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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Sadisterotica)
BeitragVerfasst: 16.06.2018 19:41 
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Tolles Projekt! Ich bin wirklich gespannt.

Ich finde Franco schwierig und verstehe die Faszination nicht wirklich, insofern finde ich eine Übersicht bzw Vorstellung interessant. Von den hier vorgestellten Filmen kenne ich keinen, spätere wie "Sie tötete in Ekstase" fand ich einfach nur schlecht. ;) Kann es sein, dass Franco von einem halbwegs kompetenten Handwerker zu einem obsessiven Runterkurbler wurde, den viele Dinge einfach nicht mehr interessiert haben? Ich kenne mich bei dem Mann zu wenig aus, darum ist die Frage ernst gemeint. Wenn meine Arbeit ständig so behandelt würde, wie es Franco wohl so oft passiert ist - x Versionen je nach Land - wäre es mir irgendwann auch egal, solange die Kasse stimmt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Sadisterotica)
BeitragVerfasst: 17.06.2018 02:02 
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Wentworth hat geschrieben:
Tolles Projekt! Ich bin wirklich gespannt.

Ich finde Franco schwierig und verstehe die Faszination nicht wirklich, insofern finde ich eine Übersicht bzw Vorstellung interessant. Von den hier vorgestellten Filmen kenne ich keinen, spätere wie "Sie tötete in Ekstase" fand ich einfach nur schlecht. ;) Kann es sein, dass Franco von einem halbwegs kompetenten Handwerker zu einem obsessiven Runterkurbler wurde, den viele Dinge einfach nicht mehr interessiert haben? .


Es ist ja immer schwierig - eigentlich unmöglich - als Außenstehender zu beurteilen, was jetzt den Regisseur angetrieben hat, was seine Intention ist, wenn sich sein Werk so Zuschauer-ignorierend darstellt. Francos Frühwerk ist noch verhältnismäßig zugänglich; spätestens ab den frühen 1970er Jahren werden die Plots stetig "fragmentarischer", dies ist gepaart mit einer zunehmend eigenständigeren Bildsprache - und sein Spätwerk besteht wohl nur noch aus einer hybriden Motiv-Zusammensetzung seines eigenen Werks, das er zuvor geschaffen hat... d. h.: Francos Filme drehen sich eigentlich nur um "Franco": zum einen nehmen sie Bezug auf die Filmgeschichte, die ihn interessierte, und zum anderen - besonders später - ist nur noch eine Referenzkette seiner eigenen "Filmmythologie" zu erkennen...

diese Hermetik macht es dann natürlich sehr schwierig für den Zuschauer: da auch "durchzudringen", einen Zugang zu den Filmen zu bekommen. Du schreibst, dass Dir "Sie tötete in Ekstase" nicht gefallen hat - vermutlich hast Du eine bestimmte Erwartung an den Film gehabt, die dann nicht erfüllt worden ist... gesetzt den Fall, Du hättest zuvor aber schon "Das Geheimnis des Dr. Z" gekannt, dann könnte ich mir vorstellen, dass sich plötzlich das Filmerlebnis für Dich verändert hätte, Du hättest einen Zugang zu "Ekstase" bekommen, da Franco in dem Film "Dr. Z" völlig neu inszeniert, ja, Franco hier wie ein Maler quasi vorgeht, der eine alte Gemäldeversion durch eine neue gänzlich neuartig ersetzt - insofern "baut" sich sein Filmkanon wie an einer Perlenkette auf - jeder Film hängt mit einem anderen zusammen - zwischen den Filmen baut sich eine Intertextualität auf, ein Bezugs-System, das den einen Film durch den anderen kommentiert, ironisiert oder was auch immer; dieses Muster kann man eigentlich in jedem Detail sehen: sei es nun ein Charakter oder eine Einstellung, ein Setting oder der Einsatz von bestimmten Musikstücken...

in diesem Sinne ist für mich Franco ganz klar ein Auteur - wie es etwa auch Jacques Rivette wäre, dessen Filme ich ähnlich "hermetisch" finde...


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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Sadisterotica)
BeitragVerfasst: 17.06.2018 12:08 
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Es wäre übrigens angemessen, den Märchenonkel-Hinweis "ein weiser Mann" zu streichen und durch den Namen des Autors dieser These, nämlich Tim Lucas, zu ersetzen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Sadisterotica)
BeitragVerfasst: 17.06.2018 16:00 
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Der_bärtige_Unsympath hat geschrieben:
Es wäre übrigens angemessen, den Märchenonkel-Hinweis "ein weiser Mann" zu streichen und durch den Namen des Autors dieser These, nämlich Tim Lucas, zu ersetzen.


aber das weiß doch jeder, dass damit Lucas gemeint ist...

ich denke, diejenigen, die sich mit Francos Werken befassen, werden dann sicherlich auch - früher oder später - auf das Lucas-Axiom gestoßen sein, so dass die Lucas-Anspielung von roother doch eine schöne kryptische Hommage an den großartigen Filmanalytiker aus den USA darstellt, oder?...


