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 Betreff des Beitrags: Moral 63 (1963)
BeitragVerfasst: 11.09.2018 13:14 
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MORAL 63

● MORAL 63 (D|1963)
mit Nadja Tiller, Mario Adorf, Peter Parten, Charles Regnier, Fritz Tillmann, Erika von Thellmann und Rudolf Forster
eine Franz Seitz | Thalia Filmproduktion | im Constantin Filmverleih
ein Film von Rolf Thiele


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»Dich hat sich der Teufel einfallen lassen!«

Während des Kölner Karnevals kommt es zu einem Zwischenfall, denn die attraktive Marion Hafner (Nadja Tiller) wird von der Polizei abgeführt. Die Gründe für die Verhaftung der jungen Betreiberin eines Bordells lauten: Erregung öffentlichen Ärgernisses, Kuppelei und Unzucht. Der Sensationsreporter Axel Rottmann (Mario Adorf) wittert umgehend eine publikumswirksame Story und schließt mit Marion einen Vertrag über 100.000 D-Mark ab. Sie soll alle pikanten Details ihrer Begegnungen verraten und Namen der prominenten Kundschaft nennen...

Was die Allianz Rolf Thiele und Nadja Tiller betrifft, führen wohl alle Wege zu dem Großerfolg "Das Mädchen Rosemarie" zurück, der genau wie "Moral 63" ausschließlich um die gebürtige Wienerin herumkonstruiert wurde. Alleine durch diese Tatsache kommt es naturgemäß dazu, dass diese sozialkritischen und in biedere Erotik getränkten Beiträge sehr isoliert bezüglich der anvisierten Kritik und zäh wirken. Zur Entstehungszeit mag auch diese Geschichte aus inszenatorischen Gesichtspunkten noch skandalös und von der Thematik her brisant gewirkt haben, doch für heutige Verhältnisse ist nicht besonders viel Außergewöhnliches übrig geblieben. Rolf Thiele spielt wie üblich mit der sogenannten Moral von der Geschicht' und zunächst ist es einmal interessant zu sehen, welche Wirkung das ausreichend vorhandene Lokalkolorit entfalten kann. Eine edle Ausstattung, erlesene Dekors, charakteristische Requisiten und eine extravagante Kameraführung unterstreichen nicht nur die Ambition des Films, sondern verschleiern gleichzeitig die Schwerfälligkeit, die sich durch den kompletten Verlauf windet. In Rückblenden angelegt, erlebt man eine regelrechte Guided Tour durch eine Welt vorgefertigter Abgründe und choreografierter Skandale, die aber nicht lange von ihrem anfänglichen Momentum profitieren kann.

Rolf Thiele verliert sich mit Vorliebe in pikanten Andeutungen und schlüpfrigen Anspielungen, kommt dabei aber nicht so richtig zum Punkt des Ganzen, sodass sich eine frühe Langeweile einschleicht, da weder Geschichte noch Darbietungen interessant genug ausgefallen sind, um für Daueraufmerksamkeit zu sorgen. Erschwerend hinzu kommt beispielsweise ein teils strapaziöser Einsatz der Musik oder eine schwache Tricktechnik. Die Besetzung von "Moral 63" liest sich durchweg prominent, doch die Geschichte lässt insgesamt gesehen keine besonderen Kapriolen zu. Dies gilt auch für Thieles Haupt- und Lieblingsdarstellerin Nadja Tiller, die darstellerisch viel zu sehr das anbietet, was man bereits seit Jahren von ihr gewöhnt war, aber dennoch gibt sie dem Ganzen aufgrund ihrer lasziven Aura einen Sinn. Größen wie Charles Regnier, Mario Adorf, Fritz Tillmann, Erika von Thellmann oder etwa Rudolf Forster bieten hauptsächlich Routine an und stellen ihre Erfahrung unter Beweis. Rolf Thieles Film ist insgesamt nur als durchschnittlich, phasenweise sogar langatmig zu bezeichnen, und der satirische Versuch der Kritik an einer weit verbreiteten Doppelmoral scheitert, da "Moral 63" sich gleich selbst ausgiebig einer solchen bedient. Erneut zeigt sich keine ausreichende Balance zwischen erotischem Unterhaltungskino und einer kritischen Auseinandersetzung, sodass der Film für heutige Begriffe keine Relevanz mehr hat.


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 Betreff des Beitrags: Das Mädchen und der Mörder - Die Ermordung Trotzkis (1972)
BeitragVerfasst: 24.09.2018 08:30 
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Alain Delon   Richard Burton   Romy Schneider  in

DAS MÄDCHEN UND DER MÖRDER

● L'ASSASSINIO DI TROTZKY / L'ASSASSINAT DE TROTZKY / THE ASSASSINATION OF TROTZKY /
DAS MÄDCHEN UND DER MÖRDER - DIE ERMORDUNG TROTZKIS (I|F|GB|1972)
mit Valentina Cortese, Luigi Vannucchi, Jean Desailly, Simone Valère, Duilio Del Prete, Peter Chatel sowie Giorgio Albertazzi
eine Produktion der Dino de Laurentiis Cinematografica | CIAC | Cinétel | Joseph Shaftel Productions | im Constantin Filmverleih
ein Film von Joseph Losey


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»Der Krieg ist nun mal ein Spiel für Kapitalisten!«

Leo Trotzki (Richard Burton), der einstige Weggefährte Lenins, lebt nach seiner Flucht aus der Sowjetunion in Mexiko-Stadt im Exil. Zu seinem schwer bewachten Haus haben nur wenige Personen Zutritt, wie seine Lebensgefährtin Natalja (Valentina Cortese). Als 1940 trotz eindringlicher Warnungen ein Anschlag auf das Haus und somit Trotzki verübt wird, kommt es zu verschärfen Sicherheitsmaßnahmen, da außerdem sein amerikanischer Leibwächter (Carlos Miranda) in die Hände der Attentäter gelangt ist, und später ermordet aufgefunden wird. Die latente Gefahr mobilisiert sich schließlich im Hintergrund, da Leo Trotzkis Dolmetscherin Gita Samuels (Romy Schneider) die Gefahr trotz ihrer uneingeschränkten Loyalität ihm gegenüber in seine unmittelbare Nähe lässt. Sie lebt mit einem Mann zusammen, der sich als US-Amerikaner (Alain Delon) ausgibt und sich Frank Jacson nennt. Wird er das zu Ende bringen, was andere nicht geschafft haben..?

