Dirty Pictures

Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 08.01.2019 20:13 
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Mir geht's ähnlich mit Squitieri, wobei ich aber eben DIE RACHE BIN ICH und auch DER AUFSTIEG DES PATEN noch recht gut fand.
Aber das liegt wahrscheinlich zu einem großen Teil auch daran, dass ich großer Fan von Giuliano Gemma und Claudia Cardinale bin.
Ich weiß nicht, wie du zu Gemma und Cardinale stehst, Richie, aber m.E. sollte deren Mitwirkung reichen, den Filmen noch eine Chance zu geben.


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 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 12.01.2019 12:06 
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The Tourist (Florian Henckel von Donnersmarck, 2010) 6/10
Alexander Pearce hat einem Gangster 2,3 Billionen Pfund geklaut, weswegen er den Gangster und dessen russische Killer am Hals hat. Durch diese Summe hat er aber gleichzeitig 740.000 Pfund Steuerschulden beim Finanzamz ihrer Majestät, weswegen er die Polizei am Hals hat. Alexander Pearce möchte also untertauchen. Er teilt seiner Freundin Elise in Paris mit, dass sie mit dem Zug nach Venedig fahren soll, und im Zug jemanden aussuchen soll, der ihm ähnlich schaut. Klare Sache: Sie tut so als ob sie in das ahnungslose Opfer verknallt ist, und alle Verfolger denken dass das Pearce ist. Das Opfer wiederum, ein Mathematiklehrer aus Wisconsin namens Frank Tupelo wundert sich, dass plötzlich 2 Killer in der Tür stehen und ihn durch halb Venedig jagen. Was Pearce allerdings nicht bedacht hat ist, dass seine Freundin sich in das arme Würstchen verlieben könnte. Und er hat auch nicht bedacht, dass die geliebte Elise vielleicht gar nicht diejenige ist, die sie zu sein vorgibt …

Eigentlich eine runde Sache: Zwei gute und beliebte Schauspieler, eine wunderschöne Stadt als Kulisse, finstere Schurken, noch finsterere Polizisten (einer zumindest), und eine Geschichte die wie ein Vexierbild hin- und herlaviert und versucht verwirrend zu wirken. Zwar ist die Auflösung der Story schon meilenweit vorher zu riechen, aber so richtig stören tut das nicht. Obwohl der Film als Thriller läuft, hat er diesen leicht heiteren Unterton, der bewirkt, dass man die Geschichte irgendwie nicht so richtig ernst nehmen kann. Johnny Depp macht mit seiner Doofi-Frisur und dem Mathelehrer-aus-Wisconsin-Gesicht zwar alles richtig, aber gerade dadurch läuft auch hier die Sache mit dem Ernstnehmen ins Leere. Was dazu führt, dass ich den Film wie einen Sommerbrise empfinde: Angenehm, erfrischend, nicht störend. Hübsch anzuschauen das ...

The long hair of death (Antonio Margheriti, 1964) 8/10 mit schwerer Tendenz zur 9
Ich habe nun schon einige italienische Gothic-Horror-Filme gesehen, und auch wenn ich weiterhin versuche so komplett wie möglich zu werden, so muss ich doch zugeben, dass da auch ganz schön viel Durchwachsenes dabei ist. LONG HAIR OF DEATH allerdings gehört nicht zu der Kategorie "Durchwachsen", der ist qualitativ gleich nach DIE STUNDE WENN DRACULA KOMMT anzusiedeln. Dass die Story nicht immer nachvollziehbar ist? Geschenkt, denn hier regiert der Gothic-Schauer-Wahnsinn! Dunkle Gemäuer im Fackelschein, eine Gruft mit Sarkophagen deren Deckel sich auf- und zuschieben lassen, wunderschöne Frauen die fiesen Männern zum Opfer fallen, fiese Fieslinge die dem Wahnsinn anheimfallen, Umberto Raho sinistert sich als Kirchenmann zwischen Scheiterhaufen und Predigt hindurch, und mittendrin die Göttin der Nacht: Barbara Steele, so schön und dunkel wie sonst nur bei Bava, drückt sie hier richtig auf die Tube und rockt den Film fast im Alleingang. Ist sie nun tot oder lebendig? Treibt sie es mit dem gutaussehenden Charakterschwein George Ardisson weil er es so will, oder hat vielleicht doch sie die Fäden in der Hand? Wird die jüngere Schwester die Intrigen halbwegs heil überstehen? Der Film ist sehr spannend, und unglaublich schön anzusehen. Aus jedem Filmmeter quillt schwarze Schauerromantik wie sie dunkler und verführerischer nicht sein kann. Großes und starkes Düsterkino!!

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Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 14.01.2019 23:14 
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Nachtrag: Bei BOTAS NEGRAS, LÁTIGO DE CUERO und bei THE TOURIST habe ich Inhaltsangaben nachgetragen, damit das alles ein klein wenig verständlicher wird.

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Der Knochenmann (Wolfgang Murnberger, 2009) keine Wertung
Nach etwa 15 Minuten abgebrochen, weil ich schlicht und ergreifend nichts verstanden habe. Mit dem Dialekt vom Josef Hader hatte ich schon immer extreme Probleme. INDIEN hat von mir eine 1/10 bekommen - unter anderem mangels akustischem Verständnis. Und beim KNOCHENMANN wird auf wienerisch (oder was auch immer) genuschelt auf Teufel komm raus. Nee, sorry, das war nix. Nicht meine Welt ...

Karambolage (Marcel Bluwal, 1963) 9/10
Bei der Firma 321 steht das 25-jährige Firmenjubiläum an, und der Generalsekretär, M. Charolais, sucht händeringend gute Ideen, um die Firma gut präsentieren zu können. M. Martin ist jung, ambitioniert, und hat sehr gute Ideen. M. Martin möchte nämlich demnächst die Tochter seines Vorgesetzten heiraten, außerdem baut er ein Haus, hat ein Auto gekauft, natürlich alles auf Raten, und hat außerdem ein Verhältnis mit seiner Sekretärin, die ein Kind von ihm erwartet. Da kommt ihm die in Aussicht gestellte Gehaltserhöhung, eben aufgrund seiner Ideen, gerade recht. Der Absturz ist umso schmerzhafter als er erfährt, dass die Beförderung um 5 Jahre verschoben wird. Mordgedanken werden wach: Wenn er den Herrn Generalsekretär ins Jenseits schickt, dann rutschen alle über ihm ein klein wenig nach oben. Inklusive ihm. Und die Gehaltserhöhung wäre in trockenen Tüchern. Aber so einfach ist das mit dem mal eben so Umbringen doch nicht. Und Inspektor Baudu von der Sicherheitspolizei weiß genau, wie man Verdächtige anfasst. Ganz genau, das hat er in den Jahren vor 1945 von der Pike auf gelernt …

Man nehme das Tempo von Filmen wie dem GENDARM VON ST. TROPEZ, packe den klugen Irrsinn eines späteren Filmes von Jacques Tati dazu, sagen wir TRAFIC, hier und da vielleicht eine kleine Prise (des später entstandenen) MASH, und heraus kommt KARAMBOLAGE. Eine groteske Satire auf das Geschäftsleben wie man es auch heute noch kennt. Selbst wenn vielleicht man gar keine Karriere machen möchte („Ich will nicht Generalsekretär werden, das ist das Büro des Todes!“) ist man früher oder später unweigerlich im Hamsterrad gefangen, und wenn dann noch Dinge wie Ratenkäufe oder fordende Sekretärinnen dazu kommen ….
Und wie beim Billard die Kugeln manchmal ihr Eigenleben entwickeln und sich gegenseitig in die Löcher schubsen, so entstehen auch im Film Nebeneffekte, es geschehen unvorhergesehene Dinge, Kugeln werden in Richtungen gerollt die gar nicht hätten gerollt werden sollen, und plötzlich … ist man befördert worden. M. Martin wollte doch nur das Büro im 1. Stock haben. Nun ja, er hat dann irgendwann etwas mehr bekommen.
Das Besondere an KARAMBOLAGE sind die vielen kleinen Nebensächlichkeiten, die mit der Handlung überhaupt nichts zu tun haben, aber den Begriff „Wahnsinn“ erst so richtig zum Leben erwecken. Das Wettrennen, welches sich M. Martin und der Mann, der die Schilder „Außer Betrieb“ an die Fahrstuhltüren hängen soll, liefern – der eine im Fahrstuhl, der andere auf der Treppe. M. Martin, der seinem eigenen Portrait die Mordvorschläge präsentiert – und völlig von der Rolle ist als ihm dieses antwortet. Madame Andréa, die Sekretärin von M. Charolais, die von einem Mann gesprochen wird (etwa in der Stimmlage von Arnold Marquis), was bei mir zu heftigsten Lachtränen geführt hat. Der ganz kurze, aber wirklich nur winzig kurze Blick, den der junge Mann in schwarz am Ende M. Martin zuwirft. Die Frösche. Und natürlich die Froschjagd, die als Vorlage für DER MANN AUS VIRGINIA hätte dienen können, plus die Zugabe einer springenden Mütze.

