Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 21.02.2018 16:38 
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Angela, the Fireworks Woman – Wes Craven

(USA 1975)

7.1.2018. Kino (Kommkino Nürnberg, 35mm, 1,37:1)
Der Film wurde in einer italienischen Sprachfassung mit hinzugefügten, inhaltlich verfälschenden Szenen aus anderen Filmen und möglicherweise um Originalszenen geschnitten gezeigt. Englische Untertitel.



Inhalt:

Bereits seit ihrer Kindheit lieben sich die Geschwister Angela und Peter, und als sie „älter werden, merken sie, dass sie keine Kinder mehr sind“. Peter will Priester werden, was Angela in die Einsamkeit treibt und dazu, ihre Sexualität auszuleben. Dabei gerät sie unter anderem an ein Sadomasochistenpaar und wird Opfer einer Vergewaltigung durch einen Fischer.

Peter, inzwischen weit fortgeschritten in seiner Priesterausbildung, muss trotzdem immer wieder an Angela denken, die ihn manchmal besucht, um zu beichten. Er gibt sein Amt schließlich auf, beschließt, mit Angela zusammen zu leben und segelt mit ihr hinaus aufs Meer.


Review:

Zwischen „Last House on the Left“ (1972) und “Hügel der blutigen Augen” (1977) drehte Wes Craven das Pornoliebesdrama „Angela, the Fireworks Woman“, in dem er auch selbst mitspielt. Nicht seine einzige Arbeit, er soll zu dieser Zeit als Produktionsassistent an mehreren Pornos mitgewirkt haben.

Der Film ist einer der Golden-Age-Pornos, die mit einer richtigen Handlung punkten können, er schwächelt jedoch inszenatorisch: Horst Badörties, das Pseudonym eines unbekannten Kameramanns, dessen Karriere durch eine Beteiligung an Hardcorefilmen nicht gefährdet werden sollte, filmt zwar die Party- und Orgienszenen ausgesprochen rauschhaft und schön, den Sex aber gerade nicht. Nun mag man einwenden, dass Angela sich als Charakter in einer Krise befindet und emotional unter der Trennung von ihrem Bruder leidet, doch bis auf die begleitende Musik, die passend z. B. die S/M-Erziehungsszenen wie einen Horrorfilm untermalt, ist der Sex selbst sehr banal und öde von der Kamera eingefangen. Stattdessen reicht wiederum der Filmschnitt, der auf das Konto Cravens selbst geht, an die Schule Eisensteins (und Russ Meyers) heran: Wenn Peter, der Priester und Bruder Angelas, leidvoll an seine Schwester denkt, wird der Zuschauer Zeuge von kurzen Auspeitschungssegmenten, die in der Form der Montage erkennen lassen, dass dies auch der Gemütszustand Peters ist und zudem die katholische Praxis der Selbstgeißelung kunstpsychologisch aufarbeiten.

Das Titelgebende Feuerwerk, das es zu Beginn und gegen Ende des Filmes im Rahmen einer Party zu sehen gibt, in der die Silhouette eines Mannes mit Zylinder gegen das Licht gefilmt immer wieder markant auffällt (Craven?), steht in dem Film symbolisch für den Geist der Unabhängigkeit und der Begierde, das Meer, auf das sie mit ihrem Bruder zum Happy-End hinausfährt, für die erlangte Freiheit.

Der Film wurde auf dem 17. außerordentlichen Filmkongress des Hofbauer-Kommandos gezeigt und vom Publikum positiv aufgenommen.


Fazit:

Intelligentes Pornodrama, inszenatorisch Geschmackssache.


Wertung:

7 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 22.02.2018 18:08 
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Das Rasthaus der grausamen Puppen – Rolf Olsen

(Deutschland / Italien 1967)

7.1.2018, Kino (Kommkino Nürnberg, 35mm, DF, 1,66:1)



Inhalt:

Bob und Betty töten mit ihrem Fluchtauto nach einem Juwelendiebstahl einen Polizisten, indem sie ihn mit dem Wagen zerquetschen; während Bob fliehen kann, wird Betty eingebuchtet. Im Knast herrscht Superintendant Nipple mit eiserner Faust und Bettys Mitgefangene sind alles Lesben – „Mit mir nicht, ich bin normal“ meint sie, doch die Antwort „Schnauze, du Klosettbesen“ lässt Böses erahnen: Bald wird sie Zeugin, wie Nipple 3 Frauen an Duschen gekettet mit auf „heiß“ gestelltem Wasser foltert, doch in diesem Moment ergibt sich die Gelegenheit für Betty – „Soll ich dich auch mal unter die Brause stecken, du Luder? Oder heute Abend bei mir in meinem Büro?“ Als Nipple sie im Dominakostüm auspeitschen will, sticht Betty sie nieder und flieht mit ihren Zellengenossinnen am Nachtwächter vorbei, der nicht kontrolliert, sondern Eier legt.

In einem Bekleidungsgeschäft, in das sie einbrechen, besorgt sich jede der Geflüchteten „ne dufte Pelle“ und entführen einen Totengräber, um in dessen Leichenwagen zu fliehen. Bei einer Polizeikontrolle versucht der Entführte zwei Polizisten verständlich zu machen, dass er eine Geisel ist, doch um das zu verstehen sind Polizisten zu dumm: „Wenn´s im Köpfchen alle ist, wird man eben Polizist“. Nach überstandener Polizeikontrolle erschießen sie den Totengräber.

