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Die Eurocult-Liebhaber-Lounge
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 Post subject: ENTER THE VOID - Gaspar Noé
PostPosted: 10.05.2019 19:20 
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Produktionsland/Jahr: Frankreich, Deutschland, Italien, Kanada, Japan 2009
Darsteller: Nathaniel Brown, Paz de la Huerta, Cyril Roy, Emily Alyn Lind, Jesse Kuhn, Olly Alexander, Masato Tanno, Ed Spear, Sara Stockbridge
Drehbuch: Gaspar Noé & Lucile Hadzihalilovic
Produziert von: Brahim Chioua, Pierre Buffin, Vincent Maraval, Olivier Delbosc, Marc Missonnier, Shin Yamaguchi
Musik: Thomas Bangalter

Lange Zeit waren die Geschwister Oscar und Linda getrennt. Nun wohnen sie beide in Tokio. Er dealt mit Drogen, sie strippt in einer Bar. Jedoch geht einer von Oscars Deals gehörig schief und er wird auf der Toilette der schummrigen Bar "The Void" erschossen. Nun wacht sein Geist über Linda und ein aufregender Trip durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beginnt...
(Ofdb)

In seinem ersten Film nach IRREVERSIBEL gibt sich Noé sehr spirituell.
Zu Beginn schaut alles nach einem endlosen DMT-Trip aus - maximal psychedelisch.
Aber dann als Oscar erschossen wird und seine Seele aus dem Körper entweicht, ist er der Schutzengel seiner Schwester und wacht über sie.
Schwebt im einen Moment noch über den Dächern von Tokio und ist im nächsten plötzlich bspw. in irgendeinem Club oder in der Wohnung seiner Schwester.
Er kann an einem Ort in irgendein dort befindliches Objekt eintauchen und taucht dann an einem anderen Ort wieder auf.
Und da der ganze Film ausschließlich aus First- und Third-Person-Einstellungen besteht und durch die Schnitttechnik größtenteils wie eine einzige Plansequenz wirkt, wird's gleich noch aufregender.
Dadurch bekommt der Film auch eine gewisse traumartige Qualität, was doch sehr faszinierend ist, aber über die volle Laufzeit kann er dieses Gefühl nicht aufrecht erhalten.
Die erste Dreiviertelstunde bis Stunde geht's gut, aber dann...
Spätestens nach der ersten Stunde wurde es zunehmend anstrengender, zäher, vor allem aber auch ermüdend, durch die sich häufenden szenischen Wiederholungen, die sich Noé leistet.
Da hilft dann auch kein flimmerndes Neonlicht mehr, irgendwann sind es wirklich nur mehr die (seltener werdenden) offensichtlichen psychedelischen Szenen, die es noch schaffen, meinen Blick auf den Fernseher zu fixieren.
Alles andere lässt den Blick und die Gedanken immer öfter abschweifen und wo die ganze Sache hinführen wird, ist mir immer gleichgültiger.
Der Handlungsstrang mit den Rückblenden, in denen sich Noé der Kindheit des Geschwisterpaares widmet, war mir dann auch schon völlig egal.
Also die erste Stunde ist visuell größtenteils wirklich überragend, aber wie heißt es so schön: "Wer hoch steigt, fällt tief".
Noé ist mit ENTER THE VOID die erste Stunde sehr hoch gestiegen, aber in den übrigen 100 Minuten auch wieder ebenso tief gefallen, hat extrem nachgelassen.
Für die erste Stunde gibt's 10/10 ohne wenn und aber (ein Filmerlebnis der Extraklasse), für die restlichen 1:40 allerhöchstens noch 4-5/10 (mit wenigen vereinzelten 10er-Momenten).
Ergibt auf den ganzen Film gesehen 6/10.

Trailer:
www.youtube.com Video from : www.youtube.com


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 Post subject: Re: ENTER THE VOID - Gaspar Noé
PostPosted: 10.05.2019 21:40 
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Sbirro Di Ferro wrote:
Für die erste Stunde gibt's 10/10 ohne wenn und aber (ein Filmerlebnis der Extraklasse), für die restlichen 1:40 allerhöchstens noch 4-5/10 .





Ich habe den Film vor Jahren einmal gesehen und kann Deinen Eindruck vollkommen bestätigen.
In der ersten Stund war ich vollkommen fasziniert aber die folgenden 100 Minuten haben es runtergerissen, so daß ich den Film auch nicht in die Sammlung integriert habe.


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 Post subject: Re: ENTER THE VOID - Gaspar Noé
PostPosted: 19.05.2019 11:11 
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Enter the Void
Enter the Void
Deutschland / Frankreich / Italien / Japan / Kanada 2009
Regie: Gaspar Noé
Paz de la Huerta, Nathaniel Brown, Cyril Roy, Olly Alexander, Masato Tanno, Ed Spear, Emily Alyn Lind, Jesse Kuhn, Nobu Imai, Sakiko Fukuhara, Janice Béliveau-Sicotte, Sara Stockbridge


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*** The link is only visible for members, go to login. ***

Oscar ist ein kleiner Dealer und Drogenabhängiger, irgendwo im großen Tokio. Seine Schwester Linda arbeitet als Go-Go-Tänzerin und hat ein Verhältnis mit ihrem Chef. Die beiden verbindet ein schicksalhaftes Band: Als Kinder haben sie bei einem schrecklichen Verkehrsunfall ihre Eltern verloren. Sie schworen sich gegenseitig, sich niemals alleine zu lassen. Doch jetzt wird Oscar bei einer Razzia von der Polizei erschossen, sein Geist allerdings weigert sich die Erde zu verlassen und schwebt durch Tokio. Er besucht seinen Freund Alex, der Angst hat vor der Polizei und Wohnung und Halt verloren hat. Victor, der ihn verraten hat, mit dessen Mutter Oscar ein Verhältnis hatte, und dessen Familie an den Geschehnissen zerbricht. Seine Schwester, die ihren Job verliert und Gefahr läuft im Nachtleben von Tokio aufgerieben zu werden. Er sieht die Bilder seiner Kindheit, sieht die Ereignisse die zu seinem Tod führten, und irgendwann sucht er sich ein neues Leben aus. Ganz nah bei seiner geliebten Schwester.

