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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: KILLER TONGUE - Alberto Sciamma
PostPosted: 14.07.2018 12:29 
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La lengua asesina
(Killer Tongue / The Killer Tongue / Killer Queen)
Spanien/Großbritannien 1996 - Written & Directed by Alberto Sciamma
Starring: Melinda Clarke, Jason Durr, Mapi Galán, Mabel Karr, Robert Englund, Doug Bradley...


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Was haben Robert "Freddy Krueger" Englund, Doug "Pinhead" Bradley und Melinda Return of the Living Dead III Clarke gemeinsam? Sie alle sagten für ein in Spanien gedrehtes Vier-Millionen-Dollar-Projekt zu, welches vom Katalanen Alberto Sciamma spektakulär in den Sand gesetzt wurde. In den Filmographien der beliebten Schauspieler tummelt sich ja so manche Gurke, aber La lengua asesina muß man leider als ihrer aller Lowlight bezeichnen. Ich kann mich noch gut erinnern, als der Streifen hierzulande auf VHS-Video veröffentlicht wurde. Die Erwartungen waren groß, nicht zuletzt wegen Melinda (formerly known as Mindy) Clarke, die als sexy Zombie-Lady mit Hang zur masochistischen Selbstverstümmelung im oben erwähnten Horrorkracher auf allen Linien überzeugen konnte. Und Mann, was sahen die Promotion-Bilder für La lengua asesina in den einschlägigen Genrezeitschriften lecker aus! Melinda als heiße, schwarzhäutige Horrorbraut, wie aus einem Fetisch-Magazin für spezielle Gelüste der absonderlichen Art entsprungen. Es war einfach unvorstellbar, daß da etwas schiefgehen könnte.

Doch bereits nach wenigen Minuten stellte sich entsetzte Ernüchterung ein, als das Unvorstellbare traurige Realität wurde. La lengua asesina versagt auf nahezu allen Ebenen! Der Film hat viele Probleme, aber ausschlaggebend für das Fiasko sind vor allem die folgenden drei Hauptgründe. Erstens: Die penetranten Humoreinschübe sind nicht nur schmerzhaft unwitzig, sondern auch schlichtweg peinlich und nervend. Wenn süße kleine Pudel in hyperaktiv herumzappelnde Transvestiten verwandelt werden, dann ist das vieles, aber lustig ist es nicht. Zweitens bürstet Drehbuchautor und Regisseur Sciamma den Film dermaßen verkrampft Richtung Kult, daß man nur mitleidig den Kopf schütteln kann und mit Fremdschäm-Anfällen zu kämpfen hat. Kult kann man grundsätzlich nicht planen; Kult passiert (oder eben auch nicht). Und drittens zieht sich ein ungemein unsympathischer Vibe durchs gesamte Geschehen, welcher den (immer noch vorhandenen) Unterhaltungswert weiter dämpft. Ich liebe und schätze charmanten Trash, aber das hier Gebotene fällt nur selten in diese Kategorie.

Die Geschichte scheint auf den ersten Blick originell zu sein, ist aber in Wahrheit nur eine Variation einer bereits bekannten Thematik. Nach Absturz eines Meteoriten landet ein Splitter in der Suppe von Candy (Melinda Clarke), an welcher sie gerade löffelt. Kaum hat sie das Stück in ihrem Mund, nimmt eine bizarre Verwandlung ihren Lauf. Zwar ändert sich Candy auch äußerlich, aber die größte Metamorphose betrifft ihre Zunge. Ihr Leck- und Schmecklappen entwickelt nämlich ein groteskes Eigenleben und wird länger. Viel länger. Und wir reden hier nicht mehr von einer Zunge, mit der man sich das Näschen sauberlecken kann, nein. Es ist eine Zunge, mit der Candy ihre Lustgrotte verwöhnen kann, so sie denn möchte (und ja, sie möchte!), oder sich die Zehen befeuchten kann. Außerdem will das Ding gefüttert werden und beginnt schließlich sogar zu quatschen. Candy hat ihre liebe Not, mit der neuen Situation umzugehen, zumal sämtliche Versuche, der "besessenen" Zunge zu zeigen, wer die Frau im Haus ist, grandios scheitern. Egal ob mit Messer, Bügeleisen oder Toaster, dem fiesen Ding ist nicht beizukommen.

Candys Kämpfe mit ihrer aufmüpfigen Zunge zählen zu den wenigen Höhepunkten des Streifens. Nicht nur, weil sie einfallsreich und launig umgesetzt sind (so schlingt sich die Zunge z. B. mehrmals um einen Querbalken, woraufhin die arme Frau hilflos in der Luft baumelt), sondern auch, weil die Old-School-Effekte der einzige Aspekt von La lengua asesina sind, den ich als charmant und sympathisch bezeichnen kann. Wobei die Qualität der Spezialeffekte stark differiert. Die Zunge-durch-den-Kopf-Szene etwa ist ganz okay, die Umsetzung der explodierenden Menschen läßt hingegen einiges zu wünschen übrig. Wie bereits angedeutet, klaut Sciamma diverse Elemente mehr oder weniger geschickt bei einigen echten (Kult-)Klassikern. Den unliebsamen Gast im eigenen Körper, mit dem man sich herumschlagen muß, kennt man unter anderem aus Frank Henenlotters Brain Damage (Elmer, 1988) und Alain Robaks Baby Blood (1990), während es der gute Ash bereits in Evil Dead II (Tanz der Teufel II - Jetzt wird noch mehr getanzt, 1987) mit einem eigenwilligen, rebellierenden Körperteil zu tun bekam.

Den irren Grundplot um die fiese Killerzunge - deren große Schwester übrigens schon in Ching Siu-Tungs A Chinese Ghost Story (1987) ihr Wesen trieb - kleisterte Sciamma dann noch mit einem unangenehm kruden Humor zu (hey, bei Álex de la Iglesias Acción Mutante (Aktion Mutante, 1993) hat es ja auch geklappt!), was einem den Filmgenuß derart vergällt, daß selbst Frau Clarke in ihrem hautengen Latex-Bodysuit nichts mehr retten kann. Immerhin zieht sie sich noch erhobenen Hauptes aus der Affäre, ganz im Gegensatz zu Robert Englund, der sich mit seinem offensiven Overacting und seinem bescheuerten Toupet völlig zum Affen macht. Und je weniger Worte man über seine furchtbar nervende, aus dem Klischeehandbuch für sadistische Gefängniswärter entsprungene Figur verliert, desto besser. Doug Bradley darf sich als Gefangener Wig Hoffnung machen, daß ihn in all dem Tohuwabohu niemand erkennt, und auch auf Jonathan Rhys Meyers (Match Point) wurde ich erst aufmerksam, als ich seinen Namen in den Credits las. Nein, das war leider nichts. Trashig-alberner Wannabe-Kult zum Abgewöhnen.

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