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 Betreff des Beitrags: ICH, DR. FU MAN CHU - Don Sharp
BeitragVerfasst: 09.08.2018 22:05 
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● ICH, DR. FU MAN CHU / THE FACE OF FU MANCHU (D|GB|1965)
mit Christopher Lee, Tsai Chin, Nigel Green, Joachim Fuchsberger, Karin Dor, Howard Marion Crawford,
James Robertson Justice, Peter Mosbacher, Francesca Tu, Harry Brogan, Archie O'Sullivan und Walter Rilla
eine Constantin Film Produktion | Hallam Productions Ltd. | im Constantin Filmverleih
ein Film von Don Sharp


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»Eifersucht und Neid. Das wird uns einen großen Schritt weiter bringen...«


Den asiatischen Superverbrecher Dr. Fu Man Chu (Christopher Lee) treibt nur ein Gedanke an. Er will die Weltherrschaft übernehmen und ist zu jedem Mittel bereit, sei es noch so drastisch. Ob mit Mord, Folter, Erpressung, Hypnose oder demonstrativer Härte, sein willenloses Gefolge steht hinter ihm, genau wie seine Tochter Lin Tang (Tsai Chin). Um ein Massenvernichtungsmittel entwickeln zu können, benötigt er die Hilfe von Professor Merten (Walter Rilla), der sich zunächst weigert mit ihm zusammen zu arbeiten. Als aber seine Tochter Maria (Karin Dor) entführt und als Druckmittel benutzt wird, beugt er sich dem Willen des Schurken. Dr. Fu Man Chus Erzfeind Nayland Smith (Nigel Green) und der Assistent des Professors, Karl Janssen (Joachim Fuchsberger), nehmen die Verfolgung auf und stellen sich der tödlichen Gefahr. Doch in der Zwischenzeit wird ein Exempel statuiert, indem alle Einwohner einer Stadt mit dem neu entwickelten Gift ausgerottet werden. Ist die Weltherrschaft bereits in greifbarer Nähe, und wie weit wird der besessene und rücksichtslose Fu Man Chu noch gehen...?

Mit "Ich, Dr. Fu Man Chu" setzte Regisseur Don Sharp einen stilvollen Grundstein für die fünfteilige Reihe und inszenierte gekonnt einen Beitrag, bei dem man von internationalem Flair sprechen kann. Für die Titelfigur stand mit Christopher Lee eine Idealbesetzung zur Verfügung, die dem boshaften Oberschurken ein unverwechselbares Gesicht und die nötige Präsenz gibt. Bereits der Einstieg vermittelt eine bemerkenswerte Atmosphäre, als man die vermeintliche Hinrichtung des Doktors miterleben kann und frühe Rätsel über den weiteren Verlauf aufgegeben werden. Punkten kann der Start in die Reihe außerdem wegen der überzeugenden Kulissen; das unterirdische Versteck verbreitet beispielsweise einen angenehmen Grusel, die Festung und die Außenaufnahmen wirken sehr authentisch und sorgen für einen gelungenen Start, der nicht nur neugierig auf weitere perfide Machenschaften des Dr. Fu Man Chu macht, sondern einen auch diesen Fall aufmerksam verfolgen lässt. Zur Entstehungszeit waren derartige Formate en vogue, dem Superverbrecher Dr. Mabuse war mit dem Ende der sechsteiligen Reihe gerade das Handwerk gelegt worden, sodass man beinahe meinen könnte, die Produzenten wollten die Zuschauer nicht ohne einen derartigen Verbrecher zurücklassen. Action und Tempo sind dem Empfinden nach zwar an das Zeitfenster angepasst, allerdings zeigt Don Sharp nette Kostproben aus dem Kabinett der kleinen Brutalitäten, die hier selbstverständlich über den größenwahnsinnigen Doktor und seine devote Tochter gesetzt werden. Die Besetzung ist mit einer erlesenen Auswahl aus deutschen und internationalen Stars recht spektakulär ausgefallen.

Christopher Lee verleiht der Titelfigur sein weltbekanntes Gesicht und er wirkt alleine durch seine Erscheinung schon überaus glaubhaft. Dr. Fu Man Chu ist von Grund auf bösartig und unberechenbar. Wer sich seinem Willen nicht freiwillig beugt, wird mit außerordentlichen Mitteln dazu gezwungen. Er strahlt Dominanz und Stärke aus, seine unerbittliche Härte pflastert seinen Weg mit unzähligen Leichen. Wenn jemand prädestiniert für diese Rolle war, dann bestimmt Christopher Lee. Sein Gegenspieler und Erzfeind Nayland Smith wird von dem in Südafrika geborenen Briten Nigel Green sehr einprägsam interpretiert. Ihm ist buchstäblich anzusehen, dass er nicht eher ruhen wird, bis der rücksichtslose Superverbrecher zur Strecke gebracht ist. Dabei agiert er meistens sehr sachlich und überlegt und es kommt kein Zweifel bezüglich seiner Kompetenz auf. Mit dieser Art verweist er sogar Joachim Fuchsberger in die zweite Reihe, der zwar in gewohnt überzeugender Manier zu gefallen weiß, aber dem augenscheinlich die Mittel gegen ein Kaliber wie Fu Man Chu fehlen - aber schließlich ist er ja auch Naturwissenschaftler. Man hat oftmals den Eindruck, dass Smith ihm permanent suggeriert, dass er derjenige sei, der bereits einschlägige Erfahrung mit dem teuflischen Verbrecher hat und man sich besser auf seine Arbeit verlassen sollte. Insgesamt werden sie sich aber durchaus noch ergänzen können, denn alleine scheint niemand den Hauch einer Chance gegen Fu Man Chu und sein Netzwerk zu haben. Howard Marion Crawford gefällt als sympathischer Ermittlungshelfer und James Robertson Justice spielt ebenfalls eine Paraderolle als knurriger Zeitgenosse. Walter Rilla als Professor Merten vermittelt Kompetenz und eine weltmännische Erscheinung, außerdem überzeugt er nicht nur als Wissenschaftler, sondern auch als besorgter Vater.