Zuletzt geändert von Howard Vernon am 17.06.2018 19:09, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Sadisterotica)
BeitragVerfasst: 17.06.2018 18:22 
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"Jeder" - na klar.
So wie jeder weiß, das Karl May "Das Kapital" geschrieben hat ...


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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Sadisterotica)
BeitragVerfasst: 17.06.2018 18:24 
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Howard Vernon hat geschrieben:
diese Hermetik macht es dann natürlich sehr schwierig für den Zuschauer: da auch "durchzudringen", einen Zugang zu den Filmen zu bekommen. Du schreibst, dass Dir "Sie tötete in Ekstase" nicht gefallen hat - vermutlich hast Du eine bestimmte Erwartung an den Film gehabt, die dann nicht erfüllt worden ist... gesetzt den Fall, Du hättest zuvor aber schon "Das Geheimnis des Dr. Z" gekannt, dann könnte ich mir vorstellen, dass sich plötzlich das Filmerlebnis für Dich verändert hätte,


In diesem speziellen Fall hatte ich keine Erwartungen an den Film. Ich wollte nur mal einen Film mit Soledad Miranda sehen :D Und es gab gerade diese schöne Ausgabe von XIllusions.

Insofern war das keine Entäuschung. Gab ja genug Soledad und ein oder zwei schöne Bildkompositionen wie das irre Haus. (Ich habe heute noch mal reingesehen, weil ich alles außer dem Eindruck und Tappert vergessen hatte.) Aber selbst wenn ich den Dr.Z gekannt hätte, glaube ich kaum, dass ich ihn anders betrachten würde. Diese bescheuerte Story, die doofen Dialoge, vor allem die Passagen aus dem Off, das unterirdische Spiel, selbst von Tappert. Ich fand das alles nur langweilig und gewollt und nicht gekonnt.

Aber ich glaube zu verstehen, was du meinst. Es ist oft 70er Jahre Ästethik pur, und sie wirkt heute geballter als zb in einem Simmel-Film. Aber vielleicht sollte man das aufgreifen, wenn Roother zu dem Film kommt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Sadisterotica)
BeitragVerfasst: 17.06.2018 18:36 
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Der_bärtige_Unsympath hat geschrieben:
Es wäre übrigens angemessen, den Märchenonkel-Hinweis "ein weiser Mann" zu streichen und durch den Namen des Autors dieser These, nämlich Tim Lucas, zu ersetzen.


Nein, finde ich nicht. Ich bin mit meinen Worten, genau so wie ich sie geschrieben habe, völlig zufrieden :mrgreen:

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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Sadisterotica)
BeitragVerfasst: 17.06.2018 18:38 
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Wentworth hat geschrieben:
Aber vielleicht sollte man das aufgreifen, wenn Roother zu dem Film kommt.


Sehr gerne, aber das wird noch etwas dauern :D

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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Sadisterotica)
BeitragVerfasst: 18.06.2018 21:55 
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#7: Kiss me, Monster (1967)

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Oje, was war das denn? Konnte mich Sadisterotica noch hinsichtlich seiner heterogenen inhaltlichen Darstellung zumindest unterhalten, versagt sein Geschwisterchen „Kiss me, Monster“ hier auf ganzer Linie.

Höchstwahrscheinlich „back-to-back“ gedreht verhaspelt sich Franco hier an dem völlig überfrachteten Plot: Charaktere werden eingeführt, um kurze Zeit später ohne die Handlung oder Stimmung irgendwie positiv beeinflusst zu haben, wieder zu verschwinden. Auch liefert die Handlung, um eine „Lebensformel“, welches willenlose Menschen kreiert, ein Plothole nach dem nächsten. Beginnend bei dem völlig sinnlosen Anfang, inkl. s/w Verfolgungsjagt, welche überhaupt nicht zur Handlung passt, bis hin zu den nicht nachvollziehbaren Motiven der vielen Sektengruppen, welche hinter der Formel her sind (es kann natürlich gut sein, dass Francos spanische Originalversion hier eine andere Abfolge präsentiert).

Francos visuelle Stärke kommt leider kaum zum Glänzen und geht völlig in dem überambitionierten Script unter. Auch die Chemie zwischen den beiden Spionen, den „Red Lips“ mag hier einfach nicht stimmen.

