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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: LOCKVOGEL DER NACHT - Wilm ten Haaf
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LOCKVOGEL DER NACHT

● LOCKVOGEL DER NACHT (D|1959)
mit Erika Remberg, Peter van Eyck, Peter Mosbacher, Maria Holst, Inge Egger, Eva Schreiber, Horst Naumann,
Alf Marholm, Erich Fiedler, Agnes Windeck, Gerd Frickhöffer, Erik Radolf sowie Kai Fischer und Helmut Schmid
eine Produktion der Cinelux Film | Alfa | im Verleih der Deutsche Cosmopol Film
ein Film von Wilm ten Haaf


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»Außerdem bist du kein Detektiv, sondern ein Zuhälter!«

Klaus Petzold (Peter Mosbacher) betreibt zusammen mit seinem Mitarbeiter Albert Zanecki (Alf Marholm) eine Agentur, deren Klientel ausschließlich aus scheidungswilligen Damen besteht. Falls es an Gründen bei den anvisierten Trennungen hapert, wird kurzerhand nachgeholfen. Mit ihren attraktiven Lockvögeln, Ingeborg (Erika Remberg) und Else (Kai Fischer), bringen sie die Männer der Abschussliste in kompromittierende Situationen, die zu Belastungszwecken von Petzold höchstpersönlich abfotografiert werden. Ingeborgs nächster Auftrag ist der Modehausbesitzer Amsel (Peter van Eyck), doch hier scheint die Masche nicht so reibungslos zu funktionieren wie üblich...

Film- und Fernsehregisseur Wilm ten Haaf gilt als einer der Pioniere des deutschen TV und drehte in seiner Laufbahn allerdings nur wenige Kinofilme. Sein 1959 entstandener Beitrag "Lockvogel der Nacht" wartet mit einer prominenten Besetzung und einer für die damalige Zeit handelsüblichen Skandal-Geschichte auf, die für heutige Verhältnisse sicherlich nur noch harmlos wirken will, aber gewiss nicht ohne Reiz ist. Die Story rund um die Agentur, die auf einseitig lukrative Scheidungen für sich selbst spezialisiert ist, wird mithilfe der richtigen Interpreten eingängig vorgestellt, bekommt vor allem durch Erika Remberg und Kai Fischer glaubhafte Konturen, da die Reize der Hochstaplerinnen gewinnbringend und anschaulich eingesetzt werden. Obwohl deftige Rosenkriege hier ausbleiben werden, stellt sich phasenweise doch eine gewisse Brisanz ein, vor allem wenn Inhalte der Planung aus dem Ruder laufen. Wilm ten Haaf behandelt hier ganz augenscheinlich ein Populärthema der damaligen Zeit, als männlich-weibliche Rollenverteilungen noch wesentlich klarer voneinander getrennt, vor allem aber rückständiger definiert waren. Die Rollen von Kai Fischer und insbesondere Erika Remberg wirken für heutige Begriffe wie gut konstruierte Klischees, repräsentieren für damalige Verhältnisse allerdings ein klassisches Ausbrechen aus Schablonen, da sich die Damen gegen jegliche gesellschaftliche Norm stellen und sich von ihren Auftraggebern zu dem degradieren lassen, was die Allgemeinheit über Frauen dieses Schlages zu erzählen hatte. Käufliche Animierdamen, denen noch mehr als das zugetraut wurde. Die in Anspruch nehmende Männerriege wird in diesem Zusammenhang naturgemäß ausgeklammert und von jedem Verdacht frei gesprochen, geraten sie doch in die Fänge hinterhältiger Verführerinnen, denen nur mit starren Paragraphen beizukommen ist. Der Verlauf der Geschichte ist somit sehr stark in eine gewisse Vorhersehbarkeit eingefasst worden, aber dennoch kommt es zu begrüßenswerten Intervallen.

