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 Betreff des Beitrags: MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler
BeitragVerfasst: 24.11.2014 11:45 
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Jason Robards   Christine Kaufmann   Herbert Lom   in

MORD IN DER RUE MORGUE / MURDERS IN THE RUE MORGUE (1971)

mit Maria Perschy, Adolfo Celi, Peter Arne, Rosalind Elliot, María Martín sowie Michael Dunn und als Gast Lilli Palmer
eine Produktion der American International Pictures | im Verleih der AIP
nach einer Erzählung von Edgar Allan Poe
ein Film von Gordon Hessler


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»Stoße ich Sie ab? Ihrer Mutter habe ich gefallen!«


Ganz im Stile des Grand Guignol führt eine Theatergruppe Edgar Allan Poes "Die Morde in der Rue Morgue" auf. Das Haus ist stets gut besucht da die Masse nach Sensationen und Nervenkitzel sucht. Bei einer Aufführung wird die Hauptdarstellerin Madeleine Charron (Christine Kaufmann) ohnmächtig, nachdem sich in ihrer Fantasie bizarre Sequenzen über einen bestialischen Mord abgespielt haben, doch sie kann die immer wiederkehrenden Träume nicht ordnen. Als sich abseits der Bühne plötzlich Morde abspielen, ist der potentielle Täter schnell ausgemacht, da nur Mitglieder des ehemaligen Ensembles ihres Mannes César (Jason Robards) mit ätzender Säure ermordet werden. Es muss sich um René Marot (Herbert Lom) handeln, den auf der Bühne einst das gleiche Schicksal ereilte, doch Inspektor Vidocq (Adolfo Celi) sieht einen Haken an der Sache. Marot hat bereits vor vielen Jahren Selbstmord begangen. Als das Phantom jedoch immer weitere Opfer fordert, kommt man mit Hilfe von Madeleines Träumen auf die entscheidende Spur...

In der erfolgreichen Edgar Allan Poe-Reihe von American International Pictures stellt Gordon Hesslers "Mord in der Rue Morgue" ein wirklich sehenswertes, aber genauso eigenwilliges Filmvergnügen dar, das sich zahlreicher Elemente aus Horror, Grusel, bis hin zu kleineren Bruchstücken des gepflegten Psycho-Thrillers bedient. Die große Stärke dieser lediglich nur nominellen Poe-Adaption ist definitiv der sequenzartige Aufbau, der undurchsichtig bis zum zugegebenermaßen etwas zu konstruierten Finale bleibt, was aber nicht gleichzeitig heißt, dass überwiegend viele verworrene Tendenzen aufkommen. Vielmehr sieht man einen Verlauf, der nahezu traumwandlerisch vor sich hin plätschert und die Nerven wegen des diffusen Elements zu strapazieren versucht und dies bestenfalls auch kann. Hessler verweigert dem Zuschauer Transparenz und arbeitet mir allen Mitteln gegen einen klaren Durchblick, denn immer wieder ist man mit in die bizarren Traumsequenzen der Protagonistin mit eingebunden und daher kann man die Bilder auch keineswegs ordnen. Teilweise wirken diese Fragmente sogar so inkohärent, dass man vermutet, gleich in mehreren Parallelhandlungen zu sein. Zwar ahnt man, dass sich ein düsteres Geheimnis hinter all dem verbergen muss, aber Erklärungen gibt es quasi erst im letzten Moment. Mit diesem Film bekommt der Zuschauer also ein schönes Beispiel serviert, wie ein Verlauf auch ohne halsbrecherische Effekte und Überspannung funktionieren kann und das große Ziel, dass die Geschichte einfach beunruhigen soll, wird recht eindrucksvoll erreicht. Der Vorwurf, Hessler habe hier einen potentiellen Whodunit verschenkt ist nur auf den ersten Blick gerechtfertigt, da der Film diese Strategie nicht als Hauptziel verfolgt. Vorhersehbarkeit und Geheimnis veranstalten ein, unterm Strich interessantes Tauziehen, in das sich die Protagonisten jeweils wahlweise einreihen, und sich dieser Strategie sogar beugen.



