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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: NULL NULL SEX - Russ Meyer
PostPosted: 24.09.2012 22:36 
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Null Null Sex (OT: Finders Keepers, Lovers Weepers!; USA; 1968; Russ Meyer)

Eine Nacht in einem Strip-Schuppen: Cal (Duncan McLeod) und Feeny (Robert Rudelson), zwei üble Gestalten, warten auf den perfekten Zeitpunkt, den Safe zu leeren. Paul (Paul Lockwood), einer der Besitzer, lässt sich mal wieder volllaufen und schlägt sich den Abend im nahgelegenen Freudenhaus um die Ohren - sehr zum Leidwesen seiner Frau Kelly (Anne Chapman - holla, die Waldfee!), die immer brav zu Hause wartet. Als ihr besoffener Mann nach Hause zurückkehrt, und mal wieder äußerst grob und zudringlich wird, hat sie die Schnauze voll und tut etwas, wovon er gar nicht begeistert ist: sie lässt nun ebenfalls in der Topless-Bar die Hüllen fallen - denn es herrscht sowieso gerade ein Mangel an Tänzerinnen. Dort trifft sie auch auf Pauls Kollegen Ray (Gordon Wescourt), der schon lange ein Auge auf sie geworfen hat. Und währenddessen warten die beiden Gangstertypen immer noch ungeduldig, dass sich die Gäste endlich verziehen, und sie in Ruhe zur Tat schreiten können...

Wenn man Russ Meyers Schaffen mal grob in noch etwas gemäßigtere Frühwerke der 60er und irreal überzogene Spätwerke der 70er unterteilen möchte, dann stellt FINDERS KEEPERS, LOVERS WEEPERS! wohl so eine Art Übergang dar, bei dem die beliebten Zutaten Sex & Gewalt zeitgemäß langsam schon offensiver angegangen werden, aber der trotzdem noch in bodenständigen Bahnen bleibt. Ich weiß nicht warum - zumal ich mit solchen mittlerweile eher Mode-Begriffen normalerweise nicht viel anfangen kann - aber immer wieder schwirrt mir bei dem Film das Wort "Grindhouse" im Kopf herum. Es muss wahrscheinlich an der unübersehbaren Low-Budget-Mentalität liegen, die mit so einfachen wie effektiven Mitteln aus der minimalistischen Prämisse die maximale Wirkung herausholt. Die wenigen handelnden Figuren, die kammerspielartigen Schauplätze, die recht simplen Konflikte - das alles ist wie aufs Nötigste reduziert, aber gleichzeitig bietet der Film genüsslich dem Unnötigen, dem Rauschhaften eine Bühne: immer wieder hitzige Tanzszenen in der Bar, dazu dieser jazzig-groovende Soundtrack, der die Bilder perfekt unterstützt; weiterhin Sexeinlagen, stakkatoartig zwischengeschnitten mit eindeutigen Sinnbildern; sowie eine allgemein angenehm anrüchige Atmosphäre. Das sind die Komponenten, die das Bild bestimmen. Und dann ist da eben noch der Crime-Plot, der eigentlich hauptsächlich daraus besteht, dass die beiden Schmalspurfieslinge gelangweilt rumhocken und ab und an lakonisch Sinnlosigkeiten austauschen (schon lange vor und weitaus gelungener als bei Tarantino!), bis die Ereignisse sich am Ende überschlagen und in einem nicht an Drastik und Sadismen sparenden Finale kulminieren.

Wieder einer dieser Streifen, die mit der Schilderung der Ereignisse einer Nacht eine reizvolle, latent soghafte Stimmung erzeugen, der man sich nur schwer entziehen kann und vor allem nicht entziehen möchte. Ansonsten ganz klar einer meiner Favoriten von Russ Meyer und auch für (noch) Nicht-Fans, meiner Einschätzung nach, eine exzellente Empfehlung für den Einstieg.

Ich denke, die deutsche DVD geht soweit auch in Ordnung, für die zahlt man aktuell kaum mehr als 5€. Also schlagt zu, ihr werdet es nicht bereuen.


