Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
PostPosted: 23.11.2018 14:56 
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giant_claw wrote:
Auf *** The link is only visible for members, go to login. *** wird das Suspiria Remake eher als Mittelmaß betrachtet. Tomatometer derzeit bei 61%.


Ich könnte jetzt unzählige Links mit Best Bewertungen posten aber jeder sollte sich eher sein eigenes Urteil bilden. Suspiria ist halt sehr sehr sehr speziell.
Der Film ist eine Pracht aber die entfaltet sich halt nicht bei allen.


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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
PostPosted: 23.11.2018 15:00 
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Ryan wrote:
giant_claw wrote:
Auf *** The link is only visible for members, go to login. *** wird das Suspiria Remake eher als Mittelmaß betrachtet. Tomatometer derzeit bei 61%.


Könnte jetzt unzählige Links mit Bestnoten posten aber jeder sollte sich wohl sein eigenes Urteil bilden. Suspiria ist halt sehr speziell. Der Film ist eine Pracht aber die entfaltet sich halt nicht bei allen.


Immerhin 236 Reviews bis dato dort.


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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
PostPosted: 23.11.2018 16:10 
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Ich muss McKenzie mit seinen obigen Ausführungen beipflichten: Die Schwierigkeit bei diesem Remake beginnt schon damit, dass der bildungsbürgerliche Film höchstens teilweise auf narrativer Ebene ein Remake ist (Hexe in der Tanzschule) stilistisch aber vielmehr eine Hommage an Volker-Schlöndorff- und Wim-Wender-Filme. Entsprechend wird in einem Siebzigerjahresetting eine Parallele zwischen den Gewaltmechanismen des Nationalsozialismus und der RAF gezogen, dies wird wiederum parallelisiert zu den Gewaltstrukturen, die ein hartes Ballettanztraining erfordern, das hier explizit auch noch in einer von Hexen geführten Tanzschule stattfindet. Auch der Film selbst ist überaus formstreng inszeniert und setzt damit sein Thema, das Herausarbeiten von Gewaltstrukturen in der deutschen Geschichte am Beispiel der Kunstinzenierung, adäquat um - nur hat das nichts mit dem meisterhaft delirierenden, surrealen, farbenprächtigen, unberechenbaren, mit stimmungsvollen Setpieces versehenen, innovativen Meisterwerk zu tun, den zu bewundern "Suspiria" (2018) nur vorgibt.

Nüchtern und eigenständig betrachtet ein mittelmäßiger, weil über die ersten 4 Akte (ca. 100 Minuten) langweiliger, danach sich etwas steigernder Film, im Vergleich mit dem Original eine maßlose Enttäuschung für mich.

2 / 10 - da enttäuschendere Filme möglich, aber nicht wahrscheinlich sind.


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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
PostPosted: 23.11.2018 16:57 
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Pacific Nil wrote:
Ich muss McKenzie mit seinen obigen Ausführungen beipflichten: Die Schwierigkeit bei diesem Remake beginnt schon damit, dass der bildungsbürgerliche Film höchstens teilweise auf narrativer Ebene ein Remake ist (Hexe in der Tanzschule) stilistisch aber vielmehr eine Hommage an Volker-Schlöndorff- und Wim-Wender-Filme. Entsprechend wird in einem Siebzigerjahresetting eine Parallele zwischen den Gewaltmechanismen des Nationalsozialismus und der RAF gezogen, dies wird wiederum parallelisiert zu den Gewaltstrukturen, die ein hartes Ballettanztraining erfordern, das hier explizit auch noch in einer von Hexen geführten Tanzschule stattfindet. Auch der Film selbst ist überaus formstreng inszeniert und setzt damit sein Thema, das Herausarbeiten von Gewaltstrukturen in der deutschen Geschichte am Beispiel der Kunstinzenierung, adäquat um - nur hat das nichts mit dem meisterhaft delirierenden, surrealen, farbenprächtigen, unberechenbaren, mit stimmungsvollen Setpieces versehenen, innovativen Meisterwerk zu tun, den zu bewundern "Suspiria" (2018) nur vorgibt.

Nüchtern und eigenständig betrachtet ein mittelmäßiger, weil über die ersten 4 Akte (ca. 100 Minuten) langweiliger, danach sich etwas steigernder Film, im Vergleich mit dem Original eine maßlose Enttäuschung für mich.

2 / 10 - da enttäuschendere Filme möglich, aber nicht wahrscheinlich sind.


Aber das ist doch mMn nach die ganz große Leistung von Suspiria (2018). Guadagnino begeht hier nicht den Fehler die visuelle Brillanz von Argentos Suspiria zu imitieren oder auch nur ansatzweise adaptieren zu wollen. Dies wäre entweder grandios gescheitert oder käme einer reinen Imitation gleich.

Guadagnino macht hier das einzig Sinnvolle: er löst sich komplett vom visuellen Komzept, welche Argento 1977 einfing und wagt etwas komplett eigenständiges. Gleichzeitig schafft er es aber mMn den narrativen Kern zu erhalten und den diffusen Horror in ein neues Konzept einzubetten.

Klar, das verlangt besonders Fans von Argentos Suspiria einiges ab, weil es so komplett anders ist, aber so entsteht mit Guadagninos Suspiria etwas Einzigartiges, welches man anscheinend hasst oder liebt. Und das spricht für den Film

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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
PostPosted: 23.11.2018 17:47 
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roother wrote:

Aber das ist doch mMn nach die ganz große Leistung von Suspiria (2018). Guadagnino begeht hier nicht den Fehler die visuelle Brillanz von Argentos Suspiria zu imitieren oder auch nur ansatzweise adaptieren zu wollen. Dies wäre entweder grandios gescheitert oder käme einer reinen Imitation gleich.