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Gordon Hesslers Edgar-Allen-Poe-Beiträge der AIP überzeugen schon alleine wegen ihren ausgewogenen, und teils spektakulären Besetzungslisten, und auch hier bekommt man einige gute alte Bekannte zu Gesicht. Christine Kaufmann, die nach längerer schöpferischer Pause wieder am aktiven Filmgeschäft teilnahm, fungiert hier als Projeltionsfläche für Angst und Schrecken, aber ebenso für Geheimnisvolles und Undurchsichtiges. Die Kamera bedient sich förmlich ihres zerbrechlich wirkenden Wesens und ihres makellosen Gesichts, welches im Sinne des Verlaufs oft maskenhafte Züge annimmt. Madeleines Träume sind in ihrer optischen und akustischen Serialität nicht zu durchschauen, sie wirken beunruhigend und erscheinen sozusagen wie eine Deviation, deren immer gleich abfolgende Bilder des Rätsels Lösung vorenthalten, verzerren und eine Bewusstlosigkeit folgen lassen. Neben ihr wirkt Jason Robards eher wie ein Fremdkörper wenn man bedenkt, dass die beiden verheiratet sind, allerdings wirkt die unsympathische Note, die von ihm ausgeht, sehr förderlich für den Handlungsverlauf. Zwischen Jason Robards und Herbert Lom, dem Bösewicht der Geschichte, entsteht somit ein Tauziehen auf Augenhöhe, da Gut und Böse irgendwann kaum mehr voneinander abgetrennt erscheinen. Besonders Herbert Lom als tragische Figur zieht diesen Eindruck immer mehr auf sich, da man als Zuschauer irgendwie Verständnis mit diesem vom Schicksal gestraften Herrn bekommt und seine Motivation teilweise sogar nachvollziehen kann. Beide Akteure wirken solide, wobei dies für deren Verhältnisse fast schon wieder zu wenig ist. Hier werden Adolfo Celi als hartnäckiger Hüter des Gesetzes und Michael Dunn als undurchsichtiger Lakai des totgeglaubten Marot blendend aushelfen, denn sie zeigen weitaus stichhaltigere Leistungen, wenngleich diese wohl auch Parts waren, die das Drehbuch günstiger berücksichtigte. Kurze Wiedersehensfeude gibt es mit der gerne gesehenen Österreicherin Maria Perschy als Dirne und Lilli Palmer als Auslöser für das düstere Geschehen, deren Szenen im Film dem Vernehmen nach übrigens fast alle entfernt wurden. Da sie eine Schauspielerin darzustellen hatte, legt Palmer nochmals einen bedeutenden Schliff in Sachen Overacting drauf.

Mit "Mord in der Rue Morgue" bekommt man es mit einem beeindruckenden Beispiel zu tun, wie überzeugende atmosphärische Dichte als Alternative aussehen kann, die in ihrer Gestaltung sogar kleinere Ausrufezeichen setzen kann, insbesondere in der Bildgestaltung. Im Gegensatz dazu stehen teilweise hektische und unübersichtliche Tendenzen zu Buche, wenn man die Vokabel verworren allerdings durch verwirrend ersetzt, kommt man der Intention des Ganzen wohl ziemlich nahe. Hessler führt den Zuschauer immer wieder gekonnt in die Irre, da wichtige Erklärungen für den Spannungsaufbau vorenthalten werden. Das Finale ist in mehrere Etappen eingeteilt und verlangt zugegebenermaßen etwas zu viel Aufmerksamkeit ab. In der Ausstattung kann der Film durchaus überzeugen, üppige Settings und Garderoben fangen die Zeit, in der die Handlung spielt, recht gut ein, wobei viele Sequenzen auch eigenartig gestreckt wirken, da zahlreiche Wiederholungen angesagt sind. Im Bereich Effekte fehlen eigentlich entscheidende Akzente, beziehungsweise wie es aussieht, eher das richtige Know-how. Der Versuch, das Publikum nachhaltig auf psychologischer Ebene zu strapazieren, funktioniert zwar immer mal wieder für den Hausgebrauch, aber leider nicht auf einem konstanten Niveau. Die passenden Musikthemen von Waldo de los Rios funktionieren sehr gut und besonders das Titelthema bleibt in Erinnerung, aber konträr dazu nimmt man recht einfache Dialoge wahr. Insgesamt hinterlässt Gordon Hesslers Adaption einen vielleicht zu unschlüssigen Eindruck zurück, da in wichtigen Bereichen Potential verschenkt wurde, doch irgendwie ist dieses (zumindest so angelegte) Verwirrspiel überzeugend genug, um bei der Stange zu halten, vielleicht auch weil der Eindruck entsteht, dass die Gestaltung weitgehend unorthodox ist, und sich dem Empfinden nach von manchen Filmen der gleichen Natur abheben kann. Aber da liegt die Entscheidung wieder einmal beim Konsumenten, denn "Mord in der Rue Morgue" ist im Endeffekt in einer Art Grauzone anzusiedeln, weil sich die überproportionalen Stärken mit Ketten von durchschnittlichen Fragmenten abwechseln. Für meine Begriffe bleibt dieser immer wieder gerne gesehene Film jedoch sehenswert und absolut unterhaltsam.


