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 Betreff des Beitrags: IMMER BEI VOLLMOND - Rudolf Lubowski
BeitragVerfasst: 10.10.2018 19:17 
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IMMER BEI VOLLMOND

● IMMER BEI VOLLMOND / DIE NACHT DER TOTEN FRAUEN (D|1970)
mit Kai Fischer, Heinz Weiss, Alois Maria Giani, Otto Stern, Camilla Horn, Li Menon, Henry van Lyck, Jutta Simon,
Bruno W. Pantel, Alexis von Hagemeister, Margot Mahler, Panos Papadopulos, Alexander Pleyer und Bum Krüger
eine Rudolf Lubowski Produktion | im Verleih der Film-Allianz
ein Film von Rudolf Lubowski


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»Tatsachen, so meine ich, sind leider oft irreführender als Illusionen!«

In einer kleinen Stadt treibt ein Serienmörder sein Unwesen, der es ausschließlich auf hilflose Frauen abgesehen hat und nur in Vollmondnächten zuschlägt. In der Bevölkerung nennt man ihn daher den "Vollmondmörder". Bisweilen stagnieren die Ermittlungen der Polizei, doch Kommissar Mallet (Heinz Weiss) und der Kriminalrat (Otto Stern) sind sich ziemlich sicher, dass man es mit Sexualdelikten zu tun hat. Mit der Zeit können zwar einige Verdächtige aufgespürt werden, doch der wahre Täter wird nicht gefasst. Aber wer steckt hinter der Mordserie? Als ein weiteres Verbrechen geschieht, kann der unscheinbar wirkende Beamte Christian Wegelin (Alois Maria Giani) die entscheidende Spur liefern...

Rudolf Lubowski trat sporadisch als Regisseur, Drehbuchautor und hier sogar als Produzent dieses Spät-Kriminaldramas auf, und es lässt sich inszenatorisch gleich eine zeitliche Anpassung feststellen, da die 70er Jahre nicht mehr weit entfernt waren. In diesem Zeitfenster sollten zahlreiche Filme derartiger Machart entstehen, und im Fall von "Immer bei Vollmond", oder "Die Nacht der toten Frauen", dessen Titel fast kleine Horror-Flicks suggerieren möchten, lassen sich ein paar vage Parallelen zu Ladislao Vajdas "Es geschah am hellichten Tag" aus dem Jahr 1958 feststellen, wenngleich man unter Lubowskis Regie stilistisch gesehen weit entfernt von einem Überflieger ist. Gedreht wurde die eigentümlich wirkende Veranstaltung 1969 in Augsburg und die Umgebung kann für spürbares Flair, aber auch gleichzeitig eine Art Vakuum sorgen, da provinzielle Gesetze die Szenerie beherrschen. In eine solche Umgebung passt ein Serien-Triebtäter natürlich überhaupt nicht hinein, sodass sich sogar den Pfarrer zu eindeutigen Worten von der Kanzel hinreißen lässt, die sich eher mit der vermeintlichen Schuld der weiblichen Opfer befassen. Der Verlauf verliert keine Zeit um nicht in die Gänge zu kommen und es fehlt somit deutlich an Fahrt und Spektakel. Auf der anderen Seite wird hingegen schon versucht, den Kriminalfall um die Jagd nach einem offenkundigen Sexualstraftäter klar und verständlich aufzubauen, doch die ganze Angelegenheit wirkt reichlich behäbig und starr, obwohl viele Personen nicht müde werden, den nächsten Mord bei Vollmond anzukündigen. Rudolf Lubowski, der mit "Immer bei Vollmond" bereits seinen letzten von nur vier Filmen inszenierte, versucht im Rahmen seiner Mehrfachanforderung dem Thema und der psychologischen Komponente gerecht zu werden, indem ein Netzwerk von Personen vorgestellt und integriert wird, über welches sich einige Zusammenhänge herleiten können.

