Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 21.01.2015 19:27 
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Sex & Zen (OT: Yu pu tuan: Tou qing bao jian; Hongkong; 1991; Michael Mak)

Der junge Sheng (Lawrence Ng) hat sich ganz den Frauen verschrieben, was für ihn eine richtige Lebensphilosophie darstellt, die er verbreitet, indem er durch die Gegend reist. Auch seine Heirat hält ihn nicht davon ab, sich mit anderen Frauen zu vergnügen. Eines Tages trifft er einen ausgefuchsten Dieb, der ihm dabei helfen soll, Frauen kennenzulernen. Shengs einziges Problem dabei: er wurde von der Natur nicht gerade reichlich bestückt. Das macht ihm so schwer zu schaffen, dass er einen Wunderheiler aufsucht, der ihm kurzerhand den Penis von einem Hengst transplantiert. Nun sollte er bestens ausgestattet sein, um sämtliche Frauen glücklich zu machen - oder sollte es doch nicht so einfach sein?

Im Nachtprogramm, ich glaube, es war auf PRO7 oder KABEL1 (ja, dort lief sowas noch vor ein paar Jahren - heute kaum noch vorstellbar!), bin ich diesem Film das erste Mal begegnet, und er hat gleich eine besondere Faszination auf mich ausgeübt. Woraus sich diese ergibt, ist gar nicht so leicht zu sagen.
Ein Aspekt ist, dass dem Film, gerade was asiatisches Kino und den mitunter recht speziellen Humor betrifft, das Kunststück gelingt, auch für ein westliches Publikum sehr zugänglich zu bleiben. Wenngleich das hier gebotene alles andere als konventionell ist. Sexszenen gibt es auch in Hülle und Fülle, diese teilen sich auf in sinnliche Liebesspiele (z.B. sieht man hier, wie zwei Frauen eine Flöte zweckentfremden) und irrwitzige Akrobatik - alles mitunter recht offenherzig gefilmt, aber immer so, dass nicht zu tiefe Einblicke gewährt werden.
Besonders hervorgehoben werden muss noch eine Sequenz, in der Sheng - immer auf der Suche nach neuen lüsternen Abenteuern - an eine regelrecht männerverschlingende Frau gerät, die eine ganze Frauenarmee auf ihn hetzt, die den armen Sheng im Delirium aus Sex und Drogen an die Grenzen seiner Gesundheit bringen. Außerdem wartet auf ihn noch ein ganz spezieller Racheakt, bei dem eine Stute eine ganz besondere Rolle spielt. So wird das, was er sich vielleicht in seinen künsten Träumen gewünscht hätte, für ihn zur Hölle auf Erden - bis schließlich nur noch ein Wrack von ihm übrig ist.

Diese kleinen und großen Unglaublichkeiten sind verpackt in edle, mitunter surreale Bilder, wie man sie so nur selten gesehen hat. Fernöstliches Kino, wie man es vielleicht eher aus den wilden 70ern erwarten würde, tatsächlich aber von 1991! Ich würde ja fast sagen: ein zeitloses Meisterwerk!

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 25.01.2015 19:39 
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Catherine Cherie (OT: Catherine Cherie; Deutschland/Griechenland/Spanien; 1982; Hubert Frank)

Ein gewisser Herr Mantoni will das Schlagersternchen Catherine Cherie (Berta Cabre) groß rausbringen. Dafür darf diese in seiner Villa wohnen und wird auch finanziell von ihm ausgehalten. Was sie nicht ahnt: ihr Gönner ist nicht nur Autor von Erotikliteratur, sondern er steckt auch tief im Rauschgifthandel...

Gleich zu Beginn ein schöner Titelsong von Gerhard Heinz, dazu das rauschende Meer und eine dieser typischen Mittelmeervillas - und direkt ist man wieder drin in Hubert Franks Exotik-Erotik. Exotik strahlen nicht nur die spanischen Schauplätze aus, sondern für eine andere immer gern gesehene Exotik sorgt auch die Beteiligung von Ajita Wilson, die eine denkwürdige Szene in einer Erotikbar, aber nicht viel mehr hat. An Sexszenen mangelt es auch nicht, ob nun das Dienstmädchen mit Catherine Cherie oder eine heiße Nummer in den Dünen - über zu wenig Abwechslung kann man sich nicht beklagen. Leider stellt sich diesmal alles etwas spröde dar, das hat man gerade von Hubert Frank alles schonmal prickelnder gesehen. Schließlich wird auch noch ein Crime-Plot aufgemacht, der sich auch so anfühlt, als musste man nur die Handlung noch etwas strecken und gegen Ende einfach wieder fallen gelassen wird. Stattdessen darf Catherine Cherie endlich mal vor großem Publikum ihren Hit trällern und damit ist die Welt wieder in Ordnung und der Abspann rollt.

Keine Katastrophe, aber das hat man alles schonmal besser gesehen. Dann lieber zum Beispiel nochmal VANESSA!

Von Laser Paradise auf DVD erschienen.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 27.01.2015 19:26 
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Die liebestollen Hexen (OT: Common Law Cabin; USA; 1967; Russ Meyer)

Der ganze Stolz von Dewey Hoople (Jackie Moran) ist seine mehr oder weniger idyllisch am Colorado-River gelegene Touristenabsteige. Zivilisationsmüden Städtern verspricht er dort ein wahres Naturparadies. Zudem helfen seine Lebensgefährtin Babette (Babette Bardot) und seine Tochter Coral (Adele Rein) - manchmal mehr als ihm lieb ist- mit bei der Unterhaltung der Gäste...

Gott! Wo findet Russ Meyer bloß immer diese Prachtweiber?! Dass bei diesen Aussichten die Gefühle hochkochen, ist klar - und so nimmt hier wieder ein typisch rustikaler Sex&Crime-Schwank seinen Lauf. Den Film könnte man so als Mittelding bezeichnen zwischen Meyer's düsteren Frühwerken und seinen späteren freizügig-überdrehten Filmen. Ganz blankgezogen wird hier noch nicht, aber mit den Reizen gegeizt wird auch nicht. Nach 69 Minuten ist dann auch Schluss und so stellen sich hier erst gar keine Längen ein.

Insgesamt ein höchst-unterhaltsamer Streifen, der schon schön die Meyer'schen Qualitäten vorführt und vor allem mit der tollen (weiblichen!) Besetzung punkten kann.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 02.02.2015 20:14 
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Bleib wie du bist (OT: Cosi come sei; Italien/Spanien; 1978; Alberto Lattuada)

Der auf die 50 zugehende Landschaftsarchitekt Giulio (Marcello Mastroianni) lernt eines Tages die Studentin Francesca (Nastassja Kinski) kennen. Trotz des Altersunterschiedes funkt es schnell zwischen den beiden. Das Verzwickte daran: ungefähr 20 Jahre früher hatte Giulio eine Affäre mit Francescas Mutter und nun quält ihn immer wieder die Frage, ob Francesca seine Tochter sein könnte. Mal ist er vom Gegenteil überzeugt, dann kommen ihm doch wieder Zweifel... - wird er die Wahrheit ans Licht bringen?

Tja, Tochter oder nicht - auf dieser Frage baut praktisch die ganze Handlung des Filmes auf und aus diesem Thema zieht er auch eine gewisse Brisanz, auch wenn sich diese in Grenzen hält. Ansonsten handelt es sich um ein Liebesdrama ganz nach italienischer Machart: über weite Strecken sieht man einfach nur die Turteleien von Giulio und Francesca, ein paar urige Nebencharaktere werden eingeführt und wenn sich doch mal ein paar Längen einschleichen sollten, dann rettet der mal wieder überaus schöne Morricone-Score noch einiges. Dieser wartet mit einem stilechten Thema aus Streichern und Klavier auf und hat mit "Dance On" auch einen echten Disco-Ohrwurm zu bieten - Morricone kann eben alles! Mit seinen 100 Minuten könnte man meinen, der Film ist vielleicht ein bisschen zu lang, gerade weil er in Punkto Handlung nicht so viel Abwechslung bietet, aber da man doch wissen will, wie es ausgeht (was hier natürlich nicht verraten wird), wird das Interesse an der Geschichte doch halbwegs aufrecht erhalten.

Also, wie schon gesagt, ein Liebesfilm ganz in Italo-Manier inszeniert. Kann man sich ruhig mal anschauen, wenn einem der Sinn nach sowas steht. Gerade in Zeiten von hektischen Effekt-Orgien tun solche entschleunigten Filme hin und wieder ganz gut.

Die VZ-Scheibe ist ganz brauchbar.

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PostPosted: 09.02.2015 21:01 
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Die Rache der Borgias (OT: La notte del grande assalto; Italien/Frankreich; 1960; Giuseppe Maria Scotese)

Machtkämpfe und Intrigen im 15. Jahrhundert...

Wie der Titel schon verrät geht es hier unter anderem um die Borgias, speziell um Cesare Borgia, der sein Machtgebiet immer weiter ausweiten will und dem dazu jedes Mittel recht ist. Außerdem ist da ein gewisser Marco (Sergio Fantoni), der bei seiner vorherigen Anstellung in Ungnade gefallen ist und sich nun einer Bande von Räubern anschließt. Er ist der strahlend-verschmitzte Held der Geschichte und macht seine Sache als dieser ziemlich gut. Jedoch bleiben seine wahren Motivationen und sein Hintergrund lange im Dunkeln. Weiterhin geht es darum, wer die Vorherrschaft über ein Schloss erhält. Aus diesem Anlass gibt es auch schöne alte Gemäuer zu sehen. Für Fans alter Burgen und Schlösser auf jeden Fall einen Blick wert. Außerdem fällt auf, dass das Breitwandformat recht ordentlich genutzt wurde, was immer wieder zu eindrucksvollen Bildern führt. In Nebenrollen sind unter anderem Jose Jaspe und Giacomo Rossi-Stuart zu sehen.

Also, viel vom üblichen Altbekannten, aber doch ein leicht überdurchschnittlicher Genrevertreter, der recht edel aussieht und ganz gut unterhält.

