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 Betreff des Beitrags: DER PUPPENMÖRDER - Freddie Francis
BeitragVerfasst: 26.05.2018 20:38 
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DER PUPPENMÖRDER
THE PSYCHOPATH
GB 1965/66
Regie: Freddie Fancis

Darsteller:
Patrick Wymark,
Margaret Johnston,
John Standing,
Judy Huxtable

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Die britische Polizei steht vor einem Rätsel, das sich um eine Mordserie dreht; und stets, wenn eines dieser Verbrechen geschieht, wird am Tatort neben der Leiche ebenso eine Puppe zurückgelassen, die jeweils die detailgenaue Physiognomie des Ermordeten abbildet. Gleich nach dem ersten Mord tritt eine Gruppe in Erscheinung, die der Ermordete in dieser Nacht aufsuchen wollte. Der dienstleitende Polizist (wie immer wunderbar: Patrick Wymark) findet schnell heraus, dass die dortigen Personen in Zusammenhang mit der mysteriösen Witwe von Sturm (großartig: Margaret Johnston) stehen, der augenscheinlich in der Vergangenheit durch die einzelnen Gruppenmitglieder viel Unrecht angetan wurde. Als der Polizist bei der aus Deutschland stammenden Frau von Sturm, die im Rollstuhl sitzt, sodann eintrifft, begegnet ihm nicht nur der nicht minder seltsame Sohn, sondern darüber hinaus auch eine ganze Armee von Puppen, die das Haus mitbevölkern…

Im Zuge des unglaublichen Erfolgs von Hitchcocks PSYCHO (1) hatte gleichfalls „Hammer“ eine ganze Reihe von psychologischen Thrillern dieser Art inszeniert. Unter anderem waren dies PARANOIC, NIGHTMARE und HYSTERIA, die allesamt unter der Regie des genialen Kameramanns Freddie Francis entstehen sollten. 1965 nun verpflichtete das Filmstudio „Amicus“ Francis als Regisseur, um einen dieser neuartigen Thriller zu drehen. Das Ergebnis ist der Film THE PSYCHOPATH, der nicht nur durch seinen Titel an Hitchcocks Werk – also: PSYCHO(PATH) – erinnert, auch Robert Bloch ist hier maßgeblich am Drehbuch beteiligt, sprich: derjenige Autor, der ebenfalls für die literarische Vorlage von PSYCHO verantwortlich gewesen ist. Zunächst fällt einmal auf, dass Francis‘ „Amicus“-Betrag doch wesentlich anders gestaltet ist, als dies bei seinen „Hammer“-Thrillern der Fall wäre. Es fehlt hier die genretypische Ernsthaftigkeit, der „blanke“ Schrecken – dafür setzt der Film mehr auf das Makabre, so wie man es von den zahlreichen Horrorfilmanthologien des „Amicus“-Studios, an denen Francis ebenso häufig beteiligt war, kennt. Außerdem ist PSYCHOPATH in den schönsten Farben gedreht, was ihn dann ebenso von seinen bedrückend düsteren Schwarzweißthrillern bei „Hammer“ unterscheidet.

Francis‘ THE SKULL, ebenso 1965 von „Amicus“ produziert, wäre diesbezüglich ein weiteres Beispiel, welches eine Kontrastfolie zu THE PSYCHOPATH setzt. Denn THE SKULL entfaltet sich in einer eher stringenten Erzählung, die vom Schädel de Sades handelt. PSYCHOPATH nutzt seinen Handlungsrahmen stattdessen dafür, um einzelne „set pieces“ einzuführen, die dann quasi den jeweiligen Mord sehr variantenreich gestalten. Statt der narrativen Ebene – die in PSYCHO noch bestimmend ist –, ist es hier jetzt der Spektakelcharakter der einzelnen Mordsequenzen, die immer einen unterschiedlichen und dabei sehr bizarren Gimmick bereithalten, wodurch sich der Film strukturiert. Dies gestaltet sich ähnlich wie in Mario Bavas BLUTIGE SEIDE, wo der Voyeurismus des Kinozuschauers sich in der Brutalität des Mordens reflektiert – dagegen setzt THE PSYCHOPATH, wie beschrieben, eher auf das morbid Groteske (2). Gleichwohl ist der eigentliche Höhepunkt des Films die Kameraarbeit, besonders: wenn die Kamera die Szenen mit Frau von Sturm einfängt. Die Hilflose, die im Rollstuhl sitzt, scheint vor allem auch seit Holts TASTE OF FEAR ein Standardelement im damaligen Thriller-Genre zu sein. Dahingehend sitzt denn auch Frau von Sturm im Rollstuhl, wobei ihre Unbeweglichkeit von ihren Puppen symbolisch weitergetragen wird; sie verliert sich regelrecht in der Puppenansammlung ihres Hauses, gleichwie später ebenso ihr Sohn von der Puppenbegeisterung seiner Mutter in Mitleidenschaft gezogen wird (3). Möglicherweise ist Francis‘ PSYCHOPATH heute zu zahm, um mit den italienischen Thrillern - den sogenannten „Gialli“ - jener Zeit mithalten zu können. Allerdings ist das morbid Bizarre hier das eigentliche Element, das den übernationalen Genrerahmen des psychologischen Thrillers zwar einerseits typisch, doch andererseits dann auch typisch britisch besetzt…