In einem schottischen Rasthaus treffen sie wie geplant Bob, der dort arbeitet und wollen gemeinsam fliehen; um das nötige Geld für die Flucht zu bekommen, wollen sie Marilyn Oland entführen und von ihrem Gatten Geld erpressen – doch da entdeckt Mrs. Twaddle beim Radfahren mit ihrem Hund den ermordeten Totengräber und weiß sofort: Es waren Mörder! „Mörder, Mörder“ rufend eilt sie mit ihrem Rad zum Rasthaus und erzählt Bob von dem schnöden Mord – dem Falschen! Eine zweite Leiche dort entdeckend, wird sie durchs Rasthaus gejagt und schließlich getötet.

Nachdem auch die Entführung Mrs. Olands scheiterte, taucht eine junge Mutter mit ihrer gelähmten Tochter Emily auf. Sie ist auf dem Weg in das nächste Krankenhaus und erzählt bereitwillig, dass sie 2000 Pfund für die Operation dabei hat, die Emily wieder auf die Beine helfen soll. Die verbliebenen Verbrecherinnen entführen Emily, geraten aber untereinander in Streit ob der Brutalität, die sich nun auch gegen ein Kind und ihre Eltern richtet – als der Vater im Kampf stirbt, wählt die Mutter den Freitod. Linda, die einzige überlebende Ausbrecherin, wandert wieder in den Knast, aber nicht für lange, da sie Emily geholfen hat.



Review:

„Das Rasthaus der grausamen Puppen“ ist ein Exploitationkrimi von Rolf Olsen („Heubodengeflüster“, „Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn“, beide auch 1967) und überrascht mit einem stargespickten Cast, unter anderem Ellen Schwiers als Mrs. Nipple, Jane Tilden, Margot Trooger und Helga Anders.

Was den Film bemerkenswert macht, ist die ausgesprochen dichte Inszenierung, ständig gibt es Eyecandy, Action, Humor, Derbheiten, so dass es überhaupt nicht mehr auffällt, dass es dem Film aufgrund seiner Sprunghaftigkeit an einer Grundspannung mangelt. Es ist kein spannender Krimi, auch wenn er auf den ersten Blick wie ein Edgar-Wallace-Film aussieht, vielmehr ein Actionfilm, wie er aufregender und unterhaltsamer nicht sein kann. Während die Gewalt exzessiv wie ein Horrorfilm (der späten 60er) inszeniert ist, der Beginn 10 Minuten lang an das Women-in-Prison-Genre denken lässt, die Flucht im Leichenwagen an ein Roadmovie und die Situation im Rasthaus „The Hateful Eight“ (2015) alle Male in die Tasche steckt, bietet der Showdown nach dem Verlust Miss Marples noch ordentlich Dramatisches, bis der Film in den letzten Minuten so tut, als sei er ein Polizeifilm gewesen und das Verbrechen vom Yard endlich aufgeklärt worden. Dazu mit fetziger Musik und noch besserem Titelsong („Dirty Angels“ von Don Adams), sexy Frauen in einer „Pelle“ up to Date, die böse sind wie es in anderen Filmen dieser Zeit nur Männer oder Frauen in Russ-Meyer-Filmen sein durften und damit auch aus feministischer Sicht fortschrittlicher als die meisten heutigen Genrefilme.

Der Film wurde als Abschlussfilm auf dem 17. außerordentlichen Filmkongress des Hofbauer-Kommandos in ungekürzter Fassung gezeigt und vom Publikum als einer der Höhepunkte und würdiger Abschluss des Festivals gefeiert.


Fazit:

„Einer der übelsten Schundfilme der letzten Zeit. Schärfstens abzulehnen!“
(Evangelischer Filmbeobachter)


Wertung:

10 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 27.11.2018 17:10 
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Suspiria – Luca Guadagnino

(Italien / USA 2018)

15.11.2018, Kino (Kommkino Nürnberg, DCP, DF)
25.11.2018, Kino (Kommkino Nürnberg, DCP, DF)



Inhalt:

Susie Bannion aus den USA möchte in der „Markos“-Tanzschule in Berlin ihre Ballettkünste verbessern. Dort wird gerade das Stück „Volk“ eingeübt und dort angekommen, kann sie die Tanzlehrerinnen, insbesondere die perfektionistische Madame Blanc, schnell von ihren Fähigkeiten überzeugen und bekommt schnell die Hauptrolle, die sie beherrscht, da sie bereits eine Aufführung von „Volk“ gesehen hat.

Allerlei Merkwürdigkeiten, von denen Susie keine Ahnung hat, tragen sich unterdessen in der Tanzschule zu: Die ehemalige Tänzerin Patricia mit Sympathien für die RAF muss sich einem Psychiater anvertrauen, da sie meint, Hexen würden nachts in ihren Träumen zu ihr sprechen; von Bildern, auf denen Augen zu sehen sind, fühlt sie sich beobachtet. Olga, die vor Susie die Hauptrolle in „Volk“ kurzzeitig inne hat – sie ersetzt Patricia – bekommt einen hysterischen Anfall und kündigt ihre Rolle auf – als Susie kurze Zeit später „Volk“ einübt, werden ihre Tanzbewegungen von den Hexen der Tanzschule auf Olga durch Zauberei übertragen, so dass diese Bewegungen Olgas Körper zerstören.

