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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Interview mit LUIGI COZZI
PostPosted: 15.11.2012 10:15 
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Nun, STAR CRASH, ASTARON, Dario Argento, PROFONDO ROSSO Shop - All diese Dinge fallen einem bei dem Namen Luigi Cozzi ein. Damit tut man dem armen Mann aber gründlich unrecht. Er ist mitnichten nur eine graue Eminenz, wie unser Interview zeigen wird. Luigi ist ein echtes Urgestein im Italo-Zirkus und er weiß eine Menge zu erzählen.

Exklusiv für Dirty Pictures hat er sich bereit erklärt, mir auf alle Fragen eine Antwort zu geben. Ich kann seinen Ruf als bodenständige und freundliche Person nur bestätigen!

Aber lest selbst...


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1. Eins vorweg, danke Luigi, dass du dich unseren Fragen annimmst!
Erzähl uns doch bitte ein bisschen über deiner ersten Schritte im Film Business?

Siehe Frage zwei.

2. Du benutzt oft das Pseudonym Lewis Coates. Aus welchem Grund?
Da gibt es keinen besonderen Grund. Als ich noch ein kleiner Junge war pflegte ich meine 8 mm Filme als Lewis Coates zu signieren, weil ich mir vorstellte ein amerikanischer Regisseur von Horror und Science-Fiction Filmen zu sein. Zu der Zeit kamen Horror und Science-Fiction Filme ausschließlich aus den vereinigten Staaten. Später, bei den Dreharbeiten zu STAR CRASH, Kann der Produzent auf mich zu und sagte mir, dass er unbedingt einen amerikanischen Namen für die Vermarktung des Films bräuchte, weil der amerikanische Verleih keine italienischen Namen wollte. Daher fragte er mich ob ich nicht ein amerikanisch klingenden Pseudonym für ihn hätte, ansonsten müsste er sich eben eins ausdenken. Wie aus der Pistole geschossen sagte ich ihm: "Ja, man nennt mich auch Lewis Coates". Später, als STAR CRASH ein großer Hit wurde, wollte jeder, das ich diesen Namen benutze. Ok, das tat ich dann auch ohne Probleme, da ich mich ja schon als kleiner Junge so nannte.

3. CONTAMINATION (aka. ASTARON) und STAR CRASH - Es scheint so, als würdest du dich im Weltraum sehr wohl fühlen.
Das ist wohl wahr! Denn schon als kleines Kind habe ich Weltraumfilme und Science-Fiction geliebt!

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4. Ganz besonders CONTAMINATION scheint eine kleine Hommage an ALIEN zu sein. Liege ich da richtig?

Das mag so aussehen, stimmt so aber nicht. CONTAMINATION sieht zwar so aus wie ALIEN. Das liegt eben daran, dass italienische Produzenten Science-Fiction Filme, die ich ja so liebe, eigentlich hassen. Auf der anderen Seite lieben die Produzenten jedoch die große Kohle, die ALIEN damals in die Kinokassen spülte. Da erzählte ich diesen Burschen, um sie zu ködern, dass ich bereit wäre einen ALIEN-ähnlichen Film zu stemmen. aus diesem Grund habe ich diese Alien-Eier in meinen Film eingebaut, aber eigentlich habe ich einen Science-Fiction-Film gedreht, der eigentlich nicht (gänzlich) auf ALIEN basiert, sondern vielmehr an Science-Fiction Filme aus den fünfzigern angelehnt ist. Hauptsächlich erinnert er an QUATERMASS II (aka ENEMY FROM SPACE), THEM! und H-MEN. Also reine Billigproduktionen, eben klassischer Science-Fiction-Stoff aus den Fünfzigern, die Sachen die ich eben wirklich liebe. Und mein CONTAMINATION ist viel viel mehr eine Huldigung an QUATERMASS II (1956), THEM! (1954) und H-MEN, als an ALIEN. Der Film sieht zwar aus wie ein ALIEN-Rip-Off, das liegt jedoch nur daran, dass ich meinen Produzenten nicht erzählen konnte, dass ich einen Science-Fiction-Film im Stil der Fünfzigerjahre will. Die hätten mich hochkant aus dem Büro geschmissen.