Vor allem die Darsteller tun ihr Bestes, um für Glaubwürdigkeit, Feuer und spürbares Unbehagen zu sorgen. Erika Remberg und Peter Mosbacher werden als überzeugendes Duo integriert, die eine Masche entwickelt haben, die ihre anvisierten Opfer mit Leichtigkeit zu Fall bringen, beziehungsweise dies mit Leichtigkeit könnten. Vor allem die zu jener Zeit gut beschäftigte Österreicherin Erika Remberg zeigt eine dynamische Leistung, die trotz ihrer Anlegung Sympathie vermittelt und dabei tragische Konturen zu zeichnen versucht. Als eine Art Prototyp der halbseidenen Verführerin zeigt sie in aller Schnelle, warum sie die richtige Wahl für den attraktiven Lockvogel darstellt. Ihre weniger prominent in den Fokus gerückte Kollegin Kai Fischer tut ihr Übriges dazu. Peter van Eyck, der im Film noch vor dem Titel genannt wird, interpretiert hier lediglich die nominelle Hauptrolle, aber es ist immer wieder ein Vergnügen diesem überaus begabten Darsteller zuzusehen. Zusätzliche Darbietungen von Helmut Schmid, Alf Marholm oder Maria Holst sorgen für vertraute Eindrücke, und unterm Strich hatte Wilm ten Haaf eine sehr ansprechende Entourage zur Verfügung. Musikalisch begleitet von Peter Thomas, entstehen gut choreografierte Sequenzen, die im Rahmen des Zeitfensters keine großartigen Überholmanöver in Sachen Erotik und Provokation gestalten können, wenngleich es im Jahr 1959 stellenweise natürlich anrüchig oder sogar skandalös gewirkt haben dürfte, da schließlich eine Thematik behandelt wurde, die es zwar gegeben haben dürfte, aber über die keinesfalls gesprochen werden sollte. "Lockvogel der Nacht" bewegt sich insgesamt sehr sicher in einem gut ausbalancierten Unterhaltungsmodus, versprüht eine ausgiebige Portion biedere Erotik, und auch Krimi-Inhalte bekommen eine kleinere Bühne eingeräumt. Daher ist dieser Beitrag als weitgehend gelungen zu bezeichnen und stellt ein weiteres Beispiel dafür dar, dass das willige Werkzeug erneut ein deutlich härteres Schicksal ereilen muss, als es beim Handwerker der Fall ist.


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 Post subject: Re: LOCKVOGEL DER NACHT - Wilm ten Haaf
PostPosted: 11.02.2019 19:41 
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Den Film fand ich auch nicht schlecht; gleichwohl ich allerdings mehr einen Krimi erwartet hätte (wohl wegen der Mitwirkung von van Eyck); man bekommt ja eher eine Art Tragödie (oder Gesellschaftsstudie), die sich dann im Finale noch einigermaßen "glättet" - Erika Remberg fand ich richtig gut, doch die Figur von Peter van Eyck hatte einfach zu wenig Spielzeit; Peter Thomas' Soundtrack passt natürlich zu den Nachtclubszenen; der typische Thomas-Stil ist hier aber noch nicht entwickelt, heißt: ich war dann doch etwas überrascht, dass die (recht konventionelle) Musik von ihm ist...


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 Post subject: Re: LOCKVOGEL DER NACHT - Wilm ten Haaf
PostPosted: 12.02.2019 18:53 
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Howard Vernon wrote:
gleichwohl ich allerdings mehr einen Krimi erwartet hätte

Das ging mir ganz genauso, hat aber im Endeffekt nichts an meinem positiven Eindruck ändern können, zumal der Filmtitel in diesem Fall ja sogar ganz treffend formuliert ist. Viele Filme (und sogar Krimis) suggerierten über diese Schiene ja häufig etwas Erotik oder nicht eingehaltene reißerische Elemente. Dass Peter van Eyck nur so kurz zu sehen ist, fand ich auch richtig schade, denn ihn sehe ich stets gerne. Ein exzellenter Darsteller. Peter Mosbacher hat da schon die üppigere und tatsächlich interessantere Rolle abbekommen, wirkt dementsprechend ein wenig gegen ein Ungleichgewicht bei den Rollenverteilungen, denn insbesondere Erika Remberg schmeißt ja sozusagen den kompletten Film. Bei ihr denke ich immer wieder, dass ich sie gerne häufiger in tragenden Rollen gesehen hätte, denn sie steht den etablierten Stars der Branche in nichts nach. Peter Thomas bringt hier natürlich noch nicht eine der Hymnen, die man bereits ein paar Jahre später quasi erwarten konnte, aber seine Themen aus diesem Zeitfenster kommen dem sehr nahe, was man in "Lockvogel der Nacht" geboten bekommt. Ich habe mich jedenfalls gefreut, dass der Film aus der Versenkung geholt wurde. Es kann gerne so weiter gehen.