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 Betreff des Beitrags: Re: MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler
BeitragVerfasst: 24.11.2014 13:51 
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 Betreff des Beitrags: Re: MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler
BeitragVerfasst: 24.11.2014 18:16 
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Welche Fassung hast Du denn gesehen, Prisma?

Wenn ich das richtig erinnere hat MGM für die DVD-VÖ vor ca. 10 Jahren Hesslers Director's Cut wiederhergestellt. Die deutsche Fassung dagegen dürfte auf dem Kinocut von 1971 beruhen, mit dem Hessler wohl sehr unzufrieden war.


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 Betreff des Beitrags: Re: MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler
BeitragVerfasst: 24.11.2014 19:28 
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percyparker hat geschrieben:
Welche Fassung hast Du denn gesehen, Prisma?

Ich habe von dem Film nur eine ausgelutschte TV-Fassung zur Verfügung.
Die ist vor etlichen Jahren mal auf Tm3 gelaufen und hatte eine Laufzeit von etwa 83 Minuten.


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 Betreff des Beitrags: Re: MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler
BeitragVerfasst: 24.11.2014 21:54 
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Prisma hat geschrieben:
Ich habe von dem Film nur eine ausgelutschte TV-Fassung zur Verfügung.
Die ist vor etlichen Jahren mal auf Tm3 gelaufen und hatte eine Laufzeit von etwa 83 Minuten.


Das ist dann die gekürzte und umgeschnittene Fassung, der DC läuft etwa 10 Minuten länger. Ich hab zwar beide Fassungen mal gesehen, aber genaues kann ich leider nicht sagen, weil zwischen den Sichtungen mehrere Jahre lagen. Die gekürzte Fassung war aber - wie Du es ja auch beschreibst - schon etwas verwirrend. Ich fand das allerdings auch nicht so tragisch und der Film hat trotzdem gefallen. Bei der US-DVD ist aber ein Interview mit Hessler drauf, wo er sich über die Eingriffe der Produzenten sehr verärgert zeigt. War dann glaube ich auch sein letzter Film für AIP.

AIP hat Hesslers Filme ja häufig stark gekürzt und umgeschnitten (nur SCREAM AND SCREAM AGAIN wurde da weitgehend verschont). Für die DVD-VÖs hat MGM aber erfreulicherweise wieder die Ursprungsfassungen hergestellt.


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 Betreff des Beitrags: Re: MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler
BeitragVerfasst: 25.11.2014 10:49 
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sid.vicious hat geschrieben:
Wurde auch mal metallisch gewürdigt.


Großartiger Song, großartiges Album. Aber diente nicht eher die Kurzgeschichte von Poe als Vorlage für den Song? Egal, unverzichtbar.

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 Betreff des Beitrags: Re: MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler
BeitragVerfasst: 25.11.2014 22:56 
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sid.vicious hat geschrieben:
Wurde auch mal metallisch gewürdigt.

