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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: DER WÜRGER VON SCHLOSS BLACKMOOR - Harald Reinl
PostPosted: 05.01.2012 10:43 
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Produktionsland: Bundesrepublik Deutschland
Produktion: CCC Filmkunst GmbH (Artur Brauner)
Erscheinungsjahr: 1963
Regie: Harald Reinl
Drehbuch: Gustav Kampendonk, Ladislas Fodor
Kamera: Ernst W. Kalinke
Schnitt: Walter Wischniewsky
Musik: Oskar Sala
Länge: ca. 87 Minuten
Freigabe: FSK 16
Darsteller:
Karin Dor: Claridge Dorsett
Harry Riebauer: Inspektor Jeff Mitchell
Rudolf Fernau: Lucius Clark
Hans Nielsen: Tavish
Ingmar Zeisberg: Judy
Walter Giller: Lord Edgar Blackmoor
Dieter Eppler: Butler Anthony
Hans Reiser: Mike Pierce
Richard Häussler: Rechtsanwalt Dr. Tromby
Peter Nestler: Tom
Gerhard Hartig: Kriminalassistent Watson
Albert Bessler: Gärtner Sebastian
Werner Schott: Scotland-Yard-Chef
Carl de Vogt: Arzt
Stephan Schwartz: Philip, genannt Phips
Egon Vogel: Postbeamter
Klaus Miedel: Stimme des Würgers



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Lucius Clark ist ein angesehener Mann in der Gesellschaft. Allerdings hat auch er eine dunkle Seite, die sich in Form von der ungesetzlichen Veräußerung von Diamanten darstellt. Als auf seinem Anwesen ein Würger sein Unwesen treibt, gerät auch Clarks Nichte Claridge Dorsett in Gefahr.

Harald Reinls Film zählt zu den Konkurrenzproduktionen der Edgar Wallace Reihe. Bei der Romanvorlage handelt es sich um ein Werk von Bryan Edgar Wallace. Erfreulich, dass sich der Film weniger auf einen Scherzkeks Marke Eddie Arend konzentriert, als viel eher ernsthaft zur Sache geht. Der Part von Walter Giller als Lord Edgar Blackmoor mag zwar zu leichter Belustigung führen, ist allerdings nicht von einer Penetranz gezeichnet und somit erweist sich dieser als nicht sonderlich aufdringlich.

Der Film mag in der damaligen Zeit, auf Grund einiger Enthauptungen als durchaus zwiespältig für den einstigen Kritiker erscheinen. Allerdings sind die Darstellungen heute wenig von Belang, so dass selbst eine 16er Freigabe sehr hoch angesetzt ist.

„Der Würger von Schloss Blackmoor“ verzichtet eher auf das Edgar Wallace Verfilmungsschema, das vereinzelnd von Humor gezeichnet war. Dieser Film geht recht ernsthaft zur Sache, was ihm auch gut zu Gesicht steht. Einige Szenen sind aus meiner Sicht zwar recht theatralisch ausgefallen (Lucius Clark und seine Herzprobleme) und klopfen schon an die Tür des unfreiwilligen Humors. Dieses sollte allerdings nicht überbewertet werden.

Harry Riebauer liefert als Inspektor Jeff Mitchell eine im oberen Durchschnitt anzusiedelnde Leistung. Relativ unterkühlt, aber in keiner Weise negativ. Karin Dor ist als Claridge Dorsett über jeden Zweifel erhaben.

Optisch bekommt der Zuschauer einige schöne Szenen in den Kellergewölben des Schlosses geliefert sowie eine ansprechende Maskierung des Würgers.

Fazit: Ein gelungener deutscher Krimi mit einer wie fast immer großartigen Karin Dor, die allein durch ihre Präsenz das Gesamtwerk aufwertet.



