gance mit vielen Szenerien für eine Weltuntergangsstimmung zu sorgen. Atmosphärisch äußerst ansprechend sind die Szenen, wo große Stürme aufziehen, als der Komet näher kommt. Die Bäume biegen sich im Wind, der nur so heult. Dann folgen die ersten Gesteinsbrocken der Meteoriten usw. Ferner durchziehen den Film auch immer wieder religiöse Sympolismen, wobei das Kreuz und der Tod von Jesus Christus eine große Rolle spielt, der für die Sünden der Menschen den Kreuzestod starb. Man sieht nun in dem Kometen die Strafe Gottes.

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Der Film kann/mag auch mit seinen vielen Dialogen so seine Längen haben, je nach individuellen Eindrücken eines Zuschauers. Aber ich fand/finde das ganze sehr interessant gemacht, zumal meistens eine atmosphärische Bedrohung durch den Kometen im Hintergrund spürbar ist. Ferner sind die Darstellerleistungen gut, wobei Abel Gance, als Jean hier mit einer Theatralik zu gewissen Overacting neigt. Das trifft auch auf einige andere zu, denn man merkt deutlich, das die Schauspieler mit ihren Gesten, Mimiken usw. noch sehr dem Stummfilm behaftet waren, wo man ja verständlicherweise vieles so ausdrücken mußte. Dennoch haben mir die Darsteller in ihren Rollen sehr gut gefallen. Vor allem Victor Francen, als Martial (der Astronom) fand ich fast schon sensationell. Interessant ist übrigens der Umstand, das man die Vornamen der beiden Brüder, laut altem Filmprogramm für die deutsche Fassung geändert hatte. Aus Martial wurde Bernhard und aus Jean wurde Gert.

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Die DVD aus Frankreich

Jetzt, nachdem ich vor kurzem den Film gesehen habe, plädiere ich für eine digitale Auswertung im OmDU und/oder deutsche Fassung. Die Kürzungen sieht man ihm aber nicht an und der Film wäre definitiv, auch in seiner 90 minütigen Fassung eine Wiederentdeckung wert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 29.04.2016 13:58 
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Film Nr. 07

DIE TOCHTER DES DRACHEN
(Ot: Daughter Of The Dragon)
(USA 1931)

EA: Österreich Januar 1932

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Kurzinhalt:
Vor ca. 20 Jahren hatte Dr. Fu Manchu eine englische Offiziersfamilie fast vollständig ins Jenseits befördert. Fu Manchu, der für tot gehalten wird, will nun den letzten Sohn seines vorigen Mordopfers beseitigen. Allerdings scheidet er (wahrscheinlich) dahin, nicht ohne jedoch vorher seine Tochter damit zu beauftragen.

Nach DER MYSTERIÖSE DR. FU MANCHU (siehe Film Nr. 03) und THE RETURN OF DR. FU MANCHU (in Österreich & Deuschland nicht gezeigt), folgte hier eine weitere Fortsetzung. Diese lief seinerzeit damals nur in Österreich und auch nur im OmDU. Die Regie übernahm Lloyd Corrigan. Fu Manchu wird auch hier wieder von WARNER OLAND dargeboten. Die weitere Besetzung ist interessant und gut. So wird die Tochter, Prinzessin Ling Moy von keiner geringeren gespielt, als von ANNA MAY WONG und der chinesische Detektiv Ak Kee wird von SESSUE HAYAKAWA dargestellt.

In den USA waren damals in der Regel chinesische und japanische Darsteller in Filmen kaum vertreten, weswegen sehr häufig westliche Schauspieler fernöstliche Figuren darstellten. Das zog sich noch bis weit in die 50er Jahre hinein. Hinzu kam noch, das nach dem 1. Weltkrieg in den USA der Migrantenanteil stark zunahm. Denen war man auch nicht gerade freundlich gesinnt und somit hatten es Schauspieler chinesischer und japanischer Herkunft schwerer im Film unter zukommen. Aber es gab Ausnahmen. Anna May Wong kam im Jahre 1905 in Amerika zur Welt und war gebürtige Chinesin. Sie war in den USA der erste weibliche Filmstar fernöstlicher Herkunft und war schon zu Stummfilmzeiten beim Publikum beliebt.

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Prinzessin Ling Moy/Anna May Wong

Sessue Hayakawa war ein japanischer Schauspieler und wurde im Jahre 1889 in Japan geboren. Seit den Stummfilmzeiten hatte er in japanischen, amerikanischen und französischen Filmen Karriere gemacht. Er war widerum der erste männliche Filmstar in Amerika mit fernöstlicher Herkunft. Eine seiner bekanntesten späteren Darstellungen dürfte die des japanischen Offiziers und Lagerkommandanten Oberst Saito im Film Die Brücke am Kwai gewesen sein.

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Fu Manchu attackiert einen Polizisten

Das muß damals eine kleine Filmsensation gewesen sein, das diese beiden gemeinsam in einem Film auftraten und dann noch gegeneinander. Sowohl für Miss Wong, als auch für Mr. Hayakawa war Die Tochter des Drachen einer ihren ersten Tonfilme in denen sie mitwirkten. In Deutschland war der Film bis heute leider nie zu sehen. Ob sich das mal ändert?

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 30.04.2016 13:49 
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Film Nr. 08

DER BOSS
(Ot: A Connecticut Yankee)
(USA 1931)


EA: Deutschland April 1932

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Filmprogramm aus Deutschland

Titel in Österreich:
EIN RADIOTRAUM

Kurzinhalt:
Hank ist Radiofachmann und besitzt das einzige Radiogeschäft weit und breit in einer amerikanischen Provinz. Eines Abends ruft ihn der Schloßherr zusich, dessen Anwesen in der Nähe ist. Hank soll eine Batterie für die Radioanlage auswechseln, begibt sich zum Schloß und staunt nicht schlecht über die riesige technische Anlage des Schloßherrn. Man müßte sogar den Sender in China empfangen können, so die Vermutung von Hank. Der Schloßherr will mehr erreichen, denn er will auch die Vergangenheit empfangen können. Seiner Meinung nach, ist immer noch jedes einstige gesprochene Wort vorhanden, das in der Luft nach wievor vibriert. Über die Lautsprecher hören beide plötzlich Stimmen, die besagen, das bei König Artus ein Turnier inkl. Festmahl stattfinden soll. Dann zieht ein Sturm auf, Fensterläden öffnen sich und Hank wird von einer umstürzenden Ritterrüstung umgehauen. Als er wieder erwacht, befindet er sich plötzlich in England zur Zeit des Mittelalters. Er wird von einem Ritter gefangen genommen, der ihn zum Hofe von König Artus bringt. Dort gerät er die Ränkespiele von Königin Morgane Le Fay und dem bösen Ritter Sagramor, die König Artus vom Thron stürzen wollen.

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Filmprogramm aus Österreich

Wer hätte gedacht, das sich hinter diesem deutschen Titel, DER BOSS ein phantastischer Film verbirgt. Der österreichische Titel ist widerum identisch mit dem früheren Stummfilm von 1921. Nach dem Roman EIN YANKEE AUS CONNECTICUT AM HOFE KÖNIG ARTUS von MARK TWAIN (1835-1910), dessen richtiger Name SAMUEL CLEMENS war, entstanden bisher 10 Filme. Ein Stummfilm und 9 Tonfilme. Dieser hier ist die erste Tonfilmversion. Eine der bekanntesten späteren Verfilmungen dürfte die von Disney (1979) sein, die sich in Deutschland KÖNIG ARTUS UND DER ASTRONAUT nannte. Aber die Filme beschränkten sich hauptsächlich auf die humoristischen Elemente des Romans, was den Kulturschock bzw. die Begegnung eines aus dem industrialisierten 19. Jahrhunderts stammenden amerikanischen Durchschnittsbürgers mit Rittern aus dem mittelalterlichen Britannien anbelangt. Mark Twains Buch war jedoch, trotz des Humors auch eine Attacke auf die seinerzeit herrschenden arroganten, bornierten und undemokratischen Zustände in England des ausgehenden 19. Jahrhunderts gedacht. Ferner prangerte er zusätzlich das industrielle Spekulantentum und deren Methoden im eigenen Lande an. Von diesen massiven Sozialkritiken im Roman, ist in den Filmen kaum etwas übrig geblieben. Twains Zeitreise war u.a. als eine Art Gleichnis gedacht, weil er die Zustände mit denen aus dem Mittelalter verglich.

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Plakat aus USA

Der Schauspieler WILL ROGERS war seinerzeit öfters in Komödien zu sehen, wo er meistens den Durschnittsamerikaner darstellte, der in irgendwas hinein gerät. Interessant dürften die beiden weiblichen Hauptdarstellerinnen sein. MAUREEN O'SULLIVAN ist Prinzessin Kunigunde. Miss O'Sullivan war damals noch eher unbekannt, aber bei der Filmfirma 20th Fox bekam sie ihren ersten Filmvertrag. Fox produzierte diesen Film hier. Ein Jahr später sollte Maureen O'Sullivan, als Jane in den Tarzenfilmen sehr beliebt beim Publikum werden und wurde weltbekannt. MYRNA LOY spielt Morgane Le Fay. Miss Loy war schon damals keine Unbekannte mehr, denn ihre Karriere begann schon in der Stummfilmzeit. Sie spielte in sehr vielen Filmen mit. Dieser Film hier, ist nicht im Lexikon des internationalen Films vermerkt. Ob Der Boss/Ein Radiotraum seit damaliger Aufführung jemals wieder gezeigt worden ist, war nicht zu ermitteln. Der Film wurde damals synchronisiert und lief in deutscher Sprache.

Eine kleine amüsante, passende Anmerkung:

Mark Twains Begegnung mit der Zukunft:
Mark Twain hatte übrigens seinerzeit höchstpersönlich eine Begegnung mit Menschen aus der Zukunft. Er traf mit einigen Leuten vom Raumschiff Enterprise zusammen. In der sehr guten Doppelfolge GEFAHR AUS DEM 19. JAHRHUNDERT der TV-Serie Star Trek NG, sieht Mark Twain die Besatzung der Enterprise als Gefahr an, die widerum hinter anderen Außerirdischen her ist, weil die Menschen im 19. Jahrhundert verschwinden lassen, um deren Energie zu bekommen. Als Twain sieht, wie einige Enterprise-Mitglieder durch ein Zeitloch verschwinden, geht er mutig hinterher und kommt somit an Bord der Enterprise. Mark Twain wird hier sehr gut charakteresiert und dargestellt. Später berichtet er ihnen von seinem neusten Buch, A CONNECTICUT YANKEE IN KING ARTHUR'S COURT, das er nun gerade fertig geschrieben hatte. Er meinte noch, das es ihn durch die Begegnung mit der Zukunft doch sehr inspiriert hatte. Nun wissen wir zumindest, wie u.a. Mark Twains Buch zustande kam.
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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 01.05.2016 18:45 
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Film Nr. 09

FRANKENSTEIN
(USA 1931)

EA: Deutschland 18. Mai 1932

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Altes Filmprogramm aus Deutschland

Über diesen Film noch etwas verlauten zu lassen, hieße im Grunde Eulen nach Athen tragen, da eh schon viel darüber geschrieben wurde. Ich versuche es trotzdem mal, weil dieser phantastische Film damals in Deutschland/Österreich im Kino gezeigt wurde.

Kurzinhalt:
Dr. Frankenstein ist nahezu besessen davon, künstliches Leben zu erschaffen. So geht er mit seinem Diener und Gehilfen Fritz nächtens raus, um auf Friedhöfen frische Gräber auszuplündern und kürzlich Gehengte vom Galgen zu schneiden. Diese Toten benötigt er, um aus deren Leichenteilen wieder einen neuen Menschen zu machen. Damit der zukünftig Erschaffene denken und sprechen kann, benötigt Frankenstein noch ein gut erhaltenes und funktionierendes Gehirn. Fritz soll es holen. Dummerweise läßt er den Glasbehälter, wo das Gehirn eines intelligenten Menschen enthalten war fallen. Er nimmt ein anderes Gehirn mit, das eines Verbrechers. Mit elektrischen Apparaturen, Strom und Blitzen vom Unwetter, wird das neue Wesen zum Leben erweckt. Aber die Kreatur ist nicht das, was Frankenstein sich erhofft hatte und es kommt zu tragischen und tödlichen Ereignissen.

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Plakat aus Frankreich

Nachdem es vorher schon drei Stummfilme gab, so war diese Frankenstein-Verfilmung die erste Tonfilmversion. Der Film zählt bis heute zu den absoluten Klassikern des Horror- und Science Fiction Genres. Für Boris Karloff, der hier die Kreatur/das Monster darstellt, war es der Beginn einer Karriere. Obwohl er schon in den 20er Jahren in vielen Filmen als Nebendarsteller mehr oder weniger bekannt war, so wurde er über Nacht schlagartig weltberühmt. Dabei war Mr. Karloff zuerst nicht vorgesehen, denn die Rolle der Kreatur sollte Bela Lugosi bekommen, der schon ein wenig vorher durch Dracula (USA 1931) als neuer Horrorstar gefeiert wurde. Lugosi lehnte diese jedoch ab, weil er sich darstellerisch nichts davon versprach und ihn das ganze Makeup unkenntlich im Film machen würde. Karloff ließ sich bekannterweise darauf ein und laut Info. dauerte die Maskenprozedur täglich 4-6 Stunden, bis alles soweit perfekt gewesen ist. Das Ergebnis kann sich auch heute noch sehen lassen. Karloff verstand es durch sein geniales Mimenspiel, der Kreatur eine gewisse Tiefe und Unschuld zu geben, denn diese kennt nicht den Unterschied zwischen gut und schlecht. Das wird besonders deutlich bei der berühmten Schlüsselszene mit dem kleinen Mädchen. Nachdem so einige Menschen dementsprechend negativ beim Anblick der Kreatur reagiert haben und diese deren Verhalten auch registriert hat, begegnet es einem kleinen Mädchen am Ufer des Flusses. Sie ist der erste Mensch, der nicht in Panik verfällt und der Kreatur eher freundlich gesinnt ist. Sie gibt der Kreatur Blumen, die sie pflückte und beide werfen sie ins Wasser. Die Kreatur empfindet Freude beim Anblick der schwimmenden Blumen. Es nimmt das Mädchen auf den Arm und wirft sie auch ins Wasser. Da das Mädchen nicht schwimmen kann, ertrinkt sie und geht unter. Die Kreatur versteht es nicht, wird traurig und stapft ziellos davon. Durch die hohe Sensibilität dieser Szenerie, aber auch durch Karloffs Spiel, wirkt diese alles andere, als gemein oder grausam. Umso verwerflicher, das diese Sequenz damals aus Zensurgründen für sehr lange Zeit aus dem Film entfernt worden war. Diese ist aber seit Jahren wieder im Film enthalten.