Von den vielen starken Werken de Funès’ vor FANTOMAS ist das bisher sein stärkster. Auch, und gerade weil er nicht die Hauptrolle inne hat, kann die trockene Art Jean-Claude Brialys im Zusammenspiel mit dem Wahn de Funès’ und der Erotik Sophie Daumiers sich so richtig entfalten. Hier stimmt so ziemlich alles. Anschauen und staunen!!

Mal wieder so ein Text, der dem Film überhaupt nicht gerecht wird. :cry: Der lohnt wirklich!!

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Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 14.01.2019 23:40 
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Schmutziger_Maulwurf wrote:
Karambolage (Marcel Bluwal, 1963) 9/10
Bei der Firma 321 steht das 25-jährige Firmenjubiläum an, und der Generalsekretär, M. Charolais, sucht händeringend gute Ideen, um die Firma gut präsentieren zu können. M. Martin ist jung, ambitioniert, und hat sehr gute Ideen. M. Martin möchte nämlich demnächst die Tochter seines Vorgesetzten heiraten, außerdem baut er ein Haus, hat ein Auto gekauft, natürlich alles auf Raten, und hat außerdem ein Verhältnis mit seiner Sekretärin, die ein Kind von ihm erwartet. Da kommt ihm die in Aussicht gestellte Gehaltserhöhung, eben aufgrund seiner Ideen, gerade recht. Der Absturz ist umso schmerzhafter als er erfährt, dass die Beförderung um 5 Jahre verschoben wird. Mordgedanken werden wach: Wenn er den Herrn Generalsekretär ins Jenseits schickt, dann rutschen alle über ihm ein klein wenig nach oben. Inklusive ihm. Und die Gehaltserhöhung wäre in trockenen Tüchern. Aber so einfach ist das mit dem mal eben so Umbringen doch nicht. Und Inspektor Baudu von der Sicherheitspolizei weiß genau, wie man Verdächtige anfasst. Ganz genau, das hat er in den Jahren vor 1945 von der Pike auf gelernt …

Man nehme das Tempo von Filmen wie dem GENDARM VON ST. TROPEZ, packe den klugen Irrsinn eines späteren Filmes von Jacques Tati dazu, sagen wir TRAFIC, hier und da vielleicht eine kleine Prise (des später entstandenen) MASH, und heraus kommt KARAMBOLAGE. Eine groteske Satire auf das Geschäftsleben wie man es auch heute noch kennt. Selbst wenn vielleicht man gar keine Karriere machen möchte („Ich will nicht Generalsekretär werden, das ist das Büro des Todes!“) ist man früher oder später unweigerlich im Hamsterrad gefangen, und wenn dann noch Dinge wie Ratenkäufe oder fordende Sekretärinnen dazu kommen ….
Und wie beim Billard die Kugeln manchmal ihr Eigenleben entwickeln und sich gegenseitig in die Löcher schubsen, so entstehen auch im Film Nebeneffekte, es geschehen unvorhergesehene Dinge, Kugeln werden in Richtungen gerollt die gar nicht hätten gerollt werden sollen, und plötzlich … ist man befördert worden. M. Martin wollte doch nur das Büro im 1. Stock haben. Nun ja, er hat dann irgendwann etwas mehr bekommen.
Das Besondere an KARAMBOLAGE sind die vielen kleinen Nebensächlichkeiten, die mit der Handlung überhaupt nichts zu tun haben, aber den Begriff „Wahnsinn“ erst so richtig zum Leben erwecken. Das Wettrennen, welches sich M. Martin und der Mann, der die Schilder „Außer Betrieb“ an die Fahrstuhltüren hängen soll, liefern – der eine im Fahrstuhl, der andere auf der Treppe. M. Martin, der seinem eigenen Portrait die Mordvorschläge präsentiert – und völlig von der Rolle ist als ihm dieses antwortet. Madame Andréa, die Sekretärin von M. Charolais, die von einem Mann gesprochen wird (etwa in der Stimmlage von Arnold Marquis), was bei mir zu heftigsten Lachtränen geführt hat. Der ganz kurze, aber wirklich nur winzig kurze Blick, den der junge Mann in schwarz am Ende M. Martin zuwirft. Die Frösche. Und natürlich die Froschjagd, die als Vorlage für DER MANN AUS VIRGINIA hätte dienen können, plus die Zugabe einer springenden Mütze.

Von den vielen starken Werken de Funès’ vor FANTOMAS ist das bisher sein stärkster. Auch, und gerade weil er nicht die Hauptrolle inne hat, kann die trockene Art Jean-Claude Brialys im Zusammenspiel mit dem Wahn de Funès’ und der Erotik Sophie Daumiers sich so richtig entfalten. Hier stimmt so ziemlich alles. Anschauen und staunen!!

Mal wieder so ein Text, der dem Film überhaupt nicht gerecht wird. :cry: Der lohnt wirklich!!

Klingt interessant!
Habe mich ja bisher bis auf 2, 3 Ausnahmen noch nicht weiter als bis an den Anfang de Funes' in seiner Paraderolle als grimassierender Choleriker (sprich richtige de Funes-Filme mit ihm als Hauptdarsteller) zurück getraut.
Das sollte ich wohl dringend ändern...


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 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 15.01.2019 00:08 
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Schmutziger_Maulwurf wrote:
Der Knochenmann (Wolfgang Murnberger, 2009) keine Wertung
Nach etwa 15 Minuten abgebrochen, weil ich schlicht und ergreifend nichts verstanden habe. Mit dem Dialekt vom Josef Hader hatte ich schon immer extreme Probleme. INDIEN hat von mir eine 1/10 bekommen - unter anderem mangels akustischem Verständnis. Und beim KNOCHENMANN wird auf wienerisch (oder was auch immer) genuschelt auf Teufel komm raus. Nee, sorry, das war nix. Nicht meine Welt ...


Image :)


Schmutziger_Maulwurf wrote:
Karambolage (Marcel Bluwal, 1963) 9/10


Interessant, den kenn' ich noch gar nicht.


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 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 18.01.2019 18:29 
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KARAMBOLAGE ist in Deutschland bislang nur in der Louis de Funès Collection erschienen, zusammen mit FISCH ODER FLEISCH und mit WENN LOUIS EINE REISE TUT.
Frage bezüglich der Kaufentscheidung? Bitte sehr: :mrgreen:

Wenn Louis eine Reise tut (André Hunebelle, 1958) 7/10
Der Pariser Taxifahrer Louis (im Original einfach nur Papa) fährt mit seiner ganzen Familie in Urlaub nach Spanien. An der Grenze wird ihm von der schönen Myriam unbemerkt ein gestohlener Diamant zugesteckt, und zwar in die Tasche seines Sakkos. Den er daraufhin in einen Koffer legt und diesen abschließt. Die Gaunerbande, zu der Myriam gehört, versucht nun verzweifelt den Sakko in ihre Finger zu bekommen, um den Diamanten endlich wieder zu haben. Aber alle Versuche schlagen fehl, so dass der Boss der Bande, Léon, die ganze Bagage irgendwann in seinen Nachtclub einlädt, um sie dort mit KO-Tropfen endlich in seine Gewalt zu bekommen und den Diamanten abzustauben. Aber KO-Tropfen und Louis de Funès, das passt nicht wirklich zusammen …

Und so gipfelt der Film in einer unglaublich rasanten und wilden Corrida durch den Nachtclub. Wobei Corrida der falsche Ausdruck ist, wird doch der Sakko zusammengeknüllt wie ein Rugbyball, und der Ansager des Clubs kommentiert dann die Verfolgungsjagd auch entsprechend wie ein Rugbyspiel. Allein diese Szene entschädigt mehr als reichlich für den langsamen Beginn und den etwas mühsamen Klamauk der ersten Hälfte. Na gut, der Film ist halt etwas älter, und dafür funktioniert er immer noch ausgesprochen gut. Kennt jemand den Disney-Kurzfilm MICKEY’S TRAILER, in dem Mickey, Donald und Goofy zusammen in einem Wohnwagen in Urlaub fahren? Dessen Qualität wird nicht ganz erreicht, aber der Spaßfaktor ist auf jeden Fall genauso hoch. Insgesamt sicher nicht der Höhepunkt französischer Filmkomik, aber auf jeden Fall verdammt lustig und mit immensem Nostalgiefaktor. Und wer immer Grenzen in Europa fordert, kann sich hier anschauen, wie ein Grenzübertritt 1958 funktioniert hat. Zum Gruseln …!!