Guadagnino macht hier das einzig Sinnvolle: er löst sich komplett vom visuellen Komzept, welche Argento 1977 einfing und wagt etwas komplett eigenständiges. Gleichzeitig schafft er es aber mMn den narrativen Kern zu erhalten und den diffusen Horror in ein neues Konzept einzubetten.

Klar, das verlangt besonders Fans von Argentos Suspiria einiges ab, weil es so komplett anders ist, aber so entsteht mit Guadagninos Suspiria etwas Einzigartiges, welches man anscheinend hasst oder liebt. Und das spricht für den Film



"Suspiria" (2018) wäre meines Erachtens nur dann stilistisch einzigartig, wenn man da visuelle Konzept nicht andernorts schon tausendfach gesehen hätte: Farbfading? Seit Jahren modern, besonders im Horrorfilm. 70erjahre Plattenbautristesse in einer deutschen Großstadt? In jedem "Tatort" zu sehen - und auch in den damaligen Filmen von z. B. Schlöndorff, die sich dem Deutschen Herbst widmen. - - Visuell ist das nichts Neues, nur in einem Film, der "Suspiria" heißt, etwas Unerwartetes.

Umgekehrt ist auch "Suspiria" (1977) visuell betrachtet nicht aus dem Nichts entstanden: Vorher gab es besonders bei Mario Bava diese Farbenpracht, vor Bava bei Douglas Sirk und auch vor Sirk gibt es einzelne Filme wie "Todsünde" (1945) und "Opfergang" (1944), die Farbigkeit in den Vordergrund ihres visuellen Konzepts haben. Ein Film, der heute eine solche Farbenpracht inszeniert, wie z. B. "Mandy" (2017), kopiert nicht einfach nur und scheitert damit, sondern stellt sich nur in eine Reine, eine Tradition. Schade, dass Guadagnino sich dagegen entschieden hat und ein farbgefadetes verregnetes grau-in-grau für diesen Film adäquat hält.


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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
PostPosted: 23.11.2018 18:05 
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Pacific Nil wrote:
roother wrote:

Aber das ist doch mMn nach die ganz große Leistung von Suspiria (2018). Guadagnino begeht hier nicht den Fehler die visuelle Brillanz von Argentos Suspiria zu imitieren oder auch nur ansatzweise adaptieren zu wollen. Dies wäre entweder grandios gescheitert oder käme einer reinen Imitation gleich.

Guadagnino macht hier das einzig Sinnvolle: er löst sich komplett vom visuellen Komzept, welche Argento 1977 einfing und wagt etwas komplett eigenständiges. Gleichzeitig schafft er es aber mMn den narrativen Kern zu erhalten und den diffusen Horror in ein neues Konzept einzubetten.

Klar, das verlangt besonders Fans von Argentos Suspiria einiges ab, weil es so komplett anders ist, aber so entsteht mit Guadagninos Suspiria etwas Einzigartiges, welches man anscheinend hasst oder liebt. Und das spricht für den Film



"Suspiria" (2018) wäre meines Erachtens nur dann stilistisch einzigartig, wenn man da visuelle Konzept nicht andernorts schon tausendfach gesehen hätte: Farbfading? Seit Jahren modern, besonders im Horrorfilm. 70erjahre Plattenbautristesse in einer deutschen Großstadt? In jedem "Tatort" zu sehen - und auch in den damaligen Filmen von z. B. Schlöndorff, die sich dem Deutschen Herbst widmen. - - Visuell ist das nichts Neues, nur in einem Film, der "Suspiria" heißt, etwas Unerwartetes.

Umgekehrt ist auch "Suspiria" (1977) visuell betrachtet nicht aus dem Nichts entstanden: Vorher gab es besonders bei Mario Bava diese Farbenpracht, vor Bava bei Douglas Sirk und auch vor Sirk gibt es einzelne Filme wie "Todsünde" (1945) und "Opfergang" (1944), die Farbigkeit in den Vordergrund ihres visuellen Konzepts haben. Ein Film, der heute eine solche Farbenpracht inszeniert, wie z. B. "Mandy" (2017), kopiert nicht einfach nur und scheitert damit, sondern stellt sich nur in eine Reine, eine Tradition. Schade, dass Guadagnino sich dagegen entschieden hat und ein farbgefadetes verregnetes grau-in-grau für diesen Film adäquat hält.



Klar ist Guadagninos Konzept auf der visuellen Ebene cineastisch nichts neues, aber im Zusammenhang mit dem Suspiria-Vorbild dann schon, da er die Erwartungshaltung durchbricht.

Dein Beispiel mit Mandy ist insorfern interessant, da Cosmatos hier visuell zwar ähnlich farbintensiv vorgeht, dafür aber auf der narrativen Ebene harte Kritik einstecken musste. Nicht wenig Kritiken bemängeln das visuelle Konzept als Selbstzweck, welches nur vom uninspirierten Plot ablenken soll.

Guadagnino hat sich daher gegen eine farbintentive Umsetzung, welche in seinem Suspiria mMn deutlich vom Kernpunkt seiner Narration ablenken würde, entschieden.

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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
PostPosted: 23.11.2018 18:15 
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roother wrote:

Guadagnino hat sich daher gegen eine farbintentive Umsetzung, welche in seinem Suspiria mMn deutlich vom Kernpunkt seiner Narration ablenken würde, entschieden.