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Motiv aus USA

Mary Shelleys berühmtes Buch erschien erstmals 1818. In Deutschland hingegen fast 100 Jahre später, nämlich im Jahre 1912. Der Film hier widerum, basiert allerdings auf einer amerikanischen Theaterfassung von Peggy Webling, die in Preston Idaho 1927 aufgeführt wurde. Für den Film hier, wurden im Drehbuch einige Änderungen vorgenommen. So lautet z.B der Vorname des Schöpfers HENRY (statt Victor) und den buckeligen Gehilfen Fritz, gibt es bei Shelley nicht. Und auch die ganzen Apparaturen kommen bei Shelley nicht vor, da sie sich mit der Beschreibung des technischen Schöpfungsprozesses doch eher zurückhielt. Obwohl dieser Frankenstein-Film hier, wegweisend fürs Horror- und Science Genre war, so ist dieser widerum vom deutschen phantastischen Film der 20er Jahre und seinem expressionistischen Stil beeinflußt, was tolle Photographie, Ausleuchtung usw. anbelangt. Ferner stand ein wenig der deutsche Stummfilmklassiker DER GOLEM, WIE ER IN DIE WELT KAM (1920) (von und mit Paul Wegener) Pate. Der Golem besteht aus Stein und Lehm, ist schwer und bewegt sich leicht wankend schwerfällig. Um die Kreatur in Whales Film ebenfalls schwer und schwerfällig beweglich erscheinen zu lassen, trug Boris Karloff dicke Bleiplatten an den Schuhsohlen. Damit konnte er den Gang Paul Wegeners als Golem gut imitieren. Nach eigenen Angaben, waren die Bleiplatten, das Kostüm inkl. der Maske zusammen alles so schwer, das Karloff sich zwischen den gedrehten Szenen mehrmals hinlegen und ausruhen mußte. Ferner diente der Golem-Film als Vorbild für die Begegnung zwischen der Kreatur und dem Mädchen. Nachdem der Golem wütend in der Stadt gewütet hatte, steht er plötzlich einem kleinen Mädchen gegenüber. Vertrauensvoll reicht das Mädchen dem steinernen Koloss einen Apfel entgegen und der Golem hebt das Mädchen zu sich empor. Zum ersten male soll der Golem gelächelt haben. In Whales Film ist es, wie schon erwähnt ähnlich. Der Golem und auch Frankenstein sind und bleiben unverzichtbare Klassiker, die völlig zurecht ihren verdienten unsterblichen Platz in der Filmgeschichte haben.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 03.05.2016 15:54 
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Film Nr. 10

DAS PHANTOM VON LONDON
(Ot: Dr. Jekyll and Mr. Hyde)
(USA 1931)

EA: Österreich August 1932

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Altes Filmprogramm aus Österreich

BRD-Titel:
Dr. Jekyll und Mr. Hyde

EA: BR Deutschland 5. Mai 1970 TV ARD

Kurzinhalt:
Dr. Jekyll ist frustriert, weil seine Verlobte Muriel zögert ihn jetzt zu heiraten und auf Wunsch ihres Vaters die Hochzeit um Monate verschoben wird. Jekyll begegnet der Prostituierten Ivy, aber seine bürgerliche puritanisch geprägte Welt lassen solch einen Umgang nicht zu. Jekyll hat genug, forscht nach einem Mittel und es gelingt ihm ein Serum herzustellen, das in der Lage ist beide menschliche Naturen voneinander zu trennen. Er nimmt das Elixier selbst ein und das Experiment ist erfolgreich. Jetzt kann er seine animalischen Triebhaftigkeiten ausleben und als Mr. Hyde fällt er sogleich über Ivy her, die er im weiteren Verlauf auch tyrannisiert. Dr. Jekylls zweites Ich, Mr. Hyde hat sich selbstständig gemacht und führt nun ein böses Doppelleben. Jekyll will den Prozess aufhalten, denn Mr. Hyde ist dabei die Oberhand zu gewinnen.

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Plakat aus USA

Dr. Jekyll und Mr. Hyde gehört ebenso wie Dracula & Frankenstein zu den absoluten Klassikern der Phantastischen Literatur und Film. 11 Stummfilme und 19 Tonfilme (bis Mary Reilly 1995) zeugen davon. Ersonnen hat diese Geschichte ROBERT LOUIS STEVENSON, die er im Jahre 1885 als Novelle mit dem Titel DER SELTSAME FALL DES DR. JEKYLL UND MR. HYDE niederschrieb. Neben dieser Geschichte dürfte auch sein Buch DIE SCHATZINSEL zu seinen berühmtesten Werken zählen.

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Plakat aus Spanien

Diese Jekyll und Hyde Verfilmung war nach dem deutschen Tonfilm, DER ANDERE 1930 (siehe Film Nr. 05) die zweite Tonfilmversion. Paramount produzierte sie und diese lief damals nur in Österreich. Der Film von Rouben Mamoulian gilt bis heute als Klassiker und als einer der besten Verfilmungen. Frederic March erhielt für seine Darstellung des Dr. Jekyll und als sogenanntes erstes "Ungeheuer/Monster" der Filmgeschichte einen Oscar. Als MGM im Jahre 1940/41 eine weitere Verfilmung produzierte, kaufte sie die Paramount-Version ein und ließ sie in den Archiven verschwinden. Angeblich, um nur noch ihren Film vermarkten zu können und um nicht an der vorigen Verfilmung gemessen zu werden, die von da ab eh als Maßstab galt. Dies ist vermutlich auch einer der Gründe, warum der Film mitunter erst sehr spät seine Aufführung in Deutschland hatte (siehe oben), ansonsten wäre er möglicherweise schon in den 50er Jahren im Kino gelaufen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 05.05.2016 17:14 
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Film Nr. 11

VAMPYR
(Deutschland/Frankreich 1932)

EA: Deutschland 5. Mai 1932

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Altes Filmprogramm aus Deutschland

Kurzinhalt:
Der mit seherischen Fähigkeiten ausgestattete und auf Reisen befindene Allan Gray macht Rast im Gasthof in Courtempierre (Frankreich). Er macht dort sehr seltsame Bekanntschaften. So besucht ihn ein alter Mann, der ihm ein Päkchen gibt, was er erst öffnen soll, wenn der Alte gestorben ist. Am Tage sieht er Gestalten und Schatten, folgt einem Einbeinigen zur alten Mühle, der ihm merkwürdig erscheint. Ferner sieht er einen Arzt mit einer kleinen Flasche, der diese einer alten Frau übergibt. Allan begibt sich zum nahegelegenen Schloß und trifft den Alten aus der Herberge wieder, dessen Tochter Léone unter merkwürdigen Blutverlust leidet. Gisele, die andere Tochter kümmert sich um sie. Dann wird der Alte plötzlich vom Einbeinigen bzw. dessen Schatten erschossen. Allan öffnet nun das Päkchen und findet darin ein Buch über Vampire/Vampirismus. Schnell findet sich Allan nun in der Welt der Vampire wieder...!

Regisseur Carl Theodor Dreyer benutzte lose die Erzählung CARMILLA, DER WEIBLICHE VAMPIR von Sheridan Le Fanu als Vorlage für seinen Film. Dabei diente diese Geschichte nur als Aufhänger für sein Werk, das er abänderte, indem er andere Geschichten von Le Fanu hier mit einbaute, besonders was die Figur Allan Gray anbelangt. Allan Gray wird von Julian West dargestellt. Der Name soll ein Pseudonym sein, denn dahinter verbirgt sich laut Info. Baron Nicolas von Günzberg, der einen anderen Namen benutzte, weil er den Rest der Familie nicht in Verruf bringen wollte. Dreyer und der Baron wollten diesen Film zusammen gestalten, wollten etwas übersinnlich schaffen und das haben sie wohl auch. Dreyer und Günzberg gründeten kurz voher eine Produktionsgesellschaft, deren Hauptsitz in Berlin war. Danach begannen die Arbeiten für Vampyr. Berlin war auch der Ort, wo der Film seine Premiere hatte.

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Der Film gilt bis heute mit seiner Bildsprache (Licht und Schatten) als ein phantastisches Meisterwerk Europas in der Vorkriegszeit. Dreyer drehte in Frankreich und bis auf wenige professionelle Schauspieler, u.a. Sybille Schmitz (Léone), besetzte er den Rest mit Laien, die er in irgendwelchen Wirtshäusern und Läden fand. Dafür wurde er in der britischen Presse kritisiert, die sowas als groben Fehler ansah. Aber das konnte dem Film nichts anhaben. Hier ist auch der Zuschauer gefordert, denn Dreyer zeigt weder Gewalt ansich noch irgendwelche Schockszenerien. Er setzte vielmehr auf die Aussagekraft seiner Bilder und Musik, die gut eingesetzt ist. Das ganze hat eine Atmosphäre, wie man sie wohl nur in solch alten phantastischen Filmen zu sehen bekommt. Hinzu kommt noch, das man einem Werk beiwohnt, das aus einer anderen Zeit stammt. Der Film ist alt, aber das erhöht die Stimmung und Atmosphäre ungemein. Ferner ist auch die Vorstellungskraft der Zuschauer gefragt. Was sieht Allan Gray wirklich und was glaubt er zu sehen? Was ist Real und was Phantastik? Durch diesen geschickten filmischen Trick wird Realität und Phantastik vermischt, was ja die Existenz des Übersinnlichen widerum voraussetzt. Allan hat es hier tatsächlich mit Vampirismus zu tun.

Der Film weist nur sehr wenige Dialoge auf und diese wurden damals in deutsch, französisch und englischer Sprache hergestellt. Die Kamera ist gut eingesetzt, die von einem gewissen Rudolf Mate bedient wurde. R. Mate sollte später in Amerika selber Filme machen, darunter einen der besten Antik-Historienfilme jener Zeiten, nämlich DER LÖWE VON SPARTA/The 300 Spartans (1960). Vampyr erschien sträflicherweise bis heute in Deutschland nicht auf DVD. Im Ausland sieht es da schon anders aus. Mir liegt zumindest die DVD vom Label Criterion vor und da es sich um einen deutschen Film handelt, ist natürlich auch die alte deutsche Tonfassung vorhanden. Dafür das der Film so alt ist und leider die Original Negative verloren sind, hat man ihn aus der deutschen und französischen Kinofassung sehr gut restauriert. Feine Sache und für Nostalgiker ein muß!

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 07.05.2016 15:49 
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Film Nr. 12

DAS GEHEIMNIS DES DR. MIRAKEL
(Ot: Murders in the Rue Morgue)
(USA 1932)

EA: Österreich Mai 1932

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Altes Filmprogramm aus Österreich

BRD-Titel:
Mord in der Rue Morgue

EA: BR Deutschland 9. April 1970 TV Hessen 3

Kurzinhalt:
Schauplatz, Paris im Jahre 1845
Pierre Dupin, ein junger Student, der in Paris Medizin studiert besucht mit seiner Verlobten Camilla und seines Freundes Paul eine Pariser Schaubude. Unter den Ausstellern ist auch Dr. Mirakel, der den Leuten einen großen Gorilla präsentiert. Er nennt ihn Erik und bezeichnet den Affen als Übergangsstufe zwischen Tier und Mensch. Eriks Blut soll sich mit Menschenblut mischen, so ruft es der Wissenschaftler der schaulustigen Menge zu, die sich aber entsetzt davon macht. Kurz darauf hält eine Serie von rätselhaften
Frauenmorden die Stadt Paris in Atem, denn immer wieder werden Tote aus der Seine geborgen. Die toten Frauen haben alle etwas gemeinsam, denn die Untersuchungen ergeben, das jedes Opfer Affenblut im Körper hat. Der Wissenschaftler Dr. Mirakel experimentiert mit Affen und Menschen, die er auf seine Weise vereinigen will. Er entführt Frauen und verabreicht ihnen per Spritze Affenblut. Und dann ist da noch Erik, der Gorilla, dessen Gehirn er durch ein menschliches ersetzt hat.

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Motiv aus USA

Hier haben wir die alte erste Ton-Verfilmung eines klassischen Horrorthemas, das lose auf der Erzählung von Edgar Allan Poe beruht. MORD IN DER RUE MORGUE, so der Titel der Geschichte hat es bis heute auf 5 Verfilmungen gebracht. Ein Stummfilm von 1914, dann dieser hier, eine weitere aus dem Jahre 1954 dessen Titel DER WÜRGER VON PARIS lautet und noch zwei aus den Jahren 1971 und 1986. Interessant ist auch hier mal wieder, das dieser alte Rue Morgue-Film damals zuerst und nur in Österreich im Kino lief. Er wurde dort im Original mit deutschen Untertiteln vorgeführt. Anhand des alten deutsch/österreichischen Titels vermutet man wohl eher nicht, das hier ein klassischer Stoff von Mr. Poe dahinter steckte. In Deutschland war der Film damals nicht zu sehen, zumindest fand ich nichts darüber. Allerdings stellte ich fest, das der Film widerum im Horrorfilm-Lexikon vermerkt ist und zwar merkwürdigerweise nur unter dem alten österreichischen Titel.

Während in den anderen Verfilmungen es einfach nur um z.T. unheimliche rätselhafte Morde geht, die anscheinend von einem Affen in der Rue Morgue in Paris verübt wurden, so fügte man hier offenbar noch das Thema -Verrückter Wissenschaftler/Mad Scientist- noch hinzu. Man kreuzte hier offensichtlich die Poe-Vorlage mit dem Dr. Moreau-Thema des Autors H.G. Wells und heraus kam dieser Film hier. Sogenannte Tiermenschen waren öfters Thema in diversen Horror- und Science Fiction Filmen. Dazu müßte man auch diesen Film zählen. Kenne diesen alten Film leider nicht. Laut Kritik wird hier die Kamera von Karl Freund sehr gelobt und ferner die Dekorationen und Bilder. Demnach scheint der Film optisch gelungen zu sein. Bela Lugosi stellt hier übrigens den Dr. Mirakel da und Regie führte Robert Florey.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 10.05.2016 17:16 
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Film Nr. 13

Fast ein jeder kennt den Film DIE ZEHN GEBOTE (1956) von Cecil B. DeMille oder hat zumindest davon gehört. Bekannt dürfte vielen oder einigen auch sein, das dies ein Remake seines eigenen Stummfilms von 1923 gewesen ist. Beide Filme gehören aufgrund ihres Inhalts usw. zum Genre des Phantastischen Films bzw. Fantasyfilms. Was aber offensichtlich total in Vergessenheit geraten ist, das es zwischen dem Stummfilm und dem 1956er Remake noch eine weitere Verfilmung gegeben hat,... nämlich der folgende Film:


DIE SKLAVENKÖNIGIN
(Österreich 1924/1932)

EA: Deutschland/Österreich, der Stummfilm-Fassung 1924

EA: der späteren Tonfassung nur in Österreich, Juli 1932


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Altes Filmprogramm zum Stummfilm aus Deutschland

Die Geschichte vom Auszug der Juden/Israeliten aus Ägypten unter der Führung von Moses, Teilung des roten Meeres usw. dürfte hinlänglich bekannt sein, weshalb ich mir eine weitere Inhaltsangabe hierzu erspare. Nur das dieser Film diesmal aus der Sichtweise einer jungen jüdischen Frau erzählt wird, die von MARIA CORDA dargestellt wird. Das wäre interessant, aber ich kenne diesen Film nicht. Der Film wurde damals noch stumm gedreht und Regie bei dem Ganzen führte Michael Kertész, der sich später Michael Curtiz nannte. Die Sklavenkönigin brachte Mr. Kertész nach Amerika, wo er ca. 4 Jahre später ein weiteres Epos in Szene setzte (siehe auch Film Nr. 01 ARCHE NOAH). Jener Regisseur, der sich mit diversen Piraten- und Mantel & Degen Filmen mit Erol Flynn in den Hauptrollen einen Namen machte. Für Stummfilme waren damals schriftliche Zwischentitel notwendig, um Dialoge zu verstehen. Der bekannte Autor Henry Rider Haggart (Allan Quatermain usw.), auf dessen Romanvorlage MOON OF ISRAEL dieser Film beruht, schuf hier auch die Zwischentitel.