Der US-amerikanische Regisseur Joseph Losey kann auf eine ausgefüllte Karriere blicken, in der sich nicht wenige Filme befinden, die ein Aufgebot von Top-Stars zur Verfügung hatten. Dies stellt generell eine gute Voraussetzung für jede Produktion dar, doch für einen Erfolg müssen natürlich auch die Geschichten vielversprechend ausgearbeitet sein. In "Das Mädchen und der Mörder - Die Ermordung Trotzkis" beweist die Regie ein gutes Gespür für die sachgemäße Abhandlung historischer Hintergründe und geht mit Akribie vor, was streckenweise zulasten einer flüssig erzählten, beziehungsweise publikumswirksamen Inszenierung geht. Zwar hängt die Gefahr stets lauernd über dem Szenario - nicht zuletzt wegen des verheißungsvollen Titels und geschichtlicher Tatsachen - aber insbesondere im Mittelteil fehlt es schon etwas an Drive, wobei man die Intention dieses Films sicherlich nicht auf reißerische angelegtes Kino reduzieren sollte. Eindrucksvolle, zum Teil destruktive Bilder und imposante Sets kreieren eine besondere Atmosphäre, die authentisch und überzeugend, in vielen Sequenzen aber auch beklemmend wirkt. Der Fall Trotzki konnte nie restlos aufgeklärt werden, sodass sich Losey an den strikten Leitfaden hält, nicht ins allzu Spekulative abzudriften. Ein behutsamer Aufbau lässt viel Spielraum für dichte Zeichnungen der Hauptcharaktere, die darstellerisch auffällig gegensätzlich wirken, obwohl es genügend Berührungspunkte zu geben scheint.

In der Titelrolle bekommt es der geneigte Zuschauer mit einem überaus disziplinierten Richard Burton zu tun, der die Szenerie in aller Diskretion dominiert, da über seine Person ein Großteil der Spannung aufgebaut wird. Aufgrund seiner bevorstehenden Ermordung ist somit nicht die Frage wie es vonstatten gehen wird am interessantesten, sondern man beschäftigt sich mit dem »Warum?«. Burton bekommt aufgrund der eng abgesteckten Dramaturgie eigentlich wenige Möglichkeiten geboten, sich frei zu spielen, jedoch legt die Geschichte einen anderen Schwerpunkt. Hier kommt Alain Delon ins Spiel, dessen Gefühlslage den Zuschauer beschäftigen wird. Joseph Losey widmet sich in diesem Zusammenhang nicht einer Art aussichtslosem Ehrgeiz, für eine lückenlose Klärung sorgen zu wollen, aber auf dieser Ebene wird es alternative Angebote und mögliche Beweggründe geben, die zwar auch den geschichtlichen Tatsachen entsprechen, jedoch von Delon sehr variabel dargestellt werden, sodass einige Deutungsmöglichkeiten zurückbleiben. Alain Delon fällt durch eine besondere Effizienz seiner Darbietung auf, da er nur in wenigen Szenen aus sich herauskommen darf. Trotz einer eigentlich vollkommen zerrütteten Persönlichkeit wie ihm erlebt man keine diffusen Gefühlskapriolen, was in stillen Momenten dazu führt, dass man ihn zunächst nicht voreilig oder einseitig stigmatisieren will - was im Endeffekt jedoch unausweichlich sein wird.

Diese Eindrücke werden weniger über Leo Trotzki, als über Gita Samuels alias Romy Schneider gebahnt, was ihrer eigentlich wenig relevant erscheinenden Rolle eine besondere Schlüsselfunktion zuspielt. Der Verlauf macht aus ihr eine klassische Antagonistin mit der besonderen Fähigkeit, den Zuschauer unmittelbar anzusprechen - und zwar in alle erdenklichen Richtungen. Dies deckt die wichtigen Bereiche wie beispielsweise Gerechtigkeitsempfinden, Ehrgefühl oder Moral ab, aber auch die Gegenseite, denn schließlich lebt sie mit einem potentiellen Mörder zusammen. Romy Schneiders manchmal zügelloses Temperament wirkt hier beinahe wie das einzige Sprachrohr einer doch so aufgeladenen Geschichte, in der viele andere Personen schweigen. Ihre Szenen mit Partner Alain Delon verbreiten erwartungsgemäß eine beinahe obligatorisch wirkende Intimität und einen so natürlich vorhandenen Zündstoff, der für Aufsehen sorgen kann. Eine Schlüsselszene in einer Stierkampfarena transportiert Eruptionen der Gefühle, Aggressionen und bevorstehenden Gewalt; schließlich reizt diese in die Länge gezogene Sequenz eine prosaische Variante der Darstellung komplett aus, indem der wilde Stier minutenlang gehetzt wird und mit dem Tod kämpfen muss, bevor ihm das erlösende Ende gemacht wird. Der tatsächliche Showdown des Films wird außerdem durch diese blutrünstige Strecke vorskizziert, in welchem einem die Minuten vorkommen werden wie eine halbe Ewigkeit.

"Das Mädchen und der Mörder - Die Ermordung Trotzkis" ist mit den Jahren etwas in Vergessenheit geraten und findet in der Karriere von Romy Schneider, wie im Allgemeinen auch, keine besondere Erwähnung. Bleibt man bei der weitgehend hochwertigen Inszenierung, ist diese Tatsache vielleicht ein wenig unverständlich, schließlich wurde im klassischen Sinn alles richtig gemacht. Auf der Gegenseite steht ein jedoch hin und wieder sperrig wirkender Film, der seine Publikumswirksamkeit nicht richtig auszuspielen weiß. Manche Szenen ziehen den Verlauf stark in die Länge und lassen ihn beinahe trocken wirken, beispielsweise wenn Richard Burton seine (politischen) Gedanken auf Tonband diktiert und dabei immer der Inbegriff von Sachlichkeit bleiben muss. Die zum Ausgleich angebotenen Emotionen wirken daher manchmal nur zweitrangig. Möglicherweise lässt sich sagen, dass dieser überqualifizierte Film schlussendlich schlicht und einfach an bestehenden Sehgewohnheiten scheitert, aber trotzdem zu einem hochwertigen Ergebnis gekommen ist, da geschichtliche Hintergründe und spekulative Inhalte besonders geschickt miteinander verknüpft sind. Joseph Losey lieferte insgesamt gesehen zwar keinen Coup oder gar Klassiker, aber sicherlich einen ernstzunehmenden Beitrag an, der stilistisch und inszenatorisch einem roten Faden folgt und seiner offensichtlichen Ambition treu bleibt. Fans des eher anspruchsvollen Kinos und der Interpreten werden somit sicherlich auf ihre Kosten kommen.


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 Betreff des Beitrags: Kommissar X jagt die roten Tiger (1971)
BeitragVerfasst: 26.09.2018 20:46 
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● KOMMISSAR X JAGT DIE ROTEN TIGER / F.B.I. OPERAZIONE PAKISTAN / TIGER GANG (D|I|PA|1971)
mit Tony Kendall, Brad Harris, Gisela Hahn, Mohammad Ali, Ernst Fritz Fürbringer, Zeba, Rainer Basedow, Nino Korda, u.a.
eine Produktion der Divina Film | Regina Film | Virginia Cinematografica | Montana Films | im Gloria Filmverleih
Ein Film von Harald Reinl


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»Du hast zwar Mundgeruch, aber mach trotzdem die Schnauze auf!«

Die Bande der roten Tiger schmuggelt Rauschgift im großen Stil aus Afghanistan über den Chaiber-Pass nach Pakistan. Um dieses Millionengeschäft nicht zu gefährden, werden Widersacher brutal beseitigt. Um die Bande unschädlich zu machen, werden Kommissar X (Tony Kendall) und Captain Tom Rowland (Brad Harris) nach Pakistan geschickt, und sie müssen schnell erfahren, mit welch rücksichtslosen Gegnern sie es zu tun haben. Ihre drei Kontaktadressen sollen bei der schwierigen Mission behilflich sein, doch einer dieser Leute fällt einem verbrecherischen Anschlag zum Opfer. Die Untersuchungen führen dennoch zu brauchbaren Erfolgen, denn die aufmerksamen Ermittler können sich an einige verdächtige Personen heften. Werden sie den roten Tiger zur Strecke bringen können..?