Fisch oder Fleisch (Yves Robert, 1958) 7/10
Eigentlich ist Montpaillard der ruhigste Ort der Welt, und der Bürgermeister ist da verdammt stolz drauf. Es gibt keine Skandale in Montpaillard, keine Justizirrtümer, keinen Krach … Doch es gibt Blaireau. Blaireau ist ein Wilderer, der die gesamte(!) Stadt mit frischem Wild und Fisch versorgt, vorzugsweise außerhalb der Jagdsaison, weswegen er auch sehr beliebt ist. Sein Erzfeind ist der tumbe Dorfpolizist Parju, der, aufgestachelt vom Bürgermeister, nichts unversucht lässt, Blaireau hinter Gitter zu bringen.

Eine sehr drollige und rasend schnelle Mixtur aus Asterix und Laurel & Hardy. Slapstick-Elemente, Louis de Funès, Landleben, skurrile und vor allem liebenswerte Charaktere, eine etwas überflüssige Liebesgeschichte, und jede Menge Spaß. Absolut empfehlenswert, wenn man den etwas einfach gehaltenen gallischen Humor dieser Zeit mag.

Fazit: Ich hatte mit der gesamten Box einen unglaublich Spaß!! Alle drei Filme sind Treffer.

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 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 18.01.2019 18:44 
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Der Knochenmann (Wolfgang Murnberger, 2009) 7/10
Brenner muss von Wien raus aufs Land, einen Mann namens Horvath suchen, und das Geld für dessen Auto eintreiben. Horvath ist nicht da wo er sein sollte, und alle Welt blockt bei seinen Fragen gnadenlos ab. Aber mit der üblichen Brennerschen Hartnäckigkeit werden bei der Suche nach Horvath Dinge gefunden, die vielleicht besser nicht hätten gefunden werden sollen: Ein Rollstuhlfahrer auf einer verschneiten Waldstraße. Ein Finger in einem Abfluss. Die Wahrheit über die Liebe, über gutes Gulasch und über die Kunst des Eislaufens. Und Horvath …

Ein Film in zwei Versuchen. Im ersten Versuch habe ich nach einer Viertelstunde aufgegeben. Zu unverständlich war das Dialektgenuschel, als dass ich an dem Film irgendwelches Vergnügen hätte haben können. Erinnerungen an INDIEN wurden wach, den ich aufgrund seiner Unverständlichkeit als obergrottig eingestuft habe, beide Filme haben Josef Hader in der Hautprolle, und fertig war die (vorgefertigte) Meinung für die große Rundablage.
Welch Überraschung, als ich dann dem KNOCHENMANN eine zweite Chance eingeräumt habe! Der Film hat so manche seltsame Länge, und die Dialoge bleiben bis zum Ende geheimnisvoll, aber die gut verständliche Handlung und der dabei erzeugte Irrwitz lassen einen auf das Gebrabbel problemlos verzichten. Dafür regiert hier der komplett abgehobene Wahnsinn. Vor allem das SAW-artige Showdown, das parallel zu einer Faschingsveranstaltung stattfindet, ist Spannungskino par excellence.



Hier habe ich ein Problem, und ich bitte um Mithilfe der User. Und zwar ist meine Aufnahme vom KNOCHENMANN kurz vor Ende abgebrochen!!! :o Ja, das gibt es tatsächlich. Wie in den guten alten VHS-Zeiten.
Könnte mir jemand bitte, vielleicht am Besten per PM, den Schluss des Filmes erzählen!? :lol: Das letzte was ich sahe war Folgendes:
Der Schlusskampf zwischen Brenner und dem Vater ist durch, der Sohn hat dem Vater ein Messer in den Rücken gestochen und der Vater ist tot. Alle stehen in der Küche, und die junge Tschechin kommt hinein und sucht den Vater.
Wie geht es weiter??
 



’71 – Hinter feindlichen Linien (Yann Demange, 2014) 9/10
Belfast, 1971. Eine Straße zwischen trostlosen Häuserzeilen. Steine liegen auf der Straße, Verlassenheit und Aggression liegen in der Luft. Brennende Autowracks. Kampfzone. Ein Konvoi britischer Militärfahrzeuge biegt um die Ecke, als Begleitschutz für eine Hausdurchsuchung der Polizei. Anwohner schlagen mit Mülldeckeln auf die Straße, die Stimmung ist von Beginn an kurz vor der Explosion. “Wir sind für die Menschen da“, hat der unerfahrene Zugführer vor dem Einsatz erklärt, und befohlen die Kampfausrüstung in der Kaserne zu lassen. Die Menschen lassen von vornherein keinen Zweifel daran, was sie mit den Soldaten vorhaben, sollten diese jemals in ihre Hände fallen. Der Hass ist körperlich zu spüren (sogar für den Zuschauer auf dem Sofa), und die unerfahrenen Rekruten schrecken zurück vor dieser Wut. Die Hausdurchsuchung eskaliert, zwei junge Soldaten werden von den Kameraden getrennt und zusammengeschlagen. Eine Frau versucht zu vermitteln, da kommen zwei Jugendliche ums Eck, fast Kinder noch, und schießen den einen Soldaten ins Gesicht. Tot. Der andere Soldat kann flüchten, verfolgt von den bewaffneten Männern der IRA. Ein Labyrinth von immergleichen Gassen und Häusern, zwischen stacheldrahtbewehrten Mauern und Hinterhöfen. Kernland der IRA. Eine Menschenjagd geht vor sich.

Es ist Nacht. Das orangefarbene Licht der Karbonlampen, leere Straßen zwischen toten Häusern. Der Soldat kommt aus seinem Versteck und läuft durch die Straßen. Er will wieder zurück in die Kaserne, in die Sicherheit, aber der Todesstreifen, in dem er sich bewegt, schaut überall gleich aus. Um den Soldaten die Orientierung zu erschweren gibt es keine Straßenschilder, alle Häuser sind verrammelt. Ein Kind hilft ihm durch eine protestantische Straßensperre zu kommen. Die beiden gehen in einen Pub. Doch dort sieht der Soldat Dinge, die er besser nicht sehen sollte. Er erkennt Angehörige seines eigenen militärischen Geheimdienstes, und er sieht eine Bombe, die kurz darauf explodiert. Er ist verletzt. Und er wird nun nicht nur gejagt von den Männern der IRA, sondern auch von den eigenen Männern. Denn dass die Briten im Auftrag der RUC Bomben legen, das darf keiner erfahren.

Ein Pärchen hilft dem Schwerverwundeten. Sie bringen in in ihre Wohnung und verarzten ihn. Der Mann ruft einen Bekannten an, einen Unterführer der IRA. Der selber auf der Abschussliste steht, weil er mit den Briten kollaboriert. Und der von anderen Männern der IRA beschattet wird, die so auf die Spur des Soldaten kommen. Im Wohnblock des Pärchens eskaliert die Situation …

Der Film spielt weitgehend in einer einzigen Nacht. Er ist düster. Bedrohlich. Und unglaublich dicht. Die Finsternis in den Menschen und in der Stadt ist fast mit den Händen zu fassen. Wenn der Soldat flüchtet ist die Kamera oft ganz nah beim ihm und zeigt, was er von seiner Umwelt wahrnimmt: Verschwommene Schemen, die sich nicht unterscheiden lassen in gut oder böse, in Ausgang oder Mauer, in Helfer oder Mörder. Der Soldat bewegt sich in einem Labyrinth. Einem Labyrinth der Angst. Der Gewalttätigkeit. Der Auswegslosigkeit. Ähnlich wie in Carol Reeds AUSGESTOSSEN, wo James Mason verletzt durch einen winterlichen Irrgarten namens Dublin flüchtet, ohne jemals wirklich einen Ausweg zu haben.