Dieser narrative Kernpunkt grenzt für mich bedauerlicherweise an eine Themaverfehlung: Wie ich oben beschrieben habe, halte ich das Herausarbeiten der Parallelen von Gewaltstrukturen für diesen Kern - Nationalsozialismus, RAF-Terrorismus, formstrenge Kunstinszenierung, Hexenterror. Grundsätzlich natürlich ein interessanter Ansatz, visuell anders aufbereitet kann er sogar sehr reizvoll sein. Aber als eine Suspiria-Interpretation? Ich war nie neugierig darauf, was Nazis mit Mater Suspiriorum zu tun haben.


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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
PostPosted: 23.11.2018 18:42 
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Pacific Nil wrote:

Dieser narrative Kernpunkt grenzt für mich bedauerlicherweise an eine Themaverfehlung: Wie ich oben beschrieben habe, halte ich das Herausarbeiten der Parallelen von Gewaltstrukturen für diesen Kern - Nationalsozialismus, RAF-Terrorismus, formstrenge Kunstinszenierung, Hexenterror. Grundsätzlich natürlich ein interessanter Ansatz, visuell anders aufbereitet kann er sogar sehr reizvoll sein. Aber als eine Suspiria-Interpretation? Ich war nie neugierig darauf, was Nazis mit Mater Suspiriorum zu tun haben.


Da ich das Remake noch nicht gesehen habe, kann ich nichts dazu sagen; Deine kritische Einschätzung, die Du gebracht hast, macht für mich - ohne den Film bereits zu kennen - argumentativ dann schon Sinn; doch: unterschwellig war es ja auch beim Original so, dass auf die Nazi-Zeit referiert worden war (sei es jetzt überhaupt der Spielort Deutschland, die Stadt München = Hilter-Putsch von '23 oder Gründungsort der NSDAP etc. / Ballettschule in Freiburg = Bezug zu Heidegger?) - möglicherweise hat gerade diese unterschwellige Erzähl-Spur das New-Make weitergesponnen - eben mit einer kontrastierenden Ästhetik zum Original?
Auf jeden Fall macht mich bei der neuen Version der "link" zur RAF dann doch neugierig - wie das Thema in den Plot eingearbeitet wurde - und der filmische Bezug zum Neuen Deutschen Film der 70er / 80er Jahre mit seiner typisch tristen Farbbehandlung - dies alles könnte dann schon neue Muster knüpfen...

dass der Film jetzt so polarisiert, wäre für mich denn auch eher ein "gutes" Zeichen, dass es hier viele Details zu entdecken gibt - bin jedenfalls gespannt, wie er mir gefallen wird... FSK 16, oder?


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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
PostPosted: 23.11.2018 19:06 
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Howard Vernon wrote:

Da ich das Remake noch nicht gesehen habe, kann ich nichts dazu sagen; Deine kritische Einschätzung, die Du gebracht hast, macht für mich - ohne den Film bereits zu kennen - argumentativ dann schon Sinn; doch: unterschwellig war es ja auch beim Original so, dass auf die Nazi-Zeit referiert worden war (sei es jetzt überhaupt der Spielort Deutschland, die Stadt München = Hilter-Putsch von '23 oder Gründungsort der NSDAP etc. / Ballettschule in Freiburg = Bezug zu Heidegger?) - möglicherweise hat gerade diese unterschwellige Erzähl-Spur das New-Make weitergesponnen - eben mit einer kontrastierenden Ästhetik zum Original?
Auf jeden Fall macht mich bei der neuen Version der "link" zur RAF dann doch neugierig - wie das Thema in den Plot eingearbeitet wurde - und der filmische Bezug zum Neuen Deutschen Film der 70er / 80er Jahre mit seiner typisch tristen Farbbehandlung - dies alles könnte dann schon neue Muster knüpfen...

dass der Film jetzt so polarisiert, wäre für mich denn auch eher ein "gutes" Zeichen, dass es hier viele Details zu entdecken gibt - bin jedenfalls gespannt, wie er mir gefallen wird... FSK 16, oder?



Ja, FSK 16.

Was du beschreibst, gehört ja auch zum Großartigen an Argentos "Suspiria": Hier wird der Holzhammer nicht geschwungen, man kann frei interpretieren. Die Bezüge zur Nazi-Zeit in seinem Film drängen sich nicht auf - ich sehe sie nicht, halte sie aber, so wie du sie schilderst, für zulässig und nicht überinterpretiert. Meiner Meinung nach spielt der Film in Deutschland, weil sich Argento auf die Deutsche Romantik bezieht, E. T. A. Hoffmann mit seinem farbenprächtigen Stil beispielsweise, und natürlich das Hänsel-und-Gretel-Märchen der Brüder Grimm, das das Hexenhausmotiv begründet.

Auch wenn der Film mir gar nicht gefallen hat, freue ich mich natürlich für Jeden, dem der Film gefällt. Vielleicht gebe ich ihm sogar übermorgen auf dem Giallo-Festival noch eine Chance.


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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
PostPosted: 23.11.2018 19:42 
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Pacific Nil wrote:

Was du beschreibst, gehört ja auch zum Großartigen an Argentos "Suspiria": Hier wird der Holzhammer nicht geschwungen, man kann frei interpretieren.


O.K., jetzt verstehe ich, was Dich beim Remake vor allem gestört hat - dies alles ist zu eindeutig und verteilt sich nicht mehr - wie bei Argentos Film - auf die "Zwischenräume"...


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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
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@Howard Vernon


Würde der Film nicht so stark polarisieren, wäre er beliebig und vermutlich nicht interessant. Meiner MEinung nach machen gerade die negativen Stimmen (McKenzie, Pacific Nil usw.) ungewollt beste Werbung für den Film, weil sie durch ihre ganzen Zerreis Punkte dem "geneigten" zukünftigen Zuschauer etwas zum knabbern geben und solche Herausforderungen suche ich heutzutage als Film Fan, der irgendwie alles schon gesehen hat und auch noch ein riesen Fan des vergötterten Originals ist.
Meiner Meinung nach muß Luca Guadagnino ganz zwangsläufig anecken und das ist auch gut so.