5. Bei CONTAMINATION hast du mit deutschen Schauspielern wie Siegfried Rauch und Gisela Hahn gearbeitet. Waren die schwierig am Set?
Gisela war eine sehr nette Dame, die in Rom gelebt hat und heute wahrscheinlich immer noch da lebt. Rauch kam aus Deutschland und war ein absoluter Profi und auch ein netter Kerl. Ich empfand es als sehr angenehm mit den beiden zu arbeiten.

6. STAR CRASH war ein erneutes Vorstossen in die unbekannten Tiefen des Weltalls. Der bemerkenswerte David Hasselhoff war Teil des Films. Er war ein sehr populärer Schauspieler, besonders in Deutschland. Wie kam es dazu, das er daran teilnehm? Ich denke, es war eine recht untypische Rolle für ihn. Wie war die Arbeit mit ihm? Wie beurteilst du die Schauspielleistung von Marjoe Gordner?
STAR CRASH war Davids erste Rolle in einem Spielfilm. Er spielte vorher nur für TV-Serien: Sie schickten mir aus Hollywood einige Videobänder mit Episoden aus TV-Serien. Ich sah sie mir an und wählte David aus: Er sah perfekt aus für meinen Prinzen... und tatsächlich war er perfekt. Er kam nach Rom, war ein netter Mann und ein guter Schauspieler. Er und Caroline Munro (aus England), waren das perfekte Schauspielgespann bei STAR CRASH: Superprofessionell und voller Enthuiasmus. Marjoe Gortner war ein enger Freund des amerikanischen Vertreibers, Sam Arkoff, und bei Arkoffs Firma AIF spielte er zuvor die Hauptrolle bei dem Film THE FOOD OF THE GODS, der eine Menge Geld an der Kasse machte. Also wollten die Arkoffs, Vater und Sohn, ihn in der Rolle des Akton, den ausserirdischen Freund von Stella Star, sehen. In meinem Entwurf sah der Charakter von Akton, total nach einem Ausserirdischen aus, so ähnlich wie der Metaluna Mutant bei THIS ISLAND EARTH (1955). Aber Marjoe weigerte sich, die Rolle als alienähnliche Kreatur zu spielen, und der Produzent bestand darauf, dass ich den Charakter von nichtmenschlich auf mensnschlich umzuändern, um den amerikanischen Vertrieb nicht zu verärgern... also musste ich es akzeptieren und den Akton Charakter umschreiben. In meiner ursprünglichen Vorstellung war Stella Star der einzige Mensch zwischen dem Roboter und dem Ausserirdischen.

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7. Vor deinen Weltraumopern befandest du dich im festen Griff der schwarzen Handschuhe. Fühltest du dich wohl im Giallo-Genre? Deine ersten Arbeiten als Filmemacher beinhalteten schließlich nicht weniger als drei Gialli!
Ich wollte eigentlich immer nur Science Fiction machen, aber das war vor dem Erfolg von STAR WARS, eine unmögliche Mission in Italien. So fing ich dann an, zusammen mit Dario Argento zu arbeiten, weil mysteriöse, behandschuhte Killer, in diesen Jahren noch das ähnlichste zu Horror und Science Fiction waren. Als diese Mysterie-Thriller, welche ich mit Dario machte, große Erfolge wurden, wollte mich jeder dazu drängen, weitere, ähnliche Filme zu drehen. Das war auch der Grund, wie ich dazu kam THE KILLER MUST KILL AGAIN zu drehen. Der Film war eine Art Erweiterung, des Episodenfilms THE NEIGHBOUR, den ich schrieb und den Dario für seine TV-Serie LA PORTA SUL BUIO (aka. THE DOOR INTO DARKNESS) machte. Ich drehte ihn auf „Argento“-Art, aber kehrte ihn ins Gegenteil um: Man weiß von Anfang an, wer der Mörder ist und ich benutzte auch nicht die typischen, schwarzen Handschuhe. Ich konnte es für mich selbst nicht akzeptieren, Dario zu imitieren, also musste ich etwas anderes machen.

8. Einer deiner besten Filme ist meiner Meinung nach L´ASSASSINO È COSTRETTO AD
UCCIDERE ANCORA (aka. THE KILLER MUST KILL AGAIN). Hast du irgendwelche besonderen Erinnerungen daran?
Mit George Hilton, Antoine Saint-John und Femi Benussi hattest du ja einige erfahrene Darsteller zur Verfügung.

Das war eine sehr kleine Produktion, gedreht in weniger als vier Wochen zwischen Mailand und Genua. Aber mit viel schwarzem Humor, Spannung, Gewalt und Blut.

