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 Betreff des Beitrags: EINE EINFACHE GESCHICHTE - Claude Sautet
BeitragVerfasst: 28.06.2018 20:32 
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Romy Schneider   Bruno Crémer   Claude Brasseur   in

EINE EINFACHE GESCHICHTE

● UNE HISTOIRE SIMPLE / EINE EINFACHE GESCHICHTE (F|D|1978)
mit Arlette Bonnard, Sophie Daumier, Éva Darlan, Francine Bergé, Roger Pigaut, Vera Schroeder und Madeleine Robinson
eine Produktion der Renn Productions | Rialto Film | Société Française de Production | im Verleih der Tobis Filmkunst
ein Film von Claude Sautet


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»Der Tag bricht an, man muss versuchen zu leben«

Die Modezeichnerin Marie (Romy Schneider) ist Mutter eines sechzehnjährigen Sohnes (Yves Knapp) und lebt seit längerem in Scheidung. Alles verändert sich als sie erfährt, dass sie von ihrem neuen Lebensgefährten Serge (Claude Brasseur) schwanger ist, mit dem sie jedoch bereits gedanklich abgeschlossen hat. Sie entscheidet sich für einen Schwangerschaftsabbruch ohne Serge etwas davon zu sagen, da sie von Zweifeln, die Männer generell betreffen, getrieben ist, außerdem möchte sie von nun an alleine und unabhängig leben. Marie findet Unterstützung von ihren vier engsten Freundinnen, doch auch deren Leben ist von Problemen des Alltags gezeichnet. In der Zeit der Selbstfindung reanimiert sie das Verhältnis zu ihrem geschiedenen Mann Georges (Bruno Crémer) wieder, doch schnell tauchen die gleichen Komplikationen auf, die die Ehe einst zum Scheitern brachten. Vor allem aber läuft das Leben, wie es vermutlich laufen muss...

Wie einfach kann eine Geschichte sein um dennoch genug Potential zu besitzen, den Zuschauer zu überzeugen, ihn womöglich zu berühren und unterm Strich einen relevanten oder bedeutsamen Eindruck zu hinterlassen? Claude Sautet beantwortet diese Frage mit überaus einfachen Mitteln und liefert eine weitere Expertise im Rahmen der Geschichten ab, die das wirkliche Leben zumindest schreiben könnte. Aufgegriffen werden Probleme des Alltags, Personen die sich eben mit diesem zurecht finden müssen, außerdem Situationen die einen klassischen Alltagstransfer bahnen. Wenn der Film die ruhigen Blüten seines Verlaufs langsam aber sicher offenbart, wird sich jeder bestenfalls irgendwo wieder finden können und diese Strategie ist vor allem lobend zu erwähnen, weil sie hier immer wieder aufgeht. Die Verknüpfung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft stellt in Sautets Beitrag die große Stärke dar, hinzu kommt eine schwer zu kreierende Dynamik, die letztlich überzeugt. Man braucht keinen Verlauf zu erwarten, der seine Referenzen via Überzeichnung und Klischees zu übermitteln versucht - es bleibt ruhig, eigentlich eher still, dem Eindruck nach manchmal sogar schrecklich sachlich, wobei prosaisch in diesem Zusammenhang sicherlich die treffendere Vokabel darstellt. Aber es gibt auch sehr viele kleine Lichtblicke und diese Kombination reduziert diese simple Geschichte schließlich auf das, was nötig ist. Das Wesentliche. Claude Sautet macht kein Geheimnis daraus, wohin er gehen und was er erreichen will. Sein nahezu minimalistisches Prinzip erfährt einen deutlichen Kontrast in stilistischen Belangen. Die Sprache der Bilder ist atemberaubend und die teilweise pittoresken Situationen färben und fabrizieren Stimmungen, die empfundenermaßen sogar glücklich machen, bis der sterile Alltag wieder einziehen wird. Besondere Finessen zeigen sich erwartungsgemäß bei den eindringlichen Charakterzeichnungen.

»Ich wollte unbedingt mit Romy drehen. Es ist eine biologische Tatsache, dass diese Frau mit vierzig Jahren schöner ist, als sie mit zwanzig war. Diese Frau, die ein wechselhaftes Leben geführt hat, erreicht jetzt diese Vollkommenheit, die sie anziehender als je zuvor macht. Ich habe niemals an jemand anderen für diese Rolle gedacht.« Aussagen wie diese dokumentieren die enorme Wertschätzung Sautets gegenüber seiner Hauptdarstellerin, aber auch gleichzeitig den (gegenseitigen) Input, der aus der häufigen Zusammenarbeit hervorging. Romy Schneider prägt ihre Marie so gekonnt, so präzise und beherrscht, dass man sich tatsächlich keine andere Darstellerin in dieser Rolle vorstellen möchte. Das zeichnen eines entscheidenden Lebensabschnittes, in dem es die einzige, und deshalb beste Lösung ist, die Seite umzudrehen und weiterzublättern, erfolgt mit klassischer Intuition und beeindruckender Stärke. Romy Schneiders Spiel wirkt einfühlsam, umfassend und transparent. Mithilfe der männlichen Hauptdarsteller Claude Brasseur und Bruno Crémer entstehen die großen Reibungsflächen dieser einfachen Geschichte, da es sich um zwei Männer handelt, die schlussendlich für die Probleme von Marie verantwortlich sind, da sie keine Verantwortung übernehmen, oder weitreichende Verbindlichkeiten eingehen können. Die gezogenen Konsequenzen der Frau bleiben dabei weitgehend unbegreiflich, reagieren sie doch mit Unverständnis, Aggressivität, Selbstgefälligkeit, Angriff und Rückzug. Als Gleichgewicht zeigt sich das soziale Umfeld der Protagonistin wie eine versteckte Prognose, denn Freundschaft, Zusammenhalt, Vertrauen und Fürsorge gewinnen in Phasen der schwierigen Entscheidungen eine bedeutende Gewichtung. Der Titel "Eine einfache Geschichte" charakterisiert den Verlauf bis ins Detail und erneut sieht man einen großen französischen Beitrag, der nicht nur ehrlich und nüchtern bleibt, sondern ein Lebensgefühl in präzisen, häufig auch bewegenden Bildern aus dem Frühsommer des Jahres 1978 näher bringt. Besonders angenehm wirkt die Tatsache, dass Sautet sich unangebrachte Wertungen angesichts der beteiligten Personen und deren Verhaltensweisen oder über ihren Lebenswandel aufgespart hat und man somit einen Verlauf erlebt, der an keinen verfälschenden Maßnahmen interessiert ist. Es kann tatsächlich so einfach sein!


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