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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: JAMES BOND - LIEBESGRÜẞE AUS MOSKAU - Terence Young
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Sean Connery

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● FROM RUSSIA WITH LOVE / JAMES BOND 007 - LIEBESGRÜẞE AUS MOSKAU (GB|1963)
mit Daniela Bianchi, Pedro Armendáriz, Robert Shaw, Bernard Lee, Eunice Gayson, Walter Gotell, Lois Maxwell, Desmond Llewelyn,
Francis de Wolff, George Pastell, Nadja Regin, Anthony Dawson, Vladek Sheybal, Martine Beswick, Hasan Ceylan und Lotte Lenya
eine Produktion der Eon Productions | im Verleih der United Artists
Ein Film von Terence Young


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»Russische Uhren gehen immer richtig!«

Die geheime Verbrecherorganisation "Phantom" will sich für den Tod ihres strategischen Partners "Dr. No" rächen und gleichzeitig soll der Sowjetunion eine neuartige Dechiffriermaschine entwendet werden, um sie wieder für ein Vielfaches des Preises an sie zurück zu verkaufen. Des Weiteren rekrutiert die Organisation Rosa Klebb (Lotte Lenya), die ehemalige Chefin des sowjetischen Geheimdienstes, um das Vorhaben voranzutreiben. Ihr unterstellt ist die Dechiffrier-Expertin Tatiana Romanova (Daniela Bianchi), der man vortäuscht, dass sie ihren Auftrag für ihr Mutterland erfülle. Tatiana soll eine Affäre mit James Bond (Sean Connery) eingehen, um gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Anvisiert ist nicht nur die Erfüllung des Plans der Verbrecherorganisation, sondern gleichzeitig die Beseitigung James Bonds...

"Liebesgrüße aus Moskau" ging im Jahr 1963 als zweiter Vertreter der Bond-Reihe an den Start und konnte international große Erfolge verbuchen. Mit einem Produktionsbudget von etwa 2 Millionen US-Dollar konnte der Film beinahe das vierzigfache seiner Kosten wieder einspielen und dokumentiert nicht zuletzt deswegen, dass die Zeit genau richtig für derartig aufwändige, aber ebenso leichtfüßige Geheimagenten-Thriller war. Die seinerzeit brandaktuelle Thematik rund um Spionage und Manipulation durch Geheimdienste wirkt auch heute noch sehr ansprechend und spannend umgesetzt, wenngleich sich Terence Youngs Beitrag mit ein paar Längen auseinanderzusetzen hat, die allerdings nicht gravierend ins Gewicht fallen, da Sequenzen abgehandelt werden, die einen sorgsam durchdachten Aufbau unterstreichen. Eine prominente Rolle nimmt die Verbrecherorganisation "Phantom" ein, die gleichzeitig auch die Schachfiguren in diesem tödlichen Spiel rekrutiert und stellt. Der Kopf des Ganzen bleibt dabei weitgehend ohne physisches Profil und es ist hauptsächlich seine fordernde Stimme zu hören, die in der englischen Sprachversion vom Österreicher Eric Pohlmann übernommen wurde und um einiges nachhaltiger wirkt, als in der deutschen. Nichtsdestotrotz scheint dieser Unbekannte gnädiger mit seiner Katze umzugehen, als mit Untergebenen, falls sie seine Befehle nicht, oder nur halbherzig ausführen. Die Geschichte rund um die gestohlene Lector erscheint auf den ersten sowie den zweiten Blick etwas unspektakulär zu sein, jedoch ergeben sich genau hieraus die Zusammenhänge und wichtigen Handlungsstränge. So kommt die Story ganz natürlich ins Rollen, sodass bei dieser Gelegenheit alle wichtigen Charaktere vorgestellt werden können.

