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 Betreff des Beitrags: DIE SAAT DER ANGST - Eugenio Martín
BeitragVerfasst: 08.08.2018 20:37 
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Aurora Bautista   Judy Geeson   in

DIE SAAT DER ANGST

● UNA VELA PARA EL DIABLO / DIE SAAT DER ANGST / SAAT DER ANGST (E|1973)
mit Esperanza Roy, Víctor Alcázar, Lone Fleming, Blanca Estrada, Charley Piñeiro, Loreta Tovar, u.a.
eine Produktion der Vega Films | Mercofilms | Azor Films
ein Film von Eugenio Martín


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»Sie ist wirklich nichts weiter als eine Sünderin!«

Ein malerischer Ort in Spanien lockt immer mehr Touristen an und obwohl die Schwestern Marta (Aurora Bautista) und Verónica (Esperanza Roy) immer mehr Zulauf in ihrer kleinen Pension bekommen, macht sich vor allem bei der streng religiösen Marta Unmut breit. In ihren Augen bringen die jungen weiblichen Gäste aufgrund ihrer Freizügigkeit Unmoral und Schamlosigkeit in den eigentlich verschlafenen Ort, und dieser Gedanke nimmt bei der Wirtin immer unerträglichere Züge an, bis es eines Tages zur Katastrophe kommt. Nach einem Streit tötet sie einen Gast namens May (Loreta Tovar) im Affekt und lässt die Leiche zusammen mit ihrer Schwester in einem Weinfass verschwinden. Als plötzlich Laura (Judy Geeson), die Schwester der Toten, in der Pension auftaucht und unbequeme Fragen stellt, muss Marta aus der Bedrängnis heraus andere Maßnahmen ergreifen...

»Das ist doch hier kein Freudenhaus!« Erbost schreit Marta ihren weiblichen, besonders hübschen, aber vor allem nackten Pensionsgast an, der sich auf dem Dach des Hauses zum Sonnenbaden positioniert hat. Was die junge Frau als selbstverständlich ansieht, wird für die konservative und unangenehm jovial wirkende Marta zu einem vorgehaltenen Spiegel, der die schönen Verlockungen des Lebens und Freude aufweist, die sie sich offenbar stets versagt hat. In ihrer Rage provoziert sie einen tragischen Unfall mit tödlichem Ausgang, doch bereits ab diesem Zeitpunkt läuft alles anders, als man es sich als Zuschauer vielleicht vorstellt. Polizei? Nein. Reue? Keineswegs. Hysterie? Bestimmt nicht. Eher wird bereits in diesem frühen Stadium der Inszenierung eine fatale Kettenreaktion ausgelöst, die noch mehrere Opfer fordern wird, da alles unter dem Deckmantel des vorgeschobenen Glaubens geschieht. Die Geschichte konzentriert sich hauptsächlich auf die Hauptfigur Marta und deren jüngere Schwester Verónica, die durch Selbstaufgabe in Form von unverständlicher Loyalität auffällt, aber auch ganz offensichtlich von einer tiefen Angst im Würgegriff gehalten wird, die jeden Tag aufs Neue wach gehalten wird. Die Geschichte legt von vorne herein ein straffes Tempo vor und Regisseur Eugenio Martín macht insgesamt überhaupt kein Geheimnis daraus, wohin seine beunruhigende Reise gehen soll, was sich bei jeder Peak-Szene als brillanter Griff herausstellen wird und die Spannung daraus entsteht, dass man manchmal nicht glauben will, wie gewisse Personen reagieren oder was sie tun. Eigenartigerweise fiebert man mit allen Protagonisten mit, sowohl den negativ behafteten, als auch den positiv dargestellten, weil man eben mitleidig anerkennt, dass eigentlich niemand dieses Schicksal verdient hat.

