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 Betreff des Beitrags: CHILDREN OF THE STONES - Peter Graham Scott
BeitragVerfasst: 01.12.2018 12:28 
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Children of the Stones
Großbritannien 1977 - Directed by Peter Graham Scott
Starring: Gareth Thomas, Veronica Strong, Peter Demin, Ruth Dunning, Iain Cuthbertson, Katharine Levy, Freddie Jones...


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Um in aller Ruhe seinen Forschungen nachgehen zu können, hat sich der Astrophysiker Adam Brake (Gareth Thomas) samt Teenager-Sohn Matthew (Peter Demin) für ein paar Monate im kleinen, pittoresken Dörfchen Milbury niedergelassen. Es ist ein verschlafenes Nest, errichtet vor langer Zeit inmitten eines uralten Steinkreises, bewohnt von kaum mehr als fünfzig leicht verschrobenen Männern, Frauen und Kindern. In dieser eingeschworenen Landgemeinschaft grüßt man sich zum Beispiel nicht mit "Good Morning", sondern sagt fröhlich "Happy Day". Adam freundet sich rasch mit der rothaarigen Museumskuratorin Margaret (Veronica Strong) an, die mit ihrer Tochter Sandra (Katharine Levy) ebenfalls erst vor kurzer Zeit hierhergezogen ist. Sie hilft ihm auch bei der Untersuchung der zahlreichen jahrtausendalten Menhire, die rund um das Dorf herum verstreut gen Himmel ragen und elektromagnetische Impulse auszusenden scheinen. Doch je länger Adams Aufenthalt im Dorf andauert, desto merkwürdiger kommt ihm das Verhalten der Bewohner vor, und desto seltsamere Dinge beginnen sich zu ereignen.

Die von Jeremy Burnham und Trevor Ray entwickelte und geschriebene und vom Sender HTV produzierte Mini-Serie Children of the Stones gilt als Meilenstein der anspruchsvollen britischen "Children's Fantasy", auf Kinder zugeschnittene TV-Genreproduktionen, welche nicht nur für packende Unterhaltung sorgen, sondern auch einen gewissen Bildungsauftrag erfüllen sollten. Doch bevor jetzt das kollektive, verächtliche Naserümpfen beginnt, möchte ich festhalten, daß Fernsehen für Kids in den 1970er-Jahren ganz und gar nicht dem entspricht, was die Kleinen heutzutage so generell vorgesetzt bekommen. Children of the Stones ist keine seichte Berieselung, um die gelangweilten Kinder ruhig zu stellen, ganz im Gegenteil; die Serie ist dermaßen anspruchsvoll und fordernd, daß auch Erwachsene ihre kleinen grauen Zellen bemühen und das Geschehen aufmerksam verfolgen müssen, um nicht irgendwann verwirrt und frustriert auszusteigen. Außerdem wird mit gruseligen Momenten nicht gegeizt, wobei eine Sequenz im Besonderen vielen Zuschauern bestimmt Alpträume beschert haben dürfte.

Nachdem er das Drehbuch der Auftaktepisode gelesen hatte, soll Regisseur Peter Graham Scott (Captain Clegg) ungläubig gefragt haben: "And this is for children?" Nun, seine Verwirrung ist nachvollziehbar. Der sich über die sieben, je etwa fünfundzwanzig Minuten langen Folgen namens Into the Circle, Circle of Fear, Serpent in the Circle, Narrowing Circle, Charmed Circle, Squaring the Circle und Full Circle verteilende Plot ist nicht nur ungemein komplex, sondern auch in Bezug auf wissenschaftliche Aspekte und Theorien überaus detailliert. Jüngere Zuschauer waren (und sind) damit bestimmt überfordert, weshalb ich auch die Freigabe der britischen DVD-Veröffentlichung ab zwölf Jahren als durchaus angemessen erachte. In die faszinierende Geschichte fließen so viele Elemente (Astronomie, Aberglaube, heidnische Mythologien, Kindheitsängste, Schwarze Löcher, ländliches Brauchtum, Ley Lines, Identitätsverlust, geheimnisvolle Kräfte, etc.) ein und werden darüber hinaus so geschickt miteinander kombiniert, daß man vor den beiden Autoren nur bewundernd den Hut ziehen kann.

Inszenatorisch geht es natürlich, dem Medium geschuldet, etwas bieder und altbacken zu, wobei anzumerken ist, daß das Budget wohl nicht sonderlich üppig gewesen ist. Allerdings spielt das keine große Rolle, definiert sich Children of the Stones doch vor allem über seine ambitionierte Storyline, den recht glaubhaft portraitierten Figuren - neben den bereits Erwähnten bekommt man unter anderem noch Iain Cuthbertson als sinisteren Dorfvorsteher und Freddie Jones als Dorfkauz zu sehen - sowie, und dieser Punkt ist nicht zu unterschätzen, der dichten, schauderhaften Atmosphäre, welche dieser Serie aus allen Poren entströmt. Allein der außergewöhnliche Schauplatz - gedreht wurde überwiegend on location in Avebury, Wiltshire - ist aufgrund der alten Gemäuer, der hügeligen Landschaften und den überall emporragenden Hinkelsteinen mit Gold nicht aufzuwiegen. Dieses mysteriöse, unheimliche und doch nicht wirklich greifbare Flair zieht sich durch alle sieben Episoden, bis es in der letzten Folge Full Circle in ein denkwürdiges Gänsehaut-Finale kulminiert und sich der Kreis, wie im kryptischen Titel angedeutet, schließt.

Zur unheildräuenden Stimmung trägt auch Sidney Sagers enervierender Score entscheidend bei, der mit seinen ominösen, klagenden Chorälen sowohl für konstante Beunruhigung als auch für sanfte Schauer sorgt. Und die kakophonische Soundkulisse beim gruseligen Höhepunkt in Full Circle ist sowieso ein Nervenzerrer der Güteklasse A+. Das Ende entpuppt sich dann als lupenreines Mysterium (Welcome to the Twilight Zone!), das lange nachhallt und über das man noch einige Zeit sinnieren und rätseln kann. Denn mit Erklärungen für das mysteriöse Geschehen halten sich die Macher zum Glück wohltuend zurück. Die kultige Mini-Serie wird von manchen Kritikern gerne als TV-Pendant von Robin Hardys The Wicker Man (1973) bezeichnet, aber das greift meiner Ansicht nach - obwohl gewisse Parallelen nicht von der Hand zu weisen sind - zu kurz, ist der Plot bei Children of the Stones doch wesentlich komplexer und entwickelt sich zudem in eine gänzlich andere Richtung. Eine andere aber nicht minder erschreckende Richtung. Da soll noch mal jemand behaupten, daß "Children's Fantasy" nicht originell, intelligent, fesselnd, unheimlich und richtig, richtig gut sein kann.

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