Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 15.10.2012 02:28 
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When Love is Lust (Vittorio De Sisti, 1973)

Erminia (Agostina Belli) ist frisch verheiratet, doch irgendwas scheint nicht zu stimmen - während ihr Mann (Gianni Macchia), von Beruf Metzger, machohaft Sprüche klopft, schaut sie todunglücklich drein und wirkt wie fehl am Platz. Ein besondere Rolle spielt ihre herrschsüchtige Mutter, die diese Hochzeit offenbar arrangiert hat, aber seltsamerweise dennoch gar nicht gut auf ihren Schwiegersohn zu sprechen ist - zudem hat sie das Pärchen auch gleich auf ihrem opulenten Anwesen untergebracht. Nachdem die Hochzeitsnacht beinah zur Vergewaltigung ausartet, flüchtet Erminia vorerst zu ihrer Schwester (Ewa Aulin), welche ihr anfangs noch etwas Geborgenheit bieten kann, aber ansonsten einen ganz anderen Lifestyle zwischen Drogenparties und wechselnden Sexualpartnern pflegt. Der bis dahin bei seiner Frau noch nicht zum Zuge gekommene Ehemann regt sich nun erstmal bei einer Professionellen ab, die allerdings auch nicht sonderlich erfreut ist, dass er sie dazu in sein eiskaltes Schlachthaus schleppt. Als nächstes lädt er eine alte Bekannte (Femi Benussi) zu sich ein, die nur zu gerne ins fremde Brautkleid schlüpft und mit ihm durch die Federn tollt. Doch wie vertragen sich diese Eskapaden mit der Beziehung zu seiner Frau, deren extrem gestörtes Verhältnis zur Sexualität immer deutlicher wird? Und was zum Teufel ist hier überhaupt los?

Ja, Fragen wirft der Film so einige auf, aber mit Antworten sieht's schon dürftiger aus! Eine durch und durch sonderbare Ansammlung an Charakteren wird in ein nicht weniger seltsam anmutendes Story-Geflecht geworfen. Abgesehen von vereinzelten Lichtstrahlen, die das Dickicht der schmerzlichen Abgründe, ungestillten Lüste und tiefsitzenden Ängste ein wenig erhellen, wird der Zuschauer im Dunkeln gelassen, und muss sich seinen eigenen Reim auf das Gesehene machen.
Wo fängt man an, wo hört man auf? Stilistisch bewegt sich das Ganze zwischen Früh-70er-Style-Exzess, Arthouse-Touch, Sexploitation-Nudity-Show, aber gleichzeitig auch totaler Erotik-Demontage. Da kann die Damen-Riege noch so eindrucksvoll sein, das Ziel war hier wohl eher zu verstören als anzuregen. Oder was soll man davon halten, wenn sexuelle Annäherungen fast immer von Leid begleitet werden, oder, im krassen Gegensatz dazu, in bizarre Albernheiten abdriften? Man fragt sich manchmal echt, wo man hier gelandet ist - wüsste man es nicht besser, könnte man kurzzeitig meinen, in einer dieser überdrehten Erotik-Komödien alla Italiana - aber dann ist da eben wieder diese unheilsschwangere, verunsichernde Schwere, die das Geschehen überschattet.
Der schräge Score von Meister Morricone fällt vor allem durch schrille Gesänge auf, und treibt die allgemeine Stimmung damit zusätzlich in wunderliche Sphären. Als Setting dient für einen Großteil der Handlung einer dieser edlen Prachtbauten, die wie aus einer vergangenen Epoche wirken (oder nicht nur so wirken, sondern es womöglich auch sind) und so ein ganz spezielles, irgendwie gleichermaßen zeitgemäßes und zeitloses Flair versprühen. Am Drehbuch hat, neben De Sisti, Luigi Russo geschrieben, auch kein völlig Unbekannter. Na, und die Besetzungsliste ist sowieso über jeden Zweifel erhaben.

Ich kann vielleicht schon soviel verraten, dass man am Ende nicht wirklich schlauer ist, aber doch einen Film gesehen hat, den man nicht sofort wieder vergessen wird. Alles in allem, war's mal wieder eine lohnenswerte und interessante Entdeckung aus der Kategorie Golden-Age-Italo-Cinema, die ich Gleichgesinnten wärmstens ans Herz legen möchte.

Ist in Italien bei Cecchi Gori Home Video auf DVD erschienen, mit englischer Tonspur! Sicher könnte ich nun wieder anmerken, dass mir Untertitel lieber gewesen wären, aber die Synchro ist ganz erträglich und gut verständlich. Als Italienisch-Unkundiger sollte man sich also glücklich schätzen, dass man diese Perle überhaupt auf diese Weise sehen und verstehen kann.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
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Venus im Pelz (Massimo Dallamano, 1969)

Severin (Régis Vallée) führt ein recht sorgenfreies Leben in der oberen Gesellschaftsschicht, und vertreibt sich seine Zeit als Schriftsteller. Eines Tages lernt er das Fotomodell Wanda (Laura Antonelli) kennen und verfällt ihr von der ersten Begegnung an. Seine vorläufig heimlichen Beobachtungen wecken in ihm Erinnerungen an ein ähnliches, für ihn äußerst prägendes Erlebnis in jüngeren Jahren, bei dem er eine saftige Ohrfeige kassiert hat. Dieses Sinnbild der Wechselwirkung zwischen Lust und Schmerz begleitet ihn fortan in seinem Leben. Kurz darauf kommen er und Wanda tatsächlich zusammen, aber die anfängliche harmonische Zweisamkeit hält nicht lange. Immer mehr sehnt Severin sich wieder in die Rolle des erniedrigten Voyeurs, dessen Partnerin sich anderen Männern hingibt. Doch was zu Beginn noch einem spielerischen Ausloten der Machverhältnisse gleichkommt, nimmt schnell immer extremere Züge an...

Merkwürdigerweise liest man zu dem gleichnamigen Franco viel mehr, dabei ist der Dallamano mindestens genauso gut! Vor einigen Jahren schonmal gesehen, recht begeistert gewesen, und nun bei der Zweitsichtung war die Faszination sofort wieder da. Bereits der Vorspann und die Eröffnungssequenz sind eine vorzügliche Stilübung in Sachen Lounge-Luxus, und dieses Niveau wird beinah ununterbrochen durchgehalten! Vor allem erstmal zeichnet sich die Umsetzung durch Behutsamkeit und Feingefühl aus, denn neben traumhaften Drehorten, denen die Kamera noch traumhaftere Bilder entlockt, steckt die Schönheit eben besonders im Detail, wenn z.B. selbst die kleinsten Gesten und Bewegungen erotisch aufgeladen werden, um die Spannung der Leidenschaften anschließend um so heftiger explodieren zu lassen. Dazu permanent der erstklassige Score von Gianfranco Reverberi, und der audio-visuelle Hochgenuss ist so gut wie perfekt.
Im ernst, ich will ja nicht zu sehr ins Schwärmen geraten oder die Erwartungen sonst wie hoch stecken, aber hier wurde einfach fast alles richtig gemacht. Wöllte man gezielt nach Kritikpunkten suchen, bliebe wohl anzumerken, dass Geschichte und Charakterzeichnung mitunter ein wenig ins Schablonenhafte abrutschen, aber diese Unzulänglichkeit (sofern man es überhaupt so nennen will) ist nun wirklich vernachlässigbar. Viel wichtiger ist, dass die wundervolle Laura Antonelli und der mir unbekannte Régis Vallée, denen praktisch die komplette Screentime gehört, in ihren Rollen absolut passend besetzt sind. Dallamanos Inszenierung kann insbesondere mit einem ausgeprägten Stilempfinden auftrumpfen, das sich sowohl in betonter Zurückhaltung als auch in wilderen Ausbrüchen niederschlägt.
Abenteuerlich wird es z.B., wenn Sergio D'Offizi den Farbfilter auf die Kamera schiebt, und in einer fiebrigen Traumsequenz böse Kapuzenmänner zu schrägen Sitar-Klängen die Peitsche schwingen. Und überhaupt hatte ich das Gefühl, dass der Film für 1969 die Grenzen in Bezug auf Sex und Freizügigkeit schon recht ordentlich auslotet.

Also, ein Prachtstück des italienischen (Erotik-)Kinos, mit dem Massimo Dallamano einmal mehr verdeutlicht, warum er zu den ganz Großen gezählt werden sollte.

Die Shameless-Scheibe aus UK kann ich trotz minimaler Kürzungen guten Gewissens weiterempfehlen.

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Das Mädchen Julius (Tonino Valerii, 1970)

Julius (Silvia Dionisio) hat nicht nur ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter, sondern ist auch schon im jungen Alter den lesbischen Zudringlichkeiten der Haushälterin ausgesetzt, diese redet ihr zudem immer wieder ein, dass die gesamte Männerwelt schlecht ist. Als "Julius" - was es mit diesem, für ein Mädchen ja eher ungewöhnlichen Namen nun genau auf sich hat, bleibt dabei weitestgehend im Dunkeln - nun die ersten Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht macht, verläuft das nicht weniger problematisch. Zum einen ist sie festgefahren in der Beziehung mit dem soliden, aber etwas langweiligen Lorenzo, den sie, wenn es nach ihrer Mutter geht, am besten gleich heiraten soll. Zum anderen sind da diverse kurzlebige Bekanntschaften, die jedoch genauso wenig für die ersehnte Erfüllung sorgen...

Wider Erwarten etwas schwer getan mit dem Film. Eigentlich mag ich sie ja, diese groß angelegten, schwelgerisch inszenierten Herzschmerz-Dramen. Egal ob nun wirklich ernstzunehmen oder eher künstlich aufgebauscht - normalerweise haben's solche Streifen leicht bei mir. Der hier hat mich jedoch über weite Strecken seltsam kaltgelassen, irgendetwas hat gefehlt. Die Musik von Riz Ortolani ist schön und könnte höchstens ein wenig mehr Abwechslung vertragen, auf ansprechende Bilder (Kamera: Stelvio Massi) muss man ebenfalls nicht verzichten. Woran mangelt's also? Es passiert einfach zu wenig, und dieses "zu wenig" wird zudem noch zu langwierig ausgewalzt. So übermäßig viel hat die Umsetzung dann eben doch nicht zu bieten, dass sie diese Mängel komplett übertünchen könnte. Und wenn die storytechnische Entwicklung nur so mühsam in Gang kommt, dann reicht's auch irgendwann mal mit der betrübten Sinnsuche und dem enervierenden Beziehungs-Hinundher. Zwei krasse Einlagen (wer den Film gesehen hat, weiß sicher, was ich meine) brechen immerhin recht unvermutet herein, nur dem unbefriedigenden Gesamteindruck können sie auch kaum auf die Sprünge helfen.

Lichtblicke sind vorhanden und wirklich schlecht würde ich das Ding auch nicht nennen. Aber, wie schon erwähnt, irgendwas vermisse ich. Für meine Begriffe zu bemüht und zu kühl distanziert, und damit obeflächlich gerade noch das Interesse haltend, aber nicht tiefer berührend.

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PostPosted: 15.10.2012 02:34 
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April 2012



Chicago Poker (Jonathan Kaplan, 1974)

Truck (Isaac Hayes) und sein Kollege Jerry (Alan Weeks) arbeiten für eine Art Versicherungsunternehmen; ihr Job ist es Kriminelle, die auf Kaution freigekommen sind und sich nun vor dem Gerichtstermin drücken wollen, wieder einzusammeln. Oft gelangen sie dabei mit ihrer schroffen Art ohne große Probleme ans Ziel, doch ihr neuester Auftrag, der sich um den stadtbekannten Zuhälter und Drogenboss Gator (Paul Harris) dreht, ist da schon eine Nummer größer. Für etwas mehr Kohle nehmen sie sich des Falls natürlich trotzdem an, die Zielperson wird ausfindig gemacht und nach einer rasanten Hetzjagd, entgegen der Vorgaben, im Feuergefecht getötet. Dies ruft wiederum dessen Geschäftspartnerin (Esther Sutherland), genannt Momma und Chefin des Whorehouses, auf den Plan, die nun auf Rache sinnt und Truck unter der Erde sehen will. Zu diesem Zweck versammelt sie erstmal die ganzen Pimps der Stadt, doch die meisten von denen wollen lieber weiter ihre "Bitches" verschachern und sich nicht bei solchen Aktionen die Hände schmutzig machen, und die, die es doch versuchen, sich mit Truck anzulegen, finden schneller ihr eigenes Ende als ihnen lieb ist. Mit Harvard Blue (Yaphet Kotto) bleibt jedoch ein besonders rabiater verbrecherischer Neuemporkömmling übrig, der härtere Geschütze auffährt, und mit einer Horde von Profi-Killern die Jagd eröffnet...