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Altes Filmprogramm zur Tonfassung aus Österreich

Was selten passierte, geschah damals. Diesen alten Stummfilm vertonte man im Jahre 1932 und brachte ihn nun mit einer Tonfassung ins Kino, allerdings soweit mir bekannt nur in Österreich. Und das ist auch der Grund, warum ich diesen Film hier mit reinnehme, denn er wurde tontechnisch in gewisser Weise neu gemacht. Der Film ist seitdem anscheinend in Deutschland/Österreich nicht mehr zu sehen gewesen, jedenfalls habe ich keine spätere Aufführung ausfindig machen können.

Nach dem 1956er Remake gab es noch die Miniserie MOSES (GB/Italien 1975), mit Burt Lancaster in der Titelrolle, dann aus der Bibel TV-Reihe den Zweiteiler MOSES (BRD/Italien 1995), mit u.a. Ben Kingsley und den Animationsfilm DER PRINZ VON ÄGYPTEN (USA 1998).

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 13.05.2016 17:14 
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Film Nr. 14

UNHEIMLICHE GESCHICHTEN
(Deutschland 1932)

EA: Deutschland 6. September 1932

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Altes Filmprogramm aus Deutschland

Titel in Österreich:
Der Unheimliche

WA: BR Deutschland 29. September 1950

Inhalt:
Ein Erfinder geht im Keller seines Hauses seinen verrückten Experimenten nach. Dabei wird er von seiner Frau und deren Katze gestört. Die Katze haßt er und als die eines seiner Bauten kaputt macht, will er sie umbringen. Stattdessen tötet er voller Wut seine Frau, die das nicht zulassen wollte. Vor dem Haus hört zufällig der Journalist Frank diversen Lärm und Schreie. Er geht der Sache nach, wird aber vom Hausherren schroff abgewiesen. Frank wird mißtraurisch und verständigt die Polizei. Diese durchsucht das Haus und nimmt im Keller merkwürdige Töne wahr, die aus einer Wand kommen. Mit Brecheisen durchstossen sie die Wand, die Katze kommt hervor und sie sehen, das der Hausherr seine tote Frau eingemauert hatte. Der Mörder kann entkommen und Frank verfolgt ihn. Der Mörder versteckt sich nun in einem Wachsfigurenkabinett und beinahe wäre es ihm geglückt, Frank zu guillotinieren. Um Frank los zuwerden, greift der Mörder zu einem weiteren Trick. Er flieht zur nächsten Unfallstation und mimt dort den Wahnsinnigen. Somit kommt er in eine Nervenheilanstalt, aber Frank nimmt ihm das keineswegs ab und folgt ihm dorthin. Dort hat er die berühmte Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn in dieser Anstalt haben die Patienten die Befehlsgewalt und stürzen sich auf Frank, weil der Mörder die Patienten für sich gewinnen konnte. Dieser kann somit ein weiteres mal entkommen und taucht spurlos unter. Nach ca. einem halben Jahr bekommt Frank eine Einladung von einem Club, einem Selbstmörder-Club. Was Frank nicht weiß ist, das der Chef dieses Clubs der Mörder ist.

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Altes deutsches Filmplakat

Regisseur RICHARD OSWALD hatte schon im Jahre 1919 einen Stummfilm gleichnamigen Titels gedreht. Der Tonfilm ist aber nur bedingt ein Remake. War der Stummfilm in mehrere Episoden unterteilt, so hat man hier eine durchgehende Geschichte. Der Tonfilm hier, basiert auf Geschichten von Edgar Allan Poe (Die schwarze Katze & Die Methode Dr. Tarr und Professor Feders), Robert Louis Stevenson (Der Selbstmörderclub) und integrierte zusätzlich die Thematik des Wachsfigurenkabinetts. Und die ganze Geschichte liest sich verdammt stark und der Film kann nur gut sein, nur leider habe ich den nicht, bzw. nicht auftreiben können. Allein schon Paul Wegener, als Mörder dürfte hier die halbe Miete sein und es ist sein erster Tonfilm, in dem er mitwirkte.

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Die britische Filmzeitung Monthly Film Bulletin vom britischen Film Institut London, schrieb hierzu seinerzeit, Zitat:

"Unheimliche Geschichten, ein Horrorfilm, der sich virtuos und völlig hemmungslos in seinen Verrücktheiten badet. Zweifellos ein Klassiker seines Genres; der unterhaltsamste und subversivste deutsche Horrorfilm, seit Paul Lenis Wachsfigurenkabinett!"

Das alles zusammen genommen, hört sich sehr empfehlenswert an und ich plädiere dafür, UNHEIMLICHE GESCHICHTEN hierzulande endlich mal digital auszuwerten und zu veröffentlichen. Der Film wäre es bestimmt wert wieder entdeckt zu werden.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 16.05.2016 17:39 
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Film Nr. 15

DIE HERRIN VON ATLANTIS
(Deutschland 1932)

EA: Deutschland 6. September 1932

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Altes Filmprogramm aus Deutschland

WA: BR Deutschland 19. November 1975 TV NDR

Inhalt:
Zwei Offiziere der französischen Fremdenlegion, Captain St. Avid und Captain Morhange sind mit einer Expeditions-Karawane in der Sahara unterwegs, um die Situation der kriegerischen Tuarek-Stämme auszukundschaften. Dabei werden sie von Aufständischen beschossen und angegriffen. Sie werden gefangen genommen. Man bringt sie in eine abgelegene völlig unbekannte geheimnisvolle Stadt, die sich als das sagenumwobene Atlantis herausstellt. Die Herrscherin dieser Welt ist die schöne Königin Antinea, der die Männer offenbar alle hörig sind. Kaum einer, der ihr widerstehen kann. Antinea ist sehr geheimnisvoll und scheint aus einer völlig anderen Zeit zu stammen. Das Alter konnte ihr scheinbar ebenso wenig anhaben, wie ihrer Schönheit. Antinea redet nicht viel, bzw. kaum. Manchmal läßt sie einen der Männer zusich kommen, um mit diesem eine gewisse Zeit zu verbringen. Mit Captain St. Avid spielt sie beispielsweise eine Partie Schach, die Avid sehr schnell verliert. Antinea ist sehr klug und die Männer verzehren sich nach ihr, aber kein männliches Geschlecht hat ihr etwas entgegen zusetzen. Morhange widersteht später der geheimnisvollen Schönen und ihrer Kraft widerum als einziger, aber Antinea versteht es die beiden Offiziere gegeneinander auszuspielen.

Das Thema des sagenhaften Atlantis bot schon so einigen Stoff für diverse Filme. So gab es zuerst einen Stummfilm gleichen Titels aus Frankreich (1920/21). Nach diesem deutschen Film hier folgte ein weiteres Remake aus den USA (1949) mit Maria Montez als Antinea. Und noch ein weiteres Remake stammt aus dem Jahr 1960 und war eine Coproduktion zwischen Frankreich und Italien. Dort wurde Antinea von der Darstellerin Haya Harareet gespielt. Diese Schauspielerin wurde weltbekannt an der Seite von Charlton Heston im Film BEN HUR (1959). Dort war sie Esther. Sie war nur in sehr wenigen Filmen vertreten. Auch George Pal, der den Klassiker Die Zeitmaschine schuf, zeigte Interesse an Atlantis. Das Ergebnis war ATLANTIS - DER VERLORENE KONTINENT (USA 1960), der aber anders war. Aber bleiben wir bei diesem deutschen Film von 1932.

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Plakat aus Frankreich

Der Film entstand nach dem Roman L'ATLANTIDE (1919) von Pierre Benoit. Der Autor stellte sich Atlantis folgendermaßen vor: Das alte Atlantis war mal ein Kontinent, der sich im Atlantik befand. Durch eine (Natur)-Katastrophe wurde Atlantis zerstört. Zwei große Teile des Kontinents blieben erhalten. Der eine befindet sich unter dem Meer, in der Nähe der Kanarischen Inseln und der andere wurde durch seismische Erschütterungen/Bewegungen in die Sahara verschoben. Um diesen Teil von Atlantis geht es in dieser Geschichte. Regie führte G.W. Papst, der kein Unbekannter war. Hatte er doch schon den Antikriegsfilm-Klassiker WESTFRONT 1918 (D 1930) gemacht. Sein Film soll leichte Abweichungen gegenüber dem französischen Stummfilm haben, was ich nicht beurteilen kann, da ich den nicht kenne. Papst verstand es aber definitiv seinen Film in tollen Bildern zu zeigen und somit macht der Film auch visuell einiges her. Allein schon die zwar kurzen, aber eindrucksvollen Bilder der Wüste und Felsen durch die sich die Karawane bewegt, sind stark anzuschauen. Wenn ich solch alten phantastischen Film sehe, dann fühlt man sich irgendwie in eine längst vergangene (Film)-Zeit versetzt. Und so wirken diese alten Filme auch und sie haben ihre ganz eigene nostalgische Atmosphäre, die es heutzutage nicht mehr gibt. Die Wüstenszenen wurden tatsächlich in der Sahara gedreht und die reinen Ateliersequenzen in Berlin. Der Film bleibt, ebenso wie Antinea und Atlantis geheimnisvoll, denn er gibt keine Erklärung oder Auflösung bekannt. Der Roman ist nämlich ebenso. Es gibt hier auch keine großartigen Schauwerte in Form von prächtigen Bauten zu bewundern. Das Atlantis ist recht einfach gestaltet. Unter der Sahara befindet sich Atlantis, das sich in einer Art Höhlensystem zeigt. Viele Gänge und Höhlenwohnräume, die eher spartanisch eingerichtet sind. Auch Antinea trägt keine kostbaren Gewänder, sondern einfache Kleidung.

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Motiv aus Frankreich

Brigitte Helm ist Antinea, Heinz Klingenberg ist Capt. St. Avid und Gustav Diessl ist Capt. Morhange. Von diesem Film fertigte man damals eine französische und eine englische Fassung an. Dabei wurden nur die beiden männlichen Darsteller, der Offiziere ausgetauscht. Brigitte Helm blieb in den Auslandsfassungen erhalten. In der Frankreich-Version wurden die beiden Offiziere von Pierre Blanchard und Jean Angelo dargestellt. In der englischen Version waren es John Stuart und Gibb McLaughlin. Offenbar drehte Regisseur Papst Szenen sofort danach mit den Auslands-Schauspielern. Nur in der Frankreich-Version kamen noch andere Drehbuchautoren hinzu. Für den deutschen Film waren es Ladislao Vajda & Herrmann Oberländer. Für den französischen Film Alexandre Arnoux & Jacques Duval. Da für die Frankreich-Version andere Autoren dabei waren, könnte es gut möglich sein, das G.W. Papst möglicherweise einige Szenen drehte, die von der deutschen Fassung abweichen. Mir liegt zumindest eine deutsche Fassung aus Premiere vor, die den Film irgendwann mal gezeigt haben. Diese Fassung läuft nur 75 min, wobei hier auch der ursprüngliche Vorspann nicht mehr vorhanden ist, denn dieser ist recht kurz. Der Film lief damals im Kino ca. 87 min und somit fehlen knapp 10 min. Im Lexikon des internationalen Films wird der Film widerum mit 95 min angegeben. Auf der anderen Seite soll der Film nur eine Länge von 2384 Meter gehabt haben, was umgerechnet eine Laufzeit von ca. 87 min ergibt. Das Lexikon könnte die Laufzeit mit der Frankreich-Fassung verwechselt haben, die ein wenig länger ist. Beispielsweise weist die noch einen kompletten Vorspann auf, der ja in der deutschen Fassung kaum mehr vorhanden ist.

Titel in Frankreich:
L'ATLANTIDE

Titel in England (auch USA):
THE MISTRESS OF ATLANTIS / LOST ATLANTIS

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 19.05.2016 18:01 
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Film Nr. 16

F.P. 1 ANTWORTET NICHT
(Deutschland 1932)

EA: Deutschland 22. Dezember 1932

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Altes Filmprogramm aus Deutschland

WA: DDR 17. April 1964 TV DFF 1
WA: BR Deutschland 15. August 1970 TV ZDF


Inhalt:
Der tollkühne Fliegerpilot Ellissen bricht ins Haus der Lennartz ein und stiehlt zum Schein die Konstruktionspläne von F.P. 1 des Kapitänleutnants Droste. Die Lennartz sind Besitzer der gleichnamigen Schiffswerft und Ellissen will mit seiner Aktion nun endlich den Bau von F.P. 1 vorantreiben. Das gelingt ihm, denn die hohen Herren beginnen nun mit dem Bau. Während des Baus, stellt Droste immer wieder kleine Sabotageakte fest, die von einem Unbekannten stammen. Während F.P. 1 gebaut wird, unternimmt Ellissen mit einer neuen Flugmaschine, des Modells 7000 TK einen globalen Rundumflug, von Berlin nach Berlin. Aber er scheitert und kehrt nach zwei Jahren desillusioniert zurück. F.P. 1 ist inzwischen fertig gestellt. F.P. 1 steht für FLUGZEUG-PLATTFORM NR. 1 und ist eine künstliche schwimmende technische Insel im Atlantik. Diese soll als Zwischenstation für Flugzeuge dienen, die dort landen, auftanken und repariert werden können. Per Luftlinie sollen damit die Länder enger verbunden werden. Eine künstliche Stadt aus Stahl mit Flugplätzen, Werkstätten, Hangars, Funkanlagen, Einkaufszentren und Restaurants. Später entdeckt Droste wieder einen Sabotageakt. Als Claire Lennartz mit Droste ein Funkgespräch führt, hört sie plötzlich Schüsse und lauten Krach, dann reißt die Verbindung ab. Man versucht die Verbindung wieder her zustellen, aber der Funker meldet nur: F.P. 1 antwortet nicht.