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9. War es schwierig, eine deiner Darstellerinnen zu überreden, nackt vor der Kamera zu agieren? Fühlst du dich wohl, solche Nacktszenen zu drehen? Und, dachtest du jemals daran, auch freizügigere Erwachsenenfilme zu drehen, wie dein Kollege Aristide Massacessi (aka. Joe D´Amato)?
Nun, in diesen Tagen wurden immer wieder Nacktszenen in das Script hineingeschrieben: Die Darstellerinnen wussten, was von ihnen erwartet wurde. Sie konnten akzeptieren oder ablehnen. Sie waren sich im Klaren, ob nackt oder nicht. Wenn sie zustimmte, musste sie diese Szenen drehen.
Generell, wurde zwischen 1970 und 1973, begonnen, nackte Mädchen in die italienischen Filme zu integrieren, weil diese Filme einfach mehr Geld einspielten, als die prüderen Vertreter. Deshalb versuchte jeder Produzent, nackte Mädchen reinzubringen, egal ob die Geschichte diese Szenen benötigte oder nicht. Und bald darauf, akzeptierten das immer mehr Darstellerinnen, um auch weiterhin engagiert zu werden.
Ich persönlich mag natürlich nackte Mädels, also fühle ich mich bei solchen Szenen auch nicht unwohl, mag sie sogar: Einige der Darstellerinnen fühlten sich natürlich etwas unwohl, während es anderen nichts oder nur wenig ausmachte. Einige waren aber vom Verhalten her wie Huren, die auf sowas sogar standen...
Aristide Massacessi war ein wirklich netter Mann, ich arbeitete mit ihm, aber die Porno-Industrie interessierte mich überhaupt nicht, ich wollte einfach nur meine Horror- und Sci-Fi-Filme machen, sogar Gialli, aber nichts anderes. Auch wenn sie mir einiges dafür bezahlen würden: Die Porno-Industrie zahlt aber real nichts oder fast nichts, also warum sollte ich mir darüber den Kopf zerbrechen.

10. Die TV-Mini-Serie LA PORTA SUL BUIO scheint ein Novum in der italienischen Fernsehlandschaft zu sein. Eine Serie von vier Giallo-Episoden. In zwei Teilen warst du Regisseur. Wie kam es zu diesem Projekt?

Ich schrieb sie zusammen mit Dario Argento und war dabei auch sein Assistent. Die RAI (italienische TV-Anstalt) fragte nach der Serie und Darios Vater machte die Verträge klar: Die RAI wollte modernere Gialli für ihre Zuschauer. Dario und ich arbeiteten an dieser Idee und daraus wurde LA PORTA SUL BUIO. Ich produzierte den Vorspann und eine Episode, schrieb Teile und drehte teils eine zweite Episode THE EYE WITNESS. Mit Dario zusammen schrieb ich die zweite Episode und assistierte ihm bei der Episode THE TRAM und war zweiter Regiesseur bei der vierten, THE DOLL. Als RAI die Serie im September 1973 ausstrahlte, war sie ein riesiger Erfolg und meine Episoden bekamen sehr gute Kritiken und wurden die beliebtesten Teile.

11. Wie war die Arbeit an einer TV-Serie, im Vergleich zu Kinoproduktuionen? Weniger Risiko?
Obwohl alles von RAI vorfinanziert wurde, musste ich strikt im Schema und dem Budget bleiben. Ich hatte dabei aber kein Problem: Ich schrieb meine Episoden so, dass ich sie einfach und effektiv umsetzen konnte. Ich schaffte es innerhalb von drei Tagen, meine Teile abzudrehen. Als Belohnung gab mir Darios Vater ein kleines Geldgeschenk.

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12. Gibt es noch weitere gialloeske Serien in Italien? Ich kenn nur LA PORTA SUL BUIO.
Es gab einige, altmodische vor LA PORTA SUL BUIO und einige im neuzeitlichen Stil danach.
Aber keine wurde ein derartiger Erfolg wie LA PORTA SUL BUIO, bis Dario 1987 eine weitere Serie mit mir machte. Der Titel war TURNO DI NOTTE (aka. TAXI IN THE NIGHT oder NIGHT TAXI SHIFT): 15 Episoden, sechs davon von Lamberto Bava und neun von mir.