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PostPosted: 09.02.2015 21:22 
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The Secret Nights Of Lucrezia Borgia (OT: Le notti segrete di Lucrezia Borgia; Italien; 1982; Roberto Bianchi Montero)

Ein einfacher Bandit (George Hilton) gibt sich als Graf aus, der eine wichtige Botschaft nach Rom zum Papst bringen und im Gegenzug Juwelen erhalten soll. Lucrezia Borgia (Sirpa Lane) spielt auf seinem Weg eine entscheidende Rolle...

Sehr lahmes Filmchen, das, wenn es nicht ein paar - ebenso lahme - Sexszenen hätte, gänzlich wie ein billig runtergekurbeltes Relikt aus den 50ern oder 60ern wirken würde. Diese Art von Kostümabenteuer wirkt Anfang der 80er schon recht bizarr, allerdings nicht in einem positiven Sinne. Wenn man es wenigstens mit buntem Abenteur-Getümmel zu tun hätte, könnte man ja eventuell noch Gefallen daran finden, aber nein, hier ist alles irgendwie trist und grau. Die Musik dudelt ziemlich unbrauchbar vor sich hin, die Inszenierung ist uninspiriert und George Hilton hat wohl nur zugesagt, da er sich hier mit ein paar Frauen umherwälzen darf.

Mal wieder ein ziemlich mieses Filmchen vom Herrn Montero. Ein paar hab ich noch von ihm, aber auf die ist mir jetzt erst einmal die Lust vergangen.

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PostPosted: 12.02.2015 20:51 
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Emanuela - Dein wilder Erdbeermund (OT: Inibizione; Italien; 1976; Paolo Poeti)

Emanuelle (Claudine Beccarie) reist mit ihrer Sekretärin Carol (Ilona Staller) nach Afrika, wo sie in der Villa von Emanuelles verstorbenen Mann leben. Auch treffen sie dort auf den Weltenbummler Peter (Ivan Rassimov), der auf der Suche nach einträglichen Geschäften ist...

Ein typischer Film nach dem Strickmuster "reiche Leute verbringen ihre Zeit an exotischen Orten". Nicht zu überhören ist der Soundtrack von den De-Angelis-Brüdern, der immer punktgenau zu den Sexszenen mit einer hauchigen Frauenstimme einsetzt. Nun ja, ein bisschen mehr Abwechslung wäre trotz des an sich recht guten Scores schon nicht schlecht gewesen. Außerdem wirken die pseudo-philosophischen Dialoge, in denen es um Liebe und Leben geht, ein wenig aufgesetzt. Aber auch das gehört bei dieser Art von Film ja schon fast dazu. Ansonsten fängt Kameramann Giancarlo Ferrando (der desöfteren auch mit Sergio Martino gearbeitet hat) viele schicke Bilder ein und verpasst dem Film damit einen recht edlen Anstrich. Und so funktioniert der Streifen auch am besten - über die Atmosphäre und den Look - anstelle von Dialogen und Handlung, die eher vergessenswert sind. Zusammengenommen erinnert das alles sehr an die exotischen Ausflüge, die D'Amato mit seiner Black-Emanuelle-Reihe unternommen hat, oder auch an die hochglanzpolierteren Werke von Jess Franco.

Wahrscheinlich kein Film, an den man sich ein paar Tage später noch großartig erinnert. Aber für den Moment eine recht angenehme atmosphärische Berieselung.

Die DVD von Donau Film bietet sehr ansprechende Qualität!

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 14.02.2015 18:55 
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Lukrezia Borgia - Die Tochter des Papstes (OT: Lucrezia Borgia, l'amante del diavolo; Italien/Österreich; 1968; Osvaldo Civirani)

Die Borgias und die Rebellen stehen sich verfeindet gegenüber. Verzwickt wird die Lage, als der Rebellenanführer Fabrizio (Gianni Garko) und Lukrezia Borgia (Olga Schoberova) eine Affäre beginnen...

Ein recht nette Angelegenheit, irgendwo zwischen ernsthaftem Historienabenteuer und ganz dezenten erotischen Einschüben. Letztere werden meist als Tagträume von Lukrzezia Borgia präsentiert. Wobei sich das wirklich auf einem sehr harmlosen Level bewegt und allzu tiefe Einblicke immer mehr oder weniger geschickt kaschiert werden. Trotzdem ist Olga Schoberova als Lukrezia schon eine extrem schnucklige Erscheinung, auch wenn sie bisweilen anmutet wie ein Barbie-Püppchen, das man in historische Kostüme gezwängt hat. Gianni Garko als raubeiniger Rebell erinnert fast ein bisschen an seine Westernrollen, zumal er hier ja auch viel zu Pferd unterwegs sein darf. Generell sind auch die Kulissen und Drehorte sehr eindrucksvoll ausgefallen, mit tollen Malereien an den Decken, wie es das damals immer gab, und prächtigen dichten Wäldern, in denen die Rebellen hausen.

So sind es letztendlich vor allem mal wieder die Schauwerte, die hier überzeugen können und in Erinnerung bleiben. Handlung und Charaktere bleiben dagegen eher wenig mitreißend, so dass am Ende ein etwas unausgegorener Beigeschmack bleibt.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 23.08.2015 21:41 
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Dr. Fummel und seine Gespielinnen (OT: Dr. Fummel und seine Gespielinnen; Deutschland; 1970; Atze Glanert)

Der aus der Provinz kommende Herr Blümlein (Robert Fackler) wird von seiner Gattin wegen seiner kaputten Bandscheibe in ein Sanatorium nach München geschickt. Trotz der Warnung seiner Frau, sich von allen Versuchungen fernzuhalten, kommt es wie es kommen muss: er gerät schnell auf Abwege und landet schließlich in einem Massagesalon, der weitaus mehr als nur Massagen anbietet. Ob dort auch seine Bandscheibe geheilt wird?

Es war Samstag, später Abend, ich schalte den Fernseher an und was läuft da natürlich auf diversen Kanälen? Irgendwelche alten Schmuddelfilmchen aus den 70ern, die doch heute niemand mehr sehen will! Eine unglaubliche Sauerei sowas! Aber irgendwie bin ich trotzdem dran hängengeblieben. Upps, nein stimmt nicht so ganz. Damit das wahr wäre, müsste man die Zeit wohl um etwa 10 bis 15 Jahre zurückdrehen. Also habe ich wohl doch nur eine DVD eingelegt.
An dieses Phänomen, also dass die Softsex-Welle der 70er im TV noch einmal eine Art Renaissance erlebt hat, hat mich dieser Film jedoch erinnert. Ein Phänomen, das ich ich immer noch extrem faszinierend finde, vermutlich gerade weil ich es kaum oder nur noch am Rande mitgekriegt habe. Schon damals habe ich immer gerne die großen Fernsehzeitungen wie TV Spielfilm oder TV Movie studiert und dann eben auch die Ankündigungen besagter Filme gesehen, selbstverständlich fast immer mit einem "Daumen nach unten" oder als "Flop des Tages" geadelt. Damals war ich aber noch zu jung, um mir solche Filme anzusehen. Und als ich dann alt genug war, wurden die Filme schon so langsam immer uninteressanter, das heißt, neuer. Nun ja, trotzdem frage ich mich manchmal, was wohl damals die Hauptzielgruppe dieses Fernsehprogramms war? Aber ich könnte mir vorstellen, dass die Einschaltquoten sicher nicht die schlechtesten waren, und vermutlich haben, wie so oft, gerade die Leute, von denen man es am wenigsten denkt, öfter mal "rein zufällig" reingeschaltet.
Was hat das alles mit diesem Film zu tun? Nicht so viel. Aber es ist wohl so ein Film, der damals auch hätte laufen können, und vielleicht auch lief. Wie bei so vielen früheren Produktionen des Genres, hat man auch hier das Gefühl, dass hier noch etwas sorgfältiger gearbeitet wurde, als bei so manchen "Fließbandproduktionen", die das Genre später in den 70ern oder gar in den 80ern hervorgebracht hat. Natürlich wird auch hier schon kein Klischee ausgelassen. Da gibt es zum Beispiel den strammen Briefausträger, der nicht nur den Eilbrief zustellt, sondern auch noch für ein Eil-Nümmerchen zur Stelle ist - und dann aber, natürlich nur spärlich bekleidet, fliehen muss. Eine absolute Bilderbuch-Sequenz des Softsex-Kinos, die auch gut den Humor dieses Film veranschaulicht. Daneben sorgen zahlreiche, wahlweise gewitzte oder plumpe, Doppeldeutigkeiten in den Dialogen für mehr oder weniger Erheiterung. Für etwas Temperament und Abwechslung in dieser deutschtümelig schwankenden Filmwelt sorgt hingegen wieder einmal Rinaldo Talamonti, erst als Straßenkehrer und später - ganz groß! - auch noch als Möchtegern-Zuhälter.

Dazu ertönt ein zünftiger Blasmusik/Orchester/Jazz-Mischmasch, der die Geschehnisse gar nicht so unschmissig untermalt. Wirklich erotisch wird es hier trotz Nudity en masse freilich eher kaum, aber langweilig oder allzu schmerzhaft blöd geht es dafür auch nicht zu. Wer also auch den Zeiten nachtrauert, als sowas noch im Fernsehen lief, der kann sich ruhig diese DVD zulegen und sich das gute Stück mal zu Gemüte führen.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 25.08.2015 20:07 
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Eine Sommernachts-Sexkomödie (OT: A Midsummer Night's Sex Comedy; USA; 1982; Woody Allen)

Leopold (Jose Ferrer), ein Philosoph fortgeschrittenen Alters, will endlich heiraten, und zwar die deutlich jüngere Ariel (Mia Farrow). In diesem Zusammenhang verbringen sie ein Wochenende auf dem Land bei dem befreundeten Andrew (Woody Allen), der mit seiner Frau Adrian (Mary Steenburgen) gerade eine leichte Ehe-Krise durchmacht. Ebenfalls eingeladen ist der leichtlebige Arzt Maxwell (Tony Roberts), der seine neue Bekanntschaft Dulcy (Julie Hagerty) mitbringt. Im Verlauf des Wochenendes sollen die ursprünglichen Pläne und die verschiedenen Beziehungskisten jedoch ziemlich durcheinander geraten...

