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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Justine)
BeitragVerfasst: 29.06.2018 09:17 
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Danke, Ryan. Soeben korrigiert.

Ja, ein paar Filme fehlen tatsächlich. Entweder kamen sie nicht rechtzeitig oder wären unverhältnismäßig schwer zu bekommen. Lucky M kam leider eine Woche zu spät. Auf Nachholen hab ich aber gerade keine Lust, möchte ja voran kommen 😜

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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Justine)
BeitragVerfasst: 29.06.2018 10:44 
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roother hat geschrieben:
Danke, Ryan. Soeben korrigiert.

Ja, ein paar Filme fehlen tatsächlich. Entweder kamen sie nicht rechtzeitig oder wären unverhältnismäßig schwer zu bekommen. Lucky M kam leider eine Woche zu spät. Auf Nachholen hab ich aber gerade keine Lust, möchte ja voran kommen 😜



Dann vergiss bloß nicht einen der besten Franco Filme überhaupt, der jetzt dran kommen wird. VENUS IN FURS
Die Blue Underground DVD ist Codefree, hat ein sehr gutes Bild und das Englisch ist sehr leicht zu verstehen. VENUS IN FURS gehört wirklich zum besten was Franco gemacht hat.
Ohne den kennst Du Franco nicht. Das wäre wie wenn Du auf VAMPYROS LESBOS verzichtest. Hier gibt's die gute Blue Undergound DVD für 6 Pfund. Da steht zwar was anderes aber sie ist definitiv Codefree. Habe sie selber hier.
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Hier die englische Venus in fürs, die mit großer Sicherheit der guten Blue Undergound entspricht. Die ist auch sehr günstig:
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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Justine)
BeitragVerfasst: 29.06.2018 10:54 
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Die liegt bereits hier und ist ja auch als nächstes dran.

Bin gespannt

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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Justine)
BeitragVerfasst: 29.06.2018 10:55 
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Noch ein kleiner Anhang.
1970 hat Franco THE BOODY JUDGE gedreht. Einer seiner teuersten Filme in denen er ein für seine Verhältnisse großes Budget hatte. Sehr prominent besetzt und handwerklich sehr gut gemacht. Der Film ist mehr hochwertiges Hexendrama, anstelle Horror Film wie der dümmliche deutsche Titel und die dementsprechend dämliche deutsche Synchronisation weiß machen will. Die englische Version, in der sich die mesiten Schauspieler selbst sprechen ist die einzige wirklich authentische Art den Film im Sinne des Regisseurs zu genießen.
Die Blue Underground DVD ist bildlich sehr gut aber das Englisch nicht immer leicht zu verstehen. Trotzdem führt im Franco Universum kein Weg an diesem wichtigen Film aus seinem Schaffen vorbei.
DVD ist Codefree.


Diese recht günstige Auflage müsste der guten Blue Underground DVD entsprechen:
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Hier die Codefree Blue Underground, die sehr empfehlenswert ist:
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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Justine)
BeitragVerfasst: 29.06.2018 10:56 
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roother hat geschrieben:
Die liegt bereits hier und ist ja auch als nächstes dran.

Bin gespannt


Freu dich! Einer meiner absoluten Lieblinge!


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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Justine)
BeitragVerfasst: 05.07.2018 18:30 
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#12. Venus in Furs (1968)

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Wow, das war mal wieder ein Film ganz nach meinem Geschmack. Erinnert in seiner visuellen und inhaltlichen Präsentation an Succubus.

Der Jazz-Musiker Jimmy findet am Strand die Leiche der schönen Wanda, einer Frau, welche er schon zuvor begegnete und deren Tod durch 3 Personen aus dem Kreise der High Society er mitangesehen hat. Von Schuldgefühlen geplagt flüchtet er von Istanbul an Rio. Und ab hier beginnt die Handlung surreal zu werden. Ich bin mir nämlich nicht wirklich sicher, was hier wirklich passiert. Fortan beobachten wir die Wiederauferstehung von Wanda als kühlen Racheengel, welcher sich, lediglich in weißem Pelz gekleidet, in Vergeltung an seinen drei Peinigern übt.

Das kling formal alles recht klassisch, wird aber von Franco gewohnt surreal inszeniert. So finden wir trotz Ortswechsel von Istanbul nach Rio die gleichen Locations und Charaktere. Ist dies ein Symbol für die Unveränderlichkeit der Schuld? Quasi eine Aussage darüber, dass man vor der Schuld an einem Verbrechen (bei Jimmy das Nicht-Handeln als Zeuge eines Mordes) nicht fliehen kann, indem man den Ort wechselt. So spiegelt sich die Welt des durch das Verbrechen beschmutzen Ortes im neuen Ort – ein Zerrbild der Wirklichkeit.

Oder sind es Rückblicke auf Istanbul, welche sich in einer Art Delirium mit der Wirklichkeit von Jimmy nach seiner Flucht vermischen?

Begleitet wird dieses schier undurchdringliche Gewirr von Handlungsandeutungen von einem fesselnden Soundtrack, welcher sich pulsierend tief in einem festsetzt und die Spannung und Unsicherheit enorm erhöht. Ebenso wie die Kinematografie, welche es schafft mit all seinen Filtern und Verzerrungen, das Gesehene eher wie einen fiebrigen Traum aussehen zu lassen.

Auch die subtile aber stehts zum Greifen nahe Erotik, welche von der Femme fatal ausgeht, macht Venus in Furs zu einem vielschichtigen, faszinierenden und zugleich enorm unterhaltsamen Erlebnis

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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Venus in Furs)
BeitragVerfasst: 23.07.2018 12:29 
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#13: Die Jungfrau und die Peitsche (1969)

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Der 13. Film in meinem (vermutlich sehr lange andauernden) Franco-Marathon und gleichzeitig die zweite Adaption eines de Sade-Werkes, weiß sehr zu überzeugen.

Wandte sich Franco zuvor mit Romina Power dem Leidensweg von Justine zu, erkundet er nun mit der bezaubernden Marie Liljedahl den Weg der Eugenie. Während sich in de Sades Werk Justine von Perversion zu Perversion quält und so langsam in die Lüste des Sadismus abgleitet, ist Eugenie ein ganz anderes Kaliber. So steht sie zwar in Sachen Unschuld der Justine in nichts nach, zeigt sich aber beim Unterrichten der Lüste erstaunlich ehrgeizig und interessiert.

Hier unterscheidet sich auch gleich Francos Inszenierung, denn Liljedahl verkörpert zwar nahezu perfekt die unschuldige und zerbrechliche Reinheit einer Eugenie, ist aber alles andere als angetan von den sado-masochistischen Praktiken, welche an ihr verübt werden. Somit ähnelt Francos Version eher der klassischen Justine, als de Sades Eugenie. Ich würde diese Tatsache aber gar nicht als groß störend bezeichnen, denn konnte man Romina Powers Version von Justine noch vorwerfen, dass sie sich im Kern erheblich von der Grausamkeit der Vorlage entfernt, so finden wir in „Die Jungfrau und die Peitsche“ schon eine deutliche stärkere Verneigung vor de Sades Vorlage.