Das halsbrecherische und mörderische Tauziehen um die bessere Position gestaltet sich hoch interessant, denn sowjetische Härte, britischer Esprit und exotische Würze finden sich zusammen. Hinzu kommen beeindruckende Schauplätze und nette Spielereien aus dem obligatorischen Bond-Repertoire, was der Geschichte, die sich dem Empfinden nach sehr nah an der Realität abspielt, erinnerungswürdige Konturen verleiht. Mit Sean Connery ist der Mann der ersten Stunde zu sehen, und bereits hier zeichnet sich ganz deutlich ab, dass er mit jedem seiner Auftritte wachsen konnte. James Bond ist erwartungsgemäß mit allen Wassern gewaschen. Typische Charakteristika wie die schnelle Kombinations- und Auffassungsgabe, eine übernatürliche Cleverness und eine gute Portion Kaltschnäuzigkeit eines echten Gentleman lassen den Zuschauer gebannt dabei zusehen, wie 007 einen Kontrahenten nach dem anderen ausschalten kann, selbst wenn es zu überaus bedrohlichen Phasen kommt, in denen andere längst umgekommen wären. An seiner Seite ist Daniela Bianchi zu sehen, die mit "Ließesgrüße aus Moskau" ihren internationalen Durchbruch feiern konnte. Interessant ist übrigens die Tatsache, dass es sich hierbei um ihre erste und einzige englischsprachige Rolle handelt. Die Italienerin bringt alles mit, was der Zuschauer mit einem klassischen Bondgirl assoziiert, obwohl sie mit Reserviertheit und merklicher Unterkühltheit zu agieren hat. Dennoch stimmt der Sex-Appeal, außerdem ist eine dynamische Leistung wahrzunehmen, die bestimmt in Erinnerung bleiben wird. Ebenso erwähnenswert sind Robert Shaw und Lotte Lenya, die brandgefährlichen Figuren der Gegenseite, die sich buchstäblich jenseits von Gut und Böse bewegen.

Insbesondere die Wahl-Amerikanerin und gebürtige Wienerin Lotte Lenya stellt quasi eine Art Prototyp der aggressivsten Sorte dar, für die Moral und Sentimentalität Fremdwörter zu sein scheinen. Als hochkarätig abgeworbene Geheimdienstfunktionärin der Sowjets, liefert sie als Rosa Klebb eine Performance, die in die James-Bond-Geschichtsbücher eingehen sollte; eine Darbietung, die an Boshaftigkeit und negativer Energie kaum zu überbieten ist. In der selben Liga spielt der Brite Robert Shaw, dessen eigene Überheblichkeit und Verachtung ihm in hoch intensiven Sequenzen zum Verhängnis werden wird. Exzellente Interpreten staffieren den Verlauf bemerkenswert gut aus, erhalten jedoch nicht den Raum, um der Titelfigur das Wasser abgraben zu können. "Liebesgrüße aus Moskau" verfügt insgesamt über einen klar definierten Aufbau, der oftmals wie eine chronologische Abhandlung wirkt. Zahlreiche Stolpersteine lassen zwar nie das Gefühl aufkommen, dass es für den Geheimdienst Ihrer Majestät unlösbar schwierig werden könnte, allerdings bewegen sich Gut und Böse über lange Zeit auf Augenhöhe, da viele positiv angelegte Personen das Zeitliche segnen müssen. Die Gefahr bekommt stets die passenden Gesichter, doch diese hängen nur wie Marionetten an den Fäden, die im Hinterhalt bedient werden. Das perfide Phantom bleibt spannungsfördernd im Hintergrund positioniert und demonstriert hin und wieder seine Macht und Verworfenheit, was sehr gut anzukommen weiß. Terence Young pflastert den Weg zum großen Finale mit vielen Leichen und empfindlich berührenden Schockmomenten, um am Ende der gelungenen Veranstaltung noch einmal giftig auftrumpfen zu können. Alles in allem handelt es sich bei Beitrag 002 um einen echten Klassiker der Reihe.


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 Post subject: Re: JAMES BOND - LIEBESGRÜẞE AUS MOSKAU - Terence Young
PostPosted: 06.02.2019 09:21 
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Den haben wir gestern auch angeschaut. Interessant ist vielleicht noch, dass "Liebesgrüße aus Moskau" die wohl akkurateste Bond-Adaption darstellt. Als ich vor langer Zeit mal den Roman gelesen habe, war ich überrascht, dass der Film gar nicht so anders war. Selbst der Catfight der Zigeunerinnen war schon im Roman drin. Und bisher hatte ich nie mitbekommen, dass Bonds "alter Fall" zu Beginn tatsächlich die Dame vom Spielcasino aus "Dr. No" war. Das kommt davon, wenn man die Filme im Laufe der Jahre immer nur durcheinender und nie der Reihenfolge nach gesehen hat. Aber das holen wir jetzt endlich mal nach. Anthony Dawson als Blofeld dagegen fand ich recht leicht zu erkennen, an der Statur und den Händen.