13. HERKULES – Sogar im Peplum-Genre hast du deine Duftmarke hinterlassen. Erwähnenswert beim zweiten HERKULES-Teil, war die Zusammenarbeit mit Lou Ferrigno, der vor allem durch seine Rolle als grüner HULK bekannt wurde. Wie war die Arbeit mit ihm? Wie stehst du zu deinen Peplum-Filmen? Ich wette, die waren nicht einfach umzusetzen, wegen der vielen Kostüme, Statisten und des Settings.
Der erste HERKULES war ein sehr schwieriger Film: Viele Sets, viele Darsteller, viele Actionszenen und viele Spezialeffekte. Aber es klappte alles ganz gut. Ferrigno freute sich sehr, daran teilzunehmen und wir wurden gute Freunde: Wir teilten die selbe Vision!

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14. Wenn du Filme für den internationalen Markt drehst, ist ja meistens ein multilingualer Cast zugegen. Wie schaffst du es, all diese Fremdsprachler unter einen Hut zu bekommen? Wird der Film dann nachträglich vertont und jeder Schauspieler spricht in seiner eigenen Sprache, oder herrscht am Set eine Sprache, wie zum Beispiel englisch?
THE KILLER MUST KILL AGAIN war zum Beispiel eine italienische Produktion, die fast nur mit italienischen Geldern finanziert wurde. Die Schauspieler kamen aus Italien, Frankreich und Spanien. Am Set sprachen sie alle (schlechtes) Englisch und wurden folglich in das amerikanisch Englische hier in Rom neu vertont. Mit den Darstellern sprach ich am Set englisch oder italienisch. Genau so verfuhr ich auch bei CONTAMINATION und PAGANINI HORROR.
HERKULES war eine rein amerikanische Produktion, für den amerikanischen Markt und mit amerikanischen Geldern finanziert: Jeder Darsteller sprach amerikanisches Englisch und sogar sie wurden neuvertont. Ich sprach zum Glück fließend englisch, was mir in der Kommunikation mit den Schauspielern und den Produzenten zu gute kam, während in Rom, fast niemand dem mächtig war. Hier war es genau so, wie bei STAR CRASH am Set oder bei DEDICATO A UNA STELLA (aka. THE LAST CONCERT).

15. Gibt es besondere Erinnerungen an DEDICATO A UNA STELLA und LA PORTIERA NUDA? Beide sind ja sehr obskure Filme, die sehr unbekannt sind und es kaum über die italienische Grenze schafften.
LA PORTIERA NUDA war eine sehr provenzionelle Komödie mit etwas Erotik. Ich wurde einfach von einem Freund von mir, der der ausführende Produzent war, ob ich den Film machen will. Dieser etwas dümmliche Film fand nur in Italien seine Aufführung. Am Set sprachen bis auf die weibliche Hauptrolle, die bezaubernde Irene Miracle, alle italienisch. Irene wurde im Nachhinein neu vertont. Aber dieser Film war nicht meine Welt: Zu dümmlich!
DEDICATO A UNA STELLA wurde im Jahre 1976, in Frankreich und Italien hergestellt. Produzent war Ovidio Assonitis, aber von der japanischen TOHO Company finanziert.
Es ist ein wahrer Tränenzieher, der von Musik und Liebe handelt, in dem Richard Johnson eine große Rolle spielte. 1977 wurde der Film veröffentlicht und war mein erster großer Hit, sowohl international, wei auch in Italien: Er war sogar bei den Verkäufen an der Kasse, in Italien und Japan. Das Liebesthema aus dem Soundtrack, enterte sogar eine Nummer 1 in den Charts! Dieser kleine Film, mit nur zwei Charakteren (ein junges Mädchen und ein alter Klavierspieler) war wirklich mit Glück behaftet und wird bis heute immer wieder im TV ausgestrahlt. Für mich persönlich stellt der Film meine beste Arbeit dar: Keine Effekte, nur die menschliche Seele!

16. Was siehst du als das „Golden Age“ des italienischen Kinos an? Inweifern unterscheidet es sich zum heutigen Kino?
Das goldene Zeitalter waren die späten Fünfziger, die Sechziger und vor allem die Siebziger. Danach änderte die Welt sich grundlegend und das Kino ebenso. Was damals im Kino passierte, kann man heutzutage niemals wieder kopieren, weil alles sehr, sehr, sehr, verschieden ist und das Italien von damals Geschichte ist.