Sommernächte und Sexkomödien - eine gute Kombination! Überhaupt ein schönes Genre, diese Sexkomödie, die in ihrer ursprünglichen Form praktisch nicht mehr existiert, da sie mit ihren frivol-harmlosen Nacktheiten und albernen Gags kaum noch in unsere heutige Zeit zu passen scheint (woraus natürlich gerade heute eine umso größere Faszination resultiert). Wie dem auch sei - wenn in einem Film die Sexkomödie bereits im Titel erscheint und der Regisseur dann auch noch Woody Allen heißt, dann kann man sich wohl schon vorstellen, dass man es nicht mit einer handelsüblichen Sexkomödie zu tun bekommt. Was bekommt man stattdessen serviert? Verbindet man den Namen Woody Allen nicht eher mit etwas verkopften, intellektuellen Filmen mit eher speziellem Humor? Wie soll das alles zusammenpassen?
Um eins vorwegzunehmen: Sex ist hier vor allem in den Dialogen ein Thema oder wird höchstens andeutungsweise gezeigt. Deswegen muss der Film ja aber nicht ohne Reiz sein! Trotzdem könnte man am Anfang fast das Schlimmste vermuten... - betont geistreiche Dialoge, problembeladene Charaktere, dazu Witze, die eher ins Leere laufen, und als Schauplatz aber immerhin eine prächtige romantische Naturkulisse, die dann aber, wenn sie von der Kamera eingefangen wird, unterlegt mit klassischer Musik von Felix Mendelssohn (aus dessen Kompositionen überhaupt die ganze Filmmusik besteht), fast schon etwas plakativ in Szene gesetzt wird. Aber gut, man will ja nicht gleich zu streng sein...
Und die Geduld wird dann tatsächlich noch einigermaßen belohnt. Was sich anfangs noch etwas schwerfällig ausnimmt, kommt nämlich mit zunehmender Laufzeit doch noch in Fahrt, und Handlungsstränge sowie Charaktere erwachen zum Leben. Alte Liebschaften flammen wieder auf, spontane Leidenschaften bahnen sich ihren Weg, bis sich bald kreuz und quer meist genau die begehren, die eigentlich schon längst mit jemand anderem verbandelt sind - und man gespannt sein kann, welchen Ausgang das Ganze nehmen wird.

In den besten Momenten ein Film, der auch eine leicht märchenhafte und verzauberte Stimmung atmet, die meistens dann am besten zur Geltung kommt, wenn sie nicht zu sehr forciert wird. In dieser Hinsicht wäre weniger manchmal mehr gewesen. Der größte Woody-Allen-Fan werde ich wohl auch nach diesem Film nicht, aber trotzdem kann man sagen: für laue Sommernächte gibt es sicher Schlechteres! Wer jedoch eine richtige Sexkomödie sucht, der sollte wohl lieber zu Klassikern wie LIEBESGRÜSSE AUS DER LEDERHOSE oder AUF DER ALM DA GIBT'S KOA SÜND greifen!

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 01.09.2015 19:18 
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Django - Unerbittlich bis zum Tod (OT: Il mio nome è Mallory... M come morte; Italien; 1971; Mario Moroni)

Der Pistolero Mallory (Robert Woods) und sein Verbündeter, ein älterer Colonel (Renato Baldini), kaufen zusammen eine Ranch. Damit ist jedoch Ärger vorprogrammiert, denn auf diese hat es auch der herrschsüchtige und gnadenlose Bart (Teodoro Corra), der sich lediglich manchmal von seiner gutmütigen Schwester Cora (Gabriella Giorgelli) zur Vernunft bringen lässt, abgesehen. Als Mallory sich auch noch in Cora verliebt, droht die Situation zu eskalieren...

DJANGO - UNERBITTLICH BIS ZUM TOD! Ein Titel, der regelmäßig in "übelste IWs aller Zeiten"-Listen auftaucht - zu Recht oder Unrecht? Ja, das ist hier die Frage. Lässt man sich mit niedrigen Erwartungen und etwas gutem Willen auf den Film ein, dann lässt sich das alles eigentlich gar nicht mal so schlecht an. Schon im Vorspann kann man feststellen: eines der ungeschriebenen Gesetze des italienischen Kinos, dass selbst die billigsten Streifen noch vorzügliche Soundtracks aufzuweisen haben, bewahrheitet sich auch hier. Herrlich, was Roberto Pregadio (diese Namen der Komponisten sind schon Musik!) hier abliefert. Wenn man eine Filmmusik auch am nächsten Tag noch im Ohr hat, dann ist das meistens ein gutes Zeichen.
Ja, und mit Robert Woods als Halbblut Mallory muss man auch auf einen charismatischen Hauptdarsteller nicht vezichten - in der deutschen Fassung zudem gesegnet mit einer, ähm, noch charismatischeren Synchronstimme. An seiner Seite steht, als eher untypische Buddy-Figur, der wohl markanteste Weißschopf des IWs, Renato Baldini, ebenfalls eine immer gern gesehene Erscheinung. Und die bezaubernde Gabriella Giorgelli erst..., die genauso aussieht, wie ihr klangvoller Name tönt!
Um es nicht zu vergessen: irgendwo sind dazwischen natürlich auch noch die altbekannten Story-Versatzstücke zu finden, die auf, zugegeben, nicht sonderlich aufregende Weise vermengt werden. Dazu ein paar obligatorische Gunfights und Prügelszenen. Zudem Gereite durch prächtige grüne Landschaften (nein, keine kargen Wüsten mehr, in den Früh-70er-IWs war italienisches grün angesagt!). Und als ob das alles nicht schon genug wäre, gibt es als besonderes Schmankerl noch Frau Giorgelli im Badezuber (das Handtuch wird jedoch geschickt vorgehalten, ihr Lüstlinge!).

Vielleicht habe ich zu lange keine Italowestern gesehen, um selbst von so einem Vertreter, wenn schon nicht beeindruckt, doch zumindest zufriedengestellt zu werden. Aber so schlecht fand ich das echt alles nicht.

Beim Label Great Movies (der Name ist Programm!) in prächtiger Qualität auf DVD und Blu-ray erschienen.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 01.09.2015 19:27 
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Verboten (OT: Proibito; Italien; 1954; Mario Monicelli)

Don Paolo (Mel Ferrer), ein junger Pfarrer, kehrt in sein Heimatdorf zurück. Kurz nach seiner Ankunft ereignet sich bereits ein Todesfall, der wohl in Zusammenhang mit einer weiter in die Vergangenheit zurückreichenden Familienfehde steht. Wird der idealistische Geistliche es schaffen, in dem Ort wieder für Frieden zu sorgen?

Nach Woody Allen's SOMMERNACHTS-SEXKOMÖDIE wieder so ein Film, der sich für die Filmmusik bei einem klassischen Komponisten, in diesem Fall Brahms, bedient. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob das immer so eine gute Idee war. Wenn eine Filmmusik klassische Anklänge hat, was ja sowieso sehr häufig der Fall ist, dann finde ich das meistens sehr stimmig und angenehm. Aber direkt klassische Kompositionen zu verwenden, das wirkt manchmal ein wenig plakativ und ungelenk. Oder vielleicht sage ich das auch nur, weil der ganze Film mich, vor allem inhaltlich, nicht so recht packen konnte. Dabei ist er alles andere als schlecht gemacht!
Wie die Kamera da durch dieses urige Dörfchen mit seinen alten Bauten und die erhabenen Berggegenden gleitet, das sorgt schon für Atmosphäre und ist auffallend edel umgesetzt. Diese malerische Welt wird jedoch zum großen Teil von Figuren bevölkert, die nicht gerade Harmonie verkörpern. Da geht es vor allem um Ehre, verletzten Stolz, althergebrachte Feindseligkeiten und unter Umständen auch rohe Gewalt - und man kann sich fragen, ob da der - man hat das Gefühl - fast schon allzu idealistische Pfarrer viel ausrichten können wird. Leider hat man auch das Gefühl, dass sich die Kunstfertigkeit der Inszenierung etwas auf die Gestaltung der Handlung und Figuren überträgt, welche eben auch ein wenig künstlich und unnahbar, um nicht zu sagen gekünstelt, wirken. Man fühlt sich bei dem Film eher als Beobachter, als wirklich involviert zu sein.

Ein Monicelli mal fast komplett ohne Humor - das muss nicht schlecht sein und die Inszenierung ist wirklich auf hohem Niveau. Meinen Geschmack hat er mit diesem Stoff jedoch nicht so ganz getroffen.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 03.09.2015 18:30 
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Gute Nacht, Herr Advokat! (OT: Buonanotte... avvocato!; Italien; 1955; Giorgio Bianchi)

Die Frau (Giulietta Masina) des Advokaten Alberto (Alberto Sordi) verreist für ein paar Tage. Für den freien Abend hat der Advokat entgegen der Anweisung seiner Frau auch schon genaue Pläne: mit seinem Kumpel Vittorio, der auch schon ein paar Frauen organisiert hat, will er sich in einer Bar treffen. Kurz bevor Alberto das Haus verlassen will, flüchtet sich jedoch eine Frau (Mara Berni), verfolgt von ihrem eifersüchtigen Mann, in seine Wohnung. Wie sich herausstellt, wohnt sie im Stock oben drüber, ihr Name ist Bianca Maria und sie ist genau der Typ von Frau, auf den Alberto steht. Deshalb ist er auch nicht unbedingt erbost über diesen Zwischenfall. Doch es kommt alles etwas anders, als er sich das vorgestellt hat...