7/10


[youtube]KQ6gF7XD-XY[/youtube]

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 Post subject: Re: DER WÜRGER VON SCHLOSS BLACKMOOR - Harald Reinl
PostPosted: 05.01.2012 18:03 
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Aus dem Filmtagebuch der Verdammnis:



Der Würger von Schloss Blackmoor (Deutschland 1963, Originaltitel: Der Würger von Schloss Blackmoor)

Ratz Fatz - Rübe ab

Lucius Clark (Rudolf Fernau) hat beste Laune, er soll bald von der Queen in den Adelsstand erhoben werden. Aus diesem Anlass empfängt er Gäste auf Schloss Blackmoor, das er von Lord Edgar Blackmoor (Walter Giller) gemietet hat. Nach einem kleinen Fest mit Bekannten, taucht plötzlich eine maskierte Gestalt auf, bedroht Clark mit einer Waffe. Der Unbekannte verlangt die Herausgabe von Edelsteinen, doch so leicht lässt sich der Bedrohte nicht einschüchtern. Als Clark einen Boten nach London entsendet, wird dieser von der maskierten Gestalt brutal ermordet. Offensichtlich hat der unbekannte Erpresser seine Drohung sehr ernst gemeint. Der schmierige Rechtsverdreher Dr. Tromby (Richard Häussler) sitzt Lucius Clark im Nacken, der zunehmend in Bedrängnis gerät. Clark wird allerdings ncht nur von Dr. Tromby belagert, auch der Butler Anthoney (Dieter Eppler), der über eine ganz spezielle Fähigkeit verfügt, sorgt zunehmend für Ärger. Claridge Dorsett (Karin Dor), die junge Nichte von Lucius Clark, lebt ebenfalls auf Schloss Blackmoor. Sie ahnt jedoch nichts von den Umtrieben ihres Onkels, der tatsächlich eine stattliche Anzahl Diamanten unter Verschluss hält. Sollte der leicht verschrobene Lord Blackmoor seine Finger im Spiel haben? Der Edelmann könnte eine Finanzspritze gut vertragen, da der das Turmzimmer auf Blackmoor bewohnt, hat er stets alles im Überblick. Damit nicht genug, denn schliesslich taucht auch noch eine vermeintliche Adelige auf, die vorgibt das Anwesen erwerben zu wollen. Weitere Tote sind zu beklagen, kein leichter Fall für Inspektor Mitchell (Harry Riebauer), den seine Ermittlungen nicht nur nach Blackmoor, sondern auch in eine fragwürdige Spelunke führen...

War "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" noch ein recht durchwachsenes Filmchen, ist der zweite "Bryan Edgar Wallace" Steifen von CCC-Film schon ein ganz anderes Kaliber. Unter der Regie von Harald Reinl, entstand ein sehr unterhaltsamer Krimi, der jeden Freund derartiger Produktionen erfreuen sollte. "Der Würger von Schloss Blackmoor" bietet alle Zutaten, die man von einem ansprechenden Wallace Film erwartet. Eine herrschaftliches Anwesen auf dem Land, alte Gewölbe, eine miese Spelunke, finstere Gestalten. Vermisste man bei den schwarzen Koffern einen Ermittler mit Ausstrahlung, Joachim Hansen war eine arg blasse Erscheinung, gefällt Harry Riebauer als Inspektor weitaus besser. Die Optik des Würgers -mit Maske und Handschuhen- weist in Richtung Giallo, der in den kommenden Jahren die Kinoleinwände erobern sollte. Erstaunlich muten kleinere Härten an, in einer Kiste findet man einen abgetrennten Kopf vor, später kommt einem Mopedfahrer ebenfalls die Rübe abhanden. Das Spiel mit Schatten und Licht funktioniert bestens, Reinl und sein Team verstanden ihr Handwerk vortrefflich.