Der siebte und finale Teil der "Kommissar X"-Reihe wurde seinerzeit nach zweijähriger Pause gedreht. Um der Reihe nochmals neuen Schwung zu geben, wurde die Inszenierung Krimi-Spezialist Harald Reinl anvertraut und in diesem Zusammenhang lässt sich sagen, dass es schon alleine stilistisch gesehen markante Unterschiede bei der qualitativen Verarbeitung gibt. Der Film wurde im Vergleich zu Teilen der internen Konkurrenz nochmals aufwändiger gestaltet und es ist der aufmerksamen Regie zu verdanken, dass sich einige neue Impulse im Becken der Routine finden lassen, außerdem eine härtere Gangart wahrzunehmen ist. Leider schreibt es das Gesetz der Serie aber naturgemäß vor, dass die Luft nach so vielen Jahren etwas heraus sein muss, sodass keine weiteren Teile mehr produziert wurden. Der atmosphärische Einstieg zeigt die Lakaien des Chefs, des sogenannten roten Tigers, der seine präzisen Anweisungen aus dem Off gibt und dabei unmissverständlich darauf hinweist, dass man unerbittlich mit Widersachern zu verfahren hat. Vor exotischer Kulisse darf sich die Geschichte also formen und die Personen charakterisieren sich praktischerweise selbst. Schnelle Morde lassen die Szenerie äußerst bedrohlich wirken, und obwohl der langjährige "Kommissar X"- Fan schon einiges miterleben durfte, wirkt das Konzept zu keinem Zeitpunkt besonders langatmig, wenngleich etwas abgenutzt. Interessant ist, dass man hier optisch in den beginnenden 70er-Jahren angekommen ist. Die Geschichte erzählt von Mord, Totschlag und Drogenhandel, was subversive Kräfte mobilisiert. Die Dichte der flotten Sprüche ist in "Kommissar X jagt die roten Tiger" ungewöhnlich hoch, sodass es je nach persönlichem Gusto hin und wieder etwas schwerfallen kann, nicht ausgiebig mit dem Kopf zu schütteln. Dennoch bleibt es actionreich und spannend, zumal man es mit bekannten Helden und einem netten Whodunit zu tun bekommt, den Harald Reinl allerdings gegen Ende etwas verspielt.

Die Stammbesetzung ist wie üblich gut aufgestellt und kommt dem Empfinden nach noch um Einiges abgebrühter und cooler daher, als man es ohnehin gewöhnt war, was vielleicht zusätzlich an der teils überschwänglichen Dialogarbeit liegen mag. Tony Kendall in der Titelrolle wirkt spritzig und dynamisch; von Abnutzungserscheinungen kann hier keine Rede sein, was sich auch über seinen Kollegen Brad Harris sagen lässt. Zwar wirkt er wie immer um einiges agiler als sein Partner, doch "Kommissar X" ist erfahrungsgemäß nicht der Mann, der sich mit der bloßen Drecksarbeit befassen möchte, sondern es bleibt Zeit für die schönen Dinge des Lebens. So ist beispielsweise ist eine außergewöhnlich schön sowie anziehend wirkende Gisela Hahn zu erwähnen, die ihre Performance angenehm gestaltet und mit dem nötigen Sex-Appeal ausstattet, ohne dabei jedoch einen darstellerischen Kraftakt hinlegen zu müssen. Ähnliches gilt für die Inderin Zeba, deren Leistung durchaus in Erinnerung bleibt. Bei den weiteren Rollen sind beispielsweise Routinier Ernst Fritz Fürbringer oder Mohammad Ali hervorzuheben. Die turbulente Geschichte ist insgesamt gesehen ein vielleicht nicht krönender Abschluss einer erfolgreichen Reihe, jedoch machen sich die noch einmal verwendeten frischen Impulse sehr gut, dass man es schlussendlich mit einer durch und durch kurzweiligen Angelegenheit zu tun bekommt. Am Ende wird auch hier wieder die Gerechtigkeit siegen und offensichtlich wurde ein Hintertürchen für eine Fortsetzung offen gelassen, da der Zuschauer vollmundig von Captain Rowland, beziehungsweise Rainer Brandt in der deutschen Version, den nächsten Fall angekündigt bekommt. Schade, dass es nicht mehr dazu kommen sollte, denn immerhin hatte man es in der "Kommissar X"-Reihe mit einem ergiebigen Format zu tun, welches mit jedem einzigen Spielfilm mehr oder weniger überzeugen, aber vor allem unterhalten konnte. Harald Reinls Beitrag kann sich insgesamt sehen lassen und weiß bei jeder erneuten Sichtung erstaunlich gut zu unterhalten.


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 Betreff des Beitrags: Die goldene Kette (1987)
BeitragVerfasst: 29.09.2018 00:35 
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DIE GOLDENE KETTE

● DAS ERBE DER GULDENBURGS - DIE GOLDENE KETTE (D|1987) [PILOTFILM]
mit Brigitte Horney, Karl Heinz Vosgerau, Christiane Hörbiger, Katharina Böhm, Jochen Horst, Wolf Roth, Jürgen Goslar,
Wilfried Baasner, Iris Berben, Ruth Maria Kubitschek, Sigmar Solbach, Susanne Uhlen, Monika Peitsch und Sydne Rome
hergestellt durch die Neue Deutsche Filmgesellschaft | im Auftrag des ZDF
ein Fernsehfilm von Jürgen Goslar


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»Wo die Geier kreisen, sind die Schakale nicht weit...«

Martin Graf von Guldenburg (Karl Heinz Vosgerau) lädt zu seinem 60. Geburtstag auf seinem Anwesen ein. Kurz darauf verunglückt der Graf tödlich mit seinem Wagen, und auf seine zweite Frau Christine (Christiane Hörbiger) kommt eine schwere Zeit zu. Da ihr Mann sich um alle Geschäfte gekümmert hat, steht sie vor einer schier unlösbaren Aufgabe, da sie sich bislang nie für derartige Belange zu interessieren brauchte. Kurz nach der Testamentseröffnung muss sie auch noch erfahren, dass das Gut kurz vor dem Ruin steht. Doch nicht genug damit: Graf Martin hatte nicht nur eine Geliebte, sondern aus dieser Verbindung ist auch noch ein uneheliches Kind entstanden. Wie soll es unter diesen Umständen mit der Dynastie Guldenburg weitergehen..?