17. Wenn du dir heute Filme anschaust, bist du dann Nostalgiker oder bist du auch am aktuellen Geschehen interessiert?
Die meisten alten Filme kenne ich in- und auswendig, so dass mein Augenmerk zur Zeit auf den neueren Outputs liegt, besonders den Zeichentrickfilmen. Die heutigen Filme unterscheiden sich schon sehr von den alten Klassikern, da sich die Welt, die Sehgewohnheiten und die Zuschauer sich sehr gewandelt haben. Das kann man einfach nicht vergleichen.

18. Bemerkenswert in deiner Vita, ist die enge Verbindung zu Dario Argento. Die arbeitest viel mit ihm zusammen, teils als zweiter Regisseur in Filmen wie LA SINDROME DI STENDHAL (aka. DAS STENDHAL SYNDROM) oder DUE OCCHI DIABOLICI (aka. TWO EVIL EYES). Es sieht wie eine enge Freundschaft aus. Wie kam es dazu? Was für eine Person ist Dario?
Wir trafen uns im Jahre 1970 und freundeten uns an. Danach trafen wir uns immer wieder und arbeiten bis heute zusammen. Ich mag seine Filme wirklich sehr gerne und achte ihn auch menschlich sehr: Er ist ein toller Mensch und ein wahres Talent!

19. Dein erster Film war der Kurzfilm IL TUNNEL SOTTO IL MONDO. Leider findet man nur sehr spärliche Informationen darüber. gibt’s etwas darüber zu berichten? Von was handelt der Film?
In Frankreich wurde der Film vor einiger Zeit auf DVD veröffentlicht. Es ist ein sozial-experimenteller Sci-Fi-Film, der sehr ähnlich zum bekannten Film THE TRUEMAN SHOW ist, mit dem Unterschied, dass mein Film ohne Budget und große Schauspieler realisiert wurde, und das fast zwanzig Jahre zuvor!

20. IL GATTO NERO (aka. DEAD EYES) wurde lange als der inoffizielle dritte Teil von Argentos Mütter-Trilogie bezeichnet. War es jemals geplant, das er Teil der Trilogie sei?
Die Schauspielerin Daria Nicolodi, die auch SUSPIRIA und INFERNO mit Argento schrieb, wollte auch den dritten Teil schreiben. Ich riet ihr aber, etwas anderes zu versuchen, ohne von den vorherigen Meisterwerken zu kopieren. Daraus wurde dann diese CARRIE-ähnliche Sci-Fi-Fantasie, die IL GATTO NERO jetzt darstellt.

21. PAGANINI HORROR zählt hier in Deutschland als als Trash-Klassiker. Er ist ein spaßiger und blutiger Horrorfilm, den man nicht recht ernst nehmen kann. Wie siehst du den Film heute, mit einigen Jahren Abstand?
Mit PAGANINI HORROR versuchte ich einen absolut verrückten und trashigen Film zu machen, mit einer Menge Ironie bezüglich des Trash- und Splatterkinos. Es sollte total absurd und übertrieben sein, in einer wilden, fast comicartigen Weise.

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22. NOSFERATU A VENEZIA (aka. NOSFERATU IN VENEDIG), war ja ein Film der vielen Regisseure: Mario Caiano, Maurizio Ludici, du (nicht in den Credits) und sogar Klaus Kinski, sollen ihre Finger im Spiel gehabt haben. Sttimmt es wirklich, das Kinski als Regisseur in Erscheinung trat? Warum so viele Regisseure? Wie war Kinski am Set?
Dieses Projekt nahm viele Jahre bis zur Fertigstellung in Anspruch. Seit der frühsten Planungsphase war ich Teil davon. Ich wurde für die Spezialeffekte und als zweiter, unterstüzender Regisseur engagiert.
Ursprünglich sollte Ludici den gesamten Film drehen und schrieb das Drehbuch nach seiner Vorstellung um. Nach einigen Monaten wurde er gefeuert und Pasquale Squitieri nahm seinen Platz ein. Auch er nahm Veränderungen am Drehbuch vor.
Schlußendlich wurde aber Squitieri ebenso abserviert, weil sein eigenes Drehbuch zu teuer in der Umsetzung wurde.
Als nächster war dan Mario Caiano an der Reihe, während Caminito, der Produzent, das Drehbuch erneut umschreib. Diesmal in einer sehr ökonomischen Weise, die man auch umsetzen konnte.
Dann kam Klaus Kinski aus Rom an und das Drehen konnte beginnen. Bereits am ersten Drehtag mit Caiano, versuchte Kinski Einfluß zu nehmen und akzeptierte den Regisseur nicht.
Ab diesem Punkt, die totalen Krise, übernahm der Produzent Augusto Caminito das Ruder und drehte den Film fertig.
Ich selbst nahm einige Effekte und Todesszenen auf, und drehte kleinere, unterstützende Szenen.
Etwa in der Mitte des Fimdrehs, erklärte Kinski, das er einige, zusätzliche Szenen bei Dämmerung gefilmt haben will. Caminito gab seine Zustimmung und bauftragte mich, diese Szenen aufzunehmen, so wie Kinski sie sich vorstellte. Jeden Tag zur Dämmerung, filmte ich so für circa zwei Stunden das gewünschte Material, mit einer kleinen Crew. Es war ganz nett , aber total unbedeutend für den Film, und passte absolut nicht dazu: Offensichtlich sind diese Szenen auch im Schneideraum entfernt worden.

