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 Betreff des Beitrags: DIE TÖDLICHE FALLE - Joseph Losey
BeitragVerfasst: 06.08.2018 20:10 
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BEWERTET: "Die tödliche Falle" (Original: Blind Date) (Großbritannien 1959)
mit: Hardy Krüger, Micheline Presle, Stanley Baker, Gordon Jackson, John van Eyssen, Robert Flemyng, Jack MacGowran, Redmond Phillips, Lee Montague, George Roubicek u.a. | Drehbuch: Ben Barzman, Millard Lampell nach dem Roman von Leigh Howard | Regie: Joseph Losey

Der deutsche Kunstmaler Jan van Rooyen lebt seit einem halben Jahr in London. Um seine Finanzen aufzubessern, hilft er in einer Gemäldegalerie aus, wo er die Französin Jacqueline Clouzot kennenlernt. Eines Nachmittags bittet sie ihn zu einem Treffen in ihre neue Wohnung. Jan wartet jedoch umsonst und erhält kurz darauf Besuch von der Polizei, die eine Leiche im Nebenzimmer entdeckt - die Frau wurde mit einem Kissen erstickt....

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Hardy Krüger (* 1927) und Micheline Presle (* 1922) sind das ungleiche Paar dieser Produktion, die in den Londoner Beaconsfield Studios gedreht wurde. Ihre Beziehung dominiert den Kriminalfall, der als psychologisches Puzzle inszeniert wurde und in Rückblenden aufgerollt wird. Leichtfüßig und aufgekratzt demonstriert Jan van Rooyen seine helle Freude über das Rendezvous mit der eleganten Jacqueline, deren Einladung für ihn eine Anerkennung ihrer Beziehung bedeutet. Mit dem Eintreffen der Kriminalpolizei am Ort seiner hoffnungsvollen Erwartung zerplatzen seine romantischen Träume wie eine Seifenblase und zwingen ihn, die von Anfang an belastete Freundschaft vor dem Inspektor offenzulegen. Wer war Jacqueline? Hat sie nur mit ihm gespielt? Und wer hat ihn in die Falle gelockt? Jan transportiert in seinen Schilderungen ein großes Gefühl, das Bedingungslosigkeit und Starrsinn verrät, zugleich aber auch beeindruckend ehrlich und anrührend ist. Die Routinearbeit der Polizei zeigt in feinen Nuancen die Hierarchie unter den Beamten und weist auf eine bedeutende Persönlichkeit hin, deren Ansehen unter allen Umständen gewahrt werden muss. Tradition und Ehrgefühl treffen auf Impulsivität und Gerechtigkeitsempfinden und zeigen ganz nebenbei kulturelle Unterschiede zwischen dem Deutschen und den Briten auf. Die Französin steht dabei für die Attribute Geheimnis und Unnahbarkeit. Die Spannungen, die sich aus der unterschiedlichen Weise der Kommunikation ergeben, sorgen für Komplikationen, Missverständnisse und Krisen, deren Schwere gravierende Folgen für die Beteiligten haben.

Trotz des minimalen Altersunterschieds zwischen den beiden Hauptdarstellern wirkt Presle viel reifer und gesetzter als Krüger, der von seiner Jungenhaftigkeit profitiert. Die französische Darstellerin erinnert an Lilli Palmer, deren Ernsthaftigkeit und Eleganz die Tragik der Umstände stets betonen. Wenn Jan ihr vorwirft, niemals ihre Selbstkontrolle und Beherrschung zu verlieren, erinnert Jacqueline an Evelyn Jarrold aus "Eine Frau von vierzig Jahren" von Vita Sackville-West (1932): "Abendgarderobe war eine feste Formel, eine Schutzvorrichtung, so wie gute Manieren; es war ein Teil von all dem, was die Räder des Lebens ölte." Man ist sich nie ganz sicher, welche Beweggründe die Frau verfolgt, als sie den Maler bittet, ihm bei seiner Arbeit zusehen zu dürfen und ihm dann doch unentwegt Fragen stellt, statt die stille Beobachterin zu geben. Wir sehen sie immer nur in Jans Welt und niemals in ihrem eigenen Umfeld, was sie fast unwirklich scheinen lässt. Es ist fast, als hätte der Maler sie selbst erschaffen und müsste dieses Traumbild nun vor der Realität beweisen. Dennoch ist der Sachverhalt weitaus verwickelter und obwohl wir alles durch die Augen des Mannes sehen, ist es doch ein weiblicher Plan, nach dem alles abläuft; eine weibliche List, die jene Reaktionen auslöst, die von Beginn an gewünscht waren. Die Intensität von Jans Gefühlswelt verdrängt das kühl geplante Mordkomplott und straft gleichzeitig jene Lügen, die unterstellen, dass die Liebe für Frauen weitaus wichtiger sei als für Männer. Die Anhänglichkeit Krügers und die Weitsicht Presles ergeben ein Rätsel, das im Finale nach vielen Spekulationen die tatsächlichen Hintergründe darlegt und den romantischen Bann bricht.

Das gegensätzliche Paar Hardy Krüger und Micheline Presle weiß durch die Betonung der Wesensunterschiede der Charaktere zu überzeugen, sodass der Mord zu einem Ringen um die richtige Lebenseinstellung zu werden scheint. Stanley Baker als Inspektor Morgan sorgt für den nötigen Ausgleich und erweist sich als Vermittler zwischen der offiziell gewünschten und der tatsächlichen Wahrheit. Stimmungsvolle London-Aufnahmen runden den Kriminalfilm angenehm ab. 4,5 von 5 Punkten


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