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Motiv aus Deutschland

Diese Geschichte wurde damals von Kurt Siodmak verfasst, der sich später Curt Siodmak nannte. Der Autor wurde vom Projekt des deutschen Ingenieurs A. B. Henninger inspiriert und man hatte damals in Deutschland und den USA vor, sowas zu verwirklichen. Die Flugtechnik entwickelte sich aber ebenso weiter und aufgrund der Einführung von Passagierflugzeugen ließ man das Projekt fallen, weil es überflüßig geworden war. Und für Kriegszwecke gab es später Flugzeugträger. Die Technik hatte den Film somit eingeholt, aber seinerzeit galt er noch als utopisch. F.P. 1 ist zumindest aus heutiger filmhistorischer Sicht immer noch interessant anzusehen und im nach hinein einer der ganz wenigen Science Fiction Filme, die in Deutschland der 30er Jahre realisiert wurden. Der finanzielle und tricktechnische Aufwand inkl. der Bauten war für damalige Verhältnisse nicht unerheblich. Günther Rittau und Erich Kettelhut, die schon beim Stummfilm Metropolis (D 1927) für die Bauten und Tricktechnik verantwortlich waren, schufen hier die schwimmende Flugzeugträger-Stadt.

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Hans Albers, wie er leibte und lebte und seinerzeit einer der Stars im deutschen Film, spielt den Fliegerpiloten Ellissen. Sybille Schmitz, die nach VAMPYR (siehe Film Nr. 11) hier in ihrem zweiten phantastischen Film mitwirkte, ist Claire Lennartz. Sie konnte einen weiteren Erfolg für sich verbuchen. Paul Hartmann ist Droste. Und Peter Lorre spielt den Fotografen, der immer dann auftaucht, wenn man es nicht erwartet. P. Lorre hatte vorher als Triebtäter und Kindermörder im Film von Fritz Lang, M - MÖRDER UNTER UNS (D 1931) weltweit auf sich aufmerksam gemacht. Regie führte hier Karl Hartl. Von filmhistorischer Bedeutung ist auch die Tatsache, das man auch hier wieder drei Versionen des Films anfertigte. Eine deutsche, französische und englische Fassung. Als F.P. 1 gedreht wurde, drehte man zugleich in denselben Kulissen/Locations mit den gleichen Kameraeinstellungen, nur eben mit teilweise anderen Darstellern in deren Sprache. Anstelle von Hans Albers und Sybille Schmitz, traten für die französische Version Charles Boyer und Daniela Parola vor die Kamera. Für die englische Fassung Conradt Veit und Jill Esmond. Obwohl man schon so einiges synchronisiert hatte, war dies wohl sicherer. Man hatte wohl immer noch einige technische Schwierigkeiten mit Synchronisationen, die noch nicht ganz ausgereift waren.


Titel in Frankreich:
I.F. 1 NE RÉPOND PLUS!

Titel in England (auch USA):
F.P. 1 DOESN'T ANSWER / SECRETS OF F.P. 1

F.P. 1 erschien bei e.m.s. Black Hill auf DVD, in der Reihe Deutsche Filmklassiker.


FILMHISTORISCHES:
F.P. 1 lief damals im Dezember 1932 in den deutschen Kinos an. Ab dem Jahre 1933 und aufgrund der neuen national sozialistischen Regierung, war es mit den phantastischen Filmen leider nicht mehr so, wie vorher. Die Einfuhr ausländischer Phantastik-Filme wurde gedrosselt, wobei man auf inländische Produktionen eine zeitlang nicht verzichten konnte. Die Prüf- und Zensurstelle für Filme trat verschärft zutage. Den ersten phantastischen Film, der von Anfang an am 28. März 1933 sofort verboten wurde, war DAS PHANTOM VON LONDON (siehe Film Nr. 10). In Österreich lief der Film bekannterweise schon längstens. In Deutschland sollte er zum späteren Zeitpunkt starten, aber daraus wurde nichts. Auch Fritz Lang erwischte es mit seinem Film DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE, der kurze Zeit später Deutschland den Rücken kehren sollte. Aufgrund der neuen Situation, machten sich so einige der besten Filmschaffenden auf den Weg ins Ausland, darunter Kameraleute, Produzenten, Musikkomponisten, Regisseure etc. Aber auch Schauspieler, wie Conradt Veit, Peter Lorre, Lilian Harvey, um nur einige zu nennen. Das war sehr schade, denn die neue Regierung sah offenbar in ihrer bornierten Haltung nicht, das sie Deutschland filmmäßig echt schadeten. Wie man bisher anhand der phantastischen Filme sah, lief vorher so einiges in Deutschland und es war diesbezüglich was los. Was hätte nicht alles noch sein können, aber es kam leider anders. Aber dazu später, im weiteren Verlauf dieser speziellen Thematik.
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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 22.05.2016 18:15 
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Film Nr. 17

DER TEUFEL DES OSTENS
(Ot: The Mask of Fu Manchu)
(USA 1932)

EA: Österreich März 1934

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Plakat aus Frankreich

BRD-Titel:
Die Maske des Fu Manchu

EA: BR Deutschland 8. August 1987 im TV ARD

Inhalt:
Dr. Fu Manchu ist wieder da und mit Hilfe seiner Tochter Fah-Lo See und seines Geheimbundes will er die Herrschaft über den gesammten fernen Osten/Asien erlangen, die sich dann global über die ganze Welt verbreiten und die weiße Rasse auslöschen soll. Fu Manchu hat außerdem sehr gute wissenschaftliche Fähigkeiten und sieht sich als legitimen Nachfolger von Dschingis Khan bzw. dessen Reinkarnation. Um zu beweisen das er es ist, muß er die Maske und das Schwert des einstigen Mongolenherrschers in seine Hände bekommen. Eine Gruppe von britischen Wissenschaftlern sucht in der Wüste Gobi ebenfalls danach. Nayland Smith, ein Inspektor von Scotland Yard begleitet die Gruppe, denn man weiß über den Superverbrecher bescheid.

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Fu Manchu (B. Karloff)

Nach DER MYSTERIÖSE DR. FU MANCHU & DIE TOCHTER DES DRACHEN (siehe Film Nr. 3 und 7) war dies der dritte und letzte Fu Manchu-Film, der in Österreich der 30er Jahre im Kino gezeigt worden ist. Auch dieser Film lief damals nur dort und nur im Original mit deutschen Untertiteln. Dieser Fu Manchu-Film gilt bis heute als die Beste und gleichzeitig die brutalste und sadistischste aller Verfilmungen. Zu verdanken hat er es u.a. Boris Karloff, der hier alle Register zieht und einen beeindruckenden Fu Manchu abgibt. Karloff erkennt man kaum, aufgrund des ganzen Make-ups, was täglich ca. zweieinhalb Stunden gedauert haben soll, bis es aufgetragen war.

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Fah-Lo See (Myrna Loy)

Ebenso genial ist Myrna Loy als Fu Manchus Tochter Fah-Lo See die, ebenso wie ihr Vater eine sadistische Ader hat. So hat sie eine sado-masochistische Beziehung mit ihrem Geliebten Terry Granville. Als der später ausgepeitscht wird, leckt sie ihm die Wunden. Überhaupt hat der Film nicht nur Science Fiction-Elemente, wie z.B. Fu Manchus tödliche Strahlenkanone aufzuweisen, sondern für damalige Verhältnisse jede Menge Gewalt bzw. Folterungen, die der Film ursprünglich vielleicht gar nicht so extrem beinhalten sollte. Das es dennoch dazu kam, war dem Umstand geschuldet, das MGM Anfang August 1932 die Filmaufnahmen unterbrechen ließ. Das Drehbuch wurde noch schnell ein wenig verändert und der Regisseur Charles Vidor wurde durch Charles Brabin ersetzt.

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Die Strahlenkanone

Das der Film bis heute als Klassiker gilt, verdankt er seiner finsteren Inszenierung, der starken Atmosphäre, der guten Photographie, den guten Darstellern und seinem Einfallsreichtum. Die letzte Ausstrahlung im TV dürfte auch schon lange her sein. Es wird Zeit, das dieser Fu Manchu-Klassiker endlich mal das Licht der digitalen Medien erblickt. Verdient hätte er es schon längstens.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 24.05.2016 17:50 
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Film Nr. 18

Der folgende Film enthält zwar keine phantastischen Elemente, aber er zählt bis heute zum Genre des Horrorfilms. Und deswegen gehört er hier mit rein. Ihn nicht zu erwähnen, wäre verwerflich und ungerecht, denn seinen Platz hat er absolut verdient.

DIE INSEL DES GRAUENS
(Ot: The Most Dangerous Game)
(USA 1932)

EA: Österreich September 1934

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Altes Filmprogramm aus Österreich

BRD-Titel:
Graf Zaroff - Genie des Bösen

EA: BR Deutschland 6. August 1976
(im OmDU und in synchronisierter Fassung)

WA: BR Deutschland 15. Februar 1980
(nur in deutsch synchronisierter Fassung)

Inhalt:
Der Großwildjäger und Reiseschriftsteller Robert Rainsford ist als Schiffbrüchiger der einzig Überlebende, der auf einer Insel strandet. Die Insel ist bewohnt und als Robert eine Burg sieht, geht er dorthin. Graf Zaroff, Besitzer dieser Insel, gewährt ihm Unterkunft. Der Graf ist russischer Abstammung, der mit seinen landsmännischen Bediensteten sich hier ein neues Zuhause geschaffen haben. Zaroff ist ein kultivierter und höflicher Zeitgenosse. Robert lernt noch zwei andere Schiffbrüchige kennen, die vorher ebenso gestrandet sind. Das sind die Geschwister Eve und Martin Towbridge. Zaroff ist leidenschaftlicher Jäger und als solcher hatte er auch die Bücher von Robert gelesen. Beide sind Jäger, aber der Graf hat nur noch Vergnügen daran, ein besonderes Tier zu jagen. Eve warnt Robert, weil schon zwei andere Schiffbrüchige einfach verschwunden sind und hier etwas nicht stimmt. Als später ihr Bruder ebenso nicht wieder auftaucht, bittet sie Robert um Hilfe. Beide finden ihn nur noch tot vor. Jetzt wird beiden klar, was Zaroff am liebsten jagt, nämlich Menschen. Zaroff läßt Robert die Wahl, entweder ist er mit ihm zusammen Jäger oder der Gejagte. Robert wählt letzteres und Zaroff gibt ihm ein Messer und läßt ihm einen Tag Vorsprung, bevor er ihn jagt. Eve geht mit Robert und nach verstrichener Zeit bläst Zaroff zur Jagd.

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Plakat aus USA

Ja, auch dieser inzwischen längst zum Klassiker gewordene Film, lief damals zuerst nur in Österreich. Er wurde dort im OmDU gezeigt. Der Film wurde noch während der Arbeiten bzw. zwischen den längeren Drehpausen zum Film King Kong inszeniert und vorher fertig gestellt. Ernest B. Schoedsack und Merian C. Cooper hatten dies zwar nicht geplant, aber sie dachten sich, das man die schon vorhandenen Kulissen für einen weiteren Film nutzen könne. Den Dschungel hatten sie eh schon und wer hier genauer hinschaut und aufpasst, erkennt so manche Dinge aus dem Film King Kong wieder. Beispielsweise der riesige Baumstamm, der über einen Graben liegt und als eine Art Brücke diente. Die hübsche Fay Wray wurde ebenso rekrutiert. Sie spielt Eve. Joel McCrea stellt Robert dar und Leslie Banks gibt den Graf Zaroff zum besten. Wenn man bedenkt, das der Film im Grunde eine Spontanidee war und inmitten eines anderen Films entstand, so brachten Cooper und Schoedsack hier erstaunliches zustande. Trotz seiner Laufzeit von nur ca. 60 min, beinhaltet der Film tolle Ideen, die manch anderen längeren Streifen (auch heutzutage) alt aussehen lassen. Allein schon das große schwere Eingangstor zur Burg, die außergewöhnlich schön verziert ist. Dort ist die Statuette eines Zentauren angebracht, der einen Pfeil im Körper hat und eine Frau auf den Armen trägt. Diese Frau benutzt Robert wie einen Hebel, um anzuklopfen. Ferner ist die Kameraführung inkl. diverser Einstellungen sehr gelungen. Was damals ungewöhnlich war, war der zusätzliche Einsatz einer bewegten Kamera. Als Eve und Robert auf der Flucht vor Zaroff und seinen Hunden sind, sieht man aus subjektiver Sichtweise, das man sich durch Blätter, Büsche usw. hindurch bewegt. Dabei gibt es auch teilweise Zwischenschnitte auf die Gesichter der beiden, während sie sich fortbewegen. Im nach hinein kann man das einfach nur als genial bezeichnen. Der Film entstand nach einer Kurzgeschichte von Richard Connell. Das Drehbuch verfasste James A. Creelman und King Kong Komponist MAX STEINER schuf auch hier wieder die Musik.

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Eve und Robert kämpfen sich durch

Dieser Film ist im Grunde der Prototyp von etwas, was sehr viel später innerhalb des Horrorfilmgenres ein eigenes Subgenre hervorrief, nämlich den sogenannten Hinterwaldfilm = in englisch Backwoodmovie. Diese Bezeichnung gab es freilich damals noch nicht, selbst dann noch nicht als Regisseur John Boorman 1971 seinen Film DELIVERANCE / BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE gemacht hatte. Erst im Jahre 1974 wurde mit Tope Hoopers Film THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE / BLUTGERICHT IN TEXAS auch der Begriff Backwoodmovie ins Leben gerufen. Ein Subgenre, das Filmemacher bis heute gerne betreten und es gibt inzwischen so etliches aus diesem Bereich. Ferner gab es inzwischen so einige Filme, die mehr oder weniger deutlich von Graf Zaroff beeinflußt und inspiriert waren. Beispielsweise der Film INSEL DER VERDAMMTEN, wo die Befehlshaber eines Internierungslagers mit Schußwaffen Häftlinge durch Dschungel und Landschaft jagen. Einer der am deutlichsten beeinflußten Filme war eine Produktion aus dem Jahre 1991. SPIEL GEGEN DEN TOD, so der Titel vermischte die Zaroff-Thematik zusätzlich noch mit Agatha Christies "Zehn kleine Negerlein" (bzw. Filme wie EIN UNBEKANNTER RECHNET AB usw.)