Ja, wirklich klasse der Song, gibts auch mit passenden Szenen aus dem Film:




Der schöne Trailer gibt den Charakter des Films auch ziemlich gut wieder:




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 Betreff des Beitrags: Re: MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler
BeitragVerfasst: 05.10.2015 20:58 
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● MARIA PERSCHY als GENÈVRE in
MORD IN DER RUE MORGUE (GB|1971)




In "Mord in der Rue Morgue" sieht man Maria Perschy in ihrem einzigen Auftritt des Produktionsjahres 1971 und es handelt sich dabei um eine kürzer angelegte supporting role, die für das Geschehen eigentlich weniger relevant ist. Wer ist Genèvre? In ihrer ersten Szene taucht sie als geheimnisvolle Fremde auf, die dem Protagonisten der Geschichte eine dringliche Nachricht überbringen lässt, allerdings fällt die Fassade der sehr elegant wirkenden Frau ziemlich schnell, als man sie Ort ihrer Haupttätigkeit vorfindet. Genèvre ist Teil eines Amüsierbetriebes, ganz offensichtlich handelt es sich um eine Dirne, die sich einen Namen in der besseren Gesellschaft machen konnte. Ein kurzer Blick genügt um zu verstehen, warum sie ohne jeden Zweifel sehr gefragt zu sein scheint. Ihre Attraktivität ist auffallend, sie stellt die latente Verführung und Bereitwilligkeit dar, die die Herzen der Kundschaft und die der Zuschauer ebenso höher schlagen lässt. Da der Weg nach kurzer Spieldauer zu ihr führt, ahnt man, dass sie eine Frau mit dunkler Vergangenheit sein muss. Noch bevor sie entscheidende Hinweise geben, und Licht in die düstere Angelegenheit bringen kann, taucht das Phantom in ihrem Gemach auf, allerdings nimmt man irritiert zur Kenntnis, dass sie die Gestalt mit schwarzem Umhang und Maske nicht als Gefahr identifiziert, sondern ihn in zuvorkommender Art und Weise wie einen ihrer Kunden behandelt. Sie kokettiert mit ihrem Aussehen und ihrer kompletten Erscheinung, stellt sich jedoch flexibel auf die Wünsche, die eher Befehlen gleichen, ein und tut das, was von ihr verlangt wird, schließlich könnte es sich ja um einen sehr großzügigen Kunden handeln. Dass unterm Strich nicht das Vergnügen, sondern Mord stehen wird, überrascht den Zuschauer, nicht zuletzt wegen ihrer grenzenlosen Naivität.

Gordon Hesslers Film überzeugt mit einer hochkarätigen, internationalen Besetzung, auch für Maria Perschy war es nichts Neues, Teil einer solchen zu sein. Auch wenn ihre Auftrittsdauer auf nur drei unmittelbar aufeinander folgende Intervalle beschränkt ist, kann sie dennoch einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Dies hängt zunächst einmal mit ihrer hinlänglich bekannten Attraktivität zusammen, die insbesondere zu dieser Zeit ihre schönste Blüte erreicht hatte. Perschy wirkt reifer, erfahrener, schlagfertiger und noch eine Spur anschaulicher als ohnehin schon, so dass ihr Auftritt, der in Verbindung mit ihrem durchaus bekannten Namen, ebenfalls zum Aushängeschild für diese Produktion wird. Die Anlegung der Rolle gibt insgesamt wenig Raum für eine bedeutende Entfaltung, so wirkt Maria Perschy eigentlich nur eher routiniert, aber auch vollkommen selbstsicher bei dem was sie tut. Hinzu kommen einige oberflächlich wirkende Dialoge, bis auch schon das Ende eingeleitet wird. Hier kommt es allerdings zu einer sehr überraschenden Szene, da die Mordmethode in Verbindung mit den gezeigten Bildern im Gedächtnis bleiben wird. Im Grunde genommen benutzte man Maria Perschy hier sozusagen als Aufhänger, da mit ihr die Mordserie eingeleitet wird. Über Zusammenhänge und ihre Zugehörigkeit zu diesem Fall werden nicht allzu viele Worte verloren, so bleibt es unterm Strich also bei einem Auftritt, mit eher reißerischen Tendenzen. In den folgenden Jahren sollte ihre beachtenswerte Karriere im spanischen Film folgen, so dass man vielleicht davon sprechen darf, dass sie sich in "Mord in der Rue Morgue" für diese ergiebige Phase empfehlen wollte. Eine nette, wenn auch wenig bedeutende Rolle der vielseitigen Österreicherin.