Die weibliche Hauptrolle wurde mit Karin Dor besetzt, die häufig in den Filmen ihres Ehegatten Harald Reinl zu sehen war. Einmal mehr gibt sie die sympathische, schutzbedürftige Schönheit, die vor allem die Gelüste des Inspektors weckt. Harry Riebauer steht die Rolle des Kriminalisten gut zu Gesicht, er wirkte später in weiteren Wallace Produktion von CCC-Film und Rialto mit. Riebauer mag vielleicht nicht den Charme eines Joachim Fuchsberger besitzen, vor einem Darsteller wie Heinz Drache, muss sich Riebauer aber keinesfalls verstecken. Der ebenfalls kriminalfilmerprobte Rudolf Fernau, macht als zunehmend gestresster "Möchtegern-Aufsteiger" eine gute Figur. Nicht minder stark die verschwitzt-eklige Vorstellung von Dieter Eppler, dem zunehmend die Contenance abhanden kommt, der von seiner Gier und Leidenschaft übermannt wird. Richard Häussler nimmt man den verschlagenen Anwalt zu jeder Zeit ab, es mangelt in "Der Würger von Schloss Blackmoor" keinesfalls an Fieslingen. Hans Reiser hatte in "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" sogar den etwas interessanteren Part erwischt, diesmal kommt er weniger häufig zum Zuge, zumindest vordergründig betrachtet. Die humorig angelegten Parts, sind bei den Wallace Filmen immer eine Gratwanderung. Eddi Arent war in manchen Filmen eine Bereicherung, in anderen neigte er zur Nervensägerei. Ganz schlimm die fürchterliche Vorstellung, die Chris Howland in "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" ablieferte. Walter Giller zeigt als Lord Blackmoor eine der ansprechendsten Darbietungen, die man im Bereich der "albernen" Wallace Charaktere finden kann. Man muss den knuffigen Lord einfach mögen. Ingmar Zeisberg ergänzt die Damenriege, sie stellt gewissermaßen den Gegenpol zur sauberen Karin Dor dar.

Für die musikalische Untermalung sorgte Oskar Sala, der mit seinen Klängen bereits "Der Fluch den gelben Schlange" (1962) veredelte. Erneut ertönt sein Mixturtrautonium, das für eine angenehm ungewöhnliche, frische und interessante Klangkulisse sorgt. Für manchen Fan mag Salas Werk nicht zugänglich sein, doch es lohnt sich wirklich genauer hinzuhören. Ansonsten wird bewährte, routinierte Arbeit geboten, erneut kann man Harald Reinl ein gutes Zeugnis ausstellen.

"Der Würger von Schloss Blackmoor" liegt in schöner Verfassung auf DVD vor. Gemeinsam mit

• Das Geheimnis der schwarzen Koffer
• Das siebente Opfer

bildet der Film den Inhalt der "Bryan Edgar Wallace Collection 1". Das Set ist zum fairen Preis erhältlich, die Filme stellen eine schöne Ergänzung zu den bekannteren Rialto Produktionen dar. Klare Kaufempfehlung für alle Freunde gelungener Kriminalfilmunterhaltung aus deutschen Landen! Lediglich das Ende hätte eine Dosis Kitsch weniger vertragen können, wirklich störend fällt dieser Moment aber nicht ins Gewicht.

Gut = 7/10

Lieblingszitat:

"Vorläufig ist es zwar nur ein dünner Draht, aber vielleicht wird eines Tages ein solider, dicker Strick daraus."

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Blap V 3.0 regaining paradise

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Vom Ursprung her verdorben


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 Post subject: Re: DER WÜRGER VON SCHLOSS BLACKMOOR - Harald Reinl
PostPosted: 10.01.2012 12:00 
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Einer der gelungeneren Beiträge der Bryan-Edgar-Wallace-Reihe.

Walter Giller (Gott sei seiner Promille gnädig!) liefert wieder eine typische Giller-Nummer ab, die wie nur er es kann eine gelungene Mischung aus Komik und Tragik birgt. Gibt's eigentlich die Locker-vom-Hocker-Reihe auf DVD?

Toll ist die Leistung des Dieter Eppler zu bewerten, einen Schauspieler, den man leider viel zu selten in größeren Rollen sah. Meist fristete er das Dasein im Schatten einiger Stars, dabei veredelt gerade sein fast immer gehetzt und unsicher wirkendes Spiel so manches Krimikleinod.