Dr. Klemperer, dem sich die mittlerweile verschwundene Patricia anvertraut hat und der immer noch hofft, seine im 2. Weltkrieg von ihm getrennte Frau wiederzufinden, glaubt mittlerweile auch an die Existenz eines Hexenkultes in der Tanzschule und sieht sich auch die Neuaufführung von „Volk“ an, die allerdings wegen eines Unfalls einer Tänzerin abgebrochen werden muss. Als er sich abermals der Schule nähert, trifft er tatsächlich seine verschollene Frau, die sich jedoch kurze Zeit später in Nichts auflöst. In diesem Augenblick wird er von höhnisch kreischenden Hexen in die Tanzschule entführt, wo er Zeuge eines Rituals wird, die seine Vermutungen über zwei Parteiungen im Hexenkult bestätigen, denn neben den 3 Müttern Lachrymarum, Tenebrarum und Suspiriorum gibt es auch noch eine neue Mutter – Markos. Mutter Markos soll im Körper einer der Tanzschülerinnen im Laufe dieses Rituals wiedergeboren werden – doch Madame Blanc, die Zeremonienmeisterin dieses Rituals, spürt, dass etwas nicht stimmt und will abbrechen. Dafür ist es zu spät, als sich Susie als Mater Suspiriorum zu erkennen gibt, die Herrschaft übernimmt und den Tanzschülerinnen das gibt, was sie sich ersehnen („Ich will sterben“): Den Tod.

Wenige Tage später sucht Mater Suspiriorum Dr. Klemperer auf und enthüllt ihm, was wirklich mit seiner Frau geschehen ist: Sie kam bei der Flucht aus Berlin um. Anschließend nimmt sie ihm aus mütterlicher Barmherzigkeit die Erinnerung an diese Offenbarung.



Review:

Mit Tilda Swinton arbeitete Regisseur Luca Guadagnino bereits häufig zusammen, mit seinem Kameramann Sayombhu Mukdeeprom, seinem Cutter Walter Fasano und seinem Drehbuchautor David Kajganich vereinzelt („Call me by your Name“, 2017, bzw. „A Bigger Splash“, 2015). Mit diesem eingespielten Team verfilmte er Dario Argentos Meisterwerk „Suspiria“ (1977) neu und siedelte die Geschichte seines Films in die Gegenwart von Argentos Film an, in die Zeit des Deutschen Herbstes.

Das Drehbuch erscheint zunächst ambitioniert und vielschichtig: Konzentrierte sich Dario Argento noch auf den reinen Horror, den er mit surrealistischen Farbspielen auf die Leinwand zauberte und so einen Look schuf, der sich zwar in die Tradition Douglas Sirks und seinen unmittelbaren Vorläufer Mario Bava stellte, jedoch trotzdem in dieser Vollkommenheit und Konsequenz über fast den ganzen Film hinweg so noch nie da war und gewiss stilistisch einen Höhepunkt der Farbdramaturgie bildet, verwarfen Kajganich und Guadagnino selbige als Style-over-Substance-Camp und stellten die Story in den Vordergrund. Diese, durchaus komplex, bietet vielerlei Subtexte und Anspielungen, die das Original in dieser Deutlichkeit nicht besaß oder brauchte:


1. Mütterlichkeit

Während bei Dario Argento die Drei Mütter, von Thomas De Quincey, einem Dichter der Englischen Romantik entlehnt, die Personifikationen von Seufzen, Tränen und Finsternis sind, somit redende Namen tragen und den Tod bringen, ist zumindest Mater Suspiriorum in Guadagnonis Werk die Personifikation der Mütterlichkeit. Der Begriff ist hier ganzheitlich aufzufassen und nicht einseitig positiv, etwa im Sinne von „Fürsorglichkeit“, nach dem er auf den ersten Eindruck klingt. Eine Mutter, und das macht der Film mit einer Texttafel schon zu Beginn des Filmes deutlich, entscheidet als mächtigste Person im Leben eines Kindes über dessen Glück und Unglück. In der Philosophie wird die Mutter manchmal mit einem gottgleichen Wesen Verglichen, als das ein Kleinkind diese betrachten muss, und in Abgrenzung zum Begriff „Fürsorglichkeit“ muss zur Mutterrolle auch berücksichtigt werden, wie brutal die Kindererziehung im Vergleich zu unserer zivilisierten und überregulierten Zeit noch vor 50 Jahren teils gewesen ist.

Dies erklärt auf den Film bezogen nicht nur, dass Mater Suspiriorum, die ihren „Kindern“, den Tanzschülerinnen, am Ende den Tod bringt (Euthanatos), aber Klemperer gegenüber Barmherzigkeit übt, sondern auch die Rollen der Tanzlehrerinnen (bis auf Madame Blanc, der Zeremonienmeisterin), deren Launenhaftigkeit an Pubertierende erinnert. Die Mutter ist Kontrollinstanz über Kinder verschiedener Altersgruppen – in „Suspiria“ ins Mythologisch-Allegorische überhöht.



2. Gewalt und Terror

„Sie sind seit dem Krieg im Untergrund“ meint die entflohene Patricia zu Dr. Klemperer gleich zu Beginn des Films. Damit baut der Film eine Verbindung zur Zeit des Nationalsozialismus auf, der gewalttätigsten Epoche in der deutschen Geschichte. Ähnlich wie also nationalsozialistische Haupttäter sind die Hexen dieser Tanzschule also gezwungen, aus dem Verborgenen zu agieren. Spiegelt man die oben angesprochene Totalität der Mutterrolle in den Nationalsozialismus, erkennt man Parallelen zum Führerprinzip, das seinem „Volk“ Glück und Barmherzigkeit versprach, aber vielen den Tod brachte – wie Mater Suspiriorum am Ende den Tänzerinnen des Stückes „Volk“, von denen sie einigen den Tod bringt.

