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 Betreff des Beitrags: FEAR - WENN LIEBE ANGST MACHT - James Foley
BeitragVerfasst: 01.01.2019 18:47 
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FEAR

● FEAR / FEAR - WENN LIEBE ANGST MACHT (US|1996)
mit Mark Wahlberg, Reese Witherspoon, William Peterson, Amy Brenneman, Alyssa Milano, Christopher Gray, u.a.
eine Produktion der Universal Pictures | Imagine Entertainment | im Verleih der United International Pictures
ein Film von James Foley


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»Meine Alten sind für ein paar Tage verreist...«

Auf einer Party lernt die 17-jährige Nicole (Reese Witherspoon) den charismatischen David (Mark Wahlberg) kennen und trifft sich fortan mit ihm. Sie ist fasziniert von dem gut aussehenden und geheimnisvoll wirkenden jungen Mann, der so komplett anders ist, als die Jungs die sie von der High School kennt. Bei Nicoles Familie hinterlässt der höflich auftretende David einen zwiespältigen Eindruck. Wo ihre Stiefmutter Laura (Amy Brenneman) ganz angetan zu sein scheint, bleibt Nicoles Vater Steve (William Peterson) überaus skeptisch. Handelt es sich hierbei um die typischen Allüren eines überbesorgten Vaters, oder sind seine Zweifel berechtigt? Während Nicole sich nach einem gewalttätigen Zwischenfall über ihre Gefühle David gegenüber klar werden möchte, ahnt noch niemand, dass ein Alptraum bevorsteht...

James Foleys Thriller "Fear" bringt es vielleicht hauptsächlich auf eher durchschnittliche Bewertungen, da er oft an großen Artgenossen gemessen wird, allerdings wurde der Film seinerzeit von der Deutschen Film- und Medienbewertung FBW mit dem Prädikat wertvoll ausgezeichnet. Geschichte und Struktur dieses gewiss nicht uninteressanten Beitrags finden sich in recht obligatorischem Fahrwasser wieder, sodass es nicht immer einfach ist, ein eigenes Profil deutlich genug wahrnehmen zu können, aber dennoch punktet der Film durch einen klar definierten Spannungsaufbau, der sich auch pikante Gewaltspitzen nicht aufspart. Die zeitweise herkömmlich wirkende Story rund um eine Vater-Tochter-Beziehung, die durch einen gut aussehenden und obendrein kriminellen Eindringling gestört wird, liebäugelt anfangs schon etwas mit Klischees, was vielleicht insbesondere im amerikanischen Kino gerne ausgewalzt wurde, aber gleichzeitig einen anerkannten Modellcharakter erlangen konnte. Der Zuschauer ist somit auf alles gefasst, vor allem auf visuelle und dramaturgische Markenzeichen, die innerhalb der durch bestimmte Charaktere verbreiteten Unsicherheit eine angenehme Sicherheit vermitteln. Ein sorgsam aufgebauter Spannungsbogen findet seine Erfüllung in etlichen Gewaltausbrüchen im letzten Drittel des Films, sodass ein angemessener und vor allem spürbarer Thrill das Regiment übernehmen darf. Hin und wieder wirkt der Verlauf arg konstruiert, was aber nicht weiter tragisch erscheint, falls man nicht nach den Sternen greift. Über allem thront aber ein Aushängeschild namens Unterhaltungswert und dieser Beziehung wird man definitiv nicht auf dem Trockenen sitzen gelassen. Die Architektur dieses Beitrags lässt es zu empfundenen Längen im Mittelteil kommen, da manche Personen mehr als ausgiebig vorgestellt werden und James Foley es sich nicht nehmen lässt, ein wenig profitabler für eventuell jüngere Zuschauergruppen zu inszenieren.