Insgesamt ist jedoch anzumerken, dass es nur bedingt gelungen ist Ausgewogenheit herzustellen. Anhängern des Kriminalfilms wird zu wenig Klassisches und Spannung geboten, und Fans des Spektakels zu wenig Exposition. Auch im Rahmen der Besetzung bekommt der Zuschauer zwar ansprechende Leistungen zu sehen, doch leider handelt es sich bei der hier auftauchenden Entourage nur um die zweite Garnitur. Das Fehlen eines Zugpferdes macht sich daher von Anfang bis Ende bemerkbar und im Fahrwasser der abebbenden Krimi-Welle kann dieser Beitrag keine neuen Akzente setzen. Vielmehr lassen sich immer wieder deutliche Parallelen zu bekannten Artgenossen entdecken, so beispielsweise beim Erklingen von Beethovens "Mondscheinsonate", die auch den Vorspann sehr vielversprechend begleitet, und der Mörder bei dieser Untermalung auch einmal zuschlägt, wie es schon 1963 in Alfred Vohrers Wallace-Beitrag "Das indische Tuch" zu sehen war. Zu wenig Whodunit und ausgebremst wirkende Sequenzen machen "Immer bei Vollmond" schwer zu schaffen. In diesem Zusammenhang helfen auch einige nette Wendungen und das Angebot einiger Verdächtiger nicht weiter, das Geschehen in vollends zufriedenstellende Bahnen zu lenken. Uninteressant sind Konzept und Geschichte auch wiederum nicht, sodass es trotz zäher Tendenzen und harter Proben für den Zuschauer zu einem eigenartig bei der Stange haltenden Flair kommt, wenn auch leider nicht durchgehend. Dass ein Frauenmörder sein Unwesen in Serie treibt, stellte sich in unzähligen Formaten als guter Motor heraus, doch bei Rudolf Lubowskis Bearbeitung fehlen im Endeffekt die großen Schockmomente und eine konsequent aufgezogene Beunruhigung. Selbstverständlich ist die Anzahl der Vollmondnächte naturgemäß begrenzt, sodass der Täter nicht alle Nase lang zuschlagen kann, aber ein wenig mehr mörderische Aktivität hätte dem Verlauf schon gut getan.

Beim Blick auf die Besetzungsliste lassen sich zahlreiche bekannte Namen ausfindig machen, aber wie bereits erwähnt nicht die ganz großen Highlights. Dennoch wird dieser Eindruck weitgehend durch darstellerische Qualitäten kompensiert, wenngleich es hier und da an Finesse fehlt, was die charakterlichen Zeichnungen angeht. Die Credits spucken die Stars des Films in alphabetischer Reihenfolge aus, sodass dem Empfinden nach Niemandem ein auffallend exponierter Status eingeräumt wird, was sich im laufenden Film bezüglich so mancher Auftrittsdauer auch bestätigen wird. Kai Fischer war und ist immer ein gerne gesehenes Gesicht gewesen, und hier übernimmt sie eine Rolle, die weitgehend entgegengesetzt zu ihren üblichen Einsatzgebieten erscheint. Zwar spielt sie auch hier mit dem Feuer, doch auf eine ungewohnt einfältige Art und Weise. Recht gute Darbietungen sieht man auf Seiten der Kriminalpolizei, denn Heinz Weiss und vor allem Otto Stern präsentieren sich dem Kleinstadt-Thema entsprechend provinziell und bürokratisch. Alois Maria Giani überzeugt aufgrund seiner doppelbödigen Darstellung. Ganz besonders interessant ist die Tatsache, dass man den einstigen Stummfilmstar Camilla Horn in einer ihrer zum späteren Karrierezeitpunkt rar gewordenen Rollen zu Gesicht bekommt. Allerdings räumt die Dramaturgie ihr keine große Bühne ein, was gerade bei ihrem darzustellenden Charakter sehr wichtig gewesen wäre. Insgesamt verfügt der Film über eine angemessene Bildgestaltung, die nicht zuletzt aufgrund der vielen Nachtaufnahmen zu einer immer wieder schaurigen Atmosphäre führt. Die Geschichte wirkt trotz des verschenkten Potentials unterhaltsam und weitgehend überzeugend, allerdings kann man keineswegs von einem Genre-Klassiker sprechen. Freunde der gepflegten Krimi-Unterhaltung werden sich daher eher gut aufgehoben fühlen als solche, die sich vom verheißungsvoll anmutenden Titel in die Irre haben leiten lassen.


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