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 Post subject: Re: JAMES BOND - LIEBESGRÜẞE AUS MOSKAU - Terence Young
PostPosted: 06.02.2019 14:56 
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TheInferno7 wrote:
Das kommt davon, wenn man die Filme im Laufe der Jahre immer nur durcheinender und nie der Reihenfolge nach gesehen hat.

Chronologisch habe ich die Reihe auch noch nie gesehen. Am Ende bleiben dann nur noch die Filme übrig, die man selbst am stärksten findet.
Aber ich habe mir vorgenommen, mir diejenigen auch noch einmal anzusehen, die ich über Jahre hinweg ignoriert habe.


TheInferno7 wrote:
Anthony Dawson als Blofeld dagegen fand ich recht leicht zu erkennen, an der Statur und den Händen.

Ich habe tatsächlich nie darauf geachtet. Mein Fokus war stets die Katze. :lol:


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 Post subject: Re: JAMES BOND - LIEBESGRÜẞE AUS MOSKAU - Terence Young
PostPosted: 06.02.2019 15:16 
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TheInferno7 wrote:
Den haben wir gestern auch angeschaut. Interessant ist vielleicht noch, dass "Liebesgrüße aus Moskau" die wohl akkurateste Bond-Adaption darstellt.


Nicht unbedingt, ich glaube Dr No und On Her Majesty's Secret Service sind noch näher am Roman dran, und auch Goldfinger und Thunderball dürften ähnliche viel noch direkt von Fleming übernommen haben. Alle anderen Bonds sind dann überwiegend frei erfunden, benutzen bestenfalls noch einzelnen Motive der Vorlagen.

In From Russia ist ungefähr die Hälfte neu erfunden, und dabei geht lustigerweise die Logik oftmals vollkommen flöten. Für die Bond Serie an sich kein Problem, auch viele der bekanntesten Bonds enthalten köstliche Logik Klöpse, was aber dem Spaß kaum im Wege steht, jedoch war From Russia ja noch einmal ein Versuch in Richtung Thriller, und da finde ich das schon etwas störend wenn ich über größere Teile der Handlung besser nicht anfange nachzudenken.
Was auch daran lag daß die Schurken Organisation, im Gegensatz zum Roman, nicht der russissche Geheimdienst ist, sondern Bonds Lieblingsspielgefährten von Spectre.

Na ja, der etwas altmodische Film funktioniert ja alles in allem trotzdem noch recht gut, und liegt von den 25 Bond Filmen irgendwo in der goldenen Mitte.


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 Post subject: Re: JAMES BOND - LIEBESGRÜẞE AUS MOSKAU - Terence Young
PostPosted: 07.02.2019 14:11 
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Im folgenden pure deutsche musikalische Nostalgie auch zu diesem Bond-Film hier.
Bekannterweise gab es hier kein Titellied während des Vorspanns. Dafür wurde am Ende, also beim
Nachspann gesungen. Matt Munro sang im Original From Russia with Love

Hier nun die deutsche Version, allerdings mit anderem Titel: DIE WOLGA IST WEIT von Ruth Berlé
Viel Spass beim anhören :D

Video ist aus YouTube verschwunden.

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Last edited by Graf von Karnstein on 10.02.2019 17:57, edited 2 times in total.

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 Post subject: Re: JAMES BOND - LIEBESGRÜẞE AUS MOSKAU - Terence Young
PostPosted: 07.02.2019 17:28 
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Und ein extra Aushangbuilderl hat's auch bekommen:

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 Post subject: Re: JAMES BOND - LIEBESGRÜẞE AUS MOSKAU - Terence Young
PostPosted: 07.02.2019 18:21 
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Sehr gut, Mike und Danke für dies alte Foto :dh:
Aus Deinem umfangreichen Film-Sammelsurium hast Du nun unbewußt dazu beigetragen mir zumindest wieder Klarheit zu verschaffen. Da ich damals die alten Bondfilme in Abständen immer wieder im Kino sah, so auch diesen hier und da bildete ich mir später ein, mal ein Foto mit einer Frau am Mikrofon gesehen zu haben. Nur ist das alles lange her und so recht wußte ich das nicht mehr, ob das Einbildung war oder eben nicht. Aber Dein Foto hat das nun aufgeklärt :)