Ich habe mal gelesen, Franco hätte nicht sonderliches Interesse an ausgefeilten Scripts und Postproduktionen, sondern legt sein Augenmerk vielmehr auf die Kinematografie während des Drehens, auf das Einfangen visuell beeindruckender Momente. Ich kann mir das sehr gut vorstellen und frage mich, warum er in diesem Zusammenhang, bei „Kiss me, Monster“ so brav war.

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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Kiss me, Monster)
BeitragVerfasst: 19.06.2018 10:01 
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Ein bisschen konfus fand ich den auch.
Ich habe mich irgendwann der einlullenden Wirkung unterworfen und mich hauptsächlich der Betrachtung von Rosanna Yanni hingegeben. Dahingehend wurde ich hinreichend bedient.


Da ich SADISTEROTICA nicht kenne: Ist die dt. DVD zu empfehlen?


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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Kiss me, Monster)
BeitragVerfasst: 19.06.2018 17:29 
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Pa_Nik hat geschrieben:


Da ich SADISTEROTICA nicht kenne: Ist die dt. DVD zu empfehlen?


Würde sie im soliden Mittelfeld einordnen. Deutlich besser als die von Kiss me, Monster.

DigiDreams arbeitet aktuell aber ein einer deutschen HD Veröffentlichung

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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Kiss me, Monster)
BeitragVerfasst: 19.06.2018 17:54 
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Benötigte insgesamt drei Anläufe, bis ich 'KÜSS MICH MONSTER' überhaupt mal zu Ende geschaut bekam :)

Mittlerweile habe ich diese knallbunte Filmkuriosität aber nicht nur in mein Herz geschlossen, sondern auch gelernt, beim Anschauen entsprechend den Kopf auszuschalten, denn wenn es einem gelingt die narrative Ebene auszublenden und sich ausschließlich dem bezaubernden Bilderrausch hinzugeben, dann macht 'KÜSS MICH MONSTER' auch ordentlich Spaß.


Leider kenne ich aber auch nur die deutsche Schnittfassung des Films. Kann jemand etwas zu den unterschiedlichen Schnittfassungen sagen, oder besser gefragt: ist die Originalfassung genauso konfus geraten?


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Zuletzt geändert von Richie Pistilli am 19.06.2018 19:50, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Kiss me, Monster)
BeitragVerfasst: 19.06.2018 19:08 
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@roother

Danke für die Info!
Dann warte ich geduldig auf die BD. :)


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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Kiss me, Monster)
BeitragVerfasst: 20.06.2018 14:16 
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#8: Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu (1967)

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Ein einsame Kulisse mitten im südamerikanischen Dschungel, leicht bekleidete Frauen, böse Schurken, tapfere Helden und ein die Weltherrschaft erobern wollender Bösewicht – Francos Eintrag ins Register der illustren Fu Man Chu-Filme ist ein Groschenroman in Filmformat (dies soll keine Bezugnahme auf die Romane von Rohmer sein).

Naturgemäß finden wir so auch die typischen Klischees, Ungereimtheiten in der Handlung und den Hang zum Expoitativen. Das mag alles nicht neu sein, aber es ist ungemein unterhaltsam. Ich hatte von der ersten bis zur letzten Minute Spaß. Zwar vermisse ich erneut die visuelle Raffinesse, welche Franco so einzigartig und Succubus so faszinierend macht, aber einzelne Puzzleteile weißen schon auf die so liebgewonnenen francoschen Eigenheiten hin.

Der Einsatz der weiblichen „assassins“, welche als femme fatale ein Hauch erotischer Gefahr und Verführung transportieren und welche durch den Biss einer seltenen Cobra zu gefügigen Mörderinnen werden, wäre ein solches Puzzleteil.

Die erste Zusammenarbeit zwischen Franco und Towers präsentiert uns einen Film, der nicht nur hinsichtlich seiner Kulisse zu überzeugen weiß, auch die Darstellerriege mit Christopher Lee, Maria Rohm und Götz George enttäuscht nicht.

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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu)
BeitragVerfasst: 21.06.2018 20:55 
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#9: Die sieben Männer der Sumuru (1968)

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Im Dunstkreis des Dr. Fu Man Chu entstand ein ähnlich gelagerter Franco-Film unter der Produktion von Towers und nach einer Inspiration von Rohmer: „The girl from Rio“ (wie er im Original heißt).

Im Prinzip könnte ich meine Worte zu Dr. Fu Man Chu hier 1:1 kopieren, denn auch hier haben wir die typischen Zutaten eines Abenteuerromans: exotische Kulissen, skurrile Charaktere und eine Handlung, welche in ihrer Absurdität und Lückenhaftigkeit zum Schmunzeln anregt.