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 Post subject: Re: LOCKVOGEL DER NACHT - Wilm ten Haaf
PostPosted: 12.02.2019 19:13 
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Prisma wrote:
Dass Peter van Eyck nur so kurz zu sehen ist, fand ich auch richtig schade, denn ihn sehe ich stets gerne.


Zumal mit dem Auftreten der Figur van Eycks die Handlung sich auf den Erpressungsplot hätte konzentrieren können; so aber wird diese Szene, wenn van Eycks Charakter in die Falle tappt, einfach nur als weitere Episode im Film präsentiert und der Plot fokussiert sich dann gänzlich nur auf das Drama um den weiblichen "Lockvogel der Nacht"... wie gesagt, schade, dass hier nicht mehr Filmzeit für van Eyck drin war...


Prisma wrote:
Ich habe mich jedenfalls gefreut, dass der Film aus der Versenkung geholt wurde.


Ja, ich auch, wobei die DVD wirklich ein tolle Bildqualität hat...


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 Post subject: Re: LOCKVOGEL DER NACHT - Wilm ten Haaf
PostPosted: 13.02.2019 12:34 
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Howard Vernon wrote:
Zumal mit dem Auftreten der Figur van Eycks die Handlung sich auf den Erpressungsplot hätte konzentrieren können; so aber wird diese Szene, wenn van Eycks Charakter in die Falle tappt, einfach nur als weitere Episode im Film präsentiert und der Plot fokussiert sich dann gänzlich nur auf das Drama um den weiblichen "Lockvogel der Nacht"... wie gesagt, schade, dass hier nicht mehr Filmzeit für van Eyck drin war...

Wahrscheinlich genügte es der Produktion, Peter van Eyck als Zugpferd zu präsentieren. Reduziert auf seine natürliche Präsenz und den großen Namen.
Wenn ich so überlege, hätte ich ihn mir auch gut anstelle von Peter Mosbacher als weltmännisch wirkenden Zuhälter vorstellen können.
Das wäre vielleicht eine noch gewinnbringendere Option für den Verlauf gewesen.


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 Post subject: Re: LOCKVOGEL DER NACHT - Wilm ten Haaf
PostPosted: 13.02.2019 16:03 
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Prisma wrote:
Wenn ich so überlege, hätte ich ihn [van Eyck] mir auch gut anstelle von Peter Mosbacher als weltmännisch wirkenden Zuhälter vorstellen können.
Das wäre vielleicht eine noch gewinnbringendere Option für den Verlauf gewesen.


Ich denke, dass wollte möglicherweise van Eyck oder die Produktion nicht, da ihm die "Heldenrolle" ja eigentlich - zumindest in deutschsprachigen Werken - immer zugewiesen wurde; als Schauspieler müsste solch ein Wechsel von typischen Rollen eigentlich ja interessant sein; doch vielleicht bestand die "Angst", dass solch eine Bösewicht-Figur nicht zum Star van Eyck passen würde und die Zuschauer deshalb weg bleiben würden... obwohl ich jetzt auch nicht weiß, ob 1959 van Eyck schon sooo ein großer Name im deutschen Kino gewesen ist...


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 Post subject: Re: LOCKVOGEL DER NACHT - Wilm ten Haaf
PostPosted: 13.02.2019 17:49 
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Howard Vernon wrote:
obwohl ich jetzt auch nicht weiß, ob 1959 van Eyck schon sooo ein großer Name im deutschen Kino gewesen ist...

Würde ich schon sagen, immerhin war Peter van Eyck schon an die 15 Jahre im Einsatz, also zumindest gut etabliert.
Er hat ja auch etliche Einsätze in internationalen Produktionen gehabt; wurde gerne als böser Deutscher eingesetzt.


