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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: SPLIT – EDGE OF SANITY - Gérard Kikoïne
PostPosted: 09.12.2018 16:58 
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SPLIT – EDGE OF SANITY
Originaltitel: EDGE OF SANITY
Co-Produktion: Frankreich / GB / USA / Ungarn 1989

Regie: Gérard Kikoïne
Darsteller:
Anthony Perkins,
Glynis Barber,
Sarah Maur Thorp,
Jill Melford

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Der Londoner Mediziner Dr. Henry Jekyll (Anthony Perkins) arbeitet an einem neuartigen Narkotikum, um seine Patienten schmerzfreier operieren zu können. Die Zeit drängt, denn er will seine medizinische Sensation auf einem Kongress in Wien vorstellen. Müde und überarbeitet verbringt Dr. Jekyll die Nächte deshalb in seinem häuslichen Laboratorium. Sein einziger Begleiter ist dabei ein Affe, der als Versuchstier dient – und dieser Affe wirft durch Zufall eine Chemikalie um, so dass ein drogeninduzierter Rauch entsteht, der einen merkwürdigen Rauscheffekt auf den Doktor ausübt: dieser verwandelt sich in eine völlig andere Person, in einen „Jack Hyde“, der jene Triebe und Laster ausleben möchte, die in dem gütigen und angepassten Jekyll am Tage schlummern. So streift Jekyll / Hyde nachts durch die Straßen von London, besucht die zwielichtigen Clubs und geht mit Prostituierten mit. Wobei sich diese nächtliche Triebauslebung zusehends steigert, was vor allem die Prostituierten zu spüren bekommen, die dem sonderbaren Hyde begegnen…

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DER SELTSAME FALL DES DR. JEKYLL UND MR. HYDE – der von Robert Louis Stevenson 1886 niedergeschriebene Text – ist bereits unzählige Male verfilmt worden. Die bekannteste Version dürfte wahrscheinlich die von 1931 sein, welche Rouben Mamoulian unter dem Titel DR. JEKYLL AND MR. HYDE in den USA gedreht hat. Auch damals, bei diesem „pre-code“-Film, stand der unterdrückte Sexualtrieb im Zentrum des Geschehens, was sich unter anderem in der recht gewagten Darstellung von Miriam Hopkins zeigen sollte, die eine Prosituierte spielt. Dass gerade in dieser Zeit, in den frühen 1930er Jahren, Stevensons Erzählung in den USA verfilmt worden war, hängt vermutlich auch mit den Theorien Freuds zusammen, der mit seinen Schriften dort immer beliebter wurde, ja, Freuds Psychoanalysemodell sollte quasi ein Pop-Phänomen in den USA werden, und dieses zeigte sich dann ebenso im damaligen Film. Und dass die gesellschaftlichen Normen (mit Freuds Terminologie: das Über-Ich“), das wahre „Ich“ des Subjekts (das „Es“) unterdrücken, diese Erzählperspektive thematisiert ebenso Gérard Kikoïnes Film. Bei diesem Sex-fokussierten Themenkomplex ist interessant, dass Kikoïne sich vorher einen Namen als französischer Pornoregisseur gemacht hatte. Kikoïne verortet nun das Verdrängungsmotiv ganz am Anfang von SPLIT (so wie dies oftmals auch in den italienischen Thrillern geschieht). In der ersten Sequenz wird die Urszene repräsentiert, die das zukünftige Leben des Hauptcharakters bestimmen soll: Ein Junge beobachtet einen Sex-Akt, wobei er vom Mann (der „Vater“ – ein Symbol für die patriarchale Macht) umgehend bestraft wird. Die Lust am Voyeurismus, die Jekyll befriedigt, und die Strafe, die sich nun aber gegen seine angeschauten „Lustobjekte“ wendet, lassen ihn schließlich zum „Ripper“ werden, so dass der Film zugleich auch noch einen zweiten Mythos mit der Stevenson-Geschichte verbindet. Sprich: Die Hauptfigur wird nach ihrer Verwandlung zu Jack 'The Ripper' Hyde! Dabei sind die Morde tricktechnisch sehr einfach gestaltet, dennoch recht blutig. Manche Einstellungen haben mich sogar unmittelbar an die graphischen Gore-Szenen in Jess Francos JACK THE RIPPER (Schweiz 1976) erinnert. Dieser Umstand ist vielleicht mehr als nur ein Zufall, da Kikoïne in den frühen 1970er Jahren einige Filme des spanischen Regisseurs geschnitten hatte und somit mit dessen Werk vertraut gewesen war – und dieses Werk Francos dann möglicherweise weiter verfolgt hat, so dass der frühere „Ripper“-Film mit Klaus Kinski als ein Vorbild für SPLIT gelten könnte…

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SPLIT fügt sich somit in die Tradition von Genrefilmen ein, die das bekannte Thema vom „Heraustreten“ des Verdrängten durch einen monströsen Doppelgänger behandeln. Doch gibt es dabei gleichzeitig auch zwei Elemente, die Kikoïnes Film dennoch überaus erwähnenswert machen. Dies wäre zum einen der Hauptdarsteller Anthony Perkins, der in SPLIT seine Rolle des „Norman Bates“ aus PSYCHO unglaublich „campy“ interpretiert. Perkins‘ spielerische Extravaganz ist hier sicherlich angebracht, da dem Genrezuschauer der Plot bekannt sein dürfte und es somit also vielmehr auf die Art der Inszenierung der Jeykll-und-Hyde-Version ankommt. Es ist fast schon unglaublich, wie übertrieben diabolisch, und dabei zugleich auch lässig, Perkins‘ seinen „Hyde“ spielt – Perkins‘ Grinsen beim Spielen und den wahnsinnigen Ausdruck in den Augen seines „Hydes“ muss man in der Tat gesehen haben. Und weiterhin war ich von Kikoïnes farbintensiver und zum Teil auch bühnenartiger Szenengestaltung sehr fasziniert. Die rauschhaften Primärfarben während der nächtlichen Untaten Hydes spiegeln wunderbar das Wahnhafte des Hauptcharakters wider, wenn dieser sich durch „Hyde“ gesellschaftlich befreit. Jegliche Anbindung an Alltäglichkeit und Realismus gehen dabei verloren, und der Zuschauer wird so in den filmischen Drogentrip von SPLIT miteingebunden. Diese Künstlichkeit durch Farbverfremdung ist indes jedoch nicht farborganisch barock wie etwa in den Werken Mario Bavas umgesetzt. Es herrscht in SPLIT ein äußerst „cooler Look“, einer, der sich überaus klinisch steril anmutet, und der damit die Periode des späten 19. Jahrhunderts, in der Stevensons Geschichte spielt, in die Gegenwart der damaligen Drehzeit mit ihrer Neon-Ästhetik übersetzt. Thematisch und vor allem ästhetisch hat mich Kikoïnes Film zudem aber auch an die 1980er-Jahre-Werke des Ken Russell erinnert – besonders an GOTHIC und an CRIMES OF PASSION, wo ebenso Perkins mitspielt. So ist es letztlich die Darstellung der Hauptfigur und die ästhetische Konsequenz des Regisseurs, die mich an SPLIT sehr beeindruckt haben. Der Film ist demnach ein schönes Zeitdokument, das den bekannten Plot damals, zumindest auf der Inszenierungsebene, erfrischend erneuert hat…

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Perkins' "Hyde" und einer seiner filmischen Vorgänger...
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Trailer:
youtu.be Video from : youtu.be


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