Einen ganz klassischen Vertreter der frühen italienischen Komödie haben wir hier. Mit den Klamotten, die dann vor allem in den 70ern mit Anzüglichkeiten und Niveaulosigkeiten auftrumpften (was auch nicht zwangsläufig verkehrt sein muss) haben diese Filme noch nicht viel gemein. In den 50ern herrschte da natürlich noch mehr Zurückhaltung, und diese Zurückhaltung tat den Komödien meist sehr gut, denn spritzig und ausgeklügelt (und für die damalige Zeit vielleicht auch etwas gewagt) waren sie trotzdem - oder erst recht!
Mit Alberto Sordi, der nicht ohne Grund zu den Legenden der italienischen Komik gehört, hat man hier auch eine Top-Besetzung der Hauptrolle zur Hand. Einfach herrlich, was da wieder an Mienenspiel abgeliefert wird, so dass man manchmal denken könnte, der Film wäre wahrscheinlich selbst in einer Sprache, die man nicht versteht, kaum weniger lustig. Ich muss allerdings auch so ehrlich sein, dass es Herr Sordi hier für meinen Geschmack zum Teil etwas übertreibt. Aber so ist das wohl mit solchen schauspielerischen Urgewalten: die lassen sich nicht so einfach in die Schranken weisen! Nicht unerwähnt bleiben sollten auch Giulietta Masina (eine weitere Legende!) und als dralle blonde Versuchung Mara Berni.
Ansonsten ist das hinsichtlich Geschichte und Umsetzung ein Film, der mit recht simplen Mitteln recht viel erreicht. Als Schauplatz dienen meist Wohnräume und später noch ein Villa, in der eine Party im Gange ist, so dass sich meist eine kammerspielartige Atmosphäre einstellt. Bei der Handlung wird Schritt für Schritt ein Element ans andere gesetzt, was dazu führt, dass lange im Dunklen bleibt, wohin die einigermaßen interessante aber auch etwas konstruiert wirkende Geschichte letztlich führen wird.

Keine Offenbarung, keine Enttäuschung, sondern eben einfach ein in jeder Hinsicht solides Beispiel für frühe italienische Komödienkunst, bei dem übrigens - nettes Detail am Rande! - ein gewisser Mario Bava für die Kamera zuständig war.

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Anna - Der bumsfidele Filmstar (OT: Racconto immorale; Italien; 1989; Salvatore Bugnatelli)

Anna (Virna Anderson) wird in einem Schwimmbad von windigen Filmproduzenten angesprochen, die sie für die Hauptrolle ihres neuen Streifens gewinnen wollen. Alles läuft anfangs auch relativ glatt, doch die abgekarterte und kompromisslose Welt des Filmgeschäfts zeigt sich schon bald von ihrer hässlichen Seite...

Salvatore Bugnatelli ist ein Name, den zumindest die Unerschrockenen unter den Italo-Fans sich so langsam mal merken und auf dem Schirm haben sollten. Er fügt sich mit seinem Schaffen eigentlich nahtlos in die Reihe von Schundpoeten wie Joe D'Amato, Mario Bianchi, Andrea Bianchi, Mario Siciliano und Luigi Batzella ein. Er war jedoch weitaus weniger schaffensfreudig als diese Regisseure oder beziehungsweise hat seine Karriere aus irgendeinem Grund einen etwas seltsamen Verlauf genommen: zwei Filme 1975 (darunter der recht interessante DIABOLICAMENTE... LETIZIA), dann erst wieder 1983 einer, und dann noch zwei Nachzügler 1989 - das war's. Dass diese beiden Spätwerke, INTIME AFFÄREN sowie ANNA - DER BUMSFIDELE FILMSTAR, in Deutschland es sogar auf DVD geschafft haben, ist, nebenbei gesagt, ziemlich erstaunlich. Kennen tut die Filme trotzdem kaum jemand und das ist vielleicht ein bisschen schade oder vielleicht auch besser so. Denn was Herr Bugnatelli filmisch so zu Tage fördert, ist schon ziemlich harte Kost.
Inszenatorisch erinnert das zu weiten Teilen schon sehr an, wenn schon nicht ganz unfilmische, doch zumindest unterdurchschnittliche Porno-Produktionen (nur eben ohne den Pornoanteil) und auch die Synchro passt sich exakt diesem Niveau an. Überhaupt diese Synchro! Was mir schon mehrmals aufgefallen ist und was ich wohl nie verstehen werde: wieso schwingen sich die, vorsichtig ausgedrückt, nur mäßig talentierten Sprecher solcher Billigsynchros immer wieder geradezu übermotiviert zu blumig und salbungsvoll ausuferndem Geschwafel auf? Naja, ohne die Synchro wär's natürlich wahrscheinlich nur halb so schön beziehungsweise noch eine Spur langweiliger. Aber wenn eine schlechte Vertonung einen Film also sogar noch aufwertet, dann stimmt eigentlich auch irgendwas nicht.
Und an diesem brachial romantisierten Panoptikum lüsterner Alt- und Jung-Herren-Fantasien stimmt natürlich so einiges nicht. Haarsträubendste Einfälle gibt es da, die es trotzdem kaum schaffen, der kaum existenten Story, rund um Annas Weg zum Filmstar, Leben einzuhauchen. Hässliche Szenen, wie ein Vergewaltigungsversuch, oder andere Geschmacklosigkeiten werden irgendwie später noch so hingebogen, als wäre nichts gewesen. Oder es wird sogar versucht, dem Ganzen noch holzhammerartig sowas wie Tiefsinn zu verleihen - oder sind es doch aufrichtige Absichten von Seiten der Regie, mehr zu drehen als nur einen oberflächlichen Erotikstreifen? Was ich damit meine, ist speziell ein Story-Element, das mir schon in einigen italienischen Erotikfilmen begegnet ist, nämlich, dass es da oft eine tragische oder gebrochene Figur gibt, also Charaktere, die meist traumatisiert oder körperlich eingeschränkt sind. So auch hier: Guido, der depressiv im Rollstuhl sitzt, wird durch die Bekanntschaft zu Anna aus seiner Lethargie gerissen! Seht selbst, was Herr Bugnatelli daraus macht.
Aber um die Checkliste zu vervollständigen: Es handelt sich hier also um einen Erotikfilm, der eher bemüht als tatsächlich erotisch ist. Lediglich ein paar grell ausgeleuchtete Foto-Shootings machen optisch noch ein wenig her. Virna Anderson ist keine große Mimin, aber eine recht sympathische und hübsche Besetzung der Hauptrolle (in den 90ern hat sie unter dem Pseudonym Barbarella übrigens auch in einigen italienischen HC-Produktionen mitgewirkt). Der Komponist Aldo Salvi liefert dazu noch einen ganz passablen Soundtrack, bei dem das Saxophon (DAS Instrument schwülstiger Erotikfilm-Scores aus den 80ern) ebenso wenig fehlen darf wie grausig-schöner Synthie-Pop.

Damit ist von meiner Seite aus nun wirklich alles gesagt. Ich beglückwünsche mich hiermit selbst dazu, den Film durchgestanden und im deutschsprachigen Raum das erste (mir bekannte) Review dazu geschrieben zu haben.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
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Die Musketiere des Teufels (OT: I cavalieri del diavolo; Italien; 1959; Siro Marcellini)

Der Edelmann Ricardo (Frank Latimore) kehrt in seine alte Heimat zurück, wo auch die Liebe zwischen ihm und Luisa (Emma Danieli), die er schon von früher kennt, wieder entflammt. In den dortigen Adelskreisen ist er jedoch alles andere als ein gern gesehener Gast...

Wenn man sich am nächsten Tag nach der Sichtung kaum noch an einen Film erinnern kann, sollte man sich vielleicht Gedanken über den Zustand des eigenen Gedächtnis machen - oder aber man sucht die Schuld doch eher beim Film selbst, was in diesem Fall wohl auch nicht ganz unberechtigt ist. KAVALIERE DES TEUFELS, so ein an am Originaltitel orientierter Alternativtitel, reiht sich jedenfalls ganz deutlich zwischen die vielen Italo-Abenteuer-Streifen ein, die in den 50ern und 60ern geradzu in Massenabfertigung entstanden sind. Meistens wurden diese Filme zwar günstig, aber auch nicht allzu billig, solide abgedreht, wobei die einzelnen Exemplare sich meist kaum unterscheiden und daher auch keines davon aus der Masse hervorsticht.
Die Erwartungen lagen also auch hier niedrig, und ich habe mir schon vorgenommen, wenn der Film nach 40 Minuten oder so immer noch nur langweilt, dann breche ich die Sichtung ab. Das war aber nicht der Fall, denn irgendwie ist er doch, fast schon erstaunlich, gut durchgeflutscht. Frank Latimore macht auch hier wieder in der Rolle des jungen stürmischen Helden eine gute Figur. Italowestern-versierte Zuschauer werden zudem in Nebenrollen unter anderem sofort einen jungen Anthony Steffen sowie Jose Jaspe erkennen. Die Geschichte macht, wie so oft in solchen Filmen, ein paar etwas unnötig kompliziert erscheinende Schlenker, nur um dann doch bei einer simplen und vorhersehbaren Auflösung anzugelangen. Immerhin sorgen aber Landschaften, Drehorte und Kulissen noch für recht wohligen Charme, auch wenn man auch in dieser Hinsicht sicher noch mehr hätte rausholen können.

Ich mag ja solche in historische Settings versetzte Filme ziemlich gerne, weil die einfach (wenn sie nicht zu viel falsch machen) so eine schöne romantische, an ferne Zeiten erinnernde Atmosphäre kreieren. Das Problem mit den italienischen Unterhaltungsfilmen der 50er und 60er Jahre ist aber halt, dass sie schon sehr brav, vorhersehbar und formelhaft daherkommen. Interessanter wurde es dann schon als gegen Ende der 60er und Anfang der 70er, dem Zeitgeist entsprechend, Historien-Settings und Erotik miteinander verbunden wurden. Ein Paradebeispiel in dieser Hinsicht: das immer noch extrem obskure und vernachlässigte Decamerotica-Genre! Damit hat DIE MUSKETIERE DES TEUFELS aber natürlich nichts tun, dieser bietet Kurzweil für den Moment, aber viel hängen bleibt da nicht

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
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Die Nichte der O (OT: Der Liebesschüler; Deutschland; 1974; Sigi Rothemund)

Der in Liebesdingen noch relativ unerfahrene Pauli (Ekkehardt Belle) verbringt den Sommer über einige Zeit bei seiner ziemlich exzentrischen Verwandtschaft. Im Zug trifft er bereits auf die reizvolle Yvonne (Teri Tordai), die neue Freundin seines Vaters, die von Treue offensichtlich nicht viel hält. Zuhause angekommen, sitzt sein Onkel Alex (Peter Berling) gerade nackt am Klavier und arbeitet an seiner "lesbischen Oper". Als Inspiration dafür dienen ihm scheinbar die Vorlieben der Herrin des Hauses, die am liebsten das Dienstmädchen befummelt. Und dann ist da auch noch die hübsche Nachbarin Andrea (Sylvia Kristel), auf die Pauli - und sie vielleicht auch auf ihn - schon länger ein Auge geworfen hat...