Wie ich bereits geschrieben habe, musste ich mich in den ersten 20 Minuten erstmal an dieses mega triste Setting gewöhnen und während dieser Ungemütlichkeit hat mich der Film dann total eingelullt.
Das ist ein Film den man mehrere Male sehen muß um ihn besser zu verstehen.
Ich habe bewusst auf eine Punktebewertung verzichtet, weil ich nach einer Sichtung noch nicht dazu in der Lage bin, den Film richtig zu beurteilen.

Definitiv kein leichter Film und einer mit spitzen Ecken und Kanten aber sowas mag ich sehr.


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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
PostPosted: 23.11.2018 19:48 
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Ein anderer Punkt, der bei SUSPIRIA - neben der visuellen Inszenierung - natürlich entscheidend sein dürfte, ist der Soundtrack: wie hat denen, die das Remake geschaut haben, denn das Spiel zwischen Bild (triste Bildsprache) und Musik (?) gefallen; wird da auch ein neuartiger Weg - nämlich weg vom Original - gesucht?...


Last edited by Howard Vernon on 23.11.2018 20:00, edited 1 time in total.

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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
PostPosted: 23.11.2018 19:50 
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Howard Vernon wrote:
Ein anderer Punkt, der bei SUSPIRIA - neben der visuellen Inszenierung - natürlich entscheidend sein dürfte, ist der Soundtrack: wie hat denen, die das Remake geschaut haben, denn das Spiel zwischen Bild (triste Bildsprache) und Musik (?) gefallen; wird da auch ein neuartiger Weg - nämlich weg zum Original - gesucht?...


Ich war so sehr eingelullt dass ich den Soundtrack irgendwie nicht bewusst gehört habe aber er war definitiv da. Eine ganz komische Wahrnehmung meinerseits bei diesem Film.


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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
PostPosted: 23.11.2018 19:52 
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Ryan wrote:

Definitiv kein leichter Film und einer mit spitzen Ecken und Kanten aber sowas mag ich sehr.


Wie gesagt, dass würde ich dann auch erst einmal positiv bewerten - ich kann mich noch erinnern, dass ich nach dem Anschauen des WICKER-MAN-Remakes unglaublich über diese völlig lustlose Bearbeitung - ja - entsetzt gewesen war; oder bei THE FOG...
da scheint mir SUSPIRIA schon ein ganz anderer Film zu sein, nämlich einer, der erst Mal den Zuschauer herausfordert, auch wenn das Ergebnis dann nicht unbedingt befriedigen muss...


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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
PostPosted: 23.11.2018 19:55 
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Ryan wrote:

Ich war so sehr eingelullt dass ich den Soundtrack irgendwie nicht bewusst gehört habe aber er war definitiv da. Eine ganz komische Wahrnehmung meinerseits bei diesem Film.


also unterstützt die Musik dann doch eher die Bilder und führt nicht mehr solch ein "Eigenleben" wie dies noch beim Original ist - wäre dann auch wieder eine künstlerische Abweichung vom Argento-Film...


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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
PostPosted: 23.11.2018 19:58 
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Howard Vernon wrote:
Ryan wrote:

Definitiv kein leichter Film und einer mit spitzen Ecken und Kanten aber sowas mag ich sehr.


Wie gesagt, dass würde ich dann auch erst einmal positiv bewerten - ich kann mich noch erinnern, dass ich nach dem Anschauen des WICKER-MAN-Remakes unglaublich über diese völlig lustlose Bearbeitung - ja - entsetzt gewesen war; oder bei THE FOG...
da scheint mir SUSPIRIA schon ein ganz anderer Film zu sein, nämlich einer, der erst Mal den Zuschauer herausfordert, auch wenn das Ergebnis dann nicht unbedingt befriedigen muss...


Ich kann mir auch nicht vorstellen dass man den Film nach nur einer Sichtung völlig erfasst hat.
Ich habe mit meinen drei Freunden nach dem Kinobesuch mindestens eine Stunde diskuttiert und das gibt es sonst nie.
Wir alle drei wollen Suspiria nochmal ansehen wenn er auf Blu-ray erscheint.


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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
PostPosted: 23.11.2018 20:04 
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Ryan wrote:

Ich kann mir auch nicht vorstellen dass man den Film nach nur einer Sichtung völlig erfasst hat.


Der Film geht ja über 2 h und hätte - so habe ich in einer Kritik gelesen - zahlreiche Subplots und (zu viele?) Figuren, weshalb die große Verbindung zwischen all diesen Aspekten nicht immer gegeben wäre (laut der Kritik)...


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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
PostPosted: 23.11.2018 20:14 
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Howard Vernon wrote:
Ryan wrote:

Ich kann mir auch nicht vorstellen dass man den Film nach nur einer Sichtung völlig erfasst hat.


Der Film geht ja über 2 h und hätte - so habe ich in einer Kritik gelesen - zahlreiche Subplots und (zu viele?) Figuren, weshalb die große Verbindung zwischen all diesen Aspekten nicht immer gegeben wäre (laut der Kritik)...


Ich bin auf jeden Fall mega gespannt auch Deine Meinung. Wann willst Du ihn ansehen?


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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
PostPosted: 23.11.2018 20:27 
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Ryan wrote:
Wann willst Du ihn ansehen?


Ob es der Gang ins Kino wird, weiß ich noch nicht (wenn dann nur in sehr schlecht besuchten Nachmittagsvorstellungen :) ) - spätestens dann aber auf BD, da mich der Vergleich zum Original dann doch interessiert (zumeist schau ich mir solche Remakes eher seltener an - gerade im Bereich des Slasher-Films sind ja unzählige Werke neu gedreht worden)... mal schauen...