Hier geht Franco bis dato ungekannt in die Vollen. So sind Maria Rohm und Marie Liljedahl ab der Mitte des Films quasi permanent unbekleidet und auch an der Folterschraube wird explizit auffällig gedreht.
Natürlich darf auch das francosche Spiel mit der Halluzination/Illusion nicht fehlen. So ist man über weite Strecken des Filmes nicht sicher, ob die eskapistischen Lust- und Gewaltspiele nur ein fiebriger Traum Eugenies sind oder Realität. Immer wieder auftretende Unschärfen in der Kinematografie und der Einsatz von Rotfiltern lassen vorerst Ersteres vermuten.

Franco fängt die Unschuld Liljedahls Körper perfekt ein und setzt die diabolische Erotik, welche Rohms Präsenz ausstrahlt, geschickt als Opponent dagegen. Wenn sich beide der zuerst sinnlichen, später dann masochistischen Lust hingeben, verschmelzen zwei Systeme zu einem unzertrennlichen Konglomerat. Es ist faszinierend dieses Spiel mitanzusehen.

Wunderschön auch wie Franco die nackte Liljedahl in ihrer verzweifelten Flucht durch die Sanddünen einfängt. Leider schafft Liljedahl es nicht dies mit ihrer Mimik zu unterstreichen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Venus in Furs)
BeitragVerfasst: 23.07.2018 23:19 
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roother hat geschrieben:
Wunderschön auch wie Franco die nackte Liljedahl in ihrer verzweifelten Flucht durch die Sanddünen einfängt. Leider schafft Liljedahl es nicht dies mit ihrer Mimik zu unterstreichen.



Ich habe mir heute zufälligerweise die US Blu-ray angesehen und dort ist ein 2002 Interview mit Liljedahl enthalten.
Selbst beim Interview kam keine Mimik rüber. Das hat sie wohl nicht drauf.
Interessanterweise funktioniert sie in den zwei Filmen, die ich mit ihr gesehen habe bestens.

Übrigens ist die US Blu-ray spitze vom Bild her. Unglaublich aber ich hatte trotz der vielen Franco Unschärfen in ein paar Landschaftsaufnahmen echte HD Wow Effekte, die fast schon dreidimensional gewirkt haben.
Nun wäre ich auch schon bei meiner Frage an Dich oder einen anderen Kenner des Films.
Es gibt immer wieder Szenen mit einer enormen Unschärfe und ich frage mich ob die bewusst so aufgenommen wurden?
Die gehören zum Film einfach dazu aber ich kann ehrlich gesagt kein Indiz entdecken, dass die Unschärfen bewusst so aufgenommen wurden. Einerseits machen die Unschärfen Sinn, bei surreal angehauchten Szenen aber andererseits gibt es auch unscharfe Szenen die vollkommen nüchtern sind. Hast Du da einen Sinn, bzw. ein Konzept entdeckt?
Der Film ist ja augenscheinlich sehr hochwertig gedreht und der Kameramann Manuel Merino hat einige der besten Franco Filme zu verantworten. Ich kann mir also nicht vorstellen, dass hier im Cinemascope Format schlampig gearbeitet worden wäre.

Interessant ist auch die Titelsequenz mit dem Wolkenschleier unter den Titeln. Siehst Du darin einen Sinn?

Fakt ist, der Film ist wunderschön und die Filmmusik von Bruno Nicolai grandios.

Eine meiner Liebelingsszenen ist das längere Zusammentreffen von Maria Rohm und Paul Müller, wenn sie ihn überredet. Die Szene geht bestimmt 5 Minuten und hat eine ungeheure Atmosphäre mit einem der besten Musikstücke des Films.


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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Die Jungfrau und die Peitsche)
BeitragVerfasst: 23.07.2018 23:41 
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Großartig, Ryan, dass du genau die Punkte angesprochen hast, welche mir ebenfalls durch den Kopf gingen.

Ich selbst hab die deutsche DVD von epiX gesehen und dachte zuerst an einen verhunzten Transfer. Genau wie du kann ich mir aber keinen Reim auf die Unschärfe bilden. Wie in meinem Text beschrieben, kann man diese teilweise als surreales Element betrachten, welches uns in die Irre führen soll und die wahren Absichten der de Sade-Verehrer verbergen soll. Aber dann kommt diese Unschärfe z.B. auch mitten in einem Dialog, was ich mir ehrlich gesagt nicht erklären kann.

Vielleicht weiß Howard Vernon (der User, nicht der Schauspieler) mehr darüber?

Bezüglich der Nebelstreifen inmitten des Bildes habe ich eigentlich gedacht, dass dies lediglich eine Übermalung der original Credits darstellt, wie so oft in mehrsprachigen Co-Produktionen der Fall. Daher habe ich mir über diesen Umstand keine weiteren Gedanken gemacht.

Ach, einfach ein toller Film

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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Die Jungfrau und die Peitsche)
BeitragVerfasst: 24.07.2018 06:33 
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roother hat geschrieben:
Großartig, Ryan, dass du genau die Punkte angesprochen hast, welche mir ebenfalls durch den Kopf gingen.

Ich selbst hab die deutsche DVD von epiX gesehen und dachte zuerst an einen verhunzten Transfer. Genau wie du kann ich mir aber keinen Reim auf die Unschärfe bilden. Wie in meinem Text beschrieben, kann man diese teilweise als surreales Element betrachten, welches uns in die Irre führen soll und die wahren Absichten der de Sade-Verehrer verbergen soll. Aber dann kommt diese Unschärfe z.B. auch mitten in einem Dialog, was ich mir ehrlich gesagt nicht erklären kann.

Vielleicht weiß Howard Vernon (der User, nicht der Schauspieler) mehr darüber?

Bezüglich der Nebelstreifen inmitten des Bildes habe ich eigentlich gedacht, dass dies lediglich eine Übermalung der original Credits darstellt, wie so oft in mehrsprachigen Co-Produktionen der Fall. Daher habe ich mir über diesen Umstand keine weiteren Gedanken gemacht.

Ach, einfach ein toller Film


Bezüglich des Nebelschleiers dachte ich auch, dass man einfach einen Schleier über das Bild gelegt hat um die Titel abzuändern. Das kann aber nicht sein, wenn man genau hinschaut, weil der Schleier durchsichtig ist, bzw. man das Hintergrund Bild durchscheinen sieht. Es gibt ja ein bewegtes Bild (Keine toten Standbilder) und darüber liegt der Schleier und durch den Schleier sieht man durch. Wenn es wegen den Titeln abgedeckt worden wäre, dann würde man nicht durchsehen können, weil man sonst ja die vormaligen Titel sehen könnte. Dies ist aber nicht der Fall, Das ist ganz sicher bewusst so gemacht worden.

