Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 11.02.2013 22:42 
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Lilli - Die Braut der Kompanie (OT: Lilli - Die Braut der Kompanie; Deutschland; 1972; Hubert Frank)

Ein Gruppe von Musikern muss sehr widerwillig den Dienst bei der Bundeswehr antreten. Doch immerhin machen sie auf dem Übungsgelände rein zufällig - oder auch nicht so zufällig? - eine nette weibliche Bekanntschaft. Lilli (Kristina Nel) lebt fortan versteckt mit in der Kaserne...

Na bitte, deutschen Erotikklamauk der 70er gibt's doch tatsächlich auch in lustig! Natürlich ist das hier nur vorgegaukelter Erotikklamauk, dem die Erotik fehlt, wenn man mal davon absieht, dass Kristina Nel zum Anbeißen aussieht und mit bezauberndem Charisma punkten kann. Dafür heben sich die Gags und die Figurenzeichnung mit viel schrägem Einfallsreichtum allerdings wirklich wohltuend von der schon damals antiquierten Kalauerroutine, die in ähnlichen Werken des Genres lustlos abgespult wurde, ab. Hier hat man einen Film, der zwar nicht verbergen kann, dass er sicher mit sehr beschränkten Mitteln realisiert wurde, aber diese Mängel durch viel Tempo und Kurzweil nicht zu stark spürbar macht. In der Umsetzung zeigt sich, dass Hubert Frank damals mindestens ein kompetenter Handwerker war (und später dann auch noch weitaus mehr), und auch wenn das militaristische Rumgeschreie mitunter die Nerven strapaziert, rücken der allesbeschwichtigende Anarcho-Charme und das markante Ensemble, das nicht nur die üblichen Stereotypen porträtiert, doch wieder einiges gerade.

Och ja, halt so ein Filmchen, das brauchbare Unterhaltung bietet, aber dann auch wieder schnell guten Gewissens in Vergessenheit geraten kann. In jedem Fall nicht die absolute Fließbandware, sondern durchaus ein Werk mit eigenem Charakter und auch nicht ganz ohne Geist.

Wer den Film sehen will und kein Qualitätsfetischist ist, der ist mit der "Erotik Box - Die heissen Siebziger" von Universum gut bedient. Dreimal Hubert Frank der frühen 70er gibt's da zum kleinen Preis. Und nun bin ich gespannt, was die anderen beiden Streifen können.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 11.02.2013 23:05 
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Weiße Westen für Ganoven (OT: Uno scacco tutto matto; Italien/Spanien; 1969; Roberto Fizz)

Eine Gangstertruppe will mal wieder eine Bank ausräumen. Der Plan ist wie folgt: die Ganoven schlüpfen quasi als Doppelgänger in die Rollen der Bankangestellten (deutliche Ähnlichkeiten sind, rein zufällig, sowieso schon vorhanden), um so Zugang zur Materie zu bekommen, während die eigentlichen Mitarbeiter vorübergehend aus dem Verkehr gezogen werden. Doch die Sache läuft nicht so reibungslos wie vorgesehen...

Neben Edward G. Robinson, der in diesen Heist-Flicks aus europäischer Herstellung ja praktisch zum Stamminventar gehört, bekommt man hier in den ersten Minuten noch alte Bekannte wie George Rigaud, Terry-Thomas und Adolfo Celi zu sehen. Soviel Star-Power auf einem Haufen - das alleine hat zwar noch nicht unbedingt viel zu bedeuten, schürt aber doch gewisse Erwartungen. Zumal, aufgrund des oben kurz angerissenen Handlungselements, einige der Darsteller auch noch Doppelrollen inne haben. So z.B. Maria Grazia Buccella einmal als toughe Gangsterbraut und einmal als schüchterne Buchhalterin, und zwischendrin ist sie in einigen sehr reizvoll gemachten beinah-Nudity-Einlagen auch noch der ultimative Blickfang. Maria Grazi Buccella (dieser Name schon!) mit nichts als Badeschaum am Körper - alleine dafür lohnt das Einschalten bereits! Den Rest empfand ich nämlich als ziemlich extreme Berieselung. Wobei das gar nicht so negativ gemeint ist, wie es vielleicht klingt. Gewissermaßen gleichgültig bin ich in dem Film versunken, und habe mich dabei mehr in seiner Atmosphäre wohlgefühlt, als dass ich am Fortgang der Geschichte interessiert gewesen wäre. So ein bisschen ein surrealer Touch schwingt da tatsächlich mit, oder vielleicht hat mir auch lediglich meine leichte Müdigkeit bei der Sichtung einen Streich gespielt. Aber nein, irgendwas war da, das mich bei der Stange gehalten hat. Ich meine: diese sonderbare Doppelgänger-Prämisse; oder auch kurze Einzelszenen wie das Intermezzo in der Irrenanstalt; oder als ein betrunkener Terry-Thomas Frau Buccella beim Entkleiden zuschaut, während die Kamera dies in verschwommenen Bildern einfängt; oder auch der schräg klimpernde Score (der ruhig noch hätte etwas öfter zum Einsatz kommen können). All das sorgt für eine etwas seltsame, entrückte Note, mit der mich der Film, der sonst nicht sonderlich fesselnd ist, sanft in seinen Bann gezogen hat.

In der Tat sehr merkwürdig. Eventuell war es auch mehr so eine spezifische "Stimmungssache", und ich würde den Film zu einem anderen Zeitpunkt als völlig dröge und uninteressant abtun. Schwer zu sagen, aber umso interessanter fänd ich es jetzt, wie andere das empfinden. reggie, ich zähl auf dich!

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 12.02.2013 20:25 
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Jung, frech, frei (OT: La cognatina; Italien; 1975; Sergio Bergonzelli)

Frisch aus der Klosterschule entlassen, entdeckt Monika (Karin Well) in der erwachenden Natur der italienischen Provinz, was sexuelle Begierde bedeutet. Ein wenig problematisch ist da nur, dass sie sich ausgerechnet in Luca (Robert Woods), den Freund ihrer ebenfalls anwesenden älteren Schwester (Greta Vayan) verguckt hat...

So die viel- oder wenigsagende Prämisse dieser kleinen italienischen Produktion, die für mich in kurzer Zeit zu einem großen Mysterium geworden ist. Mysterium deshalb, weil ich 1) von ihrer Existenz bis vor kurzem schlichtweg noch nichts gewusst habe, und 2) weil der Regisseur Sergio Bergonzelli heißt (ja, das alleine rechtfertigt bereits eine gehobene Erwartungshaltung!). Ersteres liegt daran, dass es einen OFDB-Eintrag erst seit August 2012 gibt (an dieser Stelle vielen Dank an Martin Hentschel, ohne den ich diese Perle der besonderen Art vielleicht nie so bald entdeckt hätte!). Umso erstaunlicher, dass sogar eine deutsche Tape-Fassung (Titel: HOT SUMMER) existiert, und umso erfreulicher, dass ich dieses Tape kürzlich ergattern konnte.
Nun hatte ich also diesen seltenen Bergonzelli vor mir, zu dem ich im Netz - von einem vernachlässigbaren, da wenig aussagekräftigen Filmlexikon-Kommentar abgesehen - keinerlei Reviews finden konnte, und plötzlich fühlte ich mich wieder ein bisschen so, wie als ich vor vielen Jahren, die weite Welt des italienischen Kinos ganz neu für mich entdeckt habe. Gleichwohl da auch die Befürchtung war, es könnte sich, ganz böse ernüchternd, um eine dieser richtig finsteren Blödel-Klamotten handeln, denen selbst ich nur wenig abgewinnen kann.
Es vergingen jedoch keine 5 Minuten, da waren jegliche Zweifel wie weggeblasen, ja meine verwegensten Hoffnungen schienen sich zu bewahrheiten! So dass ich bald nur noch dachte: Was für ein Geschenk, dass ich solche Gottesgaben und Wunderwerke der Sleaze-Romantik (Sleamantik?) genießen darf! Unvermeidlich, dass sich dabei, aller freudigen Erregung zum Trotz, allerdings auch eine sentimentale Vergangenheits-Sehnsucht einstellt, da man hier Zeuge einer filmischen Welt wird, die so dermaßen verschütt gegangen ist und von vielen Leuten leider auch nicht ansatzweise im ganzen Umfang ihrer Faszination wahrgenommen wird, dass es langsam echt nicht mehr lustig ist. Eine Welt, deren Schöpfer Mario Siciliano, Andrea Bianchi, Luigi Batzella, Mario Bianchi, Renato Polselli oder eben Sergio Bergonzelli heißen.
Um etwas konkreter zu werden, kann man sich das in etwas so vorstellen: Dieses fluffig pulsierende sowie ungemein anziehende Comic-Flair, von dem ich überzeugt bin, dass es in dieser Ausprägung tatsächlich ausschließlich im italienischen Kino der 70er-Jahre anzutreffen ist, trieft hier praktisch immer und überall aus jeder Pore. Das alleine sorgt schon dafür, dass selbst der unfassbare Gossenhumor der noch unfassbareren Dialoge von einem poetischen Schleier zart umspielt wird. Und dazu gesellen sich Bildmontagen, Szenenabfolgen, Ideen, Inspiration, ja blanker Irrsinn; für die man eben wirklich einen Regisseur aus der weiter oben kurz umrissenen Kategorie braucht. Außerdem unerlässlich: ein fröhlich blubbernder Score, der in diesem Fall von dem mir völlig unbekannten Nello Ciangherotti stammt. Und schließlich noch der Cast, mit Karin Well, die hiermit zur heimlichen Königin dieser speziellen Sparte des italienischen Kinos, für die mir partout keine adäquate Bezeichnung einfallen will, aufsteigt; und außerdem einem sehr feschen Robert Woods als "verkannter Künstler"/Fußballtrainer; weiterhin Pupo De Luca als Priester; sowie einige obskure Gestalten, die man schlichtweg nicht kennt.

Nein, auf Einzelszenen und Handlungselemente bin ich jetzt bewusst nicht eingegangen, da so eine Beschreibung der Wirkung des Gesamtwerkes nicht gerecht werden würde. Wem es nicht als Widerspruch erscheint, dass dieser Erotik-Komödie all diese seltsamen Qualitäten zukommen, obwohl sie weder übermäßig lustig noch sonderlich erotisch ist, der hat gute Chancen, diesen Hochgenuss nachzufühlen. Pures Gold!

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 16.02.2013 23:41 
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Ein Haus voller Unschuldslämmer (OT: Accadde al penitenziario; Italien; 1955; Giorgio Bianchi)

Ein gutmütiger Gefängniswärter (Aldo Fabrizi) versorgt die Insassen mit kleinen Extras. Zudem hat er ein Büchlein, in dem die Häftlinge schildern, wie sie, durch dumme Zufälle und meist ohne bösen Vorsatz, auf die schiefe Bahn geraten und da gelandet sind, wo sie sich nun befinden...

Mit den hochkarätig besetzten italienischen Komödien der 50er und 60er Jahre macht man selten was falsch! Und gerade Giorgio Bianchi gehört da zu den etwas weniger namhaften Regisseuren, von denen ich aber unbedingt noch mehr sehen möchte. Was man in diesem Fall bekommt, ist eine in meist karge Schwarzweiß-Bilder gehüllte, inhaltlich aber sehr lebendige, spritzige und wortgewandte kleine Farce, die man wirklich nur als typisch italienisch bezeichnen kann. Nur als vollwertiger Spielfilm lässt sich das Gebotene kaum betrachten. Das liegt zum einen an der episodenhaften Struktur, was allerdings noch viel schwerer ins Gewicht fällt, ist die Tatsache, dass die ursprünglich für's DDR-Fernsehen erstellte Fassung satte 20 Minuten entbehrt. Eigentlich bitter, dass ich mich, da in dem Bereich so ein Notstand herrscht, trotzdem freue, wenigstens solche Fassungen zu sehen. Aber es macht halt trotzdem Spaß, die Elite der italienischen Komiker bei der Arbeit zu sehen. Da ist z.B. Peppino De Filippo, der auf Teufel komm raus wieder im Knast landen will, was sich als gar nicht so einfach herausstellt. In einer anderen Geschichte wird Walter Chiari als Juwelier durch einen ausgefuchsten Plan von einer feinen Dame über's Ohr gehauen. Und dabei regiert immer ein Humor der durch Situationskomik und Dialoge fein zugespitzt wird. Das absolute Highlight ist jedoch Alberto Sordis Episode, in der er volltrunken durch die nächtlichen Straßen torkelt, Polizisten, Passanten und Touristen auf die Nerven fällt und schließlich noch ganz unbeholfen in einen Einbruch verwickelt wird. Dieser Mann ist eine Wucht! Das muss man gesehen haben!

An sich also ein schönes Filmvergnügen, das leider bereits nach 70 Minuten am Ende angelangt ist und dadurch einen etwas unbefriedigenden Eindruck hinterlässt.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 17.02.2013 17:27 
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Flucht von Galaxy 3 (OT: Giochi erotici nella 3a galassia; Italien; 1981; Bitto Albertini)

Nachdem ihre Raumstation vom König der Finsternis, Oraclon (Don Powell, auch für den Soundtrack verantwortlich!), zerstört wurde, können sich Belle Star (Sherry Buchanan) und ihr männlicher Kollege, Lithan (Fausto Di Bella), gerade so noch auf einen fremden Planeten, genannt Erde, retten. Dort lebt ein rückständiges Völkchen, das bei weitem nicht so wissenschaftlich optimiert ist wie die Raumfahrer, dafür aber noch Gefühle wie Liebe kennt, an denen sie die Neuankömmlinge bald teilhaben lassen...

Ziemlich müdes und dröges Filmchen, mit einigen wenigen Momenten von Interesse. Vor allem spürte ich auch gleich mal wieder meine Abneigung gegenüber dem SciFi-Genre im Allgemeinen. Ich meine, wen interessiert dieser Quatsch, dieses ganze pseudotechnische Gelaber oder diese sinnlosen Weltraumschlachten, die nur aus wirrem Geflacker und Geblitze bestehen. Andererseits bin ich für italienische "Trash"-Auswüchse (ein Begriff, der zu inflationär verwendet wird, aber in diesem Fall zutrifft) fast immer zu haben, also kann man ja mal hoffen, dass doch irgendwas Reizvolles oder Erheiterndes dabei rumkommt. Bitto Albertini inszeniert zu Beginn sehr zahm und familienfreundlich, ohne nennenswerte Härten. Interessanterweise hatte er aber die hübsche Idee, etwa nach der Hälfte der Laufzeit mit zaghaften Softsex-Einlagen (der allerdings ganz soften Sorte) um die Ecke zu kommen. Aber so ist das eben, wenn Übermenschen aus fernen Galaxien auf der Erde wieder zu ihren ureigensten Trieben zurückfinden. So macht sich dann Sherry Buchanan in den Monte-Gelato-Wasserfällen nackt, wie Gott sie schuf, mit dem unbekannten Element Wasser vertraut. Oder sie und ihr Begleiter lernen das Küssen und auch noch ein bisschen mehr. Das alles ist natürlich himmelsschreiend naiv umgesetzt, aber das soll es ja auch sein. Grundlegendes Problem ist da nur: Bitto Albertinis Regie traut sich nicht in die Vollen zu gehen und erstickt leichte Anflüge von Wahnsinn und Rausch immer wieder schnellstens im Keim. Immerhin die Disco-Variationen des musikalischen Hauptthemas sind mitunter recht cool.

Ganz zarte hypnotisch-einlullende Qualitäten kann man diesem Machwerk der verschenkten Möglichkeiten eventuell noch andichten. Ansonsten gibt es hier nicht viel zu sagen, außer: Ansehen auf eigene Gefahr!

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 17.02.2013 17:56 
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Das Sex-Abitur - Heiße Liebe in Blue Jeans (OT: Das Sex-Abitur - Heiße Liebe in Blue Jeans; Deutschland; 1978; Jürgen Enz)

Anna (Ginny Noack) steht kurz vor dem Abitur und hat mächtige Schwierigkeiten in Französisch. Da kommt ihr eine Idee: ihre Mutter, die als Fremdsprachenkorrespondentin tätig ist und ihr zum verwechseln ähnlich sieht, könnte ihr doch behilflich sein...

Enz ist einfach ein fürchterlicher Regisseur! Natürlich habe ich bereits mit dem Schlimmsten gerechnet, und ich bin mir nicht sicher, ob es manchmal noch übler war; schön war es jedenfalls nicht. Ich glaube langsam, das Problem ist, Enz fehlt beinah völlig das Gefühl für filmische Stilmittel. Seine Filme wirken im Grunde wie eine starr, apathisch und schnörkellos abgefilmte, haarsträubende Realität. Zumindest sind sie alles, was ein Film nicht sein sollte. Warum muss z.B. bei den Sexszenen, bevor es zum Akt kommt, immer erst ewig draufgehalten werden, wie die Darsteller unelegant aus ihren Klamotten steigen. Überhaupt diese Darsteller! Enz hat eben auch das fragwürdige Talent, Menschen, die zum Teil vielleicht gar nicht so unattraktiv wären, regelmäßig von ihrer hässlichsten Seite zu zeigen. Seine bewährte Tristesse, die auch schlichtweg nicht genießbarer wird, ist ständig präsent und drängt sich vor allem in den Klassenraum- und Essenstisch-Szenen auf. Inhaltlich regiert Vorhersehbarkeit an allen Fronten, wirklich jede Pointe, jeden Dialogverlauf ahnt man locker im Voraus. Für musikalische Untermalung sorgt schließlich ein unseliger Brei, der sich nach Hammondorgel, Keyboard und Synthesizer anhört. Immerhin die finale Orgie (aka. Abitur-Fete) wirkt minimal besser inszeniert, als das vorherige Gefummel und Gerammel. Vermutlich entsteht dieser Eindruck aber auch nur, da man froh ist, die langen 80 Minuten beinah überstanden zu haben.

Ja, Enz ist ein schrecklicher Regisseur! Nach solchen Filmen versteht man, warum manche Leute so abfällig vom Erotik-Kino der 70er reden (was natürlich trotzdem Quatsch ist, denn in welchem Jahrzehnt soll es denn bitteschön besseres Erotik-Kino gegeben haben?).

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 22.02.2013 18:01 
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The Sister of Ursula (OT: La sorella di Ursula; Italien; 1978; Enzo Milioni)

Dagmar (Stefania D'Amario) und ihre Schwester Ursula (Barbara Magnolfi) verbringen den Urlaub in einem schicken Küstenhotel. Von der Ankunft an plagen die labile Ursula böse Vorahnungen...

In der überschaubaren Kategorie der Sleaze-Bomben-Giallos ist dieser meiner bescheidenen Meinung nach ohne Zweifel der beste. Dabei ist der Film weder große Giallokunst noch ein besonders extremes Sleaze-Fest - aber dennoch so unglaublich faszinierend. Genau dieser Faszination werden die stumpfen Sammelbegriffe wie "Sleaze" und "Trash" auch schon lange nicht mehr gerecht, und wenn ich konsequenter wäre, würde ich auch komplett auf sie verzichten. Es ist eigentlich an der Zeit, diese Art des Kinos komplett neu zu bewerten! Wie so oft, eröffnet sich hinter der leicht schäbig und billig anmutenden Oberfläche, wenn man sich darauf einlässt, ein ungemein geschmeidiger Filmfluss, der mit unzähligen tollen Stimmungsmomenten punkten kann. Ich bin mir noch nicht ganz darüber im klaren, wie sehr besagte Stimmung in Wechselwirkung mit der Schäbigkeit tritt oder ob sich ihre Effektivität unabhängig davon entfaltet. Jedenfalls habe ich in solchen Fällen oft das Gefühl, dass sich Regisseure, die entweder keine Chance hatten, etwas anderes zu drehen, oder vielleicht auch genau sowas drehen wollten, in "niedere Sujets" verirrt haben, obwohl sie eigentlich zu talentiert dafür waren.
Musikalisch beginnt es schon sehr angenehm mit dem Main Theme von Mimi Uva, das im Folgenden mal gesungen, mal gesäuselt, mal gestöhnt oder instrumental variiert wird. Ein echter Ohrwurm, der mir in den nächsten Tagen sicher noch im Kopf herumspuken wird. Dass man hier natürlich an einem Punkt angelangt, wo das alles; die EasyListening-Untermalung, genau wie die Giallo-Formel und die Erotik-Beigabe, bereits zum ausgelutschten Klischee verkommen ist, stört dabei gar nicht, sonder macht praktisch den Reiz aus. Denn diese Sorte von Film blüht im Klischee, in der Belanglosigkeit, in den Füllszenen erst richtig auf. Kein Klischee, sondern beinah einzigartig, ist jedoch diese grandiose Berghang-Hotel-Location, inklusive nahegelegenen Katakomben (Gruselflair!), schlossähnlichen Anbauten sowie romantischer Kleinstadtatmosphäre und Naturnähe. Durch diese Örtlichkeiten gleitet die Kamera immer auffallend ästhetisch und detailverliebt. So dass man im ersten Moment tatsächlich glauben könnte, dass Inhalt und Form nicht zusammenpassen, was jedoch nur auf eine zu beschränkte Sichtweise zurückzuführen ist, die unnötig Trennlinien zieht, wo gar keine sein müssten.
Die erste Lieblingsszene war die herrlich sinnlose Nachtclub-Sequenz, in der das Sternchen Stella Shining einen Song zum besten gibt und der charmant-schmierige Hoteldirektor, mit seinen Gästen, bevorzugt schönen Frauen, das ein oder andere Gläschen hebt. Zweite Lieblingsszene war die in einen warmen gelb-braunen Farbton getauchte Sexszene, begleitet von einem schwülstigen Saxophon und mit Donald Duck an der Wand. Dann habe ich irgendwann aufgehört, die Lieblingsszenen zu zählen.

Auf seine Weise ganz großes Kino!

Dem US-Label Severin kann man gar nicht genug danken, dass sie sowas in einer sehr ordentlichen DVD-Edition rausgebracht haben. Holt euch die Scheibe, solange sie noch zu akzeptablen Preisen erhältlich ist!

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 22.02.2013 18:36 
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Heirat auf Sizilianisch (OT: La smania addosso; Italien/Frankreich; 1963; Marcello Andrei)

Zwei junge Männer fallen eines Tages über Rosaria her. Ein Vergehen, das weitreichende Konsequenzen hat. Der Vates der Vergewaltigten ist, wie es scheint, mehr um seinen guten Ruf als um seine Tochter besorgt. Zudem ist er mit der Situation überfordert und lässt seinen Frust an seiner Frau raus. Die Eltern der beiden Jungs, die die Tat begangen haben, sind ebenfalls ziemlich ratlos, wie sie sich mit der Lage arrangieren sollen. Immer wieder wird die Frage in dem Raum gestellt, ob es - wie es damals wohl üblich war (?) - nicht das Beste wäre, die Tat durch eine anschließende Hochzeit "abzumildern". Doch da ist wieder das Problem, dass ja zwei Männer in Frage kommen würden. Schließlich kommt es zu einem Prozess, bei dem zwei gewiefte Rechtsanwälte die Situation nochmal in ganz anderem Licht dastehen lassen, während das Schicksal der eigentlich Betroffenen immer weiter in den Hintergrund rückt...

Eine dieser italienischen "Komödien", bei denen es mir absolut schleierhaft ist, warum sie überhaupt als solche deklariert werden! Aus meiner Sicht handelt es sich hier um ein lupenreines Drama, das irritierenderweise jedoch ebenfalls schwer einzuordnende und zum Teil auch schwer verdauliche Komikuntertöne und Klamaukeinlagen ins Spiel bringt. Keine Frage, der Film hat einen 1a-Cast vorzuweisen, innerhalb dessen besonders Vittorio Gassman als schmieriger Rechtsverdreher alles und jeden an die Wand spielen kann; die Kamera fängt stimmige Bilder der dörflichen Gemeinde ein, der eingängige Score tut das Übrige. Dennoch musste ich mich immer wieder fragen, worauf der Regisseur Marcello Andrei mit diesem Film hinaus will. Sicher geht es irgendwie darum, bestimmte Gesellschaftsnormen und Doppelmoral bloßzustellen, aber dies geschieht auf seltsam inkonsequente und ambivalente Art. Man könnt ja annehmen, dieser oberflächlich deplatziert wirkende Humor ist auf eine hintergründigere Weise (die mir leider verschlossen blieb) eben auch Teil dieser Kritik. Schon bald hatte ich aber eher den Eindruck, der Regisseur wollte hier wirklich nur aus einem bitterernsten Grundstoff noch ein nicht immer geschmackssicheres komödiantisches Element rauspressen. Gerade gegen Ende hagelt es dann nochmal so unnachvollziehbare Wendungen und der Schluss-"Gag" schießt endgültig den Vogel ab.

Ok, wenn ich jetzt darüber nachdenke, vielleicht auch Kritik an desaströsen Gesellschaftszuständen genau dadurch, dass sie auf diese Weise ad absurdum geführt werden. Trotzdem bleibt hier ein seltsamer Nachgeschmack.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 24.02.2013 02:30 
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Priester, du sollst nicht ohne Liebe leben (OT: Il prete sposato; Italien/Frankreich; 1971; Marco Vicario)

Mit großen Erwartungen tritt der Priester Don Salvatore (Lando Buzzanca) seine neue Stelle in Rom an. Schnell machen dem jungen Geistlichen die Verlockungen der Metropole, die so ganz anders ist als seine alte Heimat, jedoch schwer zu schaffen...

Schon wieder eine Komödie, die gar keine ist, allerdings auch kein schwermütiges Drama, sondern vorwiegend eine Art Momentaufnahme, im typischen Stil der Zeit, die sich der Frage widmet: Wie soll sich ein junger katholischer Priester verhalten, der sich in eine Frau verliebt hat und zunehmend an seiner Berufung zweifelt? (Tja, in der evangelischen Kirche wäre das kein Problem, aber die ollen Katholiken müssen ja alles wieder unnötig verkomplizieren...)
Allzu viel kann ich zu dem Film gar nicht sagen, da er vor allem recht kurzweilig vorbeirauscht, in den nachdenklichen Passagen auch ein klein wenig tiefer geht, aber dann genauso luftig wie er vorbeigeflogen ist sich auch wieder verflüchtigt. Jeder Liebhaber des italienischen Kinos wird wohl mit der Zunge schnalzen, wenn man sich anschaut, dass die Damenwelt, die unserem Protagonisten den Kopf verdreht, unter anderem von Rossana Podesta, Magali Noel, Silvia Dionisio, Mariangela Melato, Barbara Bouchet und Karin schubert verkörpert wird. Dazu ein netter, bisschen unauffälliger Score von Armando Trovajoli sowie eine sehr bildhafte Inszenierung, die dem Treiben hin und wieder mit Traumsequenzen und visualisiertem Wunschdenken eine leicht bizarre Note verleiht. Passt!

Mein Tipp: Nicht ziellos in der Filmgeschichte herumstochern, sondern lieber etwas häufiger zu den Werken der frühen 70er zurückkehren und eine Perle nach der anderen entdecken! Auch wenn ich mich natürlich niemals darauf beschränken würde, stelle ich doch immer wieder fest, dass alles, was mich an Filmen fasziniert, davor oder danach nur selten wieder so perfekt ausbalanciert war.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 25.02.2013 23:00 
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Totò und die Frauen (OT: Totò e le donne; Italien; 1952; Steno/Mario Monicelli)

Antonio Scaparro (Totò), einem Mann in der Blüte des Lebens, mangelt es eigentlich an nichts. Wäre da nur nicht seine extrem herrschsüchtige Frau Giovanna (Ave Ninchi), die ihn regelmäßig zur Weißglut treibt. So bleibt ihm als einziger Rückzugsort sein Dachboden, wo er zum Einen im Geheimen "ganz Mann" sein kann und die Frauen leidenschaftlich verflucht, und zum Anderen von vergangen Liebschaften träumt, die ihm vielleicht ein glücklicheres Leben hätten bescheren können, allerdings auch ihre Tücken hatten...

Oh, mein Gott! Hier haben wir es mit einem kleinen Film zu tun, der ganz groß auftrumpft und sich einen der obersten Plätze im Olymp der italienischen Komödien sichert! Wenn man nur schon "Steno e Monicelli" im Vorspann liest, dann ist das wie ein Qualitätssiegel. Zweifellos ist dies aber vor allem Totòs großer Auftritt. Was soll man zu diesem Mann noch sagen? Man muss sich nur mal anschauen, wieviel alleine bereits durch diese Mimik ausgedrückt wird. Das war noch eine ganz andere Schauspielschule. Und dann bitte mal schauen, wie völlig entfesselt er durch diesen Film rast und sich regelrecht um Kopf und Kragen spielt! Mir fällt da als Vergleich immer wieder Louis de Funès ein, nur noch ne Nummer extremer. Und wenn ich schon einmal bei Vergleichen bin, dann sage ich jetzt auch (wenngleich mir die bloße Erwähnung fast schon blasphemisch erscheint): wenn man sich die dröge Geschlechterrollen-Komik eines Mario Barth anschaut, dann ist das hier der um ein Vielfaches gehobene Vorläufer davon. Natürlich ist das ein Spiel mit Klischees, aber in der Umsetzung kommt es ja auf das "Wie" an, und in diesem Fall ist das so unendlich charmant, gewitzt und entwaffnend, dass man gar nicht anders kann, als sich daran zu erfreuen. Sehr temporeich, leicht experimentell und keineswegs angestaubt wirkt das alles. Und dann eben immer wieder diese unglaublich ausgefeilten Höhepunkte in Sachen Situationskomik, wenn kleine Nebensächlichkeiten mit einer perfekt abgestimmten Mischung aus Brachialität und Feingefühl immer weiter ins Absurde gesteigert werden. Was sollte man auch weniger erwarten, bei zwei Meisterregisseuren und einem der größten Komiker/Schauspieler aller Zeiten? Ebenfalls schön ist diese leicht mystische Stimmung, die sich mitunter einstellt, wenn Totò da des Nachts am "Dachbödeln" ist und in alten Erinnerungen kramt. Ebenfalls sehr stimmig sind die Schwarzweiß-Photographie und der passende Soundtrack von Carlo Rustichelli. Und dann, ja dann, gibt's da auch noch einen ganz bestimmten Gag, der auf herrlichste Weise zu einem ganz bestimmten Thema passt, das zur Zeit durch die Nachrichten geht.

Ich muss mehr von Totòs Filmen sehen (und mehr Monicelli, mehr Steno, mehr Mattoli, mehr Gassman, mehr Sordi, und und und)! Dieser lief glücklicherweise vor kurzem im TV. Ich kann nur hoffen, dass ihn sich wenigstens ein paar Leute aufgenommen haben. Wer sich sowas freiwillig und mutwillig entgehen lässt - nee, da sag ich echt nichts mehr dazu.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 02.03.2013 19:03 
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Ein Haus voll Verrückter (OT: Dove vai se il vizietto non ce l'hai?; Italien; 1979; Marino Girolami)

Eine Frau (Paola Senatore) engagiert zwei Detektive (Renzo Montagnani und Alvaro Vitali), da sie befürchtet, ihr Mann (Mario Carotenuto) verprasst sein und ihr Geld mit einer anderen Frau...

Ach herrje, was für ein Bescherung, mal wieder. Ich will diese Filme ja mögen. Ich gebe mir wirklich alle Mühe. Denn wenn nicht mal ich ihnen was abgewinnen kann, wer soll sich dann sonst für sie begeistern? Trotzdem, es hilft alles nichts - selten war Italo-Klamauk so klamaukig und zwar auf eine ganz dröge enervierende Weise. Wenn es denn wenigstens richtig rund gehen würde; aber nein, die lahme Gag-Abfolge wird immer kleingehalten. So bleibt dann auch eigentlich ein Haupt-Gag, der immer und immer wieder variiert wird, der da wäre: Menschen verkleiden sich! Wer sich also vor Renzo Montagnani und Alvaro Vitali nicht sowieso schon gruselt (ich muss anmerken: es gab durchaus ein paar Filme, da waren sie hin und wieder witzig!), der bekommt hier Montagnani als schwulen Butler und Vitali als Köchin. Oder später auch Vitali als Chauffeur. Oder Montagnani und Vitali als Klempner. Oder auch Carotenuto in Frauenkleidern. Ja, der Carotenuto, der etwa 20 Jahre früher schon für Meister wie Dino Risi und Luigi Comencini gespielt hat, und wohl sämtliche Höhen und Tiefen der italienischen Komödie miterlebt hat. Selbst das wohlige Italo-Flair macht sich rar und ist höchstens ansatzweise zu erkennen. Die Musik von Berto Pisano? Auch nichts Besonderes. Ok, Paola Senatore und Lory Del Santo lasse ich mir als Blickfang noch gefallen, ob man sich den Film nun aber wirklich ansehen muss, nur weil ihnen ein paar Mal die Brüste aus der Bluse hängen, sei mal dahingestellt.

Ein paar Lacher, als Alvaro Vitali als Köchin am Werkeln ist und dabei eine riesige Sauerei veranstaltet (diese Art von Situationskomik liegt dem guten Mann). Das war es auch schon. Ansonsten hat der Film nur dann seine halbwegs lichten Momente, wenn er wenigstens nicht nur ermüdend ist, sondern gleichzeitig noch etwas irritierend.

Auf DVD erhältlich von Madison Home Video. Holt sie euch und leidet mit!

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 03.03.2013 21:39 
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Monique, mein heißer Schoß (OT: Monique, mein heißer Schoß; Österreich/Frankreich; 1979; Eddy Saller)

Monique (Judith Fritsch) fliegt nach sexuellen Ausschweifungen aus der Studentenunterkunft, nur um sich nun umso exzessiver in weitere Abenteuer mit Männern zu stürzen...

Igittigitt, was hat uns der österreichische Exploitation-Handwerker Eddy Saller denn hier für ein filmgewordenes Kuriositätenkabinett beschert? An befremdlichen Einfällen und zuweilen auch recht ekelhaften Auswüchsen mangelt es wahrlich nicht. Nur leider macht das die ganze Sache nur bedingt besser. Monique bindet da z.B. ihren temporären Fickfreund am Bett fest und macht ihn scharf, um ihn auf diese Weise zu zwingen, sie zu schwängern. Aha. Oder hätte es wirklich die Szene gebraucht, in der einem armen Teufel (den Monique aus unerfindlichen Gründen wenig später heiratet) eine Trillerpfeife aus dem Arsch geholt wird? Dies mal als Einblick, was einen hier erwartet. Gut, diese Judith Fritsch ist ne ganz Hübsche und Charismatische. Zu Beginn sind einige Szenen auch noch recht gefällig inszeniert, so dass fast ein bisschen Erinnerungen an Hubert Franks Werke wach wurden. Mit zunehmender Laufzeit gleitet es jedoch auch zunehmend in eine spröde und unattraktive Durchschnittlichkeit ab, die wirklich nur noch punktuell durch ihren Kuriositätenbonus von Interesse ist. Gegen Ende, der schräge Slapstick in der italienischen Pension war dann nochmal mehr nach meinen Geschmack. Schließlich folgt dann noch ein Schlussbild, das uns in einer kleinen Vorschau zeigt, dass Monique und ihr Mann sich wohl gewissermaßen bis ins hohe Alter und sogar bis über den Tod hinaus heiß und innig geliebt haben.

Immer wieder erfrischend, was man in den 70ern alles auf die Menschheit losgelassen hat! Dennoch sehen gute und wirklich genießbare Filme irgendwie anders aus.

Wer es unbedingt sehen will: Ne brauchbare DVD gibt's von Sunfilm.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 23.03.2013 20:40 
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Supermänner gegen Amazonen (OT: Superuomini, superdonne, superbotte; Italien/Hongkong; 1974; Alfonso Brescia)

Feindselige Amazonen terrorisieren das Land! Nachdem sie sogar den großen Feuermeister Dharma (Aldo Bufi Landi), der für die arme Bevölkerung so eine Art Schutzheiliger ist, erledigt haben, wollen dessen Schüler und Nachfolger (Aldo Canti) sowie seine zwei Verbündeten, ein flinker Asiate (Hua Yueh) und ein schwarzer Hüne (Marc Hannibal), den fiesen Weibern endgültig den Kampf ansagen...

Wenn ich letztens irgendwo geschrieben habe, dass Regisseure wie Mario Siciliano, Andrea Bianchi, Luigi Batzella, Mario Bianchi, Renato Polselli und Sergio Bergonzelli dieses spezifisch italienische, kunterbunt wabernde Comic-Flair perfektioniert haben, dann habe ich in der Aufzählung (mindestens) einen Namen vergessen: Alfonso Brescia!

Es ist nicht zu glauben, was dieser Film mit mir gemacht hat. Ich bin total aufgewühlt und verwirrt. Nun mag sich manch einer vielleicht fragen: wie kann das sein, bei so einer sinnlosen Klamauksause? Aber das ist ja eben der Punkt: der Film ist dermaßen wahnsinnig, überdreht und irreal - ich glaube, das habe ich in dieser Intensität bisher kaum gesehen. Wo fängt man da an?

Zuerst mal diese Bilder und Locations. Wälder und Gesteinslandschaften des italienischen Hinterlandes (wo auch immer das gedreht wurde) erscheinen hier angenehm "low-key" und majestätisch zugleich. Wenn ich's recht überlege, beschreiben diese beiden Attribute vielleicht auch den gesamten Film am besten. Auf der Tonspur spielt sich ebenfalls Unglaubliches ab! Zum einen ein total entfesselter, schriller Score von Franco Micalizzi, der das Geschehen überambitioniert vorantreibt. Zum anderen eine ultra-extreme Klamauksynchro, die einem die Kalauer im Sekundentakt um die Ohren haut (was mich in einem anderen Fall vielleicht tierisch genervt hätte, aber sich hier - das muss man einfach anerkennen - perfekt in den vorherrschenden Irrsinn einfügt!).

Beachtlich auch, dass es sich keinesfalls nur um harmlosen Prügelslapstick ala Spencer/Hill handelt, sondern es teilweise recht derb zur Sache geht, was das Ganze, wenn es dann oft urplötzlich wieder in abstruse Komik umschwenkt, zu einer noch kurioseren und mitunter auch makabren Angelegenheit macht. Seltsamerweise musste ich feststellen, dass das Kampfgetümmel, wenn es auch essentieller Bestandteil ist, am ehesten noch Schwächen offenbart, was schlichtweg daran liegt, dass eigentlich schon und vor allem der gesamten "Inszenierungs-Hülle" und den kleinen Nebensächlichkeiten der Charme aus jeder Pore trieft. Am großartigsten die Szene, in der Malisa Longo (sowieso ganz zauberhaft!) und Aldo Canti ausgelassen in Zeitlupe in einem See herumtollen. Die Italiener haben verstanden, dass man solche Szenen, mögen sie auch noch so (bewusst) schwärmerisch übersteigert sein, trotzdem mit ernsthafter Hingabe zelebrieren sollte, damit sie ihre Fazination beibehalten.

Must-have! Gehört zu den Filmen, die man studieren sollte, wenn man das wirklich echte Italo-Kino in seiner italo-haftesten Pracht zu fassen kriegen möchte.

Ne sehr brauchbare deutsche DVD gibts von Simple Movie, aber unbedingt darauf achten, dass man die Version, die ungeschnitten ist und das richtige Bildformat hat, erschwischt.

Kleine Nerd-Info am Rande: Bevor Marc Hannibal hier und da in Film und Fernsehen zu sehen war, und genau 5 Jahre bevor es ihn in diesen Brescia-Klopper verschlagen hat, hat er 1969 auch mal ein Album aufgenommen. Dieses wiederum hat seinen (trotzdem nicht großen) Bekanntheitsgrad wohl fast ausschließlich der Tatsache zu verdanken, dass DJ Premier den Song "Forever is a long, long time" für den recht geilen HipHop-Klassiker "Boom" von Royce Da 5'9'' gesampelt hat. Die seltsamen Wege des Show-Geschäfts...

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Blood Sabbath (OT: Blood Sabbath; USA; 1972; Brianne Murphy)

Der junge Vietnam-Heimkehrer David (Anthony Geary) schlendert ziellos durch einen Wald. Nachdem er an einem gemütlichen Plätzchen sein Nachtlager aufgeschlagen hat, wird er jedoch schon bald wieder von einigen Frauen, die wie wild über ihn herfallen, aus dem Schlaf gerissen. Kurz darauf verschwinden sie wieder, und erst einmal sieht er nur eine von ihnen (Susan Damante) wieder, in die er sich sofort verliebt. Doch dann landet er bei einem kauzigen Einsiedler, der ebenfalls in dem Wald haust, und ihm eine Legende erzählt von Hexen, die die Gegend beherrschen und einmal im Jahr ein Kind opfern...

Oder: von einem der auszog, seine Seele zu verlieren! Denn, wie die Hexe, in die der gute Mann sich verliebt hat, ihm mitteilt, kann sie nur jemanden lieben, der, genau wie sie, keine Seele hat. Gut, was ist das nun für ein Film? Blutrünstiger Horror? Nein! Klassischer Grusel? Schon eher, aber trifft es auch nicht so ganz. Am passendsten erscheint mir: Romantischer Schauermärchen-Stoff, filmisch angereichert mit den typischen Stilmitteln seiner Entstehungszeit - oder wer sagt, dass Hexen ständig Kleidung tragen müssen?
Insgesamt ist der Film, das muss ich als Warnung vorausschicken, zwar sehr charmant, sehr sympathisch, aber auch seeeehr laaaangsam.
Wer für sowas gar nichts übrig hat, könnte diesem obskuren Werk sicher unterstellen, dass es fast nur aus Leerlauf besteht. Allerdings möchte ich betonen, dass es schon ein bisschen mehr zu sagen gibt. Uschi Digard darf zu Beginn mal kurz ihre Brüste aus einem Busfenster hängen... und ward danach nicht mehr gesehen. Mehr Screentime abgekriegt hat da schon Dyanne Thorne als Königin der Hexen, und das ist doch auch was! Und dann zwischendurch zum Glück immer mal wieder rituelle Tänze und solche Sachen, die einen aus der Lethargie reißen. Wirklich erwähnenswert ist auch der Soundtrack, der die mystische Stimmung mit verträumten und sphärischen Klängen angenehm unterstützt und sich gelegentlich zu psychedelischen Extravaganzen hinreißen lässt. Recht interessant wird es zudem, wenn noch versucht wird, die Geschehnisse, mitsamt Vietnam-Flashbacks, zur Parabel hinzubiegen.

Kein vergessener Klassiker oder ein geheimes Meisterwerk, allerdings doch eine recht hübsche Randerscheinung, mit durchaus reizenden Momenten. In diesem Bereich gibt es natürlich noch deutlich Besseres, aber mit Sicherheit auch Schlechteres.

Mir liegt die britische DVD des Labels Pegasus vor, für die ich rund 3€ bezahlt habe. Quali kann man wohl als VHS-Niveau bezeichnen. Ich empfand es als ansehbar und der englische Ton ist auch gut zu verstehen.

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Terror at Red Wolf Inn (OT: Terror House; USA; 1972; Bud Townsend)

Die Schule ist aus, Ferien stehen an und Regina (Linda Gillen), ein Mädel aus einfachen Verhältnissen, hat noch keine besonderen Pläne. Da findet sie in ihrer Post überraschend eine Nachricht, sie habe einen Aufenthalt in einem fernab gelegenen "Holiday Resort" gewonnen - und ehe sie sich's versieht, geht es auch schon genau dort hin, per Privatflieger. Angekommen im "Red Wolf Inn", trifft sie auf ein generell nettes, aber auch etwas schrulliges altes Ehepaar, deren Enkelsohn, sowie ein paar weitere weibliche Gäste. Was die Gastgeber unter Gastfreundschaft verstehen, lernt sie ebenfalls schnell kennen: Üppige Mahlzeiten werden regelmäßig aufgetischt, insbesondere Fleisch in rauhen Mengen und von recht spezieller Qualität. Doch eines Tages verschwindet eine der anderen Frauen und langsam wird Regina misstrauisch...

Nun gut, man muss sicher kein Geheimnis draus machen: hier wurde mal wieder das Thema Kannibalismus aufgewärmt und zwar im Rahmen einer wohl budget-mäßig sehr knapp bemessenen, aber sich durchaus nett anlassenden Produktion. Zu den Vorspann-Credits bekommt man einen verträumt folkigen Titelsong und die Protagonistin ist ebenfalls eine sehr sympathische Erscheinung, die von Anfang an eine schöne Identifikationsfigur abgibt. Was dann so folgt, ist allerdings sowohl etwas vorhersehbar als auch wenig aufregend oder in irgend einer Weise übermäßig bemerkenswert. Zu einer wirklichen Gruselatmophäre schafft es der Film kaum, dafür pendelt er auch zu entschlossen zwischen Ernsthaftigkeit, Belanglosigkeit und Komödien/Groteske-Tendenzen. Viel besser gelungen ist da wirklich die Darstellung der Charaktere, mit denen man, wenn sie auch eher schablonenhaft bleiben, tatsächlich ein wenig mitfiebert. Doch dann muss man leider immer wieder feststellen, dass es der Story akut an frischen Ideen mangelt, und die positiven Ansätze verflüchtigen sich wieder gen solides Mittelmaß.

Übrig bleibt rustikale Durchschnittsware, bei der der zu Recht oft beschworene Charme der frühen 70er zwar hin und wieder aufblitzt, aber in diesem Fall nicht ausreicht, um das viele verschenkte Potential zu überdecken.

Zu finden in der Box "Nightmare Worlds" von Mill Creek. Kein Kommentar zur Qualität.

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Horror Attack (OT: Necromancy; USA; 1972; Bert I. Gordon)

Lori (Pamela Franklin), die nach einer Fehlgeburt psychisch angeknackst ist, zieht zusammen mit ihrem Mann Frank (Michael Ontkean) in das kleine seltsame Städtchen Lilith, da dieser dort einen verlockenden neuen Job ergattert hat. Frank soll von nun an für einen gewissen Mr. Cato (Orson Welles) arbeiten, der dort angeblich eine Spielzeugfabrik betreibt, jedoch tatsächlich viel mehr an undurchschaubaren okkulten Machenschaften interessiert zu sein scheint. Er ist es auch, der quasi als selbsternannter Gott die Kontrolle über alle Bürger der Stadt, unter denen sich übrigens keine Kinder befinden, hat. Besonders Lori machen diese merkwürdigen Zustände schwer zu schaffen und sie spürt zunehmend eine bedrohliche Macht - doch was ist Einbildung und was ist Realität?

Bloß nicht den vielen Verrissen glauben, die zu dem Streifen kursieren! Hier handelt es sich um ein wunderbares, entspannend und inspirierend langweiliges Schauerstück, das frohgemut Altbekanntes vermengt, eigene Wege verfolgt und regelmäßig in milden Irrwitz abgleitet. Wer sich hier ernsthaft über mangelnde erzählerische Stringenz beschwert, dem ist leider nicht mehr zu helfen. Kann man sich denn nicht einfach von diesen abenteuerlich vermengten Story-Versatzstücken treiben lassen? Zumal der Film aus atmosphärischer Sicht vieles richtig macht! Die Kamera rückt die Geschehnisse schön geschmeidig und soghaft ins rechte Licht. Dazu ertönt ein Synthesizer-Score, den man zwar höchstwahrscheinlich einem späteren modifizierenden Eingriff, so Anno 1980er, zu verdanken hat (ich dachte, sowas hätte ich auch mal gelesen), aber der sich dennoch sehr passend und stimmig einfügt. Nun, und obendrein sorgt, neben Holzhammer-Mystik und Brecheisen-Schocks, noch eine ganze Reihe wilder Einfälle aus dem Kuriositäten-Kabinett für gehobene Stimmung: Was hat es z.B. mit dem Wesen auf sich, das symbolhaft den Okkult-Zeremonien beiwohnt und aussieht wie eine Kreuzung aus plüschigem Hündchen und Ziegenbock? Warum schleppt Lori immer diese verdammte Puppe mit sich rum? Und warum möchte man sich eigentlich in Pamela Franklin als Lori sofort verlieben, wenn sie ständig so nachdenklich in die Leere starrt?

Ich sage: Geheimtipp, für alle, die die richtigen Grundvoraussetzungen und einen erlesenen Geschmack mitbringen. Für cineastische Nixblicker und Spießer jedoch nur Schrott.

Auch sehr fein ist die deutsche Billigscheibe von CTI: VHS-Qualität zum Schnäppchenpreis! Was will man mehr? Jeder echte Filmfan freut sich, wenn er solche Entdeckungen nicht via noch üblerer oder schwerer zu beziehender Fassungen machen darf.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 05.04.2013 20:38 
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Operation misslungen - Patient lebt (OT: L'infermiera; Italien; 1975; Nello Rossati)

Der Witwer Leonida Bottacin (Mario Pisu) hat einige ertragreiche Geschäfte mit Wein am Laufen. Überraschend rafft es ihn bei einem Schäferstündchen jedoch beinah dahin. Nun haben sich bereits Familie und Verwandte auf seinem Anwesen versammelt, um sich angesichts seines - wie man annimmt - baldigen Todes gierig den Nachlass unter den Nagel zu reißen. Da es so schnell allerdings doch noch nicht geht, wird, um den Prozess beschleunigen, eine extra scharfe Krankenschwester (Ursula Andress) angeheuert, die ihn quasi "überstrapazieren" soll...

Ich war sehr hin- und hergerissen, was ich von diesem Filmchen halten soll. Es macht ja auf den ersten Blick alles einen recht vielversprechenden Eindruck. Allein schon so ein ländliches Setting, inklusive prächtiger Villa, in der sich ein Großteil der Geschichte zuträgt, sorgt, wie ich immer finde, für ein schön edles, irgendwie zeitentrücktes Flair. Man könnte sich dann vorstellen, ähnliche Geschichten und ähnliche Figuren könnte es vielleicht in der literarischen Welt auch schon zu viel früheren Zeiten gegeben haben; nur dass man erst Ende der 60er/Anfang der 70er in der Lage war, die ganzen pikanten Details dieser Stories auch auf Filmisch-Visuelle Weise ungezwungener und offenherziger umzusetzen.
Stop! Das, was ich hier gerade schreibe, klingt, als gehört es zu einem anderen Film. Dieser beschriebenen, durchaus ansprechenden Grundatmosphäre steht nämlich eine reichlich unausgegorene Mixtur aus charmanten Einfällen und dumm-derben Zoten gegenüber. Da gibt es immer wieder Sequenzen, denen man anmerkt, wie gut der Film hätte werden können, doch dann sackt es schon bald wieder gnadenlos ab. Die Poolszene von ursula Andress, zusammen mit dieser Musik von Gianfranco Plenizio, ist z.B. italienische Inszenierungskunst, wie ich sie liebe. Auf der anderen Seite stehen aber eben arg grob geschnitzte Charaktere, plumpe Dialoge (die deutsche Synchro scheint da fleißig nachzuhelfen) oder auch ein Sub-Plot, in dem Jack Palance als amerikanischer Investor auftritt und der so dermaßen durch Sinnlosigkeit besticht, dass es beinah schon bizarre Ausmaße annimmt.
Der Cast ist also ebenso durchwachsen. Die Italo-Komik-Garde wird hier auf etwas nervige Weise vor allem durch Duilio Del Prete, Daniele Vargas und Lino Toffolo vertreten. Andererseits gibt es Ursula Andress, die vermutlich in kaum einem anderen Film so viel Haut zeigt; obwohl sie hier auch schon nicht mehr die Jüngste war (woran man(n) sich angesichts dieser Anblicke allerdings nicht allzu sehr stören muss). Mit Luciana Paluzzi ist zudem noch ein weiteres Ex-Bond-Girl zugange, das zu diesem Zeitpunkt ebenfalls schon kein "Girl" mehr war, sondern schon stark auf die 40 zuging und dabei besser (oder zumindest keinesfalls schlechter) denn je aussieht.

Ach, was soll ich noch sagen? Hätte man sich doch ein bisschen mehr Mühe gegeben, dann hätte hier was sehr Schönes entstehen können. So bleibt eine stimmige Atmosphäre, zahlreiche Unstimmigkeiten und hin und wieder auch ein Lichtblick.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 25.04.2013 14:34 
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Todespiste Le Mans (OT: Le Mans scorciatoia per l'inferno; Italien; 1970; Osvaldo Civirani)

Ein einflussreicher Formel1-Boss (Lang Jeffries) versucht mit allen Mitteln, das aufstrebende Talent Dustin Rich (Maurizio Bonuglia) für seinen Rennstall zu gewinnen. Dieser sträubt sich jedoch zuerst gegen das Angebot. Währenddessen steht der Sport mit seinen immer kompromissloser und gefährlicher ausgetragenen Konkurrenzkampf auch allgemein zunehmend in der Kritik...

Ist das alles in irgendeiner Weise spannend? Nein, das kann man nun wirklich nicht behaupten. Interessiere ich mich denn überhaupt für diesen Rennsport-Zirkus? Nein, erst recht nicht. Dass ich den Film dennoch sehen wollte, hatte genau genommen vier Gründe: er ist aus Italien, er ist aus den 70ern, Edwige Fenech ist dabei, die Musik stammt von Stelvio Cipriani. Man kann es drehen und wenden wie man will, Fakt ist, diese minutenlangen (gefühlt stundenlangen) Autorennen, begleitet von diesem monotonen Motorenjaulen, sind definitiv zum Einpennen, oder zumindest eine harte Geduldsprobe.
Ich weiß nicht, ob das hier Gebotene für Leute, die sich für sowas begeistern können, vielleicht von mehr Interesse ist; ich fand da jedoch das beiläufige (und nicht weniger belanglose) Geschehen, das sich abseits der Piste abspielt, deutlich ergiebiger. In diesen Szenen offenbart sich nämlich im fetten CinemaScope-Format auf bildschön exemplarische Weise ein Bilderbogen, der förmlich schreit: 70er-Flair!!! Dazu noch der recht häufig präsente Score von Stelvio Cipriani, der das bewährte EasyListening sowie mitunter auch flamenco-artige Gitarrenklänge auffährt, schadet natürlich ebenfalls nicht. Es wirkt zum Teil fast so, als war man sich bewusst, dass man wirklich nur ein Nichts von einer Geschichte zu erzählen hat, und es blieb daher gar nichts anderes übrig, als wenigstens das schmückende Beiwerk umso vordergründiger zu zelebrieren.
Wenn man das nun also halb fasziniert und halb angelangweilt über sich ergehen lässt, kann man immerhin noch ein paar bekannte Gesichter erblicken. Neben "Italowestern-Sargbauer" Franco Pesce, der einem hier als Rennsport-Legende verkauft wird, ist dabei vor allem erwähnenswert, dass die Rennfahrer natürlich auch Frauen haben!, verkörpert von Erna Schurer oder eben Edwige Fenech, deren Auftritte genauso nett anzusehen sind, wie so vieles in dem Film, aber auch an Sinnlosigkeit nicht zu überbieten sind (wie so vieles in dem Film). Zu guter letzt mal wieder gesondert hervorzuheben sind diese Pool-Szenarien, denn es sind genau solche Szenen, in denen das Atmosphären/Stimmungs/Flair-Kino vollends zu sich kommt - da fragt dann auch niemand mehr nach Sinn.

Alles in allem, Berieselung der phasenweise extrem angenehmem, aber gleichzeitig auch extrem belanglosen Sorte. Mehr bleibt mir da echt nicht zu sagen.

Von MCP/Colosseo in exzellenter Qualität auf DVD erschienen.

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PostPosted: 25.04.2013 15:22 
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Der Millionen-Dollar-Coup (OT: Atraco en la jungla; Spanien/Venezuela; 1976; Gordon Hessler)

Zwei Typen, der eine ein abgehalfterter Stuntman (Robert Vaughn), der andere von Beruf so eine Art Lebemann (Simon Andreu), und beide chronisch pleite, tun sich zusammen, um aus einem Museum eine goldene Inka-Maske zu entwenden. Außerdem schließt sich den beiden noch die Freundin des einen an, die keine Lust hat, alleine zu Hause zu versauern. Nicht gerechnet haben sie jedoch mit der Rache der echten Inkas, und auch der örtliche Kommissar (Aldo Sambrell) ist ihnen dicht auf den Fersen...

Selten war, was eigentlich ein flotter Caper sein sollte, so unflott, so grausam dröge und so delirierend apathisch! Man muss sich unweigerlich fragen, ob es nicht Filme gibt, die nie hätten gedreht werden sollen, oder was mit ihnen überhaupt erreicht werden sollte. Das Schlimme ist, dass es nun sogar auch noch Leute gibt, die diese Filme wieder hervorkramen, und ihre Zeit damit verschwenden, darüber zu schreiben.
Die Schauspieler, wenn sie auch nicht völlig unnamhaft sind, sind in etwa genauso wenig der Rede wert, wie der gesamte restliche Film. Was ist überhaupt hängen geblieben? Recht lustig ist die Sequenz, als in einem Hotel viel Trubel herrscht und die Leute plötzlich alle aus ihren Zimmern gerannt kommen (meistens empörte und spärlich bekleidete Frauen, die wollen, dass ihr Mann wieder ins Zimmer zurückkommt!), und der Regisseur es vor allem augenscheinlich für eine gute Idee hielt, das Geschehen ganz unvermutet und auch nur ganz kurzzeitig in Richtung Slapstick kippen zu lassen. Ähnlich interessant ist es anzusehen, als bei einer Yacht-Party und einer Disco-Szene, in Anbetracht der wohl sehr begrenzten Mittel, mit Müh und Not versucht wird, sowas wie mondänes High Life vorzutäuschen.
Der Rest ist aber, wie gesagt, überaus schrecklich. Bitte hier nicht auf die falsche Fährte locken lassen. Obendrein hat man sich bei der Musik dann auch noch bei Bruno Nicolais Score, der eigentlich zu Lenzis MANHUNT IN THE CITY gehört, bedient. Und dieses für sich genommen ja recht geile Thema muss dann immer ertönen, wenn sonst gar nichts mehr geht (also nicht gerade selten).

Was soll man zu einem Film, bei dem das beste die aus einem anderen Film entlehnte Musik ist, noch sagen?

Falls es hier jemanden gibt, an den ich die Scheibe, gegen eine kleine Aufwandsentschädigung, weiterreichen darf, bitte bei mir melden! Einmal ansehen ist in diesem Fall wirklich genug.

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PostPosted: 25.04.2013 16:39 
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Hai sbagliato... dovevi uccidermi subito! (OT: Hai sbagliato... dovevi uccidermi subito!; Italien/Spanien; 1972; Mario Bianchi)

Jonathan Pinkerton (Robert Woods) hat den weiten Weg von London auf sich genommen, um in einem kleinen amerikanischen Kaff eine überaus verzwickte Bankraubgeschichte aufzuklären...

Hmmm, auf den ersten Blick ein Italowestern ganz nach meinem Geschmack: Robert Woods mit 70er-Haarpracht, Nieves Navarro, die Musik von Carlo Savina (wenn sie denn mal ertönt!) ebenfalls leicht zeitgemäß angegroovt, dazu grüne Landschaften, und natürlich ein Regisseur, von dem ich immer mehr erwarte als nur reinen, inspirationslosen Durchschnitt. Tatsächlich wirkt der Film nicht nur grundsolide umgesetzt, sondern bietet auch einige schöne Exzentriken zum Bewundern. Oder in wie vielen Western kommt schon Schlangen ein zentrale Rolle zu?
Wenn dieses Werk jedoch manchmal als Giallo-Western bezeichnet wird, dann finde ich, ehrt das den Film ein wenig zu sehr. Denn hier handelt es sich für meinen Geschmack eher um einen nüchternen Krimiplot, der in seiner geschwätzigen Ausführung und mit seinen vielen undurchsichtigen Figuren bei mir nicht so sehr für Interesse gesorgt hat, sondern mehr Verwirrung und Ermüdung gestiftet hat. Hier und da lockern überraschende Einfälle die Vorgänge etwas auf, das letzte Drittel empfand ich ebenfalls als etwas stärker, aber letzten Endes bleibt es bei einer etwas schwerfälligen und wenig aufregenden Angelegenheit, der man in einigen Momente jedoch anmerkt, dass sie deutlich mehr Potential gehabt hätte. Sehr ulkig dafür ürigens noch die allerletzte Szene, der "Schlussgag", wenn man so will!

Ganz ideal war die Fassung, die ich gesehen habe, mit ihrer teils schwer zu verstehenden englischen Synchro auch nicht, aber ich denke, auch unter besseren Voraussetzungen würde sich hier nicht mehr viel tun. Trotzdem ein Italowestern, der wenigstens versucht, von den allzu ausgetretenen Pfaden abzuweichen, und mit einem gut aufgelegten Robert Woods noch ein paar Pünktchen einsammeln kann.

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PostPosted: 08.05.2013 23:11 
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Die Nacht der Abenteuer (OT: Adventures in Babysitting; USA; 1987; Chris Columbus)

Chris (Elisabeth Sue) wurde gerade von ihrem Freund versetzt, mit dem sie eigentlich einen romantischen Abend geplant hatte. Damit noch nicht genug, kurzfristig soll sie stattdessen auch noch auf die Kinder einer befreundeten Familie aufpassen - und dabei geht so ziemlich alles drunter und drüber, als es sie - um einer Freundin auszuhelfen, die zufällig gerade von Zuhause abgehauen ist - mitsamt der Kinder von der beschaulichen Vorstadt in den nächtlichen Großstadtdschungel verschlägt und eine Kette irrsinniger Zwischenfälle in Gang gesetzt wird...

Ich liebe sie, diese skurillen Komödien, die sich um den turbulenten Verlauf einer Nacht drehen. Das hat aus stimmungstechnischer etwas ganz Besonderes. Und irgendwie war das auch so ein 80er-Ding - warum auch immer? Denn eigentlich müsste es Filme dieser Art auch schon früher gegeben haben (und gab es sicher auch), und ich bin mir nicht sicher, ob kleine Klassiker wie AFTER HOURS diesbezüglich wirklich so stilprägend waren und so viele Nachahmer auf den Plan gerufen haben, oder ob ich das nur annehme, weil ich persönlich sie so schätze und deshalb auch immer gleich als Vergleich heranziehe.
Denkt man an die mitunter auch düsteren und abgründigen Anwandlungen des Scorsese-Geniestreichs, dann liegt hiermit ganz klar die jüngere, unbeschwertere und noch komödienlastigere Variante davon vor. Das muss grundsetzlich ja noch nichts Schlechtes sein und meine Erwartungen wurden eigentlich bestens erfüllt. Versprochen habe ich mir eine irrwitzige Nacht-Odyssee und das ist auch genau die Richtung, in die der Film nach einer kurzen Exposition abdriftet. Das Problem dabei: er tut es auf fast schon zu berechnete und offensichtliche Weise! Okay, wir haben verstanden: diese Kinder bzw. Teenager geraten hier in die verrückteste Nacht ihres Lebens. Und natürlich ist auch klar: so aufregend das auch ist, am Ende wird alles garantiert wieder gut. Die Atmosphäre stimmt, Vieles ist liebenswert charmant, Weniges ist hassenswert penetrant und allzu vorhersehbar.

Nein, von einer Hassliebe zu sprechen, wäre allerdings vollkommen übertrieben. So stark polarisiert der Film nun auch nicht, sondern er badet lediglich etwas heftig in Klischees und altbekannten Strickmustern. Oft stört das nicht, da Vieles trotzdem gut funktioniert, aber ganz wegwischen kann man diesen Mangel nicht. Da mir der Film aber dennoch gute Unterhaltung geboten hat und auch keine Sekunde langweilt, komme ich mir eigentlich fast schon blöd vor, wenn ich hier so analysierend auf irgendwelche Unzulänglichkeiten hinweise. Das hat ein Film, der sich selbst so beherzt naiv und anspruchlos gibt, eigentich nicht verdient. Außerdem ist Elisabeth Sue echt ne Süße!

Jahrelang war die deutsche DVD out of print, nun gab es endlich eine preisgünstige Neuauflage!

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 08.05.2013 23:31 
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Die endlose Nacht (OT: Die endlose Nacht; Deutschland; 1963; Will Tremper)

Diverse Passagiere sind eine Nacht lang auf dem Flughafen Tempelhof versammelt, wo aufgrund von Nebel gar nichts mehr geht. Doch zwischen diesen Menschen offenbaren sich größere und kleinere Schicksale...

Der Film war so ähnlich, wie ich es mir vorgestellt und erwartet habe, dennoch war ich etwas enttäuscht und befremdet. Ich fand es ein wenig schwierig, mich in das Figurengeflecht, die einzelnen Geschichtchen und die allgemeine Herangehensweise reinzufinden. Und als ich dann langsam das Gefühl hatte, drin zu sein, war der Film auch schon fast vorbei. Alles scheint hier von einem übergeordneten Rhythmus durchlaufen zu sein. Die Charaktere wirken handlungsunfähig, fast wie Marionetten, ihrem Schicksal ausgeliefert. Vieles läuft ins Leere oder bleibt zumindest offen. Die junge attraktive Schauspielerin (Hannelore Elsner) beispielsweise, die auf dem nächtlichen Flughafen zum reizenden Bickfang wird, wird scheinbar von zwei zwielichtigen Typen verfolgt, später geht sie teilnahmslos mit ihnen mit - wie das ganze endet, weiß man nicht. Ein fremdgehender Ehemann wird bei seiner Ankunft zuhause - in einer Szene von höchst unangenehm einschneidender Dramatik und Traurigkeit - von seiner Ehefrau konfrontiert, wo er dann so lange gewesen sei. Und auch hier keine Auflösung. Überhaupt sind Ehebruch und andere betrügerische Aktivitäten, sowie wenig reell wirkende Hoffnungsschimmer (der wohlhabende, international tätige Geschäftsmann, der der Airport-Mitarbeiterin, die er gerade erst kennengelernt hat, eine völlig neues Leben verspricht), allgegenwärtig, und diese künstliche Welt, die sich die Figuren erschaffen haben, wird quasi durch die Naturgewalt (Nebel) kräftig aufgewirbelt.
So springt der Film hin und her. Von lauten Kneipen, zu leeren Gängen. Von warmherziger Geselligkeit, zu unangenehmer Geselligkeit, zu Einsamkeit. Hin und wieder unterstützt von einem fragmentarisch wirkenden Jazz-Score von Peter Thomas und von der Kamera in Bildern eingefangen, die eventuell moderner, auf jeden Fall aber anders aussehen, als ich sie aus deutschen Filmen aus den 60ern kenne.

Ein eigenwilliger und trotz atmosphärischer Nachtszenerie eher ungemütlicher Film.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 14.05.2013 21:18 
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Drei Nonnen auf dem Weg zur Hölle (OT: Piu forte sorelle; Italien; 1973; Mario Bianchi)

Der Kopfgeldjäger genannt Amen (Lincoln Tate) trifft im wilden Westen auf drei Nonnen, deren Geld, das für den Bau einer neuen Kirche bestimmt war, von Banditen gestohlen wurde. Hilfe erhoffen sie sich von besagtem Revolverhelden, welcher widerwillig annimmt, und es bald mit der Bande um den verrückten "Katapult" zu tun kriegt...

Ich habe das schon ein paar Mal gesagt: es gibt innerhalb des Italo-Kinos eine Reihe von Regisseuren, die im Laufe der 70er und eventuell gerade noch in den frühen 80ern ihre ganz eigene Version von dem geschaffen haben, was die meisten wohl nur als Schundkino bezeichnen würden. Ich meine damit Leute wie Andrea Bianchi, Sergio Bergonzelli, Mario Siciliano oder Luigi Batzella (die Liste ist sicher immer noch erweiterbar), deren Filme aus dieser Phase alle so einen anziehenden Look haben, dem die Low-Budget-Schaffensbedingungen nicht schaden, sondern schmeicheln. Auf diese Weise gelingt es auch Mario Bianchi spielend, sich mit dieser Westernkomödie in genau diese fluffige Schräglage zu manövrieren.
Man muss sich das so vorstellen, dass der Film alles, was ich jetzt aufzähle, miteinander vermengt, und am Ende funktioniert das sogar gar nicht mal so übel. Man nehme also: Einen sonnigen Titelsong, der auch regelmäßig wieder ertönt und in dem seltsamerweise ständig was von "Cannibals" gesungen wird. Drei Nonnen, davon eine jung und hübsch und die anderen beiden eher das Gegenteil. Ein etwas aufgesetzt lässiger Revolverheld, der dennoch ein Menge Coolness ausstrahlt. Luigi Bonos als Kutscher, dessen Charakter sich zu 95% über Trunksucht definiert. Ein Bandenchef namens Katapult, der auch tatsächlich ein Katapult hat, außerdem gerne mit Feuerwerkskörpern spielt und wahrscheinlich der prolligste Bandenchef überhaupt ist - sein Credo: Fressen, Saufen, Huren! Dazu gesellt sich eine adäquat rustikale Synchro, die mit den abstrusesten Wortkreationen aufwartet. Und wenn das alles noch nicht reicht, dann schießen Scheißhaus-Witze und Abführmittel-Aktionen endgültig den Vogel ab. Und mittendrin immer der große Katapult (Zitat: "Ich bin der einzige Lichtblick hier!").

Gabriella Farinon gefällt in einer weiteren Frauenrolle. Der Score von Nando De Luca ist oft amüsant unpassend, und wenn er dann mal passt, eigentlich schon zu gut für den Film (was die Sache natürlich nur interessanter macht). Insgesamt wohl er was für Freunde derangierter Italo-Klamotten, als für Italowestern-Fans. Mir hat's Spaß gemacht!

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 16.05.2013 17:23 
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The Other Canterbury Tales (engl. Alternativtitel) (OT: Gli altri racconti di Canterbury; Italien; 1972; Mino Guerrini)

Ein paar Schafhirten sitzen auf dem Feld beisammen und erzählen sich gegenseitig frivole, derbe Geschichten, die sich alle auf unterschiedlichste Weise um das Thema Untreue in der Ehe drehen...

Ein Film, der nicht nur meine Erwartungen sogar leicht übertroffen hat, sondern der auch perfekt die Stärken des immer noch viel zu unerforschten Decamerotica-Genres vorführt. Dieses Genre hat wirklich so viel Schönes und Einzigartiges zu bieten, und es kann kein Zufall sein, dass es sich auch bei diesem Phänomen wieder um ein Erzeugnis der aus künstlerischer Sicht so unglaublich ertragreichen frühen 70er Jahre handelt. Meiner Meinung nach besteht der Reiz dieser Zeitphase exakt aus der Verbindung von Moderne und Tradition. Zum einen bedient man hier das damals populäre Genre der Erotikkomödie. Zum anderen bereichert man dieses aber, indem man es in die Nähe von Literaturklassikern von Autoren wie Geoffrey Chaucer, Giovanni Boccaccio, Pietro Aretino rückt, und sie in ein dementsprechendes Setting früherer Zeiten versetzt. Das ist sozusagen eine zeitgemäße Wiederbelebung vergangener Kunstepochen, die ich äußerst interessant finde, weil sie oft auch erstaunlich stimmig und natürlich rüberkommt.
Wie originalgetreu diese Geschichten nun verarbeitet worden, oder ob es sich eher nur um schmückende Versatzstücke handelt, ist doch völlig egal. Erzählungen wurden auch schon früher immer wieder neu aufgegriffen und abgeändert. Was zählt ist, wie ist das Ganze umgesetzt? Was gleich auffällt: der vorzügliche Score von Elsio Mancuso und Berto Pisano, der sich mit vielen Flöten, Streichern, Cembalo und Gitarre eben auch betont traditionell gibt und damit das Geschehen wunderbar abwechslungsreich untermalt. Dazu perfekt passend, die vielen prächtigen Aufnahmen uriger Wald- und Wiesenlandschaften, verfallener Bauten, alter Klöster, steiniger Berggegenden usw. Und darin eingebettet dann eben die rauhen Sitten und das einfache, sinnesfrohe Leben der meist ärmlichen Leute.
Dieses wird, ganz Italo-Kino-typisch, mal erotisch ausgeschmückt, mal grotesk und albern verzerrt, aber bleibt sich doch immer stilvoll treu und fügt sich gut ins Gesamtbild ein. Nur die englische Synchro ist mal wieder keine Freude, aber auch diese tut dem Vergnügen kaum einen Abbruch. Man muss sie halt als kleine Verständnishilfe ansehen und ansonsten spielt sich hier sowieso das Meiste über Typen, Situationen, Bilder und Musik ab. Da findet man Frauen, die ihre Männer hintergehen; Männer, die ihre eigenen Frauen wie Dreck behandeln und dafür hinter jedem Rockzipfel her sind; Mönche, die etwas mehr als nur seelischen Beistand leisten - das ist Welt, die uns der Film vorsetzt.
Auch vor sehr kuriosen Auswüchsen wurde nicht Halt gemacht, und so möchte ich eine Szene kurz beschreiben, die dem Begriff Fäkalhumor eine ganz neue Dimension verleiht (und die unserem reggie, der ja in einem ähnlich gearteten Film kürzlich auch schon Ähnliches über sich ergehen lassen musste, sicher bekannt vorkommen dürfte): Eine Hochzeitsgesellschaft findet sich in einem Gasthaus ein. Der Wirt ist sofort scharf auf die Braut. Also heuert er kurzerhand ein paar Leutchen an, die einen Überfall vortäuschen. Zum Schutz seiner Gäste sorgt er dafür, dass sich alle, bis auf die Braut, im Plumpsklo verstecken müssen. Und während also dem Rest der feinen Gesellschaft die Scheiße buchstäblich bis zum Hals steht hat er alle Ruhe, um sich um die Braut "zu kümmern". Ja, so ging es zu, im Mittelalter!

Also für mich ist dieses Genre eine der schönsten Ausprägungen des italienischen Kinos und dieser Genrevertreter macht sehr vieles richtig. Auf jeden Fall eine Entdeckung wert. Für solche Filme sollte man sich mal öffnen.

Die italienische DVD bietet Originalformat, ganz gute Bildqualität sowie auch eine englische Tonspur.

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PostPosted: 20.05.2013 17:41 
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Die unglaublichen Abenteuer eines Taxifahrers (OT: Adventures of a Taxi Driver; UK; 1976; Stanley A. Long)

Joe (Barry Evans) ist mit seinem Job als Taxifahrer halbwegs zufrieden, besonders dann, wenn im Laufe eines harten Arbeitstages auch ein paar heiße Miezen den Weg in sein Gefährt finden. Doch oft ereignet sich auch Skurilles: Einmal muss er einem verzweifelten Mädel helfen, das sich von einer Brücke stürzen will. Ein anderes Mal soll er ein Kleid ausliefern, und die Empfängerin probiert es gleich vor seinen Augen an. Oder er bekommt es mit einer Dame zu tun, die sich aus ihrem Haus ausgesperrt hat und nun ebenfalls auf seine Hilfe hofft. Und neben anderen Zwischenfällen, landet er auch noch fast mit einem Transvestiten im Bett...

Im Gegensatz zum deutschen und italienischen Klamaukkino, habe ich mit dem britischen, abgesehen von der CARRY ON-Reihe, noch nicht viele Erfahrungen gesammelt. Nach diesen müden, tristen und farblosen "Abenteuern", mit denen man es in diesem Fall zu tun bekommt, muss ich wohl fast sagen: vielleicht auch besser so! Als Protagonist bekommt man einen schleimig-lässigen Sprücheklopfer vorgesetzt, der auch gerne noch peppige Kommentare in Richtung des Publikums wirft. Ansonsten wird ohne einen Sinn für Bildgestaltung, Locations, Kameraarbeit meist nur nüchtern-funktional abgefilmt, was halt vor die Linse musste, so dass sich der ästhetische Genuss ebenfalls stark in Grenzen hält. Der Rest besteht aus drögen Scherzen, die ganz selten auch mal ein bisschen lustig sind, und ein wenig unaufregender Erotikbeigabe.

Der Titelsong "Cruisin' Casanova", natürlich im schönsten 70s Style, ist noch ziemlich cool. Und als kurioses Detail am Rande, bleibt noch zu erwähnen, dass dieser Streifen in den britischen Kinos damals angeblich erfolgreicher lief als der TAXI DRIVER von Scorsese.

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PostPosted: 20.05.2013 17:58 
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Die große Orgie (OT: Vizi privati, pubbliche virtù; Italien/Jugoslawien; 1976; Miklós Jancsó)

Ein junger Mann, der der Thronfolger in einer Adelssippe ist, will die "feine Gesellschaft" bei einer perfekt eingefädelten Orgie bloßstellen... (oder so ähnlich - ist eh egal)

Oh Gott, was hab ich mir alles von dem Film versprochen, und was ist er doch tatsächlich für ein abstoßendes Blendwerk. Zwei Dinge, die besonders herb auffallen: Die Dialoge, die ganz derb und ungehemmt rüberkommen sollen, aber doch nur furchtbar gestelzt wirken. Und die Sinnenfreuden, welche der Film auf völlig zügellose und ausschweifende Weise zelebrieren möchte, die allerdings ebenfalls nur ein gekünsteltes, unförmiges Etwas bleiben. Borowczyk und Pasolini werden dazu desöfteren als Vergleich herangezogen - und ja, es würde mich nicht wundern, wenn diese beiden Regisseure zu ihren schlimmsten Zeiten genauso ekelhaft prätentiös zu Werke gegangen sind. Dass sowas dann oft noch zahlreiche positive Reviews erntet, macht mich ehrlich gesagt etwas ratlos. Vermutlich lässt sich ein Großteil des Publikums von solchen vorgetäuscht anspruchsvollen Filmen tatsächlich einreden, dass es nur zu dumm ist, wenn es sowas nicht gut findet, und traut sich deshalb nicht, die Filme so schlecht zu finden, wie sie in Wirklichkeit sind.

Wer sich noch ein bisschen auf seine Gefühle verlässt, dem wird in jeder Minute bewusst sein, dass das hier nicht das große und echte Kino ist, das es - mit großem Aufwand - vorgibt zu sein, sondern nur eine durch und durch falsche, hoffnungslos gescheiterte Möchtegern-Version davon. Was bin ich froh, dass mir dieser Unterschied noch auffällt!

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PostPosted: 01.06.2013 22:52 
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Lust (OT: Libidine; Italien; 1979; Raniero di Giovanbattista)

Anna (Cinzia De Carolis) lässt die Klosterschule hinter sich und wird von einer Nonne wieder zuhause abgeliefert. Dort findet sie folgende Situation vor: von ihrer (Stief?)mutter (Marina Hedman) wird sie immerzu befummelt; ihr Vater ist im hauseigenen Forschungslabor vor allem mit allerlei exotischem Getier, insbesondere einer Schlange, beschäftigt. Womit das Dienstmädchen (Ajita Wilson) die meiste Zeit beschäftigt ist, dürfte wohl auch nicht schwer zu erraten sein. Und dann ist da noch ein schmieriger, übergewichtiger Diener mit einem fiesen Schnurrbart, der Anna fast vergewaltigt - wäre da nicht die Schlange, die in letzter Sekunde tödlich dazwischenfunkt. Spätestens ab diesem Moment vertieft sich das Verhältnis zwischen dem Tier und Anna..

Wer sich mal wieder davon überzeugen möchte, dass im italienischen Kino der 70er Jahre wirklich alles Mögliche und Unmögliche möglich war, dem empfehle ich zur Abwechslung mal dieses Werk des obskuren Regisseurs Raniero di Giovanbattista (wie kann der Regisseur eines solchen Films nur obskur bleiben?).
Übrigens denke ich mir oft, dass man z.B. das italienische Kino der 70er nicht damit anpreisen sollte, dass es "italienisches Kino der 70er" ist, denn das ist ja offenkundig ersichtlich. Viel mehr sollte man sich unabhängig davon auf die Stärken und Besonderheiten dieser Werke konzentrieren. Dann kommt es mir jedoch oft so vor, dass diese Werke so stark in ihrem Herstellungsland und ihrer Entstehungszeit verankert sind, dass es nur natürlich und richtig ist, beides in der Beschäftigung damit immer wieder hervorzuheben. Das nur als Gedanken nebenbei.
Und wenn es jedenfalls etwas gibt, das speziell für das italienische Erotikkino der späten 70er Jahre typisch ist, dann sind es wohl die noch hemmungsloser ausgeloteten Sleaze- und Schundabgründe. Ist eigentlich genau wie bei der Musik: der Höhepunkt war bereits Anfang bis Mitte 70er erreicht, aber der langsame Niedergang kann auch Spaß machen. Und genau die Musik dieser Zeit liefert auch Stelvio Cipriani in Form eines Lounge/Disco/Orchester-Scores, welcher sich, genau wie der Film, nie so recht zwischen geschmacklichen Entgleisungen und angedeuteter Opulenz entscheiden kann. Versteht eigentlich niemand, wie sehr diese Filme von ihrer Musik abhängen, oder warum wird sie in Reviews meist gar nicht erwähnt? Aber ich schweife schon wieder ab.
Um ehrlich zu sein, hat mich der Film, so sehr ich ihn auch ungläubig mitverfolgt habe, auch ein bisschen gelangweilt(vielleicht war ich nicht in der richtigen Stimmung). Dennoch gibt es noch vieles hervorzuheben. Zum Beispiel der groovy aus dem Auto heraus gefilmte Vorspann, natürlich mit der erwähnten geilen Musik! Oder die Location: wäre der Film höher budgetiert gewesen, hätte man das Geschehen sicher auch gut in ein Schloss verlegen können (a la MALABIMBA); so musste aber ein stinknormales Haus herhalten (immerhin mit kleinem Garten!), was dieses Paralleluniversum, das sich darin eröffnet, allerdings noch morbider wirken lässt. Ansonsten gibt es einvernehmlichen Sex zwischen dem dicken Schnurrbart und Marina Hedman sowie zwischen Marina Hedman und Ajita Wilson. Außerdem semi-einvernehmlichen Sex (wohl auch bekannt als "romanticized rape") zwischen dem dicken Schnurrbart und Ajita Wilson. Bleibt also noch Cinzia De Carolis, die sich mit einer Schlange im Bett wälzen darf, und dabei einen so glücklichen Gesichtsausdruck zur Schau trägt, als ob sie aus voller Überzeugung die Rolle ihres Lebens spielt bzw. gar nicht nur eine Rolle spielt! Letztlich hoffe ich: No snakes were harmed, and no humans were harmed by snakes, during the making of this movie!

Ein modernes Märchen, das sich in das Gewand eine sleazy Sexploitation Flicks gehüllt hat (oder war es genau anders herum?), um so ein breiteres Publikum mit nackten Tatsachen anzulocken und es dann mit einer rührenden Liebesgeschichte der etwas anderen Art zu konfrontieren. Poetisch, grobschlächtig, geschmeidig, geschmacklos, anmutig, unbegreiflich!

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PostPosted: 01.06.2013 22:59 
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Blow Job (OT: Blow Job; Italien; 1980; Alberto Cavallone)

Ein tristes Hotel, ein altes Schloss, ein junges Pärchen, eine Hellseherin mit übernatürlichen Fähigkeiten...

...machen Inhaltszusammenfassungen bei solchen Filmen eigentlich noch Sinn? Mein erster Cavallone war das jetzt. Und auch wenn man vielleicht nicht immer vergleichen sollte, wurden doch sehr schnell Erinnerungen an Renato Polselli wach. Bilde ich mir das nur ein, oder haben diese Filme alle einen sehr ähnlichen Look (den ich nicht mal wirklich beschreiben kann)? Polselli, Batzella... ich wette, der Bugnatelli aus den 70ern sieht genauso aus. Ob diese Regisseure sich untereinander kannten, ob sie ungefähr gewusst haben, was der andere macht? Immer diese warmen, aber auch irgendwie entleerten Farben, einerseits so eine nüchterne Herangehensweise, andererseits doch rauschhaft. Surrealismus würde ich das nicht mal nennen (auch wenn es wahrscheinlich die korrekte Bezeichnung wäre), denn dabei denke ich eher an noch relativ normale Filme, die mit einigen skurillen Elementen versetzt sind; dieser hier findet jedoch so dermaßen in seiner eigenen Realität (oder in mehreren Realitäten) statt, dass er vordergründig surreale Mätzchen schon gar nicht mehr so sehr nötig hat. Und was ist eigentlich mit dem Soundtrack los: mal ganz leise im Hintergrund irgendwelcher Discopop auf der Tonspur, dann oft wieder Stille oder hin und wieder sphärisches Geblubber. Seltsam, seltsam. Von den unbekannten Darstellern, den dargestellten Figuren (Charaktere kann man sie nicht nennen) und erst den Dialogen ganz zu schweigen. Ich glaube, der werte Herr Cavallone hatte ein paar Philosophie-Wälzer zu viel intus! Ist der Film tatsächlich so tiefsinnig, wie er sich gibt? Tja, als Regisseur kann man sich's leicht machen: da knallt man einfach so ein Werk hin, und das Publikum kann sich dann über diese Frage den Kopf zerbrechen, oder auch nicht.

Völlig in seiner eigenen Welt existierendes und seinen eigenen Gesetzen gehorchendes Transzendentalkino.

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PostPosted: 02.06.2013 17:25 
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Graf Porno und seine Mädchen (OT: Graf Porno und seine Mädchen; Deutschland; 1969; Günter Hendel)

Harry (Rinaldo Talamonti), ein tollpatschiger Privatdetektiv mit wenig Erfahrung, aber großen Ambitionen, soll im Auftrag ihres Onkels auf die in Kürze 18-jährige Gina aufpassen. Die hat jedoch ganz andere Dinge im Sinn...

Unfassbar großartige Erotikkomödie, oder eher unerwartete Slapstick-Exkursion, in einer Art wie ich sie bisher noch nie gesehen habe! Man hat das Gefühl, der gewöhnnlich oft eher steife und unbeholfene Humor dieser Erotikklamotten wird hier mit all seiner ganz bewusst ad absurdum geführten und deswegen umso spritzigeren Steifheit und Unbeholfenheit auf die Spitze getrieben. Trockenster, zum Brüllen komischer Wortwitz, schräge Situationskomik, surreale Szenarien - und ein Rinaldo Talamonti in absoluter Höchstform. Nach so einem Auftritt wird einem erst richtig bewusst, wie sehr er in späteren Filmen des Genres sinnlos als Klischee-Italiener verheizt wurde. Hier kann er nicht nur sein Komiktalent richtig zur Geltung bringen, sondern ist auch schlichtweg zum Knuddeln. So wie der ganze Film mit seinem herzensguten, liebenswert naiven Grundton. Zum krönenden Abschluss darf unser engagierter Detektiv dann bei einer dekadenten Pyjama-Party in einer romantisch anmutenden Villa (hat jemand mal drauf geachtet, wie die Poolszene ausgeleuchtet ist?!) noch im unfreiwilligen LSD-Rausch durch grob montierte Psychedeliken schlittern, und spätestens dann hat der Film mehr erreicht, als man jemals von ihm erwarten konnte.

Wenn die Leute doch nur mal anfangen würden, sich eingehend mit dem Genre Erotikkomödie zu beschäftigen! Das muss die selten, aber von gewissen Leuten sehr leidenschaftlich gepriesene Kunst von Günter Hendel sein, die ich nun auch endlich kennenlernen durfte und die wirklich noch viel eigenwilliger und fantastischer ist, als man sich das vorstellen kann (sonst hätte ich ja nicht so lange gewartet).

Ich kann nur jedem raten: bitte die deutsche DVD kaufen und selbst davon überzeugen!

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Love and Death in the Garden of the Gods (OT: Amore e morte nel giardino degli dei; Italien; 1972; Sauro Scavolini)

Ein kauziger Professor zieht in einer alten Villa ein, um in dem anliegenden Garten Forschungen über seltene, dort lebende Vogelarten anzustellen. Bei seinen Streifzügen stößt er jedoch auf einige weggeworfene Tonbänder, welche ihm die düstere Vorgeschichte des Hauses und seiner vorherigen Bewohner eröffnen, die bald auch ihn betrifft...

Regisseur Sauro Scavolini spielt hier in beinah schon beängstigender Formvollendung genau das durch, von dem Liebhaber gediegener 70er-Jahre-Romantik nie genug kriegen können. Ein wirklich außergewöhnlich schönes Exemplar dieser Stilrichtung! Als Setting ein altertümliches Gemäuer, komplett mit noch älteren Gemälden und von einem wie verwunschenen, wild verwachsenen Garten umgeben. Klar, was auch sonst? Als musikalische Untermalung gibt es von Giancarlo Chiaramello hauptsächlich stilvolle Streicher- und Klavierklänge, manchmal aufreibend, oft verträumt. Könnte irgend etwas passender sein? Die gewählten Bilder und die durch die Vorgänge gleitende Kamera scheinen auch in jeder Einstellung mehr vermitteln zu wollen, als eigentlich dargestellt wird. Alles wirkt so perfekt, wie aus einem Guss! Ich glaube, man nennt das Poesie.
Ach ja, und eine Geschichte gibt es auch. Sogar eine recht komplexe, auch etwas geschwätzige, aber obsessiv genug erzählte, um auch über die ästhetischen Genüsse der Umsetzung hinaus das Interesse zu halten. Genauer gesagt spielt sich alles auf drei Ebenen ab: der Professor stößt auf die Tonbänder (Ebene 1); darauf enthalten sind vor allem Gespräche, zwischen Azzurra (Erika Blanc) und ihrem Psychologen (Ezio Marano) (Ebene 2); in diesen Gesprächen wird wiederum eine verworrene, in der Vergangenheit liegende Dreiecks-Konstellation zwischen Azzurra und zwei Männern in ihrem Leben (Peter Lee Lawrence u. Rosario Borelli) aufgedröselt (Ebene 3). Und wirklich faszinierend wird es erst recht, wenn noch eine weitere Perspektive aufgemacht wird, die quasi Vergangenheit und Gegenwart zusammenführt. Toll macht sich auch der Cast, hervorzuheben besonders Erika Blanc mit ihrer leuchtend roten Mähne und intensiv-lasziven Darstellung, und Peter Lee Lawrence als angeknackster, liebeskranker Jüngling.

Ich weiß, ich wiederhole mich in diesem Punkt wahrscheinlich zu oft (aber ich kann das Offensichtliche nicht ignorieren): Das ist eines dieser Werke, die bestens veranschaulichen, was in den 70er Jahren alles richtig gemacht wurde. Und am besten wird das nämlich immer bei den Werken deutlich, die sich eher subtil in ihre Entstehungszeit einfügen, den eher gimmickhaften 70s-Chic außen vor lassen, und daher (wenn die Menschen dann noch fähig sind, es zu erkennen) als größtenteils zeitlos schön in die Geschichte eingehen müssten. An dieser Stelle sei auch nochmal auf die aktuelle Camera-Obscura-VÖ des bestimmt ähnlich gelungenen UN BIANCO VESTITO PER MARIALE hingewiesen, auf den ich nun umso gespannter bin!

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