Meine Frau hat hinterher gesagt, dass ’71 nicht gut ist für die Seele. Das ist er wahrlich nicht. Er ist böse und traurig. Aggressiv und finster. Wahnsinning spannend und äußerst niederschmetternd. Und noch was ist er: Verdammt gut!

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 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 18.01.2019 19:48 
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Schmutziger_Maulwurf wrote:
Der Knochenmann (Wolfgang Murnberger, 2009) 7/10
Brenner muss von Wien raus aufs Land, einen Mann namens Horvath suchen, und das Geld für dessen Auto eintreiben. Horvath ist nicht da wo er sein sollte, und alle Welt blockt bei seinen Fragen gnadenlos ab. Aber mit der üblichen Brennerschen Hartnäckigkeit werden bei der Suche nach Horvath Dinge gefunden, die vielleicht besser nicht hätten gefunden werden sollen: Ein Rollstuhlfahrer auf einer verschneiten Waldstraße. Ein Finger in einem Abfluss. Die Wahrheit über die Liebe, über gutes Gulasch und über die Kunst des Eislaufens. Und Horvath …

Ein Film in zwei Versuchen. Im ersten Versuch habe ich nach einer Viertelstunde aufgegeben. Zu unverständlich war das Dialektgenuschel, als dass ich an dem Film irgendwelches Vergnügen hätte haben können. Erinnerungen an INDIEN wurden wach, den ich aufgrund seiner Unverständlichkeit als obergrottig eingestuft habe, beide Filme haben Josef Hader in der Hautprolle, und fertig war die (vorgefertigte) Meinung für die große Rundablage.
Welch Überraschung, als ich dann dem KNOCHENMANN eine zweite Chance eingeräumt habe! Der Film hat so manche seltsame Länge, und die Dialoge bleiben bis zum Ende geheimnisvoll, aber die gut verständliche Handlung und der dabei erzeugte Irrwitz lassen einen auf das Gebrabbel problemlos verzichten. Dafür regiert hier der komplett abgehobene Wahnsinn. Vor allem das SAW-artige Showdown, das parallel zu einer Faschingsveranstaltung stattfindet, ist Spannungskino par excellence.

Na schau an, es geht ja!


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 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 19.01.2019 11:28 
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Medea (Pier Paolo Pasolini, 1969) 4/10
Jason, Sohn von König Jason (Massimo Girotti), ist auf der Suche nach dem Goldenen Vlies, mit dessen Kraft er seinen Onkel Pelias vom unrechtmäßig erworbenen Thron stoßen will. In Kolchis trifft er auf Medea (Maria Callas), die sich sofort in ihn verliebt und ihm hilft, das Vlies zu bekommen.
Zurück in Jasons Heimat heiraten die beiden. Medea schenkt ihrem Mann zwei Kinder, doch das Glück währt nicht lange. Aus Ehrgeiz verlässt Jason seine Familie, um Glauke, die junge Tochter des Königs von Korinth, zu heiraten. Medea ist blind vor Eifersucht und nimmt grausame Rache. Sie tötet die gemeinsamen Kinder und kehrt in ihre Welt zurück. (Quelle: :Ikonen:)

Wundervolle Bilder einer archaischen Welt, bezaubernde Aufnahmen der Zivilisation in Korinth, Maria Callas war eine unglaublich schöne Frau (und nebenbei eine sehr ausdrucksstarke Schauspielerin), und ich mag die Art wie Pasolini Stimmungen erzeugt und wie er die Schauspieler führt. Das ändert aber alles nichts daran, dass der Film auf die Dauer nicht fesselt. Er fesselt nicht - Was für ein Ausdruck in diesem Zusammenhang! Hey, MEDEA ist Kunst, ist anspruchsvolles Kino, ist griechische Sage, ist europäisches Kulturgut. Alles schön und gut, aber deswegen macht sich trotzdem in der Mitte des Films, etwa ab der Ankunft in Korinth, sowas wie Langeweile breit. Die wunderbaren Bilder und die zauberische Stimmung lassen einen das durchhalten. Narrativ ist das ganze eher ... nicht so aufregend.

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 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 21.01.2019 18:28 
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Garten des Bösen (Henry Hathaway, 1954) 5/10
Für 2000 Dollar hilft eine Gruppe zufällig zusammengewürfelter Abenteurer einer Frau, ihren Mann aus einer verschütteten Goldmine herauszuholen. Irgendwo im mexikanischen Hinterland. Im Apachenland. Jeder der vier Männer hat eigene Vorstellungen von der Reise und ein eigenes Ziel, und (fast) jeder hat auch ein Auge auf die Frau geworfen. Also wird tagelang ereignislos durch die Wildnis geritten und diskutiert, bis man irgendwann an der Goldmine ankommt. Dort hatten die Indianer schon gewartet, sind aber inzwischen vor lauter Verzweiflung wieder nach Haus gegangen, Italo-Western anschauen …

Das ist also ein Klassiker. Aha. Eine Gruppe Männer und eine Frau auf Vergnügungsreise durch den Backwood, irgendwo in Mexiko. Man streitet, man diskutiert, einmal gibt es eine sehr kurze Schlägerei, und am Bildrand lauern unheilstiftend die Apachen mit Rauchzeichen und Pfeil und Bogen. Im Wesentlichen ist das alles. Es wird viel Philosophisches gesprochen über den Sinn und Unsinn von Mann und Frau, und irgendwann müssen alle wieder ganz dolle zusammenhalten wegen der blutrünstigen Wilden.
Mein Eindruck war, dass die Geschichte oft nur recht mühsam vom Fleck kam, und dass der Fluss der Erzählung regelmäßig wie mit der Handkurbel unter Anstrengungen weitergeschoben werden musste. Weder hat sich mir die Notwendigkeit erschlossen überhaupt auf die Reise zu gehen, noch was die Männer alle an Susan Hayward finden (die zwar nett burschikos ist, aber auch kein kleines Stückchen mehr – Von Erotik nicht mal ansatzweise eine Spur) oder warum die Charaktere so stereotyp sind wie sie halt nunmal sind. Dass Cameron Mitchell bei seiner peinlichen Kleinjungen-Garderobe und mit der Stimme von Harald Juhnke irgendwann zur Wildsau mutiert ist nachvollziehbar, Richard Widmark ist der Zwielichtige vom Dienst, der das Herz am richtigen Fleck hat, und Gary Cooper wirkt wie ein altgewordener Gary Cooper, der seniorenhaft durch den Sand stakst und sich seine Rente herbeiredet. Einzig die tollen Landschaftsbilder, die gute Musik, und der ein oder andere spannende Moment (am Felsenpfad, die Flucht vor den Indianern in Richtung Felsen, wo das Cinemasope so richtig zur Geltung kommt) reichen um den Film in anschaubare Gefilde zu hieven. Aber ehrlich: Noch mal brauch ich den nicht.

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PostPosted: 21.01.2019 19:20 
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Puh, das ist aber echt eine niedrige Bewertung.
Vielleicht gefällt dir ja die italienische Variante des Stoffs RINGO SUCH DIR EINEN PLATZ ZUM STERBEN besser ;)


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PostPosted: 23.01.2019 11:36 
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Na ja, mich hat halt die Handlung ziemlich kalt gelassen. Die war so uninspiriert errzählt. Dazu die stereotypen Charaktere, und das Ergebnis war dann eher unter der Rubrik "nett" einzuordnen. Ich mache mal weiter mit den Filmen vom letzten 3SAT-Westerntag. Irgendwann muss doch da mal was Überwältigendes kommen ...