Die Hauptrollen sind mit sehr ungleich anmutenden Damen besetzt. Aurora Bautistas Darbietung stellt in diesem Verlauf quasi die Spitze des Eisberges dar, oder die Wurzel allen Übels, aber gleichermaßen diejenige Person, mit der man eigentlich am meisten Mitleid haben könnte, weil ihr Dasein am meisten verpfuscht ist. Jusy Geeson wirkt im Vergleich zu anderen freizügig posierenden Frauen des Szenarios beinahe schon konservativ, dennoch stellt sie die Verlockungen einer fremden Welt dar, die in der spanischen Provinz noch lange nicht auf dem Radius waren. Die moderne und gleichzeitig selbstbewusst agierende Laura wäre vielleicht nicht der ganz große Dorn im Auge von Marta, wenn sie nicht die existenzielle Gefahr für sie darstellen würde, immerhin sucht sie nach ihrer verschwundenen Schwester und stellt überall unbequeme Fragen. Zwischen den Fronten findet man Verónica wieder, die hin- und hergerissen wirkt und dem Empfinden nach ständig versucht, sich für beide Seiten entscheiden zu wollen, oder eigentlich am liebsten gleich für gar keine. Gespielt von der immer beeindruckenden Esperanza Roy, entstehen interessante Facetten aus dieser Pufferfunktion und man hat es im Gefühl, dass sie für den Verlauf das Zünglein an der Waage werden könnte. Das Hauptaugenmerk liegt und bleibt allerdings auf Marta gerichtet, die zwischen religiösem Wahn und unbeholfenen Befreiungsaktionen pendelt. Eine ganz besondere Szene entsteht in diesem Zusammenhang beispielsweise an einem See, als Marta junge Männer beim Baden beobachtet und sich anschließend durch scharfkantige Weiden am Ufer quält, die ihr überall Verletzungen zuführen. Diese Einstellungen schildern eine Art Selbstgeißelung und Masturbation in einem, verdeutlichen das wohl tägliche Dilemma, in dem die ältere der Schwestern gefangen ist.

Viele großartige Szenen geben sich in "Die Saat der Angst" buchstäblich die Klinke in die Hand und es ist sowohl beachtlich, als auch gleichermaßen wohltuend, dass die religiöse Thematik lediglich zwischen den Zeilen bestehen bleibt und aufgrund der eher diskreten Abhandlung nicht zum universellen Hemmschuh wird. Auch reißerische Elemente stellen mitunter die Würze dar, die Eugenio Martíns Film besonders macht. In Verbindung mit regelrechten musikalischen Wechselbädern, ruhigen und aufwühlenden Sequenzen, immer neuem Nachschub in Form anreisender weiblicher Gäste, gelungenen Schockmomenten und der Integration von kurzen Atempausen, entsteht ein rundum gelungener Eindruck, der vor allem die großartige Atmosphäre offenbart. Die starke Konzentration auf die Hauptpersonen erzielt aufgrund ihres stichhaltigen Schauspiels eine eindrucksvolle Wirkung. So gipfelt der ohnehin schon spannungsgeladene Verlauf in einem atemberaubenden Finale, welches abrupt endet und schlussendlich sogar etwas nachdenklich zurücklässt. "Die Saat der Angst" findet insgesamt einen sehr guten Mittelweg zwischen Unterhaltung und Anspruch, mit Eugenio Martíns nahezu ökonomischer Herangehensweise werden trotz des eigentlich einseitigen Themas Längen vermieden und der Unterhaltungswert steht ohnehin an oberster Stelle. Interessant ist, dass es unterm Strich kaum zu groß angelegten Wertungen kommt und dass die nähere Betrachtung der negativ belasteten Charaktere sogar das Potential preisgibt, Anflüge von Sympathien wahrzunehmen, was allerdings in der Regel wieder mit einem Hackebeil korrigiert wird. Insgesamt handelt es sich auch nicht nur um einen Film der Erstansicht, da die Faszination auch beim mehrmaligen Anschauen bestehen bleibt. Es bleibt ein schwer unterhaltsamer Beitrag, in dem mehrere Genre-Facetten miteinander funktionieren. Top!


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