23. Gibt es in deiner Filmographie irgendwelche Filme, die du nur noch voller Scham anschauen kannst? Welcher Film bedeutet dir am meisten?
Für mich stellt nur LA PORTIERA NUDA einen Tiefpunkt dar. Alle anderen bedeuten mir etwas, weil sie mehr oder weniger meiner eigenen Fantasie entsprungen sind.

24. Gibt es lustige Vorfälle beim Filmen, die dir in Erinnerung geblieben sind?
Da fällt mir jetzt spontan nichts ein.

25. Du schreibst sehr viele Drehbücher. Was bevorzugst du: Eine Geschichte schreiben oder eine Geschichte verfilmen?
Ich liebe das Schreiben, weil ich schreibe, wenn ich zuhause bin und völlig frei dabei bin, zu tun was ich will. Wenn ich am Filmset bin, bin ich von zu vielen Leuten umringt (Techniker, Schauspieler, Produzenten,...), mit denen ich einfach zu viele Kompromisse eingehen muss.

26. Eine der ersten Adressen, die jeder Filmfan in Rom besuchen sollte, ist dein PROFONDO ROSSO Shop. Im Shop verkaufst du tonnenweise Fanartikel und Filme. Wie wurde diese Idee geboren? Eine der Attraktionen ist das kleine Filmmuseum im Keller., in dem Requisiten aus diversen Argento-Filmen ausgestellt sind.
Dario Argento hatte diese Idee im Jahre 1989, suchte eine geeignete Location und bat mich mit an Bord zu gehen, da er wusste, dass ich ein großer Fan und Sammler bin. Auf unser kleines Filmuseum sind wir besonders stolz: Aus aller Welt kommen die Leute und bestaunen es.

27. Dir eilt der Ruf voraus, sehr fanorientiert und bodenständig zu sein. Auf Facebook zum Beispiel, stellst du viele Fotos zusammen mit Fans und beim Autogrammegeben ein. Wie wichtig ist dir der Kontakt mit den Fans?
Ich liebe die Fans, ich liebe es mit ihnen zu diskutieren und liebe es sie zu treffen. Sie sind sehr, sehr wichtig für mich!

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28. Dein letzter Film datiert auf dem Jahre 1997. Sind neue Projekte geplant oder hast du das Interesse am Filmemachen verloren?
Seit 1997, machte ich hauptsächlich nur Dokumentationen fürs Fernsehen. Über Argento, Horror im Allgemeinen und meine eigene Karriere (ROMA FANTASTICA im französischen TV).
In diesem Jahr schrieb und assistierte ich Dario während des Drehs von 100 PALLOTTOLE D´ARGENTO (aka. 100 SILVER BULLETS) fürs italienische Fernsehen: Jeden Dienstag und Donnerstag von August 2012 bis Juni 2013 spricht Dario eine Einführung auf Video, zu mehr als 180 Filmen und deren Schöpfer.

29. Bitte nenne uns deine Lieblinge aus den Sparten Film, Musik und Literatur.
Da gibt es einfach zu viele Klassiker, als dass ich mich dafür entscheiden könnte.

30. Irgendwelche letzten Worte an die Leser?
Kommt alle und besucht mich und unser Museum in Rom, im PROFONDO ROSSO Shop, in der Via die Gracchi 260!

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Vielen Dank, lieber Luigi und alles Gute für dich und deine Projekte!