Hier dreht sich alles um die geheimnisvolle Inseln Femina, beherrscht von Frauen und unter Führung der bösen Sumuru. Klingt nach einer Ode an den Feminismus. In der filmischen Realität zeigt sich dieser Feminismus jedoch im Tragen freizügiger, an einen seltsamen Fetisch erinnernden Kleidung, dem wilden Einsatz von Sexualität zur Domination und im diktatorischen Herrschersystem der wahnsinnigen Sumuru, welche unerklärlicherweise zum Ziel hat, Krieg gegen die gesamte Männerwelt zu führen.

Franco wagt hier schon etwas mehr, die inszenatorische Norm zu verlassen, was man vor allem am halluzinogen wirkenden Beginn sieht. Immer wieder werden imposante Architekturen beeindruckend in Szene gesetzt und Szenen der sexuellen Verführung durch Unschärfen und dem Einsatz von Nebel visuell aufgewertet.

Insgesamt macht „Die sieben Männer der Sumuru“ wie auch Dr. Fu Man Chu Spaß. An der Skurrilitätsschraube und am Erotikfaktor wurde deutlich gedreht, was dem Film hinsichtlich seines wenig überzeugenden Plots sehr gut tut.

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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu)
BeitragVerfasst: 27.06.2018 11:39 
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roother hat geschrieben:
#9: Die sieben Männer der Sumuru (1968)

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Im Dunstkreis des Dr. Fu Man Chu entstand ein ähnlich gelagerter Franco-Film unter der Produktion von Towers und nach einer Inspiration von Rohmer: „The girl from Rio“ (wie er im Original heißt).

Im Prinzip könnte ich meine Worte zu Dr. Fu Man Chu hier 1:1 kopieren, denn auch hier haben wir die typischen Zutaten eines Abenteuerromans: exotische Kulissen, skurrile Charaktere und eine Handlung, welche in ihrer Absurdität und Lückenhaftigkeit zum Schmunzeln anregt.

Hier dreht sich alles um die geheimnisvolle Inseln Femina, beherrscht von Frauen und unter Führung der bösen Sumuru. Klingt nach einer Ode an den Feminismus. In der filmischen Realität zeigt sich dieser Feminismus jedoch im Tragen freizügiger, an einen seltsamen Fetisch erinnernden Kleidung, dem wilden Einsatz von Sexualität zur Domination und im diktatorischen Herrschersystem der wahnsinnigen Sumuru, welche unerklärlicherweise zum Ziel hat, Krieg gegen die gesamte Männerwelt zu führen.

Franco wagt hier schon etwas mehr, die inszenatorische Norm zu verlassen, was man vor allem am halluzinogen wirkenden Beginn sieht. Immer wieder werden imposante Architekturen beeindruckend in Szene gesetzt und Szenen der sexuellen Verführung durch Unschärfen und dem Einsatz von Nebel visuell aufgewertet.

Insgesamt macht „Die sieben Männer der Sumuru“ wie auch Dr. Fu Man Chu Spaß. An der Skurrilitätsschraube und am Erotikfaktor wurde deutlich gedreht, was dem Film hinsichtlich seines wenig überzeugenden Plots sehr gut tut.


Hier solltest Du aber die Originaversion des Films nachschieben, die wesentlich besser, künstlerischer und stimmiger ist als der deustche Cut. Die deutsche Version bekommt bei mir eine 6/10 und die GIRL FROM RIO VERSION eine 10/10 im Franco Universum.


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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu)
BeitragVerfasst: 27.06.2018 12:42 
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Ryan hat geschrieben:

Hier solltest Du aber die Originaversion des Films nachschieben, die wesentlich besser, künstlerischer und stimmiger ist als der deustche Cut. Die deutsche Version bekommt bei mir eine 6/10 und die GIRL FROM RIO VERSION eine 10/10 im Franco Universum.


Das würde ich sehr gerne. Das ist halt oft das Problem bei Produktionen dieses Zeitraumes: viele Produzenten fertigen für die lizensierten Länder unterschiedliche Schnittfassungen an. Ich bin immer bemüht so nah wie möglich an Francos Vision ran zu kommen, aber leider ist dies entweder nicht einfach zu klären oder die Mühen der Beschaffung stehen in keinem Verhältnis zum Ertrag.

Ich werde aber hier defintiv die Augen offen halten. Dank für die Info

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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu)
BeitragVerfasst: 27.06.2018 13:52 
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roother hat geschrieben:
Ryan hat geschrieben:

Hier solltest Du aber die Originaversion des Films nachschieben, die wesentlich besser, künstlerischer und stimmiger ist als der deustche Cut. Die deutsche Version bekommt bei mir eine 6/10 und die GIRL FROM RIO VERSION eine 10/10 im Franco Universum.


