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 Betreff des Beitrags: THE BLACK ROOM - Rolfe Kanefsky
BeitragVerfasst: 07.07.2018 12:15 
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The Black Room
USA 2017 - Written & Directed by Rolfe Kanefsky
Starring: Natasha Henstridge, Lukas Hassel, Augie Duke, Lin Shaye, Dominique Swain, Caleb Scott, Tiffany Shepis...


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Monica (Tiffany Shepis) strahlt über das ganze Gesicht. Endlich ist die Immobilienmaklerin das Black-Anwesen, in dem vor zwei Jahren mysteriöse Dinge geschehen sind, losgeworden. Stolze neue Besitzer des ansehnlichen Hauses sind das Ehepaar Paul (Lukas Hassel) und Jennifer Hemdale (Natasha Henstridge), die es sich in ihrem neuen Heim gleich mal gemütlich machen. Das Gebäude ist zwar nicht in allerbestem Zustand, aber generell scheint alles in Ordnung zu sein. Unklar ist lediglich, was sich hinter der wuchtigen, versperrten Holztür im Keller verbirgt, für die sie keinen Schlüssel bekommen haben. Just als Jennifers Schwester Karen (Augie Duke) - ein Goth-Chick, das Paul nicht ausstehen kann - für einige Tage zu Besuch kommt, verändert sich Paul. Und diese Veränderung ist nicht schleichend, sondern schlagartig. Der Mann ist wie ausgewechselt und stößt mit seinem widerlich machohaften Verhalten Jennifer vor den Kopf. Selbst Karen ist vor seinen anzüglichen Bemerkungen und lüsternen Blicken nicht sicher. Des Nachts, als Jennifer seinem Drängen nach Sex eine Abfuhr erteilt, zeigt er schließlich sein wahres Gesicht.

Mit The Black Room ist Filmemacher Rolfe Kanefsky (There's Nothing Out There, The Hazing, Corpses, Nightmare Man, Adventures Into the Woods: A Sexy Musical...) ein kleiner, wilder Kracher im B-Format gelungen, der mit seiner lässigen Grundstimmung sowie einer Handvoll denkwürdiger Szenen die Konkurrenz ziemlich alt aussehen läßt. Der kurzweilige Streifen verquickt auf sehr bekömmliche und ziemlich smarte Weise Motive des Okkulthorrors, des Haunted-House-Grusels und des Dämonenschockers zu einem leckeren Gebräu, das runtergeht wie Öl. Spätestens beim bizarr-surrealen Finale, das glatt einem Cronenberg'schen Alptraum entsprungen sein könnte, sollten wohl selbst die hartnäckigsten Nörgler staunend verstummen. Natürlich erfindet auch Kanefsky das Rad nicht neu, aber er verpaßt ihm immerhin ein schickes, angenehm eigenwilliges Design, sodaß man ihm beim flotten, gut eineinhalbstündigen Rollen gerne zusieht. Nicht umsonst schrieb ein Kritiker der (seriösen) L.A. Times: "The practical make-up and gore effects combine with the wildness of the premise to create something imaginatively bizarre."

Klar gäbe es an The Black Room so manches zu bekritteln (wie z. B. die dürftig charakterisierten Figuren; die holprige Dramaturgie; diverse Logikpatzer; die Absenz von Spannung und einer packenden Inszenierung), aber wenn durch diese Defizite das stimmige Gesamtbild nicht wesentlich gestört wird und die positiven Aspekte die Schwachstellen mehr als nur wettmachen, dann lasse ich auch gerne mal die Kirche im Dorf. Und Positives gibt es über The Black Room so einiges zu berichten. Beginnen wir bei den gut aufgelegten Schauspielern, bei denen man das Gefühl hat, daß sie sich richtig in das Projekt reingehängt haben. Species-Babe Natasha Henstridge sieht auch mit 40+ noch umwerfend aus und hat zudem eine sehr sympathische Ausstrahlung, die es einfach macht, daß man sich mit ihrer Figur anfreundet. Lukas Hassel (In Montauk) spielt groß auf, sobald er seine diabolische Seite raushängen lassen darf, Augie Duke (Hell's Kitty) macht aus ihrer klischeehaften Figur das Beste, und auch Lin Shaye (A Nightmare on Elm Street), Dominique Swain (Face/Off) und Tiffany Shepis (Model Hunger) wissen in Nebenrollen zu überzeugen.

Wie in vielen Filmen seines Oeuvres mengt Autor und Regisseur Kanefskys dem Horrorszenario auch hier eine gesunde Dosis an Humor und Lockerheit bei, sodaß trotz allerlei perverser Spitzen ein leichter Ton und ein charmantes Fun-Feeling vorherrschen. Kanefskys Filme sollen Spaß machen, und in den meisten Fällen tun sie das auch. Da es in The Black Room um einen Incubus ("a demon of lust and desire") geht, ist es nicht verwunderlich, daß die Stimmung sexuell stark aufgeladen ist. Das führt zu einigen netten Szenen, die im Plot verankert sind und deshalb auch nicht selbstzweckhaft wirken. So beschert der Incubus einer Kellnerin einen Orgasmus, während sie gerade bedient. Und auch Jennifer bekommt seine Macht in der Badewanne und im Keller zu spüren; letzteres führt dazu, daß sie sich an der vibrierenden Waschmaschine befriedigt, welche sie zum Dank prompt vollspritzt! Eine ganz köstliche Sequenz, gleichermaßen heiß und witzig. Was der Incubus dann mit einem seiner Opfer anstellt (Stichwörter: Tentakel, Vergewaltigung, Durchbohrung) ist zwar weniger schön, dafür jedoch ein echt krasser WTF-Moment.

Womit wir bei den Spezialeffekten wären. An den handgemachten Make-Up-Kreationen (Gore-FX, Prosthetics, Masken) unter der Leitung von Vincent J. Guastini (Requiem for a Dream) gibt es kaum etwas auszusetzen. Die sind top-notch, wie man so schön sagt. Als eher durchwachsen entpuppen sich leider die gottlob sparsam eingesetzten visuellen und CGI-Effekte, welche einige Male doch etwas unangenehm ins Auge stechen. Savants schaurig-schöner Score wiederum begeistert ebenso wie Kyle Strykers famose Bildgestaltung, welcher man eine berauschende Qualität nicht absprechen kann. Und auch das clevere Spiel mit den Klischees, die manchmal bedient, manchmal aber auch unterlaufen werden, macht Spaß. Schlichtweg grandios ist das prächtige, phantasievoll gestaltete Set, das im großen Finale - wenn das Geheimnis des "schwarzen Zimmers" enthüllt wird - zu sehen ist. Es hat bestimmt nicht die Welt gekostet, sieht aber phänomenal aus und hält darüber hinaus die eine oder andere Überraschung bereit. Ein würdiger und sehr befriedigender Abschluß für ein rundum gelungenes, ungemein unterhaltsames B-Movie.

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