Auch wenn es sich mittlerweile schon fast wie ein Klischee anhört, ändert das jedoch nichts daran, dass es wahr ist: hier haben wir wieder was aus der Kategorie "Filme, wie sie nur in den 70ern gedreht wurden". Durchzogen von einer herrlichen, manchmal aber auch irritierenden und nicht immer geschmackssicheren, aber hauptsächlich doch erfrischenden "Anything goes"-Mentalität. Und ja, in diesem Film geht wirklich so einiges!
Ein Bild, das mir nicht mehr aus dem Kopf will: Peter Berling als Onkel Alex am Flügel, dem er seltsam psychedelische Klänge entlockt, was wohl daran liegt, dass die Herrin des Hauses und das Dienstmädchen währenddessen auf dem Flügel am Rummachen sind. Oder aber Peter Berling, wie er die beiden besagten Damen im strömenden Regen mit seinem fahrenden Rasenmäher auf dem Flügel hinter sich herzieht und dabei inbrünstig singt. Oder Peter Berling beim Tennisspielen. Na gut, dann doch lieber Pauli und Andrea, wie sie sich - wieder im strömenden Regen - auf dem matschigen Tennisplatz lieben (nachdem beide vorher ihre Jungfräulichkeit schon anderweitig verloren haben). Man muss nämlich wissen: dass in diesem Film eigentlich jeder mit jedem fummelt und vögelt, ist nur eine leichte Übertreibung.
Nebenbei gibt es da auch so ein wunderbar sommerliches Setting zu bestaunen: eine einigermaßen mondäne Villa, direkt an einem See gelegen. Später folgt sogar noch ein bildgewaltiger Ausflug nach Italien. Meist begleitet von den abwechslungsreichen und beschwingten Klängen von Gerhard Heinz. Und die bezaubernde Sylvia Kristel hat ja wohl noch nie einem Film geschadet!

Wenn die Regie hier ohne Rücksicht auf Verluste klamottige Humor-Tiefen, derbe Sexploitation-Elemente, dramatisch-tragische Einschübe und zärtliche "Coming of age"-Anleihen unter einen Hut bringt, dann möchte man manchmal fast zwischendurch Pause drücken, kurz durchatmen und sich fragen: wie kann man nur solche Einfälle haben und die dann auch noch ernstlich filmisch so umsetzen? Vielleicht der beste Film, den Sigi Rothemund aka. Siggi Götz je gedreht hat, und eine definitive Empfehlung!

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 23.09.2015 18:29 
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Auf der Alm da gibt's koa Sünd (OT: Auf der Alm da gibt's koa Sünd; Deutschland; 1974; Franz Josef Gottlieb)

Ein Agenten-Pärchen (Alena Penz und Alexander Grill) verschlägt es auf der Jagd nach einem brisanten Mikrofilm in die ländliche bayerische Idylle. Und ihr Auftrag gestaltet sich schwieriger, als zunächst angenommen, denn der Mikrofilm, der eine Formel zur Herstellung von Benzin aus Müll enthält, wechselt schon bald mehrfach den Besitzer...

Diese Lederhosen- und Dirndl-Klamotten sind ja schon ein kurioses aber auch recht interessantes Phänomen. Eigentlich kann man sagen, dass sich diese Filme von der Machart, den Settings und den Inhalten her noch ziemlich am klassischen Heimatfilm ortientieren - nur dass man eben Anfang der 70er Jahre die glorreiche Idee hatte, in diese traditionelle Welt Nacktheit und Sex hineinzubringen. Genau aus dieser Kombination entsteht wohl auch der Reiz dieser Filme. Zuweilen können sie deshalb aber auch trotzdem etwas altbacken wirken.
AUF DER ALM DA GIBT'S KOA SÜND bildet nun eine (und natürlich längst nicht die einzige) Ausnahme von dieser Regel, denn natürlich waren findige Produzenten auch schon bald mit skurillen Genre-Vermischungen am Start. Und so treffen hier Heimatfilm-Idylle als Schauplatz, Erotik und Klamauk als Beigabe und Agentenfilm-Elemente als zusätzliches Plot-Kuriosum aufeinander. Dass es bei so einer Mixtur recht abenteuerlich zugeht, muss wohl eigentlich kaum erwähnt werden!
Neben dem genrefremden Agenten-Pärchen sind die genretypischen Figuren natürlich auch alle versammelt: lüsterne Dorfdeppen, fesche Jungbauern, attraktiv-charismatische Mädels, und last aber alles andere als least Rinaldo Talamonti als italienischer Gastarbeiter, dessen Buddy ein unglaublicher Riese ist, der fast doppelt so groß wie der kleine Italiener wirkt! Und man hat das Gefühl, solche visuellen Eigenheiten ziehen sich durch die ganze Inszenierung, die dann eben auch eine Slapstick-Orgie entfesselt, die zuweilen richtig pittoresk anmutet, aber gleichzeitig - so ehrlich muss man einfach sein - auch sehr lärmend und vorhersehbar daherkommt. Wirklich traumhaft, über jede Kritik erhaben und vielleicht insgeheim sogar das wahrhaft Faszinierendste an diesen Filmen sind auch in diesem Fall die imposanten Landschaftsaufnahmen der Bayerischen Alpen, nach deren Genuss man am liebsten einen Urlaub genau dorthin buchen will.

Es bleibt also ein routiniert, teils auch recht schick abgedrehter Film, der sicher zu den lebhafteren und einfallsreicheren Vertretern seiner Zunft gehört. Als Nicht-Bayer kann einem das Dialekt-Gebrabbel jedoch ziemlich auf den Senkel gehen, und nicht nur das zerrt an Nerven und Geduld, auch sonst wird es phasenweise einfach immer wieder zu blöd. Gab es unter diesen bayerischen Erotik-Klamotten jemals auch nur eine, die mal richtig lustig war? Wenn ja, bitte den Titel nennen, Danke.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 27.09.2015 17:10 
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After The Sunset (OT: After The Sunset; USA; 2004; Brett Ratner)

Max (Pierce Brosnan) und Lola (Salma Hayek) sind ein Gaunerpärchen, das sich auf Diamanten spezialisiert hat. Nachdem sie gerade wieder ein wertvolles Stück ergattert haben und den FBI-Agent Stan (Woody Harrelson), der die beiden schon länger im Visier hat, wieder einmal zum Narren gehalten haben, setzen sie sich in ein Urlaubsparadies ab, um dort ihren Ruhestand zu genießen. Doch ganz in der Nähe legt ein Luxus-Schiff an, das ebenfalls einen Diamanten an Bord hat - und vor allem Max juckt es schon bald wieder in den Fingern...

Mein erster Eindruck war: ich komme auf diesen glattgeschleckten Hollywood-Mainstream einfach nicht mehr klar! Aber gut, in ganz schlechter Erinnerung hatte ich den Film nicht (sonst hätte ich ihn wohl auch nicht nochmal hervorgekramt) und daher hat es mich doch ein bisschen interessiert, wie er inzwischen auf mich wirkt. Der Hauptgrund, sich diesen Film anzusehen, ist damals wie heute der gleiche, er heißt: Salma Hayek! Ob Pierce Brosnan da für das weibliche Publikum ein ebenbürtiges Pendant ist, weiß ich nicht.
Was gibt es noch? Ein hübsch sommerlich-paradiesisches Setting, das aber komischerweise trotzdem etwas blass bleibt, weil es irgendwie in der aalglatten Inszenierung untergeht. Phasenweise stellt sich aufgrund der betont entspannten, lässigen und coolen Herangehensweise auch ein leicht old-schooliges Flair ein. Anderseits wird einem diese Coolness und Lässigkeit dann oft auch wieder so penetrant unter die Nase gerieben, dass sie dadurch fast schon wieder zunichte gemacht wird. Selbst der Score von Altmeister Lalo Schifrin bleibt so unauffällig, austauschbar und in keinster Weise erinnerungswürdig, wie man das bei neuen Filmen leider so oft erlebt. Aber wenigstens spielt Salma Hayek mit!

Der erste Eindruck hat sich also doch so ziemlich bestätigt: Ich komme auf diesen glattgeschleckten Hollywood-Mainstream einfach nicht mehr klar. Aber Salma Hayek ist übrigens auch dabei und auf die komme ich noch klar!

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 29.09.2015 22:16 
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Anchorman - Die Legende von Ron Burgundy (OT: Anchorman: The Legend Of Ron Burgundy; USA; 2004; Adam McKay)

San Diego in den 70er-Jahren: Ron Burgundy (Will Ferrell) ist die Nummer 1 eines großen TV-Senders, bei seinen Nachrichten hört die ganze Stadt zu. Sein Leben und diese berufliche Männer-Domäne werden jedoch gewaltig auf den Kopf gestellt, als eine neue aufstrebende Kollegin (Christina Applegate) dem Team beitritt - einerseits fühlt Ron sich unwiderstehlich von ihr angezogen, andererseits entwickelt sie sich schon bald zu einer ernsthaften Konkurrentin...