Der Pilotfilm "Die goldene Kette" legt den Grundstein für den außerordentlichen Erfolg der Familiensaga "Das Erbe der Guldenburgs", die es zu Spitzenquoten bis nahezu 18 Millionen Zuschauern brachte. Seinerzeit wurde das Format von der Kritik weitgehend negativ reflektiert, doch in der Retrospektive lässt sich sagen, dass es sich um eine der hochwertigsten und spektakulärsten deutschen Serien handelt. Ein breitgefächertes Konglomerat aus Intrigen, Tradition und Leidenschaft bildet die Traumwelt, in die der interessierte Zuschauer auch heute noch gerne abtauchen möchte. Die Hauptakteure liefern im Großen und Ganzen nicht nur teils atemberaubende Leistungen, sondern repräsentieren auch die Elite der deutschen TV-Stars, die immer wieder durch internationale Erweiterungen aufgefrischt wurde. Regisseur Jürgen Goslar, der selbst eine tragende Rolle in der ersten Staffel übernahm, gestaltet den Einstieg sehr klassisch, denn die Hauptfiguren und deren Charaktereigenschaften werden präzise vorgestellt. Hierbei zeichnet sich ein schnelles Bild über Gut und Böse, Agonisten und Antagonisten, folglich Sympathien und Antipathien. Die Konstellationen gleichen zunächst keinem Roulette und Erklärungen werden im Verlauf oftmals über die Vergangenheit geliefert, bis sich das Mosaik langsam zusammenfügt.

Graf Martin feiert seinen sechzigsten Geburtstag, was den Startschuss für das Zusammenkommen der Familie darstellt, sei es aus allen Himmelsrichtungen. Ob aus England, Ägypten oder per Helikopter vom Balbeck'schen Hochhaus; Gutgesinnte, Widersacher und Konkurrenten versammeln sich im idyllischen Schlosspark, der wenig später zur Arena wird. Diese Vorstellungsrunde bedient sich des einfachen Mittels, dass sich die Personen gegenseitig kommentieren und außerdem in Selbstinszenierungen charakterisieren. Gräfin Hertha, das Oberhaupt der Guldenburg-Dynastie, beobachtet das Geschehen hoheitsvoll, aber ebenso aufmerksam durch ein Opernglas, um alle Gäste, aber vor allem die Etikette genauestens im Auge zu haben. Obwohl sie Noblesse und Contenance beweist, lässt sie sich dennoch zu kritischen Seitenhieben hinreißen, insbesondere in Richtung der Hamburger Bierkönigin Margot Balbeck, samt Gefolgschaft. Kurz und knapp werden sie als »ordinär« tituliert und beim Blick auf Ruth Maria Kubitschek im goldenen Kleid stellt sich ein Kopfnicken ein, schließlich hat man es mit dem Inbegriff einer Neureichen zu tun, die einst ganz unten war. Die Konkurrenz der Guldenburgs spricht unmittelbar nach der Landung im Park für sich selbst, als Frau Balbeck voller Genugtuung erwähnt, dass sie auf diesen Augenblick 36 Jahre gewartet habe.

Es ist mehr als auffällig, dass die Szenerie von starken und selbstbewussten Frauen dominiert wird, was sich als entscheidender Unterschied zu ähnlichen Serienformaten herausstellt. Zwar hatte Graf Guldenburg die Fäden in der Hand, allerdings sieht er seinem plötzlichen Ende entgegen, nicht zuletzt um den Titel der Serie zu rechtfertigen. Übrig bleiben Damen und solche die es gerne wären oder nie waren, doch eines haben sie gemeinsam: den Willen, sich durchzusetzen. "Das Erbe der Guldenburgs" lebt vom ersten Moment an von seiner hochwertigen Ausstattung, den barrierefreien Ortswechseln und der Ausnahmeleistungen der deutschen TV-Prominenz, die sich hier von Anfang bis Ende die Klinke in die Hand gibt. In Fraktionen wird eine alte Familienfehde zwischen den adeligen Guldenburgs und neureichen Balbecks ausgetragen, die in unmittelbarer Konkurrenz stehen, da sie jeweils Brauereien besitzen. Wo die einen auf Tradition und Qualität achten, ist es bei den anderen die Masse, die nicht nur zu Geld, sondern vor allem auch zu Macht verhilft. Margot Balbeck ist eine der einflussreichsten Personen in Hamburg und hat es seit Urzeiten auf den Besitz der Guldenburgs abgesehen. Da der Graf seine geschäftliche Verbindung mit ihr eingehen will, weil er aus Liquiditätsgründen muss, ist der Grundstein für das teils spektakuläre Tauziehen gelegt.

Neben dieser Basis finden viele Nebenhandlungen einen überzeugenden Einsatz, die sich mit Leidenschaft, Hass, Überlebenskunst und Intrigen beschäftigen, sodass der Serie eigentlich nie die Luft ausgehen sollte, wenn nicht das Gesetz der Serie wäre. Da alle Personen ausgiebig vorgestellt sind und die Konstellationen sich geordnet haben, findet man als Zuschauer sehr schnell seine eigene Position. Klassische Sympathieträger sind zwar auch hier genügend vorhanden, doch es ist überaus bemerkenswert, dass so gut wie jede Person Ecken und Kanten sowie unbequeme Seiten, wenn nicht sogar Leichen im Keller hat. Diese leichte Abkehr vom typischen Schwarzweißdenken und Heldentum zahlreicher Serien verleiht den "Guldenburgs" ein bemerkenswertes Profil. Der Pilotfilm besitzt daher Spielfilmformat und deutet ausgiebig an, wohin die Reise mit Adel und Pöbel noch gehen wird. Das Ende des Grafen ist urplötzlich gekommen und es trifft das ein, was bereits an seiner Geburtstagsparty erwähnt wurde: Geier kreisen und Schakale kommen aus ihren Löchern. Wer zu welcher Fraktion gehören wird, klärt sich nur andeutungsweise in diesem Startballon und insgesamt bleibt zu betonen, dass sich die Serie den Luxus erlauben wird, die Handlungsstränge behutsam aufzubauen, außerdem flexibel auf das Unerwartete zu reagieren.

Grandiose Darbietungen zeigen sich quasi von der ersten Minute an und in diesem Zusammenhang sind gleich mehrere von vielen Interpretationen zu nennen, die für Aufsehen sorgen. Allen voran steht Brigitte Horney als Gräfin Hertha, der Tradition und Etikette über alles geht. Christiane Hörbiger wirkt kultiviert und stolz, aber nicht glücklich im goldenen Käfig und bei Ruth Maria Kubitschek zeichnet sich ein Kabinettstückchen ab, das tatsächlich über die komplette Distanz der Serie gehen wird. Wilfried Baasner als "Mephisto" der Szenerie schrieb deutsche TV-Geschichte, genau wie seine bessere, beziehungsweise manchmal schlechtere Hälfte Iris Berben, deren Leistung nach ihresgleichen suchen muss. Sigmar Solbach und Susanne Uhlen reihen sich in diese hochwertigen Performances ein, und es lässt sich von A bis Z ein präzise agierender Stab beobachten, welcher der Serie Verve, Dramatik, Charisma und Verworfenheit verleiht. In diesem ersten Teil der Reihe werden die Weichen von Regisseur Jürgen Goslar sehr geschickt gestellt - es gibt Konkurrenzkämpfe, Machtgier, heimliche Liebschaften, ein uneheliches Kind, Geldsorgen und etliche Personen, deren Probleme nur noch größer werden dürften. Inszenatorisch gesehen schimmert "Die goldene Kette" in einem hochwertigen Glanz, der andernorts nicht immer auf diesem üppigen Niveau wahrzunehmen war.