INSEL DES GRAUENS/GRAF ZAROFF ist und bleibt aber das Original und ein Klassiker obendrein. Man kann ihn getrost auch als Vater des Backwoodmovies bezeichnen, so wie Hitchcocks PSYCHO der Vater von sogenannten Psychokiller-Filmen ist.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 26.05.2016 18:57 
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Film Nr. 19

DAS HAUS DES SCHRECKENS
(Ot: The Old Dark House)
(USA 1932)

EA: Österreich Juni 1935

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Altes Filmprogramm aus Österreich

BRD-Titel:
The Old Dark House/Das Haus des Grauens

EA: BR Deutschland 10. März 1989 im TV Tele5

Inhalt:
Wegen eines Unwetters finden sich so nach und nach 5 Reisende in einem alten ehrwürdigen Haus wieder, in dem sie erstmal unterkommen. Die Bewohner dieses Hauses scheinen alles andere, als normal zu sein. Ein über 60jähriger alter exzentrischer Atheist, seine Schwester, die eine religiöse Fanatikerin ist, einem dem Alkohol sehr zugeneigten brutalen Hausdiener, einem weitaus älteren Greis von über 100 Jahren und dessen Sohn, einem Pyromanen der gerne mit Feuer spielt. Die Nacht bzw. die Übernachtung hatten sich die Durchreisenden ganz anders vorgestellt, denn es wird keine ruhig Nacht.

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Plakat aus USA

Dies ist zwar ein Gruselfilm, aber einer der hier ohne diverse Übernatürlichkeiten auskommt und in dem Sinne kein Phantastischer Film ist. Ich nehme ihn trotzdem hier mit rein, weil er mit Horror-Elementen spielt. Im Grunde ist dies eine Art Grusel-Komödie. Boris Karloff mimt hier den brutalen Diener, Charles Laughton ist Sir William Porterhouse, einer der Reisenden. Regie bei dem ganzen führte kein geringerer, als James Whale, der 1931 den Film Frankenstein inszenierte.

Ein Remake gab es auch schon und das stammt aus dem Jahre 1962 und wurde von der britischen berühmten Produktionsfirma Hammer gemacht.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 29.05.2016 17:20 
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Film Nr. 20

SIEGFRIEDS TOD
(Deutschland 1924/1933)

EA: Der Tonfassung in
Deutschland/Österreich ca. März/April 1933


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Altes Filmprogramm zur
Tonfassung aus Deutschland


Inhalt:
Siegfried ist bei Mime, dem Schmied in der Lehre und schmiedet sich sein eigenes Schwert. Nach erfolgreichen Abschluß, will Siegfried in Burgund sein Glück machen. Er hat von der schönen Prinzessin Kriemhild gehört, dessen Herz er erobern will. Ihr Vater ist Gunther, der König von Burgund. Unterwegs trifft Siegfried auf den Lindwurm, dem Drachen Fafnir. Es kommt zum Kampf, in dessen Verlauf Siegfried als Sieger hervor geht. Ein Vogel rät ihm, im Blute des Drachen zu baden, da es ihn unverwundbar mache. Siegfried tut, wie ihm geheißen, aber es fällt von ihm unbemerkt ein Lindenblatt auf sein Rücken. Diese Stelle auf seinem Rücken ist und bleibt ungeschützt. Siegfried zieht weiter und kommt zum Hort der Nibelungen, der vom Zwerg Albarich beherrscht wird. Er zeigt ihm den Schatz der Nibelungen und will Siegfried dabei heimtückisch töten. Der Anschlag mißlingt und Siegfried tötet Albarich. Der Sterbende verflucht den Schatz und seinen Besitzer und wird zu Stein. Siegfried ist nun Herr und Besitzer dieses unermesslichen Schatzes und er besitzt auch die Tarnkappe von Albarich, mit der man sich unsichtbar machen kann. Siegfried begibt sich nach Burgund, zum Hofe König Gunthers. Hagen von Tronje, des Königs treuer Schwertmeister rät davon ab, Siegfried zu empfangen. Die Warnung wird in den Wind geschlagen und ein Drama ungeheuren Ausmaßes nimmt seinen Lauf. Es ist der Anfang vom Untergang Siegfrieds, der königlichen Familie, dem Schatz und dem Nibelungenhort.

Die Sage der Nibelungen dürfte eine der bekanntesten deutschen Sagen sein und auch die Filme dürften viele kennen, weswegen ich mir eine weitere Inhaltsangabe erspare.

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Altes Filmprogramm zur
Tonfassung aus Österreich


Hier haben wir einen weiteren phantastischen Film (siehe auch Film Nr. 13 DIE SKLAVENKÖNIGIN), der ursprünglich ein Stummfilm war und den man im Jahre 1933 in eine Tonfassung umwandelte. Dabei handelt es sich nur um den 1. Teil der beiden damaligen Stummfilme DIE NIBELUNGEN von Fritz Lang und der Titel war DIE NIBELUNGEN 1. Teil SIEGFRIED. Und wie der Titel der Tonfassung schon ankündigte, endet der Film mit dem Tode Siegfrieds, der auf einer Totenbahre liegt und von Kriemhild und Brundhild betrauert wird. Warum man damals nur vom 1. Teil eine Tonfassung erstellte, konnte nicht ermittelt werden. Aber diese alte Tonfassung würde ich zumindest gerne mal sehen und hören wollen. Allein schon aus filmhistorischen Gründen, wäre es bestimmt sehr interessant. Desweiteren wird anscheinend merkwürdigerweise die Existenz dieser alten 1933er Tonfassung in einschlägigen Publikationen mit keinem Wort erwähnt, geschweige denn der Tonfassungs-Titel. Was man bei dieser Tonfassung zuhören bekommt, darüber können nur Vermutungen angestellt werden. Laut altem Filmprogramm wurde der Film auf einer Klangfilm-Apparatur aufgenommen und es ist eine Afifa Tonkopie im Verleih der UfA. Also von einer möglichen nach synchronisierten Sprachfassung steht dort nichts. Ich vermute daher eher, das nur Musik und Geräusche zuhören sein werden und keine Dialoge. Geräusche deshalb, weil man schon einige Zeit vorher in der Lage war, beispielsweise Töne aus der Natur (Wald, Tiere, Wind ect.) aufzunehmen und diese per Lichtton in einen Film zu integrieren. Wie dem auch sei, Die Nibelungen von Fritz Lang sind und bleiben deutsche Klassiker/Meisterwerke des Films, die zurecht ihren Platz in der Filmgeschichte haben.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 31.05.2016 17:04 
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Film Nr. 21

ANNA UND ELISABETH
(Deutschland 1933)

EA: Deutschland 12. April 1933

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Altes Filmprogramm aus Deutschland

WA: DDR 4. August 1987 TV DFF 2

Inhalt:
In einem Bauerndorf in Graubünden geschieht wundersames. Das Bauernmädchen Anna trauert um ihren toten Bruder am Totenbett. Sie betet so intensiv zu Gott, das er ihm sein Leben doch wiedergeben möge. Aufgrund des so inbrünstigen Gebetes, erwacht ihr Bruder tatsächlich wieder zum Leben. Alle Dorfbewohner sprechen von einem Wunder. Die Kunde von Anna, der Wunderheilerin verbreitet sich sehr schnell und es kommen viele Menschen, die ihrer bedürfen. Darunter eine Frau, die einen krummen Hals hat. Obwohl Anna diese zurückweist, wird sie ebenfalls ihr Leiden los. Das veranlaßt Elisabeth, eine gelähmte Gutsherrin nach Anna zu schicken. Anna trifft sich nur zögerlich mit ihr. Das hysterische Heilungsbedürfnis Elisabeths, veranlaßt Anna schnell wieder zu verschwinden. Aus Angst Anna nie wieder zusehen, fällt Elisabeth aus ihrem Rollstuhl und kann plötzlich wieder gehen. Elisabeth will nun mit aller Gewalt, die Heilkräfte Annas für jedermann zugänglich machen. Anna will nicht in die Rolle einer Wunderheilerin gesteckt werden und hatte diese schon vorher abgewehrt. Sie wird von Elisabeth geradezu hinein gedrängt und prompt versagt Anna bei einem Sterbenden.

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Sieben deutsche Phantastische Filme haben bisher ihren Platz hier gefunden. Dieser hier ist der 8. Film, aber auch gleichzeitig der Erste, der in der Zeit der damaligen national sozialistischen Regierungszeit entstand. Hatte man die Einfuhr phantastischer Filme aus dem Ausland erheblich reduziert, so konnte oder wollte man zumindest nicht auf inländische Produktionen verzichten. Da auch die Zensurmaßnahmen verschärft wurden, kam kein Film mehr an der staatlichen Kontrollbehörde vorbei. Anna und Elisabeth ging Ende März 1933 durch die Zensur. Der Film wurde freigegeben, bekam aber ein Jugendverbot verpasst. Aus heutiger Sicht wenig verständlich und etwas schwer nachvollziehbar. Sehr wahrscheinlich wollte man die Jugend vor bestimmten Inhalten schützen. Der Film hat aufgrund seiner Thematik viel mit Religiösen Dingen zu tun. Teilt man diese in Sachkategorien auf, so weist er folgendes auf: 1. Wunder, 2. ungebundene Religiosität, 3. Volksfrömmigkeit/Frömmigkeitsstile, 4. Allgemein christliche Glaubensinhalte und 5. Erlösungssehnsucht durch Tod/Erlösung durch Tod. Letztres wird vermutlich ausschlaggebend für solch ein Jugendverbot gewesen sein. Was diese Kategorien anbelangt, so gesellt sich der Film in eine Reihe mit etlichen anderen Filmwerken, die von Wundern handeln. Da gibt es mehr Filme, als manch einer annimmt. Anna und Elisabeth dürfte diesbezüglich der erste Tonfilm sein, der von Wundern bzw. von "Wahren Wunderheilungen" handelt. Sei es durch wundersame Heilungskräfte, Marien-Erscheinungen oder durch Gottes Hilfe. Spätere Filme, wie beispielsweise DAS LIED VON BERNADETTE, DIE HEILIGE VON FATIMA oder DAS WUNDER zeugen davon, um nur einige zu nennen. Die Premiere des Films fand damals im Berliner Capitol Kino statt. Regie führte FRANK WYSBAR. Anna wird von HERTHA THIELE und Elisabeth von DOROTHEA WIECK dargestellt.






FILMHISTORISCHES:
Ende März 1933 fordert der Reichspropagandeminister Joseph Goebbels in seiner Rede vor deutschen Filmschaffenden, das sie sich an eine politische und national sittliche Norm halten sollen. Zukünftige deutsche Filmproduktionen werden daran gebunden. "Bei den gefährlichen Auswirkungen des Films hat der Staat die Pflicht, regulierend einzugreifen", so u.a. J. Goebbels. Gewisse Sitten und Anstand sollten in Filmen vorhanden sein. Interessant ist hierbei, das die USA ca. ein Jahr später in ähnlicherweise nachzog. Im April 1934 werden von den katholischen Kirchen in den USA Gelöbnisse gegen unmoralische, unanständige Filme verlesen. Auch gegen solche, die Verbrecher und Verbrechen ansich verherrlichen. Ca. 8 Millionen Amerikaner unterzeichneten dieses Gelöbnis und verpflichten sich zukünftig zum Boykott solcher Filme. Ferner schloßen sich 54 protestantische und jüdische Organisationen dem an. Das erklärte Motto bzw. Ziel war: SAUBERE LEINWAND. Dieses Ziel sollte schon früher zum Einsatz kommen und zwar durch die MPPDA = Motion Picture Producers an Distributors Association of America, die damals im Jahre 1921 gegründet worden war. Später im März 1930 erklärte sie einen sogenannten Motion Picture Production Code für verbindlich. Detailiert sollte festgelegt werden, was moralisch anstößig ist. Aber dem war offensichtlich nicht so und fand in Filmen wenig Beachtung. Deswegen schloßen sich besagte Organisationen zu einer LEGION OF DECENCY = Legion des Anstands zusammen. Daraufhin wurde die Zensur in den USA ab 1934/1935 massiv verschärft. Die Production Code Administration wurde als Kontrollinstanz eingesetzt. Filmemacher und Kinobesitzer, die sich weigerten drohten Strafen und Berufsverbot. Das ganze sollte ca. bis Mitte der 50er Jahre gelten.
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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 03.06.2016 17:28 
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Film Nr. 22

DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE
(Deutschland 1933)

EA: Österreich 12. Mai 1933

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Inhalt:
Der suspendierte Polizeibeamte Hofmeister hat heraus gefunden, wer hinter der mächtigen Geldfälscher-Organisation steckt, denen er seit Tagen auf der Spur war. Er will telefonisch Kommissar Lohmann bescheid geben. Aber dazu kommt es nicht und Hofmeister, offenbar nun voller Angst und geistig degeneriert, wird später gefunden und in eine Anstalt gesteckt. Er konnte noch einen Namen in die Fensterscheibe kratzen, der später durch eine intensive Untersuchung festgestellt wird. Der Name lautet Dr. Mabuse. Aber der sitzt seit Jahren in einer Nervenheilanstalt, hat sich geistig von der Welt gelöst und schreibt in seinem Wahn pausenlos Pläne und Anleitungen für Verbrechen, Terror und Morden nieder. Seltsamerweise werden die Pläne von einer Bande in Taten umgesetzt, was eigentlich nicht sein dürfte. Und dennoch fällt öfters der Name Dr. Mabuse. Lohmann ruft bei Professor Baumann an, der die Anstalt leitet. Dort teilt man ihm mit, das Mabuse gerade verstorben sei. Jetzt wird es immer mysteriöser. Wer ist der Organisator der Mabuse-Bande und steckt hinter den ganzen Verbrechen? Und ist Dr. Mabuse wirklich verstorben? Der Fall wird immer verworrender.

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Altes Plakat aus Frankreich

Dr. Mabuse steht im Grunde gleichwertig neben anderen sogenannten Superverbrechern wie z.B. Dr. Fu Manchu oder Fantomas. Fritz Langs Film ist eine Art Fortsetzung seines damaligen zweiteiligen Stumfilms DR. MABUSE, DER SPIELER aus dem Jahre 1922. Der 2. Teil des Stummfilms endete damit, das Dr. Mabuse von der ins Haus stürmenden Polizei gefunden wird und dieser dem Wahnsinn anheim fiel und sich willenlos abführen ließ. Die Filme entstanden nach dem Roman DR. MABUSE, DER SPIELER und der etwas weniger bekannten Fortsetzung DR. MABUSES LETZTES SPIEL von Norbert Jacques. Die erste Geschichte erschien 1921 zuerst mit mehreren Teilen in einer Berliner Illustrierten und kurze Zeit danach als Ullstein-Taschenbuch. Sowohl der Stummfilm, als auch dieser Tonfilm hier, gelten nach wievor als Klassiker des deutschen Films. Dabei hatte Fritz Lang gar nicht vor, einen weiteren Mabuse-Film zu machen. Die Idee kam vom Produzenten Seymour Nebenzahl, der schon die Stummfilme produzierte. Seiner Ansicht nach konnte man die Geschichte gut weiterführen, da Mabuse (anders als im Roman) nicht gestorben war und man ihn stattdessen in eine Irrenanstalt steckte. Fritz Lang ließ sich überzeugen. Seine ständige Mitarbeiterin THEA VON HARBOU und auch er selbst machten sich daran, ein Szenarium zu schreiben. Vom Sommer bis Herbst wurde der Film 1932 in Berlin gedreht. RUDOLF KLEIN-ROGGE, der schon in den Stummfilmen die Titelrolle hatte, übernahm diesen Part auch hier und er blieb auch in der französischen Fassung. Fritz Lang drehte mit dem gleichen Team zeitgleich eine Version für Frankreich und bis auf den Titeldarsteller, wurden alle deutschen Schauspieler durch Franzosen ersetzt (siehe obiges Plakat). Es kann sein, das sich die französische Fassung von der deutschen ein wenig unterscheidet, weil hier zusätzlich das Drehbuch von René Sti stammt. Möglicherweise ist das Drehbuch von Thea von Harbou auch einfach nur ins französische übersetzt worden.