Das mit dem RINGO finde ich jetzt ausgesprochen interessant, dass der das italienische Remake ist. Die Starworld-VHS liegt da, und die letzte Sichtung ist geschätzt 20 Jahre her. Die Besetzung liest sich auch klasse ... Ich befürchte, da müssen Volker Schlöndorff und Christian Anders (beide gestern eingetrudelt) noch ein wenig warten :mrgreen:

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Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 25.01.2019 15:01 
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Aber vor den Filmen auf die ich eigentlich Lust hatte (Schlöndorff, Ringo, ...) gab es noch einen modernen Klassiker, für den ich aber leider in der falschen Stimmung war ...

Sympathy for Mr. Vengeance (Park Chan-wook) 6/10
Bei der Erstsichtung gab es noch 8 von 10 Wandernieren, aber dieses Mal war der Film einfach eine Fehlentscheidung. In meiner Erinnerung war das ein brutales und wortkarges Gemetzel mit einigen heftigen Schockefffekten, aber die erste Stunde mit den Arthouse-mäßigen Bildern hat mich dieser Tage einfach unberührt gelassen und zu einem Abbruch wegen Tiefschlaf geführt. Was ich aber wie gesagt auf meine Stimmung schiebe, nicht auf den Film. Die zweite Stunde war dann schon besser (im Sinne von ansprechender), aber nichtsdestotrotz alles irgendwie etwas durchwachsen.
Also kam die BD ins Regal, und in ein paar Jahren versuche ich es nochmal ...

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 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 28.01.2019 19:13 
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Ringo – Such Dir einen Platz zum Sterben (Giuliano Carnimeo, 1968) 7/10
Lisa Martin kommt in Lederhose und enger gelber Bluse in ein mieses Kaff voller Gestrandeter. Sie sucht Männer, die ihr helfen ihren Gatten zu retten, der unter einem Haufen Steine eingeklemmt ist, irgendwo draußen in der Sierra. Und auch wenn sie es nicht erwähnt, alle wissen es sofort: Es geht um Gold. Viel Gold, denn da draußen ist eine Goldmine. Aber da draußen ist auch das Land von Chato dem Banditen, und der macht generell keine Gefangenen. Und falls doch, hat sich noch jeder gewünscht einen schnellen Tod zu sterben. Trotzdem: Gold!! Der dem Selbstmitleid anheimgefallene Ex-Soldat Ringo und ein paar andere geldgeile Halsabschneider reiten los, dem Manne zu helfen. Und das Gold einzusacken. Und dabei schneller zu sein als Chato. Ich darf verraten: Nicht alles geht nach Plan …

Nach dem Tipp Grinders, dass es ein italienisches Remake zu GARTEN DES BÖSEN gibt, konnte ich natürlich nicht widerstehen. Ergebnis: Sehr angetan :D Vor allem im Vergleich: Das geht schon mal damit los, dass das US-Teil sehr gemütlich beginnt mit den Hauptdarstellern die aus einem Schiff aussteigen und sich gepflegt einen Mescal hinter die Binde kippen, während bei Carnimeo bereits von Beginn an geballert und gestorben wird. Daniela Giordano kann mit dem Original Rita Moreno ohne weiteres mithalten (im erotischen Sinn), allerdings hat die Moreno das mit Abstand bessere Lied bekommen. Zu was die Giordano Luftgitarre spielt ist eher grenzwertig. Aber dafür passiert bei Hathaways Edeldingens dann die nächste halbe Stunde erstmal gar nichts mehr, im Gegensatz zum Italo-Vehikel: Da gibt es Reibereien ohne Ende, Pascal Petit steht in Lederhose und enger gelber Bluse da und macht einen auf puren Sex (neben der Giordano, die auch mal Kleingeld im Säckli direkt am Strumpfband verstaut und dafür Beine von hier bis El Paso zeigt, während Susan Hayward bei Hathaway eine saubere Bluse präsentiert und ansonsten nur burschikos und unnahbar rüberkommt), und Jeffrey Hunter und Giovanni Pallavicino messen sich beim lustigen Hüterunterschießen ("Ich weiß überhaupt nicht ob Du schießen kannst, Du Heinrich").
Was spätestens beim Showdown alles passiert mag ich hier nicht spoilern, aber eines kann ich sagen: Es ist an keiner Stelle langweilig! Ständig wird geballert was das Zeug hält, die Helden liegen mit den Stiefeln in den Petunien und sehen malerisch aus, die Bösen dezimieren sich gegenseitig ("Es sind nicht mehr als 4 Mann – Geh und mach sie fertig!"), und insgesamt ist mächtig Stimmung. Die hervorragende deutsche Synchro schafft es problemlos, die etwas weniger aussagefähigeren Stellen zu veredeln ("Dich bürste ich auf Du Untermensch, da staubt’s in der guten Stube"), während der Großteil des Films recht ernsthaft ist. Die Mischung ist geradezu perfekt. Ein großer Spaß für alle Pistoleros :mrgreen:

Die Brut des Bösen (Christian Anders, 1979) 6/10
Zu dem muss ich hier im Forum nichts sagen, oder? Nur soviel: Ich bin mit einem Lächeln vom Sofa aufgestanden. Dass die Handlung hanebüchen ist? Dass die Dialoge vor allem in der ersten halben Stunde hart an der physischen Schmerzgrenze liegen? Dass die Musik diese Schmerzgrenze stellenweise locker durchbricht (ich sage nur: Ria Kemp!!)? Alles Wurscht!!! Der Film rockt, Christian Anders macht Spaß, Deep Roy noch viel mehr, und die ganze Stimmung ist ... Zum Lächeln :) Eigentlich wollte ich den als einzigen EDV-Titel auslassen. Ich bin froh dass ich es nicht gemacht habe!

Minority Report (Steven Spielberg, 2002) 7/10
Im Jahr Zweitausendundschnee hat die Polizei von Washington eine Möglichkeit, Verbrechen vorherzusagen. Die dafür geschaffene Abteilung Precrime verhaftet also Menschen bevor sie das Verbrechen begehen. Der Grund dafür sind drei Kinder von drogenabhängigen Müttern, die auf Grund ihrer pränatalen Prägung Visionen haben, und diese in Bilder umwandeln können. Das klappt soweit alles recht gut, bis eines Tages in einer Vision der Leiter der Abteilung, Chief Anderton (Tom Cruise), sich selbst als Mörder sieht. Und erfährt, dass die drei Mutantenkinder sich gar nicht immer einig sind in ihren Visionen, die entsprechend auch mal anders ausfallen können als von der Abteilungsleitung gewünscht.

Ich weiß, ich weiß. Tom Cruise bla bla bla Scientology bla bla bla Philip K. Dick-Vergwaltigung bla bla bla seelenloses SF-Gedönse bla bla bla ... Ehrlich? Der Film ist ein guter und düsterer SF-Actioner mit ein paar interessanten Denkanstößen, tollen Bildern, grauenerregender Musik, und einigen sehr drolligen Aufheiterungsszenen zur Brechung der dunklen Grundstimmung. Allein die Szene, wenn der blinde Tom Cruise an den frischen Lebensmitteln im Kühlschrank vorbeigreift und stattdessen zielsicher das verschimmelte Uraltzeugs in sich hineinschüttet ist köstlich, unterbricht dabei aber nicht die verkommene Atmosphäre des Films. Die Kotzstäbe der Polizei oder die kleinen Scan-Spinnen erinnern mich sehr an Harry Potter, anderes ist direkt vom BLADE RUNNER abgekupfert, aber irgendwie passt in dieser monochromen High Tech-Welt alles ziemlich gut zusammen. Mir gefällts :D

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PostPosted: 31.01.2019 20:44 
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Stone Cold – Kalt wie Stein (Craig R. Baxley, 1991) 7/10
Undercover-Cop Joe Huff soll als John Stone die Rockergang Die Bruderschaft infiltrieren, die mit großkalibrigen Schusswaffen und großauspuffigen Bikes den Staat Mississippi terrorisiert. Sowieso schon ein übler Job, aber Stone bekommt schnell heraus, dass der Anführer der Gang, Chains Cooper, mit der Mafia anbandeln will. Dass der amtierende Staatsanwalt auf seiner Abschussliste ganz weit oben steht. Und dass Chains niemandem, aber wirklich absolut niemandem traut. Schon gar nicht einem dahergelaufenen Blondling der auch ein Bulle sein könnte ...