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 Post subject: Re: JAMES BOND - LIEBESGRÜẞE AUS MOSKAU - Terence Young
PostPosted: 07.02.2019 22:18 
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Interessante Zusatzinformation und wirklich ein tolles Aushangfoto!
Ich bin ja ganz überrascht, dass Bond-Themen auch eingedeutscht wurden; das war mir bislang nicht bekannt.
Ruth Berlé sagt mir allerdings überhaupt nichts, genau wie übrigens auch Gissy André bei "Man lebt nur zweimal".
Hatten die Songs denn irgend einen nennenswerten Erfolg?


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 Post subject: Re: JAMES BOND - LIEBESGRÜẞE AUS MOSKAU - Terence Young
PostPosted: 07.02.2019 23:41 
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Die Ruth hörte man ja scheinbar als Exit Music bei uns.
Früher, als "Liebesgrüße" in der ARD lief, da endet der Film mit dem Abspann und dem Matt Monro-Song, dann blendete es in schwarz über und dann hörte man noch den Anfang von "Die Wolga ist weit", während so eine damals typische ARD-Spielfilm-Tafel eingeblendet wurde, erinnert sich da noch jemand dran? Ich hab mich damals immer gefragt, was das für ein Lied ist - bis es dann das Internet gab ...


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 Post subject: Re: JAMES BOND - LIEBESGRÜẞE AUS MOSKAU - Terence Young
PostPosted: 10.02.2019 18:06 
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Ich habe den nun leeren Video-Musik-Clip wieder entfernt, auch zu -Man lebt nur zweimal-, da die Musik
bei YouTube verschwunden ist.
Macht also keinen Sinn, die nicht mehr abspielbaren VideoClip hier alle drin zu behalten.
Das betrifft sämtliche deutschen Bondlieder, die vor kurzem alle noch bei YouTube enthalten waren.
Bestimmt kein Zufall, denn da muss irgendwas passiert sein, sonst wären die nicht gleich alle weg.
Sehr merkwürdig :?

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 Post subject: Re: JAMES BOND - LIEBESGRÜẞE AUS MOSKAU - Terence Young
PostPosted: 11.02.2019 00:00 
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Graf von Karnstein wrote:
Ich habe den nun leeren Video-Musik-Clip wieder entfernt, auch zu -Man lebt nur zweimal-, da die Musik bei YouTube verschwunden ist. Das betrifft sämtliche deutschen Bondlieder, die vor kurzem alle noch bei YouTube enthalten waren. Bestimmt kein Zufall, denn da muss irgendwas passiert sein, sonst wären die nicht gleich alle weg. Sehr merkwürdig :?

Katastrophe.

Die haben den Kanal von "WarOfTheSaucermen" gelöscht.

Quote:
Das mit diesem Video verbundene YouTube-Konto wurde aufgrund mehrerer Meldungen Dritter über Urheberrechtsverletzungen gekündigt

Das war eine unersetzbare Database für "vergessene" deutsche Singles.


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 Post subject: Re: JAMES BOND - LIEBESGRÜẞE AUS MOSKAU - Terence Young
PostPosted: 11.02.2019 12:24 
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c-s-t wrote:
Das war eine unersetzbare Database für "vergessene" deutsche Singles.

Das ist wirklich sehr schade!
Bevor Graf von Karnstein die deutschen Versionen gepostet hatte, waren mir die Titel vollkommen unbekannt.
Naja, wenigstens konnte ich mal reinhören, denn uninteressant waren die nicht.


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 Post subject: Re: JAMES BOND - LIEBESGRÜẞE AUS MOSKAU - Terence Young
PostPosted: 11.02.2019 12:29 
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So ein Mist! Und ich wollte "später" mal reinhören. :roll:

Im Übrigen ist es kein Problem, Audio von YouTube runterzuladen. Sollte man in der Regel sofort machen, wenn etwas "unersetzbar" ist.