Das würde ich sehr gerne. Das ist halt oft das Problem bei Produktionen dieses Zeitraumes: viele Produzenten fertigen für die lizensierten Länder unterschiedliche Schnittfassungen an. Ich bin immer bemüht so nah wie möglich an Francos Vision ran zu kommen, aber leider ist dies entweder nicht einfach zu klären oder die Mühen der Beschaffung stehen in keinem Verhältnis zum Ertrag.

Ich werde aber hier defintiv die Augen offen halten. Dank für die Info


Blue Underground hat vom GIRL FROM RIO eine sehr gute DVD und eine sehr gute Blu-ray veröffentlicht. Beide Codefree

Hier gibt's die DVD für 7.07 Euro inklusive Versand von einem deutschen Ebay Verkäufer. Mehr Augen offen halten kann man nicht. :)
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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Die sieben Männer der der Sumuru)
BeitragVerfasst: 27.06.2018 17:38 
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#10: 99 Women (1968)

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Um es gleich vorweg zu sagen: Eine Szene in diesem Film ist in meinen Augen so unakzeptabel, so unverständlich, dass es den gesamten Film für mich zum „filma non grata“ macht ( man verzeihe mir den bekloppten Neologismus). Um fair zu sein, bewerte ich „Der heiße Tod“ zuerst in völliger Ignoranz dieser Szene:

Hier haben wir nun Francos ersten Eintrag in die lange Liste von kommenden WIP-Filmen. Hat uns Succubs noch in die Welt des Surrealen entführt, findet sich Franco hier im Exploitation wieder – eine Gattung, welcher er sich zukünftig ebenfalls häufiger widmen wird. Wenn hier auch das Zurschaustellen des weiblichen Körpers noch nicht so explizit dargestellt wird, wie in späteren WIP-Filmen, finden wir doch hier bereits alle Zutaten, bis hin zum fast schon verantwortungslosen Umgang mit sexueller Gewalt.
Wir finden sadistische Wärter, lesbische Spiele unter den Gefangenen, Folter und auch die obligatorische Vergewaltigung.

Ich selbst bin kein Freund von exploitativ inszenierten Vergewaltigungen, kann sie aber genrebedingt akzeptieren. In „99 Women“ geht eine brutale Vergewaltigung jedoch nahtlos in einen Liebesakt über, was ich schon als befremdlich bezeichnen möchte.

Die schmutzige Atmosphäre inmitten eines Dschungels, die großartige Kulisse und der ohrwurmartige Soundtrack, in Verbindung mit einer hinreisenden Rosalba Neri, Maria Röhm und Maria Schell, machen „99 Women“ eigentlich zu einer recht guten Unterhaltung – wäre da nicht diese eine Szene: Auf ihrer Flucht stoßen die drei Frauen auf eine Schlange, auf die sogleich völlig unnötig vor laufender Kamera eingestochen wird, dabei wird das mehrmalige Einstechen in Nahaufnahme gefilmt. Das offensichtlich schwer verletzte Tier kriecht im Anschluss schwer blutend davon (ich hoffe, dass die Beteiligten die arme Schlange nach Drehschluss wenigstens von ihrem Leid erlöst haben).
Tier-Snuff ist für mich ein absolutes No-Go, wenn auch vielleicht ein Kind seiner Zeit. Dennoch bin ich schwer enttäuscht, eine solche Szene in einem Franco Film zu finden, daher wird dies für mich die erste und letzte Sichtung des Filmes sein ( der Film befindet sich bereits nicht mehr in meiner Sammlung) – Schade!

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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Die sieben Männer der der Sumuru)
BeitragVerfasst: 27.06.2018 18:58 
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roother hat geschrieben:
Tier-Snuff ist für mich ein absolutes No-Go, wenn auch vielleicht ein Kind seiner Zeit. Dennoch bin ich schwer enttäuscht, eine solche Szene in einem Franco Film zu finden, daher wird dies für mich die erste und letzte Sichtung des Filmes sein ( der Film befindet sich bereits nicht mehr in meiner Sammlung) – Schade!



Hui, dann mußt Du aber auf einige Franco Filme verzichten.


Mich persönlich juckt 50 Jahre alter Tiersnuff nicht mehr, auch wenn ich es nicht gern sehe.
Gottseidank ist sowas heute verboten und die alten Filme sind nun mal wie sie sind.


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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Die sieben Männer der der Sumuru)
BeitragVerfasst: 27.06.2018 19:24 
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Ryan hat geschrieben:
roother hat geschrieben:



Hui, dann mußt Du aber auf einige Franco Filme verzichten.