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 Betreff des Beitrags: Re: MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler
BeitragVerfasst: 12.11.2018 12:45 
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"Mord in der Rue Morgue" ist mittlerweile bei Pidax erschienen und das endlich in der ungekürzten Fassung, was sehr erfreulich ist, da man sich in der vorigen Version mit zahlreichen Kürzungen herumärgern musste. So waren beispielsweise die meisten Szenen von Lilli Palmer komplett entfernt worden. Der Film macht in dieser Präsentation noch wesentlich mehr Spaß, da er ab sofort runder wirkt. Ganz hervorragend und beunruhigend zugleich wirken die Traumsequenzen von Christine Kaufmann, die sich nach und nach bedeutend entfalten können. Nach dem Ende wird wie immer klar, warum mir dieser Beitrag von Gordon Hessler so gut gefällt. Die Atmosphäre ist sehr beunruhigend und albtraumhaft in Szene gesetzt worden, außerdem fühlt man sich durch die Ausstattung und die Schauplätze authentisch zurückversetzt. Abgerundet mit den bekannten Darstellern bleibt also eine Art Dauerbrenner zurück, den ich mir immer wieder gerne ansehe.


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 Betreff des Beitrags: Re: MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler
BeitragVerfasst: 12.11.2018 17:27 
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Prisma hat geschrieben:
"Mord in der Rue Morgue" ist mittlerweile bei Pidax erschienen und das endlich in der ungekürzten Fassung, was sehr erfreulich ist, da man sich in der vorigen Version mit zahlreichen Kürzungen herumärgern musste. So waren beispielsweise die meisten Szenen von Lilli Palmer komplett entfernt worden. Der Film macht in dieser Präsentation noch wesentlich mehr Spaß, da er ab sofort runder wirkt.


Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich mit "Mord in der Rue Morgue" nicht richtig warm geworden bin. :oops:

Kann sein, dass es an dem theaterlastigen Inszenierungsstils Hesslers liegt -der mir auch schon bei DIE LEBENDEN LEICHEN DES DR. MABUSE nicht so richtig zusagte-, oder ich befand mich an diesem Tag auch einfach nur in der falschen Stimmung. Werde aber der Pidax-Scheibe irgendwann noch eine zweite Chance einräumen, da Hesslers SINDBADS GEFÄHRLICHE ABENTEUER auch weiterhin zu meinen angenehmsten Kindheitserinnerungen zählt (Dieser Film zirkuliert mindestens einmal pro Jahr im heimischen Abspielgerät). :)


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 Betreff des Beitrags: Re: MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler
BeitragVerfasst: 14.11.2018 15:54 
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Richie Pistilli hat geschrieben:
Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich mit "Mord in der Rue Morgue" nicht richtig warm geworden bin. :oops:


Geht mir aber genauso. Ich hielt den immer für einen der schwächsten AIPs. Allerdings kenne ich nur die deutsche Fassung, die im Fernsehen lief.


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 Betreff des Beitrags: Re: MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler
BeitragVerfasst: 14.11.2018 20:46 
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Ich mag den Stoff von Gordon Hessler meist sehr gern. Wie ist es denn um die Qualität der Pidax Scheibe bestellt? Sollte sie nicht wirklich taugen, greife ich lieber zur US-Blu.

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 Betreff des Beitrags: Re: MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler
BeitragVerfasst: 14.11.2018 21:47 
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Das Cover ist zumindest sehr ansprechend gestaltet.

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BeitragVerfasst: 15.11.2018 06:59 
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Blap hat geschrieben:
Wie ist es denn um die Qualität der Pidax Scheibe bestellt?

Ein paar wahllos zusammengestellte Screenshots:

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BeitragVerfasst: 15.11.2018 09:07 
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Richie Pistilli hat geschrieben:
Blap hat geschrieben:
Wie ist es denn um die Qualität der Pidax Scheibe bestellt?