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 Post subject: Re: NULL NULL SEX - Russ Meyer
PostPosted: 24.09.2012 23:07 
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Hab's mal ins Erotica geholt... Russ Meyer, yeah! King of Titties!! :mrgreen: 8-)

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 Post subject: Re: NULL NULL SEX - Russ Meyer
PostPosted: 24.09.2012 23:09 
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Sehr gute Vorstellung, die mir in Erinnerung ruft, dass ich noch Lorna und Die liebestollen Hexen ungesichtet im Regal stehen habe.

Finders Keepers, Lovers Weepers! habe ich auf Grund deiner positiven Worte eben bestellt.

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 Post subject: Re: NULL NULL SEX - Russ Meyer
PostPosted: 25.07.2015 20:14 
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Meines Erachtens eines der schwächeren Werke des hochgeschätzten Russ Meyer.
Das ist schon eher ein Krimi als ein Erotikfilm.
Außerdem fehlt NULL NULL SEX gänzlich der Humor, was dem ganzen nicht sehr gut tut.
Der Film ist in gewisser Weise auch eine Art Kammerspiel, allerdings ist dieses kammerspiel-artige in DIE LIEBESTOLLEN HEXEN m.M.n. deutlich besser gelungen.
Auch bei der (weiblichen) Besetzung hat's der gute Russ diesmal nicht so gut getroffen.
Immerhin gibt's aber wieder eine gute Musik zu hören und unterhaltsam ist der Film auch.
Somit ist zwar in dem Fall bei weitem nicht so viel gutes vorhanden, wie in den meisten bisher von mir gesehenen Filmen von ihm, aber ein Film, der einfach nur gut unterhält und eine schöne, passende musikalische Untermalung bietet, der ist ja auch nicht schlecht.
Deshalb vergebe für NULL NULL SEX brauchbare 6,5/10.


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 Post subject: Re: NULL NULL SEX - Russ Meyer
PostPosted: 31.03.2017 16:34 
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Null Null Sex – Russ Meyer

(USA 1968)

Januar 2003, VHS (Warner Vision, DF, 1,33:1)
17.3.2017 Kino (Kommkino Nürnberg, DF, 35mm, 1,33:1, stark gekürzt)
30.3.2017 DVD (Arrow, OV, 1,33:1)



„Meine Filme werden häufig auf Partys gezeigt. Wenn einer in die Küche geht und Bier geholt hat, muss er beim Reinkommen wieder ein paar Leute beim Bumsen sehen.“
Russ Meyer



Inhalt:

Paul und Kelly sind zwar verheiratet, aber Sex sucht er sich lieber bei Prostituierten oder besucht den Red-Carpet-Club, wo er sich betrinkt, während er die zahlreichen Oben-ohne-Tänzerinnen bewundert. So auch an jenem Abend, als Cal und Feeny darauf warten, dass der letzte Gast den Club verlassen hat, um ihn ausrauben zu können. Unauffällig betrachten sie neben gierenden alten Männern die Schönheiten und spielen Billard, bis sich ihnen spätabends die Gelegenheit bietet.

Paul wird inzwischen von Claire, einer schwarzen Puffmutter, angerufen, die etwas schönes für ihn hat und ihn in ihrem Etablissement erwartet. Er lässt sich nicht lange bitten, und Claire stellt ihm Christiana vor, mit der er schläft, nachdem sie ihm vor einem indischen Wandteppich erklärt hat, dass die dort abgebildete Ganika in Indien eine Prostituierte ist, die hochgeachtet ist und die ihm die Brust rasiert. Vom Sex erschöpft, weckt ihn Claire, die er nun „wie ein Schokoladeneclair“ vernaschen will. Betrunken und vollkommen weggetreten lässt Claire ihn anschließend nach Hause bringen, wo ihn seine ob seines Alkoholkonsums missgelaunte Frau erwartet und mit der er ebenfalls schläft, es ist jedoch Sex, der beide aufgrund der fehlenden Zärtlichkeit und Liebe wenig befriedigt.