Wo ich nun schon soviel "Black Music" höre, musste ich doch auch mal wieder einen Abstecher ins "Black Cinema" wagen. Und gerade dieser Blaxploitation-Vetreter, dessen hervorragenden Soundtrack ich schon seit Jahren immer mal wieder gerne aufgelegt habe, war schon lange mal fällig.
Da mutet es erstmal schon ein wenig seltsam an, die Soul-Legende Isaac Hayes in der Rolle des sowohl sprücheklopfenden als auch knallharten, man könnte sagen, "modernen Kopfgeldjägers" zu sehen. Sowieso legt der Film eine äußerst eigenwillige Gangart vor, die mit ihrem übelsten Slang (auf keinen Fall auf deutsch schauen!) und gewöhnungsbedürftigen Jokes, zu Beginn mehr wie eine groteske Buddy-Komödie als ein harter Action-Reißer wirkt. Da zwischen den bekloppten Kabbeleien und derben One-Linern aber dennoch so ein verschmitzter Charme hervorfunkelt, gewinnen die beide Raufbolde erstaunlich schnell das Herz des Zuschauers. Zu ernst nehmen sollte man hier jedenfalls nichts, so viel sollte klar sein.
Zupackender wird's dann mit der ersten Verfolgungsjagd, die schön zeigt, wo es hier action-mäßig langgeht. Ab da an gibt es auch keine längeren Atempausen mehr, sondern es folgen weitere Action-Sequenzen, die allesamt recht raffiniert durchorchestriert sind und eben nicht nur im langweiligen Krawall untergehen. Dazwischen setzt es bizarre Highlights, wie z.B. die Beerdigung des Ober-Drogenbosses, bei der die Trauergäste statt Erde Koks auf den Leichnam träufeln. Die weibliche Besetzung, die hier zum großen Teil das horizontale Gewerbe darstellt, hat kaum mehr zu tun als gut auszusehen - und tut das auch. Sogar "Werewolf Woman" Annik Borel hat einen kurzen, aber umso denkwürdigeren Auftritt! Ansonsten, wie sollte es anders sein, regiert an allen Ecken das herrlichste 70s-Flair und der ultra-lässige, unweigerlich fußwippeninduzierende Soundtrack von Isaac Hayes tut das Übrige.

Nach FOXY BROWN, COFFY und SHAFT (das müsste alles sein, was ich an Blaxploitation bisher gesehen habe), ein gelungener Wiedereinstieg ins Genre, der Lust auf mehr macht!

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 15.10.2012 02:37 
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Engelchen macht weiter - Hoppe, hoppe Reiter (Michael Verhoeven, 1969)

Gustl (Mario Adorf) könnte mit seiner Frau Helene (Gila von Weitershausen) im Grunde glücklich sein, ganz zufrieden ist er allerdings nicht. Immerzu schwirrt ihm das Thema Sex im Kopf herum, ständig hört er von wilden Orgien, die die jungen Leute neuerdings zelebrieren. Diese Art des sexuellen Befreiungsschlages hält auch er für die Lösung seiner Probleme, nur seine Frau, die ansonsten durchaus experimentierfreudig ist, will diesen Schritt nicht so ganz mitgehen. Schließlich kann er sie doch überzeugen und die beiden machen sich auf die Suche nach geeigneten Mitstreitern für "eine moderne Freizeitbeschäftigung"...

Weder ein Erotikstreifen, der beständig die nackten Tatsachen serviert, noch eine Komödie, bei der man sich vor Lachen kaum halten kann, aber irgendwo dazwischen ein ziemlich sympathisches und vergnügliches Stück Film, das erstmal ganz klar als Folgeprodukt der sexuellen Revolution anzusehen ist. Die Botschaft lautet dabei wohl: mehr Offenheit ist an sich nichts Schlechtes, aber, vor allem wenn sie zu erzwungen daherkommt, auch nicht der ultimative Weg zur Glückseligkeit. Mario Adorf und Gila von Weiterhausen geben dabei ein nettes Pärchen ab, das nun mal richtig Feuer in sein Liebesleben bringen will, aber sich zwischen den exzessiven Parties der jüngeren Generation und dem bemüht fortschrittlichen Gehabe anderer Eheleute nicht wirklich zu recht findet. Genau daraus entsteht dann auch die Komik, wenn die beiden z.B. Kontaktanzeigen aufgeben, um gleichgesinnte Paare für ihre große Orgie zu finden, und anschließend in gut-bürgerlicher, verkrampft-aufgeschlossener Atmosphäre die ersten Annährungen stattfinden. Mitunter entgleist der Humor auch in Richtung schön skuriller Szenarien, dazu hin und wieder mild subversive Zwischentöne, bevor es am Ende bei einer wild ausufernden Party nochmal richtig zur Sache geht - was genau das bedeutet und wie es alles endet, muss sich jeder selbst anschauen.

Von der Machart her zwar teilweise etwas hausbacken und halt sehr "deutsch", aber das fügt sich ja mit Blick auf die inhaltliche Ebene irgendwo auch stimmig ins Gesamtbild ein. Macht auf jeden Fall Spaß, kann man mal gesehen haben.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 15.10.2012 02:39 
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Unschuld im Kreuzverhör (Damiano Damiani, 1960)

Die 14-jährige Silvana (Laura Vivaldi) schwärmt für den smarten Schönling Gino (Pierre Brice), der bei ihr in der Nachbarschaft wohnt und als Vertreter tätig ist. Die ersten Versuche, ihn zaghaft anzusprechen, werden von ihm natürlich kaum ernst genommen, doch sie versucht es immer mal wieder. Eines Tages wird im gleichen Wohnkomplex eine Prostituierte ermordet. Ein Verdächtiger wird zwar auf die Schnelle verhaftet, doch die Beweislage ist äußerst dünn und die restlichen Bewohner schweigen sich aus, um ja nicht in irgendwelche anrüchigen Angelegenheiten hineingezogen zu werden. Als Silvana im Rahmen dieser Vorkommnisse Gino mal wieder in ein Gespräch verwickelt, erwähnt sie mehr beiläufig, dass sie ihn doch letztens aus der Wohnung der Mordopfers hat kommen sehen. Dies lässt ihn hellhörig werden, könnte ihn das bis dahin noch harmlose Geplänkel seiner pubertierenden Anbeterin schließlich nun schon bald in echte Schwierigkeiten bringen, wo doch gerade auch noch die Hochzeit mit seiner Verlobten bevorsteht...

Das ist sie also, die erste Regiearbeit von Damiano Damiani, der sich mit diesem kleinen Film einer vordergründig unspektakulären, aber umso feiner gestrickten Kriminalstory angenommen hat. Wo andere Filme den Bogen manchmal unnötig weit spannen, so dass man als Zuschauer nicht selten Überblick und Interesse verliert, wurde hier auf einen klar abgesteckten Mikrokosmos reduziert, in dem jedem Detail, jeder Handlung und jedem Charakterzug eine essentielle Bedeutung zukommen kann. Dafür muss vor allem aber ein Zugang zum Geschehen und zu den Charakteren möglich sein, und gerade das ist Damiani mit einer fast schon wundersam unaufdringlichen Leichtigkeit gelungen. So z.B. bei der Rolle der jungen Silvana, die überraschend gut als Identifikationsfigur taugt, gerade weil sie weder zu theatralisch noch zu dümmlich angelegt ist, sondern den trockenen Ermittlungen eine verständnisvoll-naive und damit rührende Dimension verleiht. Auf der anderen Seite Pierre Brice als so aalglatter wie undurchsichtiger (der Mangel an Mimik passt durchaus ins Konzept), jedoch auch nicht komplett unsympathischer Frauenschwarm, bei dem die Frage im Raum steht: Ist ihm auch ein Mord zuzutrauen? - Damit eng verbunden: Wie wird sich Silvana verhalten? Wird sie erzählen, was sie weiß bzw. behauptet zu wissen? Ist auf ihr Gerede überhaupt viel zu geben? - Während diese recht geschickt eingefädelten erzählerischen Kniffe die Spannung sanft, aber stetig am Köcheln halten, sorgen als Location karge Plattenbauten für urbanes Lokalkolorit, und als hintergründige musikalische Untermalung schlagermäßiger Singsang sowie nette Klavierklänge für zeitgemäßes Flair. Ebenfalls nicht verzichten muss man auf die Damiani-typischen Spitzen, welche in diesem Fall, wenn auch noch auf zurückhaltendere Weise, vor allem auf die gesellschaftlich-familiäre Ebene und den Polizeiapparat abzielen.

Ein Film, bei dem man nicht nur gerne dran bleibt, schlichtweg um zu sehen, wie es weitergeht und wie es sich auflöst, sondern (was vielleicht sogar noch wichtiger ist) der trotz der eher düsteren Thematik auf seltsame Weise eine anheimelnde Wohlfühlatmosphäre ausstrahlt. So muss Kino funktionieren!

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 15.10.2012 02:44 
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King Frat (Ken Wiederhorn, 1979)

An der Yellowstream University stehen sich zwei Stundentenverbindungen gegenüber. Die einen sind die Alphas, reiche Schnösel aus gutem Hause. Die anderen nennen sich Pi Kappa Deltas, die nicht ohne Grund von ihrer Umgebung die Spitznamen Keiler und Wildsäue verpasst bekommen haben. An ernsthaftes Studieren denken die Deltas natürlich nicht im Traume, stattdessen steigen in der verdreckten Bruchbude, die sie ihr Zuhause nennen, tagein tagaus die wildesten Parties und ausuferndsten Sauforgien. Oder sie cruisen mit ihrem "Official Car", das stark nach einem ausrangierten Leichenwagen aussieht, duch die Gegend und verschrecken arglose Passanten und Mitstudierende. Nächstes Ziel ist jedoch erstmal ein Furz-Wettbewerb, bei dem ein satter Gewinn winkt. Wie gut ist es da doch, wenn man noch einen Vorzeigestreber im Hause hat, der wissenschaftlich fundierte Ernährungstipps geben kann, die für die idealen Teilnahmevoraussetzungen sorgen sollen. Und wenn das nicht hilft, dann hat der dauerstudierende, kriegsgeschädigte Indianerhäuptling, dessen Studium die Armee bezahlt, auch noch ein paar althergebrachte Rezepte auf Lager. Am Ende kommt allerdings alles ein wenig anders. Nebenbei muss noch ein Neuzugang eingeweiht werden. Außerdem ist da noch die Universitätsleitung, die von diesen Zuständen natürlich schon lange die Schnauze voll hat, und zum Gegenangriff startet...

Großartig, genial, total daneben, aber der Hammer schlechthin - auf solche Funstücke habe ich gehofft, im Jahr der Komödie! Nach dem Wahnsinn der bereits in den ersten 20 Minuten, mit der Einführung der Charaktere, auf einen niederprasselt kann man eigentlich nur platt sein. Und zugegeben, dieses Tempo hält der Streifen auch nicht konstant durch. An Lichtblicken (oder sollte man sagen: "Abgründen"?) nebst herrlich bekloppter Einfälle besteht jedoch kein Mangel. Wer nun vermutet, es handle sich lediglich um ein weiteres, mit ekligem Fäkal-Humor vollgepumptes Machwerk liegt ziemlich daneben. Trotzdem schlägt der Film so derb über die Stränge, wie sicher nur wenige seiner Genrekollegen. Wie passt das zusammen?
Ganz einfach: Regisseur Ken Wiederhorn ist das seltene Kunststück gelungen, Grossout-Humor auf sympathische, liebenswürdige, gutmütige Weise zu zelebrieren! Das heißt, immer wenn man sich denkt "jetzt ist das Maß voll, jetzt wird's echt zu bescheuert!" hängt der Film noch einen charmanten Schlenker dran, und kriegt damit elegant im letzten Moment die Kurve. Ja sogar die exzentrischen Charaktere und ihre abstoßenden Verhaltensweisen wachsen einem ein bisschen ans Herz. Klar sollte sein: auf der Story-Ebene braucht man nicht krampfhaft nach Kohärenz zu suchen, stattdessen herrscht Episodenhaftigkeit. Ist doch aber völlig schnuppe, wenn die extrem kurzweilige Sause sich eh viel lieber im schönsten Irrsinn suhlt.
Was nun die Vergleiche mit dem ein Jahr eher enstandenen ANIMAL HOUSE sollen, kann ich schlecht nachvollziehen, da ich den noch nie gesehen habe. Sicher muss man davon ausgehen, dass aus dieser Richtung herrührende Ideen als Inspiration gedient haben, aber im Moment kann ich mir kaum vorstellen, dass er mit KING FRAT mithalten kann - somit hat man es hier mit einem echten Geheimtipp zu tun. Und auch wenn dieses Sub-Genre der College-Komödie noch in den 80er-Jahren fleißig beackert wurde, dürfte mit großer Wahrscheinlichkeit, wie immer, die Grundregel gelten: was später noch gut war, war in den 70ern besser, originärer und origineller! Ich weiß, ich wiederhole mich, aber wenn's nun mal so ist.

Gags nachzuerzählen macht kaum Sinn, daher lautet das Motto: selber anschauen, Spaß haben und anschließend zusehen, wie man diesen unverschämt eingängigen Titelsong wieder aus dem Kopf kriegt.

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Die unbesiegbaren Drei (Gianfranco Parolini, 1964)

Rivalitäten zwischen zwei Völkern. Ursus (Sergio Ciani aka. Alan Steel) taucht mit zwei trotteligen Gehilfen im Städtchen auf. Die Drei werden von der herrschenden Regierung für Spione der Gegenseite gehalten, und sollen unschädlich gemacht werden. Zu den Vetrauten des Königs zählt auch ein falscher Ursus (Mimmo Palmara), der sich mit diesem Namen lediglich schmückt. Der Sohn des Königs, Prinz Karim (Vassili Karis), distanziert sich von seinem Elternhaus. Er und die Schwester (Rosalba Neri) des Anführers (Nello Pazzafini) des vertriebenen Volkes verlieben sich. Ein Duell zwischen dem richtigen und dem falschen Ursus soll ein für alle mal für klare Verhältnisse sorgen...