Der Film ist im Cinemascope Verfahren sehr hochwertig gedreht worden. Die Unschärfen waren keinesfalls unbeabsichtigt. Ich schaue mir den Film nocheinmal an und versuche ein Konzept dahinter zu finden.


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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Die Jungfrau und die Peitsche)
BeitragVerfasst: 24.07.2018 17:48 
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@roother

schön, dass es mit der Franco-Retrospektive weitergeht...

wegen der Unschärfe bei DIE JUNGFRAU UND DIE PEITSCHE: da kann ich jetzt auch nur aus der Erinnerung argumentieren; soweit ich mich erinnere, war dieses unscharfe Bild doch immer kurz vor einer Verführung durch die beiden Geschwister - und danach - aufgetreten, oder? Von daher würde ich darin schon ein Stilmittel seitens Franco sehen, das ein Abdriften aus der Wirklichkeit in die sadomasochistische Welt von Mme. de St. Ange und ihres Bruders Mirvel visuell bezeichnen soll; wobei ja auch Drogen und Alkohol zumeist eingesetzt sind, um Eugenie gefügig zu machen - besonders deutlich ist das bei der großen Folterszene mit Dolmance, da wird vorher ja ordentlich geraucht, so dass sich Eugenies Sinne mehr und mehr vernebeln; und wenn Franco solche Unschärfen nicht einsetzt, dann setzt er prägnante Farbverfremdungen ein, die auf das Irreale des Gezeigten hinweisen sollen...
so könnte man dann auch die Nebelbank am Anfang interpretieren, die sich im Bild ausbreitet: als eine Art "Vorbote", der - schließlich auch den Zuschauer - ins irrationale Geschehen hineinzieht... denn dass die Nebelbank - nach meiner Interpretation: ein filmisches Zeichen für den Bewusstseinswechsel ins Reich de Sades - dann am Anfang auf den Zuschauer abzielt, erhärtet sich ja schon dadurch, dass danach unmittelbar eine schwarze Messe, beziehungsweise: eine satanische Parodie der Eucharistie folgt, die den Eugenie-Charakter noch nicht eingefügt hat, so dass hier nur der Zuschauer der direkte Bezugspunkt sein kann...
wie gesagt, ist jetzt aus meiner Erinnerung argumentiert... wenn mein Ansatz allerdings stimmig ist, dann hätte Franco hier die inhaltliche Ebene (den Rausch, den Exzess in jeder Form von Sexualität) und die formale Umsetzung (Kameraunschärfen, die eine Desorientierung des Bewusstseins der Eugenie anzeigen) wunderbar zusammengefügt...

was jetzt die schauspielerischen Qualitäten Marie Liljedahls betreffen, da finde ich, dass Franco mit ihr eigentlich sehr gut die Rolle besetzt hat; ich nehme an, dass Franco zuvor Sarnos INGA (1968) gesehen hatte, wo sie ein ähnlich unschuldiges Mädchen darstellt... dass sie kaum Ausdruck in ihren Mienen und Gesten bietet, zeigt doch auch: ihre Figur ist noch völlig formbar, sie ist ein unbeschriebenes Blatt, welches von dem Geschwisterpaar in den Sachen der Liebe aufgeklärt wird, wobei sich bei diesem "Unterricht" über jede moralische Setzung (ein Konstrukt der Gesellschaft - folglich nicht natürlich) hinweggesetzt wird; nicht umsonst heißt die literarische Vorlage ja: DIE PHILOSOPHIE IM BOUDOIR oder: DIE LASTERHAFTEN LEHRMEISTER...


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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Die Jungfrau und die Peitsche)
BeitragVerfasst: 24.07.2018 20:37 
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Wenn sich tatsächlich ein Zusammenhang zwischen Unschärfe und dem Abdriften in die Lust herstellen lässt, wäre das wirklich top. Würde auf jeden Fall Sinn ergeben.

Von Marie Liljedahls Mimik bin ich nach wie vor nicht so recht überzeugt. Denn spätestens in der finalen Folterszene inder Eugenie ihre Mentorin Mme. de St. Ange völlig "zerstört" ist das Blatt längst beschrieben bzw. die Figure nicht mehr formlos. Genauso wie ihr letzter Akt der verzweifelten Flucht. Auch hier müsste man den Wahnsinn, den sie durchlebt hat in ihrer Mimik deutlicher erkennen können.

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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Die Jungfrau und die Peitsche)
BeitragVerfasst: 24.07.2018 21:09 
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roother hat geschrieben:

Von Marie Liljedahls Mimik bin ich nach wie vor nicht so recht überzeugt. Denn spätestens in der finalen Folterszene inder Eugenie ihre Mentorin Mme. de St. Ange völlig "zerstört" ist das Blatt längst beschrieben bzw. die Figure nicht mehr formlos. Genauso wie ihr letzter Akt der verzweifelten Flucht. Auch hier müsste man den Wahnsinn, den sie durchlebt hat in ihrer Mimik deutlicher erkennen können.


das ist absolut richtig - spätestens hier hätte ja eine Charakterentwicklung, infolge des "Unterrichts", erfolgen müssen; dies hätte sich dann auch im "körperlichen" Spiel ausdrücken müssen - aber ich denke, dass die Mimik-lose Liljedahl Franco erst einmal gereicht hat, um die Unschuld der Eugenie zu verkörpern, zumal besonders in den USA der INGA-Film sehr erfolgreich gewesen war und man somit ein Zugpferd besaß, welches das (männliche) Publikum ins Kino locken sollte...


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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Die Jungfrau und die Peitsche)
BeitragVerfasst: 24.07.2018 21:17 
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Ja, da gebe ich dir natürlich Recht.

Auch ich bin (abgesehen von dem angesprochen Manko) sehr begeistert von ihr :D

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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Die Jungfrau und die Peitsche)
BeitragVerfasst: 27.07.2018 12:47 
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#14: Der Hexentöter von Blackmoor (1969)

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Nahezu zeitgleich mit Adrian Hovens „Hexen bis aufs Blut gequält“ entstand 1969 Francos bis dato aufwendigster Film: „The bloody Judge“. Vor dem Hintergrund des Monmouth Aufstandes 1685, portraitiert Franco die Geschehnisse rund um den berühmt berüchtigten Richters George Jeffreys, gespielt von Christopher Lee.

Franco inszeniert hier eine beeindruckende Mischung aus Historiendrama, gradlinigem Exploitation und moralisch eingefärbter Inquisitionskritik. So bietet der Film neben den grandiosen Kulissen und spektakulärer Inszenierung der berühmten Schlacht von Sedgemoore, auch sleazige (das Bad von Maria Rohms Charakter oder das Ablecken des blutigen Körpers einer Mitgefangenen) und blutige Szenen, wie beispielsweise die sehr expliziten Foltereinlagen.