Seine Tochter Maria bekommt von der schönen Karin Dor, die hier leider etwas zu unscheinbar wirkt, überzeugende Facetten mit auf den Weg. Bestaunenswert sind wieder einmal ihre dargebotenen Gefühlszustände bei Erpressung, Bedrohung und Abschreckung durch Mord. Dass man mit ihr und Joachim Fuchsberger ebenfalls eine Traumbesetzung des deutschen Marktes zur Verfügung hatte, gibt der Geschichte einen angenehmen, verlässlichen und letztlich überzeugenden Schliff. Des Weiteren muss natürlich Tsai Chin Erwähnung finden. Die 1936 in Shanghai geborene Schauspielerin, die auch heute noch als Darstellerin und Schriftstellerin aktiv ist, leiht ihr zerbrechlich wirkendes, wenn auch boshaftes Gesicht der Tochter des Doktors. Lin Tang wirkt beinahe noch beängstigender und rücksichtsloser als ihr großes Vorbild. Da auch sie im Grunde genommen nur eine Untergebene ist, wenn auch mit gewissen Privilegien, kann sie sich nicht nach Herzenslust austoben. Ihre sadistische Ader kommt stellenweise zum Vorschein, beispielsweise als sie ihren Vater bittet, eine Verräterin zu Tode foltern zu dürfen. Sie schwingt die Peitsche und man sieht eine eigenartige perverse Lust in ihren Augen. Ansonsten wirkt sie als rechte Hand des Doktors durchweg überzeugend. Die zierliche Person hat etwas Bedingungsloses in ihrem Wesen und ihr Porzellangesicht birgt eine steinerne Miene. Sie wirkt wie eine angriffslustige, hochgiftige Kobra die nur darauf wartet, ihre Opfer genüsslich und qualvoll zu töten. Diese Tsai Chin hätte durchaus eine eigene Fu-Man-Chu-Reihe verdient gehabt, durch ihre eiskalte Präsenz lässt sie einem das Blut in den Adern gefrieren.

Der Auftakt der Reihe überzeugt also, und es macht Spaß, diesen ersten Fall mit aufzulösen. Die Tatsache, dass Dr. Fu Man Chu nicht nur laut bellt, sondern auch gnadenlos zur Tat schreitet, unterscheidet ihn von vielen seiner kriminellen Kollegen. Anders als bei Dr. Mabuse zum Beispiel, liefert er schreckliche Kostproben seiner Macht und eindeutige Demonstrationen; er geht einen Schritt weiter. Die Story, einen Wissenschaftler zur Kooperation zu zwingen, erscheint zwar alles andere als neu zu sein, doch die Figuren wirken äußerst glaubhaft und hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Ein wenig Action und eine solide Grundspannung helfen dem Film, in einem dosierten Ausmaß zu funktionieren, Ausfälle oder gar Leerlauf bleiben dem Zuschauer weitgehend erspart. "Ich, Dr. Fu Man Chu" stellt sich im Endeffekt bestimmt nicht die glücklichste Titelwahl heraus, aber die Einführung in die Serie ist mit dem ersten Versuch, die Weltherrschaft zu erlangen, geglückt. Das Titelthema von Gert Wilden ist erstklassig, die Bildgestaltung und die Schauplätze geben sowohl ein rundes, als auch angemessenes Bild ab. Die Synchronisation und die Dialoge mit ironischen Untertönen - insbesondere zwischen Christopher Lee und Tsai Chin - erweisen sich als nahezu perfekt. Die deutsche Fassung hat im Gegensatz zur internationalen Fassung das Nachsehen, da sie ein schwächeres, mit diversen Kürzungen versehenes Gesamtbild vermittelt. Insgesamt ist dieses erste Aufbäumen, die Menschheit zu unterjochen, nicht nur wegen der Besetzung sehenswert, sondern außerdem wegen der gut simulierten Atmosphäre. Es bleibt also abzuwarten, was Dr. Fu Man Chu und Lin Tang noch für unmenschliche Pläne schmieden werden.


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