Ein paar wahllos zusammengestellte Screenshots:


Vielen Dank, Richie! Sieht doch recht ansprechend aus. :)

Also her damit. :)

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 Betreff des Beitrags: Re: MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler
BeitragVerfasst: 20.11.2018 09:03 
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Die Scheibe wanderte gestern in den Player. Wer den Film mag, darf durchaus zugreifen, denn die Qualität der DVD ist ansprechend geraten!

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 Betreff des Beitrags: Re: MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler
BeitragVerfasst: 20.11.2018 15:35 
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...und die Komplettfassung ist auch nicht zu verachten.
Ich denke mal, dass viele vielleicht nur die gekürzte Version gesehen haben, da ist das Pidax-Gesamtpaket schon ein deutlicher Mehrwert.


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 Betreff des Beitrags: Re: MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler
BeitragVerfasst: 20.11.2018 20:56 
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Prisma hat geschrieben:
...und die Komplettfassung ist auch nicht zu verachten.
Ich denke mal, dass viele vielleicht nur die gekürzte Version gesehen haben, da ist das Pidax-Gesamtpaket schon ein deutlicher Mehrwert.


Das unterschreibe ich gern!

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 Betreff des Beitrags: Re: MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler
BeitragVerfasst: 22.11.2018 18:11 
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BEWERTET: "Mord in der Rue Morgue" (Murders in der Rue Morgue) (USA 1971)
mit: Jason Robards, Christine Kaufmann, Herbert Lom, Adolfo Celi, Maria Perschy, Lilli Palmer, Michael Dunn, Rosalind Elliot, Peter Arne, Ruth Plattes, Marshall Jones, Brooke Adams u.a. | Drehbuch: Christopher Wicking und Henry Slezar nach dem Roman von Edgar Allan Poe | Regie: Gordon Hessler

Madeleine und ihr Mann César stehen jeden Abend mit dem Stück "Mord in der Rue Morgue" in Paris auf der Theaterbühne. Als ein Mitglied des Ensembles ermordet wird, richtet sich der Verdacht gegen Marot, der jedoch vor vielen Jahren Selbstmord begangen hat. Madeleine wird seit einiger Zeit von Alpträumen geplagt, in denen sie einen maskierten Mann mit Axt sieht, der ihr nach dem Leben trachtet. Nach und nach werden alle Zeugen, welche die Schuld Marots am Tod von Madeleines Mutter beschworen haben, getötet. Kann die Polizei den wahren Sachverhalt aufdecken und die Mordserie stoppen?

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Edgar Allan Poe ist den meisten wegen seiner grotesken Schauererzählungen und romantischen Gedichte ein Begriff, dabei war er ein hochsensibler und intelligenter Mann, der mehr konnte als makabre und furchterregende Schreckensgeschichten zu verfassen. Seine Auseinandersetzung mit menschlichen Tragödien lag ihm aufgrund seiner eigenen traurigen Familiengeschichte im Blut. Dunkle Vorahnungen und tiefe Verzweiflung prägten seinen Schreibstil und auch "Die Morde in der Rue Morgue" (1841) handelt von Wahnsinn, Krankheit, Tod und Bestattung - Erfahrungen seines eigenen unglücklichen Lebens. Die Bühne als Schauplatz, der das Leben imitiert, ihm den Spiegel vorhält und die Grenze zwischen Schein und Wirklichkeit laufend vermischt, bildet den unverzichtbaren Rahmen für die Filmhandlung, bei der das Publikum im Parkett und vor dem Bildschirm nie weiß, welche Szenen echt oder nur gespielt sind. Die Inszenierung des komplexen Kriminalfalls erfordert ein präzises Vorgehen und eine genaue Choreografie aller Beteiligten, um den Faden nicht aus den Augen zu verlieren und die Spannung konstant zu halten. Die Atmosphäre der Theaterwelt wird eingerahmt durch die stilverwandten Jahrmarktstreibenden, Gaukler und Straßenmusiker, die für ein buntes, exotisches Flair sorgen und dem Ambiente laute und derbe Akzente hinzufügen. Emotionen werden mit kräftigen Pinselstrichen gemalt und möglichst dick aufgetragen, damit sie bis in die hinterste Reihe wahrgenommen werden. Unwillkürlich stellt sich die Frage, was sich hinter Schminke, Kostüm und Maske verbirgt, denn die Kunst der Übertreibung verdeckt echte Gefühle, die in Gestalt von Christine Kaufmann ihren natürlichen Ausdruck finden.