80er-Action vom Feinsten. Blutige Ballerorgien, harte Männer, die zu jaulenden E-Gitarren die Bikers dröhnen lassen, wunderschöne Frauen in Leder, die zu schlimmstem 80er-Heavy Metal ihre langen Haxen durch die Gegend wirbeln, Null Prozent sinnvolle Handlung, 100 Prozent Spaß. STONE COLD ist ein No-Brainer wie er im Buche steht, und als solcher ist er so unterhaltsam wie ein Italo Cinema-Festival mit ausreichend Schlaf. Also SEHR. Die Galerie schöner Frauen hat mich genauso beeindruckt wie einige verdammt harte Fratzen im Rockerumfeld, und Brian Bosworth ist einer der hässlichsten Schauspieler ever. Der Mann läuft ja sogar dem alten Mickey Rourke den Rang ab ...

Der Film ist eine Wucht, Lance Henriksen eine Granate, und die weibliche Hauptrolle mit dem drolligen (echten) Namen Arabella Holzbog verdient es, dauerhaft verewigt zu werden:

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 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 03.02.2019 13:13 
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Tage der Finsternis – Day of Wrath (Adrian Rudomin, 2006) 6/10
Spanien im Jahr 1547. Spanier jüdischer Abstammung werden gnadenlos verfolgt und von der Inquisition dem Scheiterhaufen übergeben. Die Zeiten sind finster und nicht einfach, da stolpert der Polizeipräfekt Ruy de Mendoza (Christopher Lambert) über die hingeschlachtete Leichen des Herzogs de Santa Fé und dessen Leibwächter. Doch am nächsten Tag, beim Lokaltermin mit Polizei und Witwe, schaut der Platz aus als ob dort niemals etwas vorgefallen wäre, und die Wittwe verneint dass sie überhautp eine sei – Ihr Mann ist auf Geschäftsreise und bald wieder daheim. Nach dem zweiten bestialischen Mord, und der zweiten lächelnden “Witwe“ ahnt de Mondoza, dass hier mehr passiert als nur das Späßeken eines blutdürstigen Serienmörders. Und als die Inqusition sich langsam auf ihn und seine Familie einschießt, und es zu einem Duell mit dem Mörder und dessen Handlangern kommt, da lernt de Mendoza die grundlegende Bedeutung des Wortes “Verschwörung“ kennen.

Nach den ersten 45 Minuten war ich geneigt, den Streifen als Billigheimer aus Ungarn abzutun, der Kulissen mit schlechten CGIs ersetzt und Handlung mit schnellen Schnitten verwechselt. Aber überraschenderweise hat der Film noch die Kurve gekriegt und wartete mit einem Twist auf, der mich tatsächlich eiskalt erwischt hat. Gerade im letzten Drittel, wenn die Familie reinen Tisch macht, steigt der Blutgehalt enorm an, und die Spannung hält sich auch auf vernünftigem Niveau. Dazu Blanca Marsillach (DEVIL’S HONEY) die zwar älter aber immer noch zeigefreudig ist, und mit Lukács Bicskey einen Assassinen, der wirklich Angst und Schrecken verbreiten kann. Diese Augen! Diese Ausstrahlung!! Ach ja, und für Szonja Oroszlán gilt das genauso …
Insgesamt sicher nicht der Film aller Filme, aber ordentliche und spannende Unterhaltung. Ein paar negative Punkte gibt es aber leider auch zu bemerken: Die schnellen Dauerschnitte à la Bourne, die hätte es nicht gebraucht. Wie oft habe ich mir gedacht, dass eine längere Sequenz mit Kamerafahrt wesentlich effektiver und spannender geworden wäre. Und die finale Aussage des Films, über die möchte ich im Ungarn des Viktor Orbán nicht nachdenken. Zur Drehzeit 2006 war Orbán zwar nicht Ministerpräsident, aber das hat ja nicht viel zu sagen. Hier könnte man sehr unschöne Dinge interpretieren. Tu ich jetzt aber der Einfachheit halber mal nicht, stattdessen freue ich mich über einen ungewöhnlichen Krimi mit irritierenden politischen Bezügen.

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Szonja Oroszlán und Lukács Bicskey, damit man sich mal eine Vorstellung machen kann ...

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Durch Liebe weg vom Stoff (Jean-Marie Pallardy, 1979) 7/10
Jasmin ist drogenabhängig, und deswegen arbeitet sie als Kurier für ihren sie ach so liebenden Mann François. Aber als sie ihn im Bett mit der Schlampe Ondine erwischt ist Schluss mit lustig: Sie schmeisst das Heroin ins Mittelmeer und verwzeifelt am Leben. Allerdings macht sie das dergestalt, dass sie den Fischer Jean-Louis am Bepacken seines Bootes hindert. Und in dem ganzen Stress mit Rückwärtsfahren des Autos und dem Ärger mit Jean-Louis braucht sie jetzt unbedingt einen Schuss! Jean-Louis ist entsetzt, wirft das Spritzbesteck ins Meer, schlägt Jasmin KO und bringt sie zu sich nach Hause, einen Entzug machen. Nach anfänglichen Problemchen verlieben sich die beiden ineinander (wer hätte es gedacht) und haben gigantisch guten Sex am Meer. Die beiden Kinder Jean-Louis’ drängen auf Heirat (“Wir haben euch am Strand gesehen. Jasmin macht bestimmt jeden Morgen Dein Bett und kocht Dir Eier. Ihr solltet heiraten.“), und alles wäre schön, wenn da nicht noch die Organisation wäre, für die Jasmin Heroin im Wert von einer Million Dollar zu den Fischen geschickt hat. Deren Boss findet das nämlich gar nicht witzig und schickt George und Mike, seine besten Killer, hinter Jasmin her.

Ich musste die ganze Zeit an Ursula Andress in ICH POLIER’ DIR DEINE GLATZE denken: Karin Schubert zeigt hier einen gereiften und unglaublich schönen Körper in sehr erotischen Sexszenen am Meer, und das in einem Alter, in dem andere ihre Karriere längst aufgegeben haben. Wobei ja ihre Pornolaufbahn sowieso erst mit 40(!) Jahren begann. Und überhaupt: Wenn ich mir selber solche Sexszenen ins Drehbuch schreiben könnte, dann wäre ich auch gerne Regisseur geworden. Kann sich noch jemand an das Video zu David Bowies China Girl erinnern? Genau …

Prinzipiell ist das der Filmstoff, aus dem die Träume sind: Griechische Location, schöne Frauen (in der HC-Version hat Brigitte Lahaie einiges mehr an Screentime), Männer mit Schnäuzer und Pilotenbrille, sinnlose Schnittfolgen, tolle Sexszenen zu psychedelischer Musik (zumindest in der besseren HC-Fassung), und Beethovens Fünfte in der Disco-Version, die meist sehr druckvoll rüberkommt, was dem ganzen Flick einen unglaublichen Drive gibt.
Einfach ein toller Film mit tollen Menschen die tolle Dinge tun. Wie zum Beispiel eine gründliche Fußnagelpflege beim ersten Kennenlernen einer schönen Frau. Oder in einer Bar vollkommen unsinnig Ballett tanzen. Oder philosophierend durch die Landschaft fahren (“Ich weiß nicht ob diese Straße irgendwohin führt …“). Oder eine Entziehungskur die darin besteht, dass alle 15 Minuten ein Mittelchen eingenommen werden muss, auch nachts. Oder ein Quickie in einer Strandhütte in Stiefeln und Armeebluse, … Und dann immer wieder die sandige Karin, die vor Lust schier platzt. Toller Film! Vor allem in der HC-Fassung, die besser ist und einige lose Enden der SC-Fassung verbindet. Und zusätzlich noch Brigitte Lahaie bietet …

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Winterkartoffelknödel (Ed Herzog, 2014) 7/10
Eine schreckliche Serie von Unfällen trifft Hinterarsching, Verzeihung: Niederkaltenhofen, und alle betreffen die Familie Neuhofer. Erst wird der Vater vom Schlag getroffen, dann macht ein Baucontainer Mus aus dem Ältesten, und die Mutter erhängt sich. Und der Jüngste? Der kauft sich einen Ford Mustang. Beim Eberhofer Franz regt sich der kriminalistische Instinkt, und als auch noch just zu diesem Zeitpunkt die geheimnisvolle Mercedes im Ort eintrifft, da regt sich bei ihm auch noch was ganz was anderes. Was seine Susi gar nicht auf-regend findet ...