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 Betreff des Beitrags: Schornstein Nr. 4 (1966)
BeitragVerfasst: 30.09.2018 10:19 
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Romy Schneider

SCHORNSTEIN NR. 4

● SCHORNSTEIN NR. 4 / LA VOLEUSE (D|F|1966)
mit Michel Piccolli, Sonja Schwarz, Mario Huth und Hans Christian Blech
eine Produktion der Hans Oppenheimer Film | Chronos Film | Procinex | UGC | im Team Filmverleih
ein Film von Jean Chapot


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»Ich liebe dich, aber ich kann dich kaum noch ertragen!«

Julia Kreuz (Romy Schneider) ist von einer aushöhlenden Sehnsucht getrieben. Mit 19 Jahren brachte sie einen Jungen zur Welt, den sie aber kurz nach der Geburt weggegeben hatte. Seitdem lebt das Kind in einer Pflegefamilie. Julia kann an nichts anderes mehr denken, als dass ihr mittlerweile sechsjähriger Sohn (Mario Huth) bei ihr aufwachsen sollte. Ihr Mann Werner (Michel Piccoli) hätte lieber ein eigenes Kind mit ihr, aber seine Frau ist nicht mehr umzustimmen, zumal das Gesetz auf ihrer Seite ist, da der Ziehvater Kostrowicz (Hans Christian Blech) es seinerzeit versäumt hatte, die Adoption zu beantragen. Ein hässliches Tauziehen um den Jungen beginnt, und jeder der Beteiligten glaubt das Richtige zu tun, bis es zu einer schwerwiegenden Entscheidung kommt, die einer Katastrophe gleichkommt...

Der Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent Jean Chapot inszenierte mit "Schornstein Nr. 4" einen seiner wenigen Kinofilme, denn er sollte eher als Autor in Erscheinung treten, außerdem verlagerte der Franzose sein Kerngeschäft ab den 70er Jahren hauptsächlich ins TV-Fach. Dieses am 26. August 1966 durch den neu gegründeten Team-Flmverleih in die Kinos gebrachte Drama konnte weder nennenswerte Erfolge in Deutschland, noch in Frankreich verbuchen und wurde als Romy Schneiders deutsches Comeback angesehen, die hierzulande mehrere Jahre abstinent gewesen war. Comeback oder Boykott? Alleine über diese Schiene kann man den mangelnden Erfolg des Films nicht festmachen, da es sich zugegebenermaßen um einen recht schweren Stoff handelt, der nicht gerade vor Publikumswirksamkeit zu strotzen scheint. Vielmehr verlangt die Thematik dem Zuschauer eine hohe Aufmerksamkeit ab und es muss durchaus eine Affinität für alles was dazu gehört bestehen, um gut mit ihm zurechtzukommen. Die Geschichte vermittelt von Anfang an eine Statik, die sich als Elixier herausstellen wird; außerdem ist wirklich alles bis auf das Nötigste reduziert worden, um die behandelte Brisanz besser wahrnehmen zu können. Telegrammartige Dialoge und eine auffällig steril wirkende Schwarzweiß-Dominanz, die sich aus den Drehorten Berlin, Ruhrgebiet und den Hüttenwerken in Oberhausen ergibt, verfolgen resolut das minimalistische Prinzip, was auch auf das Produktionsbudget zutreffen dürfte.

Romy Schneider und Michel Piccoli standen in "Schornstein Nr. 4" erstmals gemeinsam vor der Kamera und es zeichnet sich bereits hier eine ganz besondere Chemie zwischen ihnen ab. Die beiden Ausnahme-Interpreten haben die Szenerie von Anfang an fest im Griff, was vielleicht auch eine größere Anzahl von zusätzlichen Darstellern erübrigt hat. Die besagte gute Chemie definiert sich unter Jean Chapots Leitung nicht nur von selbst, sondern unter negativ angelegten Voraussetzungen innerhalb zwischenmenschlicher Beziehungen, da die beiden Protagonisten, Julia und Werner Kreuz, beiläufig über ein Problem diskutieren, welches sich schon wenig später in gefräßiger Art und Weise aufbäumen und nicht mehr abwenden lassen wird. Seinerzeit war der bundesdeutsche Film womöglich für derartig anspruchsvolle Stoffe nicht bereit, zumindest nicht ausgelegt, und es passiert wie so oft, dass man sich über die bestehenden Stärken eines bestimmten Films wundert, die damals nicht anerkannt wurden. Skizziert wird Unbehagen und das Zusteuern auf emotionale oder persönliche Katastrophen von allen Beteiligten, denn obwohl nur wenige Charaktere das Kommando übernehmen, kann niemand dem einen oder anderen helfen, selbst wenn er wollte. Diese Ausweglosigkeit, die quasi immer wieder für Verständnis wirbt, aber eigentlich nur Unverständnis zur Folge haben kann, lässt den Verlauf zu einer Zerreißprobe für den Zuschauer werden, obwohl zunächst keine wilden Ausbrüche zu finden sind; von Hysterie ganz zu schweigen.

"Schornstein Nr. 4" schildert mit eindrucksvollen Mitteln, dass der aussichtslose Versuch gestartet wird, einen Fehler mit einem Fehler wieder gutzumachen. Hierbei ist es sehr erstaunlich und irritierend zugleich, dass sich die Hauptdarsteller so stark im Griff zu haben scheinen, um ihre Präzisionsleistungen minutiös anzupassen. Romy Schneider diktiert dem Zuseher bereits im Vorspann ihre außergewöhnliche Präsenz auf, indem man lediglich sieht, wie sie auf und ab geht, und dabei über das spricht, was sie bewegt. Als Zuschauer versteht man aufgrund der überlagernden Musik kein Wort, aber dennoch ist zu ahnen, worum es gehen dürfte. Die junge Frau ist in einem Tunnel, der sich aus einer Einbahnstraße ergibt. Der Gedanke an ihr damals abgegebenes Kind treibt sie an und lässt sie beinahe verrückt werden. Die Zukunft und jegliche Emotionen sieht sie nur noch in diesem Zusammenhang; alles Weitere bleibt gnadenlos auf der Strecke. Ihr gegenüber stehen zwei Männer und jeder von ihnen wird auf seine ganz eigene Weise mit der Verzweiflung und Resignation vertraut gemacht. Julias Mann Werner wird von ihr selbst aus ihrem Leben verbannt. Er hasst die Situation und unterschwellig auch das Kind, das als Synonym für Julias vermeintliches Glück steht, aber gleichermaßen für sein persönliches Desaster. Michel Piccoli stattet seine Rolle mit einer Lethargie aus, die kaum auszuhalten ist. Fungierend als wandelnder Vorwurf, setzt er seiner Frau zusätzlich schwer zu, doch jeder der beiden weiß, dass es keinen einfachen Ausweg mehr gibt.

