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 Betreff des Beitrags: KOLOBOS - Daniel Liatowitsch & David Todd Ocvirk
BeitragVerfasst: 29.09.2018 12:29 
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Kolobos
(Psycho House - Gefangen in einem Albtraum / Haunted House)
USA 1999 - Directed by Daniel Liatowitsch & David Todd Ocvirk
Starring: Amy Weber, Donny Terranova, Nichole Pelerine, John Fairlie, Promise LaMarco, Jonathan Rone, Ilia Volok...


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Es hört sich nach einem harmlosen Experiment an. Fünf junge Menschen verbringen für ein ungewöhnliches Filmprojekt einige Zeit in einem abgelegenen, geräumigen Landhaus und sind einfach sie selbst. Mit anderen Worten also eine unspektakuläre Big Brother-Spielart (bevor die Big Brother-TV-Show populär wurde), schließlich zeichnen die überall im Haus angebrachten Kameras jeden Flirt, jeden Streit, jede Diskussion und jedes Sonstwas auf Video auf. Die Kandidaten könnten unterschiedlicher nicht sein. Da wären einmal der ruhige, besonnene und attraktive Student Gary (John Fairlie) und der freche, nie um einen lockeren Spruch verlegene Komiker Tom (Donny Terranova). Und das sogenannte schwache Geschlecht setzt sich zusammen aus der quirligen, lebenslustigen, extrovertierten Tina (Promise LaMarco), der zickigen, selbstverliebten Möchtegern-Schauspielerin Erica (Nichole Pelerine) (*) sowie der hübschen aber unsicheren Kyra (Amy Weber), die aufgrund diverser Probleme eben erst in psychiatrischer Behandlung war und auf Medikamente angewiesen ist.

Noch bevor sich die Leute richtig eingelebt haben, kommt es wie aus dem Nichts zu einem höchst unschönen (und sehr überraschenden) Zwischenfall. Durch die Luft sausende Sägeblätter aus einer ausgelösten Booby Trap zerschneiden einem der Teilnehmer die Bauchdecke, und während der/die Bedauernswerte sein/ihr Leben aushaucht, riegelt sich das Gebäude scheinbar von selbst hermetisch ab. Verzweifelt suchen die Überlebenden nach einem Ausweg aus der perfiden Todesfalle und müssen sich schon bald die Frage stellen, ob sie ihren Kameraden überhaupt trauen können. Bereits die starke Eröffnungsszene deutet an, daß der in Omaha, Nebraska, entstandene Horrorschocker Kolobos (über)ambitioniert versucht, die ewig gleichen, ausgetretenen Pfade zu verlassen und dem Genre neue Facetten abzugewinnen. Inwieweit ihm das gelungen ist, darüber läßt sich dann doch streiten, schließlich ist der Rückblenden-Gimmick ein alter Hut, viele der Ingredienzien sind keinesfalls neu, und auch der Mindfuck-Ansatz der Auflösung wird viele Fans vor den Kopf stoßen.

Doch trotz aller Kritikpunkte zähle ich Kolobos zu den besseren - wenn nicht gar zu den besten - Genrefilmen der 1990er-Jahre. Der Handlungsaufbau mag noch etwas zäh geraten sein, aber sobald es dann ans Eingemachte geht, ziehen die Regisseure Daniel Liatowitsch und David Todd Ocvirk alle Register. In seinen besten Momenten wirkt Kolobos wie ein bluttriefender, surrealer, verstörender Alptraum, aus dem es kein Entrinnen gibt. Die Atmosphäre ist dicht, bedrohlich und beunruhigend; man hat das Gefühl, daß hier niemand sicher ist und daß jederzeit etwas Gräßliches geschehen kann. Die famos gestalteten Splatter-Set-Pieces sind kraftvoll umgesetzt und erfreuen den Fan mit einigen exzessiven Gewaltspitzen, wobei die Maskenbildner Jason Collins (I Spit on Your Grave-Remake) und Elizabeth Villamarin (The Dead Hate the Living!) erstklassige Arbeit geleistet haben. Die schauspielerischen Darbietungen sind gut, und die (gar nicht mal so dumm agierenden) Figuren sind ansprechend genug charakterisiert, um deutlich mehr zu sein als bloßes Kanonenfutter.

