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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: A WOMAN’S TORMENT - Roberta Findlay
PostPosted: 26.07.2018 17:23 
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A WOMAN’S TORMENT
USA 1977
Regie: Roberta Findlay als „Robert W. Norman“
Darsteller:
Tara Chung,
Crystal Sync,
Jennifer Jordan,
Jake Teague,
Michael Gaunt

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Karen (Tara Chung) wohnt vorübergehend bei ihrer Schwester und deren Mann, beide der „besseren“ Gesellschaft zugehörig. Das Paar merkt schnell, dass mit Karens geistigem Zustand etwas nicht stimmt; denn sie kapselt sich von den anderen ab, selbst auf einer Party sitzt sie alleine in ihrem Zimmer in einem Schaukelstuhl – dies rückseitig zum Zuschauer. Als Karen mitbekommt, dass ihre Schwester sie in die Hände eines bekannten Psychiaters übergeben will, reist sie still und leise ab und findet in einem Strandhaus Unterschlupf – nun nimmt ihre Paranoia stetig extremere Züge an und dies mit blutigen Folgen…

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Ich mag grundsätzlich die Werke von Roberta Findlay – und natürlich auch die, die sie zusammen mit ihrem Mann gedreht hat; und gerade in A WOMAN’S TORMENT wird deutlich, was die Qualität ihres Schaffens ist, nämlich: mit nur sehr, sehr wenigen Geldmitteln eine bedrohlich unheimliche Stimmung zu erzeugen – und hier quasi eine Neuinterpretation von Polanskis EKEL zu inszenieren, die Polanski sicherlich selbst gefallen haben dürfte. Wie diese Neufassung dann allerdings im damaligen Pornokino angekommen ist, vermag ich nicht zu sagen, aber auf eine sexuell stimulierende Zuschauerwirkung wird hier nur selten abgezielt. Der Fetisch „Frau“ gelingt in den Sexszenen kaum. Oftmals wird seitens der Protagonistinnen ein spöttischer Kommentar zu den Liebeskünsten der beteiligten Partner abgeliefert (sinngemäß: „du machst keine Liebe mit mir, du masturbierst nur in mir“). Ich will an dieser Stelle nicht von einer feministischen Revision sprechen (nichts würde Roberta Findlay fernerliegen, als sich in solche ideologische Schubladen sperren zu lassen), aber es ist schon auffällig, wie die Blickführung inszeniert ist: durch die zahlreichen Augen-„close-ups“ Karens – diese Augennahaufnahmen haben schon Fulci-und-„Italo-Western“-Qualität – werden zumeist die Männer in ihrer Nacktheit angeschaut, so dass sich die männliche Machtstruktur über den Blick auf die „Frau“ mehr und mehr in den Sexszenen verliert. Dabei gibt es zwei Phasen im szenischen Handlungskonzept: einmal ist Karen das unschuldige Mädchen, welches von den Männern „genommen wird“ – danach bricht Karens Trauma auf und sie wird zur tödlichen Bedrohung für die Männerwelt. Man könnte es mit de Palmas SISTERS vergleichen, wo es die an die Männerwelt angepasst Schwester gibt – und jene, die sich diesen Normen widersetzt. Dies heißt: Statt Pornotopia ist mit A WOMAN’S TORMENT ein dunkler Alptraum gelungen, der mehr psychologischer Slasher-Film wäre, als dass die klinischen Mechanismen des Pornofilms bedient werden…

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(Bildquelle: vinegarsyndrome.com)


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 Post subject: Re: A WOMAN’S TORMENT - Roberta Findlay
PostPosted: 27.07.2018 00:45 
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 Post subject: Re: A WOMAN’S TORMENT - Roberta Findlay
PostPosted: 28.07.2018 11:53 
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Tolles Review, Howard! :jc_you_rock: Eigentlich sollte da irgendwo noch ein Text von mir herumschwirren, aber der ist ums Verrecken nicht mehr zu finden. Scheint wohl verschollen zu sein. :?

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 Post subject: Re: A WOMAN’S TORMENT - Roberta Findlay
PostPosted: 28.07.2018 13:30 
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Randolph Carter wrote:
Tolles Review, Howard! :jc_you_rock: Eigentlich sollte da irgendwo noch ein Text von mir herumschwirren, aber der ist ums Verrecken nicht mehr zu finden. Scheint wohl verschollen zu sein. :?