Wirklich? Hätte das mit Franco nie in Verbindung gebracht. Wenn ich an Tiersnuff denke, kommt mir als erstes immer Deodato in den Sinn.

Na dann hoffe ich mal, dass es nicht allzu viele sind.

Ich wünschte mir auch, dass ich da drüber hinwegsehen könnte, zumal 99 Women sonst ein richtig guter Film ist, aber leider kann ich das nicht

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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Die sieben Männer der der Sumuru)
BeitragVerfasst: 27.06.2018 19:49 
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roother hat geschrieben:
Ryan hat geschrieben:
roother hat geschrieben:



Hui, dann mußt Du aber auf einige Franco Filme verzichten.



Wirklich? Hätte das mit Franco nie in Verbindung gebracht. Wenn ich an Tiersnuff denke, kommt mir als erstes immer Deodato in den Sinn.

Na dann hoffe ich mal, dass es nicht allzu viele sind.

Ich wünschte mir auch, dass ich da drüber hinwegsehen könnte, zumal 99 Women sonst ein richtig guter Film ist, aber leider kann ich das nicht



Huch, wenn Du die Vergewaltigung in 99 Woman beanstandest, dann dürftest Du fast keinen seiner Filme zwei mal ansehen. Der SM Faktor und Gewalt gegen Frauen, fast ausschließlich im sexuellen Kontext, ist ein Schlüssel zu Francos Werk.
Ich habe viele seiner Filme deswegen lange abgelehnt aber heute sehe ich das im zeitlichen Kontext und nostalgischem Rahmen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Die sieben Männer der der Sumuru)
BeitragVerfasst: 27.06.2018 20:11 
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Ryan hat geschrieben:


Huch, wenn Du die Vergewaltigung in 99 Woman beanstandest, dann dürftest Du fast keinen seiner Filme zwei mal ansehen. Der SM Faktor und Gewalt gegen Frauen, fast ausschließlich im sexuellen Kontext, ist ein Schlüssel zu Francos Werk.
Ich habe viele seiner Filme deswegen lange abgelehnt aber heute sehe ich das im zeitlichen Kontext und nostalgischem Rahmen.


So würde ich das nicht sagen, Ryan. Es gibt einen eklatanten Unterschied zwischen dem Sadismus, welcher ja in vielen Werken von Franco fester Bestandteil ist und der Vergewaltigung in "99 Women". Mir ist kein anderer Franco-Film bekannt, welcher so nahtlos von einer Vergewaltigung in lustvolles Liebesspiel übergeht. Ich habe überhaupt keine Probleme mit fiktiver Gewalt gegen Frauen in Filmen (meine Ablehnung des mehrmaligen Sehens bezog sich ja eindeutig auf den Tier-Snuff), denn sonst wäre Franco tatsächlich nix für mich. Franco hat Gewalt gegen Frauen in seinen Filmen (auch in Verbindung mit Sex) jedoch meist als das dargestellt, was es eben ist: ein Gewaltakt gegen Frauen. Hier in "99 Women" sehen wir wie sich das Opfer zu dramatischer Musik gewaltsam gegen die Vergewaltigung wehrt und dann plötzlich ändert sich ihre Wehr in Zustimmung, begleitet von romantischer Musik. War das Bild zuvor noch dynamisch und hart, wird es jetzt ruhig und out-of-focus. DAS ist glaube ich in dieser Deutlichkeit bei Franco eine Seltenheit

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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Die sieben Männer der der Sumuru)
BeitragVerfasst: 27.06.2018 20:19 
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roother hat geschrieben:
Ryan hat geschrieben:


Huch, wenn Du die Vergewaltigung in 99 Woman beanstandest, dann dürftest Du fast keinen seiner Filme zwei mal ansehen. Der SM Faktor und Gewalt gegen Frauen, fast ausschließlich im sexuellen Kontext, ist ein Schlüssel zu Francos Werk.
Ich habe viele seiner Filme deswegen lange abgelehnt aber heute sehe ich das im zeitlichen Kontext und nostalgischem Rahmen.