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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
PostPosted: 24.11.2018 14:43 
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Suspiria Remake (Kino Deutschland):
Ziemlicher Mist. Vor allem die letzte halbe Stunde ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Unfreiwillig komischer Trash. Kamerafürhung, Stilmittel und Effekte im Finale peinlich und grottenschlecht. Musik stellenweise total unpassend (Vorspann). Einige der Nebenplots hätte man zugunsten einer kürzeren Laufzeit auch streichen können. Deutsche Synchro auch nicht wirklich der Hit (die Stimme von Dr. Josef Klemperer in der Synchro Fassung ist sehr übel). Film hat nur 3 Highlights: Spiegel-"Mord"-Szene, Tanzszene (Aufführung) vor dem lächerlichen Finale und die Traumvisionen von Susie. Zu wenig, um zu überzeugen! Lieber das Original schauen! 4/10


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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
PostPosted: 24.11.2018 22:42 
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Bitte jetzt nicht jede schlechte Bewertung verlinken, sonst fühle ich mich gezwungen, als Gegenpol, die vielen guten Reviews posten und dabei bin ich mir noch nicht mal sicher wie ich den Film selbst finde. :mrgreen:


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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
PostPosted: 24.11.2018 23:55 
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Auch die Schnellrestaurantkette "Burger King" sieht offensichtlich Potential in dem Werk. Das kostenlos in den Filialen erhältliche Magazin "King" widmet sich in der November - Ausgabe auf 6 von 24 Seiten dem Streifen, Titelbild und herausnehmbares, zweiseitiges Poster (!) inklusive.


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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
PostPosted: 26.11.2018 19:23 
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Wie waren denn die Reaktionen nach der 10 Uhr-Matinée am Sonntag im Kommkino?


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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
PostPosted: 26.11.2018 20:24 
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ErnestoGastaldi wrote:
Wie waren denn die Reaktionen nach der 10 Uhr-Matinée am Sonntag im Kommkino?


Äußerst gespalten. Ich hatte den Eindruck, dass von den etwa 50 Zuschauern je ein Drittel den Film schwach, leicht überdurchschnittlich und sehr gut empfand. Und mir ist gerade im Vergleich zu den 70erjahre-Gialli aufgefallen, wie schön diese im Gegensatz zu "Suspiria" fotographiert, geschnitten, mit Musik unterlegt und gespielt sind, wie aufregend wild diese Filme sind im Vergleich zu jenem, der in langen Gesprächen die RAF erklärt und sich handwerklich zwischen abgefilmten Theater und Fernsehspiel bewegt.

Eine Review folgt in den nächsten Tagen.


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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
PostPosted: 27.11.2018 01:49 
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Pacific Nil wrote:
ErnestoGastaldi wrote:
Wie waren denn die Reaktionen nach der 10 Uhr-Matinée am Sonntag im Kommkino?


Äußerst gespalten. Ich hatte den Eindruck, dass von den etwa 50 Zuschauern je ein Drittel den Film schwach, leicht überdurchschnittlich und sehr gut empfand. Und mir ist gerade im Vergleich zu den 70erjahre-Gialli aufgefallen, wie schön diese im Gegensatz zu "Suspiria" fotographiert, geschnitten, mit Musik unterlegt und gespielt sind, wie aufregend wild diese Filme sind im Vergleich zu jenem, der in langen Gesprächen die RAF erklärt und sich handwerklich zwischen abgefilmten Theater und Fernsehspiel bewegt.

Eine Review folgt in den nächsten Tagen.



Na da bin ich mal gespannt. :mrgreen:
Ein derart wertloses uns schlechtes Werk noch ausführlicher zu rezensieren, als du es ohnhin bereits getan hast, lässt schon interessante Schlüsse zu.
Du machst damit beste Werbung für den Film. Desto bombastischerr der Verriss, desto interessanter wird er für viele Leute. :)

Ich kann die Blu-ray echt nicht erwarten. Im ernst.


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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
PostPosted: 27.11.2018 11:34 
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Pacific Nil wrote:

Was du beschreibst, gehört ja auch zum Großartigen an Argentos "Suspiria": Hier wird der Holzhammer nicht geschwungen, man kann frei interpretieren. Die Bezüge zur Nazi-Zeit in seinem Film drängen sich nicht auf - ich sehe sie nicht, halte sie aber, so wie du sie schilderst, für zulässig und nicht überinterpretiert. Meiner Meinung nach spielt der Film in Deutschland, weil sich Argento auf die Deutsche Romantik bezieht, E. T. A. Hoffmann mit seinem farbenprächtigen Stil beispielsweise, und natürlich das Hänsel-und-Gretel-Märchen der Brüder Grimm, das das Hexenhausmotiv begründet.


Das ist interessant. Ich habe da eigentlich auch immer an die Romantik gedacht und nicht an Nazi-Deutschland. Auch wenn die Frauenrollen und ihre Optik teilweise schon sehr das NS-Klischee bedienen. Gerade Miss Tanner scheint einem BDM-Propagandastreifen entliehen. (Eigentlich fehlt da nur eine nackte Züchtigungsszene, um das Klischee zu vollenden. Obwohl der Arzt schon gruselig genug ist.) Andererseits scheinen gerade die stumme Köchin (?) und ihr garstiger Sohn einer völlig anderen Zeit entsprungen, was das eher als Spiel mit Bildern erscheinen lässt.