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Interview geführt von Malastrana
Übersetzung deutsch/englisch & englisch/deutsch: Malastrana

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Zensor, der - Beamter gewisser Regierungen, dessen Aufgabe es ist, geniale Werke zu unterdrücken. In Rom war der Zensor
ein Inspektor der öffentlichen Moral; die öffentliche Moral moderner Nationen verträgt jedoch keinerlei Inspektion.
(Ambrose Bierce - Des Teufels Wörterbuch, 1911)


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 Post subject: Re: Interview mit LUIGI COZZI
PostPosted: 15.11.2012 14:07 
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Vielen, vielen Dank für dieses schöne Interview. :burns:
Den shop will ich schon lange besuchen. Hab mir aber sagen lassen, daß der nicht immer auf hat. :|


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 Post subject: Re: Interview mit LUIGI COZZI
PostPosted: 15.11.2012 15:22 
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Danke für dieses schöne Interview mit dem sehr sympathischen Luigi Cozzi.

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PostPosted: 15.11.2012 15:50 
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Sehr lesenswertes Interview, vielen Dank. Mhm, der Shop interessiert mich sehr. War vor kurzem in Rom, aber leider war die Zeit zu knapp.

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PostPosted: 15.11.2012 17:20 
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Blap wrote:
Sehr lesenswertes Interview, vielen Dank. Mhm, der Shop interessiert mich sehr. War vor kurzem in Rom, aber leider war die Zeit zu knapp.


...die Zeit der Pensionisten ist bekanntlich immer knapp. ;)

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 Post subject: Re: Interview mit LUIGI COZZI
PostPosted: 15.11.2012 18:41 
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Sehr schönes Interview geworden :P

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 Post subject: Re: Interview mit LUIGI COZZI
PostPosted: 15.11.2012 20:43 
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Danke für die Lorbeeren! Der Luigi ist aber auch eine richtige Quasselstrippe und hat sich wirklich Zeit genommen für die Fragen :)

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 Post subject: Re: Interview mit LUIGI COZZI
PostPosted: 15.11.2012 20:44 
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sid.vicious wrote:
...die Zeit der Pensionisten ist bekanntlich immer knapp. ;)


Vor allem wenn sich diese Gestalten auf einer Kreuzfahrt befinden. Ich prangere das an!

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 Post subject: Re: Interview mit LUIGI COZZI
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Top Interview, Mala! 8-)

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 Post subject: Re: Interview mit LUIGI COZZI
PostPosted: 15.11.2012 22:54 
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Sehr schönes Interview, für das ich herzlich danke! Besonders interessant fand ich die Infos zu "Nosferatu in Venedig". Das muss ja ein sehr "spaßiger" Dreh gewesen sein.

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 Post subject: Re: Interview mit LUIGI COZZI
PostPosted: 16.11.2012 01:08 
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Sehr cool! Hatte dieses Jahr selber kurz mit ihm geschnackt (soweit mich meine Italienisch-Kenntnisse trugen...), als im August in Rom im Shop war. Sehr angenehmer Zeitgenosse :-)


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 Post subject: Re: Interview mit LUIGI COZZI
PostPosted: 16.11.2012 01:30 
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Vielen Dank für das informative Interview!


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 Post subject: Re: Interview mit LUIGI COZZI
PostPosted: 16.11.2012 22:22 
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Mal wieder sehr gute Arbeit, Mala! :)

Auch immer wieder schön, wenn man sieht, wie bodenständig viele Ikonen des italienischen Kinos geblieben sind. :) Allerdings ist ja in Italien filmtechnisch auch wirklich nicht mehr allzuviel los - vielleicht bleibt einem da auch nicht anderes übrig, als bodenständig zu bleiben/zu werden. :?

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 Post subject: Re: Interview mit LUIGI COZZI
PostPosted: 17.11.2012 00:23 
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Spricht der Herr nur Italienisch?Oder komme ich mir Englisch bei ihm auch weiter.
Top Interview!Und für Astaron ist er für mich eh ein Held.

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 Post subject: Re: Interview mit LUIGI COZZI
PostPosted: 17.11.2012 00:28 
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....ich vermute, dass er auch Englisch spricht, wollte nur meine Italienisch-Kenntnisse mal anwenden :-D


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 Post subject: Re: Interview mit LUIGI COZZI
PostPosted: 17.11.2012 00:44 
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