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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: CUT AND RUN - Ruggero Deodato
PostPosted: 08.02.2019 18:01 
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CUT AND RUN
Italienischer Originaltitel: INFERNO IN DIRETTA
Italien 1985

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Regie: Ruggero Deodato
Darsteller:

Lisa Blount,
Leonard Mann,
Richard Lynch,
Michael Berryman,
Willie Aames,
Gabriele Tinti,
Valentina Forte,
John Steiner,
Karen Black,
Barbara Magnolfi


Ein Reporterteam (Blount und Mann) sucht im tiefen Dschungel nach dem verschwundenen Sohn ihres Chefs. Was die Fernsehleute dort allerdings zunächst finden, ist ein Leichenberg in einem Camp, das offenbar die Kernzelle eines Drogenkartells darstellt. Schlussendlich finden die Zwei den verlorenen Sohn – sogar lebend. Und die nächste Aufgabe wird nun sein, wieder lebendig aus dem grünen Inferno herauszukommen. Jedoch erschwert dieses verständliche Vorhaben nicht nur die wilden Tiere des Dschungels; es sind vor allem auch die Gangster des Drogensyndikats, die von einem besonderen Exzentriker (Lynch) angeführt werden, welche das Überleben der „zivilisierten“ Eindringliche verhindern wollen…

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Ist INFERNO IN DIRETTA ein Kannibalen-Film?

In der Mitte der 80er Jahre kann man so etwas ähnliches wie eine neuerliche Welle des italienischen Kannibalen-Films wahrnehmen, welche in den 70er Jahren durch Regisseure wie Lenzi oder Deodato im Genrekino Italiens etabliert worden war. Und möglicherweise haben solche Repräsentanten wie zum Beispiel AMAZONIA: THE CATHERINE MILES STORY (1985) oder auch MASSACRE IN DINOSAUR VALLEY (1985) – ich nenne hier nur die bekannteren Exporttitel – bereits nicht mehr einen landesweiten Kinoeinsatz im Sinn gehabt und gleich den heimischen Videorecorder als Haupteinsatzort ihrer Aufführung anvisiert. Dies erklärt vielleicht, warum diese „zweite Welle“ wesentlich zurückhaltender in der graphischen Darstellung ausgefallen ist. Das Ziel der Produzenten lag wohl darin, mit einem Abendeuer-Plot nicht sosehr zu provozieren (besonders die nationalstaatlichen Zensoren), dafür aber ein exotisches Setting zu inszenieren, in dem sich eine möglichst kommerziell angelegte Story entfalten konnte. Diese Absicht ist dahingehend dann auch CUT AND RUN zu unterstellen – ein Film, der sich einer äußerst konventionellen Drogengeschichte bedient und diese im Dschungel spielen lässt. Die transgressive Seherfahrung (der Sehschock) von Deodatos CANNIBAL HOLOCAUST fehlt hier gänzlich, denn die doch recht zahlreichen Gore-Effekte könnten ebenso in einem anderen Genrefilm entstanden sein. Somit findet sich in CUT AND RUN nur noch wenig Spezifisches aus Deodatos vorausgegangenen kannibalistischen Werken (dennoch musste CUT AND RUN in einigen Ländern seine Federn lassen; etwa: der Unterschied zwischen der US-amerikanischen R-Rating-Fassung und der ungeschnittenen Version beeinflusst schon wesentlich die filmische Intensität des Dargestellten). Gleichsam möchte ich an dieser Stelle aber den Versuch wagen, einige Referenzpunkte in CUT AND RUN zum klassischen italienischen Kannibalen-Film herauszuarbeiten: Sehr erfreulich ist natürlich das Fehlen von Tier-Snuff in der neueren Version. Die beiden Reptilien, die zum Abendessen in CUT AND RUN von einem Bandenmitglied im Dschungel mitgebracht wurden, sind augenscheinlich aus Plastik. Und die recht spannend inszenierten Szenen mit den Krokodilen wurden nicht am Set im Dschungel, sondern in den USA gedreht (zumal sich hierbei die Gewalt nur gegen die menschlichen Protagonisten richtet – vielleicht soll dies eine kritische Reflektion Deodatos zu seinen früheren Tierdarstellungen bezeugen?). Der filmische Schaueffekt der Nacktheit ist indes auch in CUT AND RUN gegeben. Allerdings gibt es nur weibliche nackte Tatsachen zu sehen. Die voyeuristische Objektivierung von männlicher nackter Körperlichkeit, wie man sie sehr häufig im italienischen Kannibalen-Film vorfindet (sei es im Kontext einer „wilden“ Naturunschuld oder im sexuellen Rahmen) fehlt somit in CUT AND RUN. Überhaupt kommt das Kannibalen-Motiv selbst nur angedeutet vor (bei der anfänglichen Vergewaltigung wird es kurz angedeutet). Was CUT AND RUN mit dem Kannibalen-Genre verbindet, ist vor allem das Dschungel-Setting, das darwinistische Prinzip vom „Recht“ des Stärkeren in der Wildnis, die Ikonographie der „Wilden“ in ihrem Verhalten – sowie, und das erscheint mir hier doch sehr maßgeblich, der Name des Regisseurs, der automatisch im Zusammenspiel mit dem Dschungel-Dreh solch Assoziationen weckt (ursprünglich sollte Wes Craven den Film drehen). Darüber hinaus greift Deodato in einem Nebenstrang auf das Motiv des Sekten-Führers zurück, wie es etwa auch in Lenzis EATEN ALIVE! ausgearbeitet wäre. Der Selbstmord Brian Hornes (dessen Selbsthinrichtung) stellt Bezüge zu Jonestown her, zumal dieses Ereignis direkt in der Diegese angesprochen wird. Und was außerdem in CUT AND RUN an Deodatos Kannibalen-Werk erinnert, dies ist das Filmteam – und damit verbunden die mediale Vermittlung der Dschungel-Ereignisse. Denn wie in seinem berühmt berüchtigten CANNIBAL HOLOCAUST, so sind es auch hier die Filmleute, die das „Bild“ vom Dschungel entwerfen. Doch im Gegensatz zum Film von 1980 soll in CUT AND RUN die Reportage nicht täuschen, es soll wirklich etwas dokumentiert werden. Gleichwohl wird aber auch hier, in CUT AND RUN, den TV-Medien eine Sensations-Lust zugesprochen. Beispielweise: Die Reporterin wird als moralisch rücksichtslos gezeichnet, wenn sie die Ermordeten nach einem Drogenkrieg in der Zivilisation ohne Skrupel von ihrem Kameramann ablichten lässt. All diese Aspekte bezeichnen für mich eine Motivkette, die von den Kannibalen-Filmen der 70er Jahre dann weiter bis zu CUT AND RUN verläuft. Aufgrund der eher konventionelleren Inszenierung Deodatos – vergleicht man den Film mit seinen Vorgängern – wäre CUT AND RUN dann natürlich nicht mehr als ein typischer Kannibalen-Film zu nennen, doch scheint der Genrebezug auch weiterhin noch auf…


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(Bildquelle: imdb.com)

Trailer:
youtu.be Video from : youtu.be


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