Eine weitere Parallele ist Terrorgewalt, in „Suspiria“ am Beispiel der RAF dargestellt. Die dem Hexenhaus entflohene Patricia hegt Sympathieen für die RAF und wird auch verdächtigt, an einem Bombenanschlag in Hörweite der Tanzschule beteiligt gewesen zu sein. Der Film deutet an, dass die dem Menschen innewohnende Gewalt, seit dem 2. Weltkrieg gezügelt (Hexen im „Untergrund“), Ventile im Terror sucht, der durch Hexen angeregt wird, in Entsprechung in ihrer Rolle als nationalsozialistische Haupttäter. Erst im Wiedererscheinen Mater Suspiriorums und damit des Führerprinzips deutet sich an, dass man in Zukunft solcher Ventile nicht mehr bedarf.



3. Verschwörungstheorien und Geheimgesellschaften

Bereits in den ersten Bildern eines Filmes sollen sich die wichtigsten Handlungselemente bis zum Ende des Films ableiten lassen, so die Drehbuchtheorie, die „Suspiria“ brav umsetzt. So sehen wir in Dr. Klemperers Praxis ein Buch über Freimaurerei mit Winkel und Zirkel und allsehendem Auge darin auf dem Buchdeckel – Patricia hat, nachdem sie das Buch bemerkt, Angst davor und dreht es um, wie auch Fotographien, auf denen Gesichter zu sehen sind, da sie wahnhaft befürchtet, beobachtet zu werden. So also, wie es Menschen gibt, die einen Verfolgungswahn vor den Machenschaften von Freimaurern und Illuminaten entwickeln – deren Psyche also von den Fantasien über real existierende Geheimgesellschaften zerstört wird – wird Patricias Geist von den Ängsten und Fantasien, die die real existierenden Hexen in ihren Träumen in ihr säen, zerstört. Zwar gibt es Parallelen auch zu anderen Geheimgesellschaften und okkultistischen Bewegungen, doch bleiben wir bei der Freimaurerei, die die vorgenannten Prinzipien in diesem Film erneut spiegelt: Regelmäßig nimmt man in der Freimaurerei an Ritualen teil, es gibt einen Logen- oder Stuhlmeister und einen Zeremonienmeister. So wie in die verborgenen Räume der Tanzschule verschafft man sich Eintritt in die Logenräume durch Klopfzeichen und so, wie in Klemperers Buch mit seinen Aufzeichnungen über den Hexenkult mit teils kabbalistischen geometrischen Anordnungen sind auch die Ritualgegenstände und Positionen der Brüder im Logenraum angeordnet. Unterstellt wird der Freimaurerei manchmal fälschlicherweise, es gäbe zwei unterschiedliche Gruppen (blaue und rote) die sich in Parteiungen zusammengeschlossen bekämpfen, so wie die Markos-Parteiung in „Suspiria“. Freimaurerei bildet aus Sicht der ausschließlich männlichen Freimaurer einen Gegenpart zum weiblichen Prinzip der Mütterlichkeit, das die Möglichkeit, Kinder zu gebären – zu erschaffen – einschließt, indem sie Brüder den Prozess der Erkenntnis wie eine Wiedergeburt erfahren lässt. Der Film spiegelt also seine Aussagen über Mütterlichkeit und Führerprinzip auch in das Wesen der Geheimgesellschaften so, wie er Tanzbewegungen in den Körper anderer, abtrünniger Mitglieder zu deren körperlicher Vernichtung spiegelt.


Kritik:

„Suspiria“ (2018) ist ein Film, der komplex auf philosophische, faschistische und psychologische Fragestellungen verweist und ein Paradebeispiel dafür, warum hohe Komplexität nicht gleich Kunst ist, Kunst ist Virtuosität. Sieht man sich Argentos gleichnamigen Film an, erkennt man Filmsprache und Virtuosität auf dem Gipfel der Kreativität und des filmisch Möglichen, bei Guadagninos Film ist alles Drehbuch. Wie ein verfilmtes Hörspiel mutet der Film an, der alles zu erklären versucht („Die RAF. Baader-Meinhof. Sie haben einen Geschäftsmann entführt. (...)“. Ob der Dialoglastigkeit gelingt es dem Film nie, auch nur das kleinste bisschen Spannung zu erzeugen, denn um in einem Film Spannung zu erzeugen braucht es filmischer Mittel, ein Konzept von Schnelligkeit und Langsamkeit in der Szenenfolge, Licht und Dunkelheit, eine ungewohnte Ausstattung, Täuschung und Erkenntnis – eben Virtuosität. Einen Film durch und durch grau erscheinen zu lassen (Berliner Plattenbauten, Asphalt, Dauerregen und Schneematsch) und eine historisch korrekte 70erjahreausstattung mag zwar stimmig sein und eine intensive Atmosphäre bei dem ein oder anderen Zuschauer bewirken, Spannung wird aber durch Suspense erzeugt, durch eine Bedrohung, bei der mindestens der Zuschauer, vielleicht auch der Protagonist weiß, was die Bedrohung ist. Über die Art der Bedrohung lässt der Film seine Zuschauer aber gänzlich im Unklaren und endet sogar mit einem Plottwist; dass dem Zuschauer sehr früh am Beispiel Olgas erklärt wird, mit welchen Sanktionen die Schülerinnen bei einer Kündigung oder Flucht zu rechnen haben, wirkt nutzlos, da es im weiteren Handlungsverlauf nie um eine Flucht geht.