Doch am beeindruckendsten ist die Ausarbeitung des Charakters von Jeffreys. Obwohl er hundertfach grausame Morde unter dem Vorwand der Hexenverfolgung ausspricht, ist er selbst eher zart besaitet, wenn es um Gewalt geht. Er wohnt selbst keiner Tötung persönlich bei, da ihn Gewalt offensichtlich abstößt. Diese Doppelzünglichkeit arbeitet Franco sehr gut heraus und gibt damit ein eindeutiges Statement ab. Menschen, welche ohne mit der Wimper zu zucken, über Tod und Leben von anderen Menschen entscheiden, ohne sich der tatsächlichen Konsequenzen im Klaren zu sein, werden früher oder später an dieser moralischen Inkonsequenz scheitern. So wie es Jeffreys am Ende tut, als er sich dem Vierteilen stellen muss. Es lassen sich vielzählige Parallelen zur damaligen und heutigen Politik ausfindig machen, was den hiesigen Rahmen jedoch sprengen würde.

Neben der inhaltlichen Brillanz ist die Leistung der Schauspieler hervorzuheben. Neben Francos damaliger „Allzweckwaffe“ Maria Rohm, überzeugt Maria Schell als blindes Orakel in der Tradition einer griechischen Sagenfigur und natürlich Christopher Lee. Die Dialogszenen zwischen ihm und Leo Genn sind großartig. Hier sitzt jedes Wort, jede Mimik und Körperhaltung. Auch der Auftritt des Folterknechts Howard Vernon weiß zu gefallen, wenn man von der leichten Tendenz zum Overacting absieht.
Ganz großes Kino.

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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Die Jungfrau und die Peitsche)
BeitragVerfasst: 27.07.2018 16:56 
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roother hat geschrieben:
Auch der Auftritt des Folterknechts Howard Vernon weiß zu gefallen, wenn man von der leichten Tendenz zum Overacting absieht.
Ganz großes Kino.


Vernons Charakter wirkt schon etwas sehr eigentümlich, die Darbietung sticht in der Tat heraus und ich hatte mich auch immer gefragt, warum dies so sei. Die Ikonographie des Henkers, den Vernon spielt, ist denn auch sehr speziell...

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...und erinnert mich doch stark an Boris Karloffs Erscheinung als Henker in "Tower of London" (1939), wo es ebenso um Verrat und um Intrigenspiele geht, so wie im "Hexentöter von Blackmoor":

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der schleppende, beziehungsweise: der höchst eigenartige Gang, den Vernons Henker darbietet - sicherlich bewusstes Overacting - gleicht zudem ziemlich genau dem Schauspiel Karloffs im oben genannten Film, so dass ich hier von einer De-Konstruktion der Henker-Figur ausgehe; damit meine ich: mit dem Vernon-Charakter soll gleichzeitig auch an den Karloff-Film erinnert werden, der thematisch ähnlich ist und somit das filmische Vorbild für Francos Variation darstellen könnte; hinsichtlich des "Hexentöters" würde mich aber auch interessieren, inwieweit die doch sehr gelungene Inszenierung der Schlacht (bedenkt man die Geldmittel) derjenigen in "Falstaff" gleicht, wo Franco "second unit director" war und meines Wissens die dortigen Kampfszenen gedreht hatte; diese Erfahrung kam sicherlich auch seinem "Hexentöter" zugute...


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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Der Hexentöter von Blackmoor )
BeitragVerfasst: 27.07.2018 18:24 
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Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich Towers of London überhaupt nicht kenne. Hab mir aber mal ein paar Clips aus dem Film mit Karloff angesehen und muss sagen: ja, das macht schon Sinn. Diese Hommage passt durchaus ins Konzept - Franco hat dies ja bereits häufiger gemacht (wie ja auch bereits in diesem Thread erörtert wurde).

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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Der Hexentöter von Blackmoor )
BeitragVerfasst: 01.08.2018 09:46 
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#15: Nightmare comes at night (1969)

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Da haben wir ihn: den archetypischen Franco-Film, den man entweder als stümperhaft abtut oder seine visuelle Eigenartigkeit als genial bezeichnet.

Die recht einfache Story über eine labile Stripperin, welche durch psychologische Manipulation in die völlige Abhängigkeit einer eiskalten Frau gerät, bietet zwar nicht die Vielfältigkeit eines Succubus, kann aber aufgrund der hervorragenden Darsteller völlig überzeugen.

Ganz in der Tradition von Succubus und Venus in Furs finden wir hier die Elemente der halluzinogenen und sinnlichen Verführung wieder. Hier scheint Franco auch zum ersten Mal völlig frei inszenieren zu können, denn die Darstellung der Erotik legt hier nochmal eine ordentliche Schippe zu. Franco inszeniert die nackten Körper der Darsteller in einer unvergleichlichen Sinnlichkeit, ohne in eine pornografische Plumpheit abzudriften.

Wenn es um die Kinematographie geht trennt sich hier wohl die Spreu vom Weizen: Neben unglaublich intensiven Bildern, wie der Einsatz von Spiegel-Reflexionen oder dem szenenverhüllenden Fade-out, nutzt Franco hier auch einige Einstellungen, welche auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen mögen. So gibt es Szenen, welche teilweise über Minuten out-of-focus sind. Oberflächlich betrachtet, könnte man Franco Unwissenheit hinsichtlich der korrekten Fokussierung ankreiden. Doch überträgt man diese „Ungenauigkeit“ auf die Handlungsebene, wird sehr schnell klar, dass Annas Delirium, ihre Unfähigkeit die Dinge, welche passieren klar zu fassen, von Franco gekonnt auf das Visuelle übertragen wurden.
Ebenso die befremdliche Szene, in der Anna mit ihrem Therapeuten im Auto spricht: Während die Einstellung des Therapeuten glasklar ist, spiegelt sich in den Einstellungen von Anna so stark die Sonne, dass sie nur durch eine Art Schleier zu sehen ist. Auch hier findet diese Eigentümlichkeit ihre Entsprechung im Inhalt. Während der Therapeut die Wahrheit kennt (den Durchblick hat), liegen die wahren Begebenheiten für Anna unsichtbar verborgen (verschleiert).

Diese besondere Art der Inszenierung machen die Werke von Jess Franco jedes Mal zu einem Erlebnis und machen mMn auch deren Faszination aus.

Nightmare comes at night ist ein kleiner, aber faszinierender, exzellent gefilmter und ungemein erotischer Film.

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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Nightmare comes at Night )
BeitragVerfasst: 02.08.2018 13:43 
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#16: Nachts, wenn Dracula erwacht (1969)

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Francos Ambitionen, eine möglichst werkgetreue Adaption von Bram Stokers Jahrhundertroman abzuliefern, können gar nicht hoch genug bewertet werden, denn bei all den Dracula-Filmen, finden sich kaum Verfilmungen, welche den Geist der Vorlage innehaben. Und ja, „Count Dracula“ ist erfrischend anders als die üblichen Vertreter.