Ein Drogenrausch aus Bildern und Tönen. Ein Trip aus Farben und Geräuschen. Eine Reise in die Welten der Toten und der Lebenden. An die Stelle, an der sich die beiden Welten treffen, so wie es im Tibetanischen Totenbuch beschrieben wird. Aber auch eine Reise durch einen urbanen Moloch, wie man ihn sich in Mitteleuropa kaum vorstellen kann. Ein Moloch der Menschen frisst und auspuckt wie unsereins Kernobst.

Schauspielerische Leistungen treffen auf technische Raffinessen, und eigentlich ist ENTER THE VOID ein Film zum Zurücklehnen, Chillen und zum sich Berauschen lassen. Wenn da nicht der klitzekleine Umstand wäre, dass der Film ganz einfach eine Stunde zu lang ist. Das Stilmittel des astralen Fluges über Tokio und durch Wände und Dächer hindurch läuft sich irgendwann tot, und gerade die letzte Stunde lässt auch narrativ eine offensichtliche Richtung vermissen. Wir wissen nicht was Oscar eigentlich noch sucht, und bis wir es erfahren (nämlich in der letzten Viertelstunde) vergeht einfach zu viel Zeit in der nichts passiert. Zeit, in welcher der Zuschauer Muße hat über das Nachzudenken, was er bisher gesehen hat. Was er morgen tun möchte. Was mit dem Job/der Verlobten/der Geliebten/oder allem gleichzeitig passieren soll. Zwar hat es immer wieder eingestreute Schockeffekte: Oscars Tod, vor allem aber der Unfall der Eltern, setzen deutliche Marken im Film und fesseln, wenn das eigene Bewusstsein mal wieder auf Reisen geht. Aber letzten Endes lässt sich der Zuschauer genauso treiben wie Oscar beim Rauchen des DMT. Man sieht bunte Fraktale und man kann sie zusammensetzen. Oder auch nicht. Oscar fliegt, und der Zuschauer fliegt mit ihm. Ob das reicht, das muss jeder für sich beurteilen. Mir persönlich war es etwas zu wenig, aber das bezieht sich wie gesagt nur auf die letzte Stunde.

ENTER THE VOID ist eine sinnliche Erfahrung, die via Film eher etwas Seltenes und Kostbares ist. Die ersten anderthalb Stunden haben mich gebannt und entspannt gleichzeitig. Aber Sitzfleisch und Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Darstellungsformen müssen halt mitgebracht werden. Im Vorspann(?) werden irgendwann Coil und Throbbing Gristle erwähnt, und das sind eigentlich passende Vergleiche: Musik die weiter reicht als die nächsten 5 Minuten. Die aber auch grundlegend anders ist in ihrer Struktur. Betrete die Leere, und staune was sie alles enthält …

6/10 mit Hang zur 7 /10

_________________
Die Umschreibung Neuentdeckung [...] ist natürlich nur eine äußerst persönliche Färbung, denn es handelt sich um ein Spektakel innerhalb der ganz eigenen Filmwelt. Die Suche nach Input, nach Neuem, und die Offenherzigkeit gegenüber Genres und Filmen jeder Art, führen mich immer wieder zu solchen Etappen, und auch wenn sich dieser Kreis niemals schließen wird, er erfährt mitunter durchaus erfreuliche Erweiterungen. (Prisma)


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 Post subject: Re: ENTER THE VOID - Gaspar Noé
PostPosted: 19.05.2019 13:22 
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Schmutziger_Maulwurf wrote:

ENTER THE VOID ist eine sinnliche Erfahrung, die via Film eher etwas Seltenes und Kostbares ist. Die ersten anderthalb Stunden haben mich gebannt und entspannt gleichzeitig. Aber Sitzfleisch und Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Darstellungsformen müssen halt mitgebracht werden. Im Vorspann(?) werden irgendwann Coil und Throbbing Gristle erwähnt, und das sind eigentlich passende Vergleiche: Musik die weiter reicht als die nächsten 5 Minuten. Die aber auch grundlegend anders ist in ihrer Struktur. Betrete die Leere, und staune was sie alles enthält …

6/10 mit Hang zur 7 /10


Die BD ist zwar schon gekauft, aber wurde von mir noch nicht angeschaut - Deine Besprechung macht wirklich Lust darauf, danke dafür!... ansonsten kenne ich von Noé auch den "Menschenfeind", der mir eigentlich am besten gefallen hat; mit "Irreversibel" wurde die Erzählweise bei Noé augenfällig immer vielschichtiger, so dass ich Deiner Beschreibung entnehmen kann, dass ebenso "Enter..." recht "kompliziert" sich in seinem Plot darstellt, aber wenn Du "Coil" und "Throbbing Gristle" erwähnst, dann weiß ich so etwa, wo die "Reise" hingeht - kein Party-Film zur leichten Unterhaltung...


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