Mann, Mann, Mann - selten so wenig Lust gehabt, eine Inhaltsangabe zusammenzukritzeln! Ist aber auch wirklich arg belanglos, diese Ansammlung von Versatzstücken aus dem Monumentalfilm-Baukasten, die in ihrer ausgelutschten Formelhaftigkeit nur mit Müh und Not bei der Stange halten. Die regelmäßig einsetzenden Prügeleien, welche immerhin schon ein bisschen von der für Parolinis Filme typischen Akrobatik vorwegnehmen, sind, dem Dauergrinsen aller Beteiligten nach zu urteilen, wohl komisch gemeint. Haha, selten so gelacht! Lustiger ist nur noch der stotternde und etwas minderbemittelte Sidekick! Wenn sich auch sonst lähmendes Desinteresse breitmacht, kann zumindest eine in schmucke Gewänder gekleidete Rosalba Neri noch ein wenig Glanz in die Produktion bringen. Sie hat halt einfach so eine liebreizende Aura, die dem ein oder anderen männlichen Zuschauer diese filmgewordene Durststrecke sicher ein klein wenig versüßen sollte. Ist ja auch nur fair, wo doch das weibliche Publikum (gibt es auch nur eine Frau auf der Welt, die sich solche Streifen anschaut?) bereits zu Genüge mit dem noch knapper bekleideten und stets gut geölten Charmebolzen Alan Steel abgespeißt wird. Durchhaltevermögen wird dennoch belohnt, mit immerhin einer großartigen Szene, in der der erblindete Ursus im Kerker einem abgemagerten Hund sein Leid klagt - wahrlich herzzerreißend stellt sich dieser Monolog dar, den ich zum Abschluss kurz zitieren möchte:

"Was ist denn das für ein Besuch? Na komm, ich tu dir nichts, und du wirst einem armen Blinden wohl auch nichts tun. Du hast wohl Hunger, was? Armer Bursche. Keiner kümmert sich um dich. Du bist ebenso verlassen, wie ich. Ich kenne die Menschen nur zu gut. Wenn sie einen nicht mehr brauchen, geben sie einem einen Tritt. Wir haben beide das gleiche Schicksal. Wir haben beide geglaubt, dass die Menschen gut und edel wären. Und das ist jetzt der Dank dafür - ich bin blind und du musst hungern. Lass nur, du armer Kerl, ich gebe dir Zufressen. Komm jeden Tag her, dann teilen wir alles, was ich bekomme. Wir leisten uns gegenseitig Gesellschaft, dann haben wir beide das Gefühl, dass wir nicht ganz verlassen sind. Schade, dass ich dich nicht sehen kann - und du nicht sprechen kannst, um mir zu sagen, wie du heißt. Ich werde dich 'Freund' nennen. Es ist das schönste Wort, das es auf der Welt gibt."

Damit ist alles gesagt.

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Die erste Nacht (Alberto Cavalcanti, 1958)

Die High Society Venedigs, Tummelplatz der Reichen und Schönen. So manch einer, der sich in diesen Kreisen bewegt, spielt jedoch ein doppeltes Spiel, und ist lediglich darauf aus, sich durch Hochstapelei zu bereichern. Zu dieser Sorte zählt auch Gerard Chevalier (Philippe Nicaud), Spross einer Gaunersippe, die ihn damit beauftragt, sich als Prinz auszugeben und einer kürzlich eingetroffenen und augenscheinlich sehr vermögenden Venedig-Besucherin aus Paris (Martine Carol) den Hof zu machen...

Erwähnte ich bereits, dass der Film sich vor allem um schöne Menschen an schönen Orten dreht? Abgesehen von den traumhaften Venedig-Impressionen, die Kameramann Gianni Di Venanzo (ACHTEINHALB; DAS ZEHNTE OPFER) breitbildfüllend und mit ausgesprochenem Sinn für Ästhetik arrangiert hat, ist da erstmal nicht viel mehr als ein leidlich unterhaltsames Schaulaufen der Schickeria. Snobs aus aller Herren Ländern unterhalten sich mit penetrant-nervigen Akzenten über Dinge, die niemanden interessieren - von Spannung oder Humor kann kaum die Rede sein. Selbst der Kontrast dazu, also das Leben der Gaunerfamilie (übrigens exzellent besetzt, mit Vittorio De Sica, der einmal mehr als Gentleman-Gangsters brilliert, und einer entzückenden Claudia Cardinale in einer ihrer ersten Rollen), ist nicht wirklich aufregender. Allen Unzulänglichkeiten zum Trotz, sind es aber dieses hochkarätige Darsteller-Ensemble und die noble Kulisse, die dafür sorgen, dass die seichte Berieselung zumindest auf hohem Niveau stattfindet. Eine ganz gelungene und visuell wieder grandios umgesetzte Idee gibt es immerhin noch gegen Ende, als ein alter heruntergekommener Palast kurzerhand auf orientalisch getrimmt wird, um die Illusion für die Hochzeitsnacht des falschen Prinzen perfekt zu machen.

Toll anzusehen von Anfang bis Ende! Mehr braucht man jedoch kaum zu erwarten. Letztendlich nicht wirklich schlecht, sondern eher ambitioniert gescheitert und seltsam uninteressant. Mit den richtigen Erwartungen eventuell dennoch einen vorsichtigen Blick wert.

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Mai 2012


Ich, die Nonne und die Schweinehunde (Ernst R. von Theumer, 1972)

In einem miesen Frauenknast sehen sich die Inhaftierten Tag für Tag den Schikanen der Wärterinnenn augesetzt. Schwester Maria (Monica Teuber) will diese Zustände nicht länger hinnehmen, und schlägt vor, einer Gruppe von Frauen, für deren seelisches Wohl speziell sie sich verantwortlich fühlt, die Möglichkeit zu geben, dem drögen Knastalltag ein wenig zu entfliehen, indem sie im nahgelegenen Kloster mitarbeiten dürfen. Gesagt, getan; doch diese Gelegenheit wissen die toughen Girls prompt auszunutzen: die lüsternen Wachposten werden überwältigt, schnell schlüpft man in Nonnenkostüme und der Weg in die Freiheit scheint nicht mehr weit. Die Freude ist jedoch nur von kurzer Dauer, denn eine Bekannte, die ihnen eigentlich Unterschlupf bieten sollte, lockt sie in eine Falle - genauer gesagt, in die Fänge von schmierigen Mädchenhändlern (u.a. William Berger & Gordon Mitchell!). Gott sei Dank, ist einer der Mittelsmänner (Tony Kendall) allerdings eine gute Seele, und verhilft den Damen mit tatkräftiger Unterstützung zur Flucht durch die Wüste, wo jedoch schon die nächsten Gefahren lauern...

Das nenne ich doch mal wieder eine erfreuliche Überraschung in Sachen: Unglaubliches aus Bella Italia! Ein wilder Exploitation-Ritt, der vorerst gänzlich offen lässt, in welche Richtung die Reise gehen wird, und schließlich sowohl mit rumpelig-rustikalen Action-Trash als auch mit bizarr delirierenden Momenten des Irrsinns das Herz erfreut. Wer auch immer dieser ominöse Herr von Theumer ist, der sich in dieser ansonsten hauptsächlich italienischen Produktion auf dem Regiestuhl niedergelassen hat - er hat offensichtlich gewusst, was er tut. Die Richtung ist dabei weder wirklich WIP noch Rape-n-Revenge, sondern viel mehr westernmäßig staubige Wüsten-Action, irgendwo zwischen Dilettantismus und genialischen Einfällen. Nicht zu vergessen, die zotig-plumpe Deutschsynchro, die sich in diesem Fall wunderbar dem Geschehen anpasst, und desöfteren ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Dass der Film nicht vollkommen zum lachhaften Klamauk verkommt, dafür sorgen jedoch das solide Maß an Suspense sowie hin und wieder recht heftige Sadismen. Ferner beschert die Tatsache, dass die Nonne ihre verirrten Schäfchen auch unter diesen widrigen Umständen nicht im Stich lässt, sondern beständig an ihrer Seite ist, dem Film eine seltsame, aber nicht uninteressante spirituell-religiöse Aura. Inszenierungstechnisch eher schlicht, aber effektiv umgesetzt und stellenweise durchaus atmosphärisch. Was den Cast betrifft, auf Seite der Frauen viele Unbekannte, die ihre Sache recht ordentlich machen. William Berger cool und lässig, wie üblich. Gordon Mitchell wieder mal grandios als reichlich verplant wirkender, frauenhandelnder Obermotz, dem man dank seiner bewährt diabolisch-verschmitzen Art einfach nicht böse sein kann. Und Tony Kendall verbucht als charmanter Retter und Beschützer der Ausreißerinnen die Sympathien. Dazu noch schmissiger Sound von Elsio Mancuso und Berto Pisano - und fertig sind prall gefüllte, abenteuerliche und kuriose 80 Minuten.

Schön eigenwilliges Italo-Kino, das ich in exakt dieser Ausprägung noch nie oder noch nicht so oft gesehen habe. Ein bisschen Trash-Toleranz vorausgesetzt, in jedem Fall eine spaßige Angelegenheit. Welches Label nimmt sich dem Streifen nun an?

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Verführung einer Nonne (Pier Giorgio Feretti, 1975)

Vittorio (Gino Milli), den es als Student in das pralle Leben von Italiens Hauptstadt verschlagen hat, kehrt eines Tages in sein Heimatdorf zurück. Dort besucht er seinen Onkel (Lionel Stander), von dem gesagt wird, er liege im Sterben, wobei nicht klar ist, wie dramatisch sein Zustand wirklich ist. Von Mitleid will er jedenfalls nicht wissen und auch seinem Neffen will er nicht übermäßig zur Last fallen. Somit wird eine junge Novizin (Gloria Guida) engagiert, die ihm in gesundheitliche Dingen etwas beisteht, während Vittorio mit zwei alten Kumpels erstmal gebührend die Sau rauslässt. Lange dauert es jedoch nicht, bis es zwischen ihm und der im züchtigen Nonnengewand versteckten Schönheit funkt - ein Erwachen der Leidenschaft, mit weitreichenden Konsequenzen...

Ach herrje, was hätte man aus so einer Vorlage alles machen können, und was für ein halbgares und durchwachsenes Kuddelmuddel ist es letztendlich geworden! Dabei macht der Anfang noch gar keinen so schlechten Eindruck: die altbewährte Geschichte von einem jungen Menschen, der nach einiger Zeit wieder seine Heimat besucht, und dort sowohl mit Veränderungen konfrontiert wird, als auch von Erinnerungen und Sehnsüchten heimgesucht wird, besitzt durchaus so etwas wie klassischen Charme, welcher in Verbindung mit dem naturverbundenen, in sich abgeschlossenen Setting eine stimmige Einheit anklingen lässt -schnell jedoch unter einer überaus unentschlossenen Gangart zu leiden hat.
Man kennt sie ja, diese gerade im italienischen Kino so häufig vertretenen Werke, die über sämtliche Genre-Grenzen hinweg und trotz (oder eben gerade aufgrund) ihrer Gegensätze eine Faszination entwickeln, der man sich nur schwer entziehen kann. Genau diese macht sich hier jedoch rar und blitzt nur in den seltensten Momenten auf. Stattdessen herrscht also eine weitgehend unbefriedigende Unausgewogenheit vor, die besonders durch die Unterschiede zwischen der italienischen und der deutschen Fassungen (welche ja anhand der Untertitel-Passagen auseinanderzuhalten sind) veranschaulicht wird. Hierzulande hielt man es offensichtlich für eine gute Idee, den Film als vordergründig erotisches Gloria-Guida-Vehikel zu vermarkten, was jedoch aufgrund des akuten Mangels an Nackt- und Erotik-Szenen zum Scheitern verurteilt war, weshalb letztendlich radikal gekürzt wurde und Sex-Szenen aus anderen Filmen hinzugefügt worden. Eine völlig unbrauchbare Fassung also, die man sich sicher sparen kann. Das Problem ist jedoch, dass die italienische Originalversion leider nicht wirklich die erhoffte, große Verbesserung darstellt. Angesichts der Tatsache, dass es hauptsächlich lange Dialog-Passagen waren, die der Schere zum Opfer gefallen sind, könnte man ja nun auf mehr Tiefgang und sinnvollere Zusammenhänge hoffen. Allerdings bestehen ausgerechnet diese zusätzlichen Szenen vor allem aus zotigen, klamaukigen und unnötig geschwätzigen Episoden, rund um die drei wiedervereinten Freunde. Diese bringen die Handlung kein Stück voran, entbehren beinah jeglichen Unterhaltungswerts und wollen sich wieder so gar nicht mit der ansonsten eher nachdenklichen Stimmung vertragen.
Bleibt noch die große Frage: sind denn mit Blick auf Besetzung und inszenatorische Qualitäten wenigstens noch ein paar Pluspunkte drin? Nun ja, mehr oder weniger: die Musik des von mir sehr geschätzen Berto Pisano fällt leider nur wenig memorabel aus und kann lediglich als hier und da ganz nett bezeichnet werden. Bei Gloria Guida muss ich mich echt fragen, ob es alleine an ihrer bezaubernden Präsenz liegt, dass die Szenen, in denen ihr Charakter näher beleuchtet wird, die stärksten und gelungensten Momente sind. Vergessen zu erwähnen darf ich jedoch nicht, dass auch die oft und gerne gesehene Femi Benussi wieder mitmischt, von der ich natürlich genauso treuer Fan bin, wie von erstgenannter - und wenn Gloria Guida der unschuldige Zauber in Person ist, dann ist Femi Benussi die Verkörperung der sinnlichen Versuchung und sorgt damit, als eiskalt fremdgehende (da inzwischen verheiratete) alte Liebe von Vittorio, in dem insgesamt recht zahmen Filmchen noch am ehsten für einen Hauch offensiver Erotik.

In dem Fall habe ich mir doch deutlich mehr versprochen, eben weil ich mit "solchen Filmen" aus "dieser Zeit" normalerweise sehr viel anfangen kann. Hier will jedoch so einiges nicht miteinander harmonieren und über große Strecken bleibt der Eindruck einen vertanen Chance.

Meine kurze, unqualifizierte Einschätzung zur VÖ von Red River:

Bild: okay, aber nicht überragend
dt. Ton: ziemlich dumpf und kratzig, stellenweise etwas schwer verständlich
Untertitel: hin und wieder kleine Fehler, außerdem wirken sie recht sparsam gesetzt (wenn eigentlich noch mehr geredet wird), bei einem kurzen Dialog fehlen sie sogar mal komplett

In etwa vergleichbar mit den Italo-Komödien-VÖs von MIG, nur dass die noch etwas sorgfältiger gearbeitet haben und weniger als die Hälfte des hier angesetzten Preises für ihre Scheiben verlangt haben.