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Altes Filmprogramm aus Deutschland

Obwohl ein altes Filmprogramm erschien, kam es damals in Deutschland zu keiner Premiere. Dabei hatte die Filmprüfstelle ihn noch am 9. März 1933 zugelassen. Der Mabuse-Film sollte am 24. März 1933 im UfA-Palast am Zoo in Berlin seine Uraufführung haben. Kurze Zeit später teilte die UfA mit, das der Starttermin verschoben wurde. Am 29. März 1933 wird der Film verboten und der Kinematograph berichtete am folgenden Tage, das der Film von der Filmprüfstelle Berlin aus Gründen der Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit verboten wurde, so die damalige offizielle Erklärung. Viele spätere Filmhistoriker und Fimkritiker stürzten sich auf diesen Umstand und jeder Schreiber wollte was zum Verbot und der dazugehörigen Legendenbildung in etlichen Publikationen beigetragen haben. Auch Fritz Lang selbst. Läßt man aber einfach mal die interpretierenden Bemerkungen der Schreiber beiseite, so ist im Grunde nur das Datum der Nicht-Aufführung und das Verbot bekannt. Am interessantesten ist ein Interview, das Fritz Lang diesbezüglich im August 1965 gab, Zitat:

"Joseph Goebbels verbot schließlich den Film am 29. März 1933, selbst für jede private Vorführung. Aber, nach meiner Meinung, hatte er eine erstaunliche spitzfindige Ansicht. Er fände nichts Mißliebiges in der Geschichte, sagte er mir, was ihr nur fehle, wäre ein Führer, der am Ende Dr. Mabuse vernichte und die Welt vor denen rette, welche sie durch Umkehrung der echten Ideale und wahren Werte zerstören wollten. Und Goebbels erzählte mir auch, daß er und Hitler vor Jahren Metropolis gesehen hätten und Hitler wollte, das ich national sozialistische Filme machen solle."

Ferner führte Fritz Lang weiter aus, das er über dieses Angebot doch sehr erstaunt gewesen sei. Er erklärte Goebbels, das seine Mutter Jüdin war, aber das war Goebbels eh bekannt und sei nicht relevant für ihn. Er lobte die filmkünstlerischen Verdienste von ihm und die Tatsache, das Fritz Lang als Jude im ersten Weltkrieg Frontkämpfer war. Da war Fritz Lang nicht der einzige, denn sehr viele Juden bewiesen ihre Loyalität und ihren Patriotismus. Fritz Lang erbat sich Bedenkzeit, aber dann entschloß er sich das Angebot abzulehnen, indem er seine Koffer packte und nach Frankreich (Paris) ging. Der Film blieb in Deutschland verboten. In Österreich konnte der Film seine Erstaufführung erleben, was laut Info. nur möglich war, weil man eine Kopie außer Landes brachte. Schließlich war der Film seinerzeit ziemlich kostspielig und die Produktionsfirma Nero wollte, das der Film zumindest seine Kosten wieder einspielte. In Österreich und Frankreich wurde der Film ein Erfolg. In Deutschland hingegen kam der Mabuse-Film erst nach dem 2. Weltkrieg in die Kinos.


EA: BR Deutschland 24. August 1951

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Späteres Filmprogramm aus Deutschland

WA: BR Deutschland 28. August 1967 TV ZDF

Am 23. Februar 2001 zeigte der TV-Sender Arte erstmals eine restaurierte Fassung.

Irgendwann später, brachte das Label UfA Universum den Film ebenfalls in restaurierter Fassung auf DVD heraus.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 07.06.2016 17:18 
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Film Nr. 23

EIN UNSICHTBARER GEHT DURCH DIE STADT
(Deutschland 1933)

EA: Deutschland 29. September 1933

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Altes Filmprogramm aus Deutschland

WA: BR Deutschland 5. März 1965 TV ZDF

Inhalt:
Harry ist Taxifahrer in Berlin, der auch mal gerne ein wenig schneller fährt. So liefert er sich gleich zu Beginn dieser Geschichte ein Rennen mit einem anderen Taxi-Kollegen, das Harry gewinnt. Eines Abends hat es ein Fahrgast besonders eilig und will mit Harrys Taxi schnell zum Ziel kommen. Beim hastigen Aussteigen vergisst der Fahrgast einen großen Koffer, den Harry erst entdeckt, als er bei sich zuhause anhält. In seiner Wohnung, die er sich mit seinem Freund Fritz teilt, öffnet er ihn. Er findet darin eine merkwürdige technische Apparatur. Eine Art Stahlträger, die Harry sich über die Schultern hängt. Einen Apparat, den er sich bäuchlings am Stahlträger anhängen kann und einen Helm, den er sich auf den Kopf setzt. Danach verbindet er alle Kabel miteinander und schaltet den Apparat ein. Sah Harry sich eben noch im Spiegel, so ist er und sein Spiegelbild plötzlich verschwunden. So langsam begreift er, das dieser Apparat einen Menschen komplett unsichtbar macht. Als Harry kurz darauf seinem Freund Fritz diesen Apparat vorführt, so hat dieser gleich den Gedanken, das man unsichtbar ganz leicht eine Bank ausrauben könne, was Harry aber ablehnt. Er will ehrlich bleiben, manipuliert aber stattdessen mit Hilfe der Apparatur ein Pferderennen und gewinnt dabei 96.000 Mark. Harry gönnt sich nun eine Art Luxusleben, das sehr schnell vorbei ist, denn Fritz stiehlt den Apparat und überfällt auf eigene Faust eine Bank. Harry, der sich hintergangen und betrogen fühlt, will unter allen Umständen Fritz aufhalten. Der scheut sich jedoch nicht, auch von der Schußwaffe gebrauch zu machen und es kommt zu einer wüsten und spannenden Verfolgungsjagd.

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Dies ist ein Film von und mit Harry Piel. Er gehörte zu den deutschen Stummfilmpionieren, wie z.B. auch Paul Wegener. Harry Piel begann ab 1912 Filme zu drehen. Ab 1921 war er alleiniger Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller mit den Schwerpunkten Action, Abenteuer, Sensationen. Somit war in seinen Filmen auch meistens immer was los und er galt desweiteren als erster deutscher Actionstar. Dabei waren die Drehbücher eher der Action untergeordnet. Die Filme waren meist nicht so teuer, aber viele waren Kassenerfolge. Er bot dem Publikum wie kein anderer zu jenen Zeiten Sensationen und er beherrschte das Genre in Deutschland auch so ziemlich allein. Und das muß man dem Film hier auch lassen. Er nimmt sich zwar ein wenig Zeit, aber dann geht es auch hier los. Sensationell ist hier für damalige Verhältnisse die Action anzusehen. Als Fritz unsichtbar in ein Auto steigt und losrast, schafft es Harry sich am hinteren Außenende des Wagens festzuhalten und mitzufahren. Später wird er abgeworfen und der Wagen zu Schrott gefahren. Fritz flüchtet sich unsichtbar in ein Taxi und zwingt den Fahrer zu rasen. Harry schnappt sich daraufhin ein Motorrad (das ihm nicht gehört) und rast hinterher. Das ganze ist übrigens auch gut gefilmt. Eine spätere Szenerie erinnerte mich im nach hinein sogar an einen weitaus späteren James Bond-Film, nämlich IM ANGESICHT DES TODES. Wie später Bond (Roger Moore), so hängt hier Harry in luftiger Höhe am Seil eines Zeppelins. Fritz steigt unsichtbar und somit unbemerkt vom Flugpersonal in den Zeppelin und Harry hinterher. Er erwischt das Seil gerade noch so im Wasser. Er wird durchs Wasser gezogen und dann geht es ziemlich hoch. Sehr wahrscheinlich diente diese alte Actionszenerie bzw. diese Idee, als spätere Inspiration für den Bond-Film. Ferner punktet der Film mit Außenaufnahmen des zeitgenössischen Berlin und Umgebung. Interessant ist übrigens auch der Umstand, das dieser Film in etwa zeitgleich mit dem US-Film DER UNSICHTBARE von James Whale entstand. Mit seiner Unsichtbaren-Thematik war Harry Piels Film sogar früher fertig und kam vorher ins Kino. Whales Film startete ca. 2 Monate später, Ende November 1933 in den US-Kinos. Von diesem Film wird später noch die Rede sein.

Harry Piels Film ging im September 1933 durch die Filmprüfstelle und wurde freigegeben, bekam aber ein Jugendverbot verpasst. Ist auch hier wieder etwas schwer nachvollziehbar. Ich vermute, das es wegen gewisser Actionszenen war und man die Jugend nicht zu Nachahmungen animieren wollte.

Der Film erschien im Jahre 2009 bei Spirit Media im Vertrieb von Koch Media auf DVD.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 09.06.2016 17:10 
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Film Nr. 24

DER TUNNEL
(Deutschland 1933)

EA: Deutschland 3. November 1933

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Altes Filmprogramm aus Deutschland

WA: DDR 5. Oktober 1964 TV DFF 1
WA: BRD 19. Mai 1968 TV NDR 3


Inhalt:
Auf dem Dachgarten des Savoy-Hotels in New York treffen sich der Ingenieur Mac Allan und Leute aus der Hochfinanz. Mac Allan braucht Geld, um sein gigantisches Bauprojekt finanzieren zu können, das er ausgearbeitet hat. Er will die beiden Kontinente Europa und Amerika mit einem Tunnel unterhalb des Ozeans miteinander verbinden. Einige lehnen das ab, weil sie Einbußen bei der Schiffahrt und den Fluggesellschaften befürchten. Es gibt auch Fürsprecher, die der Ansicht sind, das dadurch viele Arbeitsplätze entstehen und die Wirtschaft ebenso davon profitieren würde. Letztendlich ist es auch die Fürsprache des Großkapitalisten Woolf, die ausschlaggebend ist und der Bau dieses Mammutwerkes kann beginnen. Der Tunnel soll von Long-Island aus in Richtung Europa führen und dort beginnt der Bau. Man sieht viele unzählige Arbeiter, Gerätschaften, Maschinen etc. Alles läuft hier auf Hochtouren und nach einem Jahr ist der Tunnel 180 km lang, in einer Tiefe von 1200 Metern. Im 3. Jahr sind es schon 380 km in 3000 Meter Tiefe unter dem Wasser. Als versehentlich ein unterirdischer Sumpf durch Bohrer angestochen wird und dabei ca. 70 Arbeiter den Tod finden, droht das Projekt zu scheitern. Ein Wortführer der Arbeiter hält eine Rede. Sie wollen ihr Leben nicht weiter aufs Spiel setzen. Mac Allan kommt hinzu und hält nun seinerseits eine flammende Rede, in der er die Arbeiter überzeugt weiter zumachen. Der Kapitalist Woolf, für den der Tunnel eh nur ein Spekulationsobjekt ist, setzt nun gegen dieses Bauvorhaben und auf weitere Katastrophen. Das geht sogar soweit, das er dem nachhilft, indem er einige Leute beauftragt, Anschläge zu verüben. So kommt es im weiteren Verlauf zu ersten Sabotageaktionen, die aber auch auf bewaffnete Gegenwehr trifft und teilweise in Schußwechseln ausartet.

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Der Film enstand nach dem Roman Der Tunnel von Bernhard Kellermann, der 1913 erschien und bis heute ein Klassiker der deutschen Science Fiction Literatur ist. Der Film von Kurt Bernhardt ist mit seiner aufwendigen Ausstattung, seiner spannenden Inszenierung, seinen Massenszenerien und den sehr guten Darstellern auch heute noch absolut sehenswert. Allein schon die riesige Architektur des Tunnels sieht gewaltig aus. Dann die Bahngleise, auf denen sich die Züge bewegen, um die Arbeiter zu ihren Plätzen zu fahren. Später patrouillieren bewaffnete Wacheinheiten mit Gewehren auf den Zügen und fahren hin und her. Auch die Katastrophen-Szenen in Form von Wassereinbrüchen und Explosionen sind für damalige Verhältnisse gelungen. Im Verlauf der ganzen Geschichte steigert sich auch drastisch die Dramatik und es kommt zu diversen Schicksalsschlägen. Man will den Tunnel fertig bauen, koste es was es wolle. Man hat damit begonnen und will es zuende bringen, zumal von Europa aus ebenfalls zeitgleich mit dem Bau begonnen wurde und man ungefähr auf halber Strecke zusammentreffen will. Diese Geschichte ist ebenso genial, wie sie auch im Film umgesetzt worden ist. Es ist zwar nach wievor Science Fiction, aber der Film ist mit einer Realistik inszeniert, so das man gar nicht mehr an diese Utopie denkt. Und das ist u.a. das geniale daran, das sowas möglich ist bzw. sein könnte. Paul Hartmann und Olly von Flint stellen das Ehepaar Mac Allan dar. Gustav Gründgens ist Woolf. In weiteren Rollen sind u.a. noch Attila Hörbiger und Max Schreck zu sehen. Letzterer erlangte vorher schon als Titeldarsteller des Stummfilms NOSFERATU großen Bekanntheitsgrad. Und Gründgens sollte später die Rolle seines Lebens spielen, nämlich die des Mephisto in dem Stück FAUST. Der Tunnel ging ca. Ende Oktober 1933 durch die Filmprüfstelle und wurde freigegeben. Ferner bekam er das Prädikat Künstlerisch Wertvoll verpasst, aber auch ein Jugendverbot.