Ray, der Inhaber des Red-Carpet-Club, ruft nun Kelly an, um sich mit ihr zu verabreden und bittet sie, in seiner Bar zu tanzen. Kelly willigt ein und tanzt sich Topless den Frust von der Seele und leistet nach Ladenschluss Ray in dessen luxuriösem Pool Gesellschaft und schläft mit ihm. Der Club ist nun geschlossen und bietet Cal und Feeny endlich die Gelegenheit, den Raub zu begehen. Doch unvermutet platzen Ray und Kelly, sowie der Kelly suchende Paul ins Geschehen und werden von den Gangstern brutal misshandelt und gefesselt. Als Feeny Kelly vergewaltigen will, gelingt es Paul, der zuvor von Cal ein Billardqueue ins Gemächt gestoßen bekommen hatte, Feeny von ihr wegzureißen. Der Kampf wird von der plötzlich auftauchenden Claire unterbrochen, die mit Cal und Feeny unter einer Decke steckt und Paul und andere Gäste des Clubs zu Beginn des Abends weglocken sollte. Da sie der Gewalt Einhalt gebieten will, tötet sie Cal jedoch und in ihren letzten Atemzügen liegend erschießt Claire Cal.


Review:

Wenn man die Nudies, die Russ Meyer zu Beginn seiner Karriere und „Mondo Topless“ (1966) nicht berücksichtigt, ist „Null Null Sex“ Russ Meyers erster Film mit viel nackter Haut; zuvor gab es nur sehr kurze Einstellungen in „Lorna“ (1964) und „Mudhoney“ (1965) von Nacktheit und weiblichen Brüsten. Ab „Motor Psycho“ (1965) reduzierte Russ Meyer Sex in seinen Filmen, da in einigen Staaten des südlichen Bible-Belt seine Filme verboten wurden und sich zudem „Mudhoney“ generell als finanzieller Flop erwies – diese Selbstzensur stellte sich jedoch als wenig erfolgreich heraus, da auch „Die Satansweiber von Tittfield“ (1965) und „Die liebestollen Hexen“ (1967) an der Kasse floppten. Ab 1968 wagte es Meyer aufgrund des veränderten Zeitgeistes und des im Jahr zuvor gefallenen „Hays Code“ wieder, mehr Sex zu zeigen und feierte mit „Null Null Sex“ einen großen finanziellen Erfolg – doch so, wie die Spanne zwischen finanziellem und künstlerischem Erfolg wie bei „Die Satansweiber von Tittfield“ weit auseinandergehen kann, so ging die Spanne in umgekehrter Richtung in „Null Null Sex“ auseinander.

„Null Null Sex“ ist kein schlechter Film, er hat einige wunderbar bizarre Einfälle und präsentiert wie üblich ein paar sehr schöne Frauen. Aber seiner Dramaturgie kann man so schwer folgen, wie dem unlogisch erzähltem „Die liebestollen Hexen“; und das Setting – nur wenige Außenszenen, alle bei Nacht, ein Stripclub, ein Bordell und eine Privatwohnung – sorgt für eine tristere Stimmung und lässt die grellen Farben anderer Russ-Meyer-Filme kaum zu. Da die Handlung zudem weitgehend auf Humor verzichtet und es nur in der DF ein paar Schenkelklopfer gibt („Schokoladeneclair“), wird so automatisch der Krimiplot betont. Allerdings nur in der zweiten Filmhälfte, während in der ersten die Figuren eingeführt werden und Sexszenen das Geschehen dominieren. Das Setting hat aber auch gewisse interessante Vorteile: In den Clubs kommt die Sixtiesmode massiv zur Geltung, die ekstatische Verruchtheit der Spielorte wird von dem jazzbetonten Soundtrack gelungen untermalt und die Coolness der Protagonisten wirkt wie von Tarantino und Jess Franco gemeinsam inszeniert. Die Filmreihe „Austin Powers“ soll nicht nur primär von dem James-Bond-Film „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ (1969) in Ausstattung und Mode beeinflusst worden sein, sondern auch speziell von „Null Null Sex“ – womit die Deutschen mit ihrer Titelvergabe dann doch irgendwie das richtige Gespür hatten, Agenten gibt es allerdings keine, trotzdem der Titel anderes vermuten lässt.