Das alte Problem bei Komödien-Reviews: Gags nachzuerzählen bringt's nicht wirklich! Deshalb werde ich auch hier eher nicht damit anfangen. Auch bin ich, was US-Komödien der sagen wir mal letzten 15 Jahre angeht, nicht so ganz auf dem neuesten Stand, und kenne eher wenig. Dieses Exemplar scheint mir jedoch zu den gelungeneren zu gehören. Das 70er-Jahre-Setting stellt sich recht dezent dar, ist aber dennoch eine nett umgesetzte Grundvoraussetzung. Auch kommen einige gute Songs zum Einsatz (nicht erwartet hätte ich zum Beispiel das eher unbekannte "Grazin' In The Grass" von den Friends Of Distinction), die aber leider immer nur sehr kurz angespielt werden und dann leise, kaum hörbar im Hintergrund weiterlaufen. Aber genug von solchen Details und zum Wichtigsten, dem Humor!
Die meisten Gags entstehen hier aus der grell überzeichneten Macho-Welt, die von der neu ins Bild tretenden Frau regelrecht erschüttert wird. Will Ferrell in der Hauptrolle und Kollegen wie Steve Carell und Christina Applegate machen ihre Sache richtig gut. In kleineren Rollen sind zudem Ben Stiller und Danny Trejo zu sehen. Allerdings hätte ich mir manchmal gewünscht, die Schauspieler hätten sich etwas zurückgenommen und nicht ganz so aufgedreht - da gerade die etwas subtileren Momente oft die besten sind. Und andererseits, auch wenn es sich vielleicht ein wenig wie ein Widerspruch anhört, hätte ich mir gewünscht, man hätte dem Irrsinn noch mehr freien Lauf gelassen. Das Wichtigste ist nämlich: man kann dem Film durchaus attestieren, dass er einen recht eigenständigen Humor hat, der mitunter herrlich abstruse Blüten treibt. Nur beschleicht einen manchmal das Gefühl, dass man sich nicht ganz getraut hat, sich darauf zu verlassen, und dann doch lieber wieder auf Nummer-Sicher geht und zwischendurch wieder in etwas bekanntere Muster verfällt.

Unterm Strich bleiben einige zum Brüllen komische Szenen, mitunter auch ungewöhnliche Einfälle und kaum echte Rohrkrepierer. Was zudem sehr angenehm ist: es handelt sich hier Gott sei Dank nicht (oder kaum) um eine dieser krampfhaft auf "politisch unkorrekt" gebügelten Komödien (es gibt nichts Übleres!).

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 30.09.2015 16:01 
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Das Schloss der Lüste (OT: Le parfum de Mathilde; Frankreich; 1994; Marc Dorcel)

Eine junge Frau (Draghixa) wird zu dem Schloss von Sir Remy (Christoph Clark) gebracht, da sie dessen verstorbener Frau Mathilde zum Verwechseln ähnlich sieht und sie daher die neue Schlossherrin werden soll. Doch die "neue Mathilde" kann sich anfangs so gar nicht in das lüsterne Treiben hinter diesen Mauern einleben...

Dieser Film hat (oder sollte ich eher sagen: hatte?) für mich eine besondere Bedeutung. So um 2000 rum lief dieser Film vermutlich in einer speziell angefertigten Softcore-Fassung (eine gekürzte HC würde wohl keinen Sinn ergeben) tatsächlich mal im deutschen TV, wenn ich mich richtig erinnere auf RTL2. Was daran so besonders ist: es war gleichzeitig einer der ersten Erotikfilme, die ich damals, natürlich heimlich, im TV gesehen habe. Und ich kann nicht beschreiben, was der Film damals auf mich für einen Eindruck gemacht hat (nebenbei gesagt: ich hab ihn nur zur Hälfte oder so gesehen). Nur aus diesem ersten Eindruck und der Erinnerung heraus würde ich wohl sagen: Hier handelt es sich um ein wirklich besonderes Werk, wahrscheinlich sogar um den heißesten und erotischsten Film aller Zeiten! Er hat mich damals schlichtweg umgehauen! Mit etwas Abstand und realistischer betrachtet, muss ich wohl aber inzwischen sagen: damals hätte wohl jeder Film, der auch nur einen Hauch Erotik zu bieten hat, diese Wirkung auf mich gehabt - auch wenn DAS SCHLOSS DER LÜSTE vielleicht tatsächlich einen Tick besser als manch anderes aus diesem Bereich war.
Lange Rede, kurzer Sinn. Viel, viel später konnte ich den Streifen dann mal auf DVD ausfindig machen, sogar in der HC-Fassung. An die erste Sichtung dieser Fassung, also mein erstes Wiedersehem mit dem Film, habe ich jedoch keine besondere Erinnerung - das sagt wohl schon alles. Und auch die nochmalige jetzige Sichtung war eher unspannend. Um es kurz machen: von der einstigen Faszination ist leider nicht mehr viel übrig.
Ich bin nun kein großer Kenner, was das klassische HC-Kino angeht, aber soweit ich weiß versteht man unter dem sogenannten "Golden Age" des Genres ja vor allem die 70er und vielleicht noch die frühen 80er Jahre. Ich hab manchmal gedacht, ob man sagen könnte, dass sich in der europäischen Porno-Landschaft der 90er-Jahre nochmal so ein "kleines Golden Age" ereignet hat. Denn immerhin haben da Regisseure wie Joe D'Amato, Luca Damiano, Alessandro Perella (zu dem vielleicht bald mehr) oder eben auch Marc Dorcel mitunter doch Werke abgeliefert, die etwas über Genre-Durchschnitt liegen und vor allem was die Inszenierung betrifft etwas hochklassiger umgesetzt sind. Historische Stoffe hat man da zum Beispiel auch gerne aufgegriffen, und in diese Richtung passt auch DAS SCHLOSS DER LÜSTE so ungefähr rein, denn auch wenn dieser wohl in der Gegenwart spielen soll, hat er durch die ländlichen französischen Drehorte und das wirklich schöne Schloss (das eigentlich einen besseren Film verdient hätte) so einen leicht aus der Zeit gefallenen Touch. Diesen Locations ist es auch zu verdanken, dass der Film wenigstens ein Minimum an Atmosphäre behält, denn von Seiten der Regie wird dahingehend kaum etwas unternommen. Handlung? Kann man auch vergessen! Bleibt also was? Nun ja, der Schlossherr, die Bediensteten und diverse Gäste sind eben permanent zu Gange, in allen erdenklichen Stellungen und Kombinationen. Routinierten Porno-Sex der eher gemäßigten Art, könnte man das wohl nennen. Da kann auch ein großer Name wie Jean Rollin, der wohl irgendwie an dem Film beteiligt gewesen sein soll, nicht mehr viel retten. Und wenn wir einmal bei Namen sind: die etwas exotisch angehauchte Lydia Chanel sticht für mich noch aus der Darstellerinnen-Riege hervor. Auch entdecken kann man einen jungen David Perry, der sich nun inzwischen oder auch schon seit längerer Zeit quer durch amerikanische Hochglanz-Produktionen vögelt und dort, ähm, seinen Mann steht.

Jedenfalls hatte ich mir vorgenommen, den Film wie einen normalen Spielfilm anzusehen (also auf gut deutsch: ohne mir dabei einen runterzuholen) - um die filmischen Qualitäten richtig zu würdigen - und ich habe es auch so durchgezogen (Ehrenwort!). Aber viel zu würdigen war da eben nicht, da eben praktisch nonstop gevögelt und das altbekannte Porno-Repertoire abgespult wird, und das ist, wenn man einen Film nicht zur sexuellen Lustgewinnung benutzt, ganz schnell sehr langweilig anzusehen und so ziemlich das genaue Gegenteil von anregend und erotisch. Soft-Erotik regt die Fantasie an, HC-Porno überlässt nichts der Fantasie - das ist der entscheidende Unterschied. Deshalb konnte ich mit der Kombination von Spielfilm und explizitem Sex auch bisher nie so wirklich was anfangen. Aber mal schauen, ob mich da die großen Klassiker des echten "Golden Age" (an die ich mich ehrlich gesagt noch nicht wirklich rangewagt habe) noch eines Besseren belehren können.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 02.10.2015 17:50 
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Fatal Instinct (OT: Fatal Instinct; USA; 1992; John Dirlam)

Ein hohes Tier aus der Immobilien-Branche wird in einer Motel-Anlage als er sich eines Nachts am Pool mit einer Geliebten trifft erschossen. Der Ermittler Cliff Burden (Michael Madsen) widmet sich mit nicht ganz sauberen Methoden diesem Fall. Dabei gerät er bald an die Motel-Besitzerin Chaterine Merrims (Laura Johnson) und es dauert nicht lange, da erliegt der Cop den Reizen dieser undurchschaubaren, psychisch offenbar labilen, aber auch attraktiven Frau...

Die Erotik-Thriller der 80er und 90er Jahre werden ja manchmal als schwächere Nachzügler des Giallo-Genres angesehen, was sicher in manchen Fällen zutreffen mag, andererseits aber auch eine nicht ganz faire Einschätzung ist, da diese Filme durchaus ihre eigenen Reize haben. Außerdem sind die Erotik-Thriller, ebenso wie beispielsweise die Erotik-Komödie, ein typisches Genre der Zeit bevor das Internet richtig groß wurde, da nackte Tatsachen in bewegten Bildern damals noch den Reiz von etwas Aufregendem und vielleicht sogar ein bisschen Mystischem hatten. Eine Faszination, die so wahrscheinlich nie wieder kommen wird und die schon jetzt viele Leute leider nicht mehr begreifen!
Die 80er und 90er waren natürlich aus filmisch-ästhetischer Sicht schon eine kältere Zeit als die 70er, aber die Art, wie diese Filme ihre Geschichten in schummrigen Bildern, unterlegt von süffisanten Soft-Jazz-Scores, erzählten, atmete auf ihre eigene Weise durchaus noch eine nostalgische Romantik.
Dieser Film scheint da perfekt in dieses Muster reinzupassen: der Saxophon-Score sorgt schonmal für die richtige Stimmung, die erste Szene am Pool scheint das perfekte Szenario für diese Art von Film zu sein. Auch der eigenwillige Ermittler fügt sich da recht gut ein. Und Motels und Hotels sind sowieso immer Settings, die ein interessantes Flair an sich haben.
Soweit so gut. Allerdings stellt sich auch schnell heraus, dass man es hier mit einem sehr gemächlichen Stück Film zu tun hat, das weder in Sachen Thrill noch in Sachen Erotik sonderlich viel zu bieten hat. Allzu schundig geht es auch nicht zu (was ich insgeheim vielleicht ein bisschen schade fand) und es werden durchaus auch Charaktere und eine Geschichte präsentiert, die nicht ganz eindimensional sind.