Chris Howland ist aber der eindeutig miesere Eddy Arent, der mit seiner vornehm britischen Butlermentalität so manchem Krimi eine humoristische Note verlieh und einmal sogar der Bösewicht sein durfte. Howland ist nur nervig. Und spielen kann er auch nicht.


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 Post subject: Re: DER WÜRGER VON SCHLOSS BLACKMOOR - Harald Reinl
PostPosted: 10.01.2012 18:59 
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Sergio Paydes wrote:
der mit seiner vornehm britischen Butlermentalität so manchem Krimi eine humoristische Note verlieh und einmal sogar der Bösewicht sein durfte


Sogar mehr als einmal.

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 Post subject: Re: DER WÜRGER VON SCHLOSS BLACKMOOR - Harald Reinl
PostPosted: 07.05.2018 13:48 
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Angesichts des schwachen Debüts "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" kann "Der Würger von Schloss Blackmoor" quasi als Quantensprung angesehen werden, der unter routinierter Regie von Harald Reinl umgesetzt wurde. Die hauptsächlich umstrittene Musik von Oskar Sala stellt eine der großen Stärken dieses Beitrags dar, schließlich schafft er es, dass der Zuschauer das Moor atmen, oder Diamanten funkeln hören kann. Außerdem setzt er akustische Signale, die etliche Schockmomente erst zu solchen werden lassen. Die Geschichte ist interessant genug, um gut unterhalten zu können und überhaupt erfreut sich der Film eines klaren Aufbaus. Die Geschichte wird von bekannten Interpreten getragen, denen es spielend möglich ist, ihre Charaktere gut ausbuchstabierten. Hier sind vor allem Karin Dor, Rudolf Fernau, Richard Häussler, Dieter Eppler oder Ingmar Zeisberg zu erwähnen. Die männliche Hauptrolle mit Harry Riebauer wirkt zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, auch Walte Giller erweckt diesen Eindruck vielleicht, wenngleich der Verlauf durch beide aber letztlich hinzu gewinnt. "Der Würger von Schloss Blackmoor" stellt somit die eigentliche Messlatte für alle kommenden Beiträge bei Bryan Edgar Wallace dar und es ist stets ein ausgesprochenes Vergnügen, diesen überaus atmosphärischen Krimi zu anzuschauen.


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 Post subject: DER WÜRGER VON SCHLOSS BLACKMOOR - Harald Reinl
PostPosted: 20.04.2019 16:16 
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DER WÜRGER VON SCHLOSS BLACKMOOR
BRD 1963

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Regie: Harald Reinl
Darsteller:
Karin Dor,
Harry Riebauer,
Rudolf Fernau,
Dieter Eppler,
Hans Nielsen,
Walter Giller

Der bald in den Adelsstand aufsteigende Lucius Clark (Rudolf Fernau) gibt auf Schloss Blackmoor ein rauschendes Fest, um bei diesem Anlass seinen steilen Aufstieg in die elitären Kreise zu verkünden. Nachdem das Fest beendet ist und alle Gäste die Heimreise angetreten haben, kommt es jedoch zu einer Begegnung, die Clark nicht so schnell vergessen wird. Denn er wird von einer schwarzgekleideten Gestalt bedroht, die den Erlös einer zurückliegenden Gaunerei einfordert: nämlich wertvolle Diamanten. Gerade als die Situation besonders kritisch zu werden droht, trifft Claridge Dorsett (Karin Dor) ein. Die junge Verwandte Clarks, die ebenso auf dem gemieteten Schloss Blackmoor wohnt, hat mit ihrer Ankunft den nächtlichen Eindringling zunächst vertreiben können. Doch wer ist die unbekannte Gestalt? Und welche Vergangenheit verbindet sich mit Lucius Clark und mit seinem Butler Anthony (Dieter Eppler), der nachts in den Kellergewölben des Schlosses verschwindet und sich auch sonst so manche Ungehörigkeit herausnimmt? Verbirgt sich hinter dem mysteriösen Mann vielleicht der eigentliche Schlossherr Edgar (Walter Giller), der ebenfalls ständig zugegen wäre, wenn auch der Würger von Schloss Blackmoor anwesend ist? Glücklicherweise hat Inspector Jeff Mitchell (Harry Riebauer) die Ermittlungen aufgenommen…