Thematische Bezüge und Weiterentwicklungen zu Stoffen aus vorherigen Filmen Meyers gibt es in diesem Film unseres brustbetontesten Autorenfilmers erfreulicherweise auch wieder: In „Good Morning… and Goodbye“ (1967) war es noch eine von ihrem impotenten Mann frustrierte Ehefrau, die „grausam gequält von ihrer Gier“ auf Männerfang ging, in „Null Null Sex“ ist es nun ein Mann der so handelt und gleichzeitig erleben wir den Moment, indem sich eine Frau von der braven treuen Ehefrau in einen Vamp zu verwandeln droht. Denn Kelly, Pauls Frau, entschließt sich nach einem weiteren sexuell frustrierendem Erlebnis mit Paul, in Rays Stripclub zu tanzen und sich ihre Seele gesund zu tanzen; in ihren Tanz werden zuvor gezeigte Szenen des wenig harmonischen Sex mit Paul eingeschnitten. Als am Ende Paul mit seinen letzten Kräften und ein wenig Glück Kelly vor einer Vergewaltigung durch Feeny retten kann, stellt er sich ähnlich wie Burt Stone in „Good Morning… and Goodbye“ seinem sexuellen Widersacher und erkämpft sich – hoffentlich – die Liebe seiner Frau zurück.

Sex wurde in den Filmen Meyers – und natürlich nicht nur bei ihm - oft metaphorisch dargestellt oder mit gleichnishaften Szenenschnipseln vermengt. In „Eve an the Handyman“ (1961) zeigt Meyer zum finalen Sex Ölpumpen und Raketenstarts, Hitchcock zeigt in „Der unsichtbare Dritte“ (1959) einen Zug, der in einen Tunnel einfährt. In „Null Null Sex“ fährt Meyer nun eine ganze Palette von bizarren Einfällen auf, so erklärt die Hure Christiana Paul, dass sie ihre Kindheit und Jugend als Amish verbrachte, sich in ihren Bruder inzestuös verliebte und der sie mit seinen überzeugenden Sexualtechniken davon überzeugte, eine Karriere als Prostituierte einzuschlagen; als Paul dann mit ihr schläft, zeigt die Kamera Bilder von zwei jungen Amishen, die einen Drachen steigen lassen. Wenn Paul mit Claire schläft, die ihm dabei von mehreren klassischen Komponisten erzählt, zeigt die Kamera immer wieder Ansichten bunt beleuchteter Gebäude und Springbrunnen, während die „Finlandia“ von Sibelius gespielt wird; das Finale der Finlandia, die mit dem sexuellen Höhepunkt zusammenfällt, wird mit Applaus bedacht. Der übernächste Akt, wenn Kelly mit Ray im Pool schläft, wird mit Carcrashs verschnitten, um die Aggressivität der Stöße Rays in Kellys Unterleib zu bebildern. Zuletzt fällt noch der ausgiebige Gebrauch eines Billardqueues durch Cal auf. Um sich die Zeit zu vertreiben, spielt Cal im Red-Carpet-Club mit Feeny Billard, nimmt das Queue aber später mit auf die Toilette und hält im Sitzen das Queue senkrecht zwischen seinen Beinen. Was aufgrund der phallischen Form schon offensichtlich ist, wird noch deutlicher wenn man bedenkt, dass in der französischen Vulgärsprache „Queue“ „Schwanz“ bedeutet. Wenn Cal kurz vor der finalen gewalttätigen Auseinandersetzung dem gefesselten Paul das Billardqueue mit all seiner Kraft gegen das Gemächt stößt, betont dies die anschließende Rückeroberung Pauls Sexualität.


Fazit:

Etwas unentschlossen erzählter Film, in den Russ Meyer erstmals viel Sex in eine Spielfilmhandlung packt und mit einigen bizarren Einfällen glänzt.


Wertung:

7 / 10


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