Howard Vernon wrote:
Ich denke, dass wollte möglicherweise van Eyck oder die Produktion nicht, da ihm die "Heldenrolle" ja eigentlich - zumindest in deutschsprachigen Werken - immer zugewiesen wurde

Immer kann man eigentlich auch nicht sagen, vielleicht eher hauptsächlich. Peter van Eyck hat nämlich etliche Rollen gespielt, in denen er auch die andere Seite des Gesetzes bediente oder nicht einwandfreie Charaktere darstellte. Vielleicht kam es vornehmlich erst nach 1960 dazu, aber für mich sieht es schon so aus, dass er sich nicht gerade davor gescheut hat. Unabhängig von anderen Produktionen führt da insbesondere ein Weg zurück, und zwar zu Rolf Thieles Großerfolg "Das Mädchen Rosemarie" von 1958, in dem er den rücksichtslosen Geschäftsmann Fribert spielte. Erprobt war er in dieser Sparte also allemal. Aufgrund dieser Darbietung wäre Mosbachers Rolle für ihn schon eine Fingerübung gewesen, für den Zuschauer denke ich auch.


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 Post subject: Re: LOCKVOGEL DER NACHT - Wilm ten Haaf
PostPosted: 13.02.2019 18:46 
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Prisma wrote:
Unabhängig von anderen Produktionen führt da insbesondere ein Weg zurück, und zwar zu Rolf Thieles Großerfolg "Das Mädchen Rosemarie" von 1958, in dem er den rücksichtslosen Geschäftsmann Fribert spielte. Erprobt war er in dieser Sparte also allemal. Aufgrund dieser Darbietung wäre Mosbachers Rolle für ihn schon eine Fingerübung gewesen, für den Zuschauer denke ich auch.[/align]


Dann scheint es wohl doch so zu sein, dass van Eyck ganz bewusst - und ohne Angst vor einer Rollenveränderung - die Nebenrolle gewählt hatte; da Du aber "Das Mädchen Rosemarie" erwähnst: das Reportage-artige kann man ja auch im "Lockvogel" finden, sicherlich wurde hier dann auch auf den Erfolg von "Rosemarie" geschielt... und van Eyck hat dann in beiden Filmen mitgespielt, was man ja immer gut für die Kinokasse vermarkten kann...


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 Post subject: Re: LOCKVOGEL DER NACHT - Wilm ten Haaf
PostPosted: 13.02.2019 19:18 
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Vielleicht hat er die Rolle auch einfach nur gewählt, weil er seine Miete zahlen musste.

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"Danach kam ja nur noch der subventionierte Staatsfilm."
(Herbert Fux. Er meinte die Zeit ab Mitte der 70er.)


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 Post subject: Re: LOCKVOGEL DER NACHT - Wilm ten Haaf
PostPosted: 13.02.2019 19:34 
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effetess wrote:
Vielleicht hat er die Rolle auch einfach nur gewählt, weil er seine Miete zahlen musste.


Das ist natürlich klar, dass ein Schauspieler für Geld sein Können anbietet; wir diskutieren hier nur, warum der damals bekannte Schauspieler eine Nebenrolle bekam oder gewählt hatte - welche Gründe dahinter standen (möglicherweise um Typecasting zu vermeiden etc.)... alles höchst spekulativ und auf eine Metaebene gehoben... ...aber macht doch trotzdem Spaß, wenn man sich darüber austauscht...


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 Post subject: Re: LOCKVOGEL DER NACHT - Wilm ten Haaf
PostPosted: 15.02.2019 23:49 
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Howard Vernon wrote:
...aber macht doch trotzdem Spaß, wenn man sich darüber austauscht...

Das finde ich auch. Auch wenn es wie schon gesagt nur Spekulationen sind, kann man trotzdem über die möglichen Gründe diskutieren, oder wenigstens äußern, dass es wie in diesem Fall einfach auffällig war, dass die Beteiligung letztlich so schmal ausgefallen ist. Und es gibt ja viele mögliche Gründe: Enger Terminplan, daher weniger Drehtage, dennoch vertraglich verpflichtet, Verträge über mehrere Filme mit einer Produktionsfirma, oder einfach Zugpferd fürs Publikum, etc. Ich finde solche Themen immer ganz spannend!