Danke für Dein Lob, Randolph - Deinen Text, den ich gerne lesen würde, habe ich tatsächlich nicht gefunden; vielleicht kannst Du ihn, solltest Du ihn noch haben, an dieser Stelle noch einmal veröffentlichen?... und solltest Du sie (noch) nicht haben: die Vinegar-Combo-Veröffentlichung des Films ist hervorragend geworden, mit Findlay-Interview nach einer (fast leeren) Kinovorführung von A WOMAN'S TORMENT...


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 Post subject: Re: A WOMAN’S TORMENT - Roberta Findlay
PostPosted: 28.07.2018 16:31 
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Eine sehr interessante und informative Filmvorstellung von Howard Vernon. Das habe ich gleich mal zum Anlaß genommen, die Vinegar-Combo zu bestellen. Ich gehe mal davon aus, dass die Codefree-Angabe bei Amazon richtig ist. - Ich hatte den zwar schon seit Jahren als VHS-Rip auf der Festplatte, aber wegen der schlechten Qualität nie gesehen.

Neben Roberta Findlay hat sich ja auch Pornofilmer Chuck Vincent ins Horrorfach eingebracht mit inhaltlich ähnlichen Titeln wie Bad Blood (Blutige Liebe),
Voices of Desire (Heißer Reiz der Sinnlichkeit) und Deranged. Im Gegensatz zu dem Findlay-Film sind diese auch alle bei uns zu sehen gewesen.
Ich bin gespannt.


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 Post subject: Re: A WOMAN’S TORMENT - Roberta Findlay
PostPosted: 29.07.2018 11:26 
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Hab ihn mal ausgegraben...

A Woman's Torment
USA 1977 - Written & Directed by Roberta Findlay

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Auch wenn sie dem gerne widerspricht: Roberta Findlay ist eine lebende Grindhouse-Legende. Zusammen mit ihrem Mann Michael schrieb sie Exploitationfilmgeschichte (Body of a Female, Satan's Bed, die "Flesh-Trilogie", und Slaughter, aus dem bekanntlich Snuff wurde), und auch nach der Trennung von ihm arbeitete sie munter weiter (Raw Footage, Glitter, Tenement, The Oracle), bevor sie sich Ende der 1980er-Jahre aus dem Geschäft zurückzog. Sie beschränkte sich dabei nicht nur aufs Inszenieren, sondern schrieb (oft) auch Drehbücher, produzierte, bediente die Kamera (ihre Lieblingsbeschäftigung), besorgte den Schnitt, schrieb den Score, und agierte hin und wieder sogar vor der Kamera.

A Woman's Torment entstand im selben Jahr, in dem Michael auf dem Dach des Pan Am Gebäudes in New York von den Rotorblättern eines Hubschraubers getötet wurde. Ob der Film vor oder nach dem Unglück gedreht wurde, ist mir nicht bekannt, aber er paßt irgendwie zu diesem schrecklichen Ereignis, denn A Woman's Torment ist kein schöner Film. Im Mittelpunkt des ungemütlichen Geschehens steht Karen (Tara Chung), eine junge Frau mit Problemen. Gewaltigen Problemen. Sie lebt im Haus ihrer Schwester Frances Compton (Crystal Sync), sitzt am liebsten gedankenverloren im Schaukelstuhl und spricht kaum ein Wort. Als sie Frances mit ihrem Mann Don (Jeffrey Hurst) darüber diskutieren hört, ob es nicht besser wäre, sie in eine Anstalt einweisen zu lassen, packt sie spontan ihren Koffer und zieht sich in den alten, einsam gelegenen Sommerwohnsitz am Strand zurück. Doch die dringend benötigte Ruhe will sich nicht einstellen; ständig wird sie von unerwarteten Besuchern gestört (ein redseliger Elektriker, eine nervtötende Nachbarin, ein Pärchen, welches das Haus als Liebesnest benutzt), woraufhin Karen mehr und mehr in den Wahnsinn abdriftet, was sich auf jeden, der ihren Weg kreuzt, eher ungünstig auswirkt.