Harald Reinls DER WÜRGER VON SCHLOSS BLACKMOOR schafft es einerseits, die deutsche Edgar- und Bryan-Wallace-Kinoserie zu parodieren (und dies in einem noch relativ frühen Stadium, wenn man die zeitliche Spanne der Wallace-Krimis bedenkt) – und gleichzeitig stellt der Film einen recht gelungenen Gruselkrimi in seiner Zeit dar, der das hohe inszenatorische Können seines Regisseurs verdeutlicht. Was dabei nun die parodistischen Elemente des WÜRGERs betrifft: Spätestens, wenn Gillers Edgar-Figur mit seinem „britischen“ Bart erscheint, müsste jedem Betrachter klar sein, dass die filmische Klischeeschraube bis zum Anschlag angedreht werden soll. Die Überkorrektheit der britischen Adelsgesellschaft (und der oberen Polizeibeamten) wird hier nur von einer deutschen Pedanterie übertroffen, die sich im Klischee die Figuren und die englischen Spielorte nur so und nicht anders dargestellt vorstellt, beziehungsweise vorstellen will. Dies alles, wie bei den Wallace-Verfilmungen der BRD üblich, wird von Reinl bestens – und mit augenzwinkerndem Spaß – bedient. Gleichzeitig aber unterhält DER WÜRGER VON SCHLOSS BLACKMOOR dann auch, wenn Spannung erzeugt werden soll. Reinls Bildgestaltung beginnt schon damit, dass die Interieur-Ausstattung eine subtile Bedrohung zugesprochen bekommt, wenn hinter den handelnden Figuren im Raum die Wände mit bedrohlich angeleuchteten Tierköpfen, Hörnern, aber auch mit archaischen Waffen dekoriert sind. Die gesellschaftliche Fassade des zukünftigen Adeligen Clark erhält so eine ambivalente Rückprojektion, die seine Schandtaten aus der Vergangenheit widerspiegelt. Überraschend wären dabei aber ebenso so einige Gewaltspitzen, die für ihre Zeit doch überaus deutlich sind. Nicht nur wird in einem schon sadistischen Eifer auf eine Ölspur geschossen, so dass das Auto explodiert; darüber hinaus gibt es dann außerdem eine Motorradszene, die möglicherweise dann auch H. G. Lewis für einen späteren Film (SHE-DEVILS ON WHEELS) inspiriert haben könnte, sollte er in einem US-amerikanischen Kino THE STRANGLER OF CASTLE BLACKMOOR gesehen haben. Und dass das „britische“ Setting des Plots letztlich aber für Reinl nur Staffage für einen deutschen Thriller ist, merkt man sodann an dessen Verwendung bestimmter Motive, die eben für den „Krimi“ identitätsstiftend sind: Vor allem das Motiv, dass der Würger auf seinen Opfern ein „M“ hinterlässt, was indexikalisch die Schuld des so Hingerichteten anzeigt – was natürlich umgehend an Fritz Langs M (D 1931) denken lässt, der den deutschen Kriminalfilm (zumindest ab der Zeit des Tonfilms) maßgeblich etablieren sollte. An Langs Über-Film M erinnern zugleich dann auch Reinls Ausflüge ins Verbrechermilieu, welches – im Gegensatz zur oberflächlich glatten Welt des Adels auf Schloss Blackmoor – wesentlich „realitätsnaher“ gestaltet wäre. Man sieht im Nachtclub all die Trunkenbolde – wobei dort ein Charakter besonders hervorsticht: nämlich jenes Subjekt, welches ganz dicht sein Ohr an die Jukebox presst und damit den Eindruck hinterlässt, als wäre an dem Mann gerade eine Gehirnwäsche vorgenommen worden (eine Anspielung an die Mabuse-Tradition?). Zu diesem befremdlichen Eindruck des Musikgenusses im Nachtclub gesellt sich zudem noch ein Soundtrack, der ausgesprochen elektronisch daherkommt, und somit eine besondere Atmosphäre für den Film schafft. Harald Reinl gestaltet so mehrere Brüche, die den typischen Wallace-Touch mit seinem „deutschen Englisch-Sein“ konterkarieren, was zugleich aber Reinls Film angenehm einzigartig macht. Regelrecht „schwarz“ romantisch wird dann DER WÜRGER VON SCHLOSS BLACKMOOR, wenn wir auf das Motiv des Butlers blicken, welches hier doch sehr auf E. T. A. Hoffmans Erzählung „Das Fräulein von Scuderi“ anspielt, wo es einen ähnlich skizierten Goldschmied gibt. Die psychologische Ebene aus Hoffmanns Text mit der wahnsinnigen Künstlergestalt ist wunderbar in Reinls Werk hineintransformiert worden und wird dann später auch für viele „Gialli“ die Grundbasis ihrer psychopathologischen Handlungsstränge bilden…