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 Post subject: Re: LOCKVOGEL DER NACHT - Wilm ten Haaf
PostPosted: 16.02.2019 15:10 
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Peter Van Eyck, ein Schauspieler mit einer faszinierenden Präsenz (und einem bewegten Leben!). Tragisch, dass er nur 56 Jahre alt wurde und anno 1969 durch eine Blutvergiftung abberufen wurde (und betrüblich für die Film-Welt, auf diesen Mann hätten in den 70er oder 80er Jahren noch ein paar Charakter-Rollen gewartet). Mit diesem Schauspieler und dessen Filmografie beschäftige ich mich erst seit ein paar Jahren näher und habe dadurch einige interessante Perlen des deutschen bzw. europäischen Filmes der 50er/60er Jahre entdecken können. Ich besorge mir inzwischen eigentlich jeden Film mit Peter Van Eyck auf DVD, so auch "Lockvogel der Nacht", der mich auch wieder auf eigentümliche Art und Weise eingenommen hat.

Um eine Filmszene beneide ich Peter Van Eyck fast ein bisschen: Im französischen Film "La fete espagnole" aus dem Jahre 1960 liegt er zusammen mit Daliah Lavi (eine Frau, für die ich auch als Nachgeborener immer wieder ins Schwärmen gerate) bei ihrer einzigen "Oben ohne"-Szene im Bett und darf sogar "Hand anlegen". Eine sehr erotische (Daliah!), wenn auch aus heutiger Sicht natürlich trotzdem harmlose Szene, aber anno 1960? Zu jener Zeit gab es sowohl in amerikanischen (dort sowieso!) wie auch in europäischen Spiel-Filmen noch keine nackten Tatsachen zu bewundern. Ich entsinne mich jetzt keines Mainstream-Filmes vorher mit einer solchen Szene (Filmhistoriker mögen mich da korrigieren), die europäischen Filme wurden erst DANACH freizügiger (klar, es gibt beispielsweise "Die Sünderin" mit der Knef, aber deren Nacktszene dauert nun wirklich nur einen Wimpernschlag, da gibt es keinen Zoom auf die volle Pracht). Bis ich eines besseren belehrt werde, ist diese Szene mit Peter Van Eyck und Daliah für mich eine Pionier-Leistung innerhalb des erotischen Films.

Peter Van Eyck und Daliah Lavi (die auch noch einen weiteren gemeinsamen Film-Auftritt in "Das grosse Liebesspiel", Deutschland 1963, hatten), sind für mich wunderbare Künstler, welche beide auch abseits der Kino-Leinwand ein bewegtes Leben hatten. Sowohl über das Leben von Peter wie auch von Daliahs würde ich gerne mehr wissen, am liebsten in Form einer ausführlichen Biographie, die spärlichen Informationen auf dem Netz genügen mir eigentlich nicht. Leider bleibt dies infolge mangelnden Interesses der Öffentlichkeit reines Wunschdenken. Daliah dürfte aufgrund ihrer späteren Schlager-Karriere in den 70ern und ihres Mitwirkens in "Old Shatterhand" noch bei vielen Leuten in bester Erinnerung sein, Peter Van Eyck aber ist ausserhalb des ganz engen Film-Fan-Zirkels kompett vergessen und das finde ich äusserst schade!


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 Post subject: Re: LOCKVOGEL DER NACHT - Wilm ten Haaf
PostPosted: 16.02.2019 16:31 
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swampula wrote:
Im französischen Film "La fete espagnole" aus dem Jahre 1960 liegt er zusammen mit Daliah Lavi bei ihrer einzigen "Oben ohne"-Szene im Bett und darf sogar "Hand anlegen". Eine sehr erotische (Daliah!), wenn auch aus heutiger Sicht natürlich trotzdem harmlose Szene, aber anno 1960? Zu jener Zeit gab es sowohl in amerikanischen (dort sowieso!) wie auch in europäischen Spiel-Filmen noch keine nackten Tatsachen zu bewundern. Ich entsinne mich jetzt keines Mainstream-Filmes vorher mit einer solchen Szene (Filmhistoriker mögen mich da korrigieren), die europäischen Filme wurden erst DANACH freizügiger (klar, es gibt beispielsweise "Die Sünderin" mit der Knef, aber deren Nacktszene dauert nun wirklich nur einen Wimpernschlag, da gibt es keinen Zoom auf die volle Pracht). Bis ich eines besseren belehrt werde, ist diese Szene mit Peter Van Eyck und Daliah für mich eine Pionier-Leistung innerhalb des erotischen Films.