Man muss „Suspiria“ (2018) auch nicht mit dem gleichnamigen Film von 1977 vergleichen, um ihn schlecht zu finden, man kann auch irgendeinen italienischen Horrorfilm oder irgendeinen Giallo heranziehen und nach kurzer Betrachtung feststellen, wie unterschiedlich der Charakter und künstlerische Wert ist: Bei Szenen des Entsetzens sind plötzlich Gesichter die ganze Leinwand erfüllend, wie man es in der Realität nie sehen kann, zu sehen und bieten nie gesehene Bilderwelten, Spannung, Romantik und jedes Gefühl wird in Musik mit Ohrwurmcharakter gekleidet, die Frauen sind schön und ebenso gekleidet (und die Männer soweit ich beurteilen kann auch), Farbigkeit wird mindestens im Design und der Mode betont, die Filme vermögen mit Humor oder unvermittelter Gewalt zu überraschen (nicht erst nur am Schluss mit einem Twist) und immer kann man auch bei den schlechteren Filmen sehen, dass sie von Menschen gemacht werden, die Filme lieben und zeigen wollen, was sie lieben (Ich spreche wohlgemerkt vom italienischen Film der Sechziger und Siebziger, nicht vom modernen Superheldenblockbusterkino, da wird das auch meist falsch gemacht). „Suspiria“ als handwerklich gänzlich uninspirierter Film ist der filmgewordene Inbegriff eines Professorenfilms, ein Beispiel intellektueller, drehbuchversessener Lieblosigkeit par excellence.


Fazit.

Gattungsspezifisch ist der Film sicherlich Kunst.

Wertung:

2 / 10



Anmerkung:

Das einzig Interessante und Witzige ist Mater Suspiriorums Vorname. Darüber darf nachgedacht werden.


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 19.12.2018 14:26 
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Die Leidenschaften der jungen Carol – Shaun Costello

(USA 1975)

18.12.2018, Kino (Kommkino Nürnberg, 35mm, DF, 1,33:1)



Inhalt:

Carol Scrooge führt ihre Pornofilmagentur Riva mit eiserner Faust: Selbst zu Heiligabend wird noch gedreht. Da sucht sie nachts der Geist Marleys auf, ein früherer Mitstreiter, und wedelt mit seinem Gemächt vor ihrem Schlafzimmerfenster, um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Er macht Carol mit seinem jenseitigen Schicksal bekannt, wie auch mit einem verstorbenen Finanzhai, der mit Kreditkarten behängt dazu verdammt ist, dass überall auf der Welt seine Kreditkarten nicht angenommen werden. Sie begegnet später den Geistern der vergangenen, der heutigen und der zukünftigen Weihnacht: Der erste führ ihr vor, wie Carol in ihrer Kindheit erste sexuelle Erfahrungen gesammelt hat (das wird natürlich deutlich erkennbar von Erwachsenen gespielt!), der zweite, wie ein Angestellter von ihr trotz seines geringen Gehalts sich mit seiner Frau vergnügen kann, und der dritte, dass Carol als billige Hinterzimmerhure enden wird, wenn sie sich nicht ändert. Am nächsten Tag begrüßt Carol freudestrahlend den Weihnachtsmorgen.


Review:

Lt. Eigenaussage Shaun Costellos („Water Power“, 1977) ist „The Passions of Carol“ das erste vollständige Drehbuch, das er schrieb, und auch wenn man kaum etwas falsch machen kann, wenn man Charles Dickens Weihnachtsgeschichte zumindest in seiner Struktur werkgetreu übernimmt, ist dieses Debüt rundum erfreulich: Handlung und Sex stehen sich in etwa gleichberechtigt gegenüber, der Dialog ist mal ernst, mal heiter, aber immer im Einklang mit der Handlung und Stimmung im Film; und als Sahnehäubchen kann Mary Stuart, die Carol Scrogge spielt, auch Gefühle jenseits der sexuellen Verzückung glaubhaft darstellen. Bemerkenswert ist auch die Mühe, die man sich mit der Ausstattung gemacht hat, denn wir sehen nicht nur ein paar weihnachtliche Dekoelemente, sondern besonders dann, wenn es um die Darstellung des Jenseits geht, schneeweiße und silbrige Kulissen, Nebel etc. Neben einigen (z. B. aus „The Opening of Misty Beethoven“, 1975) bekannten Pornofilmmusiktracks werden in dem Film auch mehrere traditionelle Weihnachtsmelodien gespielt, sodass dem Vergnügen, sich weihnachtlich in Stimmung zu bringen, nichts im Wege steht.


Fazit:

Gelungene, wenn auch freie, Literaturverfilmung.


Wertung:

7,5 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 11.01.2019 17:38 
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Therese und Isabell – Radley Metzger

(D / USA / F / NL 1968)

2.1.2019, Kino (Kommkino Nürnberg, 35mm, DF)



Inhalt:

Um ihre Erinnerungen aufzufrischen, besucht Therese nach 20 Jahren wieder ihr Mädcheninternat, das inzwischen verlassen ist. Vor ihren Augen entstehen die Bilder, wie sie ihre große Liebe Isabell kennenlernte, die vor den strengen Lehrerinnen und auch Mitschülerinnen geheim gehalten werden musste, bis Isabell schließlich verschwand und Therese sie nie wieder sah.


Review:

Radley Metzger drehte mit dem deutschen Kameramann Hans Jura ein Jahr zuvor bereits „Carmen Baby“; wie bei diesem zeichnete sich auch Jesse Vogel mitverantwortlich für das Drehbuch aus. Der zugrundeliegende Roman von Violette Leduc ist ein Opfer der französischen Zensurgeschichte: Als zweiteiliger Roman „Ravages“ 1954 um die erste Hälfte „Thérèse et Isabelle“ verboten, erschien diese 1966 gekürzt und erst 2000 mit dem Schlussteil vollständig. Der Film bezieht sich nur auf den „Thérèse-und-Isabelle“-Teil.