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Regelmäßig neue Reviews von Stuart Redman und DJANGOdzilla bei
JÄGER DER VERLORENEN FILME


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 Post subject: Re: JAMES BOND - LIEBESGRÜẞE AUS MOSKAU - Terence Young
PostPosted: 17.02.2019 23:08 
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● LOTTE LENYA als ROSA KLEBB in
LIEBESGRÜẞE AUS MOSKAU (GB|1963)



Die Schauspielerin und Sängerin Lotte Lenya ist eine der wenigen Darstellerinnen, die als große Kapazität in die Filmhistorie eingegangen ist, obwohl ihre Präsenz auf der Leinwand nur äußerst sporadisch wahrzunehmen war. Blickt man auf die Kino- und TV-Karriere der gebürtigen Österreicherin, erstreckt sie sich zwar innerhalb eines Zeitraums von beinahe fünfzig Jahren, doch es kommen kaum zehn Auftritte zusammen. Lenya machte sich in all den Jahren mit erfolgreichen Theatertourneen und Chansons einen Namen, und im Rückblick ist es sehr schade, dass die markante Darstellerin, die 1935 in die USA emigrierte, nicht häufiger für besondere Rollen im Kino zur Verfügung stand. Trotz einer Oscar- und Golden-Globe-Nominierung als jeweils beste Nebendarstellerin in dem Hollywood-Film "Der römische Frühling der Mrs. Stone", stellt die Darstellung der Ex-KGB-Offizierin Rosa Klebb wohl ihre international bekannteste Rolle dar, die sie mit Bravour und darüber hinaus äußerster Konsequenz meistert. Die Frau, die es gewöhnt war alle erdenklichen Kompetenzen eingeräumt zu bekommen und sich der Prokura von oben sicher sein konnte, wechselt in einem nicht ungefährlichen Manöver die Seiten. Hierbei bleibt es weitgehend unklar, warum Oberst Klebb diese Entscheidung getroffen hat, doch die Organisation "Phantom" dürfte ein lukratives Angebot gemacht haben. Hinzu kommt, dass sie die Macht über andere reizt, es aber gleichzeitig gewohnt ist, Befehle akribisch auszuführen. Ihr Agieren ist geprägt von Unsentimentalität und Rücksichtslosigkeit, aber es kommt auch zu Situationen, in denen sie beinahe erstarrt wie das Kaninchen vor der Schlange, wenn sie etwa vor ihrem neuen Chef steht, der im Zweifelsfall ganz offensichtlich keine Gnade kennt. Rosa Klebb ist in "Liebesgrüße aus Moskau" quasi eine Person der ersten Minuten, sodass sie insbesondere diesen Szenen eine beeindruckende und wegweisende Note verleihen kann.

Oberst Klebb scheut sich nicht davor, ihren Mann zu stehen und dementsprechend Aufgaben zu übernehmen, die keiner klassischen Frauendomäne entsprechen. So werden Helfershelfer eigenhändig und empfindlich inspiziert, und es obliegt ihrem Einverständnis, wer in der Organisation Verwendung finden darf. Ihr erstes Aufeinandertreffen mit Daniela Bianchi deutet überdies an, dass sie den Vorzügen schöner Frauen offenbar nicht abgeneigt ist, und diese dementsprechend noch härter anpackt als männliche Kollegen. Lotte Lenya veranstaltet der Glaubwürdigkeit halber eine überzeugende Maskerade, denn es kommen in erster Linie maskuline Züge zum Vorschein, die ihre Person in Verbindung mit Sadismus und Brutalität sehr glaubhaft erscheinen lässt. Hinzu kommen Eindrücke die regelrecht abstoßen, aber gleichzeitig auch beeindrucken. Die optimale Zeichnung der Rosa Klebb ist als wichtiger Bestandteil des Films einzuschätzen, da sie den Lakaien der Organisation eines der Gesichter verleiht, denn immerhin präsentiert sich der Boss, alias Nummer 1, ganz in Manier eines Phantoms, zumindest für den Zuschauer. Die Vehemenz und Aggressivität, die Lotte Lenya bei Untergebenen verkörpert, kehrt sich um, wenn sie ihrem Chef Auge in Auge gegenübersteht. Diese Frau scheint absolut angewiesen auf Hierarchieverhältnisse zu sein, schließlich dürfte sie ihr gesamtes Leben nichts anderes gelernt haben. Die nervöse Anspannung in diesen Szenen ist auffallend und geschickt wird hier immer wieder für Spannung und Überraschungen gesorgt, was der Geschichte trotz dieses eher gut dosierten Auftritts insgesamt gut tut. Im Dunstkreis der Bond-Bösewichte, die am meisten in Erinnerung bleiben, erspielt sich Lotte Lenya mühelos einen festen Platz, nicht zuletzt wegen des kantigen Finales. Exzellent gespielt, hervorragend in Szene gesetzt und für die deutsche Version bemerkenswert synchronisiert von Kollegin Alice Treff, bleibt ein rundum formvollendeter Auftritt zurück, der in "Liebesgrüße aus Moskau" zu einem der Highlights zählt.