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Lorna, the Exorcist (Jess Franco, 1974)

Patrick Mariel (Guy Delorme) wirkt wie ein Mann, der mit beiden Beinen im Leben steht, sowohl in Familiendingen als auch im Geschäftlichen scheint er alles im Griff zu haben. Gerade als anlässlich des 18. Geburtstages seiner Tochter Linda (Lina Romay) einige Feierlichkeiten geplant sind, holt ihn jedoch seine Vergangeheit wieder ein. Vor ungefähr 19 Jahren, als es ihm noch weitaus dreckiger ging, lernte er in einem Casino die mysteriöse Lorna Green (Pamela Stanford) kennen, welche ihm zu Glück und Reichtum verhalf, woraufhin er ihr im Gegenzug seine damals noch ungeborene Tochter versprechen musste. Nun, wo diese erwachsen ist, dringt Lorna wieder in sein Leben ein, um ihren Anspruch geltend zu machen...

Der Vorhang geht auf, Lina Romay und ein bizarr geschminkte Blondine räkeln sich eine gefühlte Ewigkeit im Bett, während im Hintergrund eintönig die Musik leiert und die Kamera die lesbischen Annäherungen eher spröde einfängt. Nach verwirrenden Einstiegsschwierigkeiten offenbart sich die Handlung als zwar reichlich geheimnisvoll, aber doch nicht übermäßig kompliziert. Der treusorgende Familienvater wird also von einer Dämonin der Vergangenheit heimgesucht, was in dieser Konstellation durchaus was von einem modernen Märchen hat. Zumal diese Küstenstadt, durch die ein seltsam fremdartiges Flair weht, als Setting keine schlechte Wahl ist. Bei solchen Ansätzen gehört es ja gewissermaßen schon zum guten Ton, dass auf erzählerische Substanz im klassischen Sinne großzügig verzichtet wird. Wer will denn auch ständig irgendwelche langweiligen Geschichtchen im Detail vorgekaut kriegen? Problematisch wird es allerdings dann, wenn sich auch in Sachen Atmosphäre gar nicht mal so viel tut und Franco sich mehr denn je in prätentiösen Geduldsproben ergeht. Da werden einzelne Sequenzen immer wieder bis zum Äußersten zerdehnt, ohne dass daraus irgendeine den Film voranbringende Wirkung entstünde. Dazwischen liefert die Kamera entweder lähmende Statik oder wildes Gezoome. Und die größtenteils unästhetischen und unnötig expliziten Sexszenen taugen auch nicht wirklich als Bereicherung (und da behaupten Leute ernsthaft, die Sexszenen bei D'Amato wären unerotisch?). Fairerweise möchte ich noch erwähnen, dass sich irgendwo in diesem ausgewalzten Nichts auch ein paar faszinierende Momente versteckt haben, aber die Verhältnismäßigkeit stimmt hier einfach nicht mehr.

Wen wundert's bei solchen Filmen, dass Jess Franco immer wieder die Gemüter spaltet. Für mich war das in diesem Fall schlichtweg zu wenig. Ja ich war sogar ein bisschen verärgert darüber, was der Meister hier verzapft hat.

Wer sich trotzdem selber ein Bild machen will: mit der US-DVD von Mondo Macabro ist man gut bedient!

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Liebe, Brot und Eifersucht (Luigi Comencini, 1954)

Der Offizier Carotenuto (Vittorio De Sica) ist entschlossen, den Dienst zu quittieren, da seine angebetete Annarella (Marisa Merlini) bereits einen unehelichen Sohn hat, was sich im Falle einer Hochzeit nicht mit den Dienstvorschriften vertragen würde. Eine weitere, nicht ganz unproblematische Beziehung entwickelt sich währenddessen zwischen dem jungen Carabiniere, Pietro (Roberto Risso), und der Dorfschönheit aus einfachem Hause, Maria (Gina Lollobrigida). Die brodelnde Gerüchteküche, Eifersuchtsszenen und Missverständnisse sorgen jedoch dafür, dass das frische Liebesglück ebenso schnell ins Wanken gerät. Ist ein versöhnliches Ende noch möglich?

Luigi Comencini, ohne Zweifel einer der Großen, aber auch ein bisschen Vergessenen des klassisch italienischen Kinos, hat sich im Laufe seiner Karriere desöfteren auf den Grenzpfaden zwischen dem Dramatischen und Komödiantischen bewegt. In dem Fall ist das Ergebnis zu allererst mal weitestgehend beschaulich und unspektakulär; fast möchte man denken, altbacken und banal. Wären da eben nicht die Charaktere, die einem mit ihren Sorgen und Hoffnungen doch ein bisschen ans Herz wachsen. In dieser Hinsicht wird vor allem Gina Lollobrigida als toughes (und nebenbei auch sehr attraktives) Bauernmädel, das sich gegen die geschwätzige Dorfbevölkerung und alte Lüstlinge durchsetzen muss, zur Sympathieträgerin. De Sica als charmanter Gentleman oder heimlicher Casanova - man weiß es nicht so recht - ebenfalls eine schöne Besetzung. Ansonsten bleibt der Film tatsächlich in sehr gemäßigten Bahnen und überlässt weder der Komik noch der Tragik das Feld. Was bleibt, liegt irgendwo dazwischen und verbindet diese Elemente auf natürlich Weise zu einer Art Momentaufnahme des dörflich-italienischen Lebensgefühls. Dabei werden nicht aufdringlich Botschaften vermittelt oder Schicksale drastisch aufgebauscht, sondern es wird lediglich ein kleine, scheinbar unbedeutende Geschichte erzählt, die passabel unterhält, und vielleicht ganz schlicht wirklich einfach nur Menschlichkeit vermitteln will.

Nichts Weltbewegendes, das man unbedingt gesehen haben muss. Aber wenn man mal über den Film stolpert, dann vielleicht doch mal eine Chance geben, nichts Besonderes erwarten, und ein bisschen wirken lassen.

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Car Wash (Michael Schultz, 1976)

Ein Freitag in der "Dee-Luxe-Carwash" in Los Angeles. Was den Laden von der modernen Konkurrenz unterscheidet, ist die Tatsache, dass bei ihnen noch per Hand gewaschen wird ("We Give the Best Handjob in Town!"). Die Angestellten sind allesamt ziemlich schräge Typen, die den Job im Allgemeinen eher locker nehmen, aber auch nicht immmer Bock haben auf die mies bezahlte Schufterei. Und so vergeht der Tag dann also mit kleineren Höhepunkten und Katastrophen, skuriller Kundschaft und noch skurilleren Zwischenfällen. Da schaut z.B. ein seltsamer Prediger namens Daddy Rich (Richard Pryor) vorbei, der seinen Jüngern im Tausch gegen harte Dollars das Himmelsreich verspricht. Der faule Sohn des Chefs ist auch mal wieder im Lande, und identifiziert sich neuerdings mit der Arbeiterklasse, was sich jedoch darauf beschränkt, dass er fleißig aus seiner Mao-Bibel zitiert. Und das ist nur eine kleine Auswahl der Vorkommnisse, die so kurz vor dem Wochenende noch ordentlich die Nerven strapazieren...

Ok, dachte ich mir, klingt nicht übel, bestimmt ein Klassiker aus den 70ern, den man mal gesehen haben sollte - was am Ende dabei herausgekommen ist, war aber doch kaum mehr als eine herbe Enttäuschung. Dass große Spannung oder eine ausgeklügelte Geschichte nicht zum Konzept gehören, war ja von Anfang an klar, aber auch als Mood-Picture, dass einem schlichtweg an den Wirrungen eines Tages oder einer Nacht teilhaben lässt (man erinnere sich mal, wie faszinierend das bei Meisterwerken wie AFTER HOURS funktioniert hat), bringt's das Teil nicht wirklich. Das fängt schon bei den Figuren an, die die Bezeichnung "Charaktere" kaum verdienen, und meistens nur nerven mit ihrer Exzentrik. Weiter geht's mit den Gags und Verwicklungen, die sowas von platt und einfallslos nach Schema F abgespult werden, dass sie nur in den seltensten Fällen ein Lacher hervorkitzeln können. Das dann obendrein auch noch angereichert mit ungelenkem Sozialkommentar.

Nee nee, da können auch die bildschöne 70er-Ästhetik und der einigermaßen schmissige Soundtrack, von dem ich mir allerdings auch mehr versprochen habe, nicht mehr viel ausrichten. Keine Ahnung, ob's der Regisseur verbockt hat, oder wem man hier die Schuld geben soll. In jedem Fall mangelt es an einem sympathischen Element oder magischen Funken, der gerade bei solchen Filmen, die nicht dem klassischen Story-Muster folgen, unverzichtbar ist. Im Nachhinein betrachtet, war es vielleicht auch keine gute Idee, den auf deutsch zu schauen, aber jetzt nochmal auf englisch muss auch nicht sein.

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High Society Club (Derek Ford, 1983)

Oha, was hat sich dieser Derek Ford denn hier gedacht? Also dieses Geschichtchen um diverse Frauen auf dem sexuellen Selbstfindungstrip will leider so gar nicht in Fahrt kommen. Jegliche, bemühte Versuche, die schablonenhaften Charakterisierungen etwas zu vertiefen, arten dabei nur zu weiterem unnötigen Ballast aus. Mit Blick auf diese gängigen Kriterien, denen sowieso eine viel zu große Wichtigkeit beigemessen wird, also ein ziemlicher Reinfall. Dann sind da aber eben noch die typischen Erotikfilm-Qualitäten, will sagen, die Hauptdarsteller heißen mal wieder Setting, Atmosphäre und Musik: altehrwürdige venezianische Bauten treffen auf grell-schummrige Lichtspiele, unterlegt mit hauchigem Liedgut und schwülstigem Klaviergeklimper - genau diese unverblümt blumige Hingabe zur romantisch-sinnlichen Stimmung ist es doch, was das Erotikgenre ausmacht! Da können sich Story und Charaktere ruhig in die Bedeutungslosigkeit verabschieden, würden sie doch sowieso nur einen Störfaktor darstellen. Das ist die Ebene, auf der der Film genießbar wird, wenn man sich erstmal mit der extrem entschleunigten Gangart arrangiert hat.

Angenehmer Stoff für einen schwül-warmen Sommerabend, auch wenn's für mich letztendlich nicht ganz zu einem echten Überflieger reicht.

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Sexuelle Gelüste triebhafter Mädchen (Filippo Walter Ratti, 1971)

Jean Duprey (Pierre Brice), der als Journalist gerade wieder ein paar Heldentaten vollbracht hat, verbringt einen gemütlichen Abend mit seiner Frau Danielle (Patrizia Viotti) - da erreicht ihn unerwartet ein mysteriöser Brief von seinem alten Bekannten, Guillaume de Saint Lambert (Mario Carra), bei dem es sich wohl um einen nicht ganz gewöhnlichen Zeitgenossen handelt. Um seinen Zustand besorgt, macht sich Duprey zusammen mit seiner Frau kurzerhand auf den Weg zu dessen Schloss, wo dann auch tatsächlich einiges im Argen liegt: der Hausherr hat erschreckende Entdeckungen hinsichtlich seiner Familienhistorie gemacht und rückt dem Wahnsinn immer näher, seine Frau ist eine reichlich undurchschaubare Erscheinung, und das unheilvolle Treiben wird schließlich komplettiert durch zwei bizarre Todesfälle, für die die Polizei keinerlei Erklärung hat, außer ein paar Anzeichen, die wieder auf den Dunstkreis der Familie Lambert hindeuten...

Das sollte zur Story genügen, zumal es auch wirklich recht verworren zugeht, so dass die Charaktere z.B. ständig erwähnen, wie "strange" das doch alles ist - womit wohl auch die Perspektive des Zuschauers gut beschrieben ist. Aber so soll es ja gewissermaßen auch sein, denn es wäre ja schade, wenn man sich, gerade im phantastischen Genre, nur an rationale Nachvollziehbarkeit klammern wöllte. Pierre Brice macht sich mit seiner gewohnt hölzernen Spielweise erstaunlich gut in der Rolle des relativ planlos umherschleichenden Hobby-Ermittlers, der all diesen Rätselhaftigkeiten auf den Grund gehen will und nebenbei noch seine Frau, der in dem finsteren Gemäuer gar nicht wohl zu Mute ist, aufmuntern muss. Ansonsten nicht viel Prominenz im Cast zu vermelden, wobei der genretypische Part "geheimnisvoll-verführerische, dunkelhaarige Schönheit" von der wenig bekannten Angela De Leo mehr als ordentlich gemeistert wird.
Soweit also alles im grünen Bereich, es gibt jedoch Wichtigeres zu berichten: z.b. dass bereits der stimmungsvolle Vorspann mit Carlo Savinas vorzüglichem Score perfekt die erwünschte Gothic-Atmosphäre einläutet und umso schöner ist es dann, wenn der Film dieses Niveau auch tatsächlich über weite Strecken hält. Klar wird da zwischendurch auch mal das Tempo ein bisschen rausgenommen, aber die visuelle Pracht macht diese kleineren Längen mehr als wett. Schloss-Setting, Kunstnebel en masse und kräftig leuchtende Farben - das sind die bewährten Zutaten, die auch hier wieder mit wunderbaren Resultaten fusioniert werden. Besonders hervorzuheben sind vor allem diese ominösen Opferzeremonien, in die man wie losgelöst von Raum und Zeit der filmischen Realität entführt wird, und da einen die Bilder so in ihren Bann ziehen, vergisst man schon fast zu fragen, was hier eigentlich vor sich geht. Für ein filmisches Delirium a la Poselli fehlt dann zwar doch die letzte Konsequenz, aber es bleibt bei einem rundum gelungenen und teilweise auch akzentesetzenden Vetreter der späten (und ja eigentlich auch letzten großen) Gothic-Welle, die in den frühen 70ern nochmal ein paar echte Schätze hervorgebracht hat.