Aber den Handlungsort habe ich immer für zufällig gehalten, zumal er nicht wirklich thematisiert wird. (Ich bin da aber nicht besonders informiert, durchaus möglich, dass Argento mal gesagt hat, dass er diesen Film wegen der Thematik in Deutschland drehen musste. :D ) Insofern scheint man dem Remake in der Tat zumindest einen Punkt für Orginalität geben zu können, wenn es die Zeitgeschichte bewusst als Thema einarbeitet und sich dabei nicht hoffnungslos blamiert.


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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
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Suspiria – Luca Guadagnino

(Italien / USA 2018)

15.11.2018, Kino (Kommkino Nürnberg, DCP, DF)
25.11.2018, Kino (Kommkino Nürnberg, DCP, DF)



Inhalt:

Susie Bannion aus den USA möchte in der „Markos“-Tanzschule in Berlin ihre Ballettkünste verbessern. Dort wird gerade das Stück „Volk“ eingeübt und dort angekommen, kann sie die Tanzlehrerinnen, insbesondere die perfektionistische Madame Blanc, schnell von ihren Fähigkeiten überzeugen und bekommt schnell die Hauptrolle, die sie beherrscht, da sie bereits eine Aufführung von „Volk“ gesehen hat.

Allerlei Merkwürdigkeiten, von denen Susie keine Ahnung hat, tragen sich unterdessen in der Tanzschule zu: Die ehemalige Tänzerin Patricia mit Sympathien für die RAF muss sich einem Psychiater anvertrauen, da sie meint, Hexen würden nachts in ihren Träumen zu ihr sprechen; von Bildern, auf denen Augen zu sehen sind, fühlt sie sich beobachtet. Olga, die vor Susie die Hauptrolle in „Volk“ kurzzeitig inne hat – sie ersetzt Patricia – bekommt einen hysterischen Anfall und kündigt ihre Rolle auf – als Susie kurze Zeit später „Volk“ einübt, werden ihre Tanzbewegungen von den Hexen der Tanzschule auf Olga durch Zauberei übertragen, so dass diese Bewegungen Olgas Körper zerstören.

Dr. Klemperer, dem sich die mittlerweile verschwundene Patricia anvertraut hat und der immer noch hofft, seine im 2. Weltkrieg von ihm getrennte Frau wiederzufinden, glaubt mittlerweile auch an die Existenz eines Hexenkultes in der Tanzschule und sieht sich auch die Neuaufführung von „Volk“ an, die allerdings wegen eines Unfalls einer Tänzerin abgebrochen werden muss. Als er sich abermals der Schule nähert, trifft er tatsächlich seine verschollene Frau, die sich jedoch kurze Zeit später in Nichts auflöst. In diesem Augenblick wird er von höhnisch kreischenden Hexen in die Tanzschule entführt, wo er Zeuge eines Rituals wird, die seine Vermutungen über zwei Parteiungen im Hexenkult bestätigen, denn neben den 3 Müttern Lachrymarum, Tenebrarum und Suspiriorum gibt es auch noch eine neue Mutter – Markos. Mutter Markos soll im Körper einer der Tanzschülerinnen im Laufe dieses Rituals wiedergeboren werden – doch Madame Blanc, die Zeremonienmeisterin dieses Rituals, spürt, dass etwas nicht stimmt und will abbrechen. Dafür ist es zu spät, als sich Susie als Mater Suspiriorum zu erkennen gibt, die Herrschaft übernimmt und den Tanzschülerinnen das gibt, was sie sich ersehnen („Ich will sterben“): Den Tod.

Wenige Tage später sucht Mater Suspiriorum Dr. Klemperer auf und enthüllt ihm, was wirklich mit seiner Frau geschehen ist: Sie kam bei der Flucht aus Berlin um. Anschließend nimmt sie ihm aus mütterlicher Barmherzigkeit die Erinnerung an diese Offenbarung.



Review:

Mit Tilda Swinton arbeitete Regisseur Luca Guadagnino bereits häufig zusammen, mit seinem Kameramann Sayombhu Mukdeeprom, seinem Cutter Walter Fasano und seinem Drehbuchautor David Kajganich vereinzelt („Call me by your Name“, 2017, bzw. „A Bigger Splash“, 2015). Mit diesem eingespielten Team verfilmte er Dario Argentos Meisterwerk „Suspiria“ (1977) neu und siedelte die Geschichte seines Films in die Gegenwart von Argentos Film an, in die Zeit des Deutschen Herbstes.

Das Drehbuch erscheint zunächst ambitioniert und vielschichtig: Konzentrierte sich Dario Argento noch auf den reinen Horror, den er mit surrealistischen Farbspielen auf die Leinwand zauberte und so einen Look schuf, der sich zwar in die Tradition Douglas Sirks und seinen unmittelbaren Vorläufer Mario Bava stellte, jedoch trotzdem in dieser Vollkommenheit und Konsequenz über fast den ganzen Film hinweg so noch nie da war und gewiss stilistisch einen Höhepunkt der Farbdramaturgie bildet, verwarfen Kajganich und Guadagnino selbige als Style-over-Substance-Camp und stellten die Story in den Vordergrund. Diese, durchaus komplex, bietet vielerlei Subtexte und Anspielungen, die das Original in dieser Deutlichkeit nicht besaß oder brauchte:


1. Mütterlichkeit

Während bei Dario Argento die Drei Mütter, von Thomas De Quincey, einem Dichter der Englischen Romantik entlehnt, die Personifikationen von Seufzen, Tränen und Finsternis sind, somit redende Namen tragen und den Tod bringen, ist zumindest Mater Suspiriorum in Guadagnonis Werk die Personifikation der Mütterlichkeit. Der Begriff ist hier ganzheitlich aufzufassen und nicht einseitig positiv, etwa im Sinne von „Fürsorglichkeit“, nach dem er auf den ersten Eindruck klingt. Eine Mutter, und das macht der Film mit einer Texttafel schon zu Beginn des Filmes deutlich, entscheidet als mächtigste Person im Leben eines Kindes über dessen Glück und Unglück. In der Philosophie wird die Mutter manchmal mit einem gottgleichen Wesen Verglichen, als das ein Kleinkind diese betrachten muss, und in Abgrenzung zum Begriff „Fürsorglichkeit“ muss zur Mutterrolle auch berücksichtigt werden, wie brutal die Kindererziehung im Vergleich zu unserer zivilisierten und überregulierten Zeit noch vor 50 Jahren teils gewesen ist.