Filmanfang der englischen Fassung:
youtu.be Video from : youtu.be


...der Bart eines britschen Kolonialisten:
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...deutsche Klischee-Bilder über die "bessere" britische Gesellschaft, wo das Sein Schein ist:
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...im Nachtclub werden die Szenen "realistischer", erinnern an Langs M, wo ebenso der abstrakte Stil in eine Milieu-Authentizität überführt wird:
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...geradezu klassisch-"ikonisch" wirkt der Titel-gebende Würger:
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...aufgrund der Gestaltung des Killers - verbunden mit dem Diamanten-Motiv - könnte man für die Inspirationsquelle dieses Genre-Films an LES VAMPIRES von 1915 denken, wo das Kinoplakat die Erscheinung des Verbrechers mit dem Raub kombiniert:
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(sollte Prisma oder ein anderer schon etwas geschrieben haben - dann bitte zusammenfügen...)


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 Post subject: Re: DER WÜRGER VON SCHLOSS BLACKMOOR - Harald Reinl
PostPosted: 20.04.2019 18:20 
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Howard Vernon wrote:
(sollte Prisma oder ein anderer schon etwas geschrieben haben - dann bitte zusammenfügen...)

Den haben wir tatsächlich schon: topic-t3360.html ;)


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 Post subject: Re: DER WÜRGER VON SCHLOSS BLACKMOOR - Harald Reinl
PostPosted: 20.04.2019 20:01 
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Zusammengefügt :!: Danke :!:

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 Post subject: Re: DER WÜRGER VON SCHLOSS BLACKMOOR - Harald Reinl
PostPosted: 12.05.2019 11:37 
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Die Ernsthaftigkeit der Handlung ist ein Merkmal, durch das sich die meisten Epigonen von der Rialto-Edgar-Wallace-Konkurrenz unterscheiden. Während sich der Wandel von der klassischen, mitunter brachiale Töne anschlagenden Frühphase der Reihe zu wesentlich breitenwirksameren Filmen bei Edgar Wallace relativ rasch vollzog und der typische Humor eines Eddi Arent oder Siegfried Schürenberg dem Schrecken ein Gegengewicht bieten sollte, vertraute man bei stilverwandten Produktionen wie "Der Henker von London", "Der Würger von Schloss Blackmoor" oder "Das Phantom von Soho" auf die zugrunde liegende Geschichte, die einen tragischen Hintergrund bot, der allein klamaukige Auflockerungen als Herabwürdigung entlarven sollte. Während der Faktor Humor immer der Zeit unterworfen ist und einer feinen Dosierung bedarf, haben die Mordfälle der Epigonen die Jahre gut überstanden und faszinieren noch heute.


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