Daß A Woman's Torment kein Porno ist, der sich als Wichsvorlage eignet, wird schon zu Beginn klar, als Estelle (Jennifer Jordan) und Otis (Jake Teague), ein befreundetes Ehepaar der Comptons, im Bett Sex haben. Otis, von Beruf Psychiater, rackert mechanisch seinem Höhepunkt entgegen, während Estelle unbefriedigt zurückbleibt und ihrem Ärger freien Lauf läßt: "Bastard! You just masturbated inside of me!" Der Göttergatte nimmt's gelassen und tröstet seine weinende Frau mit den Worten: "It's not the end of the world. We'll talk about it later." Psychiater! Hätte er mal lieber Karen geholfen, aber bei ihr versagt er völlig. Was genau mit Karen passiert ist, bleibt offen, wird bestenfalls angedeutet. Vermutlich wurde sie mißbraucht, weshalb ihr Verhältnis zum Sex gespalten ist. Und da kommt es schon mal vor, daß sie beim Vögeln zum Messer greift. Roberta Findlay gelingt es, das Leiden der gestörten Frau für den Zuschauer greifbar zu machen. Man fühlt ein wenig mit, mit dieser gequälten Seele, hat Mitleid mit ihr und hofft, daß sie imstande ist, die Abzweigung zu einer glücklicheren Zukunft zu finden, wohl wissend, daß sie diese signifikante Abzweigung schon vor langer Zeit verpaßt hat und daß die Sache kein gutes Ende nehmen wird. Alles andere wäre auch inkonsequent.

Die letzten Szenen des Filmes sind dann auch so verdammt stark, daß man förmlich einen Kloß im Hals verspürt. Der Ton des Streifens ist rauh, humorlos, düster und trostlos, verstärkt vom sporadisch eingesetzten Score, der die depressive Stimmung noch verstärkt (schwere Geigen lamentieren da Karens Schicksal, und ein Stück erinnert ein klein wenig an Michael Holms Hauptthema aus Hexen bis aufs Blut gequält). Findlay arbeitet exzessiv mit Close-Ups (vor allem die Nahaufnahmen von Tara Chungs wilden Augen sorgen stets für Unbehagen) und Gegenschnitten. Immer wieder kontrastiert sie schöne Momente (ein Pärchen beim Sex, eine ausgelassene Party) mit unangenehmen bzw. bedrohlichen Ereignissen (Karen beim verzweifelten Masturbieren, das Entsorgen einer Leiche). Die expliziten Sexszenen sind gut in die Handlung integriert und wirken deshalb auch kaum selbstzweckhaft. Robert H. Rimmer attestiert A Woman's Torment in seinem The X-Rated Videotape Guide (Prometheus Books, 1993) auf den Seiten 445 und 446, daß er von einem "skilled filmmaker who knows how to tell a realistic horror story with sex as an integral part" gemacht wurde. Und recht hat er. A Woman's Torment ist ein erstaunlich effektives Stück Sexploitation, das noch einige Zeit im Bewußtsein nachhallt. Wie gesagt: kein schöner Film. Aber ein guter.

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 Post subject: Re: A WOMAN’S TORMENT - Roberta Findlay
PostPosted: 29.07.2018 13:35 
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@Randolph

Danke für Deinen großartigen Text; Du hast die Grundstimmung des Films also ähnlich depressiv dunkel wie ich wahrgenommen...

was jetzt das Schaffen der Findlays betrifft, da finde ich, dass deren "The Kiss of Her Flesh" wirklich das Bizarrste darstellt, was so im "Grindhouse-Kino" (oder an anderen Orten) jemals gelaufen sein dürfte; wer könnte die Eröffnungsszene mit dem Hummer vergessen - oder das Finale mit dem Gewehr; Roberta Findlay hatte dann ja eher aus marktspezifischen Gründen angefangen, pornographische Filme zu drehen - und das sieht man A WOMAN'S TORMENT wirklich an; im Vinegar-Interview bescheinigt sie dann auch, dass sie eigentlich überhaupt nicht gewusst habe, wie so eine Sexszene zu drehen sei, sie habe halt immer die beste Kameraeinstellung gesucht...




@Ragory

auf dem Rückcover der Combo ist vermerkt, dass die BD / DVD "A, B, C"-Code habe; also viel Spaß mit dem Film in einer klasse Bildqualität (als Bonus ist zudem auch die R-Rating-Fassung enthalten)...


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