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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: WITCHTRAP - Kevin S. Tenney
PostPosted: 17.03.2019 13:35 
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Witchtrap
(The Presence)
USA 1989 - Written & Directed by Kevin S. Tenney
Starring: James W. Quinn, Kathleen Bailey, Judy Tatum, Rob Zapple, Jack W. Thompson, Clyde Talley II, Linnea Quigley, Hal Havins...


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Wenn sich eine kleine Gruppe selbstbewußter Parapsychologen in einem Spukhaus breit macht, um selbiges von dem bösen Geist, der sich dort eingenistet hat, zu exorzieren, dann kann man davon ausgehen, daß dieses Vorhaben kein gutes Ende nehmen wird. Denn daß mit dämonischen Mächten nicht zu spaßen ist, haben schon Filme wie Robert Wises The Haunting (Bis das Blut gefriert, 1963) und John Houghs The Legend of Hell House (Tanz der Totenköpfe, 1973) eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Beim mörderischen Gesellen, der in Kevin Tenneys Witchtrap (bzw. The Presence, wie der Director's Cut heißt) sein Unwesen treibt und nicht daran denkt, kampflos das Feld zu räumen, handelt es sich um Avery Lauter (J.P. Luebsen), einen nach Unsterblichkeit gierenden Hexenmeister, der bei einem bizarren Ritual umgekommen ist. Seitdem hält es in der 1861 erbauten Villa, die nun renoviert und in ein profitables Bed & Breakfast umgewandelt werden soll, niemand länger als drei Tage aus.

Witchtrap beginnt ähnlich, wie ein anderer schöner Geisterhausklassiker endet. Der berühmte Magier "The Amazing Azimov" (Richard Fraga) crasht bei seiner panischen Flucht vor Onkel Avery durch ein Dachfenster und stürzt schreiend in die Tiefe, wo er am Betonboden zerschellt. Dieser unschöne Vorfall führt dazu, daß man das Lauter-Haus hinter vorgehaltener Hand nun Slaughter-Haus nennt. Ein paar Experten sollen es also richten, angeführt von der energischen Agnes Goldberg (Judy Tatum), die ein Gerät entwickelt hat, welches den Geist bannen soll. Ihr zur Seite stehen Ehemann und psychisches Medium Felix (Rob Zapple), das physische Medium Whitney O'Shay (Kathleen Bailey) sowie Videotechnikerin Ginger Kowowski (Linnea Quigley). Und für die Sicherheit des Teams soll Murphys (Jack W. Thompson) private Security-Firma sorgen, deren Mitarbeiter Tony Vincente (James W. Quinn) und Levi Jackson (Clyde Talley II) das Ganze für einen schlechten Scherz halten.

Unglücklicherweise ist Avery Lauter - der eine Möglichkeit wittert, wieder ins Leben zurückzukehren - so gar nicht zum Scherzen zumute, und die erste, die das hautnah zu spüren bekommt, ist die süße blonde Ginger. Hier sitzt Drehbuchautor und Regisseur Tenney ein wenig der Schalk im Nacken, wird der von Linnea Quigley (The Return of the Living Dead) gespielten Ginger doch ausgerechnet das zum Verhängnis, womit sie schon in zahlreichen Horrorstreifen ohne irgendwelche Probleme hantiert hatte: Ein Duschkopf! Die Scream-Queen ist natürlich auch dafür bekannt, daß sie in ihren Filmen gerne mal duscht. Daß sie hier quasi von der (besessenen) Dusche gemeuchelt wird, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Aber auch sonst beweist Tenney Sinn für Humor. Die unaufhörlichen Streitgespräche zwischen Murphy und Vincente lockern das an und für sich ernste Geschehen ebenso auf wie die neckischen Flirts zwischen Ginger und Levi oder die zwei eingestreuten, an Selbstzweckhaftigkeit kaum zu überbietenden Nuditäten.