Doch, da gabs schon vorher die eine oder andere Oben-Ohne-Szene. Ich erinnere mich z.B. an den ein Jahr zuvor entstandenen Truffaut-Film "Schießen Sie auf den Pianisten", wo Charles Aznavour mit der barbusigen Michelle Mercier im Bett lag. Aber auch hierzulande gab es z.B. im Film "Für zwei Groschen Zärtlichkeit" von 1957 eine Oben-Ohne-Szene mit Kai Fischer. Und sicher noch einiges mehr, z.B. "Madeleine Tel 13 62 11 von 1958.

"La Fête Espagnole" lief übrigens hierzulande unter dem Titel "Bevor der Mensch zum Teufel geht". Das Drehbuch schrieb kein geringerer als José Bénazéraf. Wäre bestimmt wert, wiederentdeckt zu werden. (Pidax, keep your eyes peeled!)

Deine Meinung zu Peter van Eyck teile ich im übrigen uneingeschränkt.


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 Post subject: Re: LOCKVOGEL DER NACHT - Wilm ten Haaf
PostPosted: 16.02.2019 16:49 
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Ragory wrote:
swampula wrote:
Im französischen Film "La fete espagnole" aus dem Jahre 1960 liegt er zusammen mit Daliah Lavi bei ihrer einzigen "Oben ohne"-Szene im Bett und darf sogar "Hand anlegen". Eine sehr erotische (Daliah!), wenn auch aus heutiger Sicht natürlich trotzdem harmlose Szene, aber anno 1960? Zu jener Zeit gab es sowohl in amerikanischen (dort sowieso!) wie auch in europäischen Spiel-Filmen noch keine nackten Tatsachen zu bewundern. Ich entsinne mich jetzt keines Mainstream-Filmes vorher mit einer solchen Szene (Filmhistoriker mögen mich da korrigieren), die europäischen Filme wurden erst DANACH freizügiger (klar, es gibt beispielsweise "Die Sünderin" mit der Knef, aber deren Nacktszene dauert nun wirklich nur einen Wimpernschlag, da gibt es keinen Zoom auf die volle Pracht). Bis ich eines besseren belehrt werde, ist diese Szene mit Peter Van Eyck und Daliah für mich eine Pionier-Leistung innerhalb des erotischen Films.


Doch, da gabs schon vorher die eine oder andere Oben-Ohne-Szene. Ich erinnere mich z.B. an den ein Jahr zuvor entstandenen Truffaut-Film "Schießen Sie auf den Pianisten", wo Charles Aznavour mit der barbusigen Michelle Mercier im Bett lag. Aber auch hierzulande gab es z.B. im Film "Für zwei Groschen Zärtlichkeit" von 1957 eine Oben-Ohne-Szene mit Kai Fischer. Und sicher noch einiges mehr, z.B. "Madeleine Tel 13 62 11 von 1958.

"La Fête Espagnole" lief übrigens hierzulande unter dem Titel "Bevor der Mensch zum Teufel geht". Das Drehbuch schrieb kein geringerer als José Bénazéraf. Wäre bestimmt wert, wiederentdeckt zu werden. (Pidax, keep your eyes peeled!)

Deine Meinung zu Peter van Eyck teile ich im übrigen uneingeschränkt.

Und in dem frühen Louis de Funès-Streifen DIE KNALLSCHOTE von 1954(!) ist einiges an unverblümter Nacktheit zu sehen, ohne das die Kamera sich abwendet. Da wird einfach draufgehalten - Den Film hätte ich von der Moral her glatt 15 Jahre später angesiedelt ...