So würde ich das nicht sagen, Ryan. Es gibt einen eklatanten Unterschied zwischen dem Sadismus, welcher ja in vielen Werken von Franco fester Bestandteil ist und der Vergewaltigung in "99 Women". Mir ist kein anderer Franco-Film bekannt, welcher so nahtlos von einer Vergewaltigung in lustvolles Liebesspiel übergeht. Ich habe überhaupt keine Probleme mit fiktiver Gewalt gegen Frauen in Filmen (meine Ablehnung des mehrmaligen Sehens bezog sich ja eindeutig auf den Tier-Snuff), denn sonst wäre Franco tatsächlich nix für mich. Franco hat Gewalt gegen Frauen in seinen Filmen (auch in Verbindung mit Sex) jedoch meist als das dargestellt, was es eben ist: ein Gewaltakt gegen Frauen. Hier in "99 Women" sehen wir wie sich das Opfer zu dramatischer Musik gewaltsam gegen die Vergewaltigung wehrt und dann plötzlich ändert sich ihre Wehr in Zustimmung, begleitet von romantischer Musik. War das Bild zuvor noch dynamisch und hart, wird es jetzt ruhig und out-of-focus. DAS ist glaube ich in dieser Deutlichkeit bei Franco eine Seltenheit



Das glaube ich nicht aber du wirst es ja alles ergründen.
Ich schaue aber tatsächlich immer wieder sehr gespannt in deinen Thread.
Gerade die Vergwaltigungen von Frauen, die dann in ein lustvolles Liebesspiel übergehen, stören mich nicht, weil gerade diese jenseits allen Realismus sind. Das ist dann wirklich Film, genauso wie Sean Connery, der Pussy Galore vergewaltigt und sie dann trotz ihrer lesbischen Neigung genüßlich mitmischt. Weniger realistisch gehts nicht mehr.


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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: 99 Women)
BeitragVerfasst: 27.06.2018 20:27 
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Ja, da hast du recht. Deshalb ordne ich das auch völlig anders ein als z.B den Tiersnuff.

Bin gespannt, was mich da noch erwartet

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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: 99 Women)
BeitragVerfasst: 27.06.2018 21:34 
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roother hat geschrieben:
Ja, da hast du recht. Deshalb ordne ich das auch völlig anders ein als z.B den Tiersnuff.

Bin gespannt, was mich da noch erwartet


roother, ich kann hier Deine Haltung absolut nachvollziehen; das stört mich auch gewaltig im Kino, zumal: wenn damit dann auch noch ein "künstlerischer" Anspruch verbunden wird; diese offensichtlich geradezu naive Unbedenklichkeit hinsichtlich des Leidens der Tiere ist gerade im frühen 70er-Jahre-Kino keine Seltenheit gewesen und somit heute leider ein nicht wegzudiskutierendes Zeitdokument...

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aber unterm Strich würde ich Franco und Tiersnuff überhaupt nicht miteinander assoziieren; seine klar zu erkennende Neigung als Künstler, alles so artifiziell wie nur möglich zu inszenieren, spricht ja schon dagegen...




hinsichtlich des misogynen Aspekts in Francos Werken: mir fällt neben Franco (möglicherweise Russ Meyer) eigentlich kein anderer Regisseur ein, bei dem der Phallozentrismus so eindeutig bei der Frau verortet ist; in seinem Kino wird die Machtstruktur doch ständig in die Hände der Frauen gelegt, auch wenn es natürlich auch weibliche Opfer gibt - was dann teilweise ja auch masochistische Beweggründe haben könnte (vielleicht ja auch bei der angesprochenen Gefängnisszene); seien es jetzt Francos "Dominas" (zum Beispiel: Lorna Green in "Succubus") oder Francos "Herrscherinnen" (beispielsweise: Sumitra in "Die sieben Männer der Sumuru") oder aber auch die Gefängnisaufseherinnen, die weiblichen Monsterinterpretationen (Countess Nadine Carody in "Vampyros Lesbos", Vera Frankenstein in "La maldición de Frankenstein" etc.) - die Frauen haben doch zumeist die Hosen in Francos Filmen an...


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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: 99 Women)
BeitragVerfasst: 27.06.2018 22:09 
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Howard Vernon hat geschrieben:

hinsichtlich des misogynen Aspekts in Francos Werken: mir fällt neben Franco (möglicherweise Russ Meyer) eigentlich kein anderer Regisseur ein, bei dem der Phallozentrismus so eindeutig bei der Frau verortet ist; in seinem Kino wird die Machtstruktur doch ständig in die Hände der Frauen gelegt, auch wenn es natürlich auch weibliche Opfer gibt - was dann teilweise ja auch masochistische Beweggründe haben könnte (vielleicht ja auch bei der angesprochenen Gefängnisszene); seien es jetzt Francos "Dominas" (zum Beispiel: Lorna Green in "Succubus") oder Francos "Herrscherinnen" (beispielsweise: Sumitra in "Die sieben Männer der Sumuru") oder aber auch die Gefängnisaufseherinnen, die weiblichen Monsterinterpretationen (Countess Nadine Carody in "Vampyros Lesbos", Vera Frankenstein in "La maldición de Frankenstein" etc.) - die Frauen haben doch zumeist die Hosen in Francos Filmen an...