Freilich ist die Handlung unrealistisch. Aber wer braucht beim Eberhofer Franz denn eine sinnvolle Handlung? Nein, hier zählen andere Qualitäten. Dass der Eisi sich beim bekifften Holzhacken die Zehen abhackt, und ein Zeh auf der Fahrt ins Krankenhaus an den Schwammerln anfriert. Dass der Flötzinger Ignaz im schwarzen BH auf dem Tisch vom Wirtshaus tanzt. Dass der Fahrer vom Snowfrost ... Nein, das spoilere ich jetzt nicht. Aber dass die edle Mercedes, der Ferrari unter den Frauen, dass die also, wenn sie keinen Chardonnay und keinen Prosecco bekommt, dass die einen Blutwurz nach dem anderen kippt, das spoilere ich jetzt mal ganz unverfroren. Genauso wie das herzallerliebste Romantikwochenende auf Teneriffa vom Franz und ...
Nee, das erzähle ich jetzt nicht. Selber schauen und ablachen ist angesagt! Ich für meinen Teil finde die Serie genial!! :mrgreen:

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Top Serie - mit einem tollen Ensemble!

Die Aigner findets auch gut. :D

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 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
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Schmutziger_Maulwurf wrote:
Winterkartoffelknödel (Ed Herzog, 2014) 7/10
Eine schreckliche Serie von Unfällen trifft Hinterarsching, Verzeihung: Niederkaltenhofen, und alle betreffen die Familie Neuhofer. Erst wird der Vater vom Schlag getroffen, dann macht ein Baucontainer Mus aus dem Ältesten, und die Mutter erhängt sich. Und der Jüngste? Der kauft sich einen Ford Mustang. Beim Eberhofer Franz regt sich der kriminalistische Instinkt, und als auch noch just zu diesem Zeitpunkt die geheimnisvolle Mercedes im Ort eintrifft, da regt sich bei ihm auch noch was ganz was anderes. Was seine Susi gar nicht auf-regend findet ...

Freilich ist die Handlung unrealistisch. Aber wer braucht beim Eberhofer Franz denn eine sinnvolle Handlung? Nein, hier zählen andere Qualitäten. Dass der Eisi sich beim bekifften Holzhacken die Zehen abhackt, und ein Zeh auf der Fahrt ins Krankenhaus an den Schwammerln anfriert. Dass der Flötzinger Ignaz im schwarzen BH auf dem Tisch vom Wirtshaus tanzt. Dass der Fahrer vom Snowfrost ... Nein, das spoilere ich jetzt nicht. Aber dass die edle Mercedes, der Ferrari unter den Frauen, dass die also, wenn sie keinen Chardonnay und keinen Prosecco bekommt, dass die einen Blutwurz nach dem anderen kippt, das spoilere ich jetzt mal ganz unverfroren. Genauso wie das herzallerliebste Romantikwochenende auf Teneriffa vom Franz und ...
Nee, das erzähle ich jetzt nicht. Selber schauen und ablachen ist angesagt! Ich für meinen Teil finde die Serie genial!! :mrgreen:

Das ist ja das, wo am Schluss der Flötzinger dem Eberhofer (auf der Geburtstagsparty?) die Rechnung präsentiert und zu hören bekommt: "Flötzinger..., i daschiaß di, du Drecksau!" ( :lol: ), oder?


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 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 11.02.2019 12:55 
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Sbirro Di Ferro wrote:
Das ist ja das, wo am Schluss der Flötzinger dem Eberhofer (auf der Geburtstagsparty?) die Rechnung präsentiert und zu hören bekommt: "Flötzinger..., i daschiaß di, du Drecksau!" ( :lol: ), oder?

Jo, ebendieser ist das. Köstlich!

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 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
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Zweite Chance (Susanne Bier, 2014) 8/10
Zwei Polizisten: Andreas hat eine hübsche Frau, ein etwas anstrengendes aber geliebtes Kleinkind, ein wunderschönes Zuhause, schaut gut aus, ist klug, smart, einfühlsam, engagiert. Simon säuft. Als die beiden in die Wohnung eines Junkie-Paars eindringen, Tristan und Sanne, finden sie in einer Bananenkiste in einem Schrank einen mehrere Monate alten Säugling in seiner eigenen Scheiße liegend. Aber sie können das Kind nicht an die Jugendbehörde übergeben, weil keine Spuren von Mißhandlung zu finden sind, und weil in der Wohnung keine Drogen gefunden wurden. Kurz darauf stirbt das Kind von Andreas – Plötzlicher Kindstod. Die Mutter dreht total durch und möchte sich umbringen, woraufhin Andreas sie unter Beruhigungsmittel setzt. Als sie schläft nimmt er sein totes Kind, fährt in die Wohnung der Junkies, die tief im Drogenschlaf liegen – und vertauscht die etwa gleichaltrigen Kinder. Am nächsten Tag bekommt Sanne einen Nervenzusammenbruch, währernd Tristan weitgehend die Nerven behält: Er packt das Kind in eine Tasche, verbuddelt diese im Wald, nimmt sich einen Kinderwagen, und tut so, als ob sein eigenes Kind gerade entführt wurde. Die Polizei kommt in Gestalt von Andreas, und der weiß natürlich ganz genau, dass Tristans Sohn tot war. Und Simon? Simon sieht, wie Andreas immer mehr am Rad dreht, und immer mehr die Kontrolle über sein Leben verliert. Gleichzeitig bekommt Simon die Kontrolle über sein Leben zurück. Und als alter Fuchs merkt er, dass an der Geschichte mit dem toten Kind irgendwas ganz und gar nicht stimmt.

Was für ein Film. Ein Drama, kein Krimi, erzählt in sehr ruhigen und sehr schönen Bildern, fast ohne Musik, mit unglaublichen und herausragenden Schauspielern, und völlig ohne offensichtliche Schockmomente. Die nämlich kommen ganz von selbst: Das vollgeschissene Kind in der Bananenkiste, jede einzelne Szene von Nikolaj Lie Kaas als asozialem Junkie, und bei der Szene in der Gerichtsmedizin hat es mich dann dermaßen gerissen …

Was für ein Film! Das so oft benutze Attribut “nervenzerreissend“ trifft hier tatsächlich zu, insofern man die Muße mitbringt, sich dem Fluss der ruhigen Bilder auszusetzen. Die Belohnung ist eine Geschichte, die nicht düster ist im Sinne von Filmen wie etwa MR-73, sondern eher … dunkel. Und die einen noch lange beschäftigt, und gewaltig zum Nachdenken bringt. Wie würde man sich selber verhalten? Um die geliebte Frau glücklich zu machen? Um ein Kind zu retten?
Was für ein Film. Ein langer ruhiger und dunkler Fluss durch entsetzliche Abgründe ...

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 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 12.02.2019 08:05 
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Der Film hat mich echt fertig gemacht :shock:
Das passiert mir nicht oft und das soll schon was heißen. Ähnlich ging es mir vor kurzem ebenfalls mit einem dänischen Film nämlich "Die Jagd". Aus Dänemark kommt eigentlich nur gutes.

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 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 12.02.2019 11:05 
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Mich konnte er leider nicht so überzeugen. Kam mir doch sehr konstruiert und von Frau Bier mit dem ganz groben Holzhammer auf erschütterndes Drama hin inszeniert vor. Da werden sogar einzelne Tränen noch in Ultra-Großaufnahme fotografiert damit es der letzte begreift.
Ja, die Abgründe sind tief, aber eine etwas weniger plakative Umsetzung wäre für mich wünschenswerter gewesen.

Dabei bin ich absolut für Drama, Holzhammer, Ultra-Großaufnahmen von einzelnen Tränen und plakative Umsetzungen, aber hier hat sich das einfach nicht richtig angefühlt.