Für Leute, die sowas mögen, eine Pflichtveranstaltung, die den Wohlfühlfaktor schnell in die Höhe treiben dürfte.

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Trio der Lust (Leopoldo Savona, 1972)

Graf Lionello (Mark Damon) erwartet auf seinem Anwesen mit Freude die Ankunft seiner Schwester (Claudia Gravy), zu der er - so könnte man es wohl ausdrücken - ein sehr inniges Verhältnis hat. Die glückselige Stimmung verschlechtert sich jedoch augenblicklich, als diese ihm mitteilt, sie habe inzwischen geheiratet, und ihr Mann (Aldo Bufi Landi) ist ebenfalls mit von der Partie. Wie passt diese Ausgangssituation nun mit einer Mordserie und dem Mythos um einen Dämon namens Byleth zusammen?

Hinter reißerischen Alternativtiteln und Werbezeilen, in denen von einem "Dämon der Inzest", "blutigen Fingern" und "Horrorsex" die Rede ist, verbirgt sich hier vor allem erstmal ein reichlich zurückhaltender und gediegener Film, der mit seiner zeittypischen Symbiose aus stilvoller Gruseltradition und neuer Freizügigkeit jedoch bereits sehr wohlige Grundvoraussetzungen schafft. So sind dann die zwar gialloesk inszenierten, aber keinesfalls ausufernden Morde oder die vereinzelten Blutspritzer auch kaum mehr als Beiwerk zu einem schwelgerisch romantisierten Taumel, in dessen Mittelpunkt Mark Damon als liebestrunkener und geistig derangierter Jung-Adliger brillieren kann. Kulissen wie die prachtvollen Gärten, Szenen wie das Herumgetolle in der herbstlichen Waldidylle und die äußerst gefällige musikalische Untermalung vom "Western-Komponisten" Vasili Kojucharov unterstreichen diesen Eindruck perfekt. Doch die schöne Fassade dient natürlich vornehmlich als Kontrast, zu den dahinter lauernden verbotenen Gelüsten, dunklen Geheimnissen und, im wahrsten Sinne des Wortes, dämonischen Erscheinungen. Sicher, da verflüchtigt sich die Spannung hin und wieder auch ein wenig, und teilweise scheint der Film nicht ganz zu wissen, welchen Weg er nun einschlagen will, doch so viel steht fest: für die meiste Zeit gelingt es ziemlich ansprechend, leicht schmieriges Softsex-Flair, inzestuös angehauchtes Liebesdrama und übersinnlichen Hokuspokus im edlen Gothic-Ambiente in Einklang zu bringen. Und es ist genau diese wie selbstverständliche Zusammenführung von Alt und Neu, von nur scheinbar gegensätzlichen Elementen, die aus irgendeinem Grund vielleicht nie faszinierendere Früchte getragen hat, als in den frühen 70er-Jahren.

Wenn man bedenkt, dass Mark Damon ein Jahr zuvor noch für Leopoldo Savonas grauselig schlechten Western PIZZA, PATER UND PISTOLEN im Sattel gesessen hat, dann ist diese Zusammenarbeit hier nicht nur aufgrund der unterschiedlichen Genre eine völlig andere Welt. Für aufgeschlossene Filmfans, die ein bisschen Geduld mitbringen und keinen beinharten Gruselschocker erwarten, auf jeden Fall eine Empfehlung wert.

Gehört zu der überschaubaren Zahl von X-Rated-VÖs, für die ich dem Label wirklich dankbar bin.

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Eine Frau für alle Fälle (Mario Bianchi, 1978)

In einem kleinen Dorf irgendwo in der italienischen Provinz sorgt die neu eingetroffene Ärztin (Laura Gemser) für allerlei Aufregung unter der männlichen Bevölkerung. Ferner ist da noch ein junges Pärchen, deren Beziehung unter einem schlechten Stern steht, da hre Familien aufgrund politischer Differenzen verfeindet sind und beide Väter (einer davon Aldo Sambrell) für den Bürgermeisterposten kandidieren. Kann "Black Emanuelle" auch hier "auf dem Lande" - so in etwa der engl. Titel - die Dinge wieder ins Lot bringen?

Schön blöd, höchst unterhaltsam und ziemlich charmant geht's hier zu - eigentlich der reinste Wohlfühlfilm! Was Mario Bianchi einem hier als Humor verkaufen will, sollte echt jeder mal mit eigenen Augen gesehen haben, um es zu glauben. Dass der Film als Komödie auf keinen grünen Zweig kommt, sollte also kaum eine Überraschung darstellen. Was ihn jedoch aus der Masse ähnlich gestrickter Italo-Klamotten hervorhebt, ist die recht eigenwillige Vermengung der verschiedenen Zutaten. Sicher, da muss man erstmal infantile Slapstick-Eskapaden über sich ergehen lassen und es hagelt platte Sprüche ohne Unterlass. Wenn manche Filme durch unfreiwillige Komik amüsieren, dann sorgt bei diesem eher das grandiose Scheitern des extrem tiefgelegten, aber beabsichtigten Humors für Belustigung - der interessante Kniff ist dabei nun, dass diese derben Komödien-Elemente mit dem rustikal provinziellen Setting gar keine so schlechte Symbiose eingehen, aber dennoch eine Randerscheinung bleiben und sich auf episodenhafte Zwischenspiele beschränken.
Somit drängt sich der Klamauk nie zu arg in den Vordergrund und dem guten Mario Bianchi (nicht umsonst ein Name, bei dem Freunden italienischer Spezialitäten bereits das Wasser im Munde zusammenlaufen dürfte) bleiben genügend Gelegenheiten, die Sleaze-Karte voll auszuspielen. Denn was sich zu Beginn noch wie ein Klamaukstreifen anlässt, überrascht schon bald mit ungewöhnlich vielen, unerwartet ausführlichen Sexszenen, die irgendwo zwischen schmuddelig-pornös und halbwegs-romantisch liegen. Soweit ich das bisher beurteilen kann, würde ich sogar behaupten: in keinem anderen Film wälzt sich Laura Gemser (oft auch mit ihrem Gatten, Gabriele Tinti) so ausgiebig in den Betten!
Ganz groß auch die Szene, in der sich Mark Shannon und eine unbekannte Blonde in einem schäbigen Stall zu einem Schäferstündchen treffen, während die deutsche Synchro in geschätzten 5 Minuten schier Unglaubliches zu Tage fördert ("mach keinen Ärger, Baby, in Katakomben bumst sich's riesig", "wir wollen hier nicht die Flitterwochen verbringen, sondern nur ne schöne Nummer schieben" - reicht das als Vorgeschmack?). Der italienische Sexgott in Top-Form, keine Frage. Nur die Dame ist am Ende gar nicht so zufrieden: "Moment mal, nicht so schnell, mein Herr. Du hast gesagt, du würdest mich nach allen Regeln der Kunst verführen, aber das war ja wohl nichts."
Hinsichtlich der Besetzung sind ja nun schon einige wichtige Namen gefallen - ein nettes Ensemble, das durch die in diesen Gefilden gewissermaßen omnipräsente Femi Benussi komplettiert wird. Für die perfekte Abrundung und ständige Begleitung des munteren Treibens sorgt schließlich der Score von Ubaldo Continiello (PLAY MOTEL), welcher insbesondere die Schlafzimmerszenarien mit einer ganzen Reihe eingängigster Songs veredelt, die das gesamte Unterfangen erst richtig in Fahrt bringen.

Gut, man muss wahrscheinlich eine Ader für sowas haben, aber wenn sich das jetzt alles nach zuviel Lob anhört, dann kann ich nur sagen, dass mir wirklich keinen ernsthaften Kritikpunkte einfallen. Was will man denn einem Film ankreiden, der sich so unbekümmert und naiv in seiner eigenen kleinen Welt bewegt? Erst recht, wenn daraus wie zufällig eine Faszination erwächst, die eben völlig inkompatibel ist mit diesem unsäglichen Pochen auf Logik und Realismus, von dem in der Filmkritik heute so oft zu lesen ist.

Deshalb, ruhig mal die VZ-Scheibe (identisch mit den Hartbox-Versionen) mitnehmen und darauf einlassen.

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PostPosted: 15.10.2012 03:17 
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Ein Hosianna für zwei Halunken (Mario Siciliano, 1972)

Trinidad (Harry Baird) hat gerade seinen Knastaufenthalt beendet, den ihn sein Kumpel Sartana (Alberto Dell'Acqua) eingebrockt hat. Kleineren Unstimmigkeiten zum Trotz, wird sich jedoch erstmal wieder zusammengerauft, um eine Bank um etwas Gold zu erleichtern. Mit diesem Vorhaben kommen sie allerdings einem gewissen Burton (Stelio Candelli) in die Quere, der zusammen mit seiner Frau (Beatrice Pella) und deren Bruder (Enzo Adronico) ähnliche Pläne schmiedet. Spätestens als sich auch noch "der Tiger" (Ezio Marano) in die Sache einmischt, ist das Chaos perfekt, und so wechselt die heiße Ware mehr als einmal den Besitzer...

Hier nun also der Nachschlag für alle, die nach Sicilianos 100 FÄUSTE UND EIN VATERUNSER noch nicht genug hatten und womöglich Lust auf mehr verspürt haben (falls es noch mehr solche Verrückten gibt). Für Ron Ely springt diesmal Harry Baird ein, Strahlemann Dell'Acqua bleibt uns erhalten und auch sonst ist vieles beim Alten. Ein bruchstückhaft zerfahrener Hauch von Story versteckt sich irgendwo zwischen lahmen Buddy-Kabbeleien und abgeschmackter Comedy-Routine, die Figuren sind nichts als wandelnde Karrikaturen und Sicilianos Regie scheint vor dieser Anhäufung von Schwachfug auch zu kapitulieren, so dass für, wie auch immer geartete, inspirierte Eingebungen die Lupe rausgeholt werden darf. Das solide Handwerk, das locker-leichte Comic-Flair, der Hang zum bizarren Wahnsinn - all diese Qualitäten, die in der Filmographie des Regisseurs zu Genüge anzutreffen sind, köcheln hier leider auf Sparflamme. Auch die italienischen Landschaften waren schonmal grüner und weniger trüb, aber immerhin ist die Musik von Carlo Savina phasenweise recht nett geraten und eine hübsche kleine Rolle für Daniela Giordano gibt's obendrein.

Wer die Filme dieser Zeit mag und auch den trashigeren Auswüchsen nicht abgeneigt ist, der wird auch hier noch etwas unverwüstlichen Rest-Charme entdecken, aber insgesamt bleibt es bei einer leidlich unterhaltsamen Nummern-Revue, die weitestgehend unbeeindruckend vorüberzieht.

Die Fassung von der TOPPIC-VHS, die mir hier vorlag, soll wohl in etwa 7 Minuten kürzer sein, als eine Version, die öfter mal auf TELE5 lief. Würde mich ja mal interessieren, was da nochmal geschnitten wurde. Und: hab ich da was völlig Falsches in Erinnerung, oder sollte der nicht auch mal von Savoy kommen?

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Der Clan der Killer (Tulio Demicheli, 1973)

Als Ricco Aversi (Christopher Mitchum) nach einem wegen guter Führung vorzeitig beendeten Gefängnisaufenthalt in seine Heimat zurückkehrt, sieht die Lage alles andere als rosig aus. Sein Vater (Luis Induni), einst ein erfolgreicher Geschäftsmann, wurde von Don Vito (Arthur Kennedy), welcher nun mit seiner mafiösen Organisation in der Gegend das Sagen hat, ruiniert und getötet. Ebenfalls im "Besitz" des mächtigen Gangsterbosses ist Riccos Freundin, Rosa (Malisa Longo). Einer der wenigen, die noch halbwegs auf seiner Seite stehen, ist Rosas Vater, in dessen Nichte, Scilla (Barbara Bouchet), Ricco eine Verbündete findet - für was auch immer da folgen möge...

Tulio Demicheli, ein Name, der wohl kaum jemandem in den Sinn kommen dürfte, wenn es um die Top-Regisseure des italienischen Genre-Kinos geht. Spätestens nach RICCO muss man jedoch annehmen, dass in ihm schon lange ein Talent schlummerte, das sich hier nun endlich voll entfalten konnte. Denn für einen simplen Glücksfall ist diese mal brachial durchstilisierte, mal bewusst fahrig gehaltene Gangsteroper viel zu durchtrieben und ausgefeilt. Hier wusste jemand genau, was er tut! Einer dieser Kniffe, durch die sich der Streifen bereits erfrischend von Genre-Klischees abhebt, ist die Besetzung von Cristopher Mitchum als denkbar untypischste Ein-Mann-Armee auf Rachefeldzug. Wobei auch dieses Rache-Motiv ungewöhnlich gehandhabt wird - hat man es hier doch immerhin mit einem "harmlosen Bürschchen" zu tun, das von gewaltsamen Auseinandersetzungen eigentlich nicht viel hält, und sich nur mal ein bisschen umhören will, um doch wenigstens mal den Namen dessen, der seinen Vater auf dem Gewissen hat, herauszubekommen und seine Geliebte mal wieder in den Armen zu halten.
Gerade in diesen Szenen, wenn sich Ricco und Scilla ein bisschen in der Stadt umsehen oder sich ganz gerissen Zugang zur Festung von Don Vito verschaffen, versprüht Demichelis Regie eine wunderbar durchkomponierte Leichtigkeit, die gleichermaßen beeindruckend und ulkig ist. Kompletter Wahnsinn auch diese Striptease-Sequenz auf einer schön nebelig ausgeleuchteten Brücke, in der Barbara Bouchet mit ihren Reizen auf unnachahmliche Weise zwei von Don Vitos Leuten in die Falle lockt! Wo bitte hat man sowas schonmal gesehen? Wenn das nicht Comic-Strip pur ist, dann weiß ich's auch nicht. Aber eine grell überzeichnete Herangehensweise ist sowieso von Anfang an Programm, sowohl in emotionaler als auch ganz besonders in inszenatorischer Hinsicht. Ein Lob muss man hier gleich auch mal noch Nando De Luca aussprechen, der mit seinem Score nicht nur feinste, sonnig-leichte 70s-Klänge liefert, sondern auch immer genau im richtigen Moment die Drastik der Bilder dick unterstreicht. Nebenbei wird nicht gerade zimperlich getötet, kastriert und in Säure gebadet, und wo anfangs noch ein eher beschwingter Grundton vorherrschend war, schleicht sich gegen Ende zunehmend eine düstere, fatalistische Note ein, die keinen Platz für strahlende Helden lässt. Dass dabei Polizeiapparat und Gesetz so gut wie keine Relevanz zukommt, tut dem Film sehr gut, da so die pseudo-moralische/politische Komponente, die in dem Genre desöfteren ein unnötiges Ärgernis darstellt, komplett außen vor bleibt.