Der andere Mann wird dargestellt von Hans Christian Blech, einem einfachen Arbeiter, der sich verzweifelt und häufig unüberlegt gegen die sich zuspitzende Ungerechtigkeit stellt. Allerdings ist sie nur im Sinne der Moral ungerecht, doch nicht im Auge der Justiz. Dieses Dilemma ruft Ohnmacht und Hass hervor, die sich massiv gegen Julia richtet. Eine zusätzliche Brisanz kommt durch die öffentliche Meinung auf, da sich plötzlich zehntausende Menschen mobilisieren, von denen die meisten nur breites Unverständnis ausdrücken. Im letzten Drittel des Films spitzt sich die Geschichte zu, da eine Zukunft mit dem Kind in eine Waagschale mit dem Leben eines scheinbar illegitimen Vaters geworfen wird. Als Zuschauer hofft man auf irgend eine gütliche Einigung, eine x-beliebige Lösung, doch es besteht wenig Zuversicht, da Romy Schneider in nahezu pervers wirkender Art und Weise Zeit schindet, die unbequeme Situation aussitzt und rücksichtslos auf ihr Recht pocht. Am Ende werden Masken fallen und zurück bleibt ein überaus verstörender Gesamteindruck, da die Machtlosigkeit der Personen und die Ausweglosigkeit der Situation voll zum Tragen kommt. Jean Chapot ist mit "Schornstein Nr. 4" ein bemerkenswert düsterer Film über die weite Verzweigung menschlicher Abgründe gelungen, der mit einem Mut zur Tragik überrascht, die in dieser Form sicherlich nicht alle Tage zu finden war. Garniert mit großartigen Leistungen von Romy Schneider, Michel Piccoli und Hans Christian Blech, wird der Film zum Musterbeispiel für das eindringliche Nachhallen einer bedrückenden Thematik.


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 Betreff des Beitrags: Schmetterlinge weinen nicht (1970)
BeitragVerfasst: 01.10.2018 19:04 
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SCHMETTERLINGE WEINEN NICHT

● SCHMETTERLINGE WEINEN NICHT (D|1970)
mit Siegfried Wischnewski, Gaby Fuchs, Lyvia Bauer, Klaus Grünberg, Antje Weisgerber, Katharina Matz,
Elisabeth Wiedemann, Wolfgang Stumpf, Fritz Wepper, Elmar Wepper, Max Mairich, Annemarie Wendl, u.a.
eine Peter Schamoni Produktion | Stella Film | im Constantin Filmverleih
ein Film von Klaus Überall


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»Dafür brauchste nur genügend Potenz!«

Die Freundinnen Cilly Schneider (Gaby Fuchs) und Laura Klein (Lyvia Bauer) sind in den Ferien in einem verschneiten Urlaubsort angekommen. Bald darauf lernen die beiden den wohlhabenden Geschäftsmann Karl Engelmann (Siegfried Wischnewski) kennen, den sie aus dem Hotelfenster beobachtet hatten. Während die selbstbewusste Laura direkt in die Offensive geht, ist es allerdings die schüchterne Cilly, an der Engelmann Gefallen findet. Doch einer Romanze steht ihre Minderjährigkeit und die Tatsache entgegen, dass Cilly nicht so leicht zu erobern ist. Je mehr die beiden Zeit miteinander verbringen, desto klarer wird es für den Geschäftsmann im zweiten Frühling, dass seine langjährige Ehe ihm nichts mehr gibt. So wird seine Frau Inge (Antje Weisgerber) schon bald davon unterrichtet, dass die Scheidung bevorsteht. Doch so einfach, wie es sich alle Beteiligten vorgestellt hatten, kann es im Endeffekt gar nicht laufen...

Klaus Überall inszenierte mit "Schmetterlinge weinen nicht" einen sehr moderat an die damalige Erotik- und Sexwelle angepassten Spielfilm, der trotz seines durchaus publikumswirksamen Zuschnitts und der Unterbringung unter dem Dach eines Großverleihs keine besonderen Erfolge im Kino verbuchen konnte. Für den Regisseur war es übrigens sein erster Kinofilm, dem nur noch "Disco-Fieber" aus dem Jahr 1979 als zweiter und letzter folgen sollte; ansonsten war er ausschließlich im TV-Fach in Erscheinung getreten. Der Regie ist insgesamt kaum vorzuwerfen, dass sie hier nicht mit gutem Gespür an diese heiter bis dramatische Sache herangegangen wäre, doch vielleicht liegt es an der im Gros zu wenig spektakulär wirkenden Besetzungsliste, in der definitiv das besondere Zugpferd zu fehlen scheint. Die Geschichte transportiert eine ungenierte Portion Freizügigkeit, was sich nicht nur praktisch im Rahmen ansprechend delegierter Sex-Szenen in den Vordergrund zu stellen weiß, sondern sich auch in den Dialogen niederschlägt. Die bemüht unbekümmerte und phasenweise leichtfüßige Note dieses Films, der eigentlich ein Drama sein möchte, kommt in Verbindung mit unverbrauchten Interpretinnen und alten Hasen des Geschäfts gut an, sodass die Zeit kurzweilig vertrieben werden kann. Gesellschaftskritische Aspekte werden in diesem beinahe in Vergessenheit geratenen Beitrag alle Nase lang aufgegriffen, aber das Ganze bleibt betont an der Oberfläche, was "Schmetterlinge weinen nicht" letztlich auch ohne Brillantschliff sehr gut bekommt. Dem Empfinden nach herrscht eine recht gute Balance, was die Unterhaltung und eigentliche, kritische Intention angeht, aber tatsächlich schwächelt der Film im Mittelteil ein wenig zu stark, was auch daran liegen mag, dass er sich kaum positionieren möchte.

Dies liegt vor allem an den Darstellern, die es kaum schaffen, sich angesichts ihrer Rollen-Charaktere neu zu erfinden, oder sich flexibel genug zu präsentieren, damit der anfänglich frisch wirkende Wind auch weiterhin zu spüren wäre. Trotz durchaus guter Leistungen hat man es schlussendlich doch nur mit einer zweiten Garnitur zu tun, was jedoch ausschließlich auf die Funktion der Hauptrollen bezogen sein soll. Gerade Siegfried Wischnewski kann gar nicht anders, als überzeugend zu wirken, und hier verleiht er dem reiferen, gut situierten Herrn mit Frühlingsgefühlen eine kühle Eleganz und einen Pragmatismus, der manchmal fast weh tut; außerdem sind hin und wieder Ausbrüche in Form von impulsiven und diskret-lüsternen Verhaltensweisen zu sehen. Neue Besen kehren bekanntlich gut und jüngere tun dies noch um eine Spur besser, sodass Gaby Fuchs' Funktion sich abwechslungsweise nicht nur über ihre Attraktivität definiert, denn sie wirkt hier überaus glaubhaft in der Rolle des hin- und hergerissenen Mädchens, das eher nach Liebe als nach Libido sucht. Die Chemie zwischen ihr und ihren Partnern wirkt passend, die Interaktion dynamisch, sodass der "Problemfall" ersichtlich wird, wenngleich er ein wenig an Brisanz vermissen lässt. Etliche begabte und beliebte Darsteller wie beispielsweise Antje Weisgerber, Lyvia Bauer, Klaus Grünberg oder die Wepper-Brüder tun alles, um die Szenerie zu bereichern.g. Gesellschaftliche Korsetts und moralische Vorstellungen, die im Rückblick wie Relikte wirken, berühren die Geschichte eher aus dem Off und tun der Kurzweiligkeit keinen Abbruch. Alles in allem reicht es bei "Schmetterlinge weinen nicht" nicht für wesentlich mehr als Skizzierungen und Andeutungen, sodass sich unterm Strich vielleicht sagen lässt, dass Klaus Überall einen angenehmen Unterhaltungsfilm mit wenig auflehnerischem Potential inszeniert hat, den man sich mühelos anschauen kann.


