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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: NACKT IM SOMMERWIND - Doris Wishman
PostPosted: 12.02.2018 18:40 
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Nackt im Sommerwind – Doris Wishman

(USA 1962)

6.1.2018, Kino (Kommkino Nürnberg, 35mm, DF, 1,37:1, gekürzt)



Inhalt:

Prince jr. findet Arbeit bei der Firma King, weil der Vater sagt „Sohn, jetzt langt´s“. Und auch Eve und Sue, die beiden Zwillingsschwestern, ziehen in die große Stadt in die vorübergehend leerstehende Wohnung ihrer Tante Mary und arbeiten als Sekretärinnen für Prince; Eve „sah die vollen Aktenschränke und beschloss, die Arbeit auf morgen zu verschieben“ – trotzdem gelingt es ihr „mit der ihr eigenen Schlagfertigkeit“, sich Prince zu angeln, denn „wenn das Herz voll ist, ist das Gehirn leer“.

Doch Prince hat eine geheime Vorliebe: Am Wochenende besucht er regelmäßig ein Nudistencamp, wohin ihm nun die beiden Schwestern folgen. Sue, die auch in Prince verliebt ist, nutzt eine Gelegenheit, als Eve für ein paar Tage verreist, sich die Haare blond zu färben und Eves Identität anzunehmen. Als sie merkt, dass es ihr gelungen ist, sich mit Prince zu verabreden ist sie „selig vor Glück“ und dreht sich im Drehstuhl. „Unser Held kam sah, und Sues Mut versiegte“ – Sue will beim ersten Rendezvous gleich mit der Wahrheit rausrücken, traut sich aber doch nicht, und erst nachdem Eve wieder zurückkehrt ist Prince empört: „Darf ich mal fragen, was hier eigentlich gespielt wird?“ – „Eine ebenso scharfsinnige wie berechtigte Frage“.

„Aber was ist ein Happy End, wenn am End nicht alle Happy sind?“ Denn Eve sitzt nun allein im Liegestuhl im Nudistencamp und ist „äußerlich ein Bild der Wonne, aber innerlich ein Bild des Jammers“. Doch nur kurz währt ihr Leid und es naht Rettung: „Guten Tag, mein Name ist King, wollen Sie mit mir Tennis spielen?“ Da sagt sich Eve: „Warum sich mit dem Abteilungsleiter zufriedengeben, wenn man den Chef kriegen kann?“


Review:

„Nackt im Sommerwind“ ist einer von acht zwischen 1960 und 1964 entstandenen Nudiecuties von Doris Wishman, der weltweit nur in der gekürzten deutschen Kinofassung erhalten ist. Wie ihr Regiekollege Russ Meyer sattelte sie nach dieser Phase auf den von Herschell Gordon Lewis begründeten Trend des Roughies um.

Gar nicht rauh und böse ist jedoch „Nackt im Sommerwind“ in dem der Zuschauer in den Genuss einer äußerst naiv erzählten Liebesgeschichte und Verwechslungskomödie kommt, die ihren Charme deswegen so gelungen entfalten kann, weil der Erzähler, der dem Zuschauer über den ganzen Film hinweg die arg komplizierte Handlung erklärt, sich wie der Film einer gewissen ironischen Betrachtung bewusst ist. Erstaunlich ist, dass mit sehr simplen filmischen Mitteln – z. B. sehen wir mehrmals gleiche aufnahmen von Landschaften, Blumenhecken und über das Camp fliegender Jets – sich der Film nie zu einem Ärgernis entwickelt und etwa langweilig wird, sondern den Zuschauer bei Laune hält.

Erst 1968 wurde der Film im deutschen Kino gezeigt und so wie sein Vorfilm „Mädchen in der Sauna“ (1967), der auch auf dem 17. außerordentlichen Filmkongress des Hofbauerkommandos als trister Überraschungsfilm gezeigt wurde, konnte „Nackt im Sommerwind“ das Publikum mit seiner Unbedarftheit bezaubern und erheitern.


Fazit:

Einfacher Film, der Trash zur Kunst erhebt.


Wertung:

7,5 / 10


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 Post subject: Re: NACKT IM SOMMERWIND - Doris Wishman
PostPosted: 04.12.2018 21:58 
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NACKT IM SOMMERWIND
Originaltitel: THE PRINCE AND THE NATURE GIRL
USA 1964/65

Regie: Doris Wishman
Darsteller:
Joni Roberts,
Jeffery Niles,
Sandra Sinclair,
William Mayer