Besonders die erste Hälfte überzeugt mit seiner gotischen Kulisse und den nebelverhangenen Einstellungen rund um die Anreise von Harker im Schloss der Grafen Dracula. Viele Elemente wie das Verjüngen des Grafen oder die Rolle von Renfield hat man in der Form noch nie gesehen. Auch die bezaubernde Soledad Miranda gibt der Lucy eine zerbrechliche Unschuld, die einen fesselt. Ebenso liefern natürlich Christopher Lee und Herbert Lom eine tolle Leistung ab.

Leider kippt der Film in der zweiten Hälfte und verliert viel von seiner gotischen Faszination. Die Rollen von Maria Rohm und Paul Müller sind völlig bedeutungslos. Auch finde ich es sehr schade, dass Franco besonders im Finale seine eigentliche Intention, eine werksgetreue Verfilmung zu drehen, über Bord wirft und den Grafen in einer völlig unpassend grotesken Weise verbrennen lässt. Und die Tatsache, dass unsere zwei Helden (Harker und der Verlobte von Lucy) beim Überfall auf den Grafen mehr Unschuldige töten als der Graf im ganzen Film, hilft auch nicht besonders, sich das verhunzte Finale schön zu reden. Und warum kann Van Helsing plötzlich wieder laufen, während er Szenen zuvor noch im Rollstuhl saß?

Ein Film, welcher Licht und Schatten bietet, sich aber durch seine völlig ernste und überraschend züchtige Inszenierung deutlich von Francos sonstigen Filmen abhebt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Nightmare comes at Night )
BeitragVerfasst: 04.08.2018 14:24 
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roother hat geschrieben:
Francos Ambitionen, eine möglichst werkgetreue Adaption von Bram Stokers Jahrhundertroman abzuliefern, können gar nicht hoch genug bewertet werden, denn bei all den Dracula-Filmen, finden sich kaum Verfilmungen, welche den Geist der Vorlage innehaben. Und ja, „Count Dracula“ ist erfrischend anders als die üblichen Vertreter.


Von diesen Ambitionen im Fall von "Dracula" konnte man ja öfters lesen, ich glaube sogar Lee hat mal davon erzählt, aber es fällt mir schwer, hier auch nur einen Funken davon wiederzuerkennen.


Die Anfangssequenz, Harker im Schloss, hat kaum ein Regisseur völlig verhunzt. Aber ansonsten hat man doch abgesehen von ein paar Soundbytes und ein paar Handlungselementen die übliche Figurenwürfelei betrieben. Hier nur mit besonders kargen Kulissen. Und das Ende ist dilettantisch inszeniert. Wirklich überrascht hat mich hier von den Darstellern eigentlich nur Soledad Miranda. Sie konnte wohl doch mehr als sich nur auszuziehen.


Licht und Schatten trifft es gut, auch wenn für mich der Schatten überwiegt. Am meisten überrascht hier wohl wirklich die züchtige Inszenierung. Ich kann es mir nur so erklären, dass der Produzent sich an Hammer und ranhängen wollte, die zu der Zeit ja auch noch ziemlich zugeknöpft waren. Erst recht bei Dracula.


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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Nightmare comes at Night )
BeitragVerfasst: 05.08.2018 13:44 
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Wentworth hat geschrieben:
roother hat geschrieben:
Francos Ambitionen, eine möglichst werkgetreue Adaption von Bram Stokers Jahrhundertroman abzuliefern, können gar nicht hoch genug bewertet werden, denn bei all den Dracula-Filmen, finden sich kaum Verfilmungen, welche den Geist der Vorlage innehaben. Und ja, „Count Dracula“ ist erfrischend anders als die üblichen Vertreter.


Von diesen Ambitionen im Fall von "Dracula" konnte man ja öfters lesen, ich glaube sogar Lee hat mal davon erzählt, aber es fällt mir schwer, hier auch nur einen Funken davon wiederzuerkennen.


"In der Türöffnung stand ein großer alter Mann. Er war glattrasiert, mit Ausnahme eines langen Schnurrbarts, und war von Kopf bis Fuß schwarz gekleidet. Auch nicht der winzigste Farbtupfer war an ihm zu entdecken."


(Bram Stoker: Dracula. Aus dem Englischen von Bruno Leder. Frankfurt am Main 1988. S. 30.)

Das obige Zitat aus "Dracula" gibt den ersten Eindruck wieder, den Harker von Dracula bekommt, als dieser ihn in seinem Schloss empfängt; es ist ein alter Mann, quasi das bekannte Portrait von Vlad III. - eben nur gealtert (das Typische hier wäre der lange Schnurrbart); Stoker beschreibt Dracula gänzlich unattraktiv, die erotische Aura, die durch Bela Lugosis Interpretation des Grafen den "Film-Dracula" bestimmen sollte (auch durch Christopher Lee, bei dem besonders aber immer auch das Aristokratische bei seiner Dracula-Darstellung mitgegeben war), liegt somit also bei der literarischen Vorlage nicht vor...

meines Wissens ist Francos Verfilmung der erste Versuch in einem Spielfilm, wieder genauer auf den Roman zurückzugreifen, um die Dracula-Figur darzustellen; roother verwies ja auch darauf, dass sich Francos Dracula im Zuge seiner Blutaufnahme zunehmend verjüngt, was wiederum auf die Romanvorlage zurückgeht - insofern hätten wir mit Francos Werk schon einen neuen Ansatz vorliegen, wie eine Dracula-Interpretation aussehen könnte (nämlich, indem genauer auf die Romanvorlage eingegangen wird, was gleichzeitig vom Erotischen der etablierten Lugosi/Lee-Darstellung abweicht); ein weiterer entscheidender Punkt ist zudem, dass in Francos Verfilmung erstmalig etwas ausführlicher auf die dem Grafen dienenden Zigeuner eingegangen wird, die in den früheren Dracula-Werken wohl gänzlich ausgeblendet waren (oder gibt es hier Gegenbeispiele?)...