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Motiv aus Frankreich

Kurt Bernhardt drehte zeitgleich eine französiche Version und bis auf Gustav Grüngens in der Rolle des Spekulanten Woolf, wurden die Deutschen durch französische Schauspieler ersetzt. So wird beispielsweise das Ehepaar Mac Allan von Jean Gabin und Madeleine Renaud dargestellt (siehe obiges Motiv). Das Drehbuch zum deutschen Film verfassten Reinhart Steinbicker und Kurt Bernhardt. Für die französische Fassung, Alexandre Arnoux. Merkwürdigerweise scheint die französische Fassung kürzer zu sein, als die deutsche. Der deutsche Film ist aber leider auch nicht mehr komplett. Mir lag zur Sichtung zumindest eine alte TV-Aufnahme vor und diese lief knapp über 73 min. Dabei war die deutsche Fassung ursprünglich 2228 Meter = ca. 81 min lang. Die französische hingegen 2104 Meter = ca. 77 min lang. Die Gründe dafür konnten erstmal nicht ermittelt werden. Die Kopie der deutschen TV-Fassung merkte man auch an, das die an einigen Stellen plötzlich abbrach, zumal auch diverse Dialoge nicht zuende gesprochen wurden. Jetzt, nach dem ich den Film zumindest in der gekürzten Version sah, drängt sich der Wunsch nach einer Komplettfassung auf.

Im Jahre 1935 entstand in England ein Remake des deutschen Films. Laut Kritik, soll diese Neuverfilmung keineswegs so eindrucksvoll sein, wie das Original von 1933

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 14.06.2016 16:24 
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Film Nr. 25

DIE FABEL VON KING KONG
(Ot: King Kong)
(USA 1933)

EA: Österreich ca. Juli 1933
EA: Deutschland 1. Dezember 1933


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Altes Filmprogramm aus Deutschland

Titel in Österreich:
KING KONG

Inhalt:
Carl Denham, ein Dokumentar-Filmregisseur trifft auf die eher mittellose Ann Darrow, die für sein neues Filmprojekt wie geschaffen ist. Gemeinsam fahren sie mit dem Schiff zu einer geheimnisvollen Insel, wo ein Wesen namens KONG leben soll. Nach langer Fahrt gelangen sie zu der Insel. Dort treffen sie auf Eingeborene, die Kong verehren und ihm in Abständen eine ihrer Frauen opfern. Als die Inselbewohner Ann sehen, soll auch sie geopfert werden. Kong entpuppt sich als ein Riesengorilla, der Ann mitnimmt. Die Schiffsmannschaft verfolgt Kong und dabei machen sie die Bekanntschaft einer urzeitlichen Vegetation inkl. diverser Tierarten, die eigentlich schon lange als ausgestorben gegolten hatten.

Dies ist nach wievor einer der Meilensteine des Phantastischen Films, das in der Filmgeschichte völlig zurecht seinen wohlverdienten Platz hat. Kong wird im Film, als das achte Weltwunder präsentiert und fast könnte man meinen, das es der ganze Film auch damals gewesen ist. Was Ernest B. Schoedsack, Merian C. Cooper zusammen mit dem Trick- und Spezialeffekt Spezialisten Willes H. O'Brien hier alles auf die Beine stellten war einfach für damalige Verhältnisse sensationell. Und das ist es selbst aus heutiger Sichtweise immer noch so, gerade weil der Film so alt ist. In all den vergangenen Jahrzehnten ist der Film gereift, wie gutschmeckender Wein. Dieser ganze geniale Phantastische Film wirkt heutzutage, wie aus einer altertümlichen Zeit. So wie der Urzeitdschungel im Film. Und all das inkl. der Schwarzweiss-Photographie verleiht diesem Klassiker eine fast schon uralte atmosphärische Aura, die auch in der heutigen modernen Zeit ihresgleichen sucht und durch nichts zu ersetzen ist. Vielmehr muß man hierzu auch gar nicht mehr verlauten lassen.

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Der Film kam damals zuerst in Österreich, im Juli 1933 in deren Kinos und vermutlich wird der dort in der Schnittfassung gelaufen sein, die identisch mit der damals in den USA freigegebenen Fassung war. In Deutschland sollte der ende Juli oder Anfang August 1933 starten, aber daraus wurde erstmal nichts. Am 26. Juli 1933 wurde King Kong verboten. Dagegen legte die Europa Filmverleih A.G. Berufung ein, kürzte jedoch den Film vorsichtshalber eigenhändig um ca. 30 Sek. Damit der Film überhaupt zugelassen werden würde, änderte der Verleih schon von Anfang an den Titel, der anstatt einfach nur King Kong nun so lautete, wie oben angegeben. Aus vermutlich weiteren Zensurgründen änderte man auch das Werbemotiv zum Film. Man beachte z.B. die Frontmotive beider Filmprogramme, wo Kong die Frau auf dem deutschen Programm nicht in der Hand hält (ebenso beim alten deutschen Plakatmotiv). Es verging einige Zeit bis die Filmprüfstelle ihn einer erneuten Prüfung unterzog. Am 5. Oktober 1933 ließ die Filmprüfstelle den Film passieren, verlangte aber dafür eine Kürzung von ca. 0.01:30 min. Später folgte eine weitere Kürzungsauflage von ca. 0.03:00 min. In dieser gekürzten Fassung bekam der Film nun endlich grünes Licht und erhielt ende November 1933 die endgültige Freigabe. Aus heutiger Sicht alles sehr schwer nach vollziehbar, denn in Österreich gab es offenbar weitaus weniger Schwierigkeiten. Aber zumindest durfte King Kong einige Zeit später in den deutschen Kinos gezeigt werden. Aber nicht nur in Deutschland wurde der Film das Opfer verschärfter Zensurbedingungen. In den USA wurde er später ab dem Jahre 1938 auch gekürzt. In dieser gekürzten Version erlebte der Film in Deutschland der 50er Jahre seine erneute Aufführung.


BRD-Titel:
KING KONG UND DIE WEISSE FRAU

WA: BR Deutschland 18. März 1952
und am 13. November 1970 im TV ZDF


Diese geschnittene Version, die nun auf der zensierten USA-Fassung basierte, war sehr lange in Deutschland im Umlauf. Sowohl in den Kinos, als auch in späteren TV-Ausstrahlungen. Erst im Februar 1993 zeigte der TV-Sender Sat 1 eine um 4 Minuten längere und somit rekonstruierte Fassung. Ferner feierte King Kong im Jahr 1993 seinen 60. Geburtstag. Aus diesem Anlaß gab es damals eine wunderbare Sondervorstellung im Berliner Zoopalast Kino, der ich beiwohnte. Damals sah der Zoopalast von innen immer noch schön altmodisch aus und dann noch so ein alter 30er Jahre Film. Ich werde nie den starken Eindruck vergessen, den ich bei dieser Vorführung hatte. Irgendwie hatte man das Gefühl, in den 30er Jahren Kinozeiten zu sein. Als Kong das erste mal auf der Leinwand auftauchte, bekam er von uns, dem Publikum seinen verdienten Beifall, der sich nach Beendigung der Vorstellung wiederholte. Wer damals dabei war, wird sich bestimmt ebenso gerne daran erinnern.

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Motiv aus USA

King Kong ist und bleibt der Größte!
Er ist der Prototyp aller danach entstandenen Monsterfilme inkl. einiger King Kong-Remakes. Fast alle Remakes konnten aber auch nicht ansatzweise mit dem Original konkurrieren. Nur Regisseur Peter Jackson verstand es im Jahre 2005 ein würdiges Remake und gleichzeitig eine wunderbare Homage an den alten King Kong zu schaffen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 17.06.2016 16:46 
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Film Nr. 26

DIE INSEL DER VERLORENEN SEELEN
(Island Of Lost Souls)
(USA 1932/33)

EA: Österreich ca. September 1933

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Altes Filmprogramm aus Österreich

Inhalt:
Edward Parker, ein schiffbrüchiger Seeman strandet auf einer geheimnisvollen Insel. Er trifft dort auf einen Wissenschaftler, einen gewissen Dr. Moreau. Der spielt mit seinen Forschungen und Experimenten Gott, indem er an Tieren eine Art Humanitätsprozess durchführt. Er will bzw. macht aus Affen und großen Raubkatzen Menschen, so das eine neue Gattung entsteht, die Tiermenschen. Dr. Moreau will nun, das sich der Seeman mit dem Panthermädchen Lota paart. Dann taucht Ruth Walker, die Verlobte von E. Parker auf. Sie missbilligt das, was Dr. Moreau macht. Dr. Moreau duldet aber widerum keine Einmischung in seine wissenschaftlichen Angelegenheiten und will Ruth los werden.

Hier haben wir einen alten 30er Jahre phantastischen Film, der scheinbar völlig in Vergessenheit geraten ist. Es handelt sich dabei um eine Verfilmung des sogenannten Dr. Moreau-Thema mit seinen Tiermenschen, dessen Vorlage auf einen Roman des berühmten Autors H.G. Wells beruht. Das dieser alte Film mal in Österreich im Kino lief bzw. das es ein Original gibt wird im Lexikon des internationalen Films vom katholischen Fimdienst mit keinem Wort erwähnt. Das Remake DIE INSEL DES DR. MOREAU (USA 1976) steht drin, aber selbst im Text nicht ein einziger Hinweis, das diese alte Verfilmung existiert.

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Plakat aus USA

Charles Laughton ist hier Dr. Moreau und allein schon deswegen würde ich den alten Film gerne mal wieder sehen. Ich hatte den vor Ewigkeiten mal in einer niederländischen oder englischen VHS Fassung gesehen. Der Film punktete vor allem mit den Tiermenschen und seiner Atmosphäre. Mr. Laughton war einer der besten Schauspieler seiner Zeit und wirkte in so einigen Streifen mit. Ferner ist Bela Lugosi als Führer der Tiermenschen zu sehen und Richard Arlen spielt den Seeman Parker. Als Ruth ist hier Leila Hyams zu sehen. Interessant ist hier auch anscheinend die Tatsache, das Original und Remake sich in einer Hinsicht deutlich unterscheiden. Im Original versucht Dr. Moreau Tiere "menschlicher" zu machen, um wahrscheinlich eine bessere Ko-Existenz zwischen Tier und Mensch herzustellen. Im Remake ist es genau umgekehrt, denn dort macht Dr. Moreau Menschen "tierhafter", also zu Tieren. Laut Info. waren/sind hier u.a. Darsteller als Tiermenschen zusehen, die später noch berühmt werden sollten, wie z.B. Alan Ladd und Randolph Scott.

Aufgrund seiner Thematik erhielt dieser alte Film in den meisten Teilen der USA keine Freigabe. In England war er offenbar gleich von vorn herein komplett verboten worden, was auch in Deutschland der Fall war. Das hatte sehr wahrscheinlich u.a. auch religiöse Gründe. In den USA war christlicher Puritanismus extrem verbreitet und man hatte wohl etwas dagegen, das hier der Mensch in Gestalt von Dr. Moreau sozusagen als "göttlicher Schöpfer" intelligenten Lebens auftritt. In Grossbritannien soll er aber einige Jahrzehnte später doch gezeigt worden sein. Interessant in diesen Zusammenhang ist wohl, das er in Österreich lief und das im Grunde zeitnah. Österreich war hier somit fortschrittlicher. Sehr wahrscheinlich lief der Film dort nur im OmDU.

Ich bin mir ziemlich sicher, das diese alte Verfilmung es absolut wert wäre wieder entdeckt zu werden, indem dieser Klassiker das Licht der digitalen Medien erblickt. Dem Remake ist er immer noch überlegen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 21.06.2016 16:59 
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Film Nr. 27

DER UNSICHTBARE
(Ot: The Invisible Man)
(USA 1933)

EA: Österreich März 1934

EA: BR Deutschland 23. Juni 1950


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Altes Filmprogramm aus Österreich

Inhalt:
In einer englischen Kleinstadt betritt ein seltsamer Fremder einen Gasthof. Sein Gesicht ist einbandagiert, er trägt Handschuhe, Kleidung und eine dunkle Brille. Er bekommt ein Zimmer und will absolut nicht gestört werden. Aber durch sein anmaßendes und arrogantes Auftreten und der Neugier der Leute, kommt es zu Auseinandersetzungen, in deren Verlauf der Fremde beweist, das er der Überlegende ist. Er entkleidet sich, aber dadurch ist er für die anderen nicht mehr zu sehen, denn er ist unsichtbar. Es stellt sich heraus, das es sich beim Unsichtbaren um den Wissenschaftler Jack Griffin handelt, der verzweifelt versucht ein Gegenmittel zufinden, das ihn wieder physisch sichtbar rematerialisiert. Das Serum das er einnahm enthielt zusätzlich Monokain, eine Droge die aus einer Pflanze in Indien gewonnen wird. Dadurch kommt es bei ihm zu einer gefährlichen Nebenwirkung, die sich Megalomanie nennt, was = Größenwahn bedeutet. Er beginnt die Menschen zu tyrannisieren, hält sich für mächtig und es gibt den ersten Toten. Der Unsichtbare wird zur allgemeinen Bedrohung.

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Der Film lief damals zuerst nur in Österreich und erst nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland (siehe obige Aufführungsdaten). Regie führte James Whale, der zwei Jahre zuvor den Film FRANKENSTEIN inszeniert hatte. Dabei war sein Film nicht der erste mit dem Thema der Unsichtbarkeit (siehe Film Nr. 23 EIN UNSICHTBARER GEHT DURCH DIE STADT). Whales Film war nur knapp der zweite, nach dem Harry Piel Film. Der Unsichtbare kann sich auch heute noch sehen lassen und die Tricks sind für damalige Verhältnisse immer noch erstaunlich. Zu verdanken ist dies in erster Linie JOHN P. FULTONS, einem der Spezialeffekt-Genies seiner Zeit. Er war auch schon beim Film Frankenstein (1931) beteiligt und schuf später u.a. jene berühmte Tricksequenz der Teilung des roten Meeres im Film Die Zehn Gebote (1956). Der Film ist nach wievor dramatisch und atmosphärisch sehr ansprechend in Szene gesetzt, was er auch seiner starken Schwarzweiß-Photographie verdankt. Auch die Darsteller sind klasse, wobei man Claude Rains der den Unsichtbaren spielt, nicht zu sehen bekommt. Der Film enstand nach einer Geschichte des bekannten Autors H.G.Wells, die im Jahre 1897 veröffentlicht wurde. Interessant dabei ist die Tatsache, das zwei Jahre vorher 1895 für die Medizin gewisse X-Strahlen entdeckt wurden und der Wissenschaft völlig neue Einblicke in das bisher verborgene Innere des Organismus gewährten. Der Professor und Experimentalphysiker mit Namen WILHELM CONRAD RÖNTGEN machte diese Entdeckung und nach dessen Namen bezeichnet man bis heute dies als Röntgenstrahlen. Sehr wahrscheinlich dachte Wells sich in seiner Geschichte, wie es wohl wäre, wenn man diesen Prozess einfach umkehrt und einen Menschen komplett unsichtbar macht. Der Film war seinerzeit ein Sensationserfolg und erwies sich als Kassenknüller. Obwohl dem so war, so hat es Der Unsichtbare bis heute auf weitaus viel weniger Remakes und/oder Filmvariationen gebracht, als beispielsweise Dracula oder Frankenstein Verfilmungen.