Das stimmt. Insbesondere in seinen Filmen ab den 70ern findet man sehr oft die weibliche Verführung, welche die Fäden der sexuellen Manipulation in den Händen halt und den Mann als Opfer kennzeichnet.

Im vorliegenden 99 Women sehe ich diese Tendenz aber eigentlich (noch) überhaupt nicht. Kaum ein Machtmoment geht von einer Frau aus. Die sadistische Wärterin ist in ihre over-the-top-Inszenierung eher ein Comic-Relief, während hinter ihr der Govenor die Fäden in der Hand hält. Auch die Vergewaltigung wird ja von ihm fociert, was die Figur der Frau hier zu einem bloßen Werkzeug der Machtausübung degradiert.
Besonders obskur ist in diesem Zusammenhang auch die Szene inder eine der drei geflüchteten Frauen von einem Freund ihres Liebhabers die Nachricht von dessen tragischem Tod übermittelt bekommt. Während beide sich gegenseitig vorbeten, was für ein toller Mensch der Verstorbene doch war, fummelt dessen bester Freund munter an der trauernden "Witwe" herum.

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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: 99 Women)
BeitragVerfasst: 27.06.2018 22:27 
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roother hat geschrieben:
Das stimmt. Insbesondere in seinen Filmen ab den 70ern findet man sehr oft die weibliche Verführung, welche die Fäden der sexuellen Manipulation in den Händen halt und den Mann als Opfer kennzeichnet.

Im vorliegenden 99 Women sehe ich diese Tendenz aber eigentlich (noch) überhaupt nicht. Kaum ein Machtmoment geht von einer Frau aus. Die sadistische Wärterin ist in ihre over-the-top-Inszenierung eher ein Comic-Relief, während hinter ihr der Govenor die Fäden in der Hand hält. Auch die Vergewaltigung wird ja von ihm fociert, was die Figur der Frau hier zu einem bloßen Werkzeug der Machtausübung degradiert.


Ja, da hast Du sicher recht; bei "99 Women" werden wohl noch eher die gängigen Rollenklischees befolgt, wobei natürlich noch die Möglichkeit besteht, dass man die männliche Machtdominanz als Diskurs-Beschreibung hier interpretieren könnte; zumal: wenn man bedenkt, unter welchen Verhältnissen Franco in seiner spanischen Heimat durch die "Obrigkeit" in seinem Kino beschränkt / zensiert worden ist; für mich wird dann "99 Women" (hinsichtlich der dortigen männlichen Machtstruktur) noch einmal in einer historischen Variante durch den "Hexentöter von Blackmoor" neu - oder anders - erzählt...


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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: 99 Women)
BeitragVerfasst: 28.06.2018 21:30 
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Franco bediente sich in der Vergangenheit öfters mit Motiven aus den Werken von de Sade. Das Quälen von unschuldigen Frauen hatten wir bereits aus Filmen wie „The awul Dr. Orlof“, „The sadistic Baron von Klaus“ oder „Dr. Orloff’s Monster“. Auch wurde de Sade in „Succubus“ namentlich erwähnt.

Hier haben wir jedoch die erste direkte Verfilmung von Motiven aus de Sades Werken. In die Rolle der Justine schlüpft hier die damals 16jährige Romina Power. Ihrer Version von Justine haftet stets etwas Zerbrechliches und Unschuldiges an. Ich bin nicht so sehr mit der literarischen Vorlage vertraut, aber mir scheint es, als würde Franco die Figur der Justine deutlich massentauglicher anlegen, als es de Sade getan hat.
Das langsame Abdriften ins Dunkle, die aufkeimende Lust an der Qual und das damit verbundene Element des namenstiftenden Sadismus, wird in dieser eher zahmen Interpretation kaum beachtet. Stören tut mich das jedoch nicht. Franco fängt hier faszinierende Bilder und eine stimmungsvolle Atmosphäre ein. Die over-the-top-Performance von Jack Palance sind hierbei noch das Sahnehäubchen.

Powers setzt die francosche Eigeninterpretation der Justine-Figur überzeugend um, während Ausstattung, Musik und Kulisse den positiven Gesamteindruck abrunden.

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Zuletzt geändert von roother am 29.06.2018 09:14, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Justine)
BeitragVerfasst: 29.06.2018 06:48 
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@Roother
Du hast bei JUSTINE die Nummerierung vergessen. ;)

Da Du ja alles greifbare von Franco anschauen möchtest, fehlen Dir "LUCKY M. füllt alle Särge" (Pidax DVD) und den erwähnten "Girl from rio" (Blue Underground DVD/Blu-ray).
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