Sowohl Peter van Eyck wie auch Daliah Lavi sehe ich beide unglaublich gerne (danke für den Tipp mit der spanischen Fete!), und beide sind heute tatsächlich viel zu vergessen. Als ich klein war und ein Film mit van Eyck im Fernsehen lief sagte mein Vater, dass ich mir den merken solle - Der spiele immer die zwielichtigen Charaktere und sei einer der ganz Großen. Nun ja, ich habe ihn mir gemerkt, und habe bis heute eben ein Faible für diesen herausragenden Schauspieler.

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Post subject: Re: LOCKVOGEL DER NACHT - Wilm ten Haaf
PostPosted: 16.02.2019 22:05 
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Sehr schön, diese Meldungen zu Peter van Eyck, den ich ebenso gerne sehe und als variablen Schauspieler schätze. Auf den ersten Blick sind viele seiner Einsätze ja ähnlich, was vor allem an seiner unverkennbaren Note liegt. Dennoch hat er viele unterschiedliche Rollen gespielt, auch häufiger einmal die Gegenseite des Gesetzes bedient, was ihm durchaus gut zu Gesicht gestanden hat. So blieb eine starre Festlegung seiner Person weitgehend aus, wenngleich man stets sicher sein konnte, was man von ihm geboten bekommen wird. Da hier die bezaubernde Daliah Lavi genannt wurde, ist mir gleich "Verführung am Meer" von 1963 eingefallen. Dort hatte Peter van Eyck mit Elke Sommer eine ebenso attraktive Partnerin zur Seite und es kommt genügend erotische Spannung auf.


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 Post subject: Re: LOCKVOGEL DER NACHT - Wilm ten Haaf
PostPosted: 17.02.2019 18:22 
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Besten Dank allerseits für die interessanten Anmerkungen und Berichtigungen. Dass es schon vorher in dem einen oder anderen Film kurz nackte Tatsachen zu sehen gab, habe ich mir schon gedacht. Aber dass es ein Liebespaar nebeneinander im Bett liegend und die Frau dabei mit nacktem Oberkörper zu sehen gibt (wodurch dem Zuseher klar und eindeutig vermittelt wird, welche "Aktivitäten" der Szene vorausgegangen sind), dürfte für 1960/Drehjahr bzw. 1961/Filmstart eine sehr gewagte Szene gewesen sein. Die Szene mit Aznavour/Mercier in "Schiessen Sie auf den Pianisten" wurde tatsächlich vorher gedreht (die ist mir aus der Erinnerung gerutscht), aber die lässt sich meiner Meinung nach nicht vergleichen. Sie ist ja eher leichtfüssig und humorvoll geraten und nicht von der erotischen Intensität der Lavi/Van Eyck-Szene. "Für zwei Groschen Zärtlichkeit" und "Madeleine Tel 13 62 11" kenne ich leider nicht (klingt aber in beiden Fällen nach Filmen, die ich mir gerne ansehen würde). Peter Van Eyck und Daliah küssen sich intensiv und er greift dabei nach ihrer nackten Brust, also viele Kino-Spielfilme mit einer solchen Szene dürfte es vorher nicht gegeben haben (wir sprechen hier ja von einem von der Twenty Century Fox produzierten Spielfilm, keinem obskuren Untergrund-Werk). Was in den USA anno 1961 losgewesen wäre, wenn in einem Hollywood-Film eine solche Szene enthalten gewesen wäre, kann man sich leicht vorstellen, aber auch in Europa dürfte nicht eitel Freude geherrscht haben, der katholische Filmdienst wird wohl vom Kino-Besuch abgeraten haben......! Wie der Film damals in Frankreich oder Deutschland angekommen ist, habe ich nicht eruieren können. Einer der unzähligen Filme aus vergangen Zeiten, die für immer obskur geblieben und damit der Vergessenheit anheim gefallen wären, dank Internet und modernen Bildträgern von einer kleinen Schar von interessierten Leuten heute aber in Ehren gehalten werden kann. Auf diesen Film bin ich ja nur gestossen, weil ich mich unabhängig voneinander mit der Filmografie von Daliah Lavi und Peter Van Eyck beschäftigt habe (so wie es auch mit vielen anderen SchauspielerInnen zu tun pflege), um gegebenfalls Lücken in meiner Film-Sammlung zu schliessen. Zu meiner Überraschung habe ich dann festgestellt, dass es Berührungspunkte in beider Filmographie gibt und sie tatsächlich in zwei Filmen zusammen agiert haben. Von "La fete espagnole" habe ich mir daher die französiche DVD-Ausgabe besorgt, obwohl mein Schul-Französisch schwer gelitten hat im Laufe der Jahre und ich auch bezüglich des Inhaltes keine Ahnung hatte, was für ein Film mich erwartet. Die Namen Daliah Lavi und Peter Van Eyck haben vollauf genügt, um mich für diesen Film zu interessieren. Ich habe wohl ziemlich doof aus der Wäsche geguckt, als mir besagte Szene vor die Linsen geriet, das hätte ich nicht erwartet. Nicht in einem Film, der im Jahre 1960 gedreht wurde und nicht mit einer Daliah Lavi, deren Aussagen aus Interviews ich als grosser Fan von ihr natürlich noch in Erinnerung hatte.