gerade diese genannten Aspekte wollte Franco in seinem "Dracula" wesentlich ausbauen, was ihm aber seitens des Produzenten untersagt wurde ("Gefahr" von neuer Seherfahrung, die Kassengift gewesen wäre, da etwas Neuartiges präsentiert werde)...
Francos ursprünglicher Plan war, seinen "Dracula" in schwarzweiß zu drehen, so dass der gesamte Filmmythos - mit dem Verweis auf das "alte Kino" - neu oder anders gestartet werde; die Fledermaus, die so deutlich erkennbar an Fäden durchs Set fliegt, ergibt somit dann auch einen völlig neuen Sinn: wäre der Film in schwarzweiß gedreht worden, dann hätte der "sichtbare" Effekt, eine Fledermaus an Fäden durchs Bild fliegen zu lassen, wiederum auf die Universal-Zeit sich bezogen, in der auch Lugosis Dracula-Figur etabliert worden war - die Inkonsequenz im Chronologischen, die der Franco-Verfilmung darüber hinaus vorgeworfen wird (warum folgt jene Szene nach dieser etc.), hängt damit zusammen, dass Franco hier einen Weg des Erzählens gewählt hat, der ebenso der literarischen Vorlage entspricht, denn "Dracula" ist ja ein Briefroman, so dass auch Francos Film mehr durch das Hauptmotiv, nämlich durch die Dracula-Figur, "zusammengehalten" wird - und eben nicht durch eine in sich logische Raum- und Zeit-Anordnung, die sich kontinuierlich entwickelt...

man kann nur darauf spekulieren, wie Francos Version ausgeschaut hätte, wären ihm all diese Freiheiten dann wirklich "rücksichtslos" gestattet gewesen; was wir hier haben, ist dann eher ein Kompromiss zwischen Produzent und Regisseur... Franco hatte sich danach ja gänzlich von solchen Zwängen befreit, wobei ihm dann mit DRACULA VS. FRANKENSTEIN - meiner Meinung nach - sein größtes Meisterwerk im Zuge seiner Universal-Horrorfilm-Neuinterpretationen gelingen sollte - mit einem völlig wilden Dracula...


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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Nachts, wenn Dracula erwacht )
BeitragVerfasst: 08.08.2018 14:50 
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#17: Eugenie (1970)

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Die dritte de Sade Verfilmung von Jess Franco und eine für ihn wohl ganz besondere. Denn ohne Towers im Rücken musste er sich nicht wie bei den Filme mit Romina Powers und Marie Liljedahl zurück halten und konnte sich somit der Vorlage voll und ganz hingeben (ok, wenn man mal von der Tatsache absieht, dass auch hier der Inzest der Vorlage durch Veränderung des Vaters zum Stiefvater abgemildert wurde).

Es scheint mir fast so als habe Franco mit Eugenie den Weg eingeschlagen, den er schon seit „The awful Dr Orlof“ gehen wollte. Losgelöst vom Zwang eines großen Produzenten macht sich Franco nun auf den Weg, der ihn zu dem werden lässt, den wir heute kennen und lieben.
Denn „Eugenie“ ist düster, sinnlich, drastisch und gibt sich voll der lüsternen Perversion einer Melange aus Sex und Gewalt hin.

Der Film handelt von der jungen Eugenie, welche durch die Lektüre der väterlichen Erotikliteratur in eine Welt voller Begierde und Gewalt abdriftet. Mit ihm unterhält sie nicht nur eine sexuelle Beziehung, zusammen begehen die beiden auch eine Vielzahl an Lustmorden – völlig zufällig und wahllos. Doch durch die Begegnung mit dem jungen Musiker Paul, bekommt diese Beziehung eine dramatische Wendung…

Franco steigt mit einer Art Snuff-Film ein, deren Tragweite und Bedeutung wir noch gar nicht verstehen. Erst im Laufe der Handlung, klären sich die Fragezeichen. Ebenso verhält es sich auch mit der darauffolgenden Krankenhausszene. Wer ist die Verletzte? Warum ist der Mann (Jess Franco himself) so fasziniert von ihrem Vater? Diese Unklarheiten machen neugierig. Von Minute zu Minute kommt etwas mehr Licht ins Dunkle und die anfänglichen Szenen ergeben mehr und mehr Sinn.

Bis kurz vor Ende ist „Eugenie“ das Paradebeispiel für eine effektive Adaption des Werkes von de Sade und dessen Übertragung in die Gegenwart. Wäre da nicht dieses weichgespülte Ende. Die Tatsache, dass sich Eugenie so schnell und grundlos in den Musiker Paul verliebt und für ihn all das aufgeben möchte, dem sie sich all die Zeit davor so leidenschaftlich hingegeben hat, kann leider nicht überzeugen. Ich hab noch versucht mir selbst einzureden, dass Eugenie so charakterschwach ist, dass sie von einer Vaterfigur zur nächsten wechselt – ohne ihre Beweggründe selbst zu hinterfragen. Aber dazu eignet sich der blasse und unsympathische Paul überhaupt nicht.

Schade, denn ohne dieses Ende, wäre „Eugenie“ ein nahezu perfekter Film über Abhängigkeit und die Gefahr der Begierde geworden.

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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Eugenie )
BeitragVerfasst: 10.08.2018 08:22 
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Da ich aktuell immernoch auch die Blu-Rays von "Vampyros Lesbos" und "Sie tötete in Ekstase" warte, wird mir an dieser Stelle eine kleine Zwangspause verordnet. Da nutze ich die Zeit, um mal ein erstes Zwischenfazit meines Projektes zu ziehen und vielleicht auch etwas Rückmeldung einzufordern.

Vor genau 2 Monaten begann ich mit dem ersten Franco "The awful Dr. Orlof" aus dem Jahre 1961. Jetzt, also zwei Monate später, bin ich im Jahre 1970 angelangt. Gesehen habe ich also 17 Filme, welche gerade mal 9 Jahre der langen Schaffenszeit von Franco ausmachen.

Beeindruckend, was der Mann im Stande ist zu leisten. Keiner dieser 17 Filme würde ich als schlecht bezeichnen. Viele sind sogar hervorragend. Ich persönlich habe entdeckt, dass mir seine surrealen, kleinen und eher erotisch orientierten Filme besser gefallen, als seine Horror-Werke. Ich finde einfach enormen Gefallen an der Art seiner Inszenierung: das Spiel mit der Kamera, die verrückten Einstellungen und die Inszenierung der weiblichen Körper.

Ich freue mich sehr auf die nun folgende Schaffenperiode von Franco. Die 60er-Jahre habe ich nun erfolgreich "abgearbeitet" - nun folgt wohl seine Hochphase, die der 70er.

Ich schreibe in diesem Projekttagebuch ja im Grunde keine Reviews (dazu fehlt mir einfach die Zeit), sondern eher kurze Texte, welche recht ungelitert meine Eindrücke direkt nach der Sichtung wiedergeben. Sind diese Texte denn gut zu lesen? Sollte ich bei der nächsten Phase etwas beachten?

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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Nightmare comes at Night )
BeitragVerfasst: 10.08.2018 11:43 
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Howard Vernon hat geschrieben:
"In der Türöffnung stand ein großer alter Mann. Er war glattrasiert, mit Ausnahme eines langen Schnurrbarts, und war von Kopf bis Fuß schwarz gekleidet. Auch nicht der winzigste Farbtupfer war an ihm zu entdecken."


(Bram Stoker: Dracula. Aus dem Englischen von Bruno Leder. Frankfurt am Main 1988. S. 30.)

