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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: HINTER DIESEN MAUERN - Karlheinz Bieber
PostPosted: 11.02.2019 18:40 
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HINTER DIESEN MAUERN

● HINTER DIESEN MAUERN (D|1966) [TV]
mit Fritz Wepper, Barbara Schneider, Karin Kernke, Ilse Steppat, Karl John, Robert Meyn, Hermann Lenschau und Max Eckard
eine Produktion des Zweiten Deutschen Fernsehens
ein Film von Karlheinz Bieber


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»In diesem Land begnadigt man keine überführten Mörder!«

Nach rund fünfzehn Jahren erfährt Paul Burgess (Fritz Wepper), dass sein totgeglaubter Vater doch noch am leben ist und eine Haftstrafe wegen Mordes verbüßt. Paul will nicht an die Schuld seines Vaters glauben und stellt Recherchen an, obwohl seine Mutter (Ilse Steppat) strikt dagegen ist. Unmittelbar nach der verwirrenden Nachricht begibt sich der junge Mann am den Schauplatz des Verbrechens und befragt Zeugen, die seinen Vater einst schwer belastet haben. Unterstützung bekommt Paul von Lena Anderson (Barbara Schneider), die er bei seinen Nachforschungen in der dort ansässigen Bibliothek kennenlernt, doch die beiden haben gegen große Widerstände zu kämpfen, da das Aufrollen dieses alten Falles offenbar nicht in jedermanns Interesse ist...

Zahlreiche Kriminalfilme und gleich gelagerte Serien konnten im deutschen Fernsehen insbesondere in den 60er Jahren für Aufsehen sorgen, sodass es Phasen gab, in denen das Programm von Geschichten über Raub, Verbrechen und Mord dominiert wurde. Eine Vielzahl dieser TV-Produktionen wartete nicht nur mit bekannten Drehbuchautoren und Regisseuren auf, sondern verfügten in den meisten Fällen über die gleiche A-Besetzung im Kreis der Schauspieler, die in ihrer Prominenz auch oft dem Kino zur Verfügung stand. Die Beliebtheit des Krimis ist schnell über Angebot und Nachfrage, aber auch über Qualität sowie Zielgruppen erklärt. Dieser im Jahr 1966 von Regisseur und Drehbuchautor Karlheinz Bieber inszenierte Beitrag verfügt über sehr gute Grundvoraussetzungen und bietet dem Zuschauer einen schnellen Einstieg an, sodass man sich mithilfe einfachster Mittel schnell orientiert fühlt. Erste Szenen mit Hauptdarsteller Fritz Wepper und seiner Filmmutter Ilse Steppat sorgen nicht nur aufgrund des brisanten Inhalts rund um einen vermeintlichen Halbwaisen für Tempo, denn immerhin erfährt er aus dem Nichts, dass sein Vater ein verurteilter Mörder sein soll, sondern auch Steppat selbst liefert ihre bekannteste Expertise in Sachen Darbietungsstil ab. Immer wenn sich diese Frau in die Enge getrieben fühlt, wählt sie den Angriff zur Selbstverteidigung, sogar wenn es sich um ihren eigenen Sohn handelt. Dennoch liefert sie erste wichtige Teile für dieses zunächst unübersichtliche Puzzle, sodass Paul Burgess sich gezwungen sieht, auf eigene Faust zu ermitteln. Vielleicht sieht es im ersten und auch im zweiten Moment so aus, als entstehe dieser Entschluss ausschließlich über eine Art Intuition, doch wenn es so gewesen sein soll, trügt sie ihn nicht. Es folgen zahlreiche Etappen der Recherche, die ebenso viele Personen aufs Tableau bringen, um diesen alten Fall zu klären. Aus vagen Ahnungen bildet sich schließlich schnell die Gewissheit, dass seinerzeit schlampig gearbeitet und hemmungslos vertuscht wurde.