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Die Handlung von NACKT IM SOMMERWIND ist schnell erzählt, da diese nur rahmende Staffage wäre, um (semi-)nackte Tatsachen zu präsentieren: Der wohlhabende Frank A. Prince (Niles) verliebt sich in eine Büroangestellte (Roberts), wobei es mit ihrer Zwillingsschwester (ebenso gespielt von Roberts) zu Verwechslungen kommt. Das Pikante daran ist nun, dass sich der verliebte Prince und seine Angebetete in der Freizeit in einem Nudistencamp treffen, was dem Film die Möglichkeit gibt, sein erotisches Spektakel im bukolischen Ambiente zu inszenieren. Der dramatische Charakter des Films, der Schwesterntausch, der Prince unbemerkt bleibt, löst sich schließlich in einem lustspielartigen Ende auf, bei dem alle Beteiligten einer schönen Zukunft entgegenblicken können. Bereits die Anfangssequenz mit Abendrot und Establishing-Shot auf die grünen Wiesen der Freikörperanlage vermittelt ein paradiesisches Setting. Doch der Kontrast folgt umgehend, wenn die Kamera die mächtigen Betonbauten der Stadt einfangt und in den Büroräumen die Menschen eingepfercht zeigt. Regisseurin Doris Wishman bedient sich hierbei oft einem Puppenhauseffekt, der fast den gesamten Raum in der Totale wiedergibt, in der sich Prince und die Zwillingsschwestern während ihrer Arbeitszeit eingezwängt bewegen. Eine weitere Räumlichkeit im Film wäre sodann das Apartment der Schwestern, das durchaus eine flamboyante Ausstattung erfahren hat. Dort sehen wir ein Interieur, welches über farbenfrohe Muster verfügt und somit das Auge des Betrachters sehr erfreut – wenn etwa die Schwestern sich vor dem stylischen Vorhang umziehen, oder aber auch nur alltäglichen Tätigkeiten nachgehen. Wir können also von drei Lebenssphären sprechen, in denen die Menschen sich verorten: Doris Wishman dokumentiert in NACKT IM SOMMERWIND die Arbeitswelt, dies ein Ort des Zwangs und der Tristes; der Wohnraum wird als Zwischensphäre wahrgenommen, wo sich der Zivilisationsdruck minimiert, jedoch nicht gänzlich aufgehoben ist; und schließlich findet im Nudistencamp das „freie Leben“ statt, ein Leben, wo der Homo ludens regiert, was sich dann in solchen Szenen verifiziert, bei den Volleyballmatches, zwangloses Bogenschießen oder andere Arten der Freizeitbeschäftigung dargestellt werden – und dies nun alles im Kostüm von Adam (allerdings mit Badehose) und Eva…

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THE PRINCE AND THE NATURE GIRL – so der märchenhafte Originaltitel – stellt dabei das finale Werk von Wishmans glamourösen Kolorit-Extravaganzen dar, die zwischen 1960 und 1965 entstanden sind und dem Genre des „nudist films“ zuzuordnen wären. Und welchen Genreregeln diese Art des frühen Sexfilms folgt, dies soll hier nun nicht weiter dargelegt werden – an anderer Stelle, in meinem Beitrag zu Wishmans NUDE ON THE MOON, wurde dies schon von mir zu charakterisieren versucht. Auch taugt NACKT IM SOMMERWIND nur bedingt dazu, Doris Wishmans besondere Montagetechnik, die sich dem akademischen Erzählen durch „continuity editing“ weitgehend verschließt, zu erörtern. So blitzen hier diese irritierenden Zwischenschnitte nur gelegentlich auf. Bei NACKT IM SOMMERWIND liegt die stilistische Ausformung woanders, nämlich im Fixieren des Raums. Denn statische Einstellungen, langsame Kamerabewegungen bestimmen den Filmverlauf, so dass der Eindruck entsteht, dass das Film-Bild quasi zum Stilstand gebracht werden soll. Wishman legt hier größten Wert auf eine fixierte Bildkomposition, nicht auf die Dynamik des szenischen Ablaufs, was sich nicht zuletzt auch darin zeigt, dass die Darsteller von links kommend in den Filmraum regelrecht hineinlaufen – sie werden also nicht in das „Bild“ hineinmontiert (Schuss – Gegenschuss etc.). Strukturell entsteht somit das Muster, dass es die Regisseurin dezidiert darauf anlegt, dass die Darsteller, kommen sie ins „Bild“, den Betrachter-Raum zunächst verlassen, um darauf dann die imaginierte Welt Wishmans zu betreten! Joni Roberts, die Darstellerin der Schwestern, posiert dann überaus künstlich im Raum, nimmt neckische Posen ein, dreht sich bewusst unnatürlich der Kamera zu, so als würde sie für eine Fotoaufnahme Model stehen – nur dass das Film-Bild gleichzeitig auch das fertige „Bild“ impliziert, sieht dieses doch der Betrachter vor sich dargestellt. Wenn es die Aufgabe des Stils ist, damit eine bestimmte Funktion zu erfüllen, dann ist dies gerade NACKT IM SOMMERWIND bestens geglückt. Die Intention, einen Sexfilm im Nudistengenre zu drehen, erfüllt Doris Wishman somit hier meisterhaft, indem sie ihren Film in ein „bewegtes Männermagazin“ verwandelt, wo sich die Herrschaften die Damen in gestelzter Pose anschauen können, sei es jetzt in freier Natur (einzeln und in Gruppen) oder bei den Schwestern zu Hause. Diese ästhetische Referenz Wishmans auf die damaligen Herrenmagazine macht NACKT IM SOMMERWIND so herrlich unschuldig. Doris Wishmans Stil zeigt darüber hinaus aber auch, dass die Regisseurin ganz genau gewusst hat, wie das gestellte Thema (einen Sexfilm zu drehen) zu behandeln war – was sich nach den charmant naiven Farb-„nudies“ schließlich in einen Noir-Ton schwarz einfärben sollte, als es an Wishmans „roughies“ ging…

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Neben der Männermagazine der 60er Jahre könnte natürlich auch die Kunstwelt als Inspirationsquelle dem SOMMERWIND gedient haben; wie hier etwa bei Manets Gemälde "Das Frühstück im Grünen" die nackte Frau im Vordergrund dargestellt ist, erinnert auffällig an einige Shots in Wishmans Werk...

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nackte Unschuld und bukolischer Frieden beherrschen das "Bild"...

Trailer:
youtu.be Video from : youtu.be


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