Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
It is currently 25.10.2020 20:31

All times are UTC + 1 hour




Post new topic Reply to topic  [ 321 posts ] Go to page  Previous  1 ... 6, 7, 8, 9, 10, 11  Next
AuthorMessage
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 01.11.2013 18:50 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3747
Gender: Male
La bella e la bestia (OT: La bella e la bestia; Italien; 1977; Luigi Russo)

Vier Episoden:

LA SCHIAVA (THE SLAVE): Ein König (Claudio Undari) irgendwo im alten Russland verliebt sich unsterblich in eine seiner Sklavinnen (Lisbeth Hummel). Sie lässt sich jedoch nicht auf ein Verhältnis zu ihm ein. Als alle anderen Überredungsversuche scheitern, stellt sie dem König schließlich die Bedingung, dass er seine ganze Macht auf sie überträgt. Sie wird für einen Tag Königin, er wird ihr Sklave - nur dann will sie anschließend seine Geliebte werden...

ZOOERASTIA: Die junge Varvara (Lisbeth Hummel) hat einen alten einflussreichen Prinzen geheiratet. Als er herausbekommt, dass seine Frau es hinter seinem Rücken mit dem Stallburschen im Pferdestall treibt, denkt er sich eine Strafe aus. Sie wird nackt in einen Kerker gesperrt, in einem Nebenraum, der durch eine Tür abgetrennt ist, befinden sich zwei wilde Hunde und ein Pferd. Das Problem dabei: wenn sie was essen will, muss sie in den Raum, wo die Tiere sind, denn nur die kriegen Futter. Als ihr Mann jedoch mitkriegt, dass seiner Frau die Gesellschaft der Tiere etwas zuviel "Vergnügen bereitet", verschärft er die Lage...

LA FUSTIGAZIONE (THE WHIPPING): Ein junger Bursche bezieht in der Schule Schläge von einem strengen Lehrer, und findet an diesen Schmerzen schnell Gefallen. Auch als er eines Tages seine Mutter bei einem Techtelmechtel mit ihrem Liebhaber erwischt, bekommt er von der den Hintern versohlt, was ihn wieder noch zusätzlich anheizt. Bald legt er es immer mehr darauf an, diesen Kick der Bestrafung zu erleben...

LA PROMESSA (THE PROMISE): Die 18-jährige Giovanna (Franca Gonella) steht kurz vor ihrer Hochzeit mit einem Mann, den sie nicht sonderlich liebt, der aber Geld und einen guten gesellschaftlichen Stand hat. Einen Tag vor der Hochzeit will sie ihren langjährigen und etwas älteren Jugendfreund dazu überreden, dass er sie in die Geheimnisse der Liebe einführt, wie er es ihr schon so oft versprochen hat...

Auf den Film war ich sehr gespannt! Luigi Russo muss man sicher als feste Größe des italienischen Erotikkinos ansehen, leider haben es seine Filme oft jedoch gar nicht erst nach Deutschland geschafft und sind auch sonst nur schwer zu finden. Alles fängt auch wirklich sehr vielversprechend an. Stimmige Bilder bekommt man da, alles scheint eingehüllt von einer warmen und einladenden Atmosphäre, und auf die Musik muss ich sowieso noch extra zu sprechen kommen. Wenn die 70er Jahre ja sowieso schon unbestritten die große Zeit dieser Art des Erotikkinos waren, dann finde ich diese Exemplare immer besonders interessant, die das Flair der 70er mit einem historischen Kontext verschmelzen. Bis auf die letzte Episode sind nämlich alle Geschichten in nicht näher bestimmten ferneren Zeiten angesiedelt.

Liest man nun nur diese Inhaltsangabe, dann könnte man wohl auf die Ideee kommen, der Regisseur hat hier gleich mehrere kontroverse Tabu-Themen versammelt und lässt es so richtig sexploitativ krachen... - das absolute Gegenteil davon entspricht jedoch eher der Wahrheit. Wenn das auch alles sehr schön stilvoll und gediegen umgesetzt ist, so werden die Themen auch gleichzeitig überaus behutsam und vorsichtig angegangen. Gerade in der ersten Episode wird da viel Zeit mit wenig ergiebigen Vorgeplänkel zugebracht, und wenn man anfangs noch glaubt, das ist nur die Ruhe vor dem Sturm und irgendwann geht es noch richtig in die Vollen, dann irrt man auch, denn es geht höchstens einen kleinen Schritt weiter.

Nach diesem Muster sind alle Geschichten aufgebaut. Was auf Spielfilmlänge sicher zur enervierenden Geduldsprobe geworden wäre, wird durch die episodenhafte Struktur allerdings noch erheblich aufgelockert. Das Beachtliche ist ja: an heiklen Themen mangelt es dem Film nicht, gleichzeitig habe ich jedoch bisher kaum einen Erotikfilm gesehen, der so unexploitativ und zurückhaltend inszeniert ist (was jetzt in keiner Weise wirklich wertend gemeint ist): in der zweiten Episode gibt es z.B. ganz vage Andeutungen von Sodomie, Episode 3 bietet leichte inzestuöse Untertöne, weiterhin werden Machtverhältnisse und Masochismus thematisiert. Nichts davon wird jedoch irgendwie reißerisch behandelt.

Die Art und Weise, wie der Film sich seinen Themen nähert, hat mich desöfteren an die Werke von Walerian Borowczyk erinnert. Und wer meine Meinung zu Borowczyk kennt, weiß auch, dass das nicht unbedingt als Kompliment zu verstehen ist. Es gibt jedoch einen großen Unterschied: der Film ist sehr viel geschmeidiger, italienischer und - auf seine langsame Weise - doch auch schwungvoller inszeniert. Und an diesem Punkt kommt vor allem auch der superbe Score von Piero Umiliani ins Spiel. Einer dieser - ich kann es mal wieder nicht anders sagen - Italo-Scores, wie man sie kennt und liebt! Für jede Episode gibt es da unterschiedliche musikalische Themen, die sehr abwechslungsreich daherkommen. Sehr viel von diesem wortlosen Gesang ala Edda Dell'Orso, in den ersten drei Episoden etwas klassischer anmutend, in der letzten Gegenwarts-Episode dann aber passenderweise etwas zeitgenössisch-grooviger. Alles sehr fein. Interessant ist auch, dass der Sprung in die Gegenwart am Ende erst gar nicht so sehr auffällt, weil auch dabei dieser poetische Look, den man eher historischen Settings zuschreiben würde, beibehalten wird.

Nein, schlecht ist der Film wirklich nicht, man wünscht sich nur manchmal, der Regisseur hätte das Tempo doch ein klein wenig angezogen. Ansonsten ist das auf inszenatorischer Ebene aber echt ein Paradebeispiel für die Machart eines gelungenen Italo-Erotik-Vertreters.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 01.11.2013 19:28 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3747
Gender: Male
Diabolicamente... Letizia (OT: Diabolicamente... Letizia; Italien; 1975; Salvatore Bugnatelli)

Marcello (Gabriele Tinti) führt mit seiner Frau Micaela (Magda Konopka) eigentlich eine glückliche Ehe, die lediglich dadurch getrübt wird, dass der Kinderwunsch bisher nicht in Erfüllung gegangen ist. Man denkt über eine Adoption nach, entscheidet sich dann aber stattdessen dafür, Micaelas Nichte Letizia (Franca Gonella), die bis dahin in einem Internat untergebracht war, bei sich aufzunehmen. Ein Kind ist die allerdings nicht mehr, und dass sie den Alltag in ihrem neuen Zuhause so aufwirbeln würde, damit hat man wohl nicht gerechnet. Was nämlich niemand weiß: die kleine Letizia hat telepathische Fähigkeiten und manipuliert so das Verhalten der Menschen in ihrer Umgebung...

Mann! Es ist immer wieder erfreulich (und schade zugleich), was für unglaubliche filmische Obskuritäten es gibt, die bisher selbst in Fankreisen kaum irgendeine Anerkennung erfahren haben. Dieses Exemplar ist wirklich erst einmal nur seltsam und wabert so vor sich hin, ohne dass man genau vorhersagen könnte, in welche Richtung es wohl gehen wird. Wenn dann jedoch mal was passiert, dann wird es richtig abenteuerlich! Als grobe Einordnung würde ich mal zu der Bezeichnung "brachial übersinnliches Familiendrama" greifen. Damit wird man jedoch den tatsächlichen Vorgängen in diesem Wunderwerk höchstens nur ansatzweise gerecht.
Der Großteil des Geschehens spielt sich in dem Anwesen der Familie ab. Atmosphärisch vereinen sich dabei herbstliche Tristesse, gemütliche Wohligkeit und farbenfroh psychedelische Einschübe. Der Raum von Letizia ist vollgepackt mit popkulturellen Referenzen (u.a. auch einem großen Isaac-Hayes-Poster); zwei rauschhafte Disco-Szenen sollten auch nicht unerwähnt bleiben. Gabriele Tinti spielt mal wieder mit viel Charisma und bewundernswerter Ernsthaftigkeit. Und Franca Gonella - der große Star des Films! - ist schon echt ein Herzchen! Man schaue sich nur mal diese Klamotten an, die sie hier trägt, oder die irren Blicke, die sie hier draufhat - wirklich allerliebst! Nicht so der Bringer ist hingegen der Score von Giuliano Sorgini, der hauptsächlich aus sporadischem Synthesizer-Gefiepe besteht.

Mit normalen Maßstäben kommt man diesem Werk jedoch sowieso nicht bei. Wenn man es kann, dann ist das ein Film zum darin versinken, auf dessen Langsamkeit und Seltsamkeit man sich einlassen muss, um dann auch hin und wieder in freudiges Erstaunen versetzt zu werden. Für Leute, die das Schaffen von Andrea Bianchi, Mario Siciliano, Sergio Bergonzelli und Renato Polselli zu schätzen wissen.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 02.11.2013 15:47 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3747
Gender: Male
Un bianco vestito per Mariale (OT: Un bianco vestito per Mariale; Italien; 1972; Romano Scavolini)

Marialé (Ida Galli) wird in jüngster Kindheit Zeuge einer blutigen Familientragödie. Viele Jahre später lebt sie weitestgehend isoliert zusammen mit ihrem Mann (Luigi Pistilli) in einem abgelegenen Anwesen. Die Stimmungs ist meist angespannt, die Dämonen der Vergangenheit brodeln unter der Oberfläche und kommen noch deutlicher zum Vorschein, als einige entfernte Bekannte für ein folgenreiches Wochenende in diese abgeschlossene Welt eindringen...

Sind solche Werke, die in dieser Form speziell in den frühen 70er Jahren, oder, wenn man es etwas weiter fassen möchte, ab Ende der 60er bis maximal in den frühen 80ern enstanden sind, das filmische Äquivalent zur literarisch-philosophischen Phase der Romantik um 1800 herum? Ist diese Verbindung in dieser Konsequenz zu weit hergeholt, oder ist sie eigentlich so offensichtlich, dass man gar nicht weiter darauf eingehen muss? Ich meine, wer z.B. jemals etwas von den Erzählungen von E.T.A. Hoffmann oder Ludwig Tieck (um nur zwei der bekanntesten Vertreter zu nennen) gelesen hat, dem kann eigentlich kaum entgangen sein, dass dabei oft ganz ähnliche Stimmungen erzeugt. Und Stimmungen sind auch das Ausschlaggebende! Nicht nur diese Reduktion auf den Schaueraspekt, von wegen Schauerromantik, Gothic, Giallo mit Gothic-Untertönen - passt. Das trifft den Kern nicht wirklich. Es geht viel mehr um die vordergründig ästhetische Ebene, um die Atmosphäre und ganz besonders um die Verschmelzung von Gegenwart, die gar nicht wirklich zeitgemäß ist, und historische Vergangenheit, die gar nicht ernsthaft historisch ist. Genau das hat man in der Romantik auch oft, dass Geschichten in frühere Zeiten versetzt werden und dies keine seriöse historische Verortung darstellt, sondern nur ein Story-Element ist, mit dem gespielt wird, das ironisch gebrochen wird oder das eben vor allem auch verklärend überhöht lediglich eine bestimmte Stimmung erzeugen soll.