In wie gewohnt bei Radley Metzger perfekten Kamerabildern wird – diesmal in schwarz/weiß – gefühlvoll und ohne jede Exploitation eine lesbische Liebesgeschichte erzählt. Die eher zahmen Sex- und Nacktszenen sorgten jedoch dafür, dass der Film in einigen Ländern zensiert und skandalisiert wurde. Metzger und Jura gelang in „Therese und Isabell“ entgegen der Zensorenmeinung in einigen Szenen große, an den Surrealismus grenzende Kunst: Es wird viel mit Kontrasten gearbeitet – enge Internatsräume, erste Streicheleinheiten der beiden in einer Telefonzelle vs. viel freie Natur, Gärten und Biergärten; Sex zwischen den beiden findet einmal in einer Kirche statt, der Kontrast hier muss vermutlich nicht erklärt werden – und in einer Szene kommuniziert und interagiert die 20 Jahre ältere Gegenwarts-Therese mit der Isabell der Vergangenheit. - - Wo Licht ist, ist auch Schatten: Zu allen Liebesszenen in dem Film werden erotische Romanauszüge aus dem Off vorgelesen, da die starken Bilder für sich selbst sprechen – eine sehr lange in einer Einstellung gedrehte Szene zeigt ausschließlich Extreme-Close-ups – bringt das keinen Mehrwert und nervt nach einiger Zeit sogar.

Störend wirkt auch die manchmal allzuflapsige Synchronisation: „Er (ein Vogel) war ein Geschenk von Oswald Kolle. Er ist leider eingeschlafen. An Übersättigung“

Der Film wurde auf dem 18. Außerordentlichen Filmkongress des Hofbauer-Kommandos gezeigt und wurde vom Publikum positiv aufgenommen.


Fazit:

Ein schöner, wenn auch vergleichsweise schwacher Film von Radley Metzger.


Wertung:

6,5 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 14.01.2019 18:01 
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Die Totenschmecker – Ernst Ritter von Theumer

(D 1979)

2.1.2019, Kino (Kommkino Nürnberg, 35mm, DF)



Inhalt:

Der Mehrgenerationenhaushalt eines Bauernhofs in den bayrischen Bergen fürchtet campierende Zigeuner, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft an einem See niedergelassen haben. Die jugendliche Anne, das Annerl, freundet sich mit Joschy, einem jungen Zigeuner an, doch als ihr geistig behinderter Bruder Franz versehentlich eine Zigeunerin tötet und seine Familie daraufhin, um keine Schwierigkeiten mit der Polizei zu bekommen, nach und nach fast den gesamten Zigeunerclan ermordet, ist es vorbei mit der Idylle.

Einziger Überlebender ist Joschy, der als mysteriöser Rächer den Spieß im Wortsinne umdreht und begleitet zum Spiel seiner Geige die Bauernfamilie umbringt. Franz, der vor den beiden letzten Vergeltungsmorden die Geige findet, die er schließlich am Tatort zurücklässt, wird als Täter von der Polizei verhaftet, die die Täterschaft der Zigeuner ausschließt.



Review:

Ernst Ritter von Theumer thematisiert die antiziganistischen Vorurteile der Landbevölkerung in einem Film, der als Alpenbackwoodhorrorfilm charakterisiert werden kann, ohne selbst diese Vorurteile zu vertreten, wie es dem Film manchmal vorgeworfen wird. Als Anne ein zigeunerfeindliches Lied singt, lernt sie gleich nach dem letzten Vers den geigespielenden Joschy kennen, mit dem sie sich anfreundet und in den sie sich schließlich auch verliebt. In dem Moment, in dem eine junge Zigeunerfrau Eier aus dem Stall stehlen will, scheint der Film kurz die Klischees, die er kritisiert, zu bestätigen, die beiden grausamen Morde an den beiden Zigeunerinnen, die gleich darauf von den Hofbewohnern begangen folgen, übertreffen das Vergehen deutlich.

Nun ist „Die Totenschmecker“ aber kein Sozialdrama, in dem Rassismus ausdiskutiert wird, sondern ein Backwoodfilm, der zwar nur mit wenig Spannung aufwarten kann, dafür aber mit großen, stimmungsvollen Bildern – und der mit Fortschreiten der Handlung immer mehr offen lässt was die Gewaltspirale antreibt. Zu Beginn, als die Gewalt ausbricht, Angst (vor den Zigeunern und der Polizei) und Rassismus, dann das Bedürfnis nach Sicherheit (alle anderen Zigeuner müssen auch getötet werden, damit das heimatlich-behagliche Leben nicht gefährdet wird), dann die Rache Joschys und schließlich von der Geige und ihrer Musik selbst! Denn nachdem Franz die Geige zufällig findet, erklingt trotzdem vor den letzten Morden das Geigenspiel – und kein Täter ist zu sehen, war es Franz, oder war es Joschy? So kehrt der Film an seinen Ursprung zurück und wird romantisch-naturphilosophisch: Der erste Mord an der Zigeunerin wird von dem in einem Stall lebenden geistig behinderten Franz (FRAnkensteins Monster, dem Aussehen nach) verübt, der sich selbst nicht bewussten Natur, die letzten Morde werden nicht mehr von Menschen sondern der musikalischen, transzendenten Natur verübt. Dazwischen sehen wir den Menschen, die zwar mit der Natur in Einklang leben, aber von der Zivilisation mit intolerant-christlichen und rassistischen Denkweisen vergiftet wurden. Und damit ist der Film auch heute noch aktuell!