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 Betreff des Beitrags: Fünf Freunde helfen ihrem Kameraden (1979)
BeitragVerfasst: 03.10.2018 12:26 
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● Folge 21: FÜNF FREUNDE HELFEN IHREM KAMERADEN (2) / FIVE FALL INTO ADVENTURE (2) (GB|1979)
mit Marcus Harris, Gary Russell, Jennifer Thanisch, Michele Gallagher, Michael Hinz, Friedrich von Thun
Gäste: Julie Davis, David Lloyd Meredith, Geoffrey Moon, Paul Antrim, u.a.
eine Produktion der Southern Television | in Zusammenarbeit mit dem ZDF
Regie: Sidney Hayers



Auf der Suche nach George und Timmy erreichen Julian, Dick und Jo das Versteck, doch die Befreiung scheint wesentlich schwieriger und gefährlicher zu sein als befürchtet. George wird in einem Haus über den Klippen gefangen gehalten, doch die Kinder kommen nicht in das Gebäude hinein. Kurzentschlossen klettert Jo in halsbrecherischer Manier über die Fassade und kann George befreien, doch von Timmy fehlt jede Spur. In der Zwischenzeit wurden Dick und Julian von den Verbrechern in ein Verlies gesperrt und langsam aber sicher rennt die Zeit davon, da die kriminellen Männer jedes einzelne der Kinder kaltstellen will...

Nach den unheimlichen Vorgängen des ersten Teils geht es auch im Nachfolger nebulös weiter. Die Kinder begeben sich auf die gefährliche Fahrt mit dem Boot und nur Jo kann ihnen den Weg weisen. Immer noch ist nicht ganz klar, ob man der kleinen Göre trauen kann, aber Julian und Dick bleibt einfach keine Wahl. Wenig später ist auch schon das besagte Herrenhaus mit den roten Türmen auf den Klippen zu sehen. Jo kennt sich glücklicherweise vor Ort aus und führt die Jungs direkt vor die verschlossenen Pforten des Hauses. Die Angst bleibt bestehen, dass Jo sie in eine Falle locken könnte, immerhin ist ihr eigener Vater in die krummen Geschäfte involviert, aber das impulsive Mädchen kann in dem unwegsamen Gebiet wieder einiges an Boden gut machen. Es liegt eine spürbare Gefahr in der Luft, was durch die eindringliche Musik nur noch unterstrichen wird, und dann geschieht auch noch das Unvermeidliche, denn die Gangster packen zu. Der sogenannte rote Turm und sein mit einer Pistole bewaffneter Helfer Markoff sperren Julian und Dick in ein Verlies und plötzlich liegen alle Hoffnungen auf der unsicher geltenden Jo. Erstmals entsteht der Eindruck, dass die Souveränität der Kinder an einem seidenen Faden zu hängen scheint und man auf das Glück und den Zufall spekulieren muss. Das Geschehen ist permanent durchzogen von Streitigkeiten, die Dick und Jo austragen, sodass es eigentlich nie dazu kommen kann, das Mädchen vollkommen auf der Sympathieseite zu sehen, schließlich ist zu viel vorgefallen. Interessant in Folge 21 ist die Tatsache, dass die deutsche Version um einige Sequenzen gekürzt ist, insbesondere wenn sich vermeintliche Gewaltspitzen andeuten. In diesem Zusammenhang ist der unangenehm auftretenden Gehilfe Markoff zu nennen, der mit offensichtlich russischem Akzent spricht, den Kindern mit vorgehaltener Pistole gegenübertritt und ihnen unmissverständlich droht, auf sie zu schießen, beziehungsweise sie wortwörtlich zu töten.

Diese Aussagen waren seinerzeit wohl etwas zu heftig für die deutsche Ausstrahlung und sie wurden im Vorfeld entfernt, ohne synchronisiert zu werden. Bei all dem Wirrwarr ist natürlich auch Timmy nicht zu vergessen, der in dieser Episode wie ein Klotz am Bein wirkt, da er betäubt wurde, über den aber gleichzeitig einiges an Spannungsaufbau geschieht. Im zweiten Teil der Episode ist es Anne, die nur eine untergeordnete Rolle spielt, aber schließlich muss zu Hause auf Kirrin Cottage die Stellung gehalten werden. Erfahrungsgemäß dürfte die ängstliche Anne aber nicht gerade traurig darüber gewesen sein, denn zu viel Abenteuer und Gefahr haben nie ihr besonderes Gefallen gefunden. Die Folge lebt von einer durchgehenden Spannung und zahlreichen Wendungen, bis die Kinder den Tätern endlich entkommen können und sie Timmy gemeinsam zum Strand tragen können. Doch sie erleben eine böse Überraschung und das Ganze scheint wieder von vorne loszugehen. Erneut gelingt es Regisseur Hayers sehr gut, den Kern der Serie zu treffen und für eine spannungsgeladene Unterhaltung zu sorgen. Der Fall an sich ist unterm Strich vielleicht nicht der spektakulärste der Reihe geworden, zumal er auch noch über zwei Distanzen gehen muss, aber die inszenatorische Seite bleibt einwandfrei. Rasante Szenen mit subjektiven Kameraeinstellungen, Gangster die bedrohlich genug wirken, um an den Nerven zu zerren, und die Trennung der Kinder, die eine Art halbe Kraft suggeriert. Gegen Ende der Reihe waren derartige Variationen sicherlich nötig, um die abflachende Resonanz aufzuhalten, aber man es muss einfach sagen wie es ist, doch die besten und spannendsten Fälle waren bereits abgedreht worden. Am Ende gibt es in "Fünf Freunde helfen ihrem Kameraden" einen erinnerungswürdigen Showdown am Strand, und es bleibt die Gewissheit, dass die Freunde alles meistern können, auch wenn sie nicht in voller Besetzung agieren können.


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 Betreff des Beitrags: Immer bei Vollmond (1970)
BeitragVerfasst: 11.10.2018 20:35 
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IMMER BEI VOLLMOND

● IMMER BEI VOLLMOND / DIE NACHT DER TOTEN FRAUEN (D|1970)
mit Kai Fischer, Heinz Weiss, Alois Maria Giani, Otto Stern, Camilla Horn, Li Menon, Henry van Lyck, Jutta Simon,
Bruno W. Pantel, Alexis von Hagemeister, Margot Mahler, Panos Papadopulos, Alexander Pleyer und Bum Krüger
eine Rudolf Lubowski Produktion | im Verleih der Film-Allianz
ein Film von Rudolf Lubowski


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»Tatsachen, so meine ich, sind leider oft irreführender als Illusionen!«

In einer kleinen Stadt treibt ein Serienmörder sein Unwesen, der es ausschließlich auf hilflose Frauen abgesehen hat und nur in Vollmondnächten zuschlägt. In der Bevölkerung nennt man ihn daher den "Vollmondmörder". Bisweilen stagnieren die Ermittlungen der Polizei, doch Kommissar Mallet (Heinz Weiss) und der Kriminalrat (Otto Stern) sind sich ziemlich sicher, dass man es mit Sexualdelikten zu tun hat. Mit der Zeit können zwar einige Verdächtige aufgespürt werden, doch der wahre Täter wird nicht gefasst. Aber wer steckt hinter der Mordserie? Als ein weiteres Verbrechen geschieht, kann der unscheinbar wirkende Beamte Christian Wegelin (Alois Maria Giani) die entscheidende Spur liefern...