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 Post subject: Re: JAMES BOND - LIEBESGRÜẞE AUS MOSKAU - Terence Young
PostPosted: 11.03.2019 23:19 
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"Liebesgrüße" war der erste Bond, den ich jemals sah (bei einer Wiederaufführung in einem West-Berliner Kudamm-Kino irgendwann in den 80ern) - vielleicht ist er deshalb bis heute mein Lieblings-Bond. Ich war damals etwa 16 und ich weiß noch, dass er mich ziemlich beeindruckt hat. Einen alten Bondklassiker auf der großen Leinwand zu sehen (eben so, wie er auch gedacht ist), ist eben doch etwas anderes als im Fernsehen.

Alles Wichtige ist schon zu dem Film gesagt worden - daher schreibe ich nur mal - in willkürlicher Reihenfolge - ein paar für mich wichtige Aspekte auf:

- Der Spezial-Aktenkoffer, den Bond für diese Mission erhält, war das erste Gadget der Bondgeschichte - und er ist bis heute mein liebstes. So schön simpel, aber doch effektiv. Viel besser als diese ganzen aufgemotzten Autos und andere überzüchteten technischen Spielereien, die in späteren Filmen kamen.

- Es war der erste und letzte, halbwegs realistische Bondfilm - noch nicht so versponnen.

- Die Bösen werden natürlich klischeehaft dargestellt, wirken aber trotzdem als ernst zu nehmende Gegner, vor allem Robert Shaw als skrupellose, schlaue Kampfmaschine. Und Lotte Lenya ist vor allem am Schluss ein furchterregendes, heimtückisches Schreckgespenst.

- In der Sequenz, in der Bond vom Hubschrauber gejagt wird, ist (glaube ich) niemals Sean Connery zu sehen, sondern die ganze Zeit ein Double. Übrigens habe ich mich schon oft gefragt, ob diese Szene auch im Roman vorkommt - denn jedenfalls scheint sie sehr von Hitchcocks Klassiker "North By Northwest", in der Cary Grant von einem Flugzeug verfolgt wird, "inspiriert" zu sein.

- Es war der erste Bondfilm, in dem Sean Connery in der deutschen Fassung von Gert-Günther Hoffmann synchronisiert wurde (in "Dr. No" war es noch Klaus Kindler gewesen, der spätere Stammsprecher von Clint Eastwood)

- Dass ein großer Teil der zweiten Filmhälfte in einem fahrenden Zug spielt (und sich darin auch wichtige Handlungsteile entwickeln), gibt dem Film eine besondere Atmosphäre, die sehr gut eingefangen wurde.

- Zwei Dialogszenen des Films wurden ein paar Jahre nach der Erstaufführung geschnitten, weil sie den Zensoren als "sexuell zu freizügig" erschienen: Einmal dort, wo Rosa Klebb mit Tatiana Romanova über ihre früheren Liebhaber spricht. Und dann am Schluss, als Bond und Tatiana über den Film sprechen, der heimlich von ihnen gedreht wurde. In der englischen Fassung bemerkt man diese Kürzungen nicht, weil der O-Ton hier sehr geschickt geschnitten wurde. Im deutschen Ton hört man hier aber leider jeweils einen deutlichen Bruch im Dialog.

Wenn ich doch noch etwas Negatives aufführen müsste, dann höchstens, dass ich aus heutiger Sicht auf den Catfight im Zigeunerlager gut verzichten könnte.