Für den Zuschauer stellt die schnelle Gewissheit, dass es sich bei Pauls Vater um einen unschuldig Verurteilten handelt, kein Problem dar, welches die Kriminalgeschichte in irgend einer Weise aufweichen würde, denn schließlich ahnt man doch, dass am Ende der wahre Täter serviert werden dürfte. Also kann "Hinter diesen Mauern" mit einem kleinen Whodunit aufwarten, dessen Findung mit inszenatorischer Sorgfalt und darstellerischer Akribie ausgestattet sein wird. Fritz Wepper stellt sich in Windeseile als Glücksgriff für die Rolle des jungen Mannes mit plötzlichen Identitätsproblemen heraus.. Im Geschehen und beim Zusammentragen von Indizien stellt er sich gar nicht einmal so ungeschickt an und kann daher wichtige Erfolge verbuchen, die die Geschichte vorantreiben. Im Rahmen der Suche nach der Wahrheit wird nicht nur ein wenig Tiefe für das Szenario kreiert, sondern es kommt gleichzeitig zu einer Befriedigung des Gerechtigkeitsempfindens eines jeden Zuschauers. Hoch interessant ist die Tatsache, dass man an Originalschauplätzen in England gedreht hat, was der Szenerie einen authentischen Stempel verleiht. Außerdem veredeln Raimund Rosenbergers verheißngsvolle Klänge die Geschichte sehr intensiv und angemessen. Im erweiterten darstellerischen Bereich überrascht vor allem Gelegenheitsdarstellerin Barbara Schneider, deren heiteres und überaus aufrichtig wirkendes Wesen eine Wohltat im Dunstkreis gleichermaßen bieder dargestellter Frauenfiguren der 60er Jahre darstellt. Auch Karin Kernke weiß wie üblich in ihrem Rollen-Abonnement zu überzeugen und sie spielt erneut mit ihrer vielversprechendsten Waffe, nämlich ihrer unverkennbaren Stimme. Max Eckart, Karl John oder Robert Meyn arbeiten sich durch Tatkraft und minutiöse Einsätze hervor, sodass insgesamt von einer überzeugenden Zubringer-Arbeit gesprochen werden kann. "Hinter diesen Mauern" zählt zu den sehenswerten Vertretern der einschlägig bekannten Gattung der Fernseh-Krimis und überzeugt im Rahmen dosierter Spannung, förderlicher Wendungen und eines klar definierten Aufbaus.


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 Post subject: Re: HINTER DIESEN MAUERN - Karlheinz Bieber
PostPosted: 28.04.2019 21:05 
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"Hinter diesen Mauern" (Deutschland 1966)
mit: Fritz Wepper, Barbara Schneider, Max Eckard, Hermann Lenschau, Ilse Steppat, Erwin Linder, Konrad Mayerhoff, Karin Kernke, Karl-Heinz Gerdesmann, Robert Meyn, Alfons Höckmann, Peter Schütte, Gerdamaria Jürgens, Helmut Oeser, Joachim Rake, Til Erwig u.a. | Drehbuch: Jürgen Gütt nach dem Roman von Archibald Joseph Cronin | Regie: Karlheinz Bieber

Paul Burgess erfährt nach fünfzehn Jahren, dass sein totgeglaubter Vater eine lebenslange Haftstrafe wegen Frauenmordes verbüßt. Gegen den Willen seiner Mutter macht er sich zum Schauplatz der Tat auf, um Recherchen anzustellen. Er befragt den Belastungszeugen Prusty, der einen Kiosk im Erdgeschoss des Mordhauses betreibt. In der örtlichen Bibliothek lernt er die junge Lena Anderson kennen, die ihm bei seinen Nachforschungen hilft. Bei den Behördenvertretern kommt Pauls Interesse für den alten Fall nicht gut an und man legt ihm Steine in den Weg....

