Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
Aktuelle Zeit: 19.10.2018 15:14

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 1 Beitrag ] 
AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: ALLEIN GEGEN DIE FREIBEUTER - Vertunnio de Angelis
BeitragVerfasst: 22.09.2018 13:30 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 07.2016
Beiträge: 14
Wohnort: Wien
Geschlecht: männlich
Bild


"L'uomo mascherato contro i pirati" (wörtlich: "Der maskierte Mann gegen die Piraten") ist ein kleiner Lieblingsfilm von mir unter den italienischen Piraten. Ich hab ihn vor Jahren im Spätnachtprogramm abgefangen und gleich auf VHS gebannt. Regisseur Vertunnio de Angelis ist hier ein Filmchen geglückt, das mir auch beim vierten (oder fünften?) Mal Gucken an manchen Stellen einen breiten Grinser, an anderen zumindest ein zufriedenes Lächeln aufs Gesicht zaubern kann.

Die Handlung ist schnell erzählt:

Piratenkapitän Garcia, ein schwarzbärtiger, bäriger Typ, der das Fressen und die Weiber liebt (Giovanni Vari), bringt ein spanisches Schiff auf, auf dem zufällig Anna, die Prinzessin von Aragon und Lieblingsnichte des spanischen Königs (Claude Dantes), durch die Gegend reist. (Weswegen eigentlich?) Die gefangenen Männer sollen später auf der Pirateninsel gehängt, die Frauen als Sklavinnen verkauft werden. Doch ein maskierter Mann in Grün greift nachts an kritischen Punkten ein und unterwandert die Pläne der Piraten, während sich Juarez (George Hilton), der zweite Offizier Garcias, sich an Anna ranmacht. Als der Sklavenhändler Ramirez den Piraten erzählt, er habe den Grünen Mann schon mal gesehen - das sei nicht nur eine Legende! -, wird's langsam ernst...

Bild


Eine der amüsanten Besonderheiten des Films ist, dass er so tut, als ob er einen im Dunklen lassen wollte, wer der Grüne Mann wirklich ist, es aber bereits bei seinem ersten Auftritt sonnenklar sein MUSS, wer er ist. Dass die Geheimnistuerei um seine Identität tatsächlich bis zum Ende des Films durchgehalten wird, erreicht beinahe absurde Ausmaße und versetzt mich stets in große Heiterkeit.

Weswegen ich mir den Film auch immer wieder gern ansehe, ist die etwas schäbige B-Film Atmosphäre, die der Film auch gar nicht zu kaschieren versucht, wobei er aber auch nicht gänzlich in blanke Kärglichkeit abrutscht, sondern recht geschickt mit seinen Mitteln umgeht. (Kulisse: Demofilo Fidani.) Dabei kommen aus dieser Piraten-Mottenkiste nicht selten die schnurrigsten Kleinodien zutage. Toll etwa die aufgeklebten Filztotenköpfe auf den Hüten der Piraten. Die zwischendurch eingeschobenen Tanznummern mit einer besonders sinnlichen Tänzerin. Und nicht zuletzt eine wertvolle Uhr in der Beuteverteilung, die später, als sich das Blatt für die Piraten wendet, zu ihrem rechtmäßigen Besitzer zurückfindet - ein isoliertes und plotfremdes, aber deswegen umso erinnernswertes Kinkerlitzchen.

Der berühmteste der Schauspieltruppe ist wohl George Hilton, der hier (wie meist) etwas blass rüberkommt und wenig zu unterhalten weiß, ebenso auch "Kommissar X" Tony Kendall, der weit mehr kann, hier aber einen allzu braven und faden Charakter spielen muss. Man erkennt ihn kaum wieder. Anders Claude Dantes, die ihrer blass angelegten Prinzessinenrolle Grazie und Glaubhaftigkeit verleihen kann. Unter den Nebenrollen glänzt Pietro de Vico als stotternder, herumalbernder spanischer Mönch namens Pedrito - mit etwas Crossdresser-Komik gewürzt, die ja immer wieder gern an Bord genommen wird. Der schmierig agierende Lucio de Santis, sonst bekannt für seine Western-Mexikaner, gibt hier einen Sklavenschacherer, der sich auf weibliche Ware spezialisiert hat und sich die ganze Zeit irritiert zeigt, dass die Männer noch am Leben sind. :roll:

Am meisten Freude macht aber der Piratenkapitän Garcia (Giovanni Vari), der mit Gusto und Verve agiert. Ob nüchtern oder besoffen, ob besiegt am Boden oder mit Bräuten an seinen Armen...Vari stiehlt einfach allen anderen die Show. Von den Piraten hat er den größten Spaß, was vor allem
in der deutschen Fassung gut rüberkommt; der Synchronsprecher klingt Wolfgang Hess nicht unähnlich.

Schön in Erinnerung bleiben auch die oft unvermittelt "ausbrechenden" Gesang-, Musik- und Tanzeinlagen, die das alltägliche Treiben der Piraten auch akustisch illustrieren. Das macht einfach zwischendurch Sinn und Freude, denn zwischen dem Schiffskampf am Anfang (der zu einem guten Teil aus anderen Filmen zusammengesucht wurde) und dem finalen großen gegenseitigen Abstechen ist sonst nur eine versuchte Hinrichtung, eine Auspeitschung und eine (freilich sehr kurze und nur beiläufig abgewickelte) Sklavinnenversteigerung anzutreffen - genug jedenfalls, um das bunte Allerlei der Piratenwelt ohne großen Aufwand auf die Leinwand zu zaubern.

Bild


Vertunnios andere beiden, zeitnah zu diesem gedrehten Filme ("Il ribelle del Castelmonte" und "Il corsaro nell’isola del tesoro") sind schwer zu finden und in der OFDB noch nichtmal verzeichnet, und Vertunnios Leben nach diesen drei Regiearbeiten liegt derzeit noch im Dunklen. Ist er mit einem der anderen "De Angelis" verwandt?

Eventuell dürfte der Grüne Mann des Films eine Anspielung auf den Namen des Regisseurs sein: VERTunnio de Angelis, der sich unter dem Pseudonym Dean VERT versteckt.

VÖs:


"Allein gegen die Freibeuter" ist auf einer DVD von KSM unter dem Titel "Fluch der Piraten II" erschienen - wohl um sich heimlich ins teuer parfümierte Hollywood-Fahrwasser der "Fluch der Karibik"-Reihe zu bewegen. Sowas hätte der Film aber gar nicht nötig, es gibt ja das wunderschöne italienische Originalplakat!

Dieses ist jedoch, zu aller Trauer, nicht einmal auf der italienischen DVD von Cecchi Gori mit dem (inhaltlich nicht recht zutreffenden) Alternativtitel "L'uomo mascherato contro il corsaro nero" verwendet worden. (Der Titel wurde offenbar schon bei einem Kinorerelease in den 1970ern eingesetzt, wohl um den Film irgendwie mit dem erfolgreichen "Il corsaro nero" zu verknüpfen.)

Bild


Die deutsche DVD enthält die deutsche und die englische Synchronfassung. Beide sind recht gut gelungen. Die Bildqualität liegt leider im schlechteren Durchschnitt. Keine anamorphe Abtastung, aber rechts und links dürfte nicht allzu viel fehlen. Die Farben sind recht kräftig, Details lassen sich ausmachen, aber zuviel Anspruch darf man hier auf keinen Fall mitbringen. Kann man sich dennoch ohne größere Schmerzen ansehen.
Die italienische DVD scheint den Nutzerkritiken nach schlechter zu sein, eventuell sogar pan-and-scan Vollbild (4:3).

Bild Bild


Fazit:
Ein anspruchsloser, spannungsarmer, aber mit amüsanten Absurd-Details und viel Spielfreude aufwartender Piratenstreifen der italienischen B-Klasse.


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 1 Beitrag ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
© phpBB® Forum Software | phpBB3 Forum von phpBB8.de
» Kontakt & Rechtliches Support / Hilfe Forum Gooof Webdesign Kostenloses Forum Dein Forumo Forum web tracker