Der Film wurde auf dem 18. außerordentlichen Filmkongress des Hofbauer-Kommandos gezeigt und wurde vom Publikum positiv aufgenommen.


Fazit:

Zum Nachdenken anregender, völlig unterschätzter Heimathorrorfilm mit Anleihen am Italowestern.


Wertung:

8,5 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 16.01.2019 15:57 
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Die Liebesmuschel – Pete Walker

(GB 1970)

2.1.2019, Kino (Kommkino Nürnberg, 35mm, DF)



Inhalt:

Die beiden befreundeten Jugendlichen Joe und Carol wollen ihr Glück in London versuchen, dazu fragt Carol ihren Vater um seine Erlaubnis: „Sag mir die Wahrheit: Bist du noch unschuldig?“ – „Nein“ – „Dann darfst du fahren.“ In London angekommen stellt sich schnell heraus, das das Jobangebot, von dem Joe Carol vorgeschwärmt hatte und das ihren gemeinsamen Lebensunterhalt sichern sollte, nur vorgeflunkert war, um Carol dazu zu bringen, ihn zu begleiten. Hinzu kommt, dass beide, besonders aber Carol, über ihre Verhältnisse leben und so bald aus der Not heraus Arbeit und Geld brauchen.

Schnell gelingt es der äußerst attraktiven Carol, mit nackter Haut Geld zu verdienen und lernt dabei auch die Schattenseiten dieses Gewerbes kennen; Joe fungiert dabei als ihr treuer Manager. Als sie es schließlich zu großem Erfolg gebracht haben, beschließen sie, wieder nach Hause aufs Land zurückzukehren.



Review:

Pete Walker drehte in den späten Sechzigern bis 1970 überwiegend Erotikfilme, danach überwiegend Horrorfilme („Frightmare“, 1974). „Die Liebesmuschel“ verfrachtet Motive des Erotikromanklassikers „Fanny Hill“ (1749) in die Gegenwart von 1970 und schildert dabei unterhaltsam die Licht- und Schattenseiten der sexuellen Revolution. Zwar haben die beiden Protagonisten nahezu alle Freiheiten, die 5 Jahre zuvor noch undenkbar waren, doch geraten sie dabei auch an zwielichtige, schmierige und gewalttätige Ausbeuter – besonders eine Szene, in der ein Pornofilm mit Carol gedreht wird, ist geradezu infernalischer Schmier. Leider sind aber solch gelungene Szenen in dem Film rar gesät; es überwiegt eine statische, lustlose Inszenierung, die sich geballt in dem geradezu peinlichen Happy-End manifestiert. Aufgrund von Janet Lynn, der Darstellerin der Carol, den Aufnahmen von London und der Mod-Mode aber einen Blick wert.

Von der deutschen Fassung kann nur abgeraten werden: Mit einer sinnentstellenden Kalauersynchronisation versehen und um Sexinserts angereichert, von der FSK aber wieder um Erotik gekürzt, macht sie eine restlos faire Beurteilung des Films unmöglich.

Der Film wurde auf dem 18. außerordentlichen Filmkongress des Hofbauer-Kommandos gezeigt und vom Publikum mit mäßiger Begeisterung aufgenommen.


Fazit:

Interessanter Plot, meist aber äußerst fade Inszenierung.


Wertung:

4,5 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 16.01.2019 16:03 
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Der Pornojäger – Peter Heller

(D 1989)

3.1.2019, Kino (Kommkino Nürnberg, 16mm, DF)



Review:

„Der Pornojäger“ ist der Beiname des seit den Siebziger Jahren bis zu seinem Tod 2011 gegen die Pornographie und für Christentum, Anstand und Heimat engagierten Martin Humer. Humer, der die vermutlich größte Pornosammlung Österreichs besaß – natürlich nur, um gegen die kommunistischen Verschwörer, die sie verbreiteten, vorzugehen – wehrte sich immer gegen den Vorwurf, ein Nazi zu sein, denn ein Nazi ist ja aus Sicht von Leuten wie Humer nur jemand, der sich selbst so bezeichnet, nicht aber der, der Naziparolen von sich gibt und einzelne Positionen wie rassische Reinheit gutheißt. Obwohl es aus seiner Sicht also heute ( zur Zeit dieses Dokumentarfilms 1989) mit der gesellschaftlichen Moral im Vergleich zu der Zeit vor 50 Jahren bergab gegangen ist, insbesondere weil die Pornographie grundsätzlich die Frauen in der Art schwächt, dass sie sogar bereit sind, ihr Erbgut mit Afrikanern zu vermischen, gab Humer mit seinem Kreuzzug nicht auf, den er oftmals so entschieden gegen Videotheken mit Pornofilmen im Verleih und Zeitschriftenhändler führte, dass die Polizei ihn wegen Hausfriedensbruchs und Wiederstands gegen die Staatsgewalt festnehmen musste und er sich auch entsprechend viele Verurteilungen einhandelte. Der Film zeigt eindrucksvoll, wie sich Humer auch nicht durch sachliche Argumente von Richtern, Staatsanwälten, und Sexualwissenschaftlern von seinem Heldenkampf abbringen ließ im Kampf gegen die kommunistische Pornographie und die Verderbtheit der rassischen Konfusion und Kritiker stets niederbrüllte, wenn er nicht weiter wusste.