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Die Straßenfeger von Francis Durbridge waren bereits etablierte Formate und Herbert Reinecker scharrte schon mit den Füßen, als das ZDF mit "Hinter diesen Mauern" ein Fernsehspiel ins Rennen schickte, das ebenfalls das Zeug zum Zwei- bzw. Dreiteiler gehabt hätte. Die Geschichte eines Studenten, der zu seiner Überraschung erfährt, dass der tote Vater noch lebt und einen Messermord an einer Blumenverkäuferin begangen haben soll, nimmt den Zuschauer sofort für sie ein. Die Suche nach der Wahrheit und der Wunsch nach Gerechtigkeit - verkörpert von einem sympathischen, intelligenten Mann - wird so auch in "Der Tod läuft hinterher" (1967) erzählt werden. Die Widerstände, welche die Hauptfigur überwinden muss, reichen bis in die höchsten Gesellschaftskreise und deuten auf ein Komplott hin, das ein Bauernopfer benötigte, um bedeutende Namen aus der Affäre heraushalten zu können. Die Machtlosigkeit des Einzelnen, ein verkrustetes Rechtssystem, die Verflechtung von Politik und Justiz und die Angst vor Repressalien, die auch in einem demokratischen Staat viele Bürger zum Schweigen anhält, lassen einem Verzweifelten wenig Spielraum. So sind es wieder einmal die Ehrlich- und Aufrichtigkeit von Unbeteiligten und die Schutzmacht der Presse, welche die Wahrheitsfindung vorantreiben. Freilich handelt auch die Zeitung nicht völlig uneigennützig: das Kräftemessen mit den oft ungeliebten Politvertretern, die Schärfung des eigenen Profils, der Ruhm des Aufdeckers und die Notwendigkeit einer hohen Auflage treiben den Journalisten an und befeuern seinen Arbeitseifer. Das Berufsethos konkurriert mit der eigenen Eitelkeit und der Knüller ist oftmals wichtiger als das Schicksal des Menschen hinter den Schlagzeilen.


Fritz Wepper schultert die Hauptrolle mit überzeugender Leichtigkeit und tritt als Interessenvertreter seines ihm bisher unbekannten Vaters auf, ohne dass dieser es ihm danken würde. Karl John zeigt einen verbitterten, hasserfüllten Mann ohne Zukunftsperspektive, der alle jenseits der Gefängnismauern als Privilegierte betrachtet. Wenig Unterstützung erfährt Wepper auch von Ilse Steppat, deren schroffe Zurückhaltung er bald zurücklässt, um auf sich selbst gestellt nach der für ihn wichtigen Vergangenheit zu suchen. Barbara Schneider und Max Eckard avancieren nach und nach zu einer Ersatzfamilie, in der er positive Impulse erhält und die ihm den Rücken stärkt. Das Wiedersehen mit Max Eckard ist überaus angenehm, erinnert seine Rolle doch an den engagierten "Tim Frazer", den er zweimal überzeugend spielte. Seine süffisante Schadenfreude, die Zielstrebigkeit seiner Unternehmungen und die väterliche Kameradschaftlichkeit im Umgang mit dem jungen Mann bereichern die letzte halbe Stunde ungemein. Der Realismus der Darstellung, der zu einem großen Teil das Verdienst der englischen Schauplätze ist, verzichtet auch auf eine falsche Romantik, die sich leicht in die Szenen mit Lena oder Pauls Vater einschleichen hätte können. Erwin Linder als leicht erregbares Parlamentsmitglied und Karl-Heinz Gerdesmann als arroganter Befehlsempfänger verkörpern die Gesetzbarkeit, zu der verständlicherweise kein großes Vertrauen herrscht. Umso mehr treibt Paul die Befragung von Zeitzeugen voran, die den wirklichen Täter kennen und aus verschiedenen Gründen eine falsche Aussage gemacht haben. Karin Kernke zeigt dabei ihr Rollen-Repertoire als Frau mit Geheimnis, deren beste Zeit hinter ihr liegt, weil sie von Enttäuschungen geprägt ist. Die Andeutungen und wissenden Blicke beherrscht die Mimin noch wie in "Die Bande des Schreckens" und auch hier streut sie Zweifel und sät Misstrauen.

Fazit: Stimmiges Krimipuzzle mit einem natürlich und stringent aufspielenden Fritz Wepper, der sich nicht nur die Sympathien des Publikums sichert. Spannend bis zum Schluss, fasziniert das Fernsehspiel mit klassischen Zutaten und authentischen Schauplätzen.


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