Interessant finde ich nämlich die Tatsache, dass Daliah Lavi in vielen Interviews immer wieder betont hat, ihre Film-Karriere anfangs der 70er beendet und ins Musik-Business gewechselt zu haben, weil von Schauspielerinnen zu jener Zeit immer mehr Nackt-Szenen verlangt wurden und sie da einfach nicht habe mitmachen wollen. Auf youtube findet sich zum Beispiel ein Gespräch aus einer Talkshow von und mit Blacky Fuchsberger aus den 80er Jahren, als sie das genauso erzählt. Ob sie da ihre Szene aus "La fete espagnole" vergessen /verdrängt hatte oder bewusst nicht daran erinnern wollte, in der richtigen Annahme, dass die Öffentlichkeit sowieso keinerlei Ahnung von der Existenz dieses eher obskuren Filmes hat (und damals, im Gegensatz zu heute, auch keine Möglichkeiten hatte, selber zu recherchieren und auf vergessene Filmschätze mit durchaus pikanten Filmszenen zu stossen), dass sie selbst in Sachen Nacktszenen eine der Pionierinnen war?

Die weiblichen Film-Schönheiten der 60er und 70er gefallen mir in aller Regel durchs Band, Edwige Fenech, Rosalba Neri, Racquel Welch, Ornella Muti, Alexandra Stewart, Catherine Deneuve, die Bardot, Karin Dor etc. etc. sind Filmgöttinnen par excellence, aber die Lavi stellt für mich in dieser Hinsicht das Nonplusultra dar. Die Geschmäcker sind verschieden, aber für mich ist die Lavi eine kaum zu übertreffende Wohltat für meine Augen. Filme wie Mario Bavas "Der Dämon und die Jungfrau" (mit Christopher Lee), das absolute Meisterwerk "Il demonio" (wann kommt der einmal in einer vernüftigen Veröffentlichung auf den deutschsprachigen Markt, ich kaufe zehn Stück, versprochen!) oder ihre Eurospy-Flicks kann ich mir immer wieder geben. Ganz nebenbei ist Daliah auch noch meine absolute Lieblingssängerin, sowohl ihre Sing- wie auch ihre Sprechstimme törnen mich voll an. Dabei bin eher weniger der Schlager-Fan, sondern in aller Regel ganz anderen Musikstilen und dementsprechender Plattensammlung zugetan. Heiss, heisser, Daliah Lavi!

Die Veröffentlichung von "La fete espagnole" wäre in der Tat etwas für Pidax. Pidax hat ja auch "Brennender Sand" bei uns auf den Markt gebracht, den allerersten Spielfilm von Daliah in einer Hauptrolle und daher für Daliah-Fans ein Muss, israelisches Werk von 1960. Und so einige schöne Filme, in denen Peter Van Eyck mitspielt, unter anderem auch der oben erwähnte Streifen "Verführung am Meer" mit Elke Sommer, von dem ich auch angetan war. Kein Meisterwerk, aber ein Film, der in Sachen Atmosphäre einnimmt, wie viele Filme jener Epoche (was ich von vielen heutigen, ansonsten durchaus gelungenen Filmen nicht behaupten kann).

Oder eben "Lockvogel der Nacht", um den es in diesem Strang ja eigentlich geht.


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