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Christine Kaufmanns Madeleine Charron benötigt ein wenig Zeit, um sich zwischen den aufgeputzten Damen des Amüsements und den groben Männern Aufmerksamkeit zu verschaffen. Ihre Ausstrahlung reinigt die Atmosphäre, wenn sie angespannt und beunruhigt durch die Szenenbilder schwebt, leichtfüßig und zart wie ein Schmetterling. Die Traumsequenzen zählen zu den schönsten und nachhaltigsten Momenten des Films, man könnte sie stundenlang sehen, ohne sich zu langweilen. Madeleines Träume legen verschüttete Erinnerungen - oder sind es Zukunftsvisionen - offen, deren Bedeutung noch ungeklärt ist. Diese Szenen sind von einer lyrischen Faszination. Das Auge des Betrachters wird mit poetischen Bildkompositionen verwöhnt, die den Tod in zarte Pastelltöne kleiden, während andererseits todbringende Instrumente wie Vitriol, glühende Eisen und Äxte für blutigen Ernst sorgen und die Entschlossenheit der Mörder betonen. Maria Perschy darf sich durch einen markanten Auftritt profilieren, der sie als reife Schönheit in den Fokus rückt und ihr Erfahrung und Abgebrühtheit attestiert. Der Säureangriff auf ihre Figur zeigt leider erschreckende Parallelen zu dem schweren Verkehrsunfall im selben Jahr, als sie Verbrennungen im Gesicht erlitt. Die beiden Schauspielerinnen zeichnen so konträre Rollen, dass es schade war, sie in keiner gemeinsamen Szene zu besetzen, wobei man sagen muss, dass Jason Robards als Liebhaber Perschys glaubwürdiger ist als in seiner Rolle als Ehemann von Kaufmann. Dabei ist nicht nur der Altersunterschied ausschlaggebend, sondern seine zweifelhafte Vergangenheit als Verehrer von Madeleines Mutter, was ihm einen abgehalfterten Eindruck verleiht, obwohl er seine Rolle per se sehr überzeugend meistert.

Um die Produktion als Kriminalfall schätzen zu können, muss man einen Draht zur Opulenz und dem Ablauf historischer Filme haben, ansonsten wirkt das Werk schnell überladen und in seiner Üppigkeit an oberflächlichem Firlefanz orientiert. Kein Wunder, dass Vincent Price an der männlichen Hauptrolle interessiert war, vermutet man doch zwischen den Folterstühlen und Marterinstrumenten auf der Bühne jeden Moment seine hassverzerrten Gesichtszüge zu erblicken. Lilli Palmer kostet ihre Rolle als Gaststar reiflich aus und lässt das Publikum mit ihr bangen und leiden. Die Tragik ihrer Figur sorgt für einen erheblichen Tiefgang innerhalb des Geschehens, die Grandezza einer Königin umgibt sie ohnehin. Historische Kostüme unterstreichen die preußische Strenge ihrer Erscheinung und geben ihr zusätzlich Haltung und Würde. Die Rolle der Kriminalpolizei gewinnt im letzten Drittel verstärkt an Einfluss und treibt auch das Tempo voran, was angesichts der sich im Minutentakt verschiebenden Schuldfrage doch sehr wichtig ist. Hier gebührt vor allem Herbert Lom und seiner wandlungsfähigen Interpretation des entstellten Marot großes Lob, kann er seinen Charakter doch laufend variieren und den Zuschauer sowohl Sympathie, als auch Abneigung gegen ihn empfinden lassen. Ein intensiver Film, der dem Publikum mehr abverlangt als sich von einem gruseligen Horrorspektakel berieseln zu lassen. Seine Meriten weiß man eventuell nicht gleich bei der ersten Sichtung zu schätzen, doch die Produktion hält so viele Details parat, deren Sinn sich durch die Konzentration auf das Vordergründige nicht gleich erschließt, sondern Argumente für eine punktuelle Analyse - bestimmter Sequenzen oder Darstellerinterpretationen - liefert.


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