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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: THE NIGHT STALKER - John Llewellyn Moxey
PostPosted: 09.02.2019 16:19 
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THE NIGHT STALKER
USA 1972

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Regie: John Llewellyn Moxey
Darsteller:
Darren McGavin,
Carol Lynley,
Simon Oakland,
Ralph Meeker,
Claude Akins,
Elisha Cook Jr.

In Las Vegas kommt es in kurzer Zeit zu mehreren Frauenmorden. Immer sind es junge Frauen und immer geschehen die Morde nachts. Was allerdings ebenso äußerst merkwürdig ist: die Opfer werden blutleer aufgefunden. Der Reporter Carl Kolchak (McGavin) wird auf den Fall angesetzt; zunächst spricht alles für Routine: ein verrückter Frauenmörder versetzt die Stadt in Angst und Schrecken. Doch die seltsame Blutleere lässt die Mordserie zunehmend mehr in eine übernatürliche Sphäre abdriften. Kolchak ist dahingehend überzeugt, dass tatsächlich ein Vampir die Taten verübt hätte. Nicht nur bei seinem Chef, sondern vor allem auch bei der Polizei und den Stadtoberen führt dies natürlich zu heftigem Kopfschütteln. Jedoch kommt die Polizeiarbeit mit den konventionellen Methoden nicht weiter. Kolchak wird schließlich in die Ermittlungen integriert, was dazu führt, dass er eines Nachts einem wirklichen Vampir gegenübertritt…

Der damalige Erfolg des recht billigproduzierten TV-Films THE NIGHT STALKER – wäre es zu einem Kinoeinsatz gekommen, dann könnte man hier von einem waschechten B-Movie sprechen – hat nicht nur zu einem Nachfolgefilm geführt, mit dem Titel THE NIGHT STRANGLER, es gab schließlich auch eine 20-teilige Fernsehserie. Was aber macht den Film so besonders? Vielleicht ist es die Strategie, gleich zwei Genres miteinander zu vermischen? Denn wir hätten einerseits den Vampirplot, der auf einem Drehbuch von Richard Matheson basiert. Und andererseits haben wir die krimiartige Erzählweise, die in ihren Inszenierungsidiomen denen eines Film Noirs entspricht. So wird die Handlung aus der Perspektive Kolchaks dargestellt. Dieser erzählt aus der Rückschau – also retrospektiv –, und es sind zahlreiche innere Monologe, die das Geschehen kommentieren. Auch verweist dessen Aufnahmegerät, welches Kolchak stets mitführt, darauf, dass die Erzählperspektive des Films durch die Augen des Reporters, also aus dem Blickwinkel einer einzigen Existenz, geschildert wird. Dies erinnert natürlich an den klassischen „Noir“, wobei mit dem Auftauchen von Elisha Cook Jr. (zum Beispiel THE MALTESE FALCON) und Ralph Meeker (vor allem KISS ME DEADLY) zwei bekannte Darsteller des „Film Noirs“ ebenfalls auf dieses Genre verweisen. Regie John Llewellyn Moxey hatte vorher bereits viele TV-Produktionen getätigt; aber auch das Horrorgenre war ihm nicht fremd, drehte er doch den gotischen HORROR HOTEL mit Christopher Lee. Dass in THE NIGHT STALKER das Horrorfilmelement dann aber eher „campy“ (im Sinne von Sontag) angelegt wäre, kann man alleine schon daraus ersehen, dass Kolchak in einem populärwissenschaftlichen Buch über Vampire sich darüber informiert, wie denn ein solcher zu vernichten sei. So ist es dann auch ein „Klischeevampir“, der die Nächte von Las Vegas unsicher macht und dem der Reporter sich am Ende stellt (allerdings hält das eigentliche Finale einen tragischen Schlenker für Kolchak offen, der hier natürlich nicht verraten wird). Diesbezüglich überträgt THE NIGHT STALKER den traditionellen Vampirmythos in das zeitgenössische Las Vegas, also in die damalige Gegenwart, wie dies etwa auch in US-amerikanischen Filmen wie DARK SHADOWS (Kino, TV), der COUNT-YORGA-Kinoserie oder in THE GRAVE OF THE VAMPIRE praktiziert ist. Dieses Oszillieren zwischen tradierten Genremodellen (dem „Film Noir“ und dem Vampirkinomythos) und dem weltlich Zeitgemäßen (hier vor allem das Urbane von Las Vegas mit den hellen Neonlichtern) verleiht Moxeys Film einen Ausdruck, den ich einmal als charmant „pulpig“ umschreiben möchte. Sicherlich hatte bereits auf den damaligen Zuschauer das Auftreten des Vampirs anachronistisch gewirkt, was aber dann durch das modere Setting merkwürdig aktualisiert erscheint. Von diesem Charme hat THE NIGHT WALKER bis heute nichts verloren; der Nachfolgefilm THE NIGHT STRANGLER (Regie: Dan Curtis), der eine ganz ähnliche Geschichte ähnlich inszeniert, überbetont dagegen manche Genreklischees und geht deshalb den Plot deutlich selbstreflexiver an, als man dies in THE NIGHT WALKER wahrnehmen würde – doch insgesamt können beide Filme durch ihren antiquierten Stil sehr gut unterhalten und warten somit auf ihre heutige (Wieder-)Entdeckung…


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