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 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 13.02.2019 09:12 
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Pa_Nik wrote:
Mich konnte er leider nicht so überzeugen. Kam mir doch sehr konstruiert und von Frau Bier mit dem ganz groben Holzhammer auf erschütterndes Drama hin inszeniert vor. Da werden sogar einzelne Tränen noch in Ultra-Großaufnahme fotografiert damit es der letzte begreift.
Ja, die Abgründe sind tief, aber eine etwas weniger plakative Umsetzung wäre für mich wünschenswerter gewesen.

Dabei bin ich absolut für Drama, Holzhammer, Ultra-Großaufnahmen von einzelnen Tränen und plakative Umsetzungen, aber hier hat sich das einfach nicht richtig angefühlt.

Ich kenne das gut, wenn alle Zutaten da sind die man eigentlich liebt, aber trotzdem irgendwas nicht passt, und der Funke einfach nicht überspringen mag. Aber trotz gelegentlicher plakativer Ausflüge finde ich die Erzählung eigentlich sehr homogen und passend. Die Szene auf der Brücke zum Beispiel ist alles andere als realistisch - aber spannend! Die gesamte Ausgangssituation mit dem ausgetauschten Kind ist, wenn man mal ehrlich ist, Arthouse-Kino pur: Was wäre wenn ...? Wenn ein Nationalist und ein Schwarzer Freunde werden? Wenn ein alter Mann auf einem Trecker durchs Land fährt? Wenn ein Polizist sein eigenes totes Kind gegen das lebende Kind eines absturzorientierten Paares austauscht? Aber die Szenerie, die dargestellten Menschen, die fand ich ausgesprochen realistisch, und damit konnte auch die konstruierte Erzählung überzeugen. Und entsprechend intensiv werden.

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 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 13.02.2019 15:08 
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Schmutziger_Maulwurf wrote:
Ich kenne das gut, wenn alle Zutaten da sind die man eigentlich liebt, aber trotzdem irgendwas nicht passt, und der Funke einfach nicht überspringen mag. Aber trotz gelegentlicher plakativer Ausflüge finde ich die Erzählung eigentlich sehr homogen und passend. Die Szene auf der Brücke zum Beispiel ist alles andere als realistisch - aber spannend! Die gesamte Ausgangssituation mit dem ausgetauschten Kind ist, wenn man mal ehrlich ist, Arthouse-Kino pur: Was wäre wenn ...? Wenn ein Nationalist und ein Schwarzer Freunde werden? Wenn ein alter Mann auf einem Trecker durchs Land fährt? Wenn ein Polizist sein eigenes totes Kind gegen das lebende Kind eines absturzorientierten Paares austauscht? Aber die Szenerie, die dargestellten Menschen, die fand ich ausgesprochen realistisch, und damit konnte auch die konstruierte Erzählung überzeugen. Und entsprechend intensiv werden.

Zum markierten Satz: Mit dem "wenn man mal ehrlich ist" klingt das für mich so, als würde "Arthouse-Kino" (wie auch immer man das im jeweiligen Fall kategorisiert) für dich etwas schlechtes sein, würde prinzipiell prätentiös wirken.
Ich hoffe, ich irre mich da, denn Arthouse-Filme können ja viel sein und jeder Stil kann verschieden auf den einzelnen Zuschauer wirken, aber ich würde dem Begriff "Arthouse-Film" nicht per se einen negativen Stempel aufdrücken.


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PostPosted: 13.02.2019 15:29 
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Da hast Du selbstverständlich recht Sbirro, und ich habe mich unter dem Eindruck meiner zuletzt gesehenen Filme sicher etwas hinreissen lassen. Aber gerade in den letzten Jahren, in denen ich viel Freude am und einen erneuerten Zugang zum Genrefilm gefunden habe (Western, Polizeifilme, Thriller, ...), erscheinen mir die sogenannten Arthouse-Filme oft leblos. Statisch. Künstlich überhöht und prätentiös. Ich darf mich mal kurz selber aus meiner Besprechung zu Ginostra zitieren:

Quote:
Nichts gegen moderne Arthouse-Filme, und ohne Regisseure von Woody Allen bis Andrzej Zulawski wäre das (Film-) Leben definitiv ein riesengroßes Stückchen ärmer. Aber hier haben wir eben genau das, weswegen solche Filme so oft einen so schlechten Ruf haben: Sie sind von einer Künstlichkeit, die am wirklichen Leben vorgeht, und nach dem Genuss (ernst gemeint) eines Arthouse-Films hat man oft das Gefühl, erstmal den nächsten vorbeikommenden Selbstjustizthriller in sich aufsaugen zu müssen.


Und genauso meine ich es auch. Gestern abend war Maurizio Merli zu Gast auf meinem Fernseher - STADT IN PANIK. Und ich hatte viel Spass und konnte den Alltag vergessen und abschalten und mich unterhalten. Ich glaube, das Zauberwort in dem Zusammenhang heisst Street Credibility: Der Bezug zum wirklichen Leben. Wie ich schon mal irgendwo geschrieben hatte ist das wie der Unterschied zwischen einem Album von Bruce Springsteen und einem Album der Clash. Springsteen ist in Ordnung und rockt ordentlich und unterhält. Aber die Clash repräsentieren die Haltung der Strasse, und die ist mir einfach näher. Genauso wie Kommissar Murri.

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Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 14.02.2019 15:25 
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Den Vergleich zwischen Springsteen und Clash kann ich jetzt nicht nachvollziehen. Die behüteten Diplomaten-Söhnchen von The Clash, die künstlich auf Street Credibility gemacht haben, und Bruce, der aus ärmsten Verhältnissen stammt und die Strasse nun bestens aus dem effeff kennt, auch wenn das jetzt ein paar Jahre her ist. Springsteen hatte ein Leben VOR dem heutigen, hart erarbeiteten Status als Superstar, das nun wirklich kein Zuckerschlecken war.......


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 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 14.02.2019 21:40 
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Gute Musik kommt in den meisten Fällen aus dem Hunger. Und es ist egal, ob einer aus New Jersey kommt oder aus Brixton, das Elend ist beide Male das gleiche, und der Wunsch da rauszukommen ebenfalls. Und wenn die Liebe zur Musik da ist, dann entsteht dabei auch oft gute und ehrliche Rockmusik. Mir persönlich, als sehr anglophilem Menschen und Ex-Punk, stehen die Clash halt nunmal einfach näher als Springsteen. Der ist auf jeden Fall ein hart arbeitender Rock 'n' Roller, denn jeder, der sich über diesen riesigen Zeitraum so weit oben halten kann wie er, arbeitet sehr hart dafür. Aber mir persönlich sagt er halt einfach überhaupt nichts. Not my kind of music ... ;)

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Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Post subject: Re: Was vom Monat übrig blieb ...
PostPosted: 14.02.2019 22:21 
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swampula wrote:
Den Vergleich zwischen Springsteen und Clash kann ich jetzt nicht nachvollziehen. Die behüteten Diplomaten-Söhnchen von The Clash, die künstlich auf Street Credibility gemacht haben, und Bruce, der aus ärmsten Verhältnissen stammt und die Strasse nun bestens aus dem effeff kennt, auch wenn das jetzt ein paar Jahre her ist. Springsteen hatte ein Leben VOR dem heutigen, hart erarbeiteten Status als Superstar, das nun wirklich kein Zuckerschlecken war.......


Nu ja, dass dem Maulwurf die britischen Großstadtbarden der CLASH in puncto "Lebensrealität" näher liegen als der US-Rocker Springsteen, der sich doch vorrangig mit dem Rock 'n Roll an sich und dem Lebensgefühl der US-Amerikaner beschäftigt hat, ist nun nicht so ungewöhnlich, finde ich.

Das Elternhaus heranzuziehen, finde ich nicht gerade fair - dafür können die Jungs doch nichts. Allerdings kann ich deinen Gedankengang in geweisserweise auch nachvollziehen, da es sich damals bei Beatles vs. Stones etwas ähnlich verhielt. Die Rolling Stones galten lange als 'dirty Streetrocker', kamen aber zumeist aus gutem Hause; während die Beatles Working Class waren, im Vergleich aber als die "lieben Schweigersöhne" galten. Das ist aber Quatsch - und sollte keine Rolle bei der Rezeption spielen. ;)



Edit: Oh, ich sehe gerade erst, dass der Maulwurf schon geantwortet hat. Ich habe mich zwischenzeitlich woanders rumgetrieben und nicht aktualisiert . . . ;)


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