Das Hauptaugenmerk wird deutlich auf die Dreieckskonstellation zwischen Vater, Tochter und Freund gelenkt, ohne allerdings zu schnell die aggressiven und konfrontativen Formen anzunehmen, was sich hier auch als zweckdienlicher Treibstoff erweisen wird. Neben der unterm Strich gut konstruierten Story und einem sich immer deutlicher entfaltenden Nervenkitzel lebt die Geschichte von ihren Schauspielern, die ihre Charaktere ordentlich bis sehr überzeugend ausbuchstabieren. Vielleicht kann gesagt werden, dass man im Rahmen der Interpretationen eher häufig das Abarbeiten von Fließaufgaben zu Gesicht bekommt, als außergewöhnliches Star-Kino, aber ein Besetzungs-Coup ist insbesondere mit Mark Wahlberg gelungen, der seinerzeit vielleicht noch mehr Marky Mark als der heute international anerkannte Jeton Mark Wahlberg war. Im Filmgeschäft bereits etabliert durch erinnerungswürdige Nebenrollen in Mainstream-Filmen, in Europa jedoch immer noch mehrin den Musik-Charts im Fokus stehend, geschieht in "Fear - Wenn Liebe Angst macht" eine Art Transformation zum ernstzunehmenden Schauspieler, was ein Jahr später mit dem weltweiten Durchbruch durch die Hauptrolle in dem Kino-Erfolg "Boogie Nights" bestätigt wurde. Für eine derartig angelegte Geschichte wirkt Mark Wahlberg wie ein Prototyp der benötigten Filmfigur, bei dem Mädchen wie Nicole ihren Verstand verlieren. Einfache Blicke, das in den Fokus bringen von Davids Aura und ein plötzlicher Zwischenfall in einer Disco reichen aus, damit die Dinge ihren Lauf nehmen können. Dabei verhilft die bloße Hülle Mark Wahlberg und das treffsichere Inszenieren der durchaus vorhandenen Ausstrahlung des jungen Mannes die Konstruktion greifen zu lassen. David wirkt wie ein geheimnisvoller Außenseiter, den Regie und neue Freundin wie einen Sechser im Lotto darstellen.

Der Twist, bereits im Vorfeld durch den Filmtitel ankündigt, unterminiert die anfangs gegensätzlichen Eindrücke die der Zuschauer gewinnt. David als Retter in der Not trägt seine neue Freundin zunächst auf Händen, wirkt höflich und reif im Auftreten; die Unerfahrenheit Nicoles tut ihr Übriges dazu. Lediglich die Intuition ihres Vaters sorgt für klare Verhältnisse, bevor die Bedenken mit teils unkontrollierten Realbildern unterfüttert werden. Reese Witherspoon wirkt wie geschaffen für eine derartige Rolle und liefert die kleine Überzeugungskraft, die ein derartiger Auftritt erfordert. Ausgeschlachtet dabei wird das hohe Konfliktpotential der unter diesen Voraussetzungen angespannten Vater-Tochter-Beziehung, und William Peterson wirkt bei dieder Zeichnung solide, genau wie seine bessere Hälfte, dargestellt von Amy Brenneman. Eine interessante, da ambivalente Darbietung liefert Alyssa Milano, die quasi als Projektionsfläche für eine dramaturgische Inquisition herhalten muss. Im letzten Abschnitt der Produktion spitzt sich das Erwartete teils schraubzwingenartig zu, sodass es zu beklemmenden Eindrücken und erschütternden Veranschaulichungen kommen darf, die dem Film unterm Strich seine verzerrte Seele verleihen. Liegen gelassene Möglichkeiten und entstandene Längen werden so gut wie glattgebügelt und es entsteht ein mehr als zufriedenstellender Eindruck. "Fear" verfügt über eine wohl zeitlose Thematik, die auch heute noch funktionieren kann, vorausgesetzt man lässt die hin und wieder dogmatische Art der Inszenierung einmal außen vor. Falls man aber generell ein Faible für solch eindeutig konstruierte und mit dem Holzhammer agierende Formate hat, wird man ohnehin sehr gut mit James Foleys Psycho-Thriller bedient sein, dem man seine immer wieder plötzlich zupackende Intensität und die teils drastisch wirkenden Gewaltspitzen zugute halten und einen Unterhaltungswert daher nicht absprechen kann.


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