Der Unsichtbare erschien in Deutschland auf Bluray in einer Universal Monsterbox zusammen mit anderen Klassikern.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 23.06.2016 18:05 
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Film Nr. 28

DIE MUMIE
(Ot: The Mummy)
(USA 1932/33)

EA: Österreich April 1934

EA: BR Deutschland 16. Oktober 1970 im TV ARD


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Altes Filmprogramm aus Österreich

Prolog:
Dies ist die Schriftrolle des Toth.
Hier stehen die magischen Wörter geschrieben,
mit denen einst Isis Osiris von den Toten auferweckte.
"Oh! Amon-Ra - Gott der Götter -
Der Tod ist lediglich die Schwelle zu einem neuen Leben -
Wir leben - und werden erneut leben -
Wir werden in vielerlei Formen zurückkehren - Oh Mächtiger"


Ägypten 1921, eine Ausgrabungsstätte der britischen Archäologie-Expedition.
Man hat den Toten/die Mumie Imhotep und eine uralte Holzkiste ausfindig gemacht und ausgegraben. In der Holzkiste befindet sich ein weiteres Kästchen. Ein Hinweis warnt davor, diesen Kasten zu öffnen, ansonsten droht demjenigen Fluch und Verdammnis. Die beiden älteren Wissenschaftler Sir Joseph und Professor Pearson beraten darüber, während ein jüngerer Archäologe nicht warten kann. Der öffnet das Kästchen und findet eine alte Papyrosrolle. Er entziffert die alten magischen Zeichen und erweckt damit ungewollt die Mumie zum Leben. Imhotep nimmt die alte Schriftrolle ansich und verschwindet spurlos. Sir Joseph und Pearson finden ihren jüngeren Teilnehmer nur noch lachend und wahnsinnig geworden vor.

Ägypten 1932, Kairo und Umgebung.
Eine weitere britische Archäologie-Expedition macht Bekanntschaft mit einem Ägypter namens Ardath Bey, der ihnen seltsam erscheint. Er zeigt ihnen ein altes Amulett, auf dem der Name Anck-es-en-Amon eingraviert ist. Bei dem Namen handelt es sich um eine ägyptische Prinzessin und Ardath Bey zeigt den Archäologen, wo sie fündig werden. Unwissend helfen sie Ardath Bey nur dabei, alles auszugraben. Ardath Beys Ziel ist es, sich mit der Prinzessin Anck-es-en-Amon in Liebe wieder zu vereinen. Ardath Bey ist Imhotep und seine ehemalige Geliebte findet er in Helen, der Tochter des Gouverneurs wieder, die der Prinzessin ähnlich sieht. Mit alter Magie und über Leichen gehend, bringt Ardath Bey Helen dazu, seinem Ruf zu folgen und ihren rechtmäßigen Platz einzunehmen. Das wollen Sir Joseph, Helens Verlobter und der Professor verhindern.

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Plakat aus USA

Neben Frankenstein und Dracula, gehört auch die Mumie zu den Unsterblichen des Phantastischen Horrorkinos, wobei diese sich erst mit diesem ersten Tonfilm hier etablieren konnte. Es gab zwar vorher schon ca. 5-7 Stummfilme, wobei nur der erste Film aus Frankreich LA MOMIE DU ROI (1909) von Gérard Bourgeois als richtiger Mumienfilm gelten soll, weil dort tatsächlich eine Mumie zum Leben erwacht. Alle anderen Stummfilme spielten eher mit der Thematik, bauten aber in die Handlung etwas ein, was in späteren Mumienfilmen zu einer Art zentralen Handlungsmuster werden sollte. Nämlich, das die Mumie die Gestalt eines menschlichen Wesens annimmt, bzw. in menschlicher Gestalt erscheinen kann. Im deutschen Stummfilm DIE AUGEN DER MUMIE MA (1918) von Ernst Lubitsch, ist beispielsweise die Schauspielerin Pola Negri als Ma zu sehen. Allerdings ist sie keine Mumie, sondern eine Art lebende Reinkarnation einer Pharaonen-Frau und es sind ihre Augen, die aus der Mumie gucken und diese seltsam und unheimlich erscheinen lassen. Diesen Trick hatte sich der böse Ägypter Radu (Emil Jannings) einfallen lassen und hält Ma, wie eine Sklavin. Diese kann später entkommen, aber Radu folgt ihr, will sie wiederhaben, auch wenn er dabei seine magischen Kräfte einsetzen muß etc. Gerade dieser alte deutsche Stummfilm gab ein thematisches Handlungsmuster vor, wie es später in kommenden Filmen immer wieder aufgegriffen wurde. Eine Mumie/Liebender, der seine Frau/Geliebte wiederhaben will, die er u.a. in Reinkarnation einer anderen verblüffend sehr ähnlich aussehenden Frau wieder gefunden zu haben glaubt. Insofern hat man in der Mumie auch sowas wie eine tragische Gestalt. Das wird schon hier beim ersten Tonfilm sehr deutlich. Boris Karloff ist Imhotep, dessen geliebte Prinzessin Anck-es-en-Amon gestorben war und er sie mit einer uralten Totenschrift wieder erwecken wollte. Dabei wird er entdeckt und zum Tode verurteilt, indem man ihn lebendig einbalsamierte usw. Das alles wird im Film in einer Rückblende erzählt. Im späteren Remake DIE RACHE DER PHARAONEN (1959), einem Hammerfilm geht es ähnlich zu. Aus Imhotep wurde Kharis (Christopher Lee), der seine Geliebte Ananka (Yvonne Furneaux) wiederhaben will.

Das die Mumie entgültig im Phantastischen Film Fuß gefasst hatte, verdankte sie sehr wahrscheinlich zwei Ereignissen. 1. dem erwähnten deutschen Stummfilm von 1918 und 2. die Entdeckung der Grabstätte von Tut-ench-Amon im Jahre 1922. Da seinerzeit einige Leute, die an der Ausgrabung teilnahmen, später kurz darauf unter rätselhaften Umständen starben, sprach man in der Presse vom "Fluch der Mumie". Sowas schrie förmlich danach in einem Film umgesetzt zu werden. Nach dem deutschen Stummfilm sollten aber 14 Jahre vergehen, bis die Mumie, diesmal in einem Tonfilm wieder das Licht der Kinoleinwände erblickte. Die Mumie war auch das US-Regiedebüt von KARL FREUND, der 1929 nach Amerika gegangen war. Er war auch einer der besten und bedeutensden deutschen Kameramänner. Er arbeitet in der Stummfilmzeit mit u.a. Paul Wegener (Der Golem und wie er in die Welt kam), aber auch mit Fritz Lang (Metropolis) zusammen. Dieser alte Film in schwarzweiß wirkt auch heute noch. Zu verdanken hat er es seiner tollen atmosphärischen Photographie, seiner zwar einfachen, aber guten Ausstattung und seinen tollen Darstellern. Boris Karloff zieht auch hier wieder alle Register, wobei das ganze Make-up, das ihn als Mumie zeigt, Stunden gedauert haben soll bis alles aufgetragen war. Nach eigenen Angaben, war Mr. Karloff sehr froh darüber, das es nur an ca. 2 Tagen der Fall war, weil die Szenerien mit ihm als Mumie nur wenige waren.

In den 40er Jahren folgten 4 weitere Mumienfilme, aber keiner konnte mit diesem hier konkurrieren. Später nahmen sich die britischen Hammerfilms der Mumienthematik an und schufen 3 Filme. Aber das ist eine andere Filmgeschichte. DIE MUMIE ist und bleibt ein bis heute gültiger alter Klassiker. Auf DVD erschien er zuerst nur im OmDU. Erst auf Bluray (einzeln oder in der Universal Monsterbox) auch mit deutscher Synchro.

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 Betreff des Beitrags: Re: Phantastische Filme in Deutschland/Österreich der 30er Jahre
BeitragVerfasst: 26.06.2016 16:16 
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Film Nr. 29

Wachsfiguren-Kabinett
(Ot: The Mystery of the Wax Museum)
(USA 1933)

EA: Österreich ca. Mai 1934

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Altes Filmprogramm aus Österreich

London 1921
Der Besitzer eines Wachsfigurenkabinetts, Ivan Igor liebt seine Arbeit und seine Figuren. Seine Wachsfiguren sehen fast lebendig aus, die er nach historischen Vorbildern und Ereignissen schuf. Darunter Johanna von Orleans, Marie Antoinette, Voltaire etc. Aber Ivan hat wenig Geld und deswegen macht ihm sein Geschäftspartner Joe Worth den Vorschlag, einen Brand zulegen, um danach die Versicherungssumme von 10.000 Pfund zu kassieren. Ivan will seine Figuren nicht zerstören und weigert sich. Es kommt zum Kampf, in dessen Verlauf alles in Flammen aufgeht, Worth entkommen kann und Ivan schwere Verletzungen davon trägt.

New York 1933
Ivan steht kurz davor ein neues Wachsfigurenkabinett zu eröffnen. Gleichzeitig findet die Sensationsreporterin Florence Dempsey heraus, das Tote aus der Leichenhalle spurlos verschwunden sind, darunter auch der Leichnam von Joan Galens, einer bekannten Choristin. Diese glaubt Florence beim Besuch im Kabinett in der Wachsfigur der Johanna von Orleans zu sehen. Währendesssen lernt Ivan die hübsche Charlotte kennen, die Verlobte von einem seiner Mitarbeiter. Ivan sieht in ihr die perfekte Marie Antoinette, die einzige Figur die ihm noch fehlt. Dann wäre alles so, wie damals. Ferner will er sich an Joe rächen. Als Charlotte einwilligt Ivan Model zu stehen, ahnt sie nicht, das sie zur tatsächlichen Wachsfigur Marie Antoinette werden soll.

Obwohl der Film damals nur in Österreich seine deutsche Premiere hatte (nur im OmDU), galt dieser alte Klassiker in der Zeit danach, sehr lange als verschollen und irgendwie unauffindbar, obwohl er scheinbar in den Tiefen der Archive von Warner Bros. vor sich hin staubte. Aber er wurde wohl wieder entdeckt, so das er zumindest auch in Deutschland gezeigt werden konnte, wenn auch nur wieder im TV. Ob möglicherweise synchronisiert oder doch nur im OmDU, war meinerseits erstmal nicht zu ermitteln.


BRD-Titel:
Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts

EA: BR Deutschland 24. April 1987 im TV ARD

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USA-Plakat

Regie führte Michael Curtiz und durch das Technicolor Zweifarbensystem, kann sich der Film rühmen, durchgängig einer der ersten Farbfilme zu sein. Neben Lionel Atwill als Ivan, ist die schöne Fay Wray als Charlotte zu sehen und Glenda Farrell ist Florence. Der Film enstand nach einem Theaterstück von Charles S. Belden. Kamera, Innenausstattung und diverse Tricks können sich auch heute noch sehen lassen. Das trifft auch auf das Remake DAS KABINETT DES PROFESSOR BONDI (USA 1953) von André de Toth mit Vincent Price zu, der einfach klasse ist. Die Handlung folgt im Grunde der des Originals. Vom Remake gab/gibt es eine DVD von Warner, die als Bonus den Originalfilm von 1933 im OmDU enthält. Feine Sache und man kann somit beide Filme sehen. Welcher Film nun einem besser gefällt, mag ein jeder für sich selbst entscheiden. Beide Filme haben so ihre Vorzüge.

Wenn auch etwas weniger, so durchzieht die Thematik des Wachsfigurenkabinetts ebenso den Horrorfilm, wie die Vampire, Frankenstein, die Mumie oder Jekyll and Hyde. Die eigentliche Geburtsstunde des Horrorfilms fand mit der Einführung des Tonfilms statt und der Grundstein für all diese Horrormotive wurde in den 30er Jahren gelegt, obwohl die Ursprünge alle in der Stummfilmzeit der 20er Jahre entstanden sind. All die großen Klassiker des phantastischen Genres der 30er Jahre, gelten zugleich auch als die Prototypen dieser Horrormotive. Hier wurde etwas vorgegeben, was in allen folgenden späteren Filmen teilweise imitiert und/oder in etlichen Variationen neu inszeniert wurde. Rückblickend kann man dies z.B. an den vielen Frankenstein,- Dracula,- und Jekyll and Hyde-Verfilmungen sehen. Auch das Wachsfigurenkabinett und sein Besitzer machten keine Ausnahme. Das Wachsfigurenmotiv und seine in Wachs modellierten Abbilder von Menschen, die wie echt wirken, faszinieren bis heute immer wieder. Den Anfang bildete natürlich wieder mal ein deutscher Stummfilm aus dem Jahre 1924. DAS WACHSFIGURENKABINETT, so der Titel wurde von Paul Leni inszeniert. Hier beauftragt der Wachsfiguren-Besitzer einen Dichter damit, zu seinen 3 Figuren Geschichten aufzuschreiben bzw. diese historisch auszuschmücken. Die Figuren stellen den Sultan Harun Al Raschid, Iwan den Schrecklichen und Jack the Ripper dar. Der Film ist in drei Episoden unterteilt, die jeweils eine Geschichte zu den Figuren erzählt. Gerade bei der Wachsfiguren-Thematik kann sich die reale Welt mit der Irrealen wunderbar vermischen und/oder man findet sich selbt in ihr wieder. Im Film WAXWORK = Reise zurück in der Zeit (1987) (welch bescheuerter deutscher Titel) geschieht genau das. Eine Gruppe junger Leute wird zu einem mitternächtlichen Besuch in ein Wax Museum eingeladen. Dort sehen sie Figuren von Dracula, der Mumie, dem Werwolf, den Marquis de Sade etc. Sobald einer der Jugendlichen über die jeweilige Absperrung tritt, findet er sich plötzlich in der Welt der jeweiligen Figur wieder und muß um sein Leben kämpfen. Ein wunderbarer Film von Anthony Hickox und gleichzeitig eine tolle Homage an die bekanntesten Horrorgestalten der Literatur- und Filmgeschichte. Hickox verband die Wachsfiguren-Thematik mit mehreren anderen Horrormotiven. Ein Film, der einfach toll anzuschauen ist und Spaß macht. Außer den bereits genannten Beispielen, gibt es noch weitere Filme zum Thema Wachsfiguren/Wachsfigurenkabinett, wie z.B. DAS VERMÄCHTNIS DES PROFESSOR BONDI, DIE SCHRECKENSKAMMER, TOTENTANZ DER VAMPIRE (Episodenfilm mit einer Wachsfiguren-Geschichte), DAS WACHSFIGURENKABINETT DES GRAUENS, TOURIST TRAP, WAX MASK, um nur einige zu nennen, bis hin zu einem der letzten Wachsfiguren-Filme, dem HOUSE OF WAX von 2005. Wie man sieht,...ein in Abständen immer wiederkehrendes beliebtes Thema im Horrorfilm. Die Wachsfiguren und das Wachsfigurenkabinett kommen bestimmt wieder,... in einem der nächsten Filme, die entstehen werden. Dessen darf man gewiss sein.

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