Dies erklärt auf den Film bezogen nicht nur, dass Mater Suspiriorum, die ihren „Kindern“, den Tanzschülerinnen, am Ende den Tod bringt (Euthanatos), aber Klemperer gegenüber Barmherzigkeit übt, sondern auch die Rollen der Tanzlehrerinnen (bis auf Madame Blanc, der Zeremonienmeisterin), deren Launenhaftigkeit an Pubertierende erinnert. Die Mutter ist Kontrollinstanz über Kinder verschiedener Altersgruppen – in „Suspiria“ ins Mythologisch-Allegorische überhöht.



2. Gewalt und Terror

„Sie sind seit dem Krieg im Untergrund“ meint die entflohene Patricia zu Dr. Klemperer gleich zu Beginn des Films. Damit baut der Film eine Verbindung zur Zeit des Nationalsozialismus auf, der gewalttätigsten Epoche in der deutschen Geschichte. Ähnlich wie also nationalsozialistische Haupttäter sind die Hexen dieser Tanzschule also gezwungen, aus dem Verborgenen zu agieren. Spiegelt man die oben angesprochene Totalität der Mutterrolle in den Nationalsozialismus, erkennt man Parallelen zum Führerprinzip, das seinem „Volk“ Glück und Barmherzigkeit versprach, aber vielen den Tod brachte – wie Mater Suspiriorum am Ende den Tänzerinnen des Stückes „Volk“, von denen sie einigen den Tod bringt.

Eine weitere Parallele ist Terrorgewalt, in „Suspiria“ am Beispiel der RAF dargestellt. Die dem Hexenhaus entflohene Patricia hegt Sympathieen für die RAF und wird auch verdächtigt, an einem Bombenanschlag in Hörweite der Tanzschule beteiligt gewesen zu sein. Der Film deutet an, dass die dem Menschen innewohnende Gewalt, seit dem 2. Weltkrieg gezügelt (Hexen im „Untergrund“), Ventile im Terror sucht, der durch Hexen angeregt wird, in Entsprechung in ihrer Rolle als nationalsozialistische Haupttäter. Erst im Wiedererscheinen Mater Suspiriorums und damit des Führerprinzips deutet sich an, dass man in Zukunft solcher Ventile nicht mehr bedarf.



3. Verschwörungstheorien und Geheimgesellschaften

Bereits in den ersten Bildern eines Filmes sollen sich die wichtigsten Handlungselemente bis zum Ende des Films ableiten lassen, so die Drehbuchtheorie, die „Suspiria“ brav umsetzt. So sehen wir in Dr. Klemperers Praxis ein Buch über Freimaurerei mit Winkel und Zirkel und allsehendem Auge darin auf dem Buchdeckel – Patricia hat, nachdem sie das Buch bemerkt, Angst davor und dreht es um, wie auch Fotographien, auf denen Gesichter zu sehen sind, da sie wahnhaft befürchtet, beobachtet zu werden. So also, wie es Menschen gibt, die einen Verfolgungswahn vor den Machenschaften von Freimaurern und Illuminaten entwickeln – deren Psyche also von den Fantasien über real existierende Geheimgesellschaften zerstört wird – wird Patricias Geist von den Ängsten und Fantasien, die die real existierenden Hexen in ihren Träumen in ihr säen, zerstört. Zwar gibt es Parallelen auch zu anderen Geheimgesellschaften und okkultistischen Bewegungen, doch bleiben wir bei der Freimaurerei, die die vorgenannten Prinzipien in diesem Film erneut spiegelt: Regelmäßig nimmt man in der Freimaurerei an Ritualen teil, es gibt einen Logen- oder Stuhlmeister und einen Zeremonienmeister. So wie in die verborgenen Räume der Tanzschule verschafft man sich Eintritt in die Logenräume durch Klopfzeichen und so, wie in Klemperers Buch mit seinen Aufzeichnungen über den Hexenkult mit teils kabbalistischen geometrischen Anordnungen sind auch die Ritualgegenstände und Positionen der Brüder im Logenraum angeordnet. Unterstellt wird der Freimaurerei manchmal fälschlicherweise, es gäbe zwei unterschiedliche Gruppen (blaue und rote) die sich in Parteiungen zusammengeschlossen bekämpfen, so wie die Markos-Parteiung in „Suspiria“. Freimaurerei bildet aus Sicht der ausschließlich männlichen Freimaurer einen Gegenpart zum weiblichen Prinzip der Mütterlichkeit, das die Möglichkeit, Kinder zu gebären – zu erschaffen – einschließt, indem sie Brüder den Prozess der Erkenntnis wie eine Wiedergeburt erfahren lässt. Der Film spiegelt also seine Aussagen über Mütterlichkeit und Führerprinzip auch in das Wesen der Geheimgesellschaften so, wie er Tanzbewegungen in den Körper anderer, abtrünniger Mitglieder zu deren körperlicher Vernichtung spiegelt.