Das obige Zitat aus "Dracula" gibt den ersten Eindruck wieder, den Harker von Dracula bekommt, als dieser ihn in seinem Schloss empfängt; es ist ein alter Mann, quasi das bekannte Portrait von Vlad III. - eben nur gealtert (das Typische hier wäre der lange Schnurrbart); Stoker beschreibt Dracula gänzlich unattraktiv, die erotische Aura, die durch Bela Lugosis Interpretation des Grafen den "Film-Dracula" bestimmen sollte (auch durch Christopher Lee, bei dem besonders aber immer auch das Aristokratische bei seiner Dracula-Darstellung mitgegeben war), liegt somit also bei der literarischen Vorlage nicht vor...

meines Wissens ist Francos Verfilmung der erste Versuch in einem Spielfilm, wieder genauer auf den Roman zurückzugreifen, um die Dracula-Figur darzustellen; roother verwies ja auch darauf, dass sich Francos Dracula im Zuge seiner Blutaufnahme zunehmend verjüngt, was wiederum auf die Romanvorlage zurückgeht - insofern hätten wir mit Francos Werk schon einen neuen Ansatz vorliegen, wie eine Dracula-Interpretation aussehen könnte (nämlich, indem genauer auf die Romanvorlage eingegangen wird, was gleichzeitig vom Erotischen der etablierten Lugosi/Lee-Darstellung abweicht); ein weiterer entscheidender Punkt ist zudem, dass in Francos Verfilmung erstmalig etwas ausführlicher auf die dem Grafen dienenden Zigeuner eingegangen wird, die in den früheren Dracula-Werken wohl gänzlich ausgeblendet waren (oder gibt es hier Gegenbeispiele?)...

gerade diese genannten Aspekte wollte Franco in seinem "Dracula" wesentlich ausbauen, was ihm aber seitens des Produzenten untersagt wurde ("Gefahr" von neuer Seherfahrung, die Kassengift gewesen wäre, da etwas Neuartiges präsentiert werde)...
Francos ursprünglicher Plan war, seinen "Dracula" in schwarzweiß zu drehen, so dass der gesamte Filmmythos - mit dem Verweis auf das "alte Kino" - neu oder anders gestartet werde; die Fledermaus, die so deutlich erkennbar an Fäden durchs Set fliegt, ergibt somit dann auch einen völlig neuen Sinn: wäre der Film in schwarzweiß gedreht worden, dann hätte der "sichtbare" Effekt, eine Fledermaus an Fäden durchs Bild fliegen zu lassen, wiederum auf die Universal-Zeit sich bezogen, in der auch Lugosis Dracula-Figur etabliert worden war - die Inkonsequenz im Chronologischen, die der Franco-Verfilmung darüber hinaus vorgeworfen wird (warum folgt jene Szene nach dieser etc.), hängt damit zusammen, dass Franco hier einen Weg des Erzählens gewählt hat, der ebenso der literarischen Vorlage entspricht, denn "Dracula" ist ja ein Briefroman, so dass auch Francos Film mehr durch das Hauptmotiv, nämlich durch die Dracula-Figur, "zusammengehalten" wird - und eben nicht durch eine in sich logische Raum- und Zeit-Anordnung, die sich kontinuierlich entwickelt...


Interessante Argumente.

Die Zigeuner sind glaube ich in diversen Verfilmungen dabei, auf Anhieb fällt mir Murnau ein. Hammer war glaube ich zu geizig, die Statisten zu bezahlen. Bin mir jetzt aber nicht sicher.

Das mit der Verjüngung stimmt auch, da hat suich danach erst Coppola wieder rangetraut.


Trotzdem kommt mir das alles relativ nebensächlich vor. Die Verjüngung nicht, aber genausogut hätte man andere Szenen auswählen können. Das Babyopfer, die Wölfe, die Kaminszene, in der Dracula von seinen Ahnen und letztlich selbst schwadroniert.

Vielleicht ist das Geschmackfrage. Keine Verfilmung ist dem Roman treu. Es ist immer nur Stückwerk, sowohl in den Szenen wie auch der Charakterisierung. Die Vorlage ist derart interpretierbar, die letzte (eher schreckliche) Verfilmung, die ich gesehen habe, war die mit David Suchet als Van Helsing.


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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Eugenie )
BeitragVerfasst: 10.08.2018 11:45 
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roother hat geschrieben:
Ich schreibe in diesem Projekttagebuch ja im Grunde keine Reviews (dazu fehlt mir einfach die Zeit), sondern eher kurze Texte, welche recht ungelitert meine Eindrücke direkt nach der Sichtung wiedergeben. Sind diese Texte denn gut zu lesen? Sollte ich bei der nächsten Phase etwas beachten?


Ich finde es gut, wie es ist. Macht Spaß.

Ich weiß nicht, ob ich das Durchhaltevermögen hätte, gerade bei Franco, zu dem ich ein sehr gespaltenes Verhältnis habe.


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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Eugenie )
BeitragVerfasst: 10.08.2018 17:08 
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roother hat geschrieben:
Ich freue mich sehr auf die nun folgende Schaffenperiode von Franco. Die 60er-Jahre habe ich nun erfolgreich "abgearbeitet" - nun folgt wohl seine Hochphase, die der 70er.



mir persönlich sind in den letzten Jahren eigentlich die ganz späten Werke mehr und mehr ans Herz gewachsen; solche Sachen wie "Helter Skelter", "Vampire Junction" oder Francos letzten Film "Revenge of the Alligator Ladies" kann ich unmöglich empfehlen, wenn der Zuschauer nur einen "Genre-Film" sehen möchte, der nach gewissen Formel abläuft... doch für mich steckt vor allem im Spätwerk die eigentliche Filmschöpfung Francos - die Franco-Destillation, wenn man so will, Filme, die gänzlich auf genormte Strukturen verzichten, keine Geschichten mehr erzählen, sondern nur noch das "reine Empfinden" schaffen - wobei die Frage ist, ob man dieses mag oder nicht...

ganz großartig finde ich darüber hinaus dann aber auch die 80er-Jahre-Produktionen, die wieder in Spanien entstanden sind; leider, leider kenne ich davon nur einen Bruchteil, der aber schon erahnen lässt, was da noch für Schätze schlummern... mein letztes Erlebnis war hier "Sinfonía erótica" von 1980, der solch eine traumwandlerische Erhabenheit besitzt, die man nicht Plot-logisch / Film-grammatisch, sondern nur unmittelbar, nämlich durch die Bilder selbst, wahrnehmen kann...

die frühen 70er Jahre sind dann natürlich äußerst wichtig, da Franco hier - bewusst und freiwillig - seinen Weg eingeschlagen hatte... in seiner Filmographie kann man so richtig sehen, wie er sich nach "Dracula" mehr und mehr freischwimmt und die klassischen Monstermythen in seiner Perspektive interpretiert...

an geeigneter Stelle können wir ja vielleicht diskutieren, inwieweit Franco während seiner Zeit bei Erwin C. Dietrich dann durchaus auch bereit gewesen war, einem bestimmten Stil zu folgen; ich würde hier gerne vom "Dietrich-Studio-System" sprechen, das sich durch eine gewisse Art der Besetzung, des episodenhaften Plots, der sterilen primär-farblichen Inszenierung und des musikalischen Ambientes einzigartig (nämlich: wiedererkennbar) gemacht hat, so dass auch Franco geneigt gewesen ist - trotz seiner Freiheiten -, an diesem "Studio-System" einvernehmlich zu partizipieren...

also: meine Bewunderung für sein Gesamtwerk ist grenzenlos, genauso wie der Stil Francos grenzenlos zu sein scheint...