Tulio Demicheli findet hier jedenfalls genau den richtigen Zugang zu diesem Ausgangsmaterial: einerseits lässt er total zügellos und überbordend die Sau raus, andererseits gelingt es ihm überzeugend, inmitten dieses comichaft auf die Spitze getriebenen Sleaze-Spektakels einen Hauch Tiefgang und Nachdenklichkeit unterzubringen. Sozusagen ein "Guilty Pleasure", das ganz und gar nicht schuldig ist. Ach ja, und wer war nochmal Lenzi?

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Ubalda, All Naked and Warm (Mariano Laurenti, 1973)

Der Ritter Olimpio (Pippo Franco) kehrt reichlich angeschlagen aus dem Krieg zurück und den Empfang in seinem Heimatort hätte er sich wohl auch anders vorgestellt. Dort erwartet ihn nämlich seine Frau Fiamma (Karin Schubert), die sich zwar vor heimlichen Liebhabern kaum retten kann, aber ihrem Mann weismacht, sie habe ein Keuschheitsgelübde abgelegt. Für weiteren Ärger sorgt auch immer wieder der verfeindete Nachbar Oderisi (Umberto D'orsi), der mit seiner neuen, aufmerksamkeitserregenden Frau Ubalda (Edwige Fenech) allerdings auch nicht ganz glücklich ist, was zum einen an seiner extremen Eifersucht und zum anderen an seinem sexuellen Versagen liegt. Somit verlustiert auch Ubalda sich größtenteils anderweitig. Irgendwann merken die beiden unzufriedenen Ehemänner, dass sich ihre Situation doch ziemlich ähnelt, und so einigen sie sich, aller Differenzen zum Trotz, auf eine Art Partnertausch. Doch auch dieses Vorhaben gestaltet sich schwieriger als angenommen, wo doch die unverzichtbaren Keuschheitsgürtel, zu denen eine Menge nachgemachter und durcheinandergebrachter Schlüssel im Umlauf sind, die Sache nicht unbedingt einfacher machen...

Für mich nach wie vor eines der gelungensten Beispiele für eine italienische Erotikkomödie, die sich noch nicht der lieblosen Aneinanderreihung von Billigstklamauk-Episoden verschrieben hat, wie das im weiteren Verlauf der 70er immer häufiger der Fall sein sollte, sondern mit einer qualitativen und liebevollen Herangehensweise aufwartet, die beinah schon als einzigartig zu bezeichnen ist. Und - wie es speziell für die Jahre '71, '72, '73 so typisch ist - entsteht diese Faszination eben gerade aus dem Festhalten an traditionellen Qualitäten, welche jedoch durch die in diesem Zeitraum neu aufkommenden Möglichkeiten bereichert, aber noch nicht (wie später oft) verdrängt werden. Man könnte also sagen, spätestens nach Mitte der 70er fand kaum noch ein echter Fortschritt statt! Wem diese Theorie (die Film und Musik gleichermaßen betrifft) nun zu harsch oder engstirnig erscheint, der kann ja mal überlegen, was bis zu diesem Zeitpunkt schon alles geschaffen wurde und in welche Richtung die Entwicklung anschließend ihren Lauf genommen hat.
Mariano Laurentis frühen Karrierehöhepunkt UBALDA betrifft das nun insofern, dass hier einerseits noch Elemente der klassischen Commedia all'italiana zu finden sind, nebenbei der Zeitgeist der 70er schon unübersehbar Einzug gehalten hat und das Setting wiederum ins Mittelalter verfrachtet wurde - und wenn all das so prächtig miteinander harmoniert, dann kann man doch von einem zeitlos schönen Werk sprechen. Zumal besonders diese wundervollen Landschaften (u.a. die Monte-Gelato-Wasserfälle) für einen Augenschmaus sorgen, der schon wieder in ganz weiter Ferne ist, wenn ein paar Jahre später ebenfalls unter Laurentis Regie die "Flotten Teens" in schäbigen Schulgebäuden und Hinterhöfen irgendwelchen Schabernack aushecken. Vor dieser malerischen Kulisse tummelt sich dann auch noch ein Cast, der mit Karin Schubert und Edwige Fenech gleich zwei göttliche Schönheiten des europäischen Kinos im Petto hat, die noch nie besser aussahen und nur selten mit soviel Spielfreude bei der Sache waren. Ebenfalls großartig ist Umberto D'Orsi als bulliger, gehörnter Ehemann, und Pippo Franco legt sich als trotteliger Ritter fast ein wenig zu ambitioniert ins Zeug - da kann ich mir, zugegebenermaßen, schon vorstellen, dass so manchem Italo-Komödien-Allergiker etwas schwindelig wird. Was den Film jedoch endgültig zur Pflichtveranstaltung macht, ist eine Traumsequenz, die zweifellos zum Anbetungswürdigsten gehört, was je von Frau Fenech auf Zelluloid gebannt wurde. Eine Szene für die Ewigkeit!

Dazu tolle Kamera von Tino Santoni, feine Musik von Bruno Nicolai, und mir bleibt nur eine dicke Empfehlung. Jetzt könnte sich ein deutsches DVD-Label ja wenigstens mal Laurentis Schwesterfilm von UBALDA - der ähnlich gute WEHE, WENN DIE LUST UNS PACKT - annehmen, aber diesen Wunsch hege ich auch schon lange. Und überhaupt: die Decamerotica-Streifen müssen endlich auch für Nicht-Italienischkundige auf DVD! Ich will gar nicht darüber nachdenken, was für Perlen aus diesem Bereich vielleicht nie aus der Versenkung geholt werden!

Von UBALDA gibt's zur Zeit noch die Mya-Scheibe, welche wohl als Repack der No-Shame anzusehen ist und daher auch exzellente Qualität und engl. Untertitel bieten dürfte.

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Sklavenmarkt der weißen Mädchen (Joe D'Amato, 1978)

Emanuelles (Laura Gemser) Interesse gilt diesmal dem zwielichtigen, in kriminelle Machenschaften verwickelten Geschäftsmann Giorgio Rivetti (Venantino Venantini), der in Kenia untergetaucht ist. Während das Treffen mit diesem Zeitgenossen eher unspektakulär vonstattengeht, kommt sie nebenbei jedoch einem Ring von Mädchenhändlern auf die Schliche, deren Spur sie wieder zurück nach New York führt, wo die Aufklärung des brisanten Falles ihr vollen Körpereinsatz abverlangt...

Zum Einstieg (das bedeutet in diesem Fall, so ungefähr die gesamte erste Stunde!) wird das typische Black-Emanuelle-Programm, also Sexploitation-Travelogue a la D'Amato, zuerst einmal in aller Ausführlichkeit abgespult. Mit gewohnt entwaffnender Naivität und pulsierend leichter Inszenierung geht es da zu Werke, wenn Sehenswürdigkeiten und Einblicke in exotische Kulturen in neckische Kameraspielereien verpackt werden, Black Emanuelle unangreifbar und ewig lächelnd den Perversionen dieser Welt den Kampf ansagt, und schmierigste Sexszenarien einen unwiderstehlichen audiovisuellen Sog entwickeln. Was D'Amatos Linse und Nico Fidencos Soundtracks da immer wieder zustande gebracht haben, ist eine filmische Faszination, die vermutlich nie die Würdigung erfahren wird, die sie verdient hätte!
So einladend diese gemütliche Belanglosigkeit anfangs auch noch anmutet, muss man bei aller Schwärmerei jedoch feststellen, dass hier bald ein Punkt erreicht ist, an dem dieser Ansatz überstrapaziert und ausgereizt wird. So gesehen kommt das letzte Drittel des Films, welches die Zügel dann tatsächlich nochmal strafft, also gerade recht. Was sich bis dahin an kleineren Sub-Plots abgespielt hat, wird kurzerhand über den Haufen geworfen, und Emanuelles Undercover-Einsatz im Privatclub der Drahtzieher des Prostitutions-Skandals sorgt sogar für so manchen Moment der Spannung. Zu den kuriosesten Sequenzen innerhalb der gesamten Reihe, dürfte auch die Kung-Fu-Prügelei in der Bowlingbahn gehören, die ein überraschend drastisches Ende findet. Dass D'Amato anschließend noch eine Gruppenvergewaltigung dranhängt, die völlig unmotiviert daherkommt und nur auf plumpe Schockwirkung abzielt, sorgt allerdings für einen etwas ärgerlichen Nachgeschmack. Inhaltlich ist dieser Mumpitz jedenfalls so ziemlich für die Tonne. So werden hier im Grunde lediglich Story-Fetzen, die in den vorhergehenden Teilen meistens schonmal was Stimmigeres ergeben haben, sowas von sinnfrei nochmal aufs Neue zusammengeflickt, dass es einem, sogar wenn man versucht, nicht darauf zu achten, unangenehm auffällt.

Die grundlegenden Stärken der Reihe, welche insbesondere die Inszenierung betreffen, sind zwar auch hier noch anzutreffen, aber rundherum schwächelt es schon gewaltig. Fans von solchem Kram wird das sicher nicht abschrecken, aber selbst die werden wahrscheinlich feststellen, dass hier bei Black Emanuelles letztem Ausflug (unter D'Amatos Regie) langsam die Luft raus war. Was soll's, auch die schönsten Dinge müssen mal zu Ende gehen.

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Die Nonne und das Biest (Giuseppe Vari, 1977)

Monica (Monica Zanchi) wird aufgrund ihres ausschweifenden Lebenswandels von ihrem Vater in ein kirchliches Internat gesteckt. Da sie sich mit dem streng durchorganisierten Schulalltag nicht so recht anfreunden kann, verlegt sie sich darauf, der Ordensschwester Emanuelle (Laura Gemser) das Leben schwer zu machen, und unbescholtene Mitschülerinnen in Versuchung zu führen und zu ihren Zwecken zu manipulieren. Zudem beginnt sie eine Affäre mit einem flüchtigen Sträfling (Gabriele Tinti), der sich in der Gegend versteckt hält...

Wenn ich den Streifen so mit dem kürzlich gesehenen SKLAVENMARKT DER WEISSEN MÄDCHEN von Joe D'Amato vergleiche, dann fallen einige beachtlice Unterscheide auf: während D'Amato in diesem Fall dann doch eher der Mann für die groben Schweinereien war, und vor allem auf inhaltlicher Ebene nicht mal mehr den Hauch einer sinnvollen Geschichte vorzuweisen hat; besticht Giuseppe Varis SISTER EMANUELLE durch eine im Vergleich dazu regelrecht subtil und durchdacht erscheinende Vorgehensweise. Was sich da im ersten Moment noch wie eine platte Ansammlung der üblichen Nunploitation-Klischees ausnimmt, entwickelt sich schleichend zu einem überraschend fein gesponnenen Netz aus Rückblenden, Traumsequenzen und unerwarteten Plot-Twists, wie man es in dem Genre nur selten gesehen hat.
Interessanterweise wird jedoch auch vor kuriosen Schlenkern nicht Halt gemacht, so haftet zum Beispiel diesem gesamten Handlungsstrang um den raubeinigen Ausbrecher, der in der Nähe in seinem Versteck hockt und für die unfreiwillige Internatsschülerin Monica natürlich von großem Interesse ist, etwas sehr Seltsames an - was (ich möchte nicht zu viel verraten) mit Blick auf die finale Pointe durchaus auch Sinn macht. Vereinzelte Momente skuriller Typenkomik dürfen ebenso wenig fehlen, wie eine stattliche Dosis Sexszenen, welche zur Abwechslung sogar mal überwiegend ansprechend sinnlich gestaltet sind. Besondere Erwähnung in dieser Hinsicht verdient das Aufeinandertreffen von Dirce Funari und Monica Zanchi!
Zudem wird das Geschehen von einer Faszination begleitet, die man wohl wirklich nur "Italo-Kino in Reinkultur" nennen kann! Im Balsorano Castle wurde hier nämlich gedreht, und wenn man bedenkt, dass das schon unvergessene Perlen wie THE REINCARNATION OF ISABEL, MALABIMBA und THE LICKERISH QUARTET (um nur einige zu nennen) beherbergt hat, dann hält neben den tollen Bildern sofort ein magisches Flair Einzug. Stelvio Cipriani liefert dazu wieder wohligste Klänge, und nichts kann mehr schiefgehen.