Und dass der Sippenchef die beiden Mädchen dann später Bond sozusagen "übereignet", ist natürlich an Chauvinismus kaum noch zu überbieten. In einem heutigen Film undenkbar. Aber Bondfilme sollten ja bekanntlich schon immer Männerfantasien bedienen. ;-)

Eklatante Logikfehler sind mir an dem Film übrigens noch nie aufgefallen.


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 Post subject: Re: JAMES BOND - LIEBESGRÜẞE AUS MOSKAU - Terence Young
PostPosted: 12.03.2019 23:10 
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Riccardo wrote:
Wenn ich doch noch etwas Negatives aufführen müsste, dann höchstens, dass ich aus heutiger Sicht auf den Catfight im Zigeunerlager gut verzichten könnte.

Und dass der Sippenchef die beiden Mädchen dann später Bond sozusagen "übereignet", ist natürlich an Chauvinismus kaum noch zu überbieten. In einem heutigen Film undenkbar. Aber Bondfilme sollten ja bekanntlich schon immer Männerfantasien bedienen. ;-)

Interessanterweise sind beide Szenen genau so im Roman enthalten. Der Catfight ist auch dort ein absoluter Höhepunkt, vor allem natürlich in erotischer Hinsicht.

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Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Post subject: Re: JAMES BOND - LIEBESGRÜẞE AUS MOSKAU - Terence Young
PostPosted: 12.03.2019 23:42 
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Schön, dass einige den Film so mögen und richtig einschätzen, er ist freilich unter den Top 8, eher Top 5. Auch weil es so ziemlich
der einzige, recht kompromisslose, Agentenfilm der ganzen Serie ist und er trotzdem so hervorragend funktioniert, auch ohne die
so geliebten Gadgets und übermäßigen Schauwerte der restlichen Serie. Und eben auch mit dem besten 007 Darsteller in seiner
allerbesten Form. Nach GOLDFINGER verlor er langsam das Interesse und gewann dafür an Gewicht, in MOSKAU ist er schon
ein toller Hecht.
Und Martine Beswick im Girlfight :). Ja, das ist sicher diskussionswürdig. Muss man eben - auch im Roman - kontemporär
betrachten. Ich sah ihn 1980 zum erstenmal. Als Womens Lib schon sehr präsent war (heute ist's ja leider dank Internet
Dummchen wieder rückläufig) und als unter Frauen Aufgewachsener hab' ich schon damals die Augenbrauen hochgezogen.
Dann wiederum... was ich im Moslem-Umfeld hier so mitkriege, da waren die Gypsies in MOSKAU eher emanzipiert...

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 Post subject: Re: JAMES BOND - LIEBESGRÜẞE AUS MOSKAU - Terence Young
PostPosted: 12.03.2019 23:46 
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Das ist ohnehin so ein Aspekt, der einem im Buch aufstößt (ihn aber auch interessant macht, was Zeitgeist und Flemings Weltsicht angeht). Osteuropa ist ein bizarrer, meist schmutziger Ort mit meist verschlagenen Menschen (Kerim Bey und seine 500 Söhne mal ausgenommen), und Bond kann sich erst entspannen, wenn er mit dem Orient-Express wieder die Zivilisation (aka Italien und Schweiz) erreicht.

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 Post subject: Re: JAMES BOND - LIEBESGRÜẞE AUS MOSKAU - Terence Young
PostPosted: 21.03.2019 12:00 
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nyby wrote:
Das ist ohnehin so ein Aspekt, der einem im Buch aufstößt (ihn aber auch interessant macht, was Zeitgeist und Flemings Weltsicht angeht). Osteuropa ist ein bizarrer, meist schmutziger Ort mit meist verschlagenen Menschen (Kerim Bey und seine 500 Söhne mal ausgenommen), und Bond kann sich erst entspannen, wenn er mit dem Orient-Express wieder die Zivilisation (aka Italien und Schweiz) erreicht.


Das hat sich aber kaum geändert, wenn man an Filme wie HOSTEL denkt.