Ein Erotik-Thriller also, bei dem man das "Erotik" eigentlich fast streichen kann, der aber mit leicht pulpig angehauchter Atmosphäre, ein paar inhaltlichen Ambitionen und gepflegter Langeweile doch noch in einem annehmbaren Filmerlebnis mündet.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 06.10.2015 15:05 
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Hollywood Sex Wars (OT: Hollywood Sex Wars; USA; 2011; Paul Sapiano)

Hollywood: Drei Loser-Typen wollen endlich die richtig scharfen Bräute abschleppen. Da das bisher aber nicht geklappt hat, soll ihnen nun der stadtbekannte Casanova Johnny Eyelash (Mario Diaz) helfen...

Puh, wo soll man bei dieser mittelschweren Katastrophe anfangen? Also, viel mehr als etwas nackte Haut und alberne Späße habe ich ja nun wirklich nicht erwartet. Aber selbst in dieser Hinsicht absolute Fehlanzeige. Ohne Zweifel handelt es sich hier um eine der finstersten und deprimierendsten "Erotik"-"Komödien", die mir je untergekommen sind. Auf regelrecht ekelhafte Weise suhlt sich der Film pausenlos in den übelsten Stereotypen, die sich folgendermaßen darstellen: die Männer sind alle notgeile Sex-Bestien; die Frauen sind alle geldgeile Schlampen. Es geht nur darum, sich gegenseitig zu manipulieren, auszunutzen und zu betrügen. Sex, Drogen und Geld sind die allesbestimmenden Elemente.
Und nein, das wird nicht in einer gelungen überzeichneten oder selbstironischen Weise dargestellt, aus der man vielleicht noch eine gesellschaftskritische Komponente herauslesen könnte. Nein, das alles wird mit einer Ernsthaftigkeit und Selbstverständlichkeit präsentiert, die lediglich durch völlig misslungene Witzchen übertüncht werden soll. Im Vergleich zu diesem Mist, sind selbst die derbsten und albernsten Erotik-Komödien der 70er Jahre das Herzerwärmendste und Liebenswerteste, was man sich vorstellen kann!

Das alles ist jedenfalls dermaßen gekünstelt, aufgesetzt und vor allem von einem überaus kruden Menschenbild durchzogen, dass die künstlichen Brüste der Darstellerinnen noch das Authentischste und Wahrhaftigste am ganzen Film sind! Selbst ein handelsüblicher Porno ist ehrlicher und herzlicher als dieser Film mit all seinen verqueren Weltanschauungen.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 12.10.2015 13:49 
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Gefährliche Leidenschaften (OT: Le feu sous la peau; Frankreich; 1985; Gerard Kikoine)

Raphael (Kevin Bernhardt) verbringt die Ferien bei seinem Freund Alexis (Michael Jacob) und dessen Familie. Wie man schnell feststellen kann, scheint Raphael von Beruf Frauenflachleger und Arschloch zu sein, doch schon bald erliegen diverse Familienmitglieder seinem fragwürdigen Charme. Doch welche Absichten verfolgt er damit wirklich?

Von Gerard Kikoine habe ich bis zu diesem noch gar keinen Film gesehen, daher kann ich ihn als Regisseur nicht wirklich einordnen. Was er hier abliefert, macht jedoch nicht gerade Lust auf mehr. Erwartet habe ich halt irgendwie einen geschmeidig-schmierigen Streifen der 80er-Jahre-Soft-Erotik - und so ungefähr trifft das auch zu. Nur prickelnde oder in irgendeiner Weise anziehende Erotik will sich dabei leider kaum einstellen. Ja, man könnte vielleicht sogar sagen, dass den ganzen Film in den Figuren und in der Atmosphäre etwas sehr Krudes, fast schon Abstoßendes durchzieht. Am deutlichsten wird das bei dem Protagonisten, der übrigens fast die gesamte Familie seines Kumpels (inklusive dem Vater!) flachlegt - und der ein echtes Ekelpaket und ein Unsympath vor dem Herrn ist. Damit ist eigentlich fast alles gesagt.
Der durchaus nicht zu knapp vorhandene Sleaze-Faktor mag teilweise seinen Reiz haben, aber insgesamt ist das einfach ein sehr unattraktiver Film, der kaum Spaß oder sonst irgendwas macht. Am Ende wird dann noch hastig eine wirre, pseudo-tiefsinnige Erklärung drangeklatscht, die irgendwie dem vorherigen Handlungsverlauf Sinn geben soll. Nun ja, eigentlich unnötig zu erwähnen, dass das auch nicht mehr viel rettet.

Echt ein komisches Filmchen, das kaum Freunde finden dürfte und das man eigentlich niemandem wirklich empfehlen kann.

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PostPosted: 20.10.2015 18:14 
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Wilde Orchidee (OT: Wild Orchid; USA; 1989; Zalman King)

Die junge aufstrebende Anwältin Emily Reed (Carre Otis) wird für ihren ersten großen Auftrag nach Rio de Janeiro geschickt. Dort trifft sie nicht nur auf für sie völlig fremde Kulturen und Gebräuche, sondern sie lernt auch den mysteriösen James Wheeler (Mickey Rourke) kennen...

Es gibt so ein paar Vertreter des Erotik-Genres, die auch im Mainstream ein Begriff sind, Filmtitel, die fast jeder schon einmal gehört hat. WILDE ORCHIDEE könnte man wohl dazu zählen. Meistens sind das Filme, die mit ein paar großen Schauspielernamen aufwarten und die vielleicht auch für das ein oder andere Skandälchen gesorgt haben. Betonung liegt hier auf Skandälchen, denn oft stellt sich dann auch schnell heraus, dass diese Filme in Sachen Erotik kaum mehr als ein laues Lüftchen sind. Und auch das trifft hier zu.
Hier hat man es mit einem filmischen Werk zu tun, das extrem ästhetisiert, oder, wie man heute wohl sagen würde, durchgestylt ist. Man spürt sofort, die Handlung ist ein bloßes Alibi und eigentlich ein absoluter Witz. Und auch die Dialoge sind meist nicht mehr als hohles geschwollenes Geschwafel. Stattdessen spielt die Inszenierung bedeutungsschwanger mit Farben, Ausleuchtungen, Kameraeinstellungen und versucht, jeden Schauplatz in ein besonderes Licht zu rücken. Dabei wird die Mystik und Exotik der fremden Umgebung pausenlos beschworen (es gibt nichts Spannenderes als den Karneval von Rio - gähn!).
Nein, Softerotik-Filme brauchen keine ständigen ausufernden Sexszenen, und auch "Style over Substance" muss nichts Schlechtes sein - aber das alles hier ist im Endeffekt einfach zu steif, zu schwerfällig und zu sehr mehr wie gewollt als gekonnt, so dass es nach einer Weile schlichtweg anstrengend und langweilig wird.

Ein durch und durch prätentiöser Film, sowohl auf der inhaltlichen als auch (ja, ich muss zugeben, dass es möglich ist) auf der stilistischen Ebene, der dabei aber so konsequent ist, dass er mitunter auf eine amüsante Weise fast schon wie eine Selbstparodie wirkt. Letztendlich ein Filmerlebnis, das permanent zwischen nervtötend und halbwegs faszinierend pendelt. Ein großer Erotikklassiker für Leute, die sonst wahrscheinlich noch nie einen Erotikfilm gesehen haben.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 27.10.2015 21:53 
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Bedtime Fantasies (OT: Bedtime Fantasies; USA; 1994; Ernest G. Sauer)

Marilyn Chambers (ja, genau die Porno-Ikone) liegt mit einem jungen Lover im Bett und lässt sich von ihm ein paar erotische Erlebnisse erzählen...

Okay, hiermit ist es offiziell: Ernest G. Sauer ist der interessanteste Softsex-Regisseur der Silikon-Ära! Weiterhin ist Ernest G. Sauer ohne jeden Zweifel Romantiker mit Leib und Seele - folgerichtig sind auch die Erotik-Szenarien, die er kreiert, immer ultra-romantisch. Aber nicht nur das, er ist auch ein Meister des Surrealismus - wobei ich mir immer noch nicht sicher bin, ob das eine bewusste Vision von ihm ist oder ob ihm das eher aus Versehen passiert. Jedenfalls taucht auch dieser Film hier wieder ganz tief in diese wunderbar altbackene, heimelige, aus der Zeit gefallene Atmosphäre ein. Und damit ist das Wichtigste eigentlich auch schon gesagt.
Sex findet in G. Sauers Filmen (wenn er überhaupt stattfindet und es nicht nur bei harmlos-spielerischem Voyeurismus bleibt) meisten am Kamin, bei Kerzenschein, am Strand, am Pool oder in der Natur statt. Auch sehr beliebt: schwüle Bad- und Dusch-Szenen! Eine gerne verwendetes Stilmittel dabei: aufsteigender Kunstnebel (!), und natürlich unverzichtbar als musikalische Untermalung: schwülstiger Smooth-Jazz der schönsten Sorte. Die Art und Weise, wie Sauer Erotik und Sex angeht könnte man am besten als eine naive Faszination bezeichnen. Es geht einzig und allein um die Lust und den Spaß an der Sache sowie um das fantasie- und geheimnisvolle Element daran. Krude Gewalt-, Macht- und Erniedrigungsfantasien habe ich in seinen Filmen noch nie gesehen! Das Böseste, was es in diesem Film zu sehen gibt: ein Mann bekommt von einer Frau eine deftige Ohrfeige, woraufhin dieser aus dem Fenster stürzt (!) und in einem Pool landet!
Generell ist noch zu sagen, dass dieser Film hier vom Aufbau her etwas speziell ist, weshalb ich anfangs auch etwas skeptisch war. Genauer gesagt, setzt er sich nur aus Episoden zusammen, die nur durch den eingangs beschriebenen Handlungsfaden zusammengehalten werden. Aber selbst dieser lose Handlungsrahmen wird bald fallen gelassen und die verschiedenen Episoden gehen im weiteren Verlauf auf immer abstrusere Weise ineinander über, wechseln sich ab, werden ineinander geschnitten, einzelne Szenen wiederholen sich teils usw. Es ist regelrecht bizarr - und faszinierend!