Ich muß gestehen, daß ich Witchtrap heutzutage wesentlich mehr zu schätzen weiß als damals, wo er mir doch reichlich unspektakulär - um nicht zu sagen langweilig - vorgekommen ist. Tenney und seine Mitstreiter haben gute Arbeit geleistet, und in Anbetracht des überschaubaren Budgets von etwa vierhunderttausend Dollar kann sich das Ergebnis durchaus sehen lassen, nicht zuletzt dank DoP Tom Jewett, dessen versierte Kameraarbeit und Szenenausleuchtung das B-Movie gehörig aufwerten. Die flotte Okkulthorror-Sause sieht einfach gut aus, auf eine ungekünstelte Art und Weise. Und daß der Mann sein Fach versteht, merkt man bereits in der Eröffnungsszene, wo er die Kamera langsam durch das Haus gleiten läßt, bis sie vor Avery Lauters Portrait zum Stillstand kommt. Dennis Michael Tenneys musikalische Untermalung paßt sich den Gegebenheiten perfekt an, ist an manchen Stellen leise und zurückhaltend, dann wieder - wenn der mörderische Geist in Aktion tritt - laut, hektisch und enervierend.

Für nostalgische Gefühle sorgt natürlich das angenehm käsige 80er-Jahre-Retro-Flair, nach dem so viele der damals entstandenen Genrefilme müffeln. Hinzu kommt eine sehr eigentümliche Stimmung, die in dieser Form nicht geplant war, sondern passiert ist. Wie sich nach Ende der im Oktober 1988 durchgeführten Dreharbeiten herausstellte, war die komplette Tonspur aufgrund eines stetigen Hintergrundrauschens unbrauchbar. Es mußte somit alles im Zuge der Postproduktion nachsynchronisiert werden, von den kleinsten, noch so unbedeutenden Geräuschen bis hin zu den zahlreichen Dialogen und Schreien. Eine kleine Herkules-Aufgabe, die allerdings mit Bravour gestemmt wurde, obwohl sich dadurch die Atmosphäre ein wenig "anders" anfühlt. Die Schauspieler sind allesamt keine Koryphäen auf ihrem Gebiet, knien sich aber ordentlich rein und geben alles. Selbst Kevin Tenney übernahm kurzfristig eine Nebenrolle, nachdem der dafür vorgesehene Darsteller ausgefallen war.

Die gelungenen Spezialeffekte von Judy Yonemoto und Tassilo Baur werden sparsam und recht kurz, dafür jedoch höchst effektiv eingesetzt, was die wenigen Set-Pieces umso memorabler macht. Neben der berühmtesten Sequenz des Streifens - Gingers blutige Begegnung mit dem Duschkopf - fetzen unter anderem Pistolenkugeln durch Körper und platzt in bester Scanners-Tradition ein Schädel. (*) Sehr schön sind auch die liebevoll gestaltete Schmelzszene, die aus der Wand greifenden Hände sowie der transparente, grimmig durch das Haus wandelnde Warlock. Die Figurenzeichnung ist anfangs eher dürftig (Stereotypen, wohin man blickt), aber diejenigen, die lange genug leben, gewinnen im Verlauf des Filmes an Konturen, und man beginnt glatt, Sympathien für sie zu entwickeln. Und sympathisch, launig und durchzogen von diesem unnachahmlich lässig-coolen 80er-Jahre-Charme sind sämtliche von Tenneys frühen Filmen, wie Witchboard (1986), Night of the Demons (1988) und eben auch Witchtrap.

(*) Der ursprünglich für ein R-Rating zensierte Film liegt dank des US-Releases von Vinegar Syndrome im März 2017 erstmals in der vom Regisseur gewünschten, ungekürzten Fassung vor. Bei sämtlichen Veröffentlichungen zuvor handelt es sich um die um einige Gewaltspitzen entschärfte R-Rated-Version.

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 Post subject: Re: WITCHTRAP - Kevin S. Tenney
PostPosted: 17.03.2019 13:52 
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Kevin Tenney hat hier einen etwas "raueren" Film geschaffen, als dies bei "Witchboard" oder "Night..." der Fall wäre, die beide eher auf eine "farbige" Ausgestaltung (sowie Beleuchtung etc.) setzen; dennoch finde ich auch "Witchtrap" absolut gelungen - gleichwohl ich den besonderen Look der beiden anderen Filme noch lieber mag - ich denke, dass "Witchtrap" wesentlich günstiger produziert worden ist und deshalb vielleicht Tenney schneller und somit "sachlicher" die Szenen abdrehen musste - aber noch einmal: klasse 80er-Jahre Horrorfilm...


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 Post subject: Re: WITCHTRAP - Kevin S. Tenney
PostPosted: 15.04.2019 12:29 
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