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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: HAUS DES GRAUENS - Freddie Francis
PostPosted: 05.03.2016 05:43 
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Haus des Grauens
Originaltitel: Paranoiac
Produktionsland: England
Erscheinungsjahr: 1963
Regie: Freddie Francis

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Inhalt:

Im Jahre 1953 hatte sich der damals 15jährige Antony Ashby angeblich von einer Klippe ins Meer gestürzt, aus Gram über den Unfalltod seiner Eltern drei Jahre zuvor. Seine Leiche wurde nie gefunden. Die beiden Geschwister Eleanor (Janette Scott) und Simon (Oliver Reed) wurden von ihrer Tante Harriet (Sheila Burrell) in Obhut genommen und grossgezogen. 8 Jahre später: Eleanor vermisst ihren verstorbenen Bruder sehr und ist deswegen gesundheitlich schwer angeschlagen, da sie immer wieder Visionen hat, dass er auftauchen und sie holen kommen werde, damit sie wieder vereint seien. Sie wird von Pflegerin Françoise (Liliane Brousse) betreut. Simon hingegen ist ein arroganter, agressiver Taugenichts und massloser Trinker, der das Vermögen seiner Eltern mit vollen Händen zum Fenster rauswirft und dem Familienanwalt und Vermögensverwalter John Kossett (Maurice Denham) mit seinen ständigen Geldforderungen das Leben schwer macht. Simon möchte seine Schwester am liebsten für wahnsinnig erklären und ins Irrenhaus einliefern lassen, um das ganze Vermögen erben zu können. Da taucht eines Tages ein Fremder (Alexander Davion) auf, der behauptet, Antony Ashby zu sein. Eleanor glaubt ihm auf Anhieb, da sie seit Jahren auf diesen Augenblick gewartet hat. Simon und Tante Harriet hingegen sind um einiges skeptischer, trotz seines überzeugenden Auftritts. Ist der totgeglaubte Bruder wirklich zurückgekehrt oder handelt es sich um einen gewissenlosen Hochstapler? Schon bald wird sich die grausige Wahrheit offenbaren….

Meine Meinung:

Die britischen Hammer Films waren in erster Linie für ihre stilvollen, atmosphärisch dichten und in prächtigen Farben fotografierten Gothic-Grusler bekannt. Aber immer wieder produzierten sie auch Psycho-Thriller, so wie auch diesen hier im Jahre 1963. Dies war der dritte Abstecher ins Thriller-Milieu, nach dem sehr erfolgreichen „Ein Toter spielt Klavier“ und „Die Ausgekochten“. Regisseur Freddie Francis drehte ihn in schwarzweiss, erstens aus Kostengründen und zweitens um den grossen Vorbildern wie Hitckcocks „Psycho“ oder Henri-Georges Clouzots „Die Teuflischen“ Tribut zu zollen. Die Klasse dieser Meisterwerke erreicht „Haus des Grauens“ nicht ganz, doch wir sehen einen äusserst spannenden, düsteren und mit einigen hervorragenden Schockmomenten ausgestatteten Thriller, der alle Zutaten dieses Genres enthält: zwielichtige Charaktere, Betrug, Gier, Wahnsinn und Mord. Das ausgefeilte Drehbuch von Jimmy Sangster bietet einige Twists, nicht mal routinierte Thriller-Fans können erahnen, wie die Geschichte enden wird. Regisseur Francis versteht es meisterhaft, diese vielschichtige Story zu einem homogenen Ganzen zu formen, ohne die sonst vielfach üblichen Durchhänger und Logiklöcher. Unterstützt wird er dabei von der exquisiten Arbeit von Kameramann Arthur Grant, der zuvor schon für Hammer gearbeitet hatte und unter anderem bei „Der Fluch von Siniestro“ für die Kamera zuständig gewesen war. Seine Handschrift ist die eines Meisters, da stimmt einfach alles. Besonders denkwürdig ist die Szene, als Simon seine Geliebte im Teich ersäuft hat und die Kamera dann aus dem Wasser heraus seine grinsende, von Wahnsinn verzerrte Fratze zeigt. Dies sind Bilder für die Ewigkeit! Auch Make-Up Artist und Hammer-Veteran Roy Ashton war mit an Bord. Er hatte die Aufgabe, die Maske für den dämonischen, hakenschwingenden Chorknaben zu entwerfen. Und dies ist ihm ausserordentlich gut gelungen, seine Kreation ist furchterregend und in Kombination mit ihrem Auftreten eine alptraumhafte Erscheinung. Die hervorragende Musik von Elisabeth Lutyons rundet den durchwegs gelungenen Gesamteindruck ab. Der wahre Star aber ist Oliver Reed. Er hatte bereits im zwei Jahre zuvor entstandenen „Der Fluch von Siniestro“ brilliert, doch hier setzt er ganz neue Massstäbe. Seine Wandlung vom zwar umsymphatischen und rücksichtslosen aber durchaus rationalen Widerling zum in seiner eigenen dämonischen Welt gefangengen, unkontrollierbaren Wahnsinnigen ist erschreckend überzeugend. Reed war ein grossartiger Schauspieler der zudem etwas Dunkles und Gefährliches an sich hatte und somit prädestiniert war für derartige Rollen. Da haben die anderen Schauspieler Mühe mitzuhalten, obwohl auch sie alle einen sehr guten Job machen.

