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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: ESTIGMA - José Ramón Larraz
PostPosted: 22.09.2018 17:47 
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ESTIGMA
Englischsprachiger Titel: STIGMA
Spanien / Italien 1980
Regie: José Ramón Larraz
Darsteller:
Christian Borromeo,
Alexandra Bastedo,
Helga Liné,
Craig Hill,
Massimo Serato

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Sebastián (Borromeo), ein junger Mann aus gutem Hause, plagen visionsartige Flashbacks, und zugleich scheint er die Fähigkeit zu besitzen, dass er andere Menschen über seine Gedanken beeinflussen kann. Dabei verspürt er den Drang, diese übersinnliche Einflussnahme auf tödliche Weise zu nutzen. Sebastián gibt einer Klassenkameradin gedanklich ein, in die Tiefe zu springen, und da er auf seinen Bruder wegen dessen Freundin Angie (Bastedo) eifersüchtig ist, manipuliert er auch diesen – und dies mit fatalen Folgen. Sebastiáns Mutter (Liné) ist verzweifelt und weiß nicht mehr ein und aus; einzig Angie kann sich in den jungen Mann hineinversetzen und versucht zu helfen – doch bringt sie dies in größte Gefahr…

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José Ramón Larraz bleibt sich auch in ESTIGMA seinem eingeschlagenen Weg treu und inszeniert die Geschehnisse in einem ausgeprägt ruhigen Erzählstil. Dies verwundert zunächst, da die filmischen Vorbilder um einen übersinnlich begabten Jugendlichen klar bei de Palmas CARRIE und THE FURY liegen, wo es für die Entstehungszeit beeindruckende Effekte gibt, die einen gehörigen Schauwert liefern – was besonders bei CARRIE an der Kinokasse belohnt werden sollte. Der spanisch italienisch produzierte ESTIGMA ist natürlich in einem gänzlich anderen Budget-Niveau angesiedelt und kann deshalb diese Effektschlachten nicht bieten, nutzt hierbei aber auch das Thema der Telekinese nur als Plot-Aufhänger. CARRIE wäre diesbezüglich dennoch als wichtiges Vorbild für ESTIGMA zu nennen, da beide Filme mit religiösen Motiven spielen. Carries Wut, die sich in ihrer telekinetischen Begabung entlädt, wurzelt in ihren unterdrückten Gefühlen, die ihr durch ihre religiös fanatische Mutter anerzogen wurden. In Larraz‘ Film deutet bereits Sebastiáns Name auf den christlich sakralen Kontext hin. So nimmt der Heilige Sebastian eine zentrale Stellung im Heiligenkanon der katholischen Kirche ein. Das Motiv des Heiligenmartyriums und damit das Motiv der Selbstaufgabe wird dann auch in ESTIGMA ständig thematisiert, indem Sebastián – der im Film von mehreren Personen mit dem absolut Bösen assoziiert wird – Visionen erfährt, in denen er Selbstmord begeht, um so die anderen Menschen vor seinem „bösen“ Einfluss zu schützen. Sebastiáns Stigma der Hellsichtigkeit sowie der übersinnlichen Gedankenmanipulation markiert sich vor allem in einer Szene: Er steht vor einem Kruzifix und schaut auf die blutigen Wundmale Christi, während seine Unterlippe zu bluten beginnt. Dieser Stigmatisierungsbezug zur biblischen Kreuzigung durchzieht die gesamte Handlung und zeigt sich immer dann, wenn Sebastián ein weiteres seiner Opfer gedanklich beeinflusst, wobei hier ein Sühnegedanke mitschwingen könnte: hatten doch die Opfer zuvor gegen Sebastián „gesündigt“, da sie ihn emotional herausgefordert haben. Deren „Bestrafung“ ist daraus die Konsequenz…

José Ramón Larraz‘ Werke unterscheiden sich von denen seines spanischen Landsmannes Paul Naschy maßgeblich. Das Verspielte, das Naive, wie es in Naschys zahlreichen Universal-Horrorfilm-Reminiszenzen wahrzunehmen ist, fehlt in Larraz‘ Filmen gänzlich und wird gegen eine kühl psychologisierte Beobachtung ausgetauscht. Dahingehend wirken dann auch die graphischeren Sequenzen in Larraz‘ Kino eher beschreibend, als dass sie eine (Film-)Wirklichkeit fantastisch verfremden. Selbst bei VAMPYRES rückt Larraz gehörig von den gängigen Vampirfilmklischees ab und schafft dadurch eine neue Perspektive auf das Genre. Insofern möchte ich seine psychologisch angelegten Horrorfilme mehr mit solchen Werken wie beispielsweise mit dem meisterhaften CANNIBAL MAN oder mit dem ebenso großartigen A BELL FROM HELL – gleichfalls von zwei spanischen Regisseuren – vergleichen; oder vielleicht könnte Larraz denn auch zusammen mit Narciso Ibáñez Serrador, Regisseur von WHO CAN KILL A CHILD?, gesehen werden. Ich vermute, dass vielen Zuschauern Larraz‘ Filme zu unspektakulär, zu verhalten – und das heißt im Umkehrschluss: einfach langweilig – erscheinen. Oftmals zeigt sich das Übernatürliche (wenn es ein solches ist), das Merkwürdige, das Besondere nur in einer leichten Kamerabewegung, in einer merkwürdigen Spiegelung, in einem Schatten, der ein verändertes „Licht“ auf die Szene legt. Dies ist auch in ESTIGMA zu beobachten, wo es zwar durchaus Horrorfilmmomente gibt, doch der eigentliche Schrecken bricht zwischen den „Zeilen“ hervor…

Eine kleine Übersicht der Filme Larraz':
youtu.be Video from : youtu.be


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