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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Nightmare comes at Night )
BeitragVerfasst: 10.08.2018 17:35 
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Wentworth hat geschrieben:

Die Zigeuner sind glaube ich in diversen Verfilmungen dabei, auf Anhieb fällt mir Murnau ein.


Ja, hast recht, in Murnaus Film tauchen sie auf (an welcher Stelle fällt mir gerade allerdings nicht mehr ein - transportieren sie nicht den Sarg zum Schiff?) - Murnau ist eh eine wesentliche Referenz für Francos Vampir-Stoffe; vor allem in "Vampyros Lesbos" ist eine Montage anzutreffen, die an "Nosferatu" stark erinnert (siehe die Murnau-Montage mit der fleischfressenden Pflanze, was bei Franco variiert in der Schnittfolge mit dem Skorpion und dem Fischernetz wiederkehrt)...

aber wie ich schrieb: die Einmischung in die Gestaltungsart von "Dracula" seitens der Produktion hat es verhindert, dass der Film in schwarzweiß gedreht wurde; bereits dieser Kniff hätte Francos Film einen ganz besonderen Stempel aufgedrückt - und die sicherlich billigen Sets gänzlich andersartig zur Wirkung kommen gelassen...

gerade diese Sequenz hat mich immer ungemein an Brownings "Dracula" erinnert:

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wenn man sich auch das obige Bild schwarzweiß vorstellt, dann kann man sicher einen Gesamtzusammenhang zwischen Francos Film und dem Lugosi-Werk feststellen, der durch die Farbe im fertiggestellten Film leider gemindert wird...


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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Eugenie )
BeitragVerfasst: 14.08.2018 13:42 
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@HowardVernon
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In MARQUIS DE SADE: JUSTINE gibt es in der englischen Sprachfassung eine Erzählerstimme zu Beginn. Der Erzähler klingt echt wie Christopher Lee aber man findet nirgendwo einen Hinweis, dass er zum Film eingesprochen hat.
Ich könnte mir gut vorstellen dass das Christopher Lees Stimme ist, weil er ja viel mit Harry Allen Towers zu tun hatte in der Zeit und mit Franco natürlich auch.

Ist der Erzähler tatsächlich Christopher Lee?


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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Eugenie )
BeitragVerfasst: 15.08.2018 12:16 
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Ryan hat geschrieben:
@HowardVernon
@alle Franco Experten

In MARQUIS DE SADE: JUSTINE...

Ist der Erzähler tatsächlich Christopher Lee?


ich denke, dass hier nur eine Ähnlichkeit in den Stimmen vorherrscht; der englischsprachige Ton wird bei dieser europäischen Produktion sicherlich die "repräsentative" Originalsprachversion gewesen sein, und aufgrund dessen hätte Christopher Lee da sicherlich - alleine schon aus Markt-wirtschaftlicher Strategie - eine betonende Erwähnung in den Credits gefunden...
- wäre es aber tatsächlich Lees Stimme, dann hätte hier, in JUSTINE, Lee seinen "Dolmancé" in Francos "De Sade 70" schon einmal als Erzähl-Stimme eingeführt - denn: Dolmancé (eigentlich ein libertärer "Aufklärer" im Werk de Sades) ist in Francos Version ja dann auch mehr "griechischer Chor", der das Geschehen kommentiert... aber wie gesagt, ich gehe eher nicht davon aus, dass es Lees Stimme ist...


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 Betreff des Beitrags: Re: Das JESS FRANCO Projekt (Neu: Eugenie )
BeitragVerfasst: 31.08.2018 20:25 
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#18: Vampyros Lesbos (1970)

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Auf dem Höhepunkt von Francos Soledad Miranda-Phase entstand 1970 unter Produktion von Artur Brauner ein echtes Highlight in Francos Filmografie. Vampyros Lesbos holt die Szenerie rund um die blutsaugenden Gespielinnen von Graf Dracula in die Moderne und erschafft dadurch etwas Einzigartiges. Vampire laufen hier nicht durch neblige Gassen und alte Gemäuer. Sie sind auch keine barock gekleideten Adligen. Hier lebt unsere Blutsaugerin inmitten eines warmen Klimas im Süden in einer stylischen Wohnung. Sie liegt gerne beim Sonnenbaden am Pool oder im Meer und kleidet sich modern, lasziv und sexy.

Diese erzählerische Besonderheit paart sich mit der francoschen inszenatorischen Eigenheit und lässt ein ganz besonders intensives Filmerlebnis entstehen. Wir entdecken immer wieder Motive aus Francos vorangegangenen Werken: Nadines Diener heißt Morpho, genau wie in „The awful Dr. Orlof“. Die erotische Tanzperformance kennen wir u.a. aus "Succubus" und „Das Geheimnis des Doktor Z“ . Die Geschichte um eine Geliebte des Grafen Dracula lässt im ersten Moment Assoziationen zu „Carmilla“ aufkommen, welche ja im selben Jahr von den Hammer-Studios filmisch umgesetzt wurde, doch dazu passt die Handlung einfach nicht. Ob es eine konkrete Anlehnung an eine literarische Vorlage gibt, kann ich daher leider nicht sagen.

In „Vampyros Lesbos“ trifft eine recht gradlinig erzählte Geschichte auf visuelle Extravaganzen. So liefert Franco hier eine spannende Geschichte, ohne dabei seine besondere Kinematografie zu vernachlässigen. Denn Franco unterbricht immer wieder die Handlung durch eingestreute Motive, wie die des Scorpions oder eines roten Drachens. Dies stoppt die Erzählung und hebt sie auf eine höhere Ebene, z.B. indem Franco die Gefahr der Gräfin, mit der eines Scorpions vergleicht.
Schauspielerisch kann natürlich besonders Soledad Miranda überzeugen, doch auch Ewa Strömberg liefert, zusammen mit ihrer Filmpartnerin, knisternede Erotik.

Dies sind nur wenige Beispiele, die zeigen, was für ein besonderes Filmerlebnis „Vampyros Lesbos“ bietet.

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