Ein weiterer großer Pluspunkt ist die eindrucksvolle Ästhetik des Streifens. In Anbetracht des überschaubaren Budgets sieht Kolobos verdammt gut aus. Die visuelle Umsetzung erinnert stark an das italienische Genrekino eines Dario Argento (Suspiria), und auch sonst zieht sich ein sehr angenehmes Giallo-Flair durchs mysteriöse, makabre Geschehen. Man achte etwa auf William Kidds effektiven Score (einige Stücke klingen glatt, als wären sie von Goblin komponiert worden), die stylische Szenenausleuchtung oder die eingestreuten Hommagen an Argento und Fulci. So gibt es kaum zu übersehende Verweise auf Profondo Rosso (Rosso - Die Farbe des Todes) und Zombi 2 (Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies). Letztere Szene ist übrigens gleichzeitig eine nette Anspielung auf Linnea Quigley - die in Kolobos ein Cameo hat - und Ihr Dahinscheiden in Charles E. Selliers Silent Night, Deadly Night (Stille Nacht, Horror Nacht). Alles kleine Schmankerl für Fans, welche die Huldigung der unvergessenen Genregrößen bestimmt wohlwollend goutieren.

Über weite Strecken ist Kolobos der feuchte Traum eines Horror-Aficionados, an dem es kaum etwas zu kritisieren gibt. Allerdings soll nicht unerwähnt bleiben, daß es ein (potentielles) Haar in der leckeren Suppe gibt, und als selbiges erweist sich hier die schwammige Auflösung, die so manchen Zuschauer verwirrt und/oder verärgert aus der Wäsche gucken läßt. Liatowitsch und Ocvirk bieten kein leicht verständliches Ende an, sondern fordern das Publikum auf, sich selbst Gedanken darüber zu machen, was genau da jetzt passiert sein könnte. Ein kühnes, um nicht zu sagen ausgesprochen waghalsiges Vorgehen, dem Zuschauer bei einem Slasher-Movie Mitdenken abzuverlangen. Insofern ist es kein Wunder, daß viele Kritiker den abgründigen Streifen nur aufgrund des Endes verreißen. Da ich Mindfuck-Filme, welche die Gehirnwindungen zum Glühen bringen, generell mag, habe ich mit der ambivalenten Auflösung natürlich kein Problem, im Gegenteil. Sie macht diesen furiosen Psycho-Slasher, der meterhoch aus der Masse des üblichen Schlitzer-Einerleis herausragt, erst so richtig interessant.

(*) Erica spielt die Hauptrolle in einer so billigen wie hohlen Slasherfilmreihe namens Slaughterhouse Factor, welche sie ihren Mitstreitern am Abend stolz präsentiert. Die sind allerdings von diesen blutig-öden Machwerken ebenso wenig angetan wie von Ericas schauspielerischer Performance, was an ihrem mächtigen Ego jedoch abprallt wie ein Gummiball an einer Betonwand.

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 Betreff des Beitrags: Re: KOLOBOS - Daniel Liatowitsch & David Todd Ocvirk
BeitragVerfasst: 30.09.2018 18:55 
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Hat mir bei Erscheinen auch extrem gut gefallen.
Müsste ich auch mal wieder einlegen, um zu schauen, ob er nach knapp 20 Jahren den Test of Time gut überstanden hat.

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 Betreff des Beitrags: Re: KOLOBOS - Daniel Liatowitsch & David Todd Ocvirk
BeitragVerfasst: 03.10.2018 00:40 
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Kann mich nur anschließen. Sehr schöner und leider etwas unterschätzter Streifen.
Allerdings wirkt die deutsche Sprachfassung
extrem billig und die LP Scheibe hat dann leider auch keinen O-Ton an Bord, der hier auf jeden Fall zu bevorzugen ist.


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 Betreff des Beitrags: Re: KOLOBOS - Daniel Liatowitsch & David Todd Ocvirk
BeitragVerfasst: 06.10.2018 12:27 
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B-Movie Rat hat geschrieben:
Kann mich nur anschließen. Sehr schöner und leider etwas unterschätzter Streifen.
Allerdings wirkt die deutsche Sprachfassung
extrem billig und die LP Scheibe hat dann leider auch keinen O-Ton an Bord, der hier auf jeden Fall zu bevorzugen ist.


Aus diesem Grund habe ich mir damals auch die qualitativ durchaus ansprechende Ami-Scheibe geholt. :D

Gerade bei B-Movies ist für mich O-Ton sowieso Pflicht. Wie letztens mal wieder schmerzvoll erlebt... eine lieblose, steril hingerotzte Synchronisation zerstört nicht nur die Atmosphäre, sondern kann auch einen guten Film völlig ruinieren. :(

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