Am Ende entlässt uns Marilyn Chambers mit einer Ode an die Kraft der Fantasie und Vorstellung. Und von beidem hatte Ernest G. Sauer auch reichlich - davon legt auch dieses Werk wieder Zeugnis ab.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 13.11.2015 18:32 
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Lussuria (OT: Lussuria; Italien; 1986; Joe D'Amato)

Roberto (Al Cliver) und seine neue Frau machen sich Sorgen um ihren Sohn Alessio (Martin Philips), der seit dem Tod seiner Mutter nicht mehr spricht. Ein vom Arzt vorgeschlagener Umgebungswechsel, ein Ausflug zur Tante (Lilli Carati), soll Besserung bringen...

LUSSURIA macht stilistisch ziemlich genau da weiter, wo SKLAVIN FÜR EINEN SOMMER und DIE LUST aufgehört habe. Was diese drei Filme gemeinsam haben: Lilli Carati und das historisch angehauchte Setting. Vor allem diesem Setting ist es auch zu verdanken, dass dem Film eine gewisse Gediegenheit anhaftet. Denn D'Amato's Regie unternimmt dahingehend nicht allzu viel. Er filmt alles relativ straight und ohne größere inszenatorische Schlenker ab.
Wer jedoch immer wieder behauptet, dass D'Amato nichts von Erotik verstand, der sollte jedoch auch von diesem Film zumindest zum Teil eines Besseren belehrt werden (sofern man denn imstande ist, solche Qualitäten auch wahrzunehmen). Da sind nämlich durchaus Sexzenen dabei, die gar nicht mal so arg schmierig daherkommen, sondern eher zurückhaltend umgesetzt sind. Zusammen mit der alten prächtigen Villa, die als Schauplatz dient, und dem adäquat klassisch anmutenden Score von Guido Anelli und Stefano Mainetti atmen diese Szenarien in den besten Fällen daher schon eine gewisse Opulenz. Nur die inhaltlichen Ambitionen (sofern man sie überhaupt als Ambitionen bezeichnen kann), die tragische Komponente, die schließlich in einem ziemlich plakativen Holzhammer-Tiefgang-Ende kulminiert, wollen nie so recht überzeugen.

Ein ansehbarer und kein schlechter D'Amato - viel mehr allerdings auch nicht.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 24.11.2015 19:52 
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Phantom Love (OT: Phantom Love; USA; 1999; Madison Monroe)

Als eine erfolgreiche Autorin (Michelle von Flotow) von Liebesromanen die Ideen für ihr neuestes Werk bei ihrem Verleger vorlegt, kriegt sie von diesem zu hören, dass nun mal etwas frischer Wind und neue Inspiration nötig ist. Zu diesem Zweck macht die Schriftstellerin eine Reise nach Florenz, wo sie eher durch Zufall, als sie sich verfährt, bei einem alten italienischen Landsitz landet. Als ihr dort auch noch ein Tagebuch, das die amoröse Geschichte des alten Gemäuers und der damaligen Bewohner erzählt, in die Hand fällt, mangelt es ihr ganz schnell nicht mehr an Inspiration...

Ein gerade für die Verhältnisse seiner Entstehungszeit sehr gediegener und stilsicherer sowie auch einigermaßen fantasievoller Softerotik-Streifen. Vielleicht liegt es an dem weiblichen Touch - immerhin war hier eine Regisseurin am Werk. Wobei ich das eher für ein Gerücht halte, dass Frauen da eine besondere Herangehensweise haben. Nach meiner bisherigen Erfahrung drehen Frauen genauso tolle und auch genauso miese Erotikfilme wie Männer auch.
Dennoch, man merkt dem Film an, dass er sich redlich bemüht, aus der Masse allzu billiger Softcore-Produktionen hervorzustechen. Vielleicht ist er dabei sogar eine Spur zu gediegen. Das heißt, es mangelt eventuell ein wenig an Ecken und Kanten. Aber egal, hier ist alles hübsch durchstilisiert, Romantik wird groß geschrieben, die Darstellerinnen sind attraktiv und die Erotik-Szenen sind auffallend unschmierig und schön anzusehen. Die Musik ist ebenfalls recht ansprechend gehalten, wenn auch eine Spur zu elektronisch (aber das waren halt die 90er).

Um es kurz zu machen: kein Film, den man gesehen haben muss, aber einer, der doch beweist, dass in den 90ern in Sachen Softerotik doch hin und wieder noch was ging.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 20.08.2016 18:24 
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Adolescence pervertie (OT: Adolescence pervertie; Italien/Frankreich; 1974; Jose Benazeraf)

Mirella (Femi Benussi) zieht als neue Mathe-Lehrerin in einem kleinen Städtchen die Blicke vor allem der männlichen Studenten auf sich. Zudem gerät sie auch bei politischen Machtkämpfen zwischen die Fronten...

Das war er nun also, meine erster Benazeraf. Wobei ich nicht sicher bin, in wie weit dieser Film hier mit den anderen des Regisseurs vergleichbar ist. Bei ADOLESCENCE PERVERTIE merkt man jedenfalls ganz stark den italienischen Einfluss in der Produktion. Deswegen hat mich dieser auch besonders gereizt. Herrliche Musik von Franco Micalizzi sowie nicht nur Femi Benussi, sondern auch Malisa Longo in größeren Rollen - was will mam mehr.
Es muss dazu gesagt werden, dass ich von dem Film keine englische, geschweige denn deutsche, Fassung gefunden habe. Deshalb musste ich mit dem O-Ton, der sich komischerweise in italienisch und französisch aufteilt, vorlieb nehmen. Deshalb blieben mir einige inhaltliche Details verschlossen. Jedoch bezweifel ich, dass eine verständlichere Fassung das Ganze nun so viel besser gemacht hätte. Meine recht hohen Erwartungen wurden nämlich leider nicht erfüllt. Es sei noch gesagt, dass es einige ganz knappe Übergänge in den HC-Bereich gibt (ohne Beteiligung von Femi Benussi oder Malisa Longo), wobei auch das den generell seltsam lustlos wirkenden Sexszenen eher schadet als nutzt.

Eine wirkliche Empfehlung kann ich für diesen "italienischen Benazeraf" also leider nicht aussprechen. Aber wenn man mal darüber stolpert, kann man ruhig mal einen Versuch wagen.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 25.10.2016 15:48 
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Der Oberst mit dem Dachschaden schlägt wieder zu (OT: Basta con la guerra... facciamo l'amore; Italien; 1974; Andrea Bianchi)

Der Oberst Gustavo (Jacques Dufilho) bekommt Besuch von seinem Neffen, welcher gerade sein Studium abgeschlossen hat und nun die berufliche Zukunft plant. Was dem Oberst am meisten Sorgen bereitet: sein Neffe scheint sich überhaupt nicht für Frauen zu interessieren und will zudem Priester werden! Daher sollen ihn das Dienstmädchen sowie die attraktive Frau des Oberst (Dagmar Lassander) aus der Reserve locken...

Andrea Bianchi ist ein Name, bei dem Fans gediegener italienischer Schmierigkeiten sofort hellhörig werden - oder so geht es mir zumindest. Hier darf er sich in dem Sub-Genre der Italo-Comedy, der Militär-Klamotte, mehr oder weniger austoben. Alles geht erstmal in Richtung einer handelsüblichen Komödie, die jedoch durch einige nette Einfälle aufgepeppt wird. Dabei stellt sich schnell ein Kontrast ein, zwischen den Szenen in der Kaserne (die für eher derben Humor sorgen) und dem Geschehen, das sich im Haus des Oberst abspielt und das vor allem durch das dezent erotische Verführspiel von Seiten Dagmar Lassanders punkten kann. Besonders schön eingefangen ist diesbezüglich eine Foto-Shooting, bei dem Dagmar Lassander auf einem alten Bauernhof posiert, während die Kamera in verschiedenen Winkeln herumwirbelt. Auch die Musik bringt sich immer wieder angenehm ein.

Auf der einen Seite grobschlächtige Militär-Komödie, auf der anderen Seite fluffiges Lustspiel, umgesetzt mit einigen charmanten Bianchi-typischen Kniffen. Hätte nix dagegen, den auch mal auf deutscher DVD zu bewundern - aber diesbezüglich sollte man wohl nicht zu große Hoffnungen hegen.

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 Post subject: Re: Chet's gesammelte Filmeindrücke - 60er, 70er, 80er und mehr
PostPosted: 27.10.2016 17:55 
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Oculus (OT: Daniela Mini-Slip; Spanien/Liechtenstein; 1979; Sergio Bergonzelli)

Die lebenslustige Daniela (Violeta Cela) verbringt mit einigen befreundeten Pärchen den Urlaub in Istanbul...

Gleich zu Beginn der erste Aha-Moment: die Musik kenne ich doch! Ach stimmt, ein Stück von Stelvio Ciprianis LIBIDINE-Soundtrack wurde hier verwendet. Dieser Umstand deutet vielleicht schon darauf hin, dass das Budget nicht besonders hoch war. Überhaupt hat man das Gefühl, Bergonzelli hat diesen Streifen relativ uninspiriert während einem Türkei-Urlaub runtergekurbelt oder gegen Ende der 70er war in Sachen fluffiger Sexploitation langsam die Luft raus. Während Pornographie immer mehr Einzug erhielt. So werden auch hier immer wieder softe Sex-Szenen durch HC mit anderen Darstellern erweitert und auf diese Weise künstlich in die Länge gezogen. Eine Geschichte wird hier eigentlich gar nicht erzählt, die Charaktere bleiben blass und der Look ist größtenteils spröde und unattraktiv. Zugegeben, die titelgebende Daniela ist ein echt herziges Energiebündel, das total hyperaktiv oder wie auf Drogen agiert. Jedenfalls sorgt ihre Performance dafür, dass der Film überhaupt einigermaßen genießbar ist.

Ich sag es ja nicht gerne - aber der große Sergio Bergonzelli hat mit diesem Werk keine Großtat abgeliefert. Nur für Komplettisten und Alles-Glotzer.

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