Eine ganz ähnliche Herangehensweise zieht sich auch durch den Film, der zu erst einmal von der Machart her klar ein Kind seiner Zeit ist, aber gleichzeitig doch deutlich von dieser entrückt ist. Die Figuren, die im Film als Gäste diesen abgeschlossenen Kosmos des Schlosses betreten, sind die Vertreter der Gegenwart. Der Kosmos an sich ist aber ganz klar Vergangenheit und das auf eine unbestimmte, zeitlich und räumlich fast schon losgelöste Weise. Und dann sind da eben die Gothic-Horror-Elemente, die kaum mehr als überzeichnete Versatzstücke sind; die historischen Kostümierungen, die sich zu einer grotesk-überdrehten Maskerade steigern, und der ständig darunter liegende Widerstreit sowohl zwischen Idyll und Grausamkeit, als auch zwischen Tradition und Moderne. Das alles - und das ist für mich der springende Punkt - funktioniert jedoch nicht wirklich auf einer tiefergehenden Bedeutungsebene, wie sie die intellektuelle Filmkritik nur immer zu gerne deutelt und psychologisiert; sondern das alles sind Elemente, die ihre echte Bedeutung höchstens auf der ästhetischen Ebene erhalten, indem sie sich in den Rausch aus Bildern und Musik einfügen. Genau daraus leitet sich dann auch ein Schwachpunkt ab: wenn der Film dann in der zweiten Hälfte eine gialloeske Murder-Mystery heraufbeschwören will, dann wird die schön eigentümliche und geheimnisvolle Stimmung (und wirklich fast nur darum geht es hier!), die bis dahin etabliert wurde, leider etwas instrumentalisiert und dabei vor allem auch banalisiert.

Also um noch einmal auf meinen ursprünglichen Gedanken zurückzukommen: in diesem Fall von neo-romantischem Italo-Kino zu sprechen, scheint mir wirklich nicht allzu abwegig. Und aus irgendeinem Grund waren die frühen 70er Jahre der ideale Nährboden für solche Werke, die deshalb zu dieser Zeit auch ihren Höhepunkt gefunden haben.

Für die Veröffentlichung von Camera Obscura kann man natürlich gar nicht dankbar genug sein. Um bei dem Gegensatz von Vergangenheit und Gegenwart zu bleiben: es ist einfach ein schönes Gefühl, wenn solchen Schätzen der Vergangenheit auch in der Gegenwart auf diese Weise wieder eine Anerkennung und Wertschätzung zukommt. Und da es in technischer Hinsicht ja generell nichts zu bemängeln gibt (von meiner Seite aus sowieso nicht), kann man nur hoffen, dass auch bei der Filmauswahl in Zukunft weiterhin ein so glückliches Händchen bewiesen wird.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 02.11.2013 16:35 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3747
Gender: Male
Pleasures of Flesh - Sündiges Verlangen (OT: Inner Sanctum II; USA; 1994; Fred Olen Ray)

Jennifer Reed (Tracy Brooks Swope) wurde von ihrem Mann attackiert, der sie umbringen wollte. Sie konnte sich jedoch noch wehren und stattdessen ist er nun tot, während sie die Attacke stark angeschlagen überstanden hat. Immer wieder wird sie jedoch von Alpträumen heimgesucht, dass ihr Mann zurückkehrt, um sich zu rächen. Zudem erhält sie Besuch von dem Bruder ihres Mannes und dessen Frau, denen es offensichtlich hauptsächlich um das Finanzielle betreffend der Testamentsvollstreckung geht...

Na gut, ein Erotikthriller sollte das also sein, aus den 90ern, und von Fred Olen Ray, über den man ja so Manches, aber nicht unbedingt viel Gutes hört - was soll man da Besonderes erwarten? Tatsächlich wirkt der Film recht kompetent und vom rein Visuellen her erst einmal gar nicht so uninteressant umgesetzt. Gleich zu Beginn mal eine sonderbare Friedhofssequenz mit einem surrealen Touch, der auch im weiteren Verlauf hin und wieder auftauchen soll. Dann sogar krude zombiemäßige Maskeneffekte, wie sie in diesem Genre sicher nicht zur Tagesordnung gehören - und deshalb auch nur als Traumsequenz aufgelöst werden können. Auch das zieht sich durch den weiteren Film, und Fred Olen Ray hat scheinbar nicht gemerkt, dass es irgendwann nicht mehr die große Überraschung ist, jede einzelne Horror-Einlage als Traumsequenz aufzulösen (denn das ist dem Zuschauer spätestens beim zweiten Mal - nein, eigentlich schon vor dem ersten Mal klar). Nach diesem Prinzip finden sich hier also diverse gar nicht so wenig versprechende Elemente, die, wie mit zunehmender Laufzeit deutlich wird, jedoch arg vorhersehbar und plakativ aneinander gereiht werden. Die Erotik ist dabei überhaupt nur Beiwerk, das sich in zwei läppischen Sexszenen, die nun wirklich nicht viel her machen, erschöpft. Die Hauptdarstellerin Tracy Brooks Swoope ist auch eine eher unscheinbare Erscheinung, was zwar einerseits zu ihrer Rolle passt, denn sie spielt ja eine physisch und psychisch angeschlagene Persönlichkeit, aber andererseits den Streifen auch nicht aufwerten kann. Sexappael sieht anders aus, aber damit ist es in diesem vermeintlichen Erotikthriller eh nicht weit her. Wirft man einen kurzen Blick über ihre Filmographie, dann sieht man auch, dass sie eher in anderen Genres zu Hause war.

Hinsichtlich Atmosphäre und Setting sind hier wirklich halbwegs gelungene Ansätze drin, der Rest allerdings ist so platt und spannungsfrei konstruiert und kalkuliert, dass es keine große Freude ist.

Wenn jetzt tatsächlich doch jemand interessiert sein sollte, dann noch der Tipp, dass man bei den deutschen MCP-Scheiben aufpassen sollte, dass man die 18er-Version und nicht die gekürzte 16er erwischt.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 06.11.2013 22:06 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3747
Gender: Male
Das nackte Cello (OT: Il merlo maschio; Italien; 1971; Pasquale Festa Campanile)

Der Cellist Giacomo Vivaldi (Lando Buzzanca) kommt in seiner musikalischen Karriere nicht so recht voran. Was ihm jedoch noch mehr zu schaffen macht, ist die Tatsache, dass er auch in seinem alltäglichen Leben einfach kaum Anerkennung findet. Er wird nicht für voll genommen, Leute erinnern sich nicht an ihn, nehmen ihn nicht wahr, oder es werden auf seine Kosten Späße ausgeheckt. Erst als er bei einer Kur bemerkt, dass seine Frau Constanza (Laura Antonelli) auf andere Männer einen ungemeinen Reiz ausübt, gibt ihm das wieder einen richtigen Auftrieb. Endlich wird er wahrgenommen, bewundert, beneidet - wenn auch nur dafür, dass er eben so eine Wahnsinnsfrau hat. Fortan konstruiert er immer gewagtere Situationen, in denen er seine Frau anderen Männern "präsentiert". Eine Obsession, die zunehmend alle Lebensbereiche und vor allem auch seine Arbeit als Musiker erfasst...

Ich war mir gar nicht so sicher, ob ich jetzt schon etwas zu dem Film schreiben soll oder vielleicht lieber erst nach einer späteren nochmaligen Sichtung - so fast schon überrumpelt und seltsam berührt war ich nach dem Filmerlebnis. Von einem nur leichten und unbeschwerten Komödienvergnügen kann man hier nämlich nicht wirklich sprechen. Denn auch wenn es da zweifellos auch prächtige Slapstick-Sequenzen gibt, so liegt ein Hauptaugenmerk auch darauf, wie Campanile hier in die Psyche seiner Figuren eindringt, oder besser gesagt, vor allem in die Neurosen seiner Hauptfigur (eindringlich verkörpert von Lando Buzzanca). Genau betrachtet gesellt sich dabei zu der oft haarsträubend komischen Oberfläche eigentlich beständig eine zweite zutiefst tragische Ebene. Und um dieses Wechselspiel der Emotionen unter einen Hut zu bringen, dafür ist dann wirklich ein Meisterregisseur wie Campanile der richtige Mann, der die Sache mit sehr viel Fingerspitzengefühl angeht und zwischen rustikaler Italo-Komik und leisen Hintergründigkeiten fast immer perfekt den richtigen Ton trifft. Bemerkenswert auch, wie das zentrale Thema Musik auf immer wieder neue Weise in die Handlung eingebunden wird, bis dann schließlich Cello und Frau gewissermaßen fast eins werden, und letztendlich bei einer Opernaufführung von Aida der komplette Wahnsinn ausbricht. Wenn sich das alles jetzt etwas seltsam anhören mag, dann kann man eigentlich nur sagen: wer sich solche Filme nicht ansieht, der wird nie verstehen, was in einem der wichtigsten Genres des italienischen Kinos im besten Fall wirklich möglich war! Sehr schön übrigens auch die Musik von Riz Ortolani, die - natürlich passenderweise ebenfalls cello-dominiert - die Geschichte mit einem eingängigen und später vielfach variierten Hauptthema angenehm begleitet.

Etwas doof und einfallsarm fand ich lediglich das Ende. Da hätte ich mir etwas Versöhnlicheres, das die ganze Angelegenheit besser abrundet, gewünscht. Abgesehen von diesem Kritikpunkt, sage ich mal: insgesamt doch ziemlich großartiger und eigenwilliger Film, den ich mir sicher bald noch einmal vornehmen werden! In der Zwischenzeit könnte sich ja mal ein deutsches Label erbarmen und dem Film seine wohlverdiente Rettung ins digitale Zeitalter zukommen lassen!!! Aber ach, wer will denn Italo-Komödien...

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 07.11.2013 22:57 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3747
Gender: Male
Eine Jungfrau in Blue Jeans (OT: Una vergine in famiglia; Italien; 1975; Mario Siciliano)

Die 18-jährige Anna (Franca Gonella) kommt aus strenger Familie, und während ihr Bruder schon deutlich leichtlebiger unterwegs ist, soll sie, vor allem wenn es nach ihrem Vater geht, der jedoch selbst ein außereheliches Verhältnis hat, möglichst noch Jungfrau bleiben. Als die Eltern merken, dass ihrer Tochter das alles langsam zuviel wird und sie auch vom Studiumsstress überfordert ist, schicken sie sie für eine Woche zu Verwandten aufs Land. Bald wird ihr jedoch auch klar, dass sie sich von ihren Eltern keine Vorschriften mehr machen lassen will...