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(Bildquelle: 10kbullets.com)

youtu.be Video From : youtu.be





(1) PSYCHO (1960) steht quasi für eine paradigmatische Umorientierung des Horrorgenres in der damaligen Zeit; der strukturelle Paradigmenwechsel zeigt sich vor allem darin, dass nun nicht mehr das übernatürliche Monster (der Vampir, der Werwolf o. ä.) den Schrecken setzt, sondern das psychopathologisch Verdrängte des „Normalbürgers“ sich vielmehr ganz ungeschminkt – ohne die übernatürliche „Erscheinungsform“ – zeigt; die Filme wurden dann auch nicht müde, auf das Hitchcock-Konzept hinzuweisen, indem sie zum Beispiel das neue generische Vorbild schon in ihrem Titel anzeigen, so Freda in seinem „Hitchcock“-Film von 1962.

(2) Besonders bizarr habe ich in THE PSYCHOPATH den Titeltrack empfunden – eine Art unheilschwangere Kindermelodie, was mich an Argentos PROFONDO ROSSO denken ließ:
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(3) Die gesamte Schlusssequenz ist eine außergewöhnliche Neuinterpretation der Kellersequenz aus PSYCHO; Robert Bloch wird hier beim Schreiben sehr viel Spaß gehabt haben.


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 Betreff des Beitrags: Re: DER PUPPENMÖRDER - Freddie Francis
BeitragVerfasst: 29.05.2018 20:05 
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Mir gefällt der Film,ich habe ihn ein paar mal im Fernsehen gesehen. Ich hatte ganz vergessen, dass das ein Amicus ist und Bloch beteiligt war.

Vor allem Wymark als Polizist ist mir im Gedächtnis geblieben. Damals fand ich ihn so gegen den üblichen Heldentypus besetzt, was fast schon außergewöhnlich war.

Amicus finde ich heute etwas durchwachsen, irgendwann wurde es zu plüschig und prüde im Vergleich zu Hammer. Vor allem die Anthologie-Filme sind teilweise schlecht gealtert.

Die frühen Sangster-Thriller sehe ich aber auch immer noch gern. Der Maskenkiller mit dem Haken aus Paranoiac hat immer noch Albtraumqualitäten, und Oliver Reed ist einfach unvergesslich.


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 Betreff des Beitrags: Re: DER PUPPENMÖRDER - Freddie Francis
BeitragVerfasst: 30.05.2018 14:52 
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Wentworth hat geschrieben:
Mir gefällt der Film,ich habe ihn ein paar mal im Fernsehen gesehen.


War auch bei mir so, dass die erste Begegnung mit dem Film durch das Fernsehen stattgefunden hat; gerade das Ende hat sich mir tief ins Gehirn eingegraben - und natürlich überhaupt das Haus mit den ganzen Gruselpuppen... die oben abgebildeten Szenen von 10kbullets.com stammen übrigens aus der BD von Kino Lorber (die erste Rolle scheint etwas beschädigt zu sein, denn der Anfang zeigt doch Materialschäden)...

Amicus hat bei ihren Horroranthologien dann den süf­fi­santen Humor von den E.C. Comics - das war ja die Inspirationsquelle - beibehalten, weshalb die Filme heute sicherlich etwas "leichter" wirken, als dies die "ernsteren" Hammer-Filme es vermögen; ist natürlich Geschmackssache, was man lieber mag... vergleicht man den PUPPENMÖRDER mit den Sangster-Thrillern, dann bekommt man denselben Eindruck... ich mag eigentlich beide Formen recht gerne...


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