Da hat sich der gute Giuseppe Vari doch tatsächlich auch im erotischen Genre mit einem Werk verewigt, bei dem nicht viel Grund zum Meckern besteht. Ganz entscheiden kann ich mich noch nicht, wie wohlwollend mein Urteil nun ausfallen soll, da ich mich einerseits nicht vollständig des Eindrucks erwehren konnte, dass man hier als Zuschauer storytechnisch ein wenig mit Taschenspielertricks an der Nase herumgeführt wird. Aber andererseits sind da auch wieder Momente, in denen man das Gefühl hat, Vari fügt die einzelnen Puzzleteile hier ganz ausgekocht und auch etwas hinterlistig zu einem kleinen Meisterwerk zusammen. Auf jeden Fall auch für Leute, die's im Allgemeinen nicht so sehr mit den Sexploitation-Exzessen haben, einen Blick wert.

Die Severin-Scheibe ist uneingeschränkt zu empfehlen!

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Das Rasthaus zur SEX-ten Glückseligkeit (OT: L'amour chez les poids lourds; Frankreich/Italien; 1978; Jean-Marie Pallardy)

Antonio (Jean-Marie Pallardy) und sein Kollege Jeff, zwei hart arbeitende Trucker, sind irgendwo in der Wüste verschollen. Zu Hause, in der Fernfahrer-Kneipe Truck Stop rechnet schon kaum noch jemand mit ihrer Rückkehr. Lediglich Antonios Frau Pamela (Elizabeth Turner) hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass ihr Mann eines Tages wieder auftauchen wird, weshalb sie auch alle Zudringlichkeiten der lüsternen Kundschaft strikt zurückweist. Was sie jedoch auch nicht weiß, ist, dass ihr Gatte vorerst in einer Art Wüsten-Bordell-Oase Unterschlupf gefunden hat. Wird es jemals ein Wiedersehen geben?

Jean-Marie Pallardys Trucker-Sexploitation lässt sowohl Erinnerungen an Russ Meyers Werke als auch an deftige Sex-Schwänke, wie man sie ja auch aus deutschen Landen zu Genüge kennt, wach werden. Das soll aber nur als kleine Orientierung dienen, denn zum großen Teil ist das Endresultat doch etwas Eigenes, das zudem noch ziemlich gut funktioniert. An Charakteren gibt es eigentlich nicht viel mehr als die Unterteilung in hohle Potenzprotze und (mehr oder weniger) willige Weiber - aber in Pallardys hier entworfenen Universum genügt das auch. Was sich daraus entwickelt ist ein durchgängig rustikal-humoriger Grundton, der zweifellos platt und mitunter gewöhnungsbedürftig ist, aber sich teilweise schön ins Surreale steigert.
Sehr bizarr z.B. die Wettbewerbe, die in dem Rasthaus veranstaltet werden und bei denen dem Sieger in Aussicht gestellt wird, dass ihn die zugeknöpfte Chefwirtin Pamela ranlässt: da müssen die harten Kerle Glöckchen an ihr bestes Stück hängen, währendessen ziehen zwei Bardamen eine heiße Show ab, und wer ganz cool bleibt und bei dem sich nichts regt, der hat gewonnen. Ein anderes Mal geht es darum, die beiden Angestellten von Pamela zum Höhepunkt zu bringen, und nur wem das gelingt bevor es ihm selbst kommt, der darf sich bei der Chefin versuchen...
Man kann sagen, was man will, aber an skurillen Einfällen mangelt es nicht! Für die meiste Zeit ist das wirklich "Good Sleazy Fun", nur eine mit slapstick-artiger Klaviermucke unterlegte Vergewaltigungssequenz ist dann irgendwie doch hart an der Grenze. Ansonsten geht's jedoch auch sex-mäßig in Heustall, Wald, Wiese ordentlich extravagant und unbeschwert zur Sache, die deutsche Synchro packt desöfteren noch eine kleine Stilblüte drauf - und Pallardy, der Schlingel, hat sich als Highlight höchstpersönlich eine heiße Pool-Nummer in der Liebesoase mit Ajita Wilson auf den Leib geschneidert, begleitet von knarzender Fuzz-Gitarre und gleißendem Sonnenlicht.
Ganz nebenbei handelt es sich hier in den Grundzügen der Story wohl auch um eine "relativ freie" Adaption von Homers Odyssee. So heißt der Protagonist Antonio in der engl. Version und der Originalfassung(?) auch Ulysse. Weiterhin verdankt man der italienischen Beteiliung bekannte Gesichter, wie Giacomo Furia und Gilberto Galimberti. Ajita Wilson hat leider nur diese eine denkwürdige Szene, und einen Kurzauftritt als Transe gibt's noch von Annik Borel. Von der Umsetzung her ist das sicher alles nicht übermäßig künstlerisch-inspiriert, aber es erfüllt seinen Zweck und der abenteuerliche Soundtrack, der einige bekannte Melodien verwurstet, setzt ebenfalls den ein oder anderen Akzent.

Wie immer gilt: man muss wahrscheinlich ein Faible für sowas haben, ansonsten dürfte sich das Vergnügen in Grenzen halten. Andererseits könnte man auch fragen: wie kann man sowas nicht mögen?

Meines Erachtens jedenfalls auch ein lohnenswerter Kandidat für eine dt. VÖ - am besten als Double-Feature mit DIE FRÖHLICHEN HOLZFÄLLER DER NICKENDEN FICHTEN. Das wäre doch mal was! Mein Mike-Hunter-Tape läuft auch nur schlappe 66 Minuten, was mir doch arg kurz vorkommt. Eventuell lege ich die Tage gleich mal noch die US-DVD ein, die ich auch schon seit längerem da habe, und vergleiche, was es da noch Zusätzliches zu sehen gibt.

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PostPosted: 15.10.2012 03:41 
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Jocks (OT: Jocks; USA; 1987; Steve Carver)

Die Sportmannschaften des LA College konnten schon seit Jahren keine größeren Erfolge mehr verbuchen. Dieser Pechsträhne soll nun ausgerechnet das chaotische Tennisteam bei der Meisterschaft in Las Vegas endlich ein Ende setzen. Da es in der Glitzermetropole an Ablenkung natürlich nicht mangelt, hat der Trainer (Richard Roundtree) jedoch alle Hände voll zu tun, in dem bunt gemischten Haufen noch etwas Disziplin aufrechtzuerhalten...

Wie doch Filme, an die man keinerlei besondere Erwartungen hat, sich manchmal als echte Überraschung entpuppen können! So simpel die Prämisse auch ist, so sehr es auch an storytechnischen Innovationen mangelt - JOCKS macht auf seine Weise definitiv vieles richtig. Genau genommen war ich sogar ein wenig verwundert, dass mich der Film so verdammt gut unterhalten hat. Eventuell war ich nur gerade in der richtigen Stimmung oder es handelt sich hier tatsächlich um eine kleine Perle der 80s-Comedies aus der zweiten Reihe.
Im Grunde hat man es hier mit der klassischen Geschichte vom Underdog-Team zu tun, das kaum Aussicht auf einen Gewinn zu haben scheint, aber sich vielleicht oder vielleicht auch nicht mithilfe von Einfallsreichtum doch durchsetzt. Von Vorteil ist, dass dabei zwar auf skurille Charaktere gesetzt wurde, aber das schräge Figuren-Ensemble nie zu einer reinen Freakshow, die einem nach kurzer Zeit schon auf die Nerven geht, verkommt. Regisseur Steve Carver erfindet hier, wie gesagt, das Genre nicht neu, allerdings balanciert er die einzelnen Komponenten sehr gelungen aus: die Charaktere sind einem nicht völlig egal, die Story flutscht zweckmäßig und an Nebensächlichkeiten wird sich nicht lange aufgehalten. So fand ich, als nicht ausgesprochener Fan von Sportfilmen, es z.B. sehr angenehm, dass die Tunier-Szenen eigentlich nur einen kleinen Nebenschauplatz darstellen.
Weitaus interessanter sind schließlich die nächtlichen Eskapaden, bei denen sich die nicht allzu motivierten Tennishoffnungen deutlich mehr verausgaben, als auf dem Sportplatz. Dazu beständig das Lichtermeer von Las Vegas im Hintergrund funktioniert als Setting prächtig. Der bei diesen Filmen oft (mehr oder weniger vordergründig) anzutreffende Erotik-Aspekt beschränkt sich diesmal zwar auf reizvolle Einblicke bei heißen Show-Darbietungen und einer Runde Strip-Poker, aber kann sich durchaus sehen lassen. Wie ich nun schon ein paar Mal feststellen musste, sind es auch nicht selten gerade die Komödien, die sich nicht zu stark an dem Konzept "Titten & Ärsche" festklammern, bei denen der Humor dann wiederum besser funktioniert. So als ob man wahrscheinlich manchmal dachte, wenn schon genügend Schauwerte vorhanden sind, braucht man sich um nichts anderes mehr zu kümmern. Was man hier zu sehen bekommt, ist jedenfalls eher trockene Situationskomik, die nie in allzu argen, aufdringlichen Klamauk ausartet. Den Rest erledigt der klasse 80er-Soundtrack, der praktisch einen Ohrwurm an den anderen reiht. Zudem darf Christopher Lee noch eine reichlich sinnlose Nebenrolle als rabiater Schuldirektor absolvieren. Und ansonsten sticht aus dem gut aufgelegten No-Name-Cast noch Richard "Shaft" Roundtree heraus, der als besonnener Trainer des bekloppten Haufens eine sehr sympathische Darbietung liefert.

Es kann sein, dass es wirklich etwas mit der niedrigen Erwartungshaltung zu tun hat, dass mich der Film so positiv überrascht hat. Dennoch würde ich sagen, dass jeder, der was für das Genre übrig hat und/oder sich für das 80er-Flair begeistern kann, hier an der richtigen Adresse ist.

Die deutsche DVD wird einem zum Spottpreis nachgeschmissen und bietet in meinen Augen tadellose Qualität!

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Kopflos durch die Nacht (OT: It Takes Two; USA; 1988; David Beaird)

Dem 20-jährigen Travis (George Newbern) steht ein neuer Lebensabschnitt, genauer gesagt, eine Hochzeit bevor. Plötzlich kommen ihm jedoch Zweifel und er weiß gar nicht mehr, was er eigentlich will und ob seine langjährige Freundin Stephanie (Leslie Hope) nun wirklich die Frau fürs Leben ist. Felsenfest in den Kopf gesetzt hat er sich allerdings, dass er vor der Heirat noch schnell nach Dallas muss, um seine neue Nobelkarre abzuholen. Dort, bei seiner ersten Begegnung mit der Großstadt, gerät er unversehens an einen raffgierigen Autohändler, der mit Hilfe seiner reizvollen Assistentin (Kimberly Foster) die Kunden übers Ohr haut. So gibt der neue Superschlitten schließlich nach wenigen Metern bereits den Geist auf - und das ist für Travis erst der Anfang einer turbulenten Nacht, während die Braut verzweifelt auf ihren Bräutigam wartet...

Wie ich ja schon desöfteren kundgetan habe, zählt Martin Scorseses AFTER HOURS zu meinem Alltime-Favorites. Mit KOPFLOS DURCH DIE NACHT legte ich nun mal wieder einen Film ein, der eventuell versprach, in eine ähnliche Richtung zu gehen. Ohne große Umschweife landet man auch direkt in einem der sonderbaren Tagträume des Protagonisten, und es schleicht sich eine bizarre Note ein, die beinah schon zu gewollt und zu aufgesetzt wirkt. Mit der darauf folgenden Rückkehr zur Realität, welche sich um den Hochzeitsvorbereitungs-Trubel dreht, hält allerdings auch schlagartig eine überkandidelte, dabei jedoch allzu brav auf familienfreundlich getrimmte Romantikkomödien-Stimmung Einzug. Dabei bleibt es jedoch glücklicherweise nicht!
Denn mit Travis' Ankunft in der Großstadt kommt Schwung in die Angelegenheit. Nachdem also sein Wagen schlappmacht, verdirbt er sich bei einer nicht sonderlich einladend aussehenden Fastfood-Bude den Magen, landet in einer miesen Absteige, und findet schließlich in der verführerischen wie zwielichtigen Assistentin des Autohändlers gar noch ein zweites Love Interest, der Marke "Femme Fatale". Im Strudel dieser Ereignisse gelingt es dem Regisseur phasenweise tatsächlich, sowas wie eine kleine Version von Scorseses Meisterwerk des "A Night Gone Wrong"-Komödien-Subgenres zu schaffen. Die Kamera fängt immer wieder stimmige Bilder der nächtlichen Großstadt ein, die Musik von Carter Burwell unterstützt die Atmosphäre treffend und der Cast geht ebenfalls ok.

Letztlich kann man sich des Eindrucks, es handle sich hier nur um einen weiteren lauen Aufguss von etwas, das man schonmal deutlich besser gesehen hat, zwar kaum erwehren, und das zuckersüße, schnörkellose Ende irritiert auch ein wenig. Trotz alledem schlägt sich der Film über weite Strecken nicht schlecht, bietet Kurzweil, Unterhaltung sowie hin und wieder leichte Faszination. Kein Must-See, aber sicher auch kein Film, den man wirklich bereut.

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Schlechte Zeiten für Vampire (OT: Tempi duri per i vampiri; Italien/Frankreich; 1959; Steno)

Der verschuldete Baron Osvaldo (Renato Rascel) sieht sich schweren Herzens gezwungen, sein Schloss zu verkaufen. Dieses wird anschließend in ein neumodisches Hotel umgewandelt, in dem er als Hausdiener die Koffer schleppen darf. Eines Tages jedoch erhält er von seinem Onkel Rodrigo (Christopher Lee) aus den Karpaten einen Brief, worin dieser seinen Besuch ankündigt. Was Osvaldo nicht weiß, ist, dass der ferne Verwandte, den er bis dato noch nie zu Gesicht gekriegt hat, sein Unwesen als Vampir treibt. Es dauert nicht lange, da ist auch Osvaldo vom Vampirismus angesteckt, und während sein alter Onkel sich nun zur Ruhe setzt, ist er es nun, der sich des Nachts in den Schlafgemächern der weiblichen Kundschaft zu schaffen macht, die ihm daraufhin zu Füßen liegt. Nur seine ursprüngliche Liebe zu der gutmütigen Gärtnerin Lilli (Kai Fischer) scheint von diesem Moment an unter einem schlechten Stern zu stehen...