Fazit: Unheimlicher, ausgezeichnet inszenierter Thriller, der uns einen tiefen Blick in die Abgründe der menschlichen Seele werfen lässt. Eine wahre Perle aus dem Hause Hammer! 8/10


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 Post subject: HAUS DES GRAUENS - Freddie Francis
PostPosted: 05.03.2019 16:29 
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"Haus des Grauens" (Original: Paranoiac) (Großbritannien 1963)
mit: Janette Scott, Oliver Reed, Alexander Davion, Sheila Burrell, Maurice Denham, Liliane Brousse, John Bonney, Harold Lang, Arnold Diamond, John Stuart, Sydney Bromley, Colin Tapley, Laurie Leigh, Jack Taylor u.a. | Drehbuch: Jimmy Sangster nach einem Roman von Josephine Tey | Regie: Freddie Francis

Während des Gedenkgottesdienstes für ihre verstorbenen Eltern und den seit acht Jahren verschwundenen Bruder Tony sieht Eleanor Ashby diesen plötzlich in der Kirchentür stehen. Sie wird ohnmächtig und von ihrer Zofe nach Hause gebracht. Nachdem sie Tony mehrmals gesehen hat und man ihr nicht glaubt, beschließt sie, Selbstmord zu begehen, da sie annimmt, wahnsinnig zu sein. Tony rettet sie aus den Fluten und gibt sich der Familie zu erkennen. Sein Bruder Simon und Tante Harriet zweifeln jedoch an seiner Identität und wollen mit allen Mitteln verhindern, dass er sein Erbe antreten kann. In der Familienkapelle geschehen nachts unheimliche Dinge, die ein tödliches Geheimnis verbergen....

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Unter einer Paranoia versteht das Lexikon eine Geisteskrankheit mit Ausbildung eines in sich geordneten Wahnsystems. Der Verfall der ehemals hochangesehenen Familie Ashby, deren Vermögen allen Mitgliedern ein sorgenfreies Leben ermöglicht, wird bereits in den ersten Minuten eindrucksvoll aufgezeigt. Durch die mit strenger Hand regierende Tante Harriet, welche die Rolle des Familienoberhaupts übernommen hat, wird der äußere Schein gewahrt, obwohl die Trunksucht von Simon und seine maßlosen Geldausgaben ihn bereits zweimal mit dem Gesetz in Konflikt gebracht haben. Die sanfte Eleanor vermisst ihren Bruder Tony am meisten, da er ihr Vertrauter und ihre Stütze nach dem Tod der Eltern war. Die Einsamkeit ihrer gleichförmigen Tage bietet wenig Sinn und Abwechslung. Die Disharmonie, die durch die Spannungen zwischen Simon, Harriet und dem Hauspersonal auftritt, rührt aus dem Verlust der Autorität in der kritischen Entwicklungsphase der Kinder. Simon, das Enfant terrible der Ashbys, führt einen extrovertierten Lebensstil mit allen Begleiterscheinungen, die ein Mann, der sich dem Müßiggang verschrieben hat, auskostet. Oliver Reed lässt den Zuschauer keine Minute über seine Stimmungen im Unklaren, sondern kehrt seine Gefühlswelt exzessiv nach außen. Sein Selbstzerstörungstrieb konkurriert mit dem Wunsch, andere auszuschalten und sie völlig zu beherrschen. Er erhebt sich über sie und sieht in seiner Selbstverblendung nur ein Ziel: Stimulation durch den Rausch, Betäubung seiner Aggressionen und rücksichtsloses Durchsetzen seines Willens. Die Dynamik seines Auftretens zwingt die anderen zu Reaktionen, die ihnen wesensfremd sind und sie zutiefst verunsichern. Eleanor, die sich nach Freundschaft und Freiheit sehnt, flüchtet sich in eine Verklärung der Vergangenheit und die Sehnsucht nach dem toten Bruder, der so ganz anders war als der wilde Simon. Tony ist der willkommene Ruhepol und bringt Licht ins Dunkel. Seine Figur umgibt Suspense und Verlässlichkeit zugleich. Er verstärkt den Prozess, der bereits einige Zeit vorher angelaufen war und beschleunigt die schmerzvolle Reinigung der Atmosphäre, die zwar mehreren Menschen das Leben kosten wird, am Ende aber zu einer Befreiung von der Vergangenheit führt.