Absolut herrlich, genauso gut wie ich es erhofft und eigentlich auch erwartet habe! Solche Filme sind für mich ohne Scherz das echteste, wahrhaftigste und italienischste Italo-Kino. Diese Erotikkomödien, die meist auf dem Land oder in Kleinstädten angesiedelt sind, nehmen da wirklich ein besondere Position ein, und sind, was Charaktere, Typenkomik und allen voran Setting und Inszenierung angeht, wirklich durch und durch italienisch, und durch und durch 70er Jahre. Viele Leute würden es wahrscheinlich fälschlicherweise unter Trash einsortieren, weil sie diese Kunst nicht verstehen. Aber ihr könnt mir glauben, ich habe schon einige Filme nach ähnlichem Strickmuster gesehen, die jedoch sehr viel krüppeliger und ungelenker umgesetzt waren. Das ist hier jedoch überhaupt nicht der Fall. Hier ist alles von einem poetischen Schwung durchzogen (ja, wirklich genau das ist es!), alles greift und gleitet stimmig ineinander. Natürlich mutet die Geschichte eher banal und ziellos an. Ausgesprochen witzig oder übermäßig erotisch ist der Film auch nicht. All das ist jedoch weitestgehend irrelevant! Der Humor und die Charaktere sind oft derb und plump angelegt, aber gleichzeitig eben doch auch charmant und sympathisch. Dass da alles keine Gegensätze sein müssen, beweisen solche Filme, bei denen die ultra-fluffige Atmosphäre und die unbeschwerte Herangehensweise alles gerade rücken und in geschmeidige Bahnen lenken. Carlo Savina liefert dazu einen überaus schönen Score, der wirklich beinah jede einzelne Szene superb untermalt und enorm aufwertet (was man vielleicht schnell mal "überhören" kann oder gar nicht immer so bewusst wahrnimmt, weil sich diese Musik so locker-leicht und natürlich in den Film einfügt). Franca Gonella ist auch, ähnlich wie Femi Benussi (die hier ebenfalls dabei ist, wenn auch nur in einer kleineren, etwas blassen Nebenrolle), eine dieser liebenswerten Italo-Aktricen, die hauptsächlich in den obskursten Streifen zuhause waren. Der unverwechselbare Enzo Andronico als notgeiler Onkel, sollte man auch nicht vergessen zu erwähnen. Ansonsten findet sich hier ein Großteil des Casts, den Siciliano dann auch wieder in seinem ein Jahr später enstandenen SCHLITZOHREN IM MANÖVER aka. DIE SÜNDIGEN MÄDCHEN VOM LANDE versammelt hat, den ich ähnlich gelungen finde, wobei dort die Erotikkomponente etwas runtergefahren wurde und das Klamauklevel dafür angehoben wurde.

Mehr Italo-Kino geht nicht!

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 15.11.2013 21:45 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3747
Gender: Male
Little Shop of Erotica (OT: Little Shop of Erotica; USA; 1998; Ernest G. Sauer)

Marilyn Chambers (ja, so heißt sie auch im Film) übernimmt in New York einen Dessous-Laden, den sie unter dem Namen "Little Shop of Erotica" wieder aufmöbeln will. Nebenan treibt die betrügerische Wahrsagerin Madame Rula (Veronica Hart) ihr Unwesen. Diese hat auch einen Komplizen, der in der Gegend mit diversen Frauen ins Bett steigt und anschließend in den Wohnungen Wertsachen mitgehen lässt. Eines Tages stößt er bei seinen Streifzügen auf ein geheimnisvolles Buch, das nicht nur zu hohen Preisen gehandelt wird, sondern dem sogar magische Kräfte nachgesagt werden. Er nimmt das Buch also mit und schickt es per "Peter Pan Delivery Service" an seine Wahrsagerfreundin, die damit vielleicht was anfangen könnte. Stattdessen landet es jedoch im "Little Shop of Erotica", wo es schon bald seine mystische Wirkung entfaltet...

Diese Filme, die ein gewisser Ernest G. Sauer in den 90ern gedreht hat, sind wirklich ein Kapitel und Phänomen für sich, das bisher wohl gar nicht gewürdigt wurde. Ich meine, lest euch diese abgedreht Inhaltsangabe durch... und ja, der Film ist wirklich mindestens so seltsam, wie sich das liest. Aufs Konto dieses Regisseurs geht wohl auch die Idee, Adult-Ikone Marilyn Chambers im Softsex-Kino eine zweite Karriere zu verschaffen. Sie spielt sich hier irgendwie selbst, aber andererseits auch nicht so richtig: im Film ist desöfteren von ihr als großem Star der Vergangenheit die Rede, ohne dass dabei jedoch explizit die Porno-Vergangenheit erwähnt wird. Wer sich dahingehend etwas auskennt, dem muss man natürlich nicht erzählen, dass sie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr die jüngste war, und ob sie noch als scharfe MILF durchgeht, das ist wohl auch Ansichtssache (um das mal vorsichtig zu formulieren). Diese Umstände sind also schon merkwürdig genug, doch das war noch lange nicht alles.
Die 90er waren ja auch die Zeit der kühlen, gelackten Hochglanz-Erotik - davon ist hier jedoch nichts zu spüren. Stattdessen regiert eine heimelige und vor allem seltsam altbackene und angestaubte Atmosphäre! Aber nicht in dem Sinne als ob es künstlich auf Vintage getrimmt wurde, sondern so, als ob es nur so und nicht anders sein kann. So als ob die 90er, in denen dieser Film entstanden ist, schon Ewigkeiten zurückliegen. Das ist bisweilen hochgradig surreal, und ich will fast sagen, extrem faszinierend! Dazu noch der unfassbar platte Humor, der sich ohne Scham die übelsten Gag-Routinen aus der Mottenkiste zunutze macht. Aber auch das ist nicht einfach nur missglückter Humor, sondern auf eine gewisse Weise bewusst pointiert eingesetzt und somit mit voller Absicht "campy" (so nennt man das, glaube ich) gehalten. Und dann, neben diesem antiquierten Dessous-Laden und dieser Zauberbuch-Geschichte, noch so viele Eigenheiten, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen und aufhören soll. Die Musik ist ebenfalls ein äußerst kurioser Stilmix aus Klaviergeklimper, wie in alten Slapstick-Filmen, schwülstigem Jazz und Techno-Beats. Nein, das kann alles nicht wahr sein... Es gibt in dem Dessous-Shop auch ein süßes Kätzchen, das die Geschehnisse mit schreckerfüllten Augen verfolgt - so kommt man sich teilweise auch als Zuschauer vor.

2004 konnte so ein Film noch im deutschen TV laufen. Heute wäre das leider kaum noch vorstellbar. Vielleicht hat der Streifen für mich auch nur eine besondere Bedeutung: die Seltsamkeit des Ganzen muss ich damals schon, wenn auch unbewusster, wahrgenommen haben; nun wurde sie noch deutlicher.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 15.11.2013 22:03 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3747
Gender: Male
Meine drei Cousinen (OT: Cugine mie; Italien; 1978; Marcello Avallone)

Mara (Franca Gonella), Irene (Ely Galleani) und Silvia (Christina Borghi) sind aus Rom, und kommen aber für eine Weile in einem kleinen Provinznest bei Tante (Nieves Navarro) und Onkel unter. Von ihren Gastgebern wird ihre Freizügigkeit gar nicht geschätzt - auch wenn so mancher älterer Herr gerne mal nen Blick riskiert - und auch sonst sorgen sie für allerlei Trubel...

Ja was soll ich sagen? Sehr typischer Erotikklamauk, wie er in dieser Form a) nur aus Italien und b) nur aus den 70ern stammen kann. Man muss sich echt mal zum Vergleich ähnliche Filme aus den USA oder auch Deutschland ansehen - die sind ganz anders, und selten mit so viel Verve inszeniert! Großen Anteil daran tragen alleine schon die Soundtracks (ja, auch die waren bei den amerikanischen und deutschen Produkten selten so ausgefeilt). Nico Fidenco legt hier ordentlich vor, mit schräg-abgedrehten, aber dennoch gefälligen Klängen. Sehr schön! Abgedreht ist überhaupt ein gutes Stichwort. Was sich hier Story nennt, ist mehr eine lose Szenenabfolge, die genauso abstrus ist wie die Charaktere, nein Karrikaturen, schablonenhaft sind. Da gibt es: die konservativen Gastgeber, die entfesselte Jugend, irgendwo dazwischen das Hausmädchen (mal auf hässliches Entlein, mal auf hübsch getrimmt). Am bekloppt-genialsten sind sicher die Szenen, die sich um, Neffe war's glaube ich, Anselmo drehen, der ein ziemlich heikles Problem hat: die Mädels glauben, es handelt sich um Impotenz, doch eigentlich ist sein Problem genau das Gegenteil davon, und als sie ihn bei einem heißen Foto-Shooting schließlich heilen wollen, machen sie damit natürlich alles nur noch schlimmer. Ein unfassbare Sequenz!

Also, insgesamt macht es schon Spaß, dem irrwitzigen Treiben zuzusehen. Gleichzeitig ist es alles aber auch wirklich so bescheuert, dass die Sympathien für die oder irgendeine Identifikation mit den Figuren ein bisschen auf der Strecke bleibt.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 23.11.2013 17:04 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3747
Gender: Male
Pokerface auf krummen Touren (OT: Scansati... a Trinità arriva Eldorado, Italien; 1972; Joe D'Amato)

Jonathan Duke (Stelvio Rosi) und sein Kumpel Carter (Gordon Mitchell) haben, nach einigen weniger erfolgreichen Versuchen, an Geld zu kommen, den Plan, einen Fürsten namens Eldorado (Craig Hill) auszrauben. Dieser hat nämlich auf seinem Anwesen beträchtliche Goldreserven gebunkert...

Ziemlicher cooler C-Western, der genauso aussieht, wie ein Italowestern aus den 70ern konsequenterweise aussehen muss. Puristen und Traditionalisten werden sich wohl mit Schaudern abwenden, aber dafür kann der Film ja nichts. Vieles könnte man ihm sicher vorwerfen, aber nicht, dass er langweilig oder ideenlos ist! Da gab es sowohl vom ungekrönten Trash-König des Italowestern - Fidani natürlich - als auch von renommierteren Regisseuren schon deutlich lahmere und uninspiriertere Kost.
Stelvio Rosi ist irgendwie eine (passenderweise) bizarre Erscheinung; während Gordon Mitchell sich wieder ohne Rücksicht auf Verluste durch die Szenerie grimassiert. Kaum wiederzuerkennen hingegen: Craig Hill als Eldorado! Er hat nicht nur ein motorradmäßig aufgemotztes Pferd, sondern auch seinen großen Auftritt, wenn er in seiner (nicht wirklich opulent zu nennenden) Festung jämmerlich weinen darf, als das Gold vor seinen Augen stibitzt wird, während er, der sich auch gerne mal als gottgleiche Persönlichkeit sieht, gefesselt auf seinem Thron sitzt. Daniela Giordano fungiert hauptsächlich als Love Interest und hat eine seltsame Szene, in der sie ewig an ihrer Korsage herumfummelt, bevor sie und ihr (warum auch immer) geliebter Jonathan Duke sich näher kommen (wovon man nichts sieht).
Die Kulissen und Drehorte sind ein besonderes Schmankerl und strotzen nur so vor Billigwestern-Charme: Steinbruch, Wäldchen, Wiesen, einsturzgefährdete Hüttchen, etc. Das alles aber hin und wieder auch gelungen als bewusstes low-budget-stylisches Stilmittel eingesetzt (bzw. eben der Versuch, noch das Beste daraus zu machen)! Eine besondere, wenn auch sinnlose, Rolle spielen in dem Film außerdem Kartentricks, die man schon im Vorspann, begleitet von dem schönen Score von Giancarlo Chiaramello, bewundern kann. Während dieser noch einigermaßen traditionell daherkommt, sorgt jedoch die ebenfalls beteiligte Gruppe Ossana für diverse Rock-Einlagen, welche in diesem Kontext doch ein wenig befremdlich wirken. Aber das ist es eben: hier ist alles möglich; wer hat gesagt, dass in einem Western aus den 70ern nicht auch die Rock-Klänge aus den 70ern ertönen dürfen?