Der Martin Humer entlarvende Dokumentarfilm wurde auf dem 18. außerordentlichen Filmkongress des Hofbauer-Kommandos gezeigt und regte das Publikum zu interessanten Diskussionen an.


Fazit:

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Wertung:

9 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 16.01.2019 16:42 
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Wild Girls in Excess – Henri Pachard

(USA 1991)

3.1.2019, Kino (Kommkino Nürnberg, 35mm, DF)



Inhalt:

„Ich bin Carlo Sanchez. Mein Vater ist im Ölgeschäft erfolgreich und ich bei schönen Frauen“. In einem heimlich betriebenen Luxusbordell wird das muntere Treiben nicht nur Carlos mit den schönen Frauen unangenehm unterbrochen, als die Polizei in Form einer Hausdurchsuchung mit anschließenden Verhaftungen gegen das Etablissement vorgeht.

Doch für die Freier und Frauen, die zumeist ineinander verliebt sind, geht alles gut aus, nachdem der scheinheilige Staatsanwalt, der dem Bordell die Polizei auf den Hals gehetzt hatte, um Beweismittel, die gegen ihn sprechen, zurück in seinen Besitz zu bekommen, auffliegt.



Review:

Henri Pachard drehte ca. 400 Pornofilme, die meisten davon in den Achtzigern und Neunzigern (darunter „The Devil in Miss Jones II“, 1982). „Ashley – Sattelfest in allen Betten“ ist der Titel, unter dem er gekürzt und mit mit einer Zweitkamera gedrehtem alternativen Softcorematerial 1999 auf RTL 2 lief, während „Wild Girls in Excess“ der originale deutsche Titel der deutsch synchronisierten 35mm-Kopie mit Hardcorematerial ist.

Aufgrund der Mode und der aus „Miami Spice“ (1986) entliehenen Filmmusik nahm ich bei Sichtung ein Produktionsjahr um 1988 an, aufgrund der Tatsache, dass mehrere Darsteller in dem Film ihre Karriere erst 1991 begannen, stimmt das in der imdb angegebenen Jahr jedoch. Der Film selbst bietet wie für diese Zeit bereits üblich überlange Sexszenen mit teils silikonbrüstigen Frauen, einem who-is-who der damaligen Pornosternchen. Der Sex wie auch die Handlung ist jedoch von einer überraschend entspannten und heiteren Stimmung geprägt und bietet sogar ein echt romantisches Happy-End, sodass der Film trotz aller Bedeutungslosigkeit angenehm anzusehen und keine Zeitverschwendung ist.

Der Film wurde auf dem 18. außerordentlichen Filmkongress des Hofbauer-Kommandos gezeigt und bot ein so interessantes wie wichtiges Kontrastprogramm zum zuvor gezeigten Film „Der Pornojäger“ (1989).


Fazit:

„Bist du geil?“ – „Du kannst blöde Fragen stellen!“


Wertung:

5,5 / 10


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 Betreff des Beitrags: Re: ...und immer lockt der Film
BeitragVerfasst: 16.01.2019 19:11 
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Ein Mädchen von 18 Jahren – Mario Mattoli

(IT 1955)

3.1.2019, Kino (Kommkino Nürnberg, 35mm, DF)



Inhalt:

Maria ist eine neue Schülerin in einem italienischen Mädcheninternat, in dem alle Schülerinnen in ihren Physiklehrer verliebt sind. Und auch als Maria ihn erblickt, ist es um sie geschehen: „Sie sehen mich immer mit so elektromagnetischen Augen an. Mir wird dann immer ganz physikalisch“. Da in einem Internat aber Zucht und Ordnung herrschen muss, beschlagnahmen die Lehrerinnen auf Geheiß der Direktorin die Tagebücher der jungen Damen und werden fündig, denn es stehen so furchtbare Sachen darin wie „Ich werde dich zum Erglühen bringen“ – trotzdem: „In den Tagebüchern der jungen Mädchen entdeckt man immer die gleichen Phrasen. Mal heißt er Romeo, mal Elvis Presley“ ist das enttäuschte Fazit, und zudem konnte von Maria kein Tagebuch entdeckt werden. Aus diesem Grund werden sie und eine weitere Schülerin zur Direktorin bestellt, damit sie ihre Bücher aushändigen, doch Maria weigert sich, da sie keines führt.

Mittlerweile bemerkt auch der Physiklehrer, dass die Schülerinnen ihm mehr Interesse als dem Unterrichtsstoff entgegenbringen und beschließt: „Jetzt ist Strenge gefordert!“ Trotzdem verliebt auch er sich in Maria; über ihre Heiratswünsche freut sich auch Marias Papi, ein Unternehmer: „Ich hab einen Physiker und das Mädchen was fürs Herz“.



Kurzreview:

„Ein Mädchen von 18 Jahren“ ist Mario Mattolis Remake seines eigenen Films „Reifende Mädchen“ von 1941, der noch keine Komödie, sondern ein ernsthaftes Drama war. Mit Marco Scarpellis Kamera hervorragend bebildert und mit stets heiterem Grundton, den auch die Synchronisation trotz leichter Änderungen nicht entstellt, bietet der Film ein spritziges Vergnügen voller Wortwitz bis zur letzten Minute.

Der Film wurde auf dem 18. außerordentlichen Filmkongress des Hofbauer-Kommandos gezeigt und hat das Publikum gut unterhalten.


Fazit:

Eine rundum unterhaltsame Komödie mit viel Fünfzigerjahreflair, die weitgehend auf Klamauk verzichtet.


Wertung:

7 / 10


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