Kritik:

„Suspiria“ (2018) ist ein Film, der komplex auf philosophische, faschistische und psychologische Fragestellungen verweist und ein Paradebeispiel dafür, warum hohe Komplexität nicht gleich Kunst ist, Kunst ist Virtuosität. Sieht man sich Argentos gleichnamigen Film an, erkennt man Filmsprache und Virtuosität auf dem Gipfel der Kreativität und des filmisch Möglichen, bei Guadagninos Film ist alles Drehbuch. Wie ein verfilmtes Hörspiel mutet der Film an, der alles zu erklären versucht („Die RAF. Baader-Meinhof. Sie haben einen Geschäftsmann entführt. (...)“. Ob der Dialoglastigkeit gelingt es dem Film nie, auch nur das kleinste bisschen Spannung zu erzeugen, denn um in einem Film Spannung zu erzeugen braucht es filmischer Mittel, ein Konzept von Schnelligkeit und Langsamkeit in der Szenenfolge, Licht und Dunkelheit, eine ungewohnte Ausstattung, Täuschung und Erkenntnis – eben Virtuosität. Einen Film durch und durch grau erscheinen zu lassen (Berliner Plattenbauten, Asphalt, Dauerregen und Schneematsch) und eine historisch korrekte 70erjahreausstattung mag zwar stimmig sein und eine intensive Atmosphäre bei dem ein oder anderen Zuschauer bewirken, Spannung wird aber durch Suspense erzeugt, durch eine Bedrohung, bei der mindestens der Zuschauer, vielleicht auch der Protagonist weiß, was die Bedrohung ist. Über die Art der Bedrohung lässt der Film seine Zuschauer aber gänzlich im Unklaren und endet sogar mit einem Plottwist; dass dem Zuschauer sehr früh am Beispiel Olgas erklärt wird, mit welchen Sanktionen die Schülerinnen bei einer Kündigung oder Flucht zu rechnen haben, wirkt nutzlos, da es im weiteren Handlungsverlauf nie um eine Flucht geht.

Man muss „Suspiria“ (2018) auch nicht mit dem gleichnamigen Film von 1977 vergleichen, um ihn schlecht zu finden, man kann auch irgendeinen italienischen Horrorfilm oder irgendeinen Giallo heranziehen und nach kurzer Betrachtung feststellen, wie unterschiedlich der Charakter und künstlerische Wert ist: Bei Szenen des Entsetzens sind plötzlich Gesichter die ganze Leinwand erfüllend, wie man es in der Realität nie sehen kann, zu sehen und bieten nie gesehene Bilderwelten, Spannung, Romantik und jedes Gefühl wird in Musik mit Ohrwurmcharakter gekleidet, die Frauen sind schön und ebenso gekleidet (und die Männer soweit ich beurteilen kann auch), Farbigkeit wird mindestens im Design und der Mode betont, die Filme vermögen mit Humor oder unvermittelter Gewalt zu überraschen (nicht erst nur am Schluss mit einem Twist) und immer kann man auch bei den schlechteren Filmen sehen, dass sie von Menschen gemacht werden, die Filme lieben und zeigen wollen, was sie lieben (Ich spreche wohlgemerkt vom italienischen Film der Sechziger und Siebziger, nicht vom modernen Superheldenblockbusterkino, da wird das auch meist falsch gemacht). „Suspiria“ als handwerklich gänzlich uninspirierter Film ist der filmgewordene Inbegriff eines Professorenfilms, ein Beispiel intellektueller, drehbuchversessener Lieblosigkeit par excellence.


Fazit.

Gattungsspezifisch ist der Film sicherlich Kunst.

Wertung:

2 / 10


Anmerkung:


Das einzig Interessante und Witzige ist Mater Suspiriorums Vorname. Darüber darf nachgedacht werden.


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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
PostPosted: 27.11.2018 18:36 
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Als ich kürzlich den Trailer gesehen hab, war die Idee, ins Kino zu gehen, ganz schnell beerdigt...


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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
PostPosted: 27.11.2018 19:04 
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Suspiria“ als handwerklich gänzlich uninspirierter Film ist der filmgewordene Inbegriff eines Professorenfilms, ein Beispiel intellektueller, drehbuchversessener Lieblosigkeit par excellence.


Fazit.

Gattungsspezifisch ist der Film sicherlich Kunst.

Wertung:

2 / 10


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 Post subject: Re: SUSPIRIA - Luca Guadagnino
PostPosted: 27.11.2018 19:36 
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Pacific Nil wrote:

„Suspiria“ als handwerklich gänzlich uninspirierter Film ist der filmgewordene Inbegriff eines Professorenfilms, ein Beispiel intellektueller, drehbuchversessener Lieblosigkeit par excellence.


Danke für Deine großartige Kritik, mit der ich mir dann schon die Herangehensweise vom Remake vorstellen kann... es hört sich fast so an, als würden die fantastisch märchenhaften Bilder des Originals im Remake - in einer Art von Freud'scher "Traumdeutung" - analysiert werden, so dass die assoziationsreichen Bilder Argentos nun in "Sprache" - Deine Verweise auf das ständige Ausdeuten der Szenen - umgesetzt worden wären: statt Irrationalität nun also Logozentrismus... vielleicht nimmt deshalb auch im Remake der Psychiater solch einen Raum ein - Klemperer mögliche Referenz auf Victor Klemperer, der ja die "Sprache des Dritten Reichs" (!) analysiert hatte?...

hatte bei Argento nur solch eine Einstellung:

Image

genügt, um den Hexenzirkel mit Geschichte-lenkenden Geheimbünden in Zusammenhang zu bringen,

so taucht nun also bei der Neuverfilmung ein Buch auf, um die Bezüge zur spekulativen Freimaurerei zu erklären...

dennoch: Deine Kritik ist so tief und reichhaltig, dass ich immer noch auf das Remake gespannt bin...


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