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 Betreff des Beitrags: DAS GESICHT AUF DER WAND - Dieter Finnern
BeitragVerfasst: 31.05.2018 11:02 
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DAS GESICHT AUF DER WAND

● DAS GESICHT AUF DER WAND (D|1983) [TV]
mit Manfred Günther, Antje Weisgerber, Ivan Desny, Siegfried Wischnewski, Klaus Miedel, Mady Rahl, Rudolf Schündler, u.a.
eine Produktion des SFB
ein Film von Dieter Finnern


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»Die Sache ist unglaubwürdig, um es milde auszudrücken!«

In einer abgelegenen Kneipe erzählen sich drei Bekannte (Siegfried Wischnewski, Antje Weisgerber und Ivan Desny) Gruselgeschichten, die an diesem Abend besonders intensiv wirken, da es draußen sehr ungemütlich ist. In dieser schaurigen Atmosphäre schaltet sich plötzlich ein Mann vom Nebentisch (Manfred Günther) ein, der der Runde ebenfalls eine derartige Geschichte erzählen möchte. Es handelt sich dabei um seine eigene Geschichte. Aufgelöst berichtet er, dass in seinem Zimmer regelmäßig ein unheimliches Gesicht auf der Zimmerwand erschienen sei, welches ihn beinahe in den Wahnsinn getrieben hat. Ist der Mann glaubwürdig, oder möchte er sich nur profilieren..?

Betrachtet man die unterschiedlichen Dekaden der Filmkunst, so wurde das breit gefächerte und daher ergiebige Thema rund um parapsychologische Phänomene immer wieder aufgegriffen und in unterschiedlichsten Varianten verarbeitet. Auch das Fernsehspiel kam Dank Regisseur Dieter Finnern, der in 30 Jahren etwa genauso viele TV-Filme inszenieren sollte, nicht an dieser Thematik vorbei und lieferte mit "Das Gesicht auf der Wand" einen Beitrag ab, der sich zunächst einmal sehr interessant anhört. Die frühe Verwendung von etlichen, brauchbaren Verstärkern, die sonst beispielsweise in Gruselfilmen zu finden sind, bieten dem Zuschauer die Möglichkeit, unmittelbar in das Geschehen einzusteigen und es baut sich sogar eine leicht wahrzunehmende Beklemmung auf. Sobald die erste Gruselgeschichte über die Bühne ist, die man sich in einer urigen Kneipe erzählt hat, erfährt er Verlauf einen harten Schnitt. Nicht etwa, weil alles Weitere an der eigentlichen Thematik vorbeizulaufen scheint, sondern es kommt zu einem eigenartigen hin- und herpendeln zwischen Realismus und einem in der kranken Psyche verankerten Thema. Sicherlich klingt dies alles andere als langweilig, jedoch hüllt sich der Verlauf in zu viel stilistische Fließbandarbeit, die daher auf inszenatorischer Seite keinen runden Eindruck hinterlassen will. Doch es bleibt abzuwarten, denn schließlich bietet das Thema sehr viel Potential an.

Ab sofort begleitet man den Protagonisten in Rückblenden, die vielleicht weniger beängstigend als verstörend wirken. »Wir fürchten uns, weil wir Angst haben!«, heißt es in einer der Szenen und beim Blick auf den Mann, der den Kneipengästen seine Geschichte quasi aufnötigt, zeigen sich deutliche Unterschiede in seiner Gemütsverfassung und äußeren Erscheinung. In diesen Sequenzen ist Manfred Günther als vollkommen heruntergekommen wirkende Person zu sehen, die zusehends von diffusen Ängsten zerfressen wird. Zwar bekommt die Angst hier im wahrsten Sinne des Wortes ein Gesicht, aber man erkennt weder einen Ursprung noch einen plausiblen Grund für die Geschehnisse, da es keine Hintergrundinformationen gibt. Regisseur Dieter Finnern rückt daher komplett von der anfänglich in den Fokus gerückten Gruselatmosphäre ab, um Wahnvorstellungen und Verschwörungstheorien der Hauptperson anzudeuten, die aufgrund der Wandlungsfähigkeit von Manfred Günther recht gut ankommen. Man verfolgt den mentalen Abstieg eines Mannes hautnah mit, sodass etliche bekannte Interpreten seinen Weg kreuzen dürfen, wie etwa Klas Miedel, Rudolf Schündler oder Mady Rahl. Letztere bietet eine besonders schmackhafte Darbietung als alt gewordene Prostituierte, deren Performance von hier doch sehr an ihren Auftritt in der "Kommissar"-Episode "Ein Funken in der Kälte" erinnern möchte, wenngleich ganz offenkundig auch schon wieder einige Monate seitdem vergangen waren.

Obwohl dieser TV-Film nur rund eine Stunde Spielzeit hat, zieht sich die Handlung empfundenermaßen in die Länge, was die spannenden Phasen ungünstig aufweicht. Im Grunde genommen verlaufen die zwei in direkter Verknüpfung stehenden Handlungsstränge um die Personen in der Kneipe und dem Fremden, der seine Geschichte erzählt, zu isoliert voneinander ab, was von einem Finale unterstrichen wird, das im Sinne der Aufklärung wenig prägnant wirkt. Die verschiedenen Etappen, die Angstzustände, Impulsivität, Wahnvorstellungen und Aggressionen der Hauptfigur zeigen, leiden unter einer Monotonie, die vielleicht eher den begrenzten Möglichkeiten zuzuschreiben sind, die einem TV-Film in der Regel zur Verfügung stehen. "Das Gesicht auf der Wand" kann die hohen Erwartungen - die nicht zuletzt wegen des gruselig klingenden Titels aufkommen - unterm Strich kaum erfüllen. Zu sehr wird die ohne jeden Zweifel mit Potential versehene Geschichte zu statisch abgehandelt, ohne auf die natürlichen Variationsmöglichkeiten zurückzugreifen, die der Stoff anbietet. Dennoch werden viele Akzente gesetzt, die zu Gefallen wissen. Sei es die passende musikalische Begleitung oder das in Szene setzen gewisser Charaktere, die ambitionierten Tricks oder immer wieder aufkommende atmosphärische Verstärker, wie beispielsweise Sets und spürbare Schwingungen. Dieter Finnern hat schlussendlich einen Beitrag abliefern können, der in seiner teils unorthodoxen Bearbeitung gefallen kann - vorausgesetzt man hat quasi ein paar parapsychologische Antennen.


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