Rudolf Lubowski trat sporadisch als Regisseur, Drehbuchautor und hier sogar als Produzent dieses Spät-Kriminaldramas auf, und es lässt sich inszenatorisch gleich eine zeitliche Anpassung feststellen, da die 70er Jahre nicht mehr weit entfernt waren. In diesem Zeitfenster sollten zahlreiche Filme derartiger Machart entstehen, und im Fall von "Immer bei Vollmond", oder "Die Nacht der toten Frauen", dessen Titel fast kleine Horror-Flicks suggerieren möchten, lassen sich ein paar vage Parallelen zu Ladislao Vajdas "Es geschah am hellichten Tag" aus dem Jahr 1958 feststellen, wenngleich man unter Lubowskis Regie stilistisch gesehen weit entfernt von einem Überflieger ist. Gedreht wurde die eigentümlich wirkende Veranstaltung 1969 in Augsburg und die Umgebung kann für spürbares Flair, aber auch gleichzeitig eine Art Vakuum sorgen, da provinzielle Gesetze die Szenerie beherrschen. In eine solche Umgebung passt ein Serien-Triebtäter natürlich überhaupt nicht hinein, sodass sich sogar den Pfarrer zu eindeutigen Worten von der Kanzel hinreißen lässt, die sich eher mit der vermeintlichen Schuld der weiblichen Opfer befassen. Der Verlauf verliert keine Zeit um nicht in die Gänge zu kommen und es fehlt somit deutlich an Fahrt und Spektakel. Auf der anderen Seite wird hingegen schon versucht, den Kriminalfall um die Jagd nach einem offenkundigen Sexualstraftäter klar und verständlich aufzubauen, doch die ganze Angelegenheit wirkt reichlich behäbig und starr, obwohl viele Personen nicht müde werden, den nächsten Mord bei Vollmond anzukündigen. Rudolf Lubowski, der mit "Immer bei Vollmond" bereits seinen letzten von nur vier Filmen inszenierte, versucht im Rahmen seiner Mehrfachanforderung dem Thema und der psychologischen Komponente gerecht zu werden, indem ein Netzwerk von Personen vorgestellt und integriert wird, über welches sich einige Zusammenhänge herleiten können.

Insgesamt ist jedoch anzumerken, dass es nur bedingt gelungen ist Ausgewogenheit herzustellen. Anhängern des Kriminalfilms wird zu wenig Klassisches und Spannung geboten, und Fans des Spektakels zu wenig Exposition. Auch im Rahmen der Besetzung bekommt der Zuschauer zwar ansprechende Leistungen zu sehen, doch leider handelt es sich bei der hier auftauchenden Entourage nur um die zweite Garnitur. Das Fehlen eines Zugpferdes macht sich daher von Anfang bis Ende bemerkbar und im Fahrwasser der abebbenden Krimi-Welle kann dieser Beitrag keine neuen Akzente setzen. Vielmehr lassen sich immer wieder deutliche Parallelen zu bekannten Artgenossen entdecken, so beispielsweise beim Erklingen von Beethovens "Mondscheinsonate", die auch den Vorspann sehr vielversprechend begleitet, und der Mörder bei dieser Untermalung auch einmal zuschlägt, wie es schon 1963 in Alfred Vohrers Wallace-Beitrag "Das indische Tuch" zu sehen war. Zu wenig Whodunit und ausgebremst wirkende Sequenzen machen "Immer bei Vollmond" schwer zu schaffen. In diesem Zusammenhang helfen auch einige nette Wendungen und das Angebot einiger Verdächtiger nicht weiter, das Geschehen in vollends zufriedenstellende Bahnen zu lenken. Uninteressant sind Konzept und Geschichte auch wiederum nicht, sodass es trotz zäher Tendenzen und harter Proben für den Zuschauer zu einem eigenartig bei der Stange haltenden Flair kommt, wenn auch leider nicht durchgehend. Dass ein Frauenmörder sein Unwesen in Serie treibt, stellte sich in unzähligen Formaten als guter Motor heraus, doch bei Rudolf Lubowskis Bearbeitung fehlen im Endeffekt die großen Schockmomente und eine konsequent aufgezogene Beunruhigung. Selbstverständlich ist die Anzahl der Vollmondnächte naturgemäß begrenzt, sodass der Täter nicht alle Nase lang zuschlagen kann, aber ein wenig mehr mörderische Aktivität hätte dem Verlauf schon gut getan.

Beim Blick auf die Besetzungsliste lassen sich zahlreiche bekannte Namen ausfindig machen, aber wie bereits erwähnt nicht die ganz großen Highlights. Dennoch wird dieser Eindruck weitgehend durch darstellerische Qualitäten kompensiert, wenngleich es hier und da an Finesse fehlt, was die charakterlichen Zeichnungen angeht. Die Credits spucken die Stars des Films in alphabetischer Reihenfolge aus, sodass dem Empfinden nach Niemandem ein auffallend exponierter Status eingeräumt wird, was sich im laufenden Film bezüglich so mancher Auftrittsdauer auch bestätigen wird. Kai Fischer war und ist immer ein gerne gesehenes Gesicht gewesen, und hier übernimmt sie eine Rolle, die weitgehend entgegengesetzt zu ihren üblichen Einsatzgebieten erscheint. Zwar spielt sie auch hier mit dem Feuer, doch auf eine ungewohnt einfältige Art und Weise. Recht gute Darbietungen sieht man auf Seiten der Kriminalpolizei, denn Heinz Weiss und vor allem Otto Stern präsentieren sich dem Kleinstadt-Thema entsprechend provinziell und bürokratisch. Alois Maria Giani überzeugt aufgrund seiner doppelbödigen Darstellung. Ganz besonders interessant ist die Tatsache, dass man den einstigen Stummfilmstar Camilla Horn in einer ihrer zum späteren Karrierezeitpunkt rar gewordenen Rollen zu Gesicht bekommt. Allerdings räumt die Dramaturgie ihr keine große Bühne ein, was gerade bei ihrem darzustellenden Charakter sehr wichtig gewesen wäre. Insgesamt verfügt der Film über eine angemessene Bildgestaltung, die nicht zuletzt aufgrund der vielen Nachtaufnahmen zu einer immer wieder schaurigen Atmosphäre führt. Die Geschichte wirkt trotz des verschenkten Potentials unterhaltsam und weitgehend überzeugend, allerdings kann man keineswegs von einem Genre-Klassiker sprechen. Freunde der gepflegten Krimi-Unterhaltung werden sich daher eher gut aufgehoben fühlen als solche, die sich vom verheißungsvoll anmutenden Titel in die Irre haben leiten lassen.


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