Es ist interessant, wenn man die Bond-Filme mal chronologisch sieht. Ich hatte LIEBESGRÜßE auch schon lange nicht mehr gesehen, und er hat mir wesentlich besser gefallen als glatten Bonds mit ihren Fantasieschurken der späteren Jahre. Ich war überrascht, wie brutal es da für die Entstehungszeit zur Sache ging. Der Unterschied zwischen dem unsäglichen "Beißer" und Shaw könnte nicht größer sein.

Und Lotte Lenya ist einfach nur grandios.


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 Post subject: Re: JAMES BOND - LIEBESGRÜẞE AUS MOSKAU - Terence Young
PostPosted: 21.03.2019 12:36 
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Kann ich alles nur unterschreiben...
Ich verstehe, warum MOONRAKER o.ä. bei manchen so beliebt ist,
aber wenn man zuvor MOSKAU, OHMSS or selbst LIVE & LET DIE gesehen hat (so wie ich
im zarten Alter von 12), dann zuckte man in Kino beim Beißer und seinem Püppchen Kurzstrumpf
schon zusammen - bei aller gebotenen technischen Herrlichkeit.

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 Post subject: Re: JAMES BOND - LIEBESGRÜẞE AUS MOSKAU - Terence Young
PostPosted: 21.03.2019 14:08 
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Wentworth wrote:
Es ist interessant, wenn man die Bond-Filme mal chronologisch sieht. Ich hatte LIEBESGRÜßE auch schon lange nicht mehr gesehen, und er hat mir wesentlich besser gefallen als glatten Bonds mit ihren Fantasieschurken der späteren Jahre. Ich war überrascht, wie brutal es da für die Entstehungszeit zur Sache ging. Der Unterschied zwischen dem unsäglichen "Beißer" und Shaw könnte nicht größer sein.

Ich habe die Bonds vor ein paar Jahren ebenfalls chronologisch gesehen, und mir ging es genauso. Das ist auch mit ein Grund, warum LIEBESGRÜSSE einer meiner Top 4 ist. Er ist irgendwie ... authentisch ...

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 Post subject: Re: JAMES BOND - LIEBESGRÜẞE AUS MOSKAU - Terence Young
PostPosted: 21.03.2019 14:49 
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Wentworth wrote:

Es ist interessant, wenn man die Bond-Filme mal chronologisch sieht. Ich hatte LIEBESGRÜßE auch schon lange nicht mehr gesehen, und er hat mir wesentlich besser gefallen als glatten Bonds mit ihren Fantasieschurken der späteren Jahre. Ich war überrascht, wie brutal es da für die Entstehungszeit zur Sache ging. Der Unterschied zwischen dem unsäglichen "Beißer" und Shaw könnte nicht größer sein.




So brutal nun auch wieder nicht, das hat ja nicht mal für FSK 18 gereicht.

Aber die Bond Filme waren damals, was die Gewaltdarstellung betrifft (ebenso was Erotik betrifft), durchaus auf der Höhe der Zeit, auch wenn andere Filme schon weiter gingen, und sie sind dann auf diesem Level im Prinzip stehen geblieben, während um sie herum sich die Kinolandschaft rasend schnell veränderte, so daß die Bonds immer harmloser wurden. Trotzdem blieben sie glaube ich ursprünglich FSK 16 bis zum Mann mit dem goldenen Colt.

Der Beißer ist doch großartig in Der Spion der mich liebte, erst in Moonraker wird er dann zum Witz, was leider auch auf den ganzen Film zutrifft. Wie ich überhaupt finde daß Der Spion der mich siebte ein Höhepunkt der Reihe ist, und auch alle Connery Bonds locker in die Tasche steckt. Inszenatorisch und erzählerisch und photographisch.

From Russia with Love hat auch einfach zu viele erzählerische Schwächen, schon da fing man an erzählerisch überflüssige Action einfach noch irgendwo hinzupacken, auch wenn das dramaturgisch keinen Sinn mehr machte, Hauptsache mehr Spektakel. Von der Handlungslogik ganz zu schweigen. Da sind die späteren Bond Filme ehrlicher, weil da klar ist, daß die Handlung nur noch ein Vorwand ist um die Action zu präsentieren, da habe ich öfters das Gefühl das zuerst die Action konzipiert wurde, und dann eine Handlung dazu erfunden wurde.
Auch Feuerball funktioniert da für mich besser als Goldfinger und From Russia.


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