Steno, einem von Italiens Top-Komödienregisseuren, hat man dieses schöne Grusel-Lustspiel zu verdanken. Sicher, dabei geht es sehr harmlos zu, und wenn es nicht so sympathisch umgesetzt wäre, dann könnte man es wohl als recht albern und altbacken abtun. Doch die Geschichte ist so nett aufgezogen und bietet so viel naiven Charme, dass ich mit dem Film einfach nicht so streng ins Gericht gehen kann. Bereits das zwischen sonniger Küstenregion und einem alten schlossartigen Gemäuer schwankende Setting, sorgt für ein äußert ansprechendes Flair. Bilder, Musik und Cast - alles greift stimmig ineinander und bringt einen gewissen Qualitätsstandard mit sich. Immerhin hat man hier sogar den Original-Dracula, Christopher Lee, ins Boot geholt, und dessen betont ernstes Auftreten bildet einen kuriosen Kontrast zu dem kauzigen, um etwa zwei Köpfe kleineren Renato Rascel. Und wer glaubt, in den 50ern gab es noch keine Erotik, der wird von der hier vertretenen Damenriege eines Besseren belehrt: Sylva Koscina und eine Reihe unbekannterer Schönheiten findet man da, und sie alle verfallen dem ulkigen Mini-Vampir! Abgesehen natürlich von der Gärtnerin Lilli, um welche sich eine herzerwärmend-rührende Liebesgeschichte rankt. Dann ist da noch ein gestresster Professor, der eigentlich nur schlafen will, aber von Osvaldo immer wieder genötigt wird, wichtige Passagen aus einem alten lateinischen Vampir-Legenden-Buch zu übersetzen; weiterhin zwei dufte Typen, die es mit ihren neuen Freundinnen so richtig krachen lassen wollen, bis ihnen jedoch der Vampir einen Strich durch die Rechnung macht; sowie so mancher netter, kleiner Einfall mehr.

Wenn man weiß, worauf man sich einlässt, dürfte es hier kaum zu größeren Enttäuschungen kommen. Wahrscheinlich auch so eine Art kleines Unikum - zumindest fallen mir auf die Schnelle nicht viele italienische Grusel-Komödien aus den 50ern ein. Christopher-Lee-Komplettisten werden sicher auch zuschlagen, und dessen Beteiligung ist es wohl auch zu verdanken, dass es der Streifen überhaupt zu einer deutschen DVD-VÖ gebracht hat.

Auf dem Cover der UFA-Scheibe ist von "nicht restauriertem original Bild- und Tonmaterial" die Rede, zudem ist das Bildformat wohl auch nicht ganz korrekt (1,85:1 statt 2,35:1). Was soll's, so schlimm fand ich's nicht, und besser so als gar nicht.

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Zwei Teufelskerle auf dem Weg ins Kloster (OT: Zwei Teufelskerle auf dem Weg ins Kloster; Deutschland/Italien; 1975; Ernst Hofbauer)

Jim (Alberto Dell'Acqua) und Jeff (Wolf Goldan) versuchen in Kolumbien, ihr Glück zu machen - mit eher mäßigen Erfolg. Als nächstes sollen sie dem befreundeten italienischen Kunstsammler Giovanni (Rinaldo Talamonti) dabei helfen, eine wertvolle Goldstatue, die dieser einem Kloster abkaufen möchte, sicher zu überführen. Dies geht freilich nicht ohne Reibereien ab, denn eine paar Gangster sind ebenfalls an dem Schmuckstück interessiert...

Mit Jeff und Jim darf man hier also vorlieb nehmen, zwei echt kernige, draufgängerische Typen, die von einem Abenteuer ins nächste schlittern und ständig auf der Flucht vor erbosten Ladenbesitzern und Ähnlichem sind. Als sie gerade mal wieder Reißaus nehmen müssen, hetzen sie ihren alten Esel mit durch die Straßen, für ein paar arme kolumbianische Arbeiter, die ihnen helfen, haben sie nicht mal ein paar Pesos Trinkgeld übrig und schließlich lassen sie sich in einer versifften Gaststätte nieder, wo sie wie wild auf einem riesigen Stück Fleisch rumhacken...
Was ist das nur für eine Welt, die Ernst Hofbauer uns hier präsentiert? Und warum will er uns diese beiden Unsympathen als das kumpelhaft-sympathische Buddy-Duo par excellence verkaufen? Schlimm, schlimm und irgendwie auch von begrenztem Unterhaltungswert. Klar hat es gerade in Zeiten von durchkalkulierten Hochglanzproduktionen und CGI-Schnickschnack seinen Reiz, so eine handgemachte, gewissermaßen wie improvisiert wirkende Low-Budget-Action-Sause zu sehen, aber viel mehr als lahme Kalauer und wenig spannende Kloppereien kommt dann doch nicht dabei rum. Selbst für einen Film, der augenscheinlich gar keine höheren Ziele hat, ist das eine etwas schwache Vorstellung. Die dünne Story hält die episodenhaften Einlagen mühsam zusammen, Stelvio Ciprianis Score düdelt recht uninspiriert vor sich hin und selbst wenn es nicht allzu langweilig wird, schwingt doch immer ein Gefühl der Belanglosigkeit mit.

Ich würde ja gerne noch ein paar positive Aspekte herauspicken, aber viel ist da einfach nicht. In der Tat ein ziemlich befremdliches Filmerlebnis, das mich etwas ratlos zurücklässt.

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September 2012


Cheech & Chong im Dauerstress (OT: Things are tough all over; USA; 1982; Thomas K. Avildsen)

Cheech (Cheech Marin) und Chong (Tommy Chong) sollen gegen eine saftige Belohnung eine noble Karre für zwei Araber (wieder Cheech und Chong) nach Las Vegas fahren. Logisch, dass es so einfach nicht sein kann und an der Sache irgendein Haken sein muss - und so lassen die Probleme auch nicht lange auf sich warten, denn "things are tough all over"...

Es war schon spät und ich wusste nicht so recht: Lohnt's noch, nen Film anzufangen? Hab ich Lust? Wenn ja, worauf? Da was Großes, sehr Forderndes oder gar Hochgeistiges in dieser Situation wohl eher fehl am Platz gewesen wäre, schien mir unbeschwerte Komödienkost genau das Richtige zu sein. Und Tatsache: beinah exakt wie erhofft, hat der leicht delirierende Klamauk des schlurfigen Blödel-Duos bestens mit meinem ambivalent-dämmrigen Zustand korrespondiert. Zu Beginn noch schnell von der penetrant "lässig-coolen" deutschen Synchro in den deutlich angenehmeren O-Ton gewechselt (plus engl. UT, zwecks besseren Verständnis), und es kann losgehen.
Die grundlegende Eigenschaft des Films - ob man sie nun als Qualität oder Mangel sehen möchte, sei vorerst dahingestellt - ist dabei, dass die Verplantheit der Protagonisten auch das gesamte Geschehen überstrahlt. Die Gags gehen mitunter übel daneben, oder aber münden mit all ihrer bizarren Sinnlosigkeit zuweilen auch in recht genial anmutenden Anwandlungen - genau diese Diskrepanz ist der schmale Grat, auf dem hier beständig balanciert wird. Auch wenn diese Masche ungefähr nach der Hälfte der Spielzeit das erste Mal Abnutzungserscheinungen offenbart, bleibt das Gleichgewicht zwischen Tiefschlägen und Lichtblicken doch einigermaßen erhalten.
Sowieso muss man sie ja irgendwie mögen, diese beiden Typen, die eben auch den Höhen und Tiefen des Lebens ausgesetzt sind, und auf ihre verpeilte, aber im Grunde doch gutmütige Art versuchen, der Lage Herr zu werden. Aus diesem Grund wirkt auch das gnadenlose Auswalzen der Stereotypen (Araber, Schwarze, Mexikaner, weiße "Hinterwäldler"), das zudem so ziemlich gleichberechtigt stattfindet, nie wirklich bösartig oder ärgerlich. Aus atmosphärischer Sicht macht auch der Roadmovie-Charakter des Ganzen ein bisschen was her, zumal sich im Laufe dieses Trips nach Las Vegas (Achtung, Running Gag!) ihr edler Wagen zunehmend in einen fahrenden Schrotthaufen verwandelt, da sie, aus Geldmangel, für alle Dienstleistungen, von denen sie unterwegs Gebrauch machen, immer nur ein Autoteil als Pfand dalassen können. Sicher, auf den mal wieder unvermeidlichen "Männer in Frauenkleidern"-Gag hätte man auch verzichten können, aber dafür sind der in einem Pornokino angesiedelte Showdown, der auch zwei flotte Französinnen (übrigens gespielt von den damaligen Lebensgefährtinnen von Cheech & Chong) involviert, und die darauf folgende Auflösung nochmal richtig schön schräg.

Spritzige Komik ist sicher was anderes, aber wenn man einen Zugang findet oder in der passenden Stimmung ist, kann der Streifen funktionieren - dass das sogar ohne Konsum der für das Komiker-Duo so typischen Rauschmittel (welche in diesem Film allerdings keine große Rolle spielen) klappt, kann ich hiermit bezeugen.
Nettes Detail am Rande: im Soundtrack-Department war unter anderem Gene Page am Werke, von dessen Soul/Pop-Produktionen (Barry White, Diana Ross, Freda Payne, Nancy Wilson, Barbra Streisand uvm.) aus den 70ern ich gar nicht genug kriegen kann.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 15.10.2012 03:55 
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Null Null Sex (OT: Finders Keepers, Lovers Weepers!; USA; 1968; Russ Meyer)

Eine Nacht in einem Strip-Schuppen: Cal (Duncan McLeod) und Feeny (Robert Rudelson), zwei üble Gestalten, warten auf den perfekten Zeitpunkt, den Safe zu leeren. Paul (Paul Lockwood), einer der Besitzer, lässt sich mal wieder volllaufen und schlägt sich den Abend im nahgelegenen Freudenhaus um die Ohren - sehr zum Leidwesen seiner Frau Kelly (Anne Chapman - holla, die Waldfee!), die immer brav zu Hause wartet. Als ihr besoffener Mann nach Hause zurückkehrt, und mal wieder äußerst grob und zudringlich wird, hat sie die Schnauze voll und tut etwas, wovon er gar nicht begeistert ist: sie lässt nun ebenfalls in der Topless-Bar die Hüllen fallen - denn es herrscht sowieso gerade ein Mangel an Tänzerinnen. Dort trifft sie auch auf Pauls Kollegen Ray (Gordon Wescourt), der schon lange ein Auge auf sie geworfen hat. Und währenddessen warten die beiden Gangstertypen immer noch ungeduldig, dass sich die Gäste endlich verziehen, und sie in Ruhe zur Tat schreiten können...

Wenn man Russ Meyers Schaffen mal grob in noch etwas gemäßigtere Frühwerke der 60er und irreal überzogene Spätwerke der 70er unterteilen möchte, dann stellt FINDERS KEEPERS, LOVERS WEEPERS! wohl so eine Art Übergang dar, bei dem die beliebten Zutaten Sex & Gewalt zeitgemäß langsam schon offensiver angegangen werden, aber der trotzdem noch in bodenständigen Bahnen bleibt. Ich weiß nicht warum - zumal ich mit solchen mittlerweile eher Mode-Begriffen normalerweise nicht viel anfangen kann - aber immer wieder schwirrt mir bei dem Film das Wort "Grindhouse" im Kopf herum. Es muss wahrscheinlich an der unübersehbaren Low-Budget-Mentalität liegen, die mit so einfachen wie effektiven Mitteln aus der minimalistischen Prämisse die maximale Wirkung herausholt. Die wenigen handelnden Figuren, die kammerspielartigen Schauplätze, die recht simplen Konflikte - das alles ist wie aufs Nötigste reduziert, aber gleichzeitig bietet der Film genüsslich dem Unnötigen, dem Rauschhaften eine Bühne: immer wieder hitzige Tanzszenen in der Bar, dazu dieser jazzig-groovende Soundtrack, der die Bilder perfekt unterstützt; weiterhin Sexeinlagen, stakkatoartig zwischengeschnitten mit eindeutigen Sinnbildern; sowie eine allgemein angenehm anrüchige Atmosphäre. Das sind die Komponenten, die das Bild bestimmen. Und dann ist da eben noch der Crime-Plot, der eigentlich hauptsächlich daraus besteht, dass die beiden Schmalspurfieslinge gelangweilt rumhocken und ab und an lakonisch Sinnlosigkeiten austauschen (schon lange vor und weitaus gelungener als bei Tarantino!), bis die Ereignisse sich am Ende überschlagen und in einem nicht an Drastik und Sadismen sparenden Finale kulminieren.

Wieder einer dieser Streifen, die mit der Schilderung der Ereignisse einer Nacht eine reizvolle, latent soghafte Stimmung erzeugen, der man sich nur schwer entziehen kann und vor allem nicht entziehen möchte. Ansonsten ganz klar einer meiner Favoriten von Russ Meyer und auch für (noch) Nicht-Fans, meiner Einschätzung nach, eine exzellente Empfehlung für den Einstieg.

Ich denke, die deutsche DVD geht soweit auch in Ordnung, für die zahlt man aktuell kaum mehr als 5€. Also schlagt zu, ihr werdet es nicht bereuen.

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