Alexander Davion erinnert verblüffend an den jungen Cary Grant. Sein elegantes Charisma, das ganz ohne Worte auskommt, vereint sich mit einer empathischen Aura der Zuversicht. Auf ihm ruhen die Hoffnungen des Zuschauers, der mit Spannung das liebevolle Verhältnis zwischen "Bruder" und "Schwester" verfolgt, das in Gesten und Mimik sensibel angedeutet wird. Das Gefühl der Schuld ist dabei immer präsent und wird durch religiöse Symbole betont. Vergangenes Unrecht muss deshalb zuerst gesühnt und im Höllenfeuer gebüßt werden, bevor neues Glück gelebt werden darf. Die katholische Handschrift zieht sich wie ein roter Faden durch den Film, der auf einem Roman der schottischen Schriftstellerin Josephine Tey (1896-1952) beruht. Sie schrieb elf Romane und erzählt in ihrer 1949 erschienenen Vorlage zu diesem Film in lebendiger, distinguierter Sprache das Schicksal einer Familie, deren Personen durch Leidenschaft und Geheimnisse zutiefst getroffen werden. Es handelt sich um vielschichtige Charaktere, die ihr Innerstes hinter Masken verbergen. Die raffinierte Ausleuchtung, die Kameraarbeit von Arthur Grant und die Musikuntermalung von Elisabeth Lutyens, die sich so an die Handlung heftet, dass sie mit ihr verschmilzt, sorgen für Momente des unaufdringlichen Grusels und der ästhetischen Weitläufigkeit. Die nächtlichen Szenen im Park erinnern an den Klassiker "Schloss des Schreckens" (1961), dem ebenfalls unerlaubte Begierden zwischen Lebenden und Toten, zwischen Schutzbefohlenen und Vorgesetzten innewohnen. Die subtile Erotik, die Tony und Eleanor im Gegenlicht zeigt, wirkt weitaus nachhaltiger als die handfeste Körperlichkeit zwischen Francoise und Simon. In geschickten Bildern gelingt es der Kamera, die Kapelle zu einem Ort des verbotenen Grauens zu machen, zu einem Ort, der den Schlüssel zu ungeheuerlichen Geheimnissen birgt und ein Mitglied der Familie auf ewig martert. Leise schleichen sich die Ahnungen des Zuschauers wie böse Träume in sein Bewusstsein und lassen ihn mit Schaudern feststellen, dass es keinen Rauch ohne ein Feuer gibt. Das Feuer als reinigendes, unbarmherziges Element der Vernichtung, ist ein beliebtes Stilmittel, wenn es darum geht, die Vergangenheit auszulöschen und einen Schlusspunkt unter quälende Erinnerungen zu setzen.

Fazit: Der Fluch der bösen Taten schimmert von Anfang an durch die Ritzen des herrschaftlichen Anwesens, das eine Prinzessin im Elfenbeinturm, einen edlen Ritter und einen wahnsinnigen Ausgestoßenen beherbergt. Durch wohldosierte Schockmomente schafft es Freddie Francis, seiner bitter-süßen Liebesgeschichte Widerstand entgegenzubringen und sein Publikum um die Helden bangen zu lassen.


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 Post subject: Re: HAUS DES GRAUENS - Freddie Francis
PostPosted: 08.03.2019 02:24 
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Ich muss mal hier was sinnloses schreiben... sorry...

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 Post subject: Re: HAUS DES GRAUENS - Freddie Francis
PostPosted: 20.03.2019 13:18 
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Den sehe ich mir verhältnismäßig häufig noch mal an. Da stimmt eigentlich alles. Vom hier unübertrefflichen Oliver Reed zur Atmosphäre. Und die Maske funktioniert heute noch. Jimmy Sangster hatte in den Jahren wirklich seine große Zeit.


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