Diese IW-Kuriosität in exzellenter Qualität auf DVD - das wäre schon was. Verdient hätte er es mehr als so manche "solide Durchschnittswestern", die zwar nicht so angreifbar sind, aber meistens viel langweiliger. Wenn schon Trash, dann bitte die inspirierte Variante davon, die gar nicht nur Trash ist. Übrigens: keine Pferdestürze in diesem Western!

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 23.11.2013 17:44 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3747
Gender: Male
The Naked Detective (OT: The Naked Detective; USA; 1996; Ernest G. Sauer)

Der Privatdetektiv Sam Drake (J.B Gardiner) ergattert seinen ersten großen Fall: er wird zu der Villa gerufen, wo der alte "Higgie" (Ken Dashow) - einer der reichsten Männer Amerikas! - wohnt, und wo dieser in letzter Zeit immer wieder von Mordanschlägen heimgesucht wird. In seinem eigenen Haus fliegen ihm die Kugeln um die Ohren! Wer könnte ein Interesse an seinem Tod haben? Nun, die Liste derer, die vielleicht im Testament bedacht wurden und sich somit einen Teil des Vermögens unter den Nagel reißen möchten, ist lang. Zum Beispiel: seine Frau, sein Sohn und dessen Frau, seine Krankenschwester, sein Dienstmädchen, sein Chauffeur... Als er nur kurze Zeit nach Ankunft des Detektivs beim Biss in ein offensichtlich vergiftetes Stück Torte das Zeitliche segnet, wird die Lage für den Ermittler richtig kompliziert, denn die anwesenden Damen geizen nicht mit ihren Reizen und machen damit die Nachforschungen nicht leichter...

Zu Ernest G. Sauer und seinen seltsamen Filmen habe ich bei seinem LITTLE SHOP OF EROTICA schon einiges geschrieben - und vieles davon trifft auch hier wieder zu. Wieder so ein oldschooliges Flair, das bizarr aus der Zeit fällt. Wieder so eine insgesamt verschrobene Ausrichtung, was Geschichte und Charaktere angeht. Und diesmal, aufgrund der Detektiv-Thematik, gibt es dazu noch einen Touch Noir.

Welcher Regisseur würde sonst bei einem Erotikfilm, der doch irgendwie vielleicht auch anregend sein soll, auf die Idee kommen, Figuren wie den alten Higgie einzuführen, der wohl am treffendsten als Unsympath und Ekelpaket beschrieben ist. In der Zeit, die ihm im Film zum Leben bleibt, ist er ständig am Tablettenschlucken, Sabbern und die Sippe um ihn herum verfluchen. Und nachdem er dann mit weißem Schaum vorm Mund abkratzt, wird er halt wie selbstverständlich im Kühlraum des Hauses aufgehangen.

Damit fängt dann die Arbeit für unseren sympathischen Ermittler richtig an! Er sieht sich immer wieder verfänglichen Situationen ausgesetzt, in denen ihn die Damen des Hauses verführen wollen, um sich so mit ihm gutzustellen. Er - der die Geschehnisse auch als lakonische Erzählerstimme begleitet - durchschaut diese Masche natürlich und will eigentlich standhaft bleiben, aber erliegt doch immer wieder den Versuchungen der Fleischeslust. Das kann man(n) ihm auch nicht verübeln, denn der weibliche Cast ist natürlich verdammt scharf - also in dem Sinne, dass er aussieht wie direkt dem Playboy oder dem horizontalen Filmgewerbe entsprungen, was zum Teil auch der Realität entspricht. Wie z.B. im Fall von Taylor St. Clair, die reichlich sowohl SC als auch HC gedreht hat. Ganz ähnlich sieht es bei Julia Parton aus.

Wenn man dem Film auch nicht absprechen kann, dass sich seine Geschichte und die damit verbundene Herangehensweise ungefähr nach der Hälfte der Laufzeit abgenutzt hat und zunehmend zur etwas lahmen Nummernrevue verkommt (da hilft auch die "spektakulär" komplizierte Auflösung nichts mehr), muss man doch wieder feststellen: die Produktionsbedingungen waren sicher alles andere als vorteilhaft, das Budget sicher gering - aber Ernest G. Sauer und sein Team verstehen einfach den Umgang mit filmästhetischen Stilmitteln und gehen vor allem auch immer mit einem großen Augenzwinkern zu Werke! Die Atmosphäre (Setting, Ausleuchtung, etc.) ist verhältnismäßig stimmig, und besonders hervorheben muss man auch die Musik, die die Vorgänge sehr abwechslungsreich unterstützt und sogar einen ziemlich tollen Titelsong parat hält.

Wenn ich mir die wenigen Reviews, die man im Netz findet, ansehe, dann kann ich nur sagen: Was man dem Film auch vorwerfen kann... wer ihn nur als 0815 Softsex-Schrott abtut, hat schlichtweg keine Ahnung. Wenn schon, dann bitte: ambitionierter und inspirierter Softsex-Schrott!

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 26.11.2013 20:56 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3747
Gender: Male
Das Bildnis der Doriana Gray (OT: Die Marquise von Sade; Schweiz; 1976; Jess Franco)

Doriana Gray (Lina Romay) lebt alleine in einem idyllisch gelegenen Schloss. Sie hat auch eine Zwillingschwester, die in einer Nervenklinik ihr Dasein fristet. Während sie kaum fähig ist, sexuelle Lust zu empfinden, ist ihre Schwester nymphoman veranlagt, aber dafür geistig zurückgeblieben...

Oh je! Mal wieder ein ziemlich ungenießbarer Franco-Heuler, der einem quälend vor Augen führt, was mit seinen Filmen manchmal nicht stimmt. Dabei wirken die ersten Sekunden noch recht einladend: man hatte hier als Schauplatz wirklich einen tollen fremdländisch aussehenden Bau zur Verfügung, umgeben von einem prächtigen Garten. Warum dieser, wenn es an die Außenaufnahmen geht, immer wieder aus den gleichen zwei Winkeln (siehe die ersten beiden Screenshots) gefilmt wurde, kann man sich dann aber auch bald fragen. Überhaupt sind die an sich recht edlen Bilder ständig auf eine so sauber-sterile (typisch für die Dietrich-Francos) und statisch-gestelzte Weise eingefangen, dass damit beinah jede Faszination zunichte gemacht wird. Muss man das wirklich als meditatives oder poetisches Filmerlebenis bezeichnen, nur weil scheinbar (!) alle dafür nötigen Zutaten vorhanden sind und das geschwollene Geschwafel mitunter noch philosophische Tiefe vorgeben will? Echte Poesie darf niemals so apathisch und schwerfällig sein! Zumal Franco diese Herangehensweise auch nicht durchhält, sondern zwischendrin - unbeholfen oder beabsichtigt, auch egal - regelmäßig mit extrem plumpen Stilbrüchen ankommt. Die Musik besteht oft nur aus einzelnen Sitar-Klängen und sowas, was ebenfalls nicht der Bringer ist, aber für so eine aufgesetzte Melange aus möchtegern-mystisch-exotisch-poetischem Kauderwelsch natürlich perfekt passt. Zur Geschichte muss man auch nichts weiter sagen, diese ist nämlich so uninteressant und vorhersehbar, wie es nur geht (aber das alleine wäre nicht das Problem).

Was hätte ein Regisseur vom Schlage eines Mario Siciliano oder Sergio Bergonzelli aus diesem Stoff gemacht? Wenn ich deren Filmen oft einen gewissen Schwung und eine Geschmeidigkeit zugesprochen habe, dann ist das, was Franco hier macht, das absolute Gegenteil davon. Verehrer von Lina Romay können sich ja die nun ebenfalls erhältliche Blu-ray besorgen und sich dann darauf einen runterholen, wie ihre Göttin durch die leblosen Hochglanzbilder schreitet oder sich in Großaufnahme ihre Muschi rubbelt. Für alle anderen eher nicht empfehlenswert.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 02.12.2013 01:24 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3747
Gender: Male
Armour of God - Der rechte Arm der Götter (OT: Long xiong hu di; Hongkong/Jugoslawien; 1987; Jackie Chan/Eric Tsang)

Jackie (Chan) wird durch die "Rüstung Gottes" in turbulente Schwierigkeiten gebracht: bei einen afrikanischem Stamm stibizt er ein Schwert, das Bestandteil der Rüstung ist, später versteigert er es. Dann wird jedoch die Freundin seines Kumpels von finsteren Gestalten entführt, und als Lösegeld wird die Rüstung gefordert...

Jackie Chan und Indiana Jones, zwei Helden meiner Kindheit, hier quasi vereint in einem Film! An erstaunlich viele der Szenen hatte ich noch dunkle Erinnerungen, die nun wieder aufgefrischt wurden. Bei solchen Lieblingsfilmen aus jüngeren Jahren kann man ja nicht immer sicher sein, ob sie mit großem Abstand immer noch die gleiche Wirkung entfalten. Aber in dieser Hinsicht hat sich der Streifen echt nicht schlecht geschlagen. Die Story ist etwas dünn und fühlt sich nach Mittel zum Zweck an. Der Humor ist gewöhnungsbedürftig. Allerdings macht es einfach Spaß, diesen Abenteuern quer durch interessante europäische Schauplätze, garniert mit mystisch überzeichneten Bad Guys, temporeichen Verfolgungsjagden und akrobatischen Kloppereien (die irgendwie gleichermaßen bodenständig und handgemacht sowie auch irreal und bombastisch sind), zu folgen. Schon die Eingangs-Sequenz entwickelt eine Dynamik, die man an dieser Stelle gar nicht adäquat beschreiben kann. Die Musik trägt ebenfalls schön dick auf und treibt das Geschehen richtig voran.

Ein bestens aufgelegter Jackie Chan in einer Genre-Kreuzung, die ich immer noch ziemlich genial finde. Früher einer meiner Lieblingsfilme und auch heute immer noch recht nett.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 02.12.2013 09:30 
Offline
User avatar

Joined: 04.2011
Posts: 383
Location: Sin City
Gender: Male
Hier mal ein goßes Lob für deine ausführlichen Reviews und die Mühe. Bei dir finde ich immer wieder was Interessantes aus Italien, was ich noch nicht kenne. Weiter so.

_________________
FILM MÄG, Print-Fanzine im 13. Jahrgang

"Danach kam ja nur noch der subventionierte Staatsfilm."
(Herbert Fux. Er meinte die Zeit ab Mitte der 70er.)


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 05.12.2013 20:56 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3747
Gender: Male
effetess wrote:
Hier mal ein goßes Lob für deine ausführlichen Reviews und die Mühe. Bei dir finde ich immer wieder was Interessantes aus Italien, was ich noch nicht kenne. Weiter so.

Oh, hab erst jetzt gesehen, dass es hier einen Kommentar gibt. Danke! Und weiter geht's mit einem, wie ich finde, sehr interessanten Film...


Alice (OT: Alice ou la dernière fugue; Frankreich; 1977; Claude Chabrol)

Alice (Sylvia Kristel) verlässt in einer stürmischen Regennacht Hals über Kopf - oder vielleicht auch schon länger geplant? - ihren Mann. Auf der Fahrt durch ein Waldstück geht die Windschutzscheibe ihres Autos zu Bruch. Sie muss anhalten und findet bei einem älteren Herrn und dessen Diener in einer alten Villa Unterschlupf. Am nächsten Morgen wird sie von bizarren Geräuschen aus dem Schlaf gerissen. Von den Personen des letzten Abends ist nichts mehr zu sehen. Sie durchstreift daraufhin das weitläufige Areal rund um das Anwesen, gelangt dabei jedoch immer wieder nur an eine Mauer, die scheinbar nirgendwo einen Durchgang hat. Bald trifft sie auf einen anderen mysteriösen Mann, der ihre vielen Fragen zu der Situation jedoch ebenfalls nicht beantwortet...

Und ein weiteres Beispiel für verfilmte Schauerromantik aus den 70ern. Beseelt von einer dichten traumwandlerischen Atmosphäre, in der man so richtig versinken kann. So geht Langsamkeit, ohne Langeweile! Ganz behutsam und subtil wirft einem der Film immer wieder nur kleine Brocken - inhaltliche Puzzle-Teile oder eher stimmungstechnische Kniffe - vor, die dafür sorgen, dass selbst (oder gerade) die idyllischsten, sonnendurchtränkten Naturszenerien von einer dunklen, beunruhigenden Aura befallen werden. So banal es auch klingen mag, aber man will einfach wissen, wie es weitergeht. Gerade weil so wenig passiert, erwartet man mit Spannung, in welche Richtungen die Geschichte noch vordringen wird. Sylvia Kristel strahlt dabei eine besondere Mischung aus Bestimmtheit und Zerbrechlichkeit aus, und auch wenn man in dem Film eigentlich viel Gelegenheit dazu hat, man kann sich an ihr einfach nicht sattsehen, so einnehmend ist ihre Präsenz, nicht nur in dem Sinne, dass sie eine attraktive Frau ist, sondern auch darüber hinaus.

Chabrol hat hier Gott sei Dank kein krampfiges Arthouse-Kino geschaffen, sondern ein Werk, das schön fließt und den Zuschauer sanft mitreißt.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 08.12.2013 18:01 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3747
Gender: Male
Die amourösen Nächte des Ali Baba (OT: Le amorose notti di Ali Baba; Italien/Frankreich; 1973; Luigi Latini de Marchi)

Ein Herrscher im Orient hat ziemlichen Ärger mit seinem Sohn Ali. Dieser hat nämlich nichts als Frauen im Kopf. Um ihn wieder auf den rechten Weg zu bringen, holt sein Vater den Psychologieprofessor Freuch aus Wien heran...

Auf den ersten Blick gar nicht so übel - erinnert ein wenig an die Decameron-Erotikklamauk-Streifen, hier halt statt Mittelalter der alte Orient als Schauplatz - artet jedoch innerhalb von kürzester Zeit zur reinsten Tortur aus. Ein unglaublicher Scheißhaufen von einem Film, bei dem gar nichts stimmt. Total lustlos runtergekurbelt und gespielt, inhaltlich nur sinnlos bizarr. Schauwerte, Erotik? Fehlanzeige. Dazu ein furchtbares Diedeldumdei als Soundtrack, das sogar mir zu cheesy war. Es gibt da eine Szene, da landet der Professor in einer Jauchegrube und hat anschließend noch für eine ganze Zeit die braune Brühe am Körper kleben. Die Szene bringt es alles irgendwie gut auf den Punkt.

Luigi Latini de Marchi hat scheinbar hauptsächlich traditionellere Abenteuerstreifen in den 60ern gedreht. Vielleicht hat er da ja solidere Kost abgeliefert. Damit in den 70ern auf den Erotik-Zug aufzuspringen, ist ihm jedenfalls gründlich misslungen. Mit Sicherheit eines der übelsten Filmprodukte, das je Italien verlassen hat und es dann sogar noch bis nach Deutschland geschafft hat. Die deutsche Synchro passt sich dem allgemein unterirdischen Niveau an, besser macht es das natürlich nicht. Alles in allem, wirklich zum Heulen scheußlich.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 18.12.2013 18:16 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3747
Gender: Male
Hot Ice (OT: Hot Ice; USA; 2000; Karl Ernest)

Im Umfeld eines Stripclubs geschehen seltsame Morde, die den Ermittlern Rätsel aufgeben...

Nach Ernest G. Sauer nun Karl Ernest (nein, da besteht natürlich keine Verbindung). Erst Softerotik aus den 90ern, nun bin ich mittlerweile schon im Jahre 2000 angelangt. Wo soll das alles noch hinführen? Damit dürfte ich wohl auch endgültig in der letzten Phase angekommen sein, in der das Softcore-Kino überhaupt als Genre noch relevant war und zumindest hin und wieder noch Werke hervorgebracht hat, die nicht völlig ohne Reiz waren. Oder irre ich mich? Gibt es heute noch gute Softcore-Streifen, die halbwegs auch als "richtige Filme" funktionieren?
Nun, zurück zu HOT ICE, dem man sicher auch vorwerfen könnte, dass er inszenatorisch kaum über Porno-Niveau hinauskommt und seine Geschichte nur arg bemüht an den Mann bringt. Es gibt am Anfang eine Szene, da finden die Detectives einen Mann, der sich erhängt hat oder, wie man vermutet, erhängt wurde - unter ihm befindet sich auf dem Boden eine Flüssigkeit. Einer der Cops stippt beherzt mit dem Finger in die Pfütze rein und leckt ihn anschließend ab. Darauf sein Kollege: "Es könnte sein, dass das Opfer während des Todeskampfs uriniert hat." Ich erwähne das hier nur, weil es gut veranschaulicht, wie man sich das vorstellen kann, wenn der Film sich ab und zu an einen flapsigen Grundton versucht. Die Sache ist jedoch viel ernster! Sie gelangen nämlich zu der düsteren Vermutung: "Scheinbar waren die Opfer mit ihrer Ermordung einverstanden." Als Zuschauer weiß man jedoch schon sehr früh im Storyverlauf, was Sache ist - während die Ermittler noch im Dunkeln tappen. Der Spannung ist das nicht unbedingt zuträglich. Die erwähnte Flüssigkeit stellt ich übrigens als Wasser heraus und somit führen konsequenterweise alle Spuren zum heißesten/abgefucktesten Stripschuppen New Yorks, dem "Ice Palace". Genius! Aber was rede ich hier überhaupt... die Frage ist eigentlich nur: schaut man sich den Film wegen den zahlreichen Stripclub-Sequenzen oder wegen der drum herum gepappten Story an? Was von beiden ist ersprießlicher/interessanter/weniger langweilig? So ganz sicher kann ich das echt nicht beantworten. Wie gesagt, mit der Inszenierung ist nicht viel los. Der Soundtrack bietet teilweise solchen schön schwülstigen Smooth Jazz, der für diese Sorte Film super passt, aber auch viel elektronisches Gemurkse, das man damals wohl für voll modern und zeitgemäß hielt.

Was ich generell an billigen Softerotik-Filmen so faszinierend finde, sind diese wie verzauberten Sequenzen/Einfälle, die manchmal auftauchen, in denen selbst die schundigsten Filme kurz über sich selbst hinaus zu wachsen scheinen. Davon gibt es hier jedoch nur sehr wenig, eigentlich so gut wie nichts. Will man dicke Titten sehen, kommt man hier noch am ehesten auf seine Kosten, sofern keine Silikonallergie vorhanden ist. Denn wir befinden uns hier nun mal im Amerika des 21. Jahrhunderts!

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 20.12.2013 16:36 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3747
Gender: Male
Schicke deinen Teufel in meine heiße Hölle (OT: Metti lo diavolo tuo ne lo mio inferno; Italien; 1973; Bitto Albertini)

Im kleinen ärmlichen Städtchen Monte Lupone schielt man neidisch auf den Nachbarort, durch den regelmäßig Pilger, die gen Rom unterwegs sind, ziehen und auch ordentlich Geld dalassen. Also schmiedet der Stadtrat einen Plan: man zerstört die Brücke zum Nachbarort, um so die Pilger zu sich umzuleiten. Alles wird etwas aufgemöbelt, um nun hoffentlich auch bald zahlungskräftige Besucher zufriedenzustellen. Ganz vorne dabei bei der Organisation ist der Maler Riccardo (Antonio Cantafora), der im Städtchen auch so schon für einigen Aufruhr gesorgt hat - hat er doch beinah schon mit jeder Frau geschlafen...

Anfangs war ich noch skeptisch. Diese Eindeutschung des animierten Vorspanns, mitsamt plumpen Zweideutigkeiten in Sprechblasen hätte man sich auch sparen können. Auch so droht das Sammelsurium schräger Figuren fast etwas zur Freakshow auszuarten, aber schnell fängt sich der Film! Für diese Decameron-Komödien habe ich ja auch ein besonderes Faible. Die sind hinsichtlich des Flairs einfach etwas ganz Besonderes. Ich meine: da wurden Anfang der 70er wirklich Erotikkomödien im Mitelalter angesiedelt! Alles freilich mit bescheidenen Mitteln, aber die Illusion wird doch recht charmant aufrecht erhalten. Wie schon erwähnt, hier geht es ansonsten hin und her: angefangen bei der lebendigen, farbenfrohen Atmosphäre, über schöne Bilder und gelungene Einfälle, hin zu niedersten Geschmacklosigkeiten, und wieder zurück. Das Lustige ist: selbst die dümmlichsten Derbheiten oder derbsten Dümmlichkeiten, wie man will, werden noch unbeirrt mit diesem gediegenen und elganten Score von Stelvio Cipriani untermalt. Herrlich!
Ansonsten fallen hier auch ständig die Hüllen, mitunter in den abstrusesten Zusammenhängen. Die alten Herren einer kirchlichen Delegation bestehen zum Beispiel darauf, im Nonnenkloster zu schlafen. Da es in dem Ort jedoch nur ein Mönchskloster gibt, wird dieses kurzerhand durch Huren im Nonnengewand zum Nonnenkloster umfunktioniert. Später reist die selbsternannte "größte Sünderin Europas" durch den Ort und macht ihrem Namen nochmal alle Ehre, bevor sie sich in Rom die Absolution holen will. Antonio Cantafora ist auch eine klasse Besetzung als Maler/Schürzenjäger. Ja, die filmischen Auswirkungen der sexuellen Revolution waren hier noch voll im Gange!

Ein besonders schöner Moment war dann noch, als es in einigen Szenen das Schloss Balsorano zu sehen gab, das ich wie kaum eine andere Location mit der Faszination Italo-Kino verbinde. Deswegen noch einmal: Italo-Kino wie ich es mag!

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 21.12.2013 22:29 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3747
Gender: Male
Il peccato di Lola (OT: Il peccato di Lola; Italien; 1985; Bruno Gaburro)

Albert (Scott Coffey) lebt lediglich mit seiner Mutter und dem Diener Angus (Gabriele Tinti) in einem großen Anwesen. Kurz nachdem seine Mutter für eine Zeit lang wegfährt trifft auch das neue Hausmädchen Lola (Donatella Damiani) ein. Diese verdreht dem jungen Albert ganz schön den Kopf und seinen zurückhaltenden Annäherungsversuchen gegenüber scheint sie auch gar nicht abgeneigt zu sein. Dennoch bleibt die Stimmung eher unterkühlt. Angus bleibt der neuen Situation gegenüber misstrauisch. Dann passiert etwas, mit dem wohl niemand der Beteiligten gerechnet hätte...

Spricht man über diesen Film, muss man zuerst einmal von Donatella Damiani sprechen. Sie hatte kleinere Rollen unter anderem in FELLINIS STADT DER FRAUEN, JETZT TREIBT SIE'S AUCH NOCH MIT DEM PAUKER, HONIGMUND oder auch in DIE JUNGS VON DER POLIZEISCHULE. Kenner wissen, was Sache ist. Und wer hat sich nach diesen Filmen nicht gewünscht, wenigstens einmal mehr von ihr zu sehen? Nun, Bruno Gaburro war der Mann, der diesen Wunsch mit IL PECCATO DI LOLA in die Realität umgesetzt hat. Was für ein Glück, dass er sich die Chance, dieser Frau ein filmisches Denkmal zu setzen, nicht entgehen lassen hat! Es gibt wohl keinen anderen Film, der so um Donatella Damiani herum konstruiert ist und der sie so in den Mittelpunkt rückt. Es hätte für den Film auch wahrscheinlich keinen besseren Regisseur als Bruno Gaburro geben können, denn diesen zähle ich nach seinen extrem interessanten und formvollendeten Italo-Erotik-Einträgen MALOMBRA und MALADONNA zu den heimlichen Meistern dieses Genres.
Dieser Film hier ist im - ich würde schätzen - frühen 20. Jahrhundert angesiedelt, aus der Zeit als es schon Autos (aber alte) und Telefone (aber alte) gab. Er bietet die klassische Ausgangssituation, dass ein Dienstmädchen für allerlei Aufsehen sorgt. Viel mehr ist da aber auch erst einmal nicht, aber wie gesagt, dieses Dienstmädchen wird gespielt von, verdammt nochmal, Donatella Damiani! Wer braucht da noch mehr? Bleibt man dran, bekommt man aber noch einiges mehr! Ungefähr in der Mitte kippt das Geschehen plötzlich, eine düstere Stimmung bricht unerwartet herein und ein schauriger Thriller-Plot nimmt seinen Lauf. Nein, was hier erzählt wird, ist sicher nicht die atemberaubendste Geschichte aller Zeiten; aber durch die intime und aufgrund der wenigen involvierten Figuren fast kammerspielartig zu nennende Atmosphäre sowie den Überraschungseffekt gewinnt es enorm an Intensität hinzu. Man gerät da wirklich das ein oder andere Mal ins Staunen, ob der Einfälle, die Bruno Gaburro hier aus dem Hut zaubert - bis dann am Ende sogar in bester Giallo-Manier ein kruder Twist auf den anderen gesetzt wird.
Gaburro war hier wieder mit dem Kameramann Pasquale Fanetti vereint, der viele stimmige Bilder einfangen darf (und später dann übrigens auch, mit wechselhaften Resultaten, seine eigenen Erotikfilme gedreht hat). Die Musik des mir unbekannten Pino Pintucci bietet ein schwülstiges Saxophon-Thema, das beschwörerisch und eindringlich zur Titelmelodie von Lola's Auftritten wird; ansonsten ist der Score aber nicht ganz so herausragend. Und der gute Cast wird wieder einmal komplettiert von einem Kurzauftritt von Italo-Urgestein Maurice Poli.

Alles in allem, eine tolle und faszinierende Entdeckung. Italo-Kino, wie ich es liebe - schon wieder!

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 05.01.2014 14:09 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3747
Gender: Male
Fit to Kill - Kurven, Krallen und Kanonen (OT: Fit to Kill; USA; 1993; Andy Sidaris)

Diverse Parteien sind an einem wertvollen Diamanten interessiert, der daraufhin mehrmals den Besitzer wechselt... [sinnlose "Mittel zum Zweck"-Handlungskonstrukte werde ich hier definitiv nicht im Detail wiedergeben]

Ach, Andy Sidaris - irgendwann musste ich ja auch bei seinen Filmen angekommen. Irgendwas hab ich auch schonmal von ihm gesehen, was ich ziemlich enttäuschend fand. Wirklich toll war's auch diesmal nicht. Wobei ich sagen muss, dass ich ein Tag vorher CLICK: THE CALENDAR GIRL KILLER gesehen habe (falls den jemand kennt) und der war so übel, dass der Sidaris-Streifen im Vergleich dazu wie ein Ausbund bester Unterhaltung wirkte. Ein bisschen faszinierend ist es ja schon, wie sehr Sidaris seine Filme auf das Wesentliche (oder was er dafür hält) konzentriert und diese Formel - ich vermute mal - dann immer und immer wieder in ähnlicher Form durchspielt. Mir kommt er aber auch immer wie ein verhinderter Exploitation-Regisseur vor, denn er traut sich in keiner Hinsicht, wirklich in die Vollen zu gehen, weder was deftige B-Action angeht noch was stylische Softerotik betrifft. Eine genial visualisierte Traumsequenz gab es immerhin, die zeigt, wie der Film vielleicht hätte aussehen können, wenn er konsequenter umgesetzt worden wäre. Die Musik ist für sich genommen nichts besonderes, aber unterstützt das Geschehen auch noch ganz brauchbar. Zu guter letzt noch meine Favoritinnen im Cast: Julie Strain und Ava Cadell!

Was soll ich noch sagen? Irgendwie habe ich die Befürchtung, dass mir die restlichen Werke des Schaffens von Andy Sidaris nun auch nicht mehr oder weniger bieten werden können und ich wohl immer beim selben Urteil angelangen werde. Oder gibt es da doch noch Unterschiede? Ach was man noch erwähnen könnte: zum Glück nimmt sich der Film selbst wenigstens nicht allzu ernst!

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 05.01.2014 14:26 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3747
Gender: Male
Schamlose Angela (OT: Dolce pelle di Angela; Italien; 1986; Andrea Bianchi)

Angela (Michela Miti), die ihre Eltern verloren hat, kratzt ihr letztes Geld zusammen und macht sich auf den Weg nach Rom. Dort will sie vielleicht eine Stelle als Dienstmädchen finden. In der Kutsche macht sie jedoch direkt Bekanntschaft mit einer gewissen Signora Rocchi (Anita Ekberg), die Angela anbietet, dass sie für sie arbeiten darf. Was Angela da noch nicht weiß: Signora Rocchi ist Puffmutter in einem Edelbordell! Und das ist auch die Arbeit, die Angela ausführen soll. Besonders aus ihrer Jungfräulichkeit will man möglichst viel Profit schlagen. Als es soweit ist flüchtet Angela jedoch und lässt sich mit dem gutherzigen Dieb Rocco (Carlo Mucari) ein, mit dem zusammen sie die Freuden der Liebe kennenlernt - doch auch diese Verbindung währt nicht ewig...

Bin total begeistert von dem Film! Andrea Bianchi, den ich ja sowieso sehr schätze und der viel zu oft nur auf sleazige Exzesse reduziert wird, kann man hier von einer ganz neuen Seite kennenlernen. So deutlich wie wahrscheinlich in keinem anderen seiner Filme kann er hier nämlich sein Talent als meisterhafter Erotikregisseur unter Beweis stellen. Denn genau das bietet der Film: zu Abwechslung mal so gut wie keine Schmierereien, sondern formvollendet zelebrierte unverkrampfte, frivole, zeigefreudige, gleichzeitig aber auch stil- und reizvolle Erotik! Nicht mehr und nicht weniger.
Die zauberhafte Michela Miti (man kennt sie vielleicht aus dem Italo-Klamauk-Inferno SCHNEEFITTCHEN UND DIE 7 GLÜCKLICHEN ZWERGE) bestreitet da noch ganz nebenbei die mit Sicherheit freizügigste und erotischste Rolle ihrer gesamten Laufbahn. Sogar eine Ikone wie Anita Ekberg konnte Bianchi für diesen Film gewinnen. Ob Bianchi beide damit überzeugen konnte, dass das Endprodukt ein hochklassiger und nicht zu anrüchiger Film sein würde (was definitiv der Wahrheit entspricht)? Mit vielen eher runtergekommenen Genrekollegen, die gerade zu dieser Zeit entstanden sind, ist diese perfekt stilisierte und offenbar mit beachtlichen Production Values realisierte Kostüm-Erotik nämlich kaum zu vergleichen. Mehr als das Tüpfelchen auf dem I ist der Score von Ubaldo Continiello, der mit seiner Mischung aus orchestralen Elementen und softem Jazz auch noch ganz der alten Schule angehört und runtergeht wie Öl.

Allgemein ist hier auf jeden Fall noch die warme romantische Atmosphäre der 70er vorherrschend, anstelle des unterkühlten 80er-Flairs - was sicher hauptsächlich dem Period-Setting, aber auch der versierten Inszenierung von Bianchi zuzuschreiben ist. So gesehen eigentlich ein Film, der gar nicht in die 80er zu passen scheint, aber andererseits auch wieder doch, weil eben auch diese Art des Erotik-Kinos in den 80ern noch nicht ganz ausgestorben war, auch wenn nur wenige Vertreter des Genres so gelungen waren wie dieser.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 08.01.2014 13:23 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3747
Gender: Male
The Fog - Nebel des Grauens (OT: The Fog; USA; 1980; John Carpenter)

Bitte sagt mir, es ist ein Witz, dass dieser Film als einer der großen Horror-Klassiker gilt! Es kann einfach nicht wahr sein. Ungefähr die gesamte erste Stunde passiert praktisch gar nichts. Okay, dachte ich mir, es handelt sich um die Art von Gruselfilm, die erst ganz langsam und subtil eine bedrohliche Stimmung aufbaut und dann richtig loslegt. Jedoch ist alles, was in den letzten 20 Minuten passiert, dann ebenfalls furchtbar vorhersehbar und in keinster Weise überraschend. Als dünne Story-Grundlage gibt es das Horrorfilm-Klischee schlechthin: eine alte Legende, ein Fluch, der auf einem kleinen Städtchen liegt.

Was hat sich Carpenter nur dabei gedacht? Da könnte man garantiert reihenweise Gruselfilme sogar aus den 50er-Jahren finden, die weitaus aufregender, einfallsreicher, angsteinflößender sind als das hier Gebotene. Wäre das irgendein solide runtergekurbelter C-Film, den kaum jemand kennt, dann könnte man noch sagen: okay, gibt sicher Schlimmeres. Aber in Anbetracht seines Status als Klassiker, der nicht selten Höchstwertungen kassiert, kann man nur sagen: Unbegreiflich! Banaler geht's kaum!

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 08.01.2014 14:04 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3747
Gender: Male
Stoßtrupp in die Wüste (OT:Strategia per una missione di morte; Italien/Frankreich; 1979; Luigi Batzella)

Als im Nahen Osten eine sich um Erdöl drehende Verhandlung ein explosives Ende nimmt, wird der Ex-Soldat Richard Benson (Richard Harrison) zusammen mit einigen Experten (u.a. Gordon Mitchell, Florence Cayrol) von einem der Geschäftspartner, gegen großzügige Vergütung, darauf angesetzt, Öl-Förderanlagen im Krisengebiet zu zerstören...

Recht schnell zu Beginn gibt es gleich erstmal eine ausführliche Liebesszene zwischen Harrison und seiner Filmpartnerin Florence Cayrol, dass man fast glauben kann, man ist in einem Erotikfilm gelandet. Der Rest ist dann jedoch zünftige Söldner-Action, wie man sie unter der Regie von Luigi Batzella und beim Mitwirken von Gordon Mitchell erwarten kann. Oder auch Söldner-Action der Sorte, wo die Protagonisten, selbst wenn sie sich gerade auf einem Himmelfahrtskommando befinden, um keinen lockeren Spruch verlegen sind. So will man es ja schließlich sehen! Einigermaßen stimmige Wüsten-Atmo trifft auf gepflegte Langeweile. Marcello Giombini aka. Pluto Kennedy liefert dazu seine übliche Synthesizer-Orgie als Untermalung. Wenn das "dramatische" Finale dann allerdings der langweiligste Part des Films ist, dann merkt man auch, wo die Schwächen solcher Werke liegen. Moralisch ist die Geschichte selbst für Genre-Verhältnisse auch etwas arg daneben, aber dieses Problem relativiert Regisseur Batzella ganz einfach dadurch, dass er seinen Handlungsfiguren kein Happy-End gönnt.

Insgesamt ein Film, der besser funktioniert als man es vielleicht befürchten könnte und den ich deswegen auch nach mehrfacher Sichtung ein bisschen - aber nur ein bisschen! - in mein Herz geschlossen habe.

An deutschen DVDs gibt es eine von Marketing und eine von Starmedia, beide dürften identisch sein und bieten ordentliche Qualität. Wäre schön, wenn Filme dieser Art immer so einfach zu haben wären. Für Interessierte definitiv eine Empfehlung.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 10.01.2014 21:00 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3747
Gender: Male
La vergine, il toro e il capricorno (OT: La vergine, il toro e il capricorno; Italien; 1977; Luciano Martino)

Gioia Ferretti (Edwige Fenech) und ihr Mann Gianni (Alberto Lionello) haben sich aufgrund ihrer Eifersucht ständig in den Haaren. Sie erwischt ihren Mann mit einer anderen. Daraufhin will sie es ihm auf gleiche Weise zurückzahlen. Er weiß jedoch nicht, dass ihr Seitensprung nur vorgetäuscht war und in Wirklichkeit gar nichts gelaufen ist. Einige Zeit später erfährt sie, ihr Mann habe eine Affäre mit seiner Sekretärin (Olga Bisera). Diesmal ist das Maß voll: ohne ihrem Gatten zu sagen, wo sie ist, fährt sie alleine in ein Urlaubsresort auf Ischia, um sich nun auf ihre Weise zu rächen und sich auszuleben, wie es ihr gefällt. Dort läuft ihr unter anderem auch Patrizio (Ray Lovelock) über den Weg...

Ganz große, bunte, farbenfrohe, ungezügelte, geniale, überdrehte Italo-Erotik-Komödie. Bietet praktisch alles, was man sich von diesem Genre wünschen kann und sichert sich somit mit sofortiger Wirkung einen der vorderen Plätze der besten Fenech-Komödien! Die Geschichte mag nun sicher im Detail nicht so viel hergeben, ist aber ungemein zweckmäßig und stellt die perfekte Bühne für eine Reihe völlig irrsinniger Charaktere und schräger Nebenfiguren sowie ausgeklügelter komödiantischer Verwicklungen dar.
Da wäre zum Beispiel Alberto Lionello (ein sehr wohltuende Alternative zu Banfi und Montagnani), der als eifersüchtiger und fremdgehender Ehemann ständig dem Nervenzusammenbruch nah zu sein scheint, und als er dann auch noch erfährt, dass seine Frau alleine irgendwo hin in den Urlaub gefahren ist, erstmal seine halbe Wohnung zerlegt. Wahnsinnsleistung! Den Vogel schießt auch Aldo Maccione ab, der als vermeintlicher "Baron" zusammen mit seinen zwei Gehilfen (verkörpert von Giacomo Rizzo und Alvaro Vitali) ganz groß einen auf Boss des Hotels macht, aber tatsächlich ziemlich pleite ist. Das Namenaufzählen nimmt bei diesem Film praktisch kein Ende: Stars, die eher ab den 70ern aktiv waren, wie Ray Lovelock, Erna Schurer, Olga Bisera (die war nicht umsonst in einigen meist erotischen Filmen dabei!), Dante Cleri, Patrizia Webley (siehe Olga Bisera) treffen hier auf altgediente Recken wie Riccardo Garrone, Mario Carotenuto und Tibero Murgia.
Unglaublich, was Regisseur Luciano Martino für eine Hammer-Besetzung zusammentrommeln konnte. Aber da er ja auch als Produzent tätig war, mangelte es ihm sicher nicht an Kontakten. Nicht zu vergessen natürlich Edwige Fenech, die ja auch mal mit Martino liiert war (wobei ich nicht sicher bin, ob das während dieses Films noch der Fall war) und die mal meinte, dass sie in der späteren Phase ihrer Karriere die Nackteinlagen etwas reduzieren wollte, womit sie allerdings definitiv nicht diesen Film meinen kann! Sie zeigt hier nämlich alles und reichlich - Charme, komisches Talent und nackte Haut. Ray Lovelock, der Glückspilz, darf sich am Ende sogar ausgiebig mit ihr im Bett wälzen.

Als ob das alles noch nicht genug wäre, gibt es obendrauf auch noch einen perfekten Lounge-Score, eine schicke Inszenierung (es fällt wirklich auf: hier werden einzelne Sequenzen richtig inszeniert und nicht einfach abgefilmt, wie es gerade oft bei Komödien der Fall ist). Gut, für überdrehte Italo-Komik muss man trotzdem etwas übrig haben, aber das ist Italo-Komik in einem Gesamtwerk, wie es nur selten so stimmig und fast schon überwältigend gelungen ist.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 24.01.2014 13:28 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3747
Gender: Male
Lady Chatterley Story (OT: La storia di Lady Chatterley; Italien; 1989; Lorenzo Onorati)

Nachdem ihr Mann (Maurice Poli) gestorben ist und das Testament verlesen wurde, verweilt Lady Chatterley (Malù) noch etwas in dem gemeinsamen Haus, das sie nun verlassen wird, und erzählt einer ihr nahestehenden Person (Venantino Venantini) einige Erlebnisse, die sich dort in der Vergangenheit zugetragen haben. Schon längere Zeit war ihr Mann damals an den Rollstuhl gebunden, weshalb sie ihre sexuelle Erfüllung immer öfter auf andere Weise und mit anderen Männern gesucht hat...

Lorenzo Onorati beweist sich hier auf vorzügliche Weise als echter Erotik-Romantiker, und das sogar noch - ja, hier haben wir so einen Fall mal wieder - in den 80ern! Da die grelle Gegenwart der 80er für diese Geschichte jedoch völlig fehl am Platz wäre, muss er sich natürlich in eines dieser pseudo-historischen Settings flüchten (die ich so liebe). Pesudo deswegen, weil dabei meist keine ernsthafte historische Verortung stattfindet und dies auch überhaupt keine Rolle spielt, sondern es lediglich darum geht, eine bestimmte gediegene, stilvolle Atmosphäre zu kreieren. Dies ist jedenfalls vortrefflich gelungen, denn egal, ob Gegenwart oder Vergangenheit, man bekommt sofort das Gefühl, dass in diesem hier präsentierten Mikrokosmos die Zeit stehengeblieben ist. Handlungsort ist so ein prächtiges altes Landhaus (ich bin mir sicher, das habe ich schonmal in einem dieser spät80er/früh90er-Erotikern gesehen), umgeben von weitläufigen Parks und Wäldern. Nur in dieser Umgebung bewegen sich die Figuren, dort spielt sich alles ab, irgendeine andere Außenwelt gibt es in dem Film nicht.
Was die Machart angeht, gibt sich der Film sehr detailverliebt, auffällig viele Einstellungen scheinen mit Bedacht gewählt. Stellenweise kommt er dabei zwar auch nur etwas schleppend voran, auf der anderen Seite geht in den Sexszenen aber richtig die Post ab - hier werden die Grenzen des Softcore-Genres bis zum Äußersten ausgereizt, wie nur selten! Natürlich mit geschickten Kameraeinstellungen, dass keine allzu expliziten Einblicke gewährt werden, aber dennoch. Wo man bei anderen vermeintlichen Erotikfilmen nämlich manchmal das Gefühl hat, es wird nur pflichtmäßig etwas nackte Haut geboten, um ein gewisses Klientel anzulocken, sieht es hier völlig anders aus. Hier wird Erotik regelrecht zelebriert und zum Hauptbestandteil gemacht, dabei aber dennoch in ein stimmiges Drumherum eingebettet, also nicht nur sinnloses Geficke. Besonders in sich haben es die Zusammentreffen von Malù und ihrem jungen Lover, dargestellt von Carlo Mucari, der auch schon in SCHAMLOSE ANGELA dabei war und dort die heißesten Sexszenen mit Michela Miti bestritten hat. Überhaupt besteht zwischen den beiden Filmen eine gewisse Ähnlichkeit in der Herangehensweise. Die musikalische Untermalung von Stefano Curti und Paolo Rustichelli ist reichlich präsent und ebenfalls recht klassisch und gediegen geraten, hat aber auch so einen leicht künstlichen Synthesizer-Touch, der jedoch gar nicht schlecht passt zu einem Film, der auch keiner Zeit so eindeutig zuzuordnen ist.

Im Grande Finale kulminiert die romantische Erotik dann in einer schönen Liebesszene unter freiem Himmel im herbstlichen Wald, und führt einem damit noch einmal beispielhaft die Qualitäten eines Films vor Augen, der ganz klar zu den Meisterwerken des späten italienischen Erotikkinos gezählt werden muss, vielleicht das ganze Talent des wenig bekannten Regisseurs Lorenzo Onorati deutlich macht, aber vielleicht auch als ein Glückstreffer von ihm gewertet werden muss (wenn ich bedenke, dass andere Filme von ihm, die ungefähr zur gleichen Zeit entstanden sind, längst nicht dieses Niveau erreichen).

Grandios wäre es, wenn irgendein deutsches Label den Film mal auf DVD bringen könnte (Hallo Donau Film, wo seid Ihr!?), denn er hätte es verdient, von mehr Leuten gesehen zu werden. Die bisherige deutsche VÖ-Situation ist nämlich, gelinde gesagt, katastrophal. Es gibt eine 18er-VHS, die wohl um rund eine satte Viertelstunde gekürzt ist. Außerdem eine 16er-VHS, die - wenn die Angaben stimmen - sage und schreibe nur noch unglaubliche 44 Minuten läuft. Und im TV - hach, waren das Zeiten! - lief der Film auch mal (vielleicht sogar weniger gekürzt?), aber das nützt jetzt auch nicht mehr viel. Ich habe deshalb zur italienischen DVD gegriffen, die mit ihren rund 80 Minuten ungeschnitten sein müsste, allerdings nur italienischen Ton bietet - aber schließlich gibt es bei solchen Filmen ja Wichtigeres als Dialoge und ein 100%iges Verständnis der "hochkomplexen" Story.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 29.01.2014 19:34 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3747
Gender: Male
Die Jungfrau mit der scharfen Klinge (OT: Zenabel; Italien/Frankreich/USA; 1969; Ruggero Deodato)

Nachdem Zenabel (Lucretia Love) erfährt, dass sie einem Fürstengeschlecht angehört, will sie zusammen mit ihrer Armee für ihr Recht, gegen einen bösen Baron und generell gegen die Unterdrückung der Frau kämpfen...

Also eins steht mal fest: mit diesem Film betritt man ein komplett bizarres Paralleluniversum! Stellenweise zwar großartig umgesetzt, war mir das im ganzen irgendwie schon fast zu ermüdend grell und überdreht. Zumal hier (auch wenn ich normalerweise kein Freund davon bin, Filme mit erhobenem Zeigefinger ideologisch akzuklopfen - schon gar nicht meine geliebten Italo-Filme) inhaltlich auch etwas sehr verquere Diskrepanzen ins Auge fallen. Man kann ja sagen, ich wage es kaum auszusprechen, dass sich der Film, auf natürlich sehr plumpe Art, durchaus feministisch gibt. Immerhin kämpft Zenabel mit ihrer größtenteils weiblichen Armee gegen die Unterdrückung der Frau. Andererseits wird hier jedoch beipspielsweise ausgiebig in Szenen geschwelgt, in denen Frauen wie Vieh begutachtet und betatscht werden. Ich weiß nicht, warum das in diesem Fall so besonders negativ auffällt... ist ja alles ein klamaukhaftes Comicstrip-Abenteuer, das man sicher auch gar nicht weiter ernst nehmen müsste... vielleicht liegen die Unausgegorenheiten des Films auch woanders und man sucht sich dann nur wieder sowas als Kritikpunkt raus. Trotzdem ist es schon recht herb, wie hier Vergewaltigungen und "Jungfrauenjagden" (?!) wie ganz selbstverständlich in den "fröhlichen" grellbunten Reigen mit eingebunden werden. Der Humor ist auch ziemlich platt, Lionel Stander und sein tuntiger Kollege nerven die meiste Zeit - irgendwas läuft da zu oft unrund. Dann jedoch ganz unvermutet auch immer wieder sehr gelungene Momente, selbst wenn es manchmal nur spezielle Kameraeinstellungen oder pittoresk eingefangene Landschaften sind. Was gibt's noch zu sagen? Die Musik von Morricone und Nicolai ist stellenweise echt gut, aber wird insgesamt nicht so effektiv eingesetzt - hat also eigentlich das gleiche Problem wie der ganze Film. Seltsam auch, dass die Zenabel-Darstellerin Lucretia Love in den Sexszenen offenbar gedoubelt wurde und zwar von einer Dame mit größeren Brüsten - daran erkennt man es, denn ihr Gesicht ist in den Szenen dann logischerweise auch nie zu sehen.

...alles komisch, genau wie der ganze Film. Hätte vermutet, dass ich den total abfeier, und komplett uninteressant ist er ja auch beileibe nicht, aber irgendwas hat mir hier nicht geschmeckt.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 01.01.2015 19:49 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3747
Gender: Male
Winnetou I (OT: Winnetou I; Deutschland/Italien/Jugoslawien; 1963; Harald Reinl)

Santer (Mario Adorf) lässt entgegen der eigentlichen Abmachung eine Bahnstrecke durch das Gebiet der Indianer bauen und ist zudem an den dort vorkommenden Goldschätzen interessiert. Winnetou (Pierre Brice) und Old Shatterhand (Lex Barker) schließen sich nach anfänglichen Konflikten zusammen und versuchen, das Schlimmste zu verhindern...

Nach längerer Zeit mal wieder gesehen und ja, so sieht ein guter Blockbuster aus europäischer Herstelllung aus. Das Beste sind eigentlich fast die tollen Landschaftsaufnahmen Jugoslawiens, unterstützt von der Musik Martin Böttchers. Ein Highlight ist der Unterwasserkampf in einem Bergsee. Ansonsten fühlt sich das hier gerade auch durch die Mitwirkung von Mario Adorf auch schon wie ein Vorfahre der Italowestern an. Ralf Wolter und Chris Howland sollen für Comic Relief sorgen - na gut, hätte es nicht unbedingt gebraucht, aber kann man noch durchgehen lassen.

Teil 1 einer einflussreichen Filmreihe, der auf jeden Fall Lust auf mehr macht.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 10.01.2015 18:41 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3747
Gender: Male
Balduin, der Heiratsmuffel (OT: Le gendarme se marie; Frankreich/Italien; 1968; Jean Girault)

Balduin (Louis De Funes) von der Gendarmerie St. Tropez hat in der Ferienzeit mit der Touristen-Flut alle Hände voll zu tun. Hinzu kommt, dass er sich ausgerechnet in eine attraktive Tempo-Sünderin (Claude Gensac) Hals über Kopf verliebt. Dies wirft den Witwer, der auch Vater einer erwachsenen Tochter ist, völlig aus der Bahn...

3. Teil der Gendarm-Reihe, von 1968, unter der Regie von Jean Girault entstanden, und mit einem cholerischen, aufgedrehten, hektischen Louis De Funes in Hochform. So könnte man das wohl zusammenfassen. Als Schauplatz erfreut zudem das sonnige St. Tropez zur Ferienzeit das Auge. Die Gags entstehen aus dem Wechsel zwischen Dienstlichkeit und den amourösen Verwicklungen Balduins mit seiner neuen Bekanntschaft. Tagsüber streng im Dienst und abends die Nachtclubs unsicher machen - so läuft das hier! Glänzen kann neben neben Claude Gensac auch Genevieve Grad als aufgeweckte Tochter des Gendarms.

Alles in allem mit Sicherheit ein Highlight der Gendarm-Filmreihe, das vor allem mit viel sonnigen Urlaubsflair punkten kann und zudem einen Louis De Funes in Top-Form zu bieten hat.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 10.01.2015 19:00 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3747
Gender: Male
Liebesfalle (OT: Sapore di donna; Italien; 1990; Mario Gariazzo)

Perry (David D'Ingeo) reist nach Venezuela, um dort Medizin zu studieren. Untergebracht ist er bei einer Freundin seiner Mutter (Valentine Demy). Angetan hat es ihm aber vor allem die Stieftochter (Debora Cali) der Hausherrin. Diese zeigt jedoch nach einer stürmischen Liebesnacht kein Interesse mehr an ihm, während es für ihn die große Liebe ist. Also lässt er sich nach anfänglichem Zögern doch auf die Avancen der Stiefmutti ein, was nun wiederum die Stieftochter eifersüchtig werden lässt...

Ein wahrlich schundiges Vergnügen, das Mario Gariazzo einem hier auftischt. Man merkt schon, dass das, was Ende der 80er nach funktioniert hat, 1990 wirklich so langsam seinen Zenit überschritten hat. Das hat man alles irgendwo schonmal so ähnlich und vor allem besser gesehen.
Einer der Alternativtitel lautet HOT LUST AT THE DISCO, und tatsächlich werden hier immer mal wieder "heiße" Disco-Szenen eingestreut. Diese sind natürlich echte Schmankerl, unterlegt mit grauseliger Techno-Mucke - die soll tatsächlich von Paolo Rustichelli sein? Naja, sei's drum. Auch die Chance, den Film mit venezuelanischen Lokalkolorit anzureichern, hat man irgenwie kaum genutzt. So bleiben dann in verfremdeten Bildern dargestellte erotische Tagträume, sowie Sexszenen, die für Softcore-Verhältnisse immerhin ganz gut in die Vollen gehen, aber dennoch wenig prickelnd bleiben. Und auch diese sind nicht mal von einem guten Score, sondern von recht unersprießlichem Gedudel begleitet. Bleibt noch Starpower - wenn man das so nennen will - in Form von Valentine Demy, die trotz schrecklicher Frisur noch etwas Charme ausstrahlt und Debora Cali, die ebenfalls keine schlechte Figur abgibt.

Nicht wirklich empfehlenswert, aber wer sich vorgenommen hat, die erotischen Niederungen des Italo-Kinos auszuloten, der kann ruhig mal einen Blick riskieren. Es geht auch noch schlechter!

Die deutsche DVD geht als VHS-Ersatz durch - mehr nicht.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 14.01.2015 17:42 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3747
Gender: Male
Die drei Musketiere der Meere (OT: I moschettieri del mare; Italien/Frankreich; 1961; Steno)

Zwei kleine Gauner auf Beutezug und ein Lebemann, der vor allem Frauenherzen stiehlt, flüchten zusammen vom Landsitz des Königs. Zuerst mischen sie sich unter die Piraten, dann geben sie sich als spanische Edelmänner aus. In Spanien angekommen, lässt der dortige Herrscher eine große Ladung Gold verschiffen, an der mehrere Parteien interessiert sind...

Solider, bunter Abenteuerstreifen vom Komödienregisseur Steno. Dieser Film - das merkt man schon an der launigen Erzählerstimme - nimmt sich selbst nicht zu ernst, wird aber auch nicht vollends zur Komödie. Das Gauner-Duo (bin mir grad gar nicht sicher, von wem die verkörpert werden) sorgt hauptsächlich für die Komik, so z.B. in slapstick-artigen Prügeleien und ähnlichen Einfällen. Außerdem zu gefallen weiß Pier Angeli in einer Doppelrolle als Zwillingsschwester - einmal als toughe Piratenbraut und einmal als wohlbehütet im Kloster aufgewachsen. Diese Umstände sorgen für allerlei Verwechslung und Trubel, bis sich schließlich der Held am Ende nicht mal mehr entscheiden kann, welche von beiden er nun heiraten will. Der Score von Carlo Rustichelli ist Genre-typisch und leider nix Besonderes.

Leider schleicht sich von Zeit zu Zeit etwas Langweile ein und dabei läuft die Originalfassung wohl noch eine runde Viertelstunde länger. Aber immerhin keine reine Zeitverschwendung, wenn man für solche Filme ein Herz hat.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 17.01.2015 18:32 
Offline

Joined: 11.2009
Posts: 3747
Gender: Male
Something Is Crawling In The Dark (OT: Qualcosa striscia nel buio; Italien; 1971; Mario Colucci)

Eine Gruppe von Leuten, darunter zwei Polizisten, die soeben einen Mörder (Farley Granger) geschnappt haben, ein Arzt (Stelvio Rosi) und seine Gehilfin sowie ein zerrütteltes Ehepaar (Giacomo Rossi-Stuart und Lucia Bose) und ein Professor (Angelo Francesco Lavagnino - ebenfalls Komponist des Scores) finden in einer stürmischen Regennacht allesamt Unterschlupf in einer alten Villa. Im Laufe des Abends hat jemand die Idee, den Geist der unter mysteriösen Umständen gestorbenen ehemaligen Hausherrin wieder heraufzubeschwören. Es folgen weitere seltsame Vorfälle...

Klassischer Gothic-Giallo mit dem altbekannten Motiv, dass eine Gruppe von Reisenden sich an einem Ort zusammenfindet und bald merkwürdige Dinge vor sich gehen. Das Setting weiß gleich zu gefallen, ebenso wie die Inszenierung, die den Fortgang der Ereignisse in satte Farben taucht und damit eine schöne Atmosphäre hervorruft. Vor allem Giacomo Rossi-Stuart und Lucia Bose können als dekadentes, alles andere als harmonisches Ehepaar überzeugen. Der Score bleibt leider nur wenig eingängig. Ebenso hat man viele Elemente, inklusive der angedeuteten Übersinnlichkeiten, schon mal so ähnlich gesehen. Das heißt zwar nicht, dass man solche schönen Kombinationen aus purem 70s-Look und irgendwie zeitlosen Gothic-Grusel-Flair nicht immer wieder gerne sieht, aber die Spannung hält sich dann doch in Grenzen.

90 Minuten kann man definitiv schlechter verbringen, aber vom Hocker gerissen wird man hier auch nicht gerade. Nette Giallo/Grusel-Kost für Fans.

_________________
Image


Top
 Profile  
 
Display posts from previous:  Sort by  
Post new topic Reply to topic  [ 321 posts ] Go to page  Previous  1 ... 6, 7, 8, 9, 10, 11  Next

All times are UTC + 1 hour


You cannot post new topics in this forum
You cannot reply to topics in this forum
You cannot edit your posts in this forum
You cannot delete your posts in this forum
You cannot post attachments in this forum

Search for:
© phpBB® Forum Software | phpBB3 free Forum by UserBoard.org | All Rights Reserved.
» Contact & Abuse Support